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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 101
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXIX. 126. Hierauf sagte Catulus: Ja wahrlich, das pflege ich an euch beiden am Meisten zu bewundern, daß ihr trotz euerer so großen Verschiedenheit im Reden doch so redet, daß keinem irgend Etwas von der Natur versagt oder von der Wissenschaft nicht verliehen zu sein scheint. Darum wirst du einerseits, Crassus, uns nicht deiner Liebenswürdigkeit berauben, so daß du uns nicht, was etwa Antonius überging oder noch übrig ließ, entwickeln solltest; andererseits haben wir von dir, Antonius, die Ueberzeugung, daß, wenn du Etwas nicht gesagt hast, du dieß nicht aus Unkunde thatest, sondern vielmehr, weil du wünschtest, daß es von Crassus gesagt werde. 127. Da erwiderte Crassus: Ei, so übergehe das, Antonius, was du angekündigt hast, und was keiner der Anwesenden vermißt, aus welchen Quellen nämlich sich der Gedankenstoff in den gerichtlichen Reden auffinden lasse; denn obwol du die Vorschriften über diesen Gegenstand auf eine neue Weise und vortrefflich vorträgst, so sind sie doch theils an sich ziemlich leicht, theils durch die Lehrbücher allbekannt; jene Quellen eröffne uns vielmehr, aus denen du das schöpfest, was du so oft und immer so meisterhaft behandelst. 128. So will ich sie denn eröffnen, sagte Antonius, und damit ich desto leichter von dir erhalte, was ich begehre; so will ich dir Nichts verweigern, was du von mir verlangst. Meine ganze Redekunst und gerade die Fähigkeit im Reden, die Crassus eben bis in den Himmel erhob, beruhen, wie ich zuvor bemerkte, auf der dreifachen Rücksicht: erstens die Menschen zu gewinnen, zweitens sie zu belehren, drittens sie zu rühren. 129. Der erste dieser drei Theile erfordert einen sanften, der zweite einen scharfsinnigen, der dritte einen kräftigen Vortrag. Denn nothwendig muß der, welcher zu unseren Gunsten die Sache entscheiden soll, entweder durch die Neigung seines Willens uns gewogen sein oder durch die Beweisgründe unserer Vertheidigung überzeugt oder durch Bewegung des Gemüthes gezwungen werden. Aber weil jener Theil, der sich mit der Entwickelung und Vertheidigung der Sachen selbst beschäftigt, gewissermaßen die ganze Grundlehre für die Redekunst zu enthalten scheint; so will ich zuvörderst von diesem reden und Weniges sagen. Nur weniges ist ja das, was ich mir durch lange Erfahrung angeeignet und gleichsam im Geiste verzeichnet zu haben glaube.

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