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Vom Dandytum und von G. Brummell

Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell - Kapitel 7
Quellenangabe
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typebiography
authorJules Amedée Barbey d'Aurevilly
titleVom Dandytum und von G. Brummell
publisherGeorg Müller
year1909
translatorRichard Schaukal
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III.

Mögen die beiden berühmten Gecken einander an menschlicher Eitelkeit gleichen, sie sind verschieden in allem, was zwei Rassen trennt, was den Geist einer Gesellschaft ausmacht. Der eine gehörte der nervig-blutvollen Rasse Frankreichs an, die in den Ausbrüchen ihres Überschwangs bis an die äussersten Grenzen geht. Der andre stammte von den Männern des Nordens, die, lymphatisch und bleich, kalt wie das Meer erscheinen, dessen Söhne sie sind, die aber auch aufbrausen können wie das Meer, jenen Nordländern, die ihr starrendes Blut durch die Flamme der geistigen Getränke (high-spirits) zu erhitzen lieben. Bei gegensätzlichen Temperamenten besassen sie doch beide ein tüchtiges Stück Eitelkeit und liessen sich unbedenklich von ihr in ihren Handlungen bestimmen. So fordern sie den Tadel der Sittenlehrer heraus, die die Eitelkeit verurteilen, statt sie einfach an ihrem Platze zu verzeichnen und zu begreifen. Kann man sich darüber wundern, wenn man bedenkt, dass diese Empfindung seit achtzehnhundert Jahren unter dem Druck der weltverachtenden Idee des Christentums steht, die noch immer auch über nichts weniger als christliche Gemüter ihre Herrschaft behauptet? Hegen übrigens nicht fast alle geistreichen Leute irgend ein Vorurteil, zu dessen Füssen sie reuig Busse tun für ihren Geist? Das erklärt es, wie Menschen, die sich für ernst halten, weil sie nicht lachen können, über Brummell nicht anders als übel zu reden imstande sind. Das viel mehr noch als der Parteigeist erklärt die Unduldsamkeit eines Chamfort gegenüber Richelieu. Er hat ihn mit seinem schneidenden, blitzenden, ätzenden Geist angegriffen, wie mit einem vergifteten Dolch aus Kristall. Dadurch hat der Atheist Chamfort seine Abhängigkeit vom Bann der christlichen Idee bekundet; selbst ein eitler Mensch, konnte er es dem Gefühl, unter dem er litt, nicht verzeihen, dass andre Glück daraus zu schöpfen wussten.

Denn wie Brummell und mehr sogar als Brummel hat Richelieu alle Art von Ruhm und Vergnügen genossen, wie sie die Meinung der Leute gewährt. Beide haben, indem sie dem Trieb der Eitelkeit (lernen wir das Wort ohne Abscheu aussprechen) gehorchten, wie man den Trieben des Ehrgeizes, der Liebe gehorcht, Erfolge erzielt; aber hier stockt die Vergleichung. Nicht nur im Temperament sind sie verschieden. Auch die Gesellschaft, von der sie abhängen, kommt in ihnen zur Erscheinung und lässt sie zu einander in Gegensatz treten. In Richelieus unbezähmbarem Durst nach Unterhaltung hatte die Gesellschaft die Zügel fallen lassen; in Brummell kaut sie gelangweilt an der Stange. Dort Ungebundenheit, hier Heuchelei. In dieser zwiefältigen Anlage muss man vor allem den Unterschied suchen zwischen der Geckerei eines Richelieu und dem Dandysmus Brummells.

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