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Vom Dandytum und von G. Brummell

Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell - Kapitel 10
Quellenangabe
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typebiography
authorJules Amedée Barbey d'Aurevilly
titleVom Dandytum und von G. Brummell
publisherGeorg Müller
year1909
translatorRichard Schaukal
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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VI.

Sein Leben war nur persönlicher Einfluss, Wirksamkeit, etwas also, was sich kaum erzählen lässt. Man spürt diese Macht, solange sie währt, und wenn sie aufgehört hat, kann man ihre Wirkungen nachweisen; aber wenn die Wirkungen von derselben Natur sind wie das, was sie hervorgebracht hat, und wenn sie keine längere Dauer haben, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, davon zu berichten. Herkulanum kann man unter der Asche wieder auffinden, aber die Schicht nur weniger Jahre bildet über den Sitten einer Gesellschaft eine Hülle, die dichter ist als der Aschenstaub der Vulkane. Die Memoiren, die Geschichte dieser Sitten, sind selbst nicht mehr als ein Ungefähr, manchmal nicht einmal das. Keineswegs also wird man die englische Gesellschaft aus Brummells Tagen deutlich und klar, wie es erwünscht wäre, geschweige denn lebendig wiedererkennen, niemals Brummells Wirkung auf seine Zeitgenossen in ihrer Geschmeidigkeit, ihrer Tragweite begleiten. Der Ausspruch Byrons, er hätte lieber Brummell sein mögen als Napoleon, wird immer als eine lächerliche Affektation oder als eine ironische Bemerkung gelten müssen. Der wahre Sinn eines solchen Wortes bleibt verloren.

Aber statt den Autor des Childe Harold zu schmähen, wollen wir ihn lieber in seiner kühnen Vorliebe zu verstehen trachten. Ihm, der als Dichter, Mensch von Phantasie ermessen konnte, was es hiess, die Phantasie einer heuchlerischen Gesellschaft, die ihrer Heuchelei müde geworden war, so unbedingt zu beherrschen, war der Mann, der dies vermochte, ein Gegenstand der Bewunderung. Es war das ein Fall von Allmacht eines Einzigen, der der Artung seines launenhaften Genius eher zusagen musste als jeder andre Fall von unumschränkter Herrschaft, wie immer sie sich auch darstellen mochte.

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