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Vom Dandytum und von G. Brummell

Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell - Kapitel 11
Quellenangabe
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typebiography
authorJules Amedée Barbey d'Aurevilly
titleVom Dandytum und von G. Brummell
publisherGeorg Müller
year1909
translatorRichard Schaukal
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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VII.

Wer die Geschichte Brummells zu schreiben unternimmt, wird dazu Worte zu verwenden haben dem ähnlich, das man Byron nachsagt, und seltsam, wie durch launenhafte Fügung des Geschickes sind es gerade diese Worte, die den Text unentzifferbar gestalten. Da die Tatsachen, die eine solche Bewunderung rechtfertigten, dahin sind – ihre Natur ist Vergänglichkeit – muss das Gewicht des grössten Namens, die Würdigung des hinreissendsten Genius die Dunkelheit des Rätsels nur noch vertiefen. In der Tat, das an einer Gesellschaft, was am wenigsten angetan ist, Spuren zu hinterlassen, der Teil der Sitten, davon keine Trümmer zeugen, ein Duft, zu flüchtig, als dass er sich bewahren liesse, ist das Benehmen, das unübertragbare Benehmen Benehmen ist ein Ineinandergehen von Bewegungen des Geistes und des Körpers, Bewegungen aber kann man nicht darstellen. dem Brummell seine Stellung, die eines Fürsten seiner Zeit, verdankte. Gleich dem Redner, gleich dem grossen Schauspieler, gleich dem Plauderer, gleich all den Geistern, die, wie Buffon sagt, mit dem Körper zum Körper sprechen, hat Brummell nur einen Namen, der mit geheimnisvollem Schein aus allen Denkwürdigkeiten seiner Epoche strahlt. Die Stellung, die er eingenommen hat, wird dort kaum erklärt; aber man sieht sie, und es lohnt der Mühe, daran zu denken.

Was die hier vorliegende eingehende Studie zu einem Portrait anbelangt, das noch zu malen sein wird, so hat bisher kein Mensch den aufreibenden Kampf damit aufgenommen; kein Denker hat es ernstlich versucht, strenge Rechenschaft abzulegen über diese Wirkung, die einem Gesetz entspricht oder einer Unregelmässigkeit, nämlich der Abweichung von einem Gesetz, im Grund also wieder einem Gesetz. Die tiefen Geister besassen dazu nicht die gehörige Feinheit und die feinen Geister nicht genug Tiefe.

Nichtsdestoweniger haben es mehrere versucht. Noch zu Lebzeiten Brummells haben zwei berühmte Federn – sie waren zu fein geschnitten, und die Chinatinte, die sie benützten, duftete allzusehr nach Moschus – auf blauem silbern gerändertem Papier einige leichte Züge hingeworfen, aus denen man Brummell errät. Es war reizend in seiner geistreichen Leichtigkeit, seinem tändelnden Scharfsinn. Das ist Pelham, ist Granby. Und auch Brummell bis zu einem gewissen Grade, denn es werden da einige Leitsätze über das Dandytum aufgestellt; aber hatte die Absicht bestanden, ihn zu schildern, wenn schon nicht in den Tatsachen seines Lebens, doch durch die Tatsächlichkeiten seines Wesens und innerhalb der Möglichkeiten des Romans? Was Pelham betrifft, so ist das nicht ganz sicher. Bei Granby möchte man es eher annehmen: das Portrait von Trebeck scheint nach dem Leben angefertigt; man erfindet nicht solche seltsame Schattierungen, die halb Natur sind, halb Gesellschaft, und man spürt, wie die wirkliche Gegenwart des Geschilderten den Pinselstrich, der jene Schattierungen nachzieht, erst hat beleben müssen.

Aber abgesehen von Listers Roman, wo Brummell, wenn man ihn darin suchen wollte, sich wohl eher finden liesse als in Bulvers Pelham, gibt es in England kein Buch, das Brummell so zeigte, wie er war, und das mit einiger Deutlichkeit die Macht seiner Persönlichkeit erklärte. Jüngst freilich hat ein ausgezeichneter Mann Der Kapitän Jesse. Er hat zwei dicke Bände (in octavo) über Brummell veröffentlicht und mir vor der Veröffentlichung mit der grössten Liebenswürdigkeit die Nachrichten, die er über den berühmten Dandy gesammelt hatte, zur Verfügung gestellt. zwei Bände veröffentlicht, darin er mit Engelsgeduld und Aufmerksamkeit alle bekannten Tatsachen aus Brummells Leben zusammenträgt. Warum wohl ein derartiger Aufwand von Mühe und Sorgfalt nur zu einer gewissenhaften Chronik geführt hat, ohne dass man hinter die Kulissen der Geschichte Einblick gewinnt?

Die historische Erklärung fehlt für Brummell. Noch hat er Bewunderer wie den Spötter Cecil, Liebhaber wie Jesse, Feinde ... wir wollen keine Namen nennen. Aber unter den überlebenden Zeitgenossen, unter den Pedanten aller Altersstufen, braven Leuten, die im Geistigen die zwei linken Arme besitzen, die Rivarol allen Engländerinnen nachsagt, gibt es welche, die sich ernstlich an dem Glanz ärgern, der mit Brummells Namen verbunden ist: diese plumpen Vertreter einer schwerfälligen Sittlichkeit verletzt der Ruhm der Frivolität. Nur der Historiker, der Richter, ein Richter, den keine Begeisterung und kein Hass bewegen, ist noch nicht für den grossen Dandy erschienen, und jeder verstreichende Tag ist ein neues Hindernis seines Erscheinens. Ich habe schon gesagt warum. Kommt er nicht, dann ist der Ruhm für Brummell nur ein Spiegel mehr gewesen. In der schimmernden Klarheit seiner gebrechlichen Oberfläche hätte er den Lebenden gespiegelt, nach seinem Tod aber, wie das die Natur der Spiegel ist, da sich niemand mehr darin betrachtete, nichts von ihm aufbewahrt.

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