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Vom Dandytum und von G. Brummell

Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell - Kapitel 14
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typebiography
authorJules Amedée Barbey d'Aurevilly
titleVom Dandytum und von G. Brummell
publisherGeorg Müller
year1909
translatorRichard Schaukal
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X.

Alkibiades war zwar sehr hübsch, aber nebenbei auch ein guter Feldherr. Georges Bryan Brummell jedoch besass für die Reize des Soldatenstandes keinen Sinn. Er blieb nicht lange bei den Zehner-Husaren. Das Ziel, das ihm bei seinem Eintritt ins Regiment vorgeschwebt hatte, war vielleicht ernster als man angenommen hat: es galt, sich dem Prinzen von Wales zu nähern und die Beziehungen anzuknüpfen, die ihm so rasch Gewicht verschaffen sollten. Es ist nicht ohne einige Verachtung gesagt worden, die Uniform habe eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Brummell ausüben müssen. Das heisst einen Dandy aus den Gefühlen eines Kadetten heraus erklären. Ein Dandy, der alles mit einem besondern Gepräge versieht, der ohne eine »gewisse erlesene Eigenart« (Lord Byron) Nur ein Engländer konnte sich eines solchen Wortes bedienen. In Frankreich hat die Eigenart keine Heimat, man versagt ihr Feuer und Wasser, man hasst sie wie ein adeliges Merkmal. Sie bringt die mittelmässigen Leute auf, die immer bereit sind, denen, die »anders« sind als sie, einen jener stumpfen Bisse zu versetzen, die nicht zerreissen, aber beschmutzen. Sich in nichts von allen andern zu unterscheiden, gilt ebenso für die Männer wie für die jungen Mädchen die Regel aus der Hochzeit des Figaro: Sei geachtet, es ist nötig. nicht besteht, kann nicht anders als die Uniform hassen. Freilich – und das gilt bei weitaus belangreicheren als dieser Kostümfrage – liegt es im Wesen einer Erscheinung wie der Brummells, dass man sie, ist einmal ihre Wirkung geschwunden, falsch beurteilt. Solang er lebte, konnten sich die Widerstrebendsten diesem Einflusse nicht entziehen, heut aber, bei den herrschenden Vorurteilen, ist die Analyse einer solchen Persönlichkeit eine schwierige psychologische Aufgabe. Die Frauen werden einem Brummell niemals verzeihen, dass er es an Grazie mit ihnen aufzunehmen imstande gewesen ist, die Männer, dass sie ihm nicht an Grazie gleichen.

Ich habe es schon früher gesagt, aber man kann es nicht oft genug wiederholen: was den Dandy macht, ist die Unabhängigkeit. Sonst müsste es Gesetze Gäbe es solche, so wäre man Dandy, indem man sie befolgte. Jeder, der wollte, könnte Dandy sein. Man hätte eine Vorschrift zu beobachten; sonst nichts. Zum Unglück aller jungen Leute ist dem nicht ganz so. Zweifellos gibt es im Kapitel Dandytum einige Prinzipien und Überlieferungen; alles das aber ist von der Phantasie beherrscht, und Phantasie zu haben, darf sich nur der erlauben, dem sie steht und der sie durch den Gebrauch rechtfertigt. des Dandysme geben, aber es gibt eben keine. Der Dandy ist ein Wagender, aber bei aller Waghalsigkeit verlässt ihn sein Takt nicht, er weiss sich rechtzeitig zurückzuhalten und zwischen Eigenart und Überspanntheit den berühmten Durchschnittspunkt Pascals zu finden. Das ist der Grund, warum sich Brummell nicht dem Zwang der militärischen Regel fügen konnte, die auch eine Art von Uniform ist. So betrachtet, mag er einen unausstehlichen Offizier abgegeben haben. Mr. Jesse, ein wundervoller, nur allzu gewissenhafter Chronist, erzählt mehrere Anekdoten von der Unbotmässigkeit seines Helden. Er durchbricht die Reihen während der Übungen, kommt den Befehlen seines Obersten nicht nach; aber auch der Oberst steht unter dem Zauber. Er schreitet nicht gegen ihn ein. In drei Jahren ist Brummell Kapitän. Plötzlich erhält sein Regiment Befehl, in Manchester Garnison zu beziehen, und bloss darauf hin verlässt der jüngste Kapitän des glänzendsten Regiments den Dienst. Er sagte dem Prinzen von Wales, er habe sich nicht von ihm entfernen wollen. Das klang liebenswürdiger, als einfach London zu sagen; denn in erster Reihe war es London, was ihn zurückhielt. Hier war sein Ruhm geworden; hier war er bodenständig, in diesen Salons, wo der Reichtum, die Musse und ein bis ins Letzte verfeinerter Lebensstil die liebenswürdigen Affektationen erzeugen, die das Natürliche ersetzt haben. Die Perle des Dandysmus, nach der Fabrikstadt Manchester verschlagen, das ist ebenso ungeheuerlich wie Rivarol in Hamburg.

Er rettete die Zukunft seines Rufs: er blieb in London. Er nahm eine Wohnung in Chesterfield-Street Nr. 4, gegenüber Georges Selwyn, auch einem Gestirn am Himmel der Mode, das ihm erbleichend hatte weichen müssen. Sein Vermögen, immerhin ansehnlich genug, war nicht auf der Höhe seiner Stellung. Andere und ihrer viele unter diesen Söhnen von Lords und Nabobs entfalteten einen Luxus, der den Brummells hätte vernichten müssen, wenn das, was nicht denkt, das, was denkt, zu vernichten imstande wäre. In der Art, wie Brummell Aufwand trieb, war mehr Klugheit als Glanz; ein Beweis mehr für die Sicherheit dieses Geistes, der den Prunk der Farben den Wilden überliess und der später das grosse Axiom der Kunst des Anzugs fand: »Gut gekleidet sein, heisst nicht auffallen.« Der Herausgeber von »Balthessers Meinungen« kann nicht umhin, diesen Satz, den Andreas Balthesser, ohne Ahnung, dass ihn schon ein Brummell gebraucht, ja sogar »erfunden« habe, als eine selbstverständliche Wahrheit zu formein sich unterstanden und der bei einigen »Kritikern« als Gravamen der Banalität Anstoss erregt hat, hiemit seinem rechtmässigen Herrn achtungsvoll wieder zurückzustellen. (D. Ü.) Bryan Brummell hatte immer gute Pferde, einen ausgezeichneten Koch und ein Heim, wie es sich eine Frau, die etwas vom Dichter besässe, einrichten würde. Er gab ausgezeichnete Diners, bei denen die Tischgenossen ebenso erlesen waren wie die Weine. Wie seine Landsleute, in dieser Epoche zumal, Alle tranken sie, die Tätigsten wie die Müssiggänger, von den Lazzaroni der Salons angefangen (den Dandies) bis zu den Staatsministern. »Trinken wie Pitt und Dundas« ist sprichwörtlich geblieben. Wenn Pitt trank, die grosse Seele, die die Liebe zu England erfüllte, aber nicht stillte, so geschah es aus dem Durste nach Abwechslung. Gerade die Stärksten suchen oft ihre Natur von ihrer Richtung abzulenken, leider aber geht sie nicht immer auf diese Absicht ein. pflegte auch er bis zur Berauschung zu trinken. Mit seinem kräftigen schwerblütigen Körper verlangte ihn aus der Einförmigkeit dieses müssigen englischen Daseins, dem der Dandy nur zur Hälfte entrinnt, heraus nach der Erregung jener andern Welt, die sich dem Trinker erschliesst, einer Welt, deren Puls rascher schlägt, die klangvoller an Tönen ist und von Lichtern glänzt. Hoffmann-Kreisler! (D. Ü.) Aber auch dann, den Fuss schon im wirbligen Abgrund der Trunkenheit, vergab er sich nichts: sein Scherz blieb immer innerhalb der Grenzen des Schicklichen, niemals fiel seine Eleganz aus der Rolle. Man denkt unwillkürlich an Sheridan, dessen Namen sich einem immer wieder auf die Lippen drängt, sobald man das Wort Überlegenheit aussprechen will.

Das war es, wodurch er sich alle unterwarf. Die Methodisten – und es gibt ihrer auch ausserhalb Englands –, alle die Kurzsichtigen, die sichs nicht versagen konnten, über Brummell etwas anzubringen, haben ihn – und nichts kann falscher sein – dargestellt als eine Art von Gliederpuppe ohne Hirn und Eingeweide, und den Mann noch mehr zu verkleinern, haben sie die Epoche verkleinert, in der er lebte, indem sie behaupteten, sie hätte einen Sparren gehabt. Unnötige Bemühung, überflüssige Anstrengung! Mögen sie immerhin auf diese glorreiche Epoche Grossbritanniens losschlagen, wie man auf die goldne Kugel schlug, darin Wasser eingeschlossen war, das man verdichten wollte: das widerspenstige Element durchbrach eher die Wände, als dass es sich gefügt hätte, und so werden diese Nörgler nicht imstande sein, die englische Gesellschaft von 1794 bis 1816 auf den Stand einer in der Auflösung begriffenen Schicht hinabzudrücken. Es gibt Jahrhunderte, die sich nicht zusammenpressen lassen, sie widerstehen allem, was man ihnen Übles nachsagt. Die grosse Epoche der Pitt, Fox, Windham, Byron, Walter Scott sollte plötzlich klein werden, weil sie vom Namen Brummell widerhallte! Wenn aber eine solche Annahme unsinnig ist, dann hat wohl Brummell etwas an sich gehabt, das würdig war, die Blicke einer grossen Epoche auf ihn zu lenken und festzuhalten, – Blicke, die sich nicht wie die Vögel vorm Spiegel bloss von der Augenweide zierlicher oder reicher Kleider fesseln lassen. Brummell, dem sie begeistert gefolgt sind, hat übrigens der Kunst des Anzugs, wie sie der grosse Chatham Der einzige Mann, den die Geschichte nennt, der gross gewesen ist, ohne einfach zu sein. pflegte, weitaus geringere Wichtigkeit beigelegt, als man glaubt. Seine Schneider Davidson und Meyer, aus denen man mit der ganzen Dummheit der Unverschämtheit die Väter seines Ruhms hat machen wollen, haben in seinem Leben keineswegs den Platz eingenommen, den man ihnen anweist. Hören wir lieber Lister: er zeichnet nach dem Leben. »Der Gedanke, seine Schneider könnten auch nur das geringste zu seinem Ansehen beitragen, widerstrebte ihm; wenn er sich auf etwas verlassen hat, so war dies ein vollendet sicheres Benehmen, der Reiz vornehmer Höflichkeit, Gaben, die er in hohem Grade besass.« Es lässt sich nicht leugnen, dass er sich, als er noch am Anfang seiner Laufbahn stand, wie es seinen äusserlichen Bestrebungen entsprach, mit der Form in allen ihren Erscheinungen vorzugsweise befasst hat; es war das ja die Zeit, da Charles Fox, der Demokrat, offenbar bloss als einen Toiletteeffekt, den höfischen roten Absatz in die englische Gesellschaft brachte. Brummell wusste sehr wohl, dass die Kleidung eine heimliche, aber darum nicht minder tatsächliche Wirkung gerade auf die Menschen ausübt, die sie von der Höhe ihres unsterblichen Geistes herab mit der grössten Geringschätzung behandeln. Später aber hat er sich, wie Lister erzählt, dieser Lieblingsbeschäftigung seiner Jugend entschlagen, ohne ihren Gegenstand völlig ausser acht zu lassen, soweit es seiner Erfahrung und Beobachtung gemäss sich als ziemlich erwies. Er war auch dann noch stets tadellos in seinem Anzug, aber er dämpfte die Farben seiner Kleider, vereinfachte ihren Schnitt und trug sie, ohne daran zu denken. Wie wenn sie ohne Gewicht wären. Ein Dandy darf, wenn es ihm beliebt, zehn Stunden mit seinem Anzug zubringen, aber ist er einmal beendigt, vergisst er ihn. Jetzt ist es Sache der andern, zu bemerken, das er gut angezogen ist. Auf diese Weise gelangte er auf den Gipfel der Kunst, wo sie wieder Natur wird. Aber – und dies hat man leider gänzlich übersehn – die Mittel, deren er sich zur Wirkung bediente, waren anderer, vornehmerer Art. Man hat ihn als ein bloss vom Physischen aus zu wertendes Wesen betrachtet, und es war im Gegenteil das Geistige, was sogar die ihm eigne Art von Schönheit bestimmte. Wirklich fiel er auch viel weniger durch die Regelmässigkeit seiner Züge auf als durch den Ausdruck. Wie Alfieri hatte er fast rotes Haar, und ein Sturz vom Pferd bei einer Attacke hatte die griechische Linie seines Profils geschädigt. Die Art, wie er den Kopf trug, war schöner als sein Gesicht, und seine Haltung – die Physiognomie des Körpers – übertraf an Vollendung seine Formen. Hören wir Lister: »Er war weder schön noch hässlich; aber seine ganze Persönlichkeit war höchste Feinheit und Ironie und sein Blick von einer unglaublich durchdringenden Schärfe.« Manchmal freilich konnten diese hellsichtigen Augen vor Gleichgültigkeit geradezu erstarren, und in dieser Gleichgültigkeit war nicht die Spur von Verachtung; so schickt es sich ja für den vollkommenen Dandy: die sichtbaren Dinge dieser Welt reichen nicht an ihn heran. Seine prachtvolle Stimme Hess die englische Sprache so schön ins Ohr fallen, wie sie den Augen und dem Denken sich darstellt. Hören wir nochmals Lister: »Er tat nicht so, als ob er kurzsichtig wäre, er konnte jedoch, wenn die Anwesenden nicht das Ansehn besassen, das seine Eitelkeit beansprucht hätte, den ruhigen, aber schweifenden Blick annehmen, der an jemand entlang geht, ohne ihn zu erkennen, den Blick, der nirgends hält und sich nicht halten lässt, den nichts beschäftigt und nichts stört.«

So war der Beau Georges Bryan Brummell. Ich, der ich ihm diese Seiten widme, habe ihn im Alter gesehn, und man erkannte noch, was er in seinen glänzendsten Jahren gewesen sein musste; denn der Ausdruck ist von der Zahl der Runzeln unabhängig, und ein Mann, der vor allem durch die Physiognomie merkwürdig ist, ist minder sterblich als ein andrer.

Und was seine Physiognomie versprach, hielt sein Geist und mehr. Nicht umsonst spielte der göttliche Strahl um seine Hülle. Aber wäre es billig, ihm den Verstand abzusprechen darum, weil dieser sein unendlich fein gearteter Verstand sich wenig mit dem abgab, was den Verstand der andern beherrscht? Er war in seiner Weise ein grosser Künstler, nur war seine Kunst nicht auf ein bestimmtes Fach beschränkt und ward nicht von Fall zu Fall ausgeübt. Sie war sein Leben selbst, das beständige Flimmern der Fähigkeiten, die nie zur Ruhe kommen im Menschen, der geschaffen ist, mit seinesgleichen zu leben. Er gefiel durch seine Person, wie andre durch ihre Werke gefallen. An Ort und Stelle kam er zur Geltung. Er hat eine Gesellschaft, der nichts mehr neu und bei ihrer Erfahrung alles fürchterlich gleichgültig war, eine Gesellschaft, die wie alle alternden Bildungen aus der Erregtheit sogleich in die äusserste Erschöpfung fiel, aus ihrer Teilnahmslosigkeit Ohne aus der seinigen herauszugehn. Wirklich ist in der Liebenswürdigkeit zu viel Tätigkeit, zu viel Unmittelbarkeit, als dass ein Dandy vollendet liebenswürdig sein könnte. Ein Dandy bemüht sich um nichts, er ist niemals ängstlich bedacht auf irgend etwas. Wenn man sich dennoch zu sagen getraut hat, Brummell wäre an dem und dem Abend liebenswürdig gewesen, so kommt dies daher, weil ein noch so geringer Grad von Gefallsucht an mächtigen Menschen unwiderstehlich wirkt. Sie sind wie hübsche Frauen, denen man – Männer natürlich – für alles dankbar ist. aufgerüttelt – was nicht leicht war – und hat darum doch seiner persönlichen Würde um kein Haarbreit vergeben.

Man respektierte sogar seine Launen. Weder Etherège, noch Cibber, noch Congrève, noch Vanburgh waren imstande, eine Persönlichkeit seiner Art in ihren Lustspielen zu verwenden, denn er war gegen die Lächerlichkeit gefeit. Nicht dass er ihr etwa taktvoll ausgewichen wäre, ihr im Gefühl seiner Sicherheit Trotz geboten hätte: er erwehrte sich ihrer Kraft seines Geistes – und dieser Geist war ein Schild, der einen Dolch auf dem Buckel trug, eine Wehr, die zur Waffe werden konnte. Das wird zum Verständnis seiner Erscheinung vielleicht nicht unwesentlich beitragen. Wer stumpf genug ist, Grazie nicht zu empfinden, die sich entgleitend nicht fassen lässt, spürt doch die Macht, den Widerstand der Stärke, und die Herrschaft Brummells über seine Zeit wird minder fabelhaft, minder unerklärlich erscheinen, wenn man erfährt, was man bisher noch nicht genügend weiss, bis zu welchem Grad ihm der Spott zur Verfügung stand. Die Ironie ist eine Begabung, die alle andern entbehrlich macht. Sie verleiht dem Menschen die Züge der Sphinx, die die andern wie ein Geheimnis immer in Atem halten und wie eine beständige Gefahr beunruhigen. »Sie sind ein Schloss in einem Labyrinth«, schrieb einst eine Dame, die die Geduld verloren hatte, immer nur zu schauen, ohne zu sehen, und zu suchen, ohne zu entdecken. Sie hatte keine Ahnung, dass sie mit diesen Worten ein Prinzip des Dandysmus aussprach. Nicht jeder, der es sein möchte, ist ein Schloss, aber man kann immer »Labyrinth« sein. {»Un beau palais dans lequel il y a un labyrinthe,« so hat Eugénie von Guérin, die »göttliche« Eugénie, die der Freund ihres Bruders verehrte, – Barbey genannt. (D. Ü.)} Nun, Brummell besass diese Gabe, und er bediente sich ihrer derart, dass er die Eigenliebe eines jeden, auch indem er ihr schmeichelte, zu Eis gerinnen Hess und die tausend Interessen eines Gesprächs, das die ängstliche Achtsamkeit der Eiteln aus den Niederungen gewöhnlicher Plauderei emporhebt, noch zu verdoppeln vermochte; denn kann diese Angst auch nicht Geist verleihen, wo es daran gebricht, so belebt sie ihn doch bei den Geistvollen und lässt in den Adern der Geistlosen das Blut zu mindest schneller kreisen. Das Genie der Ironie hat Brummell zum grössten Mystifikator gemacht, den England jemals besass. »Kein Menageriewärter«, sagt der Autor von Granby, »konnte findiger sein, die Geschicklichkeit eines Affen zur Geltung zu bringen, als er es war im Aufdecken der mehr oder minder in jedem Menschen verborgenen lächerlichen Seiten; unvergleichlich war er darin, wie er sein Opfer nach Belieben zu lenken und zu verlocken wusste, dass es selbst seine Schwächen ins beste Licht stellte.« Man kann es nicht leugnen, das Vergnügen ist einigermassen grausam, aber der Dandy ist das Erzeugnis einer Gesellschaft, die sich langweilt, und Langeweile macht die Menschen nicht besser. Das darf man bei der Beurteilung Brummells nicht aus den Augen verlieren. Vor allem war er ein Dandy, und es handelt sich bloss um seine Macht. Einzigartige Tyrannei, die keine Auflehnung zur Folge haben sollte! – Wie alle Dandies liebte er noch viel mehr, Staunen zu erregen, als zu gefallen: dass er es vorzog, ist begreiflich, aber der Weg, einmal betreten, führt die Menschen weit; ist doch das schönste Erstaunen das Entsetzen. Kann man sich auf diesem Abhang Halt gebieten? Brummell hat es verstanden. Schrecken und Zuneigung zu vollkommen gleichen Teilen gemischt: das war der Zauber, dem er seine Macht verdankte. Mit seiner Lässigkeit vertrug sich kein Schwung, denn Schwung haben, heisst Leidenschaft verraten, der Leidenschaftliche aber ist abhängig, und wer sich abhängig erweist, verrät Unbedeutendheit – aber in seiner Kaltblütigkeit war, wie man bei uns sagt, Zug. Er war im Gespräch so beissend wie Hazlitt in seinen Schriften. Seine Worte gingen wie Nägel durchs Fleisch, Er schleuderte sie nicht, er liess sie fallen. Der Geist des Dandy hat nichts Zuckendes, nichts Sprudelndes. Er hat keineswegs die quecksilberne Beweglichkeit, das flammende Züngeln zum Beispiel eines Casanova, eines Beaumarchais. Wenn er zufälligerweise dieselben Worte fände, würde er sie anders aussprechen. Mögen immerhin die Dandies in einer verkasteten Gesellschaft »die Laune« vertreten, sie können sich bei all ihrer Geschlossenheit darum doch nicht der Ansteckung durch die schauderhafte Seuche des Puritanismus erwehren. Sie leben einmal in dieser Pestluft, und ein solcher Aufenthalt ist ungesund. Daher kommt es, dass sie die Würde immer im Munde führen. Sie meinten vielleicht ihrer zu ermangeln, wenn sie sich der Ungebundenheit des Geistes überlieferten. Sie tragen diese Würde wie einen Stock in sich, {Merkt man in dieser Kritik des »dandesken« Geistes die streitende Sehnsucht des quecksilbernen Barbey? Sein Name steht unsichtbar hinter den aufgezählten Antipoden der Kühle und Würde. (D. Ü.)} und bei aller Geschmeidigkeit beeinträchtigt das immerhin die Freiheit der Bewegungen und gibt der Haltung etwas Steifes aber in seiner Unverschämtheit war zu viel Breite, als dass sie sich verdichten, sich in Epigrammen hätte sammeln können. Von den geistreichen Worten, die sie verlauteten, Hess er seine Impertinenz Übergehn in seine Handlungen, seine Haltung, seine Bewegungen, den Ton seiner Stimme. Und er übte sie mit der unanfechtbaren Überlegenheit, die in der guten Gesellschaft ihre Zulässigkeit überhaupt bedingt; denn sie streift die Grobheit wie das Erhabene das Lächerliche, und wenn sie aus der Nuance fällt, hat sie ausgespielt. Immer halb verhüllt, wie sie ist, bedarf die Unverschämtheit nicht der Worte, sich durchzusetzen; sie verschmäht jede Stütze und hat doch eine viel durchdringendere Wirkung als ein noch so glänzend gefeiltes Epigramm. Dem, der sie besitzt, ist sie der denkbar sicherste Schutz gegen die oft so feindselige Eitelkeit der andern, und wiederum tief bewusste eigne Schwäche zu verbergen, eine Hülle, wie sie kleidsamer nicht gerafft werden kann. Wer über sie verfügt, was braucht der sonst Hat sie nicht mehr zum Ruf von Talleyrands Geist beigetragen als dieser Geist selbst? Tochter des Leichtsinns und der Sicherheit – zwei Eigenschaften, die einander auszuschliessen scheinen –, ist sie auch die Schwester der Grazie, von der sie sich nicht trennen darf; die beiden steigern durch den Gegensatz wechselseitig ihre Schönheit. Würde nicht Grazie ohne Unverschämtheit einer allzu sanften Blondine gleichen, und wäre ohne die Grazie jene nicht eine mehr als üppige Braune? Dazu, dass jede ganz sie selbst werde, ist ihre Verbindung erforderlich.

Und das ist es, worin Georges Bryan Brummell es weiter gebracht hat als irgend jemand. Dieser Mensch, den man viel zu oberflächlich beurteilt hat, war so sehr Geist und Wirkung im Geistigen, dass er noch mehr durch sein Wesen als durch Worte herrschte. Die Wirkung, die er auf andere übte, war in weit höherem Masse unmittelbar als eine, die einzig und allein durch die Sprache erfolgt.

Er erzielte sie durch den Ton, den er anschlug, durch den Blick, die Gebärde, dadurch dass er seine Absicht nicht verriet, aber erraten Hess, selbst durch sein Schweigen, Er war zu sicher im Gespräch, als dass er nicht des öftern hätte schweigen mögen; aber sein Schweigen war nicht von der Art wie das jenes Schweigers, der von sich schrieb: »Sie sahen mich an, um zu erkunden, ob ich verstände, was sie über dieses und jenes dächten oder von irgend wem hielten. Aber sie meinten offenbar in mir einen Dutzendmenschen zu erblicken, und ich machte mir ihre mutmassliche Meinung über meine Person zunutze. Ich dachte an die Könige, die es lieben, inkognito zu bleiben.« Dieses einsame stolze Selbstbewusstsein ist dem Dandy fremd. Das Schweigen Brummells war nur ein Mittel unter andern, Wirkung zu erzielen, der reizende Widerspruchsgeist von Menschen, die sicher sind, zu gefallen, und die genau wissen, wo das Verlangen entzündlich ist. und hierin ist die Ursache zu suchen dafür, dass von ihm nur so wenige Aussprüche überliefert sind. Im übrigen fehlt es diesen Bemerkungen, so weit man darüber nach denen urteilen kann, die in zeitgenössischen Memoiren verzeichnet sind, für unser Empfinden an Saft und Kraft, oder sie sind im Gegenteil nur zu kräftig, was wiederum ihrer Wirkung Eintrag tut. Man merkt an ihnen den beizenden Einfluss des grobkörnigen Geistes einer Nation, die am Boxen und Sich-Betrinken Vergnügen findet und die dort noch nicht einmal derb ist, wo ein Franzose bereits verletzen würde. Man bedenke eines: das, was man vorzüglich Geist nennt am Gedankenwerk, muss, da es wesenhaft mit der Sprache, den Sitten, dem ganzen sozialen Dasein, also den Umständen zusammenhängt, die sich von Volk zu Volk am ehesten unterscheiden, aus der Heimat in die Verbannung einer Übersetzung verwiesen, notwendigerweise absterben. Selbst die Ausdrücke, die bei den einzelnen Nationen Geist bezeichnen, sind ihrem Gehalt, ihrem tiefern Sinne nach genau gar nicht übersetzbar. Versuche man zum Beispiel nur einmal die entsprechenden Ausdrücke zu finden für Worte wie wit, humour, fun, die zusammen den englischen Geist in seiner eigentümlichen Dreifaltigkeit ausmachen. Veränderlich wie alles, was individuell ist, lässt sich der Geist ebensowenig aus einer Sprache in eine andre übersetzen wie Gedichte, die doch wenigstens an allgemeinen Empfindungen sich beleben. Wie manche Weine, die die Reise nicht vertragen, muss er an Ort und Stelle getrunken werden. Er kann auch nicht altern; er gleicht den Rosen, von denen die schönsten schnell verblühen, und vielleicht ist das eben das Geheimnis des grossen Vergnügens, das er bereitet. Gott hat des öftern die Dauer des Lebens durch die Fülle ersetzt, auf dass die edle Liebe zu den vergänglichen Dingen in unserm Herzen nicht schwinde.

Man wird hier also von Brummell keine Aussprüche angeführt finden. Sie würden seinen Ruf nicht bestätigen, und trotzdem hat er ihn ihnen zu danken; aber die Umstände, die sie gezeitigt und die sie sozusagen mit Elektrizität geladen haben, sind nicht mehr. Rühren wir nicht daran, zählen wir nicht diese Sandkörner, die einst Funken gewesen sind und die die Zeit erst ausgelöscht und dann zerstreut hat. Es gibt eben vielerlei Wege der Berufung, und mancher Ruhm ist nicht mehr als ein Geräusch inmitten eines grossen Schweigens, Stoff zu niemals endenden Träumen, dem Denken aber ein Ärgernis.

Doch kann man anders als staunen, wenn ein so ungreifbares Ding wie der Ruhm einem Manne sich schenkt, der so wesenhaft-deutlich war wie Brummell, und dies dreifach: ein eitler Mensch, ein Engländer und ein Dandy? Wie alle aufs Wirkliche gestellten Menschen, die nicht weit von sich selbst leben und die an nichts glauben und nichts verlangen, als was im Umkreis der unmittelbaren Genüsse liegt, begehrte auch Brummell nichts ausser diesen, und er besass sie in Fülle. Sein Geschick zahlte ihm in der Münze, die er allen andern vorzog. Die Gesellschaft schenkte ihm alle Glückseligkeit, die sie zu vergeben hat, und es ging ihm nichts darüber; Die Moralisten werden unverschämterweise fragen: Und ist er wirklich glücklich gewesen? Hat ihm dieses jämmerliche Glück, das die Gesellschaft gewährt, genügen können? Warum nicht? Befriedigte Eitelkeit kann ebenso wie befriedigte Liebe dem Leben genügen. – Aber die Langeweile? – Mein Gott, das ist bei aller Art von Glück die Stelle, an der die best gehärtete Klinge bricht. Darauf stösst man zuletzt allüberall, das gilt im Grunde für alle, um so mehr für die Seele eines Dandy, eines jener Menschen, von denen man sehr scharfsinnig, aber auch sehr traurig gesagt hat: Sie stapeln um sich herum alle Annehmlichkeiten des Lebens auf, aber sie sind wie der Stein, der Moos annimmt, ohne dass ihn die frische Kühle durchdringen kann, die ihn bedeckt. er sagte sich nicht wie Byron – dieser abtrünnige und wiederum rückfällige Dandy –, dass die Welt uns keine der Freuden aufwiegte, die sie uns nimmt. Ihm hatte die Welt nichts an Freuden genommen. Der Taumel seiner Eitelkeit hielt an. Von 1799 bis 1814 hat es in London keinen rout, keine Festlichkeit gegeben, wobei nicht die Anwesenheit des grossen Dandy als ein Triumph, seine Abwesenheit als eine Katastrophe betrachtet worden wäre. Die Zeitungen druckten seinen Namen schon im voraus an der Spitze der glänzendsten Eingeladenen. Auf den vornehmsten Ballfesten trat er als unumschränkter Herrscher auf, dessen Gebot sich alles blindlings fügte. Er war der Präsident des Watier-Klub, der unter seinen Mitgliedern neben Lord Alvanlay, Mildmay und Pierrepoint Lord Byron zählte. Er war die Seele (passt das Wort?) des berühmten Pavillon von Brighton, von Carlton-House, von Belvoir. Auf dem vertrautesten Fusse mit Sheridan, der Herzogin von York, Erskine, Lord Townshend und jener merkwürdigen leidenschaftlichen Herzogin von Devonshire, die in drei Sprachen dichtete und mit ihren erlauchten Lippen die Fleischhacker von London küsste, um Fox einige Stimmen mehr zu entreissen, zwang er sogar die zur Anerkennung, die ihn zu beurteilen imstande waren, die hinter dem Relief den hohlen Raum hätten entdecken können, wenn er wirklich bloss der Gunst des Zufalls seine Stellung zu danken gehabt hätte. Man hat erzählt, dass Frau von Staël es geradezu als eine Kränkung empfand, ihm nicht gefallen zu haben. Ihre sieghafte geistige Werbekraft versagte völlig an der Kaltblütigkeit dieses ewig lächelnden Dandy, an diesem eisstarrenden Unberechenbaren, der seine guten Gründe hatte, den Enthusiasmus zu belächeln. An Brummell wie an Napoleon hat sich Corinnas Zauber gebrochen: ein gemeinsamer Zug, der an das oben zitierte Wort Lord Byrons denken lässt. Endlich – und hierin ist ein noch bezeichnenderer Erfolg gelegen –: eine andre Frau, Lady Stanhope, die arabische Amazone, die das zivilisierte Europa und die ausgetretenen Gleise der heimischen Gepflogenheiten im Galopp verlassen hatte, um in der Gefahr und der Unabhängigkeit der Wüste ihr abgestumpftes Empfindungsvermögen aufzufrischen, hat sich nach vielen Jahren der Abwesenheit von allen Zivilisierten, die damals hinter ihr am Horizont des Daseins verschwunden waren, nur eines einzigen erinnert, der vielleicht der Zivilisierteste von allen gewesen ist: des Dandy Georges Brummell.

Sicherlich, wenn man erwägt, wie viele solcher lebhaften unauslöschlichen Eindrücke auf die ersten Köpfe seiner Zeit von ihm verbürgt sind, muss man wohl oder übel ihren Urheber, und wäre er selbst ein Geck gewesen, mit dem Ernst behandeln, den man allem schuldet, was die Einbildungskraft der Menschen in seinen Bann zwingt. Die Dichter, die ihre Zeit spiegeln, künden von Brummell. Moore hat ihn besungen. Aber was ist Moore? Wenn man von seinem irländischen Fühlen absieht, ein Dichter aus rosarotem Papiermaché. Brummell ist vielleicht, dem Dichter selbst unsichtbar, eine der Musen des Don Juan gewesen. Jedenfalls ist der Ton dieses seltsamen Gedichtes so durch und durch echtester Dandysmus, dass wir von den Eigenschaften und der geistigen Eigenart Brummells daraus ein klares Bild gewinnen können. Diese Eigenschaften, die mit ihm dahingegangen sind, haben ihn emporgetragen, kraft ihrer hat er sich auf der erreichten Höhe erhalten. Er stieg auch nicht herab, er fiel und hat ein Ding mitgenommen, das, damals zur Vollendung gediehen, seitdem niemals anders denn entartet wieder zum Vorschein gekommen ist. Der läppische Turf hat den Dandysmus ersetzt. Es gibt jetzt im High life nur Jockeys und Hundewärter.

 

[Fußnote aus technischen Gründen im Text in kleinerer Schrift wiedergegeben. Re]Es hat wohl noch einen d'Orsay gegeben. Aber d'Orsay, dieser »Löwe« im Sinne der Gesellschaft – und er war ein Löwe, ein Löwe des Atlas auch an Schönheit –, d'Orsay ist kein Dandy gewesen. Er war eine unendlich reichere, umfänglichere, menschlichere Natur, als man unter diesem englischen Begriff versteht. Es ist schon gesagt worden, aber man muss immer wieder darauf zurückkommen: die Lymphe, diese Art von schlafendem Wasser, das nur schäumt unter den Peitschenhieben der Eitelkeit, ist die physiologische Basis des Dandy, und d'Orsay hatte das rote Blut Frankreichs. Er war ein nerviger Sanguiniker, breitschultrig, mit der Brust Franz I. und von sympathischer Schönheit. Er hatte wunderbare Hände und eine Art, die Hand zu reichen, die ihm die Herzen im Sturm eroberte. Es war nicht das hochmütige shake der Dandies. D'Orsay gefiel allen und zwar auf eine so natürliche und hinreissende Weise, dass sogar Männer sein Medaillon trugen, ein Erfolg, den die Dandies bei Männern eben nicht zu haben pflegen, und was die Frauen betrifft, so gefallen sie ihnen eigentlich, indem sie ihnen missfallen (dies ist ein Charakteristikum, das man bei der Beurteilung des Dandytums nicht ausser acht lassen darf). Endlich war d'Orsay geradezu ein König an liebenswürdigem Wohlwollen, ein Gefühl, das einem Dandy ganz unbekannt ist. Worin er ihnen glich, das war die Kunst, sich nicht auffällig, aber vollendet gut zu kleiden, und zweifellos ist dies der Grund, weshalb ihn die Vielzuvielen als den Nachfolger Brummells betrachtet haben; aber der Dandysmus ist nicht die brutale Kunst, eine Krawatte zu knüpfen. Es hat sogar Dandys gegeben, die niemals eine getragen haben. Zum Beispiel Lord Byron, der einen so schönen Hals besass. Anderseits war d'Orsay ein Künstler. Mit derselben Hand, die er viel zu oft darreichte – es gehört zu den Machtmitteln der Koketterie, dass sie mehr versagt als gewährt – meisselte er. Nicht etwa so, wie Brummell für lächelnde Masken und leere Köpfe Fächer pinselte. In den marmornen Gebilden, die d'Orsay hinterlassen hat, ist Geist. Dazu kommt noch, dass er abgesehen von diesem Talent zur Bildhauerei fast ein Schriftsteller geworden wäre und mit 23 Jahren schon von Byron durch jenen Brief an Alfred D... ausgezeichnet wurde, den man in den berühmten Memoiren findet, wo die Feigheit Moores die Namen durch Sternchen ersetzt hat und die pikanten Anekdoten durch Punkte (ein liebenswürdiger Mensch, dieser Moore!). Obwohl er ein Geck war, wurde d'Orsay von Frauen geliebt, die zu den ersten Gecken ihrer Zeit zählen. Von den Frauen echter Art spricht man nicht; es gibt ihrer in einem Jahrhundert zwei oder drei; wozu also von ihnen sprechen? Er hat sogar eine Leidenschaft eingeflösst, die dauernd war und historisch bleiben wird. Die Dandies werden nur in Aufwallungen geliebt. Die Frauen, die sie verabscheuen, ergeben sich ihnen darum nicht minder, und sie haben da ein Gefühlserlebnis, das ihnen einige Pfund Sterling wert sein kann: sie halten Verhasstes in den Armen... Und was jenes entzückende Duell anbelangt – d'Orsay hatte einem Offizier, der von der heiligen Jungfrau schlecht sprach, seinen Teller an den Kopf geworfen und sich für sie geschlagen, weil sie Frau war und er nicht dulden konnte, dass man einer Frau unehrerbietig begegnete – kann es etwas geben, das weniger vom Dandytum an sich hat und mehr französisch ist? {Merkt man die heimliche Absicht, vielmehr den Hintergrund dieser Apologie? Ist sie nicht wie ein Palimpsest auf Barbeyschen Zügen? (D. Ü.)}

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