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Vom Dandytum und von G. Brummell

Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell - Kapitel 6
Quellenangabe
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typebiography
authorJules Amedée Barbey d'Aurevilly
titleVom Dandytum und von G. Brummell
publisherGeorg Müller
year1909
translatorRichard Schaukal
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II.

Wenn die Eitelkeit befriedigt ist und es zeigt, wird sie zur Geckerei. Das ist die einigermassen unverschämte Bezeichnung, die die Bescheidenheitsheuchler – das will besagen alle Welt – aus Angst vor wahrhaftigen Empfindungen erfunden haben. Es wäre also ein Irrtum, zu meinen (wie es vielleicht der Fall ist), Geckerei sei ausschliesslich die Eitelkeit, die man in den Beziehungen zu den Frauen zur Schau trägt. Nein, es gibt Gecken jeder Gattung: Gecken der Geburt, des Reichtums, des Ehrgeizes, des Wissens. Aber da die Frauen in Frankreich viel bedeuten, hat man mit dem Namen Gecken vorzüglich Menschen bezeichnet, die den Frauen gefallen und sich für unwiderstehlich halten. Nur darf man diese Geckerei, die allen Völkern, bei denen die Frau etwas gilt, gemeinsam ist, nicht mit jener andern verwechseln, die unter dem Namen Dandysme seit einiger Zeit in Paris sich einzubürgern trachtet. Die eine ist eine Form der menschlichen, der allgemeinen Eitelkeit, die andre die einer besondern, ganz besondern: der englischen. Da alles, was allgemein-menschlich ist, in der Sprache Voltaires einen Namen hat, muss man das, was diese Eigenschaft nicht besitzt, erst hinein verpflanzen, und darum ist auch das Wort Dandysme nicht französisch.

Es wird fremd bleiben wie die Sache, die es ausdrückt. Mögen wir alle Farben annehmen, am Weissen versagt das Chamäleon, bei den verschiedenen Völkern aber ist das Weisse gerade das Mark ihrer Eigenart. Und besässen wir in noch höherem Grade die Fähigkeit, uns anzupassen, als es der Fall ist, so würde dieses Talent doch nicht imstande sein, jene andre so mächtige Gabe zu meistern, das Vermögen nämlich, ein eigenes Ich vorzustellen, die Macht, auf der eines Volkes Persönlichkeit und Wesen beruhen. Und es ist die Kraft der englischen Eigenart, die, indem sie der allgemein-menschlichen Eitelkeit (der, »die auch im Herzen des kleinsten Küchenjungen verankert ist«; die Geringschätzung eines Pascal war nichts als Unverschämtheit eines Blinden) ihr besonderes Gepräge gibt, das hervorbringt, was man den Dandysmus nennt. Vergeblich muss jedes Bemühen bleiben, sich darin mit England zu teilen. Er ist im Genie der englischen Rasse selbst begründet. Nachäfferei ist nicht Ähnlichkeit. Man kann eine Miene, eine Gebärde annehmen, wie man den Schnitt eines Fracks abschaut; aber die Komödie ist ermüdend, die Maske ist eine Marter selbst für einen Charakterkopf, der den Fiesco des Dandysmus abgeben könnte, wenn es drauf ankäme, wie viel mehr für unsre liebenswürdigen jungen Leute. Die Langeweile, die sie atmen und einflössen, verleiht ihnen nur einen falschen Schein von Dandytum. Mögen sie immerhin die Miene der Übersättigung aufsetzen, mögen sie ihre weissen Handschuhe bis zum Ellenbogen heraufziehen: die Heimat eines Richelieu wird keinen Brummell hervorbringen.

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