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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 11
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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Erstes Buch.

I. 1. Wenn ich, mein lieber Bruder Quintus, wie ich oftmals thue, die alten Zeiten überdenke und mir vergegenwärtige, so pflegen mir die Männer sehr glücklich zu erscheinen, welchen bei der besten Verfassung des Staates im Genusse hoher Ehrenämter und eines großen Thatenruhmes einen solchen Lebenslauf zu behaupten erlaubt war, daß sie entweder ihren Aemtern ohne Gefahr obliegen oder in ihrer Zurückgezogenheit von den Staatsgeschäften mit Würde leben konnten. Auch ich hatte gehofft, es würde mir einst mit Fug und Recht und nach dem Urtheile fast Aller eine Zeit, in der ich wieder Ruhe finden und mich in den Schoß der herrlichen Wissenschaften, die wir beiden lieben, zurückziehen könnte, gegönnt werden, wenn die unendliche Arbeit der gewöhnlichen Verhandlungen und die Bewerbung um Staatsämter mit dem Ablaufe der Ehrenstellen zugleich auch mit der Neige des Alters das Ziel erreicht hätte. 2. Doch diese Hoffnung meiner Gedanken und Pläne wurde theils durch die unglücklichen Zeitverhältnisse des StaatesDie Zeit nach seinem Consulate, das er in seinem vierundzwanzigsten Lebensjahre verwaltete., theils durch mannigfache eigene UnfälleNamentlich das Bündniß zwischen Cäsar und Pompejus. vereitelt. Denn in der Zeit, welche mir die vollste Ruhe und Zufriedenheit zu versprechen schienSeine Verbannung., türmte sich eine Menge der größten Widerwärtigkeiten auf, und die wildesten Stürme erhoben sich, und nicht wurde mir der so gewünschte und erstrebte Genuß der Muße zu Theil, um die Wissenschaften, denen wir von Kindheit an ergeben waren, zu betreiben und unter uns anzubauen. 3. Denn mein erstes Lebensalter fiel gerade in den Umsturz der alten VerfassungIn die Zeiten der Bürgerkriege zwischen Marius und Sulla.; und mein Consulat führte mich mitten in den Kampf und die Gefahr des ganzen StaatesDurch die Verschwörung des Catilina., und die ganze Zeit nach dem Consulate habe ich den Fluten entgegenstellen müssen, die, durch mich von der Vernichtung des Staates abgewehrt, gegen mich selbst zurückströmen solltenEr meint die Umtriebe seiner Feinde, heimlicher Anhänger des Catilina, namentlich des Clodius, die den Cicero beschuldigten, er habe angesehene Römische Bürger eigenmächtig hinrichten lassen, und auf seine Verbannung antrugen. Der Volkstribun Clodius setzte es wirklich durch, daß Cicero verurtheilt, sein Haus geschleift und sein Eigentum öffentlich verkauft wurde.. Aber ungeachtet dieser mißlichen Verhältnisse und bedrängten Zeiten will ich mich dennoch unseren wissenschaftlichen Bestrebungen widmen und, so viel mir die Ränke der Feinde, die Vertheidigungen der Freunde und die Staatsgeschäfte Muße übrig lassen, vorzugsweise zum Schreiben anwenden. Deinen Aufforderungen aber, mein Bruder, und deinen Bitten werde ich nicht unterlassen Genüge zu leisten. Denn Niemand kann durch Ansehen und Willen mehr über mich vermögen, als du.

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