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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 111
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXXIX. 162. Wenn ich einen völlig unwissenden Lehrling für die Beredsamkeit gebildet zu sehen wünschte, so würde ich ihn lieber den Lehrmeistern übergeben, die, unablässig mit derselben Mühe, auf denselben Ambos Tag und Nacht schlagen, die Alles in die feinsten Stückchen getheilt und möglichst klein gekaut, wie die Ammen kleinen Kindern, in den Mund stecken. Scheint er mir aber durch den Unterricht auf eine freisinnige Weise gebildet, durch einige Erfahrung schon geübt und mit ziemlich lebhaftem Geiste begabt zu sein, so werde ich ihn rasch dahin führen, wo nicht ein wenig Wasser in einem abgeschlossenen Raume aufbewahrt wird, sondern woher der ganze Strom hervorbricht, zu einem Manne, der ihm die Fundstätten und gleichsam die Wohnungen aller Beweise zu zeigen und diese kurz zu erläutern und mit Worten zu bestimmen vermag. 163. Denn wo könnte sich Jemand verlegen fühlen, wenn er erkannt hat, daß alle Gründe, die man in der Rede entweder zum Beweisen oder zum Widerlegen anwendet, entweder aus dem inneren Wesen und der natürlichen Beschaffenheit der Sache genommen oder von Außen her hinzugenommen werden? Aus dem inneren Wesen, wenn es sich fragt, was die ganze Sache oder ein Theil derselben sei, oder was für ein Name ihr zukomme, oder was in irgend einer Beziehung zu ihr stehe; von Außen her aber, wenn äußerliche Umstände, die dem Wesen der Sache nicht inwohnen, zusammengestellt werden. 164. Bezieht sich die Frage auf die ganze Sache, so muß man das ganze Wesen derselben durch eine Erklärung entwickeln, wie z. B.: »Wenn Hoheit des Staates so viel bedeutet als Erhabenheit und Würde des Staates, so verletzt sie derjenige, welcher ein Kriegsheer den Feinden des Römischen Volkes übergibt, nicht derjenige, welcher den, der solches that, der Gewalt des Römischen Volkes übergibtDiese Worte sind offenbar aus der Rede des Antonius entlehnt, die er für Gajus Norbanus hielt. Vgl. Kap. 21, §. 89. Kap. 25, §. 107. Kap. 47, §. 197.165. Bezieht sie sich auf einen Theil der Sache, durch Eintheilung, auf folgende Weise: »Entweder mußte er, da es die Wohlfahrt des Staates galt, dem Senate Folge leisten oder eine andere Rathsversammlung einsetzen oder nach eigener Willkür handeln. Eine andere Rathsversammlung einsetzen wäre gewaltthätig; nach eigener Willkür handeln anmaßend gewesen. Also mußte er sich der Rathsversammlung des Senates fügenAus der Rede des Carbo für den Opimius. S. Kap. 25, §. 106. Kap. 30, §. 132..« Bezieht sie sich aber auf einen Ausdruck, so mache man es, wie CarboAus derselben Rede.: »Wenn Consul einen Mann bedeutet, der für das Vaterland sorgt; was Anderes hat Opimius gethan?« 166. Fragt es sich aber um Etwas, was in einer gewissen Beziehung zu der Sache selbst steht; so gibt es mehrere Fundstätten und Quellen der Beweisgründe. Denn wir werden das Verwandte aufsuchen und die Gattungen und die den Gattungen untergeordneten Arten, das Aehnliche und Unähnliche, das Entgegengesetzte, die Folgen, das Uebereinstimmende, das Vorangehende, das Widersprechende, die Ursachen der Dinge erforschen und die aus ihnen entstandenen Wirkungen und das Größere, Gleiche und Kleinere untersuchen.

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