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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 108
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXXVI. 152. Hierauf erwiderte Catulus: Es ist, wie du sagst, Antonius: die meisten Philosophen ertheilen keine Vorschriften über die Beredsamkeit, und doch haben sie in Bereitschaft, was sie über jeden Gegenstand sagen wollen. Aber AristotelesIn den Topicis. Vgl. Cicer. Topic. c. 1 – er, den ich am Meisten bewundere – hat gewisse Fundstätten aufgestellt, aus denen sich das Verfahren der ganzen Beweisführung nicht nur für philosophische Erörterungen, sondern auch für solche Vorträge, wie wir sie bei den Rechtsverhandlungen gebrauchen, herausfinden läßt. Von den Ansichten dieses Mannes weicht dein eben gehaltener Vortrag, Antonius, nicht ab, sei es nun, daß du durch die Aehnlichkeit mit diesem unvergleichlich großen Geiste in dieselben Spuren geleitet wirst, sei es, daß du diese Sachen in seinen Schriften gelesen und gelernt hast, und dieses Letztere dünkt mir wahrscheinlicher; denn ich sehe, du hast mehr Fleiß auf die Griechischen Schriften verwandt, als wir glaubten. 153. Hierauf entgegnete jener: Du sollst die Wahrheit von mir hören, mein Catulus. Ich bin immer der Ansicht gewesen, ein Redner würde unserem Volke angenehmer und beifallswerther sein, wenn er sich erstens von Kunst so wenig, als möglich, und dann von Griechischer Weisheit gar Nichts merken lasse. Zugleich aber war ich hinwiederum der Ansicht, da die Griechen so wichtige Dinge unternehmen, verheißen und ausführen, da sie versprechen die Kunst das Verborgenste zu durchschauen, das Leben wohl zu ordnen und sich beredt auszudrücken den Menschen mitzutheilen, so müsse man einem Thiere ähnlicher als einem Menschen sein, wenn man ihnen nicht das Ohr leihen und, wagte man es auch nicht sie öffentlich zu hören, um nicht bei seinen Mitbürgern sein Ansehen zu schmälern, doch wenigstens lauschend ihre Worte aufnehmen und aus der Ferne ihren Vorträgen Aufmerksamkeit schenken wollte. Und so habe ich es gemacht, Catulus, und die Untersuchungen aller ihrer Schriftsteller im Wesentlichen und Allgemeinen gekostet.

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