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Volkserzählungen

Lew Tolstoi: Volkserzählungen - Kapitel 64
Quellenangabe
typenarrative
authorLeo N. Tolstoi
titleVolkserzählungen
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
year1951
firstpub1913
translatorKarl Nötzel
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060511
modified20161220
projectida0b4f55b
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16

Worum ich hinsichtlich meiner Kinder Euer Erlaucht bitten wollte . . .« sprach der Greis, wobei er entweder so tat, als ob er die drohende Miene des gnädigen Herrn gar nicht wahrnehme, oder sie tatsächlich nicht bemerkte.

»Worum denn?«

»Ja, sehen Sie, mit den Pferdchen sind wir, Gott sei Dank, in der Reihe, auch einen Knecht haben wir, so daß der Herrendienst von uns nicht versäumt wird.«

»Was denn dann?«

»Wenn Euer Erlaucht meine Kinder gegen Pachtzins frei lassen würde, so würden Iljuschka und Ignaz mit drei Dreigespannen für den ganzen Sommer fahren gehen; vielleicht, daß sie dann auch etwas erarbeiten würden.«

»Wohin werden sie denn gehen?«

»Ja, wie es gerade kommt«, mischte sich Iljuschka ein, der währenddessen die Pferde unter dem Schirmdach festgebunden hatte und zum Vater getreten war. »Die Kadminskischen Burschen sind mit acht Dreigespannen, so sagt man, nach Romen gefahren, haben sich selbst ernährt, ja, und bis zu drei Zehnrubelscheinen für jedes Dreigespann nach Hause gebracht; sonst aber auch nach Odest – man sagt, dort ist das Futter billiger.«

»Siehst du, gerade darüber wollte ich auch mit dir sprechen«, bemerkte der gnädige Herr, indem er sich an den Greis wandte und ihn möglichst geschickt auf das Gespräch über den Pachthof bringen wollte. »Sag mir bitte, ist es vorteilhafter, Fuhrgeschäft zu betreiben, als sich zu Hause mit Ackerbau zu beschäftigen?«

»Was heißt vorteilhafter, Euer Erlaucht!« mischte sich wiederum Ilja ein, indem er keck sein Haar zurückwarf. »Zu Hause ist ja nicht einmal Futter für die Pferde da!«

»Nun, wieviel erarbeitest du denn im Sommer?«

»Ja, sehen Sie, vom Frühjahr an, obwohl das Futter teuer war, fuhr ich mit Waren nach Kiew, von Kursk wiederum bis Moskau fuhr ich Graupen, so daß wir uns selber nährten und die Pferde satt waren, ja, und fünfzehn Rubel Geld habe ich mitgebracht.«

»Es ist kein Unglück, sich mit einem ehrlichen Gewerbe zu beschäftigen, was es auch sei«, sprach der gnädige Herr, indem er sich von neuem an den Greis wandte; »mir scheint aber, daß man eine andere Beschäftigung finden könnte; ja, und die Arbeit ist auch so, daß der junge Bursche überall hinfährt, jederart Volk sieht, verwöhnt werden kann«, fügte er hinzu, die Worte Karps wiederholend.

»Womit soll sich denn unser Bruder, der Bauer, beschäftigen, wenn nicht mit Fuhrgeschäft?« entgegnete der Greis mit seinem sanften Lächeln. »Fährst du gut, so bist du selber satt, und die Pferde sind gesättigt; was aber das Verwöhnen anbetrifft, so fahren sie bei mir, Gott sei Dank, nicht das erste Jahr; ich selber bin auch gefahren, und Schlechtes habe ich von niemand gesehen, sondern nur Gutes.«

»Ist es denn zu wenig, womit ihr euch zu Hause beschäftigen könntet: mit Äckern, mit Wiesen . . .«

»Wie kann man das denn, Euer Erlaucht?« mischte sich Iljuschka mit Begeisterung ein. »Wir sind schon damit auf die Welt gekommen, alle diese Ordnungen sind uns bekannt, eine uns genehme Sache; die allerliebste Sache, Euer Erlaucht, ist es für unsereinen, Lasten zu fahren.«

»Wie aber, Euer Erlaucht, wir bitten um die Ehre, wollen Sie nicht in die Stube eintreten? In unserem neuen Hause sind Sie noch gar nicht gewesen«, sagte der Greis, indem er sich tief verneigte und dem Sohn winkte. Iljuschka lief im Trab in die Hütte, ihm folgte zugleich mit dem Greis auch Nechljudow.

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