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Vom Chiemgau

Felix Dahn: Vom Chiemgau - Kapitel 2
Quellenangabe
pfad/dahn/chiemgau/chiemgau.xml
typefiction
authorFelix Dahn
titleVom Chiemgau
booktitleVom Chiemgau ? Ebroin ? Kämpfende Herzen
publisherBreitkopf & Härtel
seriesGesammelte Werke - Erzählende und poetische Schriften
volumeZweite Serie: Band 2
illustratorHugo L. Braune / H. Grobet / Hans W. Schmidt
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20110410
modified20160412
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Vorwort.

Reich an stimmungsvoller Poesie ist die Landschaft des bayerischen Chiemgaus.

In vielen, vielen Jugendjahren hab' ich die herbstliche Freizeit dort verlebt: fischend, jagend, die Berge erkletternd, forschend, sinnend, dichtend und träumend.

Von reizvoller Schönheit sind vor allen die beiden größeren Eilande: die idyllische Fraueninsel und das stolz von Hochwald und Fels gekrönte Herrenwörth. Aber auch gar manche Strecke der Ufer, die sich gerade von dem Frauen-Eiland aus gesehen am malerischsten darstellen: so wann über den dunkeln Tannen im Westen des Festlandes die Sonne zu Golde geht und nun, kaum hinter den grünen Wipfeln versunken, ein sattes, leuchtendes Gelb in langen Streifen wagrecht über den ganzen Westhimmel spreitet.

Wie oft saß ich in solcher Stunde als Knabe, als Jüngling tief versteckt, vor jeder Störung geborgen, auf einer der alten Weiden des »Frauengangs« hart vor der Klostermauer!

Wann dann die Welle, ganz sacht ersterbend im sanften Abendwind, die Kiesel leise raschelnd an das flache Ufer schob, wann nur die scheue Fledermaus noch durch die Dämmerung huschte und aus dem uralten Kirchenturm herab die ernste, tiefstimmige Glocke das Ave Maria durch die Lüfte hallte, wann nun der letzte Tonhauch, klingend und schwingend, über den See hin verschwebte, – dann brauchte man Poesie wahrlich nicht zu dichten: – sie lebte und webte ringsum! –

Auch »auf der Hachel« lag ich oft mit meinem »Einbaum«, dem aus Einem Eichenstamm gehöhlten Schiff, wie wir solche den bald zweitausend Jahre alten germanischen Grabhügeln entnehmen, wo sie als »Totenbäume«, das heißt Särge, die Leichen aufnahmen.

Die »Hachel« ist eine schmale, nicht ganz leicht – nur mittels gewisser Merkmale – zu findende Stelle zwischen Frauenwörth und der kleinen »Krautinsel«, von beträchtlicher Tiefe, wo auf dem Seegrund im Sommer und Herbst ungezählte Völker von Bürschlingen (Barschen, Krätzern, perca fluviatilis) stehen. Man festigt den Kahn mittels eines schweren, angeseilten Steines – an des Ankers Statt – und fischt mit der Fingerleine, ohne Angelrute und Kork; die viele Klafter lange Schnur wird, um den rechten Zeigefinger gebunden, hinabgelassen bis auf den tiefen Grund: ein Riß an der Schnur zeigt an, »der Fisch will mit dem Hamen fahren«: nun rasch ein kräftiger Ruck in der der Bewegung des Fisches entgegengesetzten Richtung, – die Angel hat gefaßt! Und dann sofort die lange Schnur aufgehaspelt und in das Schiff gereiht mit der Linken, während die Rechte die Spannung der Schnur nie locker werden lassen darf, bis die Beute über den Kahnrand hereingeschnellt ist.

Jede Stunde des Tages, – das Morgengrauen und das heraufziehende Abenddunkel – hab' ich dort in dem schaukelnden Schifflein verlebt: es war gut dort träumen, von den Wellen gewiegt und doch von dem Steinanker festgehalten: – ein anmutig Bild dichterisch bewegten und doch sicher gefestigten Lebens –: die Hora wie das Ave Maria hab' ich dort lauschend vernommen und den See, die nahen Ufer, die fernen Berge in jeder wechselnden Stimmung geschaut.

Unter den Bergen, die im Süden die Landschaft umrahmend begrenzen, bestieg ich den Hochgern und den Hochfelln: am häufigsten aber, wohl mehr als ein halbdutzendmal, im Südwesten die »zinnenstolze Kampenwand mit ihren Zackenschroffen«.S. Bd. XVII S. 419. Zwar führte damals noch nicht der bequeme, schöne Fahrweg hinauf, den vor einigen Jahren ein großsinniger, bayerischer »Adaling« anlegen ließ: aber auch damals war der Aufstieg weder beschwerlich noch zeitraubend; man mochte im Laufe des Nachmittags hinaufgehen, oben den Sonnenuntergang beobachten und nach dem Schlaf auf dem duftigen Heu der Sennhütte am andern Morgen den meist noch viel großartigeren Sonnenaufgang, nach ein paar Stunden des Frühdämmers,S. Bd. XVII S. 413. die auf jener einsamen Bergeshöhe ganz besonders feierlich, ahnungsreich vorüberzogen.

Schon damals von sehr kampffreudiger Einbildungskraft beseelt und eifrig die Geschichte von Schlachten und Belagerungen verfolgend, ward ich schon bei dem ersten Aufstieg merksam auf eine etwa halbwegs der Höhe sich ausbreitende größere Wiesenfläche, auf der ich mir in meinen Träumen ein festes Wehrhaus erbaute: der schmale und steile Bergpfad, der hierher führte, wäre durch Einen Mann mit Schild und Speer gegen eine Übermacht von Angreifern, die nur einer hinter dem andern andringen konnten, zu verteidigen gewesen: die Natur selbst hatte durch mächtige abgestürzte Felstrümmer mit einer Art »kyklopischer Mauer« die Fläche gegen unten zu umwallt. Deutlich sah ich im Abendglanz den germanischen Ringwall um das feste Gehöft sich heben.

Einmal hatt' ich auch bei einer Jagdfahrt eine herrliche Schau. Es war im September: lange vor Tagesgrauen war ich – allein – von der Fraueninsel gen Südwest in das Schilficht gefahren, das gerade gegenüber der Herreninsel das Westufer des Sees säumt und in dem häufig bei erstem Frühdämmer der scheue Silberreiher stelzte, sein Frühmahl zu erfischen. Ich lag gut verdeckt im hochbordigen Einbaum und spähte hinaus in das graue Gedämmer: nur fern im Osten stieg allmählich ein Streif von fahlem Gelb empor: ich blickte über den von Nebel bezogenen Wasserspiegel hin, aus dem dunkel die Herreninsel aufragte mit ihrem stolzen Wald.

Da glaubte ich plötzlich aus Nebel und Wasser hervor ein kleines Geschwader von tiefbraunen Kähnen – Einbaumspitzen? – auftauchen zu sehen: näher, gar rasch näher kam es gegen mich, gegen das Ufer, heran – wenig unterhalb – südlich – meines Bootes: nein, das waren keine Schiffe! Aber was sonst? Scharf spähte ich aus: Tiere waren's, hochbekrönte: nun konnt' ich's deutlich sehen: Hirsche waren's, ein ganzes Rudel!

Die stolzen mutigen Tiere hatten es gewagt, von dem engen Eiland, in dem sie sich doch wie in gelinder Haft fühlen mochten, über den breiten See hin die Freiheit zu suchen. Schon fanden die Schwimmer Grund: sie hielten: sie äugten: mein wurden sie nicht gewahr: der hohe Bord des Einbaums verbarg den Liegenden und der Wind strich von ihnen zu mir. Jetzt war es ein prachtvoller Anblick, wie sie ruhig, in wahrhaft königlichem Gang, ein Vierzehn-Ender als Führer voran, ans Land schritten, und bald verschwanden sie in dem dichten Ufergehölz.

Wunderschön war auch der Blick von den Höhen des Westufers, etwa von dem Aischingerhof oder dem roten Kreuz oberhalb Gstad: die Fraueninsel – gerade gegenüber – bildete den reizvoll lieblichen Vordergrund: bei ruhigem Wetter schien sie auf der spiegelglatten Fläche zu schwimmen, einer Seerose gleich: wunderbar war die Beleuchtung, wann die Sonne hinter mir zu Rüste sank und nun der See, die Inseln, die fernen Ostberge bis gen Süden hin in allen Farbenabstufungen – vom glühenden Rot bis in das dunkle Veilchenblau hinein – erstrahlten.

Am längsten aber und am häufigsten weilte ich in dem Dörflein Seebruck, am Nordende des Sees, dem Bedaium der Römer, die hier einen keltischen Gott: »Bid«, in einen Jupiter Bedaius umgewandelt, verehrt und zahlreiche Spuren ihres Lebens in Frieden und Krieg zurückgelassen haben, zumal in dem nahen Ising, dessen weit ausblickende Höhe wohl einen Wachtturm getragen hatte zur Beobachtung der wichtigen Legionenstraße, die, von Salzburg herkommend, hier den See erreichte, dessen Ausfluß, die tiefe und reißende Alz, überschritt, und von da nach Westen – gen Augsburg – weiter zog.

Die Landschaft ist hier in der Ruhe tief schwermütig: ödes, sumpfiges Wiesland, alter Seeboden, vielfach noch von Binsen bewachsen: malerisch höchst reizvoll, aber traurig; wie verwunschen neigen aus dem rechten Ufer des unheimlichen, tückischen Flusses ein paar uralte Stumpfweiden die langen, hangenden, im leisesten Windhauch wehenden Zweige über das mannshohe dunkelgrüne Schilf.

Wann über die Wipfel dieser Weiden – sehr oft aus dichtem Nebeldunst der Moorwiesen – der Vollmond aufstieg wie ein Blut verkündend Meteor, durch die feuchte Luft ins Unmäßige vergrößert, so war das bei dem tiefen Schweigen der nächtlichen Landschaft – nur das leise gurgelnde Ziehen der Alz durch das Schilf vernahm man – von mächtigster Poesie der Schwermut.

Dagegen den Eindruck übermenschlicher, götterhafter Kraft machte »der Weitsee« (das heißt die gewaltige Wasserfläche, die sich von diesem Nordende des Sees ohne Unterbrechung bis zu der fernen Fraueninsel dehnt), wann Gewittersturm diese weiten Fluten empörte: jagte der Südsturm die unabsehbaren Wassermassen in hochgewölbten Wogen heran gegen die zitternde Brücke, war der Eindruck überwältigend. Bei dem starken Gefäll des Abflusses schien die ganze ungeheure Wucht des Sees sich auf einmal auf das Dörflein stürzen zu wollen wie wilde ungeheure Reiterscharen. Dann ward es am hellen Tag infolge der fast über den ganzen See gespannten Gewitterwolken so dunkel wie in der Nacht: nirgends sah man mehr Ufer, Berge, Land: nur die finstere, drohend steigende Fläche des Sees, zuweilen erhellt durch grelle Zickzackblitze; und unaufhörlich krachte und rollte weithin durch die Himmel der Donner: – ununterbrochen, weil, bevor der dröhnende Wiederhall des ersten Schlages, den die Berge zurückwarfen, verschollen war, schon ein zweiter folgte: ich wähnte mich dann mitten in den Kampf der Götter und der Riesen versetzt.

Einmal verschlug mich der Südweststurm gegen die Felsen hin, die vor Chieming nah an die Oberfläche des Wassers reichen, das Ruder brach mir: ich wäre wohl verloren gewesen, hätten mich heimeilende Fischer nicht bemerkt, meinen Einbaum an ihr Boot gebunden und gelandet.

Ich habe diese Chiemsee-Geschichten getreulich verzeichnet in meinen Erinnerungen(II.) Leipzig 1891. S. 217 f..


Ich wiederhole, das Beste an all dem Treiben dort in Wald und Feld, auf Berg und See und Eiland war wohl das Träumen und Sinnen. Aber nicht ein bodenloses in die Luft hinein: sondern das Sinnen und Träumen über die Geschicke dieser Landschaft, dieser Inseln und Ufergestade, der Menschen, die in grauer Vorzeit hier gearbeitet, gekämpft, gehaßt und geliebt, geflucht und gebetet zu vielfach wechselnden Göttern hinauf, aber immer aus den gleichen Wünschen und Hoffnungen, Ängsten und Nöten des Menschenherzens heraus, die, verschieden gefärbt im Ausdruck, doch im Inhalt die nämlichen sind aller Zeit und jedes Orts.

Diese Betrachtung nun hat mich von Jugend an gereizt: nachzusinnen, nachzufühlen, endlich nachzubilden, wie die immer gleichen menschlichen Triebe, Leidenschaften, Strebungen im Wechsel der Völker und Zeiten wechselnden Ausdruck, verschiedenartig gefärbte Form der Erscheinung annehmen.

Wohl leuchtet die Sonne Homers auch uns, wohl sieht sie in den Menschen den gleichen Kern: – aber wie reizvoll wechselt die Schale! Wen das nicht anzieht, wer die Versenkung in solche Vergangenheit verwirft, der verwerfe den geschichtlichen Roman, aber auch wie die Antigone und die Elektra, so den Coriolan und den Macbeth, den Tell und den Wallenstein, den Götz und den Egmont, – kurz alle Kunst, die geschichtliche Stoffe wählt und schließlich auch die Wissenschaft der Geschichtsforschung. –

Ich aber will berichten, wie ich zu dieser hier folgenden Erzählung kam.

Wie weiland zu der Dichtung von »Felicitas« ein zufälliger Fund im Wald bei Salzburg und ein daran gereihter Traum den Anstoß gab, wie ein Stück gelben Bernsteins die »Briefe aus Thule« anregte, so sind hier die Träume dichterisch gestaltet und die »Sinnierungen«, die ein fremdartig geformt Hufeisen heraufbeschwor.

Vor vielen, vielen Jahren war's.

Ich saß an spätem Nachmittag des Erntemonds in Seebruck an dem Ausfluß des Sees, der raschflutigen Alz, an ihrem linken Ufer, gerade wo sie, stark ziehend, an die Brücke drängt. Da standen stets stattliche Bürschlinge. Ich hatte mit gutem Erfolg geangelt: der gierige Raubfisch biß scharf: denn das Wetter war schwül: fern im Süd zog ein Gewitter über die Kampenwand: der Wetterwind hatte stundenlang die Fluten des Sees grundtief aufgewühlt: einzelne große Regentropfen fielen schwer durch die Äste des alten Birnbaums.

Ich hatte, der Seebeute befriedigt, die Angelgerte neben mich ins Gras gelegt und träumte und sann, wie so oft, in den See hinaus, die Berge hinan, der Menschen gedenkend, die einst hier geschafft.

Ich sah über den Fluß geradeaus nach »Arlaching«, wo also ein Stammvater Harlacho, auf das ferne Chieming, weiter im Südosten, wo ein Hof-Erbauer Kiemo gehaust, dann auf die ragende Höhe von Ising nah im Nordwesten, »der Iso-Söhne Heim« . . . –

Seltsame Stimmung überzog mich.

Ich dachte der römischen Inschriften aus »Bedaium« im Nationalmuseum zu München: ich sah die letzten Kohorten der Legio Italica II, pia, abberufen von Odovakar, abziehen auf der Straße nach Augsburg: – abziehen für immerdar.

Ich sah die Bajuvaren von Osten, von der Donau, von Lorch und Passau, hereinwandern in das herrenlose, aber nicht leere Land – etwa 500 nach Christus – und sich allmählich ausbreiten nach Süden, nach Westen.

Ich gedachte ihrer Stände: der Adalinge, des uralten Adels, der ältesten Geschlechter des Stammes, die fromme ehrfurchtvolle Sage von den Göttern, von Wuotan zumal, entsprießen und die Anfänge des Volkes begründen ließ: – eignete doch eines dieser Adelsgeschlechter, die Fágăna, in der Nähe seinen befestigten Stammhof: noch heute mahnen daran die Trümmer der Burg Fagen an der Mangfall. – Ich gedachte ihrer Gemeinfreien, der breiten Masse des Volkes, der eigentlichen Träger von Recht und Verfassung, den späteren Freibauern entsprechend, trotzig im Gefühl ihrer Kraft und ihrer Freiheit, den Adalingen nur Ehrenvorrechte, keinerlei Vorherrschaft einräumend, doch gern an der »Götterentsproßten« glänzendem Reichtum und Wesen sich freuend, solange es nicht in Übermut sich verstieg.

Ich sah, vom Nebel der Legende mehr verhüllt als gezeigt, die ersten Goten des neuen Glaubens vom Westen her den Fuß setzen in diese Lande, in denen auf die keltisch-römischen, ohne sie völlig zu verdrängen, die germanischen Götter gefolgt waren: ich sah die paar einsamen Mönche furchtlos das Kreuz ihres Gottes aufrichten: – furchtlos, aber auch fruchtlos – bald sank es wieder und die Spur ihrer Schritte verlor sich: späte Nachfolger hatten ganz von neuem zu beginnen.

Ich gedachte dann auch der bösen, ja scheußlichen, tierischwilden Feinde der Bajuvaren, ihrer schlimmen Nachbarn im Osten, der räuberischen Reiterhorden der Awaren, der wilderen Nachfolger der Hunnen, von deren unerhörten Grausamkeiten die Zeitgenossen mit Grauen berichten.

So lag ich und sann und zuletzt dachte ich: spülte doch die aufgeregte Woge da zu meinen Füßen mir ein Stück, ein Erinnerungszeichen jener alten Tage in die Hand! Warum sollte kein solch' Andenken, von den Wassern des Sees überflutet, hier liegen?

»Wuotan, alter Gönner, Wunschgott, erfülle mir diesen, wie zuvor manchen kühneren Wunsch. Du weißt, ich bin der letzte übrig Gebliebene, der an dich glaubt. Willfahre meinem Begehr. Laß mich etwas finden als Gedenkstück jener Tage.«

»Kling! klang! klirr!« scholl es da zu meinen Füßen, bis zu denen der Südwind die trüben Wellen trieb. Rasch griff ich zu: an einen großen Stein am Ufer hatte die Welle angeschlagen ein seltsam gebogen Stück Metall; schwer blieb es liegen. Ich hob's heraus. Ich reinigte es mit dem Taschenmesser – demselben, das mir die Inschrift von »Felicitas« klar geschabt – von einer dicken, offenbar uralten Kruste von grünem Schleim, fest gewordenem Schlamm und Schmutz. Nun stieß ich erst auf den metallnen Kern.

Es war ein Hufeisen, ganz verrostet, so morsch, daß die Krümmung bei leichtem Druck mir unter den Fingern zerbrach. Aber ein Eisen für so kleinen Huf wie kein Römer- und kein Germanen-Roß ihn je gehoben. Doch was für andre Reiter haben hier getrabt?

Hunnen? Wäre doch gar lange her! Waren auch nie in diesen Landen! Aber vielleicht . . .? Könnte sein. Ich legte mich zurück in das weiche Gras.

Der ferne Donner war verstummt, der Regen tröpfelte nicht mehr. Aber noch lastete auf mir die Schwüle der Gewitterstunden. Ich schlief ein unter dem breitschattenden Birnbaum. Und nun' hob's an: »Die Edeln – die Fagana – die trotzigen Freien hier an der Alz mit ihrem weisen Mark-Richter – seine Tochter mit den weizenblonden Zöpfen – ein kecker Adaling – Gewalt – Fehde – plötzlich wilde Feinde – unzählige Rosse wie die Wellen des Sees – kleine zottige Gäule, – zahllos! wie die kleinen Hufe klappen auf der festen Römerstraße daher – von Osten. Weh, arme Bauern! Wo sind eure tapfern Reiter? Nur Reiter können euch retten. Ach, ihr habt sie verbannt. Sie zürnen – sie können, sie wollen euch nicht helfen . . . ihr seid verloren.«

Da, krach! Der letzte Donnerschlag.

Aufgeschreckt aus Schlaf und Traum sprang ich auf: und es galt nur noch, auszugestalten, was ich gesonnen und geträumt.

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