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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 115
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XLIII. 182. Viel also trägt zur siegreichen Führung der Sache bei, daß der Charakter, die Grundsätze, die Handlungen und der Lebenswandel derer, welche als Sachführer auftreten, und derer, für die sie auftreten, Beifall, sowie dagegen dieselben Eigenschaften der Gegner Mißbilligung finden, und daß die Gemüther der Zuhörer so viel als möglich zum Wohlwollen für den Redner und für den, dessen Sache der Redner führt, gestimmt werden. Zum Wohlwollen aber werden die Gemüther gestimmt durch die Würde des Menschen, durch seine Thaten und durch den guten Ruf seines Lebenswandels: Eigenschaften, die sich leichter durch die Rede ausschmücken lassen, wenn sie nur vorhanden sind, als erdichten, wenn sie nicht vorhanden sind. Doch förderlich ist dem Redner auch eine sanfte Stimme, die Mienevultus steht für sich da und ist nicht, wie mehrere Herausgeber wollen, mit den folgenden Worten pudoris significatio zu verbinden., der Ausdruck der Bescheidenheit, freundliche Worte und, so oft er Etwas mit einiger Heftigkeit vorträgt, der Anschein, als thue er es ungern und gezwungen. Von Leutseligkeit, edeler Gesinnung, Sanftmuth, Pflichtgefühl, Dankbarkeit, einer von Habsucht und Geldgier freien Denkungsart Merkmale an den Tag legen ist sehr nützlich, und alle Eigenschaften eines rechtschaffenen, anspruchslosen, von Heftigkeit, Hartnäckigkeit, Streitsucht, Bitterkeit freien Charakters sind in hohem Grade dazu geeignet Wohlwollen zu gewinnen und es denen zu entziehen, die diese Eigenschaften nicht besitzen. Die entgegengesetzten Eigenschaften muß man daher den Gegnern zur Last legen. 183. Aber diese ganze Art der Rede wird sich in solchen Verhandlungen trefflich bewähren, in welchen das Gemüth des Redners weniger durch eine feurige und leidenschaftliche Aufregung entflammt werden kann. Denn nicht immer ist eine kraftvolle Rede erforderlich, sondern oft eine ruhige, sanfte und gelinde, die vorzüglich den BetheiligtenIm Lateinischen rei, wie Cicero gleich darauf erklärend hinzufügt: Reos autem appello non eos modo, qui arguuntur, sed omnes, quorum de re disceptatur. zur Empfehlung dient. Betheiligte aber nenne ich nicht nur diejenigen, welche verklagt werden, sondern Alle, deren Streitsache verhandelt wird. Denn so drückte man sich ehemals aus. 184. Den Charakter dieser nun in der Rede zu schildern, indem man sie als gerechte. unbescholtene, gewissenhafte, schüchterne, bei Kränkungen duldsame Menschen beschreibt, thut eine wunderbare Wirkung, und dieses Verfahren, mag es im Anfange oder bei der Erzählung oder am Schlusse der Rede angewendet werden, hat, wenn es mit Anmuth und Gefühl ausgeführt wird, einen so großen Einfluß, daß es oft mehr wirkt als die Sache selbst. Ein gefühlvoller Vortrag hat die Wirkung, daß die Rede gleichsam als der Abdruck von dem Charakter des Redners angesehen wird. Denn durch eine gewisse Art von Gedanken und Worten in Verbindung mit einem sanften und Leutseligkeit verrathenden Vortrage verschaffen sich die Redner das Ansehen von rechtschaffenen, wohlgesitteten und tugendhaften Männern.

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