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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 129
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LVII. 231. Hierauf sagte Sulpicius: Wie nun? Sollen wir zulassen, daß Cäsar, der zwar dem Crassus die Gabe des Sitzes einräumt, aber sich mit demselben weit mehr wissenschaftlich beschäftigt, uns nicht das ganze Wesen des Scherzes entwickele und seine Beschaffenheit und seine Quellen darlege, zumal da er gesteht, der Witz und der feine Scherz sei von so großer Wirkung und so großem Nutzen? – Wie? versetzte Julius, wenn ich der Behauptung des Antonius beistimme, daß es kein wissenschaftliches Lehrgebäude des Witzes gebe? 232. Hier schwieg Sulpicius, und Crassus nahm das Wort: Ei wie? als ob es gerade von den Dingen, über die Antonius schon lange spricht, irgend ein wissenschaftliches Lehrgebäude gäbe. Nach seinem eigenen GeständnisseS. II. 8, 32. ist es eine Beobachtung solcher Dinge, welche beim Reden eine Wirkung hervorbringen. Könnte aber dieß die Menschen zu Rednern bilden, wer würde da nicht ein Redner sein? Denn wer vermöchte nicht so Etwas leicht oder wenigstens einigermaßen zu erlernen? Aber die Bedeutung und der Nutzen solcher Vorschriften besteht meines Erachtens zwar nicht darin, daß wir durch sie zu der Erfindung dessen, was wir sagen sollen, kunstmäßig geleitet werden, wohl aber darin, daß wir zu einer festen Ueberzeugung und Einsicht gelangen, ob das, was wir durch Naturanlagen, durch Fleiß und Uebung erlangen, recht oder verkehrt ist, wenn wir gelernt haben, wo Jedes zweckmäßig zu gebrauchen sei. 233. Deßhalb ersuche auch ich dich, lieber Cäsar, uns, wenn es dir gefällig ist, über das ganze Wesen des Scherzes deine Ansichten zu eröffnen, damit nicht etwa irgend ein Theil der Beredsamkeit, weil ihr es nun einmal so gewünscht habt, in einer solchen Gesellschaft und in einer so gründlichen Unterredung übergangen zu sein scheine. – Nun ja, erwiderte jener, weil du nun einmal, mein Crassus, von deinem Gaste eine Beisteuer verlangst, so will ich nicht die Schuld tragen, als gäbe ich durch meine Ablehnung auch dir einen Vorwand zur Weigerung, wiewol ich mich oft über die Unverschämtheit derer zu verwundern pflege, die vor den Augen des Roscius auf der Bühne als Schauspieler auftreten. Denn wer kann hier eine Bewegung machen, an der dieser nicht Fehler bemerkte? Ebenso werde ich jetzt vor Crassus zum ersten Male von dem Witze reden und, wie die Sau im SprüchworteDas Sprüchwort heißt vollständig: Sus Minervam (sc. docet), die Sau belehrt die Minerva., den Redner belehren, von dem neulich Catulus, als er ihn reden gehört hatte, sagte, in Vergleich mit ihm müßten die Anderen Heu essenD. h. alle anderen Redner können ebenso wenig mit Crassus verglichen werden. wie das Heu fressende Thier, vorzugsweise das Rindvieh, mit dem Menschen.. 234. Catulus scherzte, erwiderte jener, zumal da er selbst so redet, daß er mit Ambrosia gespeist zu werden verdient. Doch, lieber Cäsar, laß uns dich hören, um auf das zurückkehren zu können, was Antonius noch übrig gelassen hat. – Und Antonius sagte: Es ist zwar nur sehr wenig noch übrig; aber von dem mühsamen Wege meines Vortrages fühle ich mich jetzt ermüdet, und die Rede Cäsar's wird mir wie ein bequemes Gasthaus Gelegenheit zur Erholung geben.

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