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Vom Mars zur Erde

Albert Daiber: Vom Mars zur Erde - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorAlbert Daiber
titleVom Mars zur Erde
publisherLevy u. Müller
illustratorFritz Bergen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20141116
modified20160412
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Siebentes Kapitel. Vorbereitungen zur Rückkehr

Eine geraume Zeit schon befand sich Fridolin Frommherz wieder in seinem alten Heim in Lumata. Die Kunde von seiner bevorstehenden Abreise nach der Erde war ihm von Angola aus nach Lumata vorausgeeilt, und als er mit dem würdigen Eran dahin zurückkehrte, war sein Empfang überall recht herzlich. Aus dieser Aufnahme an dem alten Orte seines ersten Aufenthaltes fühlte der Gelehrte deutlich heraus, wie die Marsiten seinen Entschluß beurteilten. Unverhohlen wurde ihm jetzt eine Achtung gezeigt, die ihm einst, nach der Trennung von seinen Gefährten, in diesem Umfange nicht bewiesen worden war.

Mit Energie wurde an der Herstellung des Luftschiffes gearbeitet, das in jeder Hinsicht befähigt sein mußte, nicht nur den Weltenraum zu durchschneiden, sondern auch die Marsiten, die des Erdensohnes Begleitung bilden sollten, wieder auf den Lichtentsprossenen zurückzubringen. Die großartige Entwicklung der technischen Wissenschaften auf dem Mars ermöglichte die verhältnismäßig rasche Konstruktion eines den höchsten Anforderungen genügenden Luftschiffes. Trotzdem aber verstrichen mit der Erfüllung dieser wichtigen Aufgabe noch mehrere Monate.

Inzwischen wurden in Fridolins Herz wieder mehr und mehr die alten Erinnerungen wach. Waren es doch nun schon vierzehn Jahre, seit er von Cannstatts Wasen unter großem Hallo der Bevölkerung, unter dem Hurra von Hunderttausenden aus nah und fern Herbeigeeilter abgefahren war. Das fünfzehnte Jahr nach Erdenmaß war angebrochen, und noch immer weilte er in Lumata. Jetzt brauchte es nur noch weniger Wochen Geduld, und die ernste Stunde des Abschiedes für immer vom Mars und seinem edlen Volke sollte schlagen. Für diese Riesenreise wurde alles in tadelloser, umsichtiger Weise vorbereitet. Täglich wanderte der Erdensohn hinaus auf die ihm wohlbekannte Wiese, auf der einst der »Weltensegler«, das Luftschiff, das ihn und seine Gefährten hierhergebracht hatte, niedergegangen war, und auf der nun auch sein Luftschiff gebaut wurde, und verfolgte den Fortschritt der Arbeit.

Wenn Fridolin Frommherz auch die technischen Schwierigkeiten bei der Herstellung eines Weltfahrzeugs von Cannstatt her nicht gänzlich unbekannt waren, so vermochten doch die verwickelten Berechnungen, die dem kunstvollen Bau zu Grunde lagen, sein Interesse nicht dauernd zu fesseln. Er hatte allen Respekt vor der Technik und der mathematischen Wissenschaft, aber kein richtiges Verständnis für sie. Ja, wenn Siegfried Stiller, sein Freund, der berühmte Astronom, noch hier gewesen wäre! Der hatte einst den »Weltensegler« bauen lassen nach seinen eigenen Berechnungen, hatte sich alle bislang auf Erden errungenen technischen Fortschritte und Erfahrungen zunutze gemacht und hatte ein Werk geschaffen, das die Bewunderung aller Kulturnationen der Erde gewesen. Wie würde Freund Stiller gestaunt haben, hätte er das Luftschiff der Marsiten sehen und seinen raschen Bau verfolgen können!

Wie Freund Stiller so bauten auch die Marsiten nach dem starren System. Aber hier auf dem Lichtentsprossenen war alles viel einfacher, selbstverständlicher, fügte sich viel müheloser ineinander als beim »Weltensegler« und war vor allem viel leichter als bei diesem. Denn wie alles andere, so stand auch die Technik hier auf einer auf Erden nicht gekannten erstaunlichen Höhe. Da wurden Metallegierungen hergestellt, die in Bezug auf Leichtigkeit und Widerstandsfähigkeit alles auf Erden Gekannte weit in den Schatten stellten.

Mit einer nahezu undurchdringlichen Stoffhülle aus seidenartigem Gewebe wurde der Ballon wie mit einer schützenden Außenhaut umgeben. Zwischen dieser und dem eigentlichen Ballon befand sich ein isolierender Luftraum, der gleichsam eine Vermittlung zwischen den eisigen Temperaturen des Ätherraumes und den gemilderten Temperaturen des Balloninnern herstellen und einer Abnahme des Ballonvolumens infolge zu starker Abkühlung entgegenwirken sollte.

Und wie bequem war die Gondel eingerichtet! Da war nichts vergessen, was eine wochenlange Reise durch den eisigkalten, lichtlosen Ätherraum erträglich gestalten konnte. In der Gondel befanden sich aber auch die exaktesten Meßapparate, alles zu Höhen- und Positionsbestimmungen innerhalb der Atmosphäre des Mars oder der Erde Erforderliche, auch die Vorrichtungen zur Handhabung der Höhen- und Seitensteuer, große Mengen fester, komprimierter Luft nebst einem außerordentlich handlichen Zerstäubungsapparat, aufgespeicherte Elektrizität teils zur Fortbewegung, teils zur Beleuchtung und Wärmeerzeugung; wurde doch die Temperatur im Ätherraum auf hundertundzwanzig bis hundertundfünfzig Grad unter Null geschätzt! Die an den Wänden angebrachten Lagerstätten ließen sich in die Höhe klappen, wodurch tagsüber bedeutend an Raum gewonnen wurde. Auf die praktischste Weise waren Nahrungsmittel und andere Vorräte ebenfalls an den Wänden untergebracht.

Fridolin Frommherz hatte das Gefühl, als könne seinen Freunden vom Mars eine Weltenfahrt überhaupt nicht mißlingen, und freute sich über die sichtbaren Fortschritte, die der Bau des eigentümlichen, seiner Vollendung mehr und mehr entgegengehenden Luftschiffes machte. Ihm zu Ehren sollte es den Namen »Fridolin Frommherz« tragen.

Als die große Arbeit endlich vollendet und der Tag der Abreise bestimmt worden war, erboten sich fünf Marsiten aus dem Stamme der Ernsten und der Findigen als freiwillige Begleiter des Erdensohnes. Es waren Sirian, der Erbauer des Luftschiffes, der nun auch sein Lenker sein wollte, Zaran, Parsan, Alan und Uschan. Zaran war ein Neffe des alten Eran. Der kühne Flug sollte am fünfunddreißigsten Tage der »Zeit der Ruhe« angetreten werden. Fridolin Frommherz zählte nach Erdenrechnung den siebenten Februar.

Am Abend vorher gab Eran dem Scheidenden zu Ehren ein Gastmahl, zu dem von allen Seiten die Eingeladenen herbeiströmten. Auf blumengeschmückter Tafel wurde dem Erdensohne noch einmal alles dargebracht, was der Lichtentsprossene Herrliches an Früchten, Fischen und ähnlichen Dingen zu bieten vermochte. Die ersten Künstler aus dem Stamme der Frohmütigen verschönten mit Musik und Gesang und erhebenden Vorträgen den Abend. Dann erhob sich Eran, der ehrwürdige Greis. In längerer Rede warf er einen Rückblick auf den einstigen Besuch der sieben Schwaben, von denen der eine nun so viele Jahre länger unter den Marsiten geweilt und die bei ihnen bestehenden allgemeinen wie besonderen Lebensbedingungen am gründlichsten kennen zu lernen Gelegenheit gehabt habe. Daß Freund Fridolin gleich seinen Brüdern sich unten auf der Erde dem großen Werke der Menschenverbrüderung widmen wolle, das sei der Grund seiner Rückkehr, den er, Eran, in seinem ganzen sittlichen Umfange zu schätzen wisse. Möchte dem Tapfern ein schöner Erfolg beschieden werden! In Lumata aber solle nun das schon längst geplante Denkmal ausgeführt werden, das bestimmt sei, für immer die Erinnerung an den Besuch der Erdgeborenen an dieser Stelle festzuhalten.

Als der ehrwürdige Greis im Silberhaar geendet hatte, dankte Fridolin Frommherz mit wenigen, aber tiefempfundenen Worten für all das Gute und Schöne, das ihm auf dem Lichtentsprossenen zuteil geworden, und das er nie vergessen werde. Die Sehnsucht nach dem Mars-Paradiese und die Erinnerung an die schönste Zeit seines Lebens werde ihn nie verlassen, ebenso wenig aber werde er jemals vergessen, welcher Höhe der Kultur die Menschheit fähig sei, und was er auf dem Lichtentsprossenen gelernt, werde er auf Erden zu verwirklichen suchen. Dann habe er nicht umsonst gelebt.

Musik und Gesang schlossen die schöne Feier.

Dann kam für Fridolin Frommherz die letzte Mondnacht auf dem Mars mit all ihrem Zauber zweier Leuchten. Noch einmal wanderte er ganz allein hinaus vor die Stadt, atmete noch einmal in tiefen Zügen die wunderbar weiche und doch würzige Luft, schaute trunkenen Auges den fast durchsichtig klaren Himmel und die vielen, unzähligen Welten, die da oben in eigenem oder erborgtem Glanze strahlten, und gelobte sich noch einmal, den Glauben festzuhalten an den endlichen Sieg des Guten. So, wie es auf dem Lichtentsprossenen war, mußte es einmal auf Erden werden. Kein Mißerfolg würde künftig diese Zuversicht zu erschüttern vermögen.

In gehobener Stimmung kehrte der Erdensohn in Erans gastliches Heim zurück, um noch ein paar Stunden der Ruhe zu pflegen.

Wie einstmals, als Fridolins sechs Gefährten schieden, so zog auch diesmal Eran mit der gesamten Bevölkerung Lumatas am andern Tage in aller Frühe mit dem Abreisenden hinaus auf die historisch gewordene Wiese. Ein Händeschütteln, laute Zurufe glücklicher Reise von allen Seiten, eine letzte Umarmung Erans, dann bestieg Fridolin Frommherz als letzter die Gondel. Die Taue wurden gekappt; das Luftschiff setzte sich in pfeilschnelle Bewegung und trug den kühnen Schwaben hinweg aus dem Paradiese des Mars der heimatlichen Erde zu.

 


 

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