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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 128
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LVI. 227. Doch dieß ist die feierliche und erhabene Sprache des Trauerspieles; aber geistreiche und witzige Aeußerungen sind euch noch unzählige aus einer einzigen Rede erinnerlich. Denn nie fand ein größerer Wettstreitcontentio nach einer, später durch Handschriften bestätigten Muthmaßung von Schütz statt concio. statt, nie wurde vor dem Volke eine eindringlichere Rede gehalten als die, welche unser Crassus neulich gegen seinen AmtsgenossenCn. Domitius Ahenobarbus. S. zu Kap. 11. Anm. 307. in der Censur hielt, nie war eine Rede von Laune und heiterem Scherze gewürzter. Daher stimme ich dir, Antonius, in beiden Hinsichten bei, daß der Witz beim Reden oft von großer Wirkung sei, und daß er auf keine Weise kunstmäßig gelehrt werden könne; aber das befremdet mich, daß du mir in diesem Stücke einen so großen Vorzug beilegst und nicht vielmehr auch hierin, wie in allem Uebrigen, dem Crassus den Siegespreis zuerkennst. 228. Ja, erwiderte Antonius, das würde ich auch wirklich gethan haben, wenn ich nicht zuweilen den Crassus ein Wenig darum beneidete. Allerdings ist selbst die ausgezeichneteste Anlage zur Laune und zum Witze an und für sich nicht eben sehr beneidenswert; aber daß er Alle an Anmuth und Feinheit des Witzes übertrifft und zugleich ein Mann von der höchsten Würde und dem tiefsten Ernste ist und dafür gilt: – ein Vorzug, der diesem allein zu Theil geworden ist, – das schien mir kaum erträglich. 229. Bei diesen Worten konnte sich Crassus selbst des Lachens nicht enthalten, und Antonius fuhr fort: Du hast zwar behauptet, Julius, es gebe keine Kunst des Witzes; aber gleichwol hast du Etwas dargelegt, was man, wie es scheint, als eine Regel ansehen muß. Du bemerktest nämlich, man müsse Rücksicht nehmen auf Personen, Sachen und Zeiten, damit der Scherz der Würde keinen Abbruch thue: was ganz besonders Crassus zu beachten pflegt. Aber diese Vorschrift sagt nur, man solle den Witz nicht anwendenpraetermittendarum, eine Muthmaßung von Heinz für praetermittendum., wo er durchaus nicht nöthig ist. Wir aber wollen wissen, wie wir ihn gebrauchen sollen, wo er nöthig ist, wie zum Beispiel wider einen Gegner, und zwar vorzüglich, wenn man seinen Unverstand verhöhnen kann, oder gegen einen thörichten, parteiischen und leichtsinnigen Zeugen, wenn man hoffen darf von den Menschen gern gehört zu werden. 230. Ueberhaupt werden witzige Einfälle beifälliger aufgenommen, wenn wir sie gereizt, als wenn wir sie ohne vorhergehende Veranlassung vorbringen. Denn einerseits ist die Raschheit des Geistes größer, welche sich im Antworten zeigt, andererseits entspricht die Antwort dem Wesen des menschlichen Gefühles. Denn es hat den Schein, als ob wir uns ruhig würden verhalten haben, wenn wir nicht gereizt worden wären, wie auch gerade in jener Rede fast keine Aeußerung, die nämlich für eine witzige gelten konnte, von Crassus vorgebracht wurde, die nicht eine Entgegnung auf eine Herausforderung gewesen wäre. Auch zeigte Domitius so viel Würde, so viel Ansehen, daß es zweckmäßiger schien seine Vorwürfe durch einen launigen Vortrag zu entkräften als durch heftigen Streit in ihrer Nichtigkeit darzustellen.

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