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Volkstümliche Redekunst

Adolf Damaschke: Volkstümliche Redekunst - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorAdolf Damaschke
titleVolkstümliche Redekunst
publisherVerlag von Gustav Fischer
addressJena
printrun58.-65. Tausend
year1924
firstpub1911
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100401
projectidfe2ceea8
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I. Von der Bedeutung der Redekunst

Das Wort Redekunst (Rhetorik) weckt unwillkürlich zwei Namen der Vergangenheit: Demosthenes und Cicero.

Demosthenes – wir sehen Athen vor uns in seiner Herrlichkeit mit seinen Volksgerichten und Volksversammlungen, in denen die Entscheidung über Freiheit und Ehre, über Krieg und Frieden wesentlich auch von dem Wort der Redner abhängig ist. Wie hoch die Kunst der Rede geschätzt war, zeigt unserm rechnenden Zeitalter mehr als anderes die Tatsache, daß Isokrates, ein älterer Zeitgenosse des Demosthenes, der als ein guter Lehrer der Rhetorik galt, jeweilig bis 100 Schüler zählte, trotzdem er von jedem ein Honorar von 1000 Drachmen (etwa 780 Goldmark) forderte, und daß derselbe Meister des Wortes für das Ausarbeiten einer Rede von dem Fürsten Nikokles auf Cypern ein Honorar von 20 Talenten (etwa 94000 Goldmark) erhielt.

Cicero – das Forum Roms wird vor uns lebendig. Die Entscheidung des nie ruhenden Kampfes zwischen Volkspartei und Optimaten und das Schicksal unterworfener Länder und Fürsten hing zum großen Teil an der Redekunst ihrer Wortführer. Erfolgreich öffentlich reden war die Voraussetzung jedes Erfolges in der Republik. »Zwei Eigenschaften«, urteilt Cicero, »vermögen einem Menschen höchstes Ansehen zu verleihen: Feldherrnkunst und Beredsamkeit«.

Aber die Namen der beiden großen Redner wecken nicht nur Gedanken an Erfolg und Triumph, sondern auch an Verantwortung und Gefahr. Der Redner tritt in die vorderste Reihe der Kämpfenden. Dankt ihm dafür innere Befriedigung und vielleicht – aber ach, wie selten! – auch die Anerkennung derer, für deren Recht und Zukunft er eintritt, so trifft ihn doch auch zuerst und am schärfsten die Feindschaft der Gegner.

Demosthenes rief Athen auf zum Kampfe für hellenische Freiheit gegen die drohende Herrschaft der Makedonier. Als das Schlachtenglück endgültig für Makedonien entschieden hatte, war der gefürchtete Redner der erste, der geächtet wurde. Der meerumrauschte Poseidon-Tempel auf Kalauria, in den er sich geflüchtet hatte, wurde von feindlichen Söldnern umstellt. Nach seinem letzten bitteren Wort blieb dem großen Redner »keine Freistatt als der Tod«, in den ihn das in seinem Schreibrohr vorsorglich bewahrte Gift denn auch vor seiner Gefangennahme führte (16. Oktober 322 v. Chr.).

Cicero setzte nach der Ermordung Cäsars seine Redekunst für die Aufrechterhaltung der Republik ein. Als nach kurzem Schwanken das zweite Triumvirat die Herrschaft an sich riß, wurde Cicero von einem Häscher, dem einst seine Beredsamkeit das Leben gerettet hatte, auf der Flucht getötet (7. Dezember 43 v. Chr.). Der Kopf des großen Redners wurde mit dem Doppelten des für die Geächteten ausgesetzten Preises bezahlt und auf derselben Tribüne triumphierend ausgestellt, von der einst seine so viel bewunderten Worte ertönt waren.

Die »herrschaftgebende, seelenbezwingende« (Cicero) Redekunst hat stets Macht gegeben über die Menschen. Wer solche Macht ausübt, aber muß sich dessen immer bewußt bleiben, daß jede Macht über lebende Menschen schwere Verantwortung auflegt und voll von Gefahren ist.

 

Am Wendepunkt von Roms Geschicken steht die große Rede an der Leiche Cäsars, durch die Antonius den letzten Vertretern der Republik die Frucht ihres Mordes entriß. Shakespeares Genie hat uns diese Rede in seinem »Julius Cäsar« wieder aufgebaut und gezeigt, in welchem Maße klug gewählte Worte das Empfinden und den Willen eines Volkes zu lenken vermögen.

Mit der Freiheit sank in Rom wie einst in Athen die Redekunst. Trotzdem versprach sie auch unter den Cäsaren mehr noch als jede andere bürgerliche Kunst Ehre und Gewinn. Aus der Reihe der Rhetoren pflegten die Kaiser die Geheimschreiber und die einflußreichsten Beamten zu wählen.

Die Rhetorik wurde die erste Wissenschaft, für deren Pflege das römische Reich Staatsmittel aufwandte. Der treffliche Fabius Quintilianus (35–95 n. Chr.) wurde von Kaiser Vespasian als Lehrer der Beredsamkeit in Rom gegen hohes Gehalt angestellt und erhielt sogar das Recht, konsularische Abzeichen zu tragen. Die Kaiser Hadrian und Antoninus Pius räumten den Rhetoren besondere Vorrechte ein, wie Befreiung von lästigen Ämtern und vom Kriegsdienst, sowie Erlaß von Steuern. Die berühmtesten Rednerschulen waren die von Rom, Athen und Rhodus; außerdem kennen wir noch besonders stark besuchte Schulen in Karthago, Cordova, Autun, Marseille, Narbonne, Bordeaux, Toulouse, Rheims und Trier. –

Wie verlockend die Laufbahn eines Lehrers der Rhetorik noch am Ausgang des Reichs war, zeigt das Leben des heiligen Augustinus. Als er an aller Gewißheit menschlichen Erkennens verzweifelte, erwählte er diesen Beruf, weil er die glänzendste Zukunft verhieß.

Äußere Ehrung aber verhinderte nicht in der Luft der Knechtschaft das Verkümmern der Redekunst zu müßiger Spielerei. Schon im zweiten Jahrhundert nach Christus hören wir von dem gefeiertsten Vertreter der Rhetorik Cornelius Fronto Lobreden auf den Staub, auf den Rauch, auf die Nachlässigkeit und ähnliche Nichtigkeiten!

Will niedriger Inhalt prunken, braucht er äußere Mache: gekünstelte Worte, berechnende Faltenwürfe der Toga, vorgeschriebene Farbe des Gewandes zu den einzelnen Reden. Jede Handbewegung hatte ihre Gesetze. Als schwerer Verstoß galt es z. B., Arm und Fuß derselben Seite zu gleicher Zeit zu bewegen. Selbst als unter der Gottesgeißel der Völker, Attila, die Hunnen ihre Rosse im Po tränkten, schrieben in Rom noch gelehrte Rhetoriker Abhandlungen über den korrekten Bau künstlicher Perioden.

Wir wissen aus der Geschichte der Nationalökonomie, daß ein falsches Bodenrecht den Untergang des Weltreichs herbeiführen mußte. Wenn aber die großen Entscheidungen der Völker über Aufgang und Niedergang fallen, dann verfliegt alles Wurzellose, und sei es noch so künstlich aufgebaut, wie Spreu im Sturm.

 

In den Klosterschulen des Mittelalters behauptete die Rhetorik einen hervorragenden Platz, sie gehörte unter den sieben freien Künsten, die hier gelehrt wurden, neben der Dialektik und Grammatik zu dem Dreiweg, der an der Spitze stand. Mehr und mehr aber beschränkte sich die Redekunst auf den geistlichen Stand. Welche gewaltigen Wirkungen kirchliche Beredsamkeit auslösen konnte, offenbart das »Gott will es!« der Kreuzzüge.

Als nach diesem großen Ringen des Abend- und des Morgenlandes in Italien wieder reiche Städterepubliken aufblühten, wie Venedig, Genua, Mailand, Florenz, als durch die Berührung mit dem goldenen Byzanz viele Schätze alter Bildung wieder erschlossen wurden, da erlebte auch die Redekunst eine »Renaissance«, die aber mit der Freiheit der Bürger bald wieder versank.

 

Aus den wirtschaftlichen und religiösen Übergangsstürmen stieg das Zeitalter des Merkantilismus empor, das für das Festland zugleich das Zeitalter des unumschränkten Fürstentums war. In ihm blieb natürlich wenig Raum zur Entfaltung der Beredsamkeit. Der berühmte Erzbischof Fénelon von Cambrai beschränkt sich in seinen »Gesprächen über die Beredsamkeit« im wesentlichen auf die Kanzelberedsamkeit, weil das gesprochene Wort nicht mehr die Rolle spielen könne wie im Altertum, da die großen Entscheidungen jetzt im Rate der Fürsten getroffen würden.

Auf denselben Grund weist Goethe hin, als er über Galls Erklärung, seine Schädelbildung beweise, daß er zum Volksredner geboren sei, erschrickt: »da sich bei meiner Nation nichts zu reden fand«.

Die Untertanen waren eben zu schweigendem Gehorsam verpflichtet. Es ist mehr als ein Zufall, daß am Ende dieses Zeitalters nach der Schlacht bei Jena der Gouverneur von Berlin in seiner Proklamation als letzte Weisheit verkündet: » Ruhe ist die erste Bürgerpflicht«.

 

Erst das moderne Verfassungsleben mit seinen Wahlkämpfen und parlamentarischen Auseinandersetzungen hat die Bedeutung der Redekunst wieder allgemein erkennen lassen.

England, die Wiege des Parlamentarismus, zeigt deshalb auch die ersten großen Reden moderner Prägung. Cromwells düstere Reden sind in der Schicksalsstunde der Stuarts schwer ins Gewicht gefallen. Nur hervorragende Redner, wie Pitt und Fox, Peel, Disraëli, Gladstone usw. konnten im parlamentarischen England die Leitung der Staatsgeschäfte erlangen und behaupten.

Und welche Macht hat die Redekunst ausgeübt – von Mirabeau bis Napoleon – als die französische Umwälzung dem Verfassungsleben auch auf dem Festland Bahn brach.

Von dieser Zeitwende an wird nun auch in unserem Volke das gesprochene Wort immer mehr wieder als Macht erkannt, wenn es auch nicht mehr so ausschließlich wie im Altertum das öffentliche Leben beherrschen kann, weil das gedruckte Wort in Büchern, Zeitschriften und namentlich in der Tagespresse dazugetreten ist.

Aber doch wird in den Kämpfen um die Gewinnung der öffentlichen Meinung, um die Mandate in den gesetzgebenden Körperschaften, in den Selbstverwaltungsorganen, in den Berufsorganisationen kaum jemand das gesprochene Wort entbehren können.

 

Gerade aber weil die Redekunst in unserer Zeit eine schnell steigende Bedeutung gewinnt, soll daran erinnert werden, daß ernste Stimmen zu allen Zeiten solche Entwicklung als einen Beweis der Entartung und des Verfalls bezeichnet haben.

Schon Tacitus um 100 n. Chr. läßt sein »Gespräch über die Redner« ausklingen:

»Wenn ein Staat gefunden würde, in welchem niemand sich verginge, so wäre der Redner unter den Unschuldigen genau so überflüssig, wie es der Arzt unter Gesunden ist. So wie die ärztliche Kunst am wenigsten Anwendung und am wenigsten Ehre bei den Völkern findet, welche die dauerhafteste Gesundheit und den vollkommensten Körper haben, so ist auch der Ruhm der Redner am geringsten und am wenigsten glänzend unter gut gesitteten und zum Gehorsam gegen die Regierung willigen Menschen. Denn wozu bedarf es langer Meinungsdarlegungen, wenn die Besten schnell einig werden? Wozu vieler Reden vor dem Volke, wenn über das Gemeinwesen nicht Unerfahrene, sondern nur die Weisesten Rat geben?«

Etwa 1500 Jahre später urteilt in Frankreich Michel de Montaigne in seinem »Versuch über die Eitelkeit der Worte«:

»Die, so die Frauen verhüllen und schminken, richten geringeren Schaden an; denn es ist wenig daran verloren, diese nicht in ihrem natürlichen Zustande zu sehen, während die Redekünstler sich darauf verlegen, nicht unsere Augen, sondern unseren Verstand zu täuschen und das Wesen der Dinge zu fälschen und zu verderben. Die Staaten, die sich in einem geregelten und gesitteten Zustande erhalten haben, wie der kretische oder der lakedämonische, haben die Redner nicht sonderlich in Ehren gehalten. ... Die Mohammedaner verbieten, ihre Kinder in der Redekunst zu unterrichten.

Nur in Staaten, wo das Volk, wo die Unwissenden, wo alle alles vermochten, wie in Athen, Rhodus und Rom, und wo die Dinge fortwährend im Sturm waren, da haben die Redner gewuchert ...

Es scheint, daß die Staaten, die von einem Monarchen abhängig sind, ihrer weniger bedürfen als die anderen. Die Dummheit und der Leichtsinn, der sich bei der Menge findet, und sie geeignet macht, bei dem süßen Klang des Wohllauts an den Ohren herumgeführt zu werden, ohne daß sie dazu käme, die Wahrheit der Dinge mit Hilfe der Vernunft abzuwägen – dieser Leichtsinn findet sich nicht so ohne weiteres bei einem Einzelnen, und es ist auch leichter, ihn durch gute Ratschläge gegen dieses Gift zu schützen.«

An der Schwelle der Neuzeit um 1850 erhob in England Thomas Carlyle seine warnende Stimme. Wohl erkennt auch dieser mächtige Gewissenswecker die Größe wahrer Beredsamkeit:

»Wenn die Sprache die Banknote für ein inwendiges Kapital an Bildung, an Einsicht und edlem menschlichen Werte ist, dann ist die Sprache wertvoll und die Kunst der Rede soll geehrt werden! ... Als die letzte Vollendung der Erziehung und der menschlichen Kultur, menschlichen Wertes und menschlicher Errungenschaften angesehen, ist die Kunst der Rede edel und sogar göttlich

Aber gegen die Gefahren, die aus einem Überwuchern bloßen Worttums erwachsen müssen, wendet sich Carlyle mit geradezu wilder Leidenschaft. In seinen Flugschriften »Aus elfter Stunde« findet sich auch eine Abhandlung »Volksredner«, in der er die Jugend seines Volkes mahnt:

»Werde kein öffentlicher Redner, Du tapferer junger Brite, der Du jetzt etwas werden willst! Werde kein Volksredner, wenn Du es vermeiden kannst! ... Liebe das Schweigen mehr als das Reden in diesen tragischen Zeiten, in denen durch vieles Sprechen die Stimme des einen Menschen dem anderen unverständlich geworden ist, in denen die Herzen inmitten dieses lauten Geschwätzes sich dunkel und stumm gegenüberstehen!«

Mit bitterem Spott übergießt er die Überschätzung glatter Worte in allen Berufen:

»Mit geschickter Annehmbarkeit seine Zunge wackeln zu lassen: das ist für menschlichen Wert und menschliche Fähigkeit in unserem England des 19. Jahrhunderts der einzige Weg zur Auszeichnung, einen anderen gibt es nicht. Die Stimme ist der Gott dieses Weltalls.«

Immer neue Wendungen findet er, um die Gefahren der Redekunst zu zeichnen:

»Je länger wir über diese »Kunst der Rede« nachdenken, desto erstaunlicher und beunruhigender werden wir sie finden. Ich halte sie für den traurigsten aller Flüche, die jetzt schwer auf uns liegen. Mit Schrecken und Bestürzung bemerkt man, daß diese vielgefeierte »Kunst« der Hauptzerstörer alles Guten ist, indem sie sanft und schnell alles entstehende Gute wie unter der Glasglocke der Luftpumpe einschließt, so daß es dort ersticken und sterben muß. Sie ist die große Ur-Fabrik des Bösen für uns – sozusagen die Werkstätte, wo alle Ware des Teufels, die unter der Sonne kreist, den letzten Schliff und die letzte Politur erhält! ... Alle Menschen liegen ergeben auf den Knien, verehren den gewandten Redner, und niemand weiß, was für ein skandalöser Götze er ist. Mich erfüllt dieser »ausgezeichnete« Volksredner mit Schrecken. Den Armen und Unglücklichen, die auf ihn hören wie auf eine Stimme des Kosmos, ist er ein Mundstück des Chaos. Seine Windharfentöne sind wirklich nicht ganz leer; sie sind voll Prophezeiungen – sie verkünden mir nur zu hörbar, daß das Ende vieler Dinge herannaht!« –

Unter den Führern des deutschen Geisteslebens, die der Redekunst mit Mißtrauen gegenüberstehen, ist besonders Kant zu erwähnen. In seiner »Kritik der Urteilskraft« führt er aus:

»Ich muß gestehen, daß ein schönes Gedicht mir immer ein reines Vergnügen gemacht hat, anstatt daß die Lesung der besten Rede eines römischen Volks- oder jetzigen Parlaments- oder Kanzelredners jederzeit mit dem unangenehmen Gefühl der Mißbilligung einer hinterlistigen Kunst vermengt war, welche die Menschen als Maschinen in wichtigen Dingen zu einem Urteil zu bewegen versteht, das im ruhigen Nachdenken alles Gewicht bei ihnen verlieren muß. Beredheit und Wohlredenheit (zusammen Rhetorik) gehören zur schönen Kunst, aber Rednerkunst ( ars oratoria) ist, als Kunst, sich der Schwächen der Menschen zu seinen Absichten zu bedienen (diese mögen immer so gut gemeint oder auch wirklich gut sein, als sie wollen), gar keiner Achtung würdig. Auch erhob sie sich nur sowohl in Athen als in Rom zur höchsten Stufe zu einer Zeit, da der Staat seinem Verderben zueilte und wahre patriotische Denkungsart erloschen war.«

Aber der große deutsche Philosoph urteilt zu gewissenhaft, um nicht neben der Gefahr der Entartung der Redekunst auch die Bedeutung ihrer rechten Art zu erkennen. Das bezeugen die Worte, die unmittelbar folgen:

»Wer bei klarer Einsicht in Sachen der Sprache deren Reichtum und Reinigkeit in seiner Gewalt hat und bei einer fruchtbaren zur Darstellung seiner Ideen tüchtigen Einbildungskraft lebhaften Herzens Anteil am wahren Guten nimmt, ist der » vir bonus dicendi peritus«, der Redner ohne Kunst, aber voll Nachdruck, wie ihn Cicero haben will, ohne doch diesem Ideal selbst immer treu geblieben zu sein.« –

Niemand, der die Geschichte kennt, wird die Gefahren gering schätzen, die darin liegen, daß für Tagesruhm und Geld auch gewandte Redner jederzeit zu kaufen sind. Ein Blick auf das Schicksal der Gracchen im alten Rom zeigt, wieviel in Schicksalsstunden eines Volkes durch käufliche Redner verdorben werden kann. Und in unserer Zeit braucht niemand weit zu suchen nach Beispielen des Verderbens aus der Vorherrschaft hohler Alles-Besser-Wisser, oberflächlicher Schlagwort-Schwätzer, selbstsüchtiger Streber.

Aber man verhütet nicht den Mißbrauch scharfer Waffen, indem man ablehnt, ihren Gebrauch zu erlernen. Die Gefahren, die aus dem Mißbrauch der Redekunst erwachsen können, werden nur abgewendet, ja in ihr Gegenteil gewendet werden, wenn sich gerade die Treuen, die mit reinen Händen dem Wohl der Gesamtheit zu dienen entschlossen sind, selbst so stark machen, daß sie alle Verdrehungen und Verdunkelungen, alle Entstellungen und Täuschungen aus dem Mißbrauch der Redekunst durch ihren rechten Gebrauch überwinden.

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