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Vom Dandytum und von G. Brummell

Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell - Kapitel 5
Quellenangabe
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authorJules Amedée Barbey d'Aurevilly
titleVom Dandytum und von G. Brummell
publisherGeorg Müller
year1909
translatorRichard Schaukal
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George Bryan Brummell, Quelle: de.wikipedia.org

George Bryan Brummell

 

Vom Dandytum und von G. Brummell

I.

Auch Gefühle haben ihre Schicksale. Gegen eines ist alle Welt unerbittlich: es ist die Eitelkeit. Die Moralisten haben es in ihren Büchern auf sie abgesehen, die sogar, die am besten dargetan haben, einen wie breiten Raum sie in unserm Gemüt einnimmt. Die Weltmenschen – in ihrer Art auch Moralisten; sind sie doch zwanzigmal des Tages in der Lage, das Leben zu beurteilen – haben das Verdikt der Bücher wiederholt; nach ihnen zu schliessen, wäre die Eitelkeit unter allen Gefühlen das letzte.

Nicht nur Menschen, auch Dingen kann unrecht geschehen. Ist es wahr, dass die Eitelkeit auf der Stufenleiter der Gefühle zu unterst steht? Und wenn, warum sie verachten, da sie denn dort an ihrem Platz ist? ...

Aber steht sie auch wirklich zu unterst? Man wertet die Gefühle nach ihrer Wichtigkeit für die Gesellschaft. Und welches wäre wohl für die Gesellschaft von grösserem Nutzen als dieses nie beruhigte Streben nach der Anerkennung der andern, dieser unlöschbare Durst nach dem Beifall der Galerie, dieser Eifer, den man, wenn es sich um grosse Dinge handelt, Ehrgeiz nennt, und wenn er kleinen gilt, Eitelkeit schilt? Etwa die Liebe, die Freundschaft, der Stolz? Die Liebe in ihren tausenderlei Spielarten, ihren unzähligen Verwandlungen, die Freundschaft und der Stolz sogar beruhen darauf, dass man einen andern oder mehrere andere oder auch sich selbst bevorzugt, und zwar in einer alles übrige ausschliessenden Weise. Die Eitelkeit hingegen lässt nichts ausser Betracht. Mag es ihr auch manchmal auf die Anerkennung von gewisser Seite ankommen, es ist ihr Charakter, ihre Ehre, dass sie darunter leidet, wenn sich ihr auch nur eine einzige versagt; sie kann keine Ruhe finden auf ihrem Lager von Rosen, wenn auch nur eine sich faltet. »Elle ne dort plus sur cette rose repliée.« Andersens Prinzessin auf der Erbse. (D. Ü.: alle nicht so gezeichneten Anmerkungen sind von Barbey; sie stellen meist Ergänzungen der zweiten Ausgabe vor). Die Liebe spricht zum Geliebten: Du bist meine Welt; die Freundschaft: Du genügst mir; sehr oft auch: Du tröstest mich. Der Stolz ist schweigsam. Ein geistreicher Mann hat von ihm gesagt: »Er ist ein einsamer König, müssig und blind. Sein Kronreif liegt auf seinen Augen.« Was der Eitelkeit die Welt bedeutet, ist minder eng begrenzt als das Reich der Liebe. Was der Freundschaft genügt, ist ihr zu wenig. Wenn der Stolz ein König ist, ist sie eine Königin; aber sie ist stets umringt, immer beschäftigt, hellsichtig, und ihre Krone sitzt ihr so, dass sie nur noch schöner aussieht.

Das alles hat gesagt werden müssen, ehe wir vom Dandytum reden, der Frucht dieser über Gebühr verlästerten Eitelkeit, und von dem Heros der Eitelkeit, Georges Brummell.

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