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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 107
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXXV. 148. Und so, da zur Erfindung des Redestoffes drei Dinge erforderlich sind, Scharfsinn, zweitens wissenschaftliche Kenntniß, die wir, wenn wir wollen, auch Kunst nennen können, und drittens Fleiß, muß ich allerdings der natürlichen Anlage die erste Stelle einräumen; aber doch vermag der Fleiß die natürliche Anlage auch aus ihrer Schläfrigkeit aufzurütteln, der Fleiß, sage ich, der, sowie in allen Dingen, so ganz besonders in der Vertheidigung der Rechtsverhandlungen die größte Geltung hat. Für ihn müssen wir vorzüglich Sorge tragen, ihn stets anwenden, er ist es, der Alles zu erreichen vermag. Daß uns die Sache, wie ich anfänglich bemerkte, gründlich bekannt sei, bewirkt der Fleiß; daß wir den Gegner mit Aufmerksamkeit anhören und seine Gedanken nicht allein, sondern auch alle seine Worte auffassen, endlich alle seine Mienen durchschauen, welche gewöhnlich das Innere der Seele verrathen, bewirkt der Fleiß; 149. [dieß jedoch verstohlen zu thun, damit der Gegner sich nicht einbilde, er richte Etwas aus, das räth die Klugheit;]Die in Klammern eingeschlossenen Worte werden von den meisten neueren Herausgebern für unächt gehalten. ferner daß der Geist sich mit den Beweisquellen, die ich bald nachherKap. 39–41. vorlegen werde, auf das Gründlichste beschäftige, daß er tief in die Sache eindringe, daß er gespannte Aufmerksamkeit und Nachdenken anwende, bewirkt der Fleiß; daß er, um den Stoff der Rede in das rechte Licht zu stellen, Gedächtniß, Stimme und Kräfte anstrenge, bewirkt der Fleißut vires, diligentia est. So verbesserte Ernesti die Lesart der Handschriften ut vires haec magna sunt.. 150. Zwischen der Naturanlage und dem Fleiße ist nur ein kleiner Spielraum für die Kunst übrig. Die Kunst zeigt nur, wo man suchen müsse, und wo anzutreffen sei, was man aufzufinden sucht; das Uebrige beruht auf Sorgfalt, Aufmerksamkeit, Nachdenken, Wachsamkeit, Beharrlichkeit, Arbeitsamkeit; ich will Alles in dem Einen Worte, das ich schon so oft gebraucht habe, zusammenfassen, auf Fleiß, und in dieser Einen Tugend sind alle übrigen Tugenden enthalten. 151. An Wortfülle freilich, sehen wir, haben die Philosophen einen Ueberfluß, welche, wie ich glaube, – doch du, CatulusCatulus war ein gründlicher Kenner der Griechischen Sprache und Litteratur S. Kap. 7, §. 28., weißt dieß besser – keine Vorschriften über die Beredsamkeit ertheilen, aber darum nicht weniger sich unterfangen über jeden ihnen vorgelegten Gegenstand mit dem größten Wortreichtum zu reden.

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