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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Virgils Aeneis, travestirt

Aloys Blumauer: Virgils Aeneis, travestirt - Kapitel 8
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleVirgils Aeneis, travestirt
publisher
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeErster Theil
printrunRieger'sche Verlagsbuchhandlung
year1871
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130817
projectid46647a17
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Siebentes Buch.

Inhalt.

Wie der fromme Held Aeneas endlich in Wälschland anlandet, und wie sich ob einem frommen Traum des Königs und einem gottlosen Hündlein ein blutiger Krieg entspinnen thät.

Eh sich der Held von hier begab,
Ließ er noch seiner alten
Vierfüß'gen Amme, deren Grab
Hier war, Exequien halten:
Die Ziege war ein gutes Thier,
Drum hatt' Aeneas sich an ihr
So lämmchenfromm gesogen.

Die nächste Nacht, da Meer und Wind
Ein Bischen quiescirten,
Ging unser Held und sein Gesind
Zu Schiff. Es convoirten
Zephyre den Trojanerschub,
Der Mond ging als Laternenbub
Voran mit der Laterne.

Auf einmal sah der Schiffertroß
Auf seiner nassen Fährte
Ein Eiland und ein prächtig Schloß,
Das Circen zugehörte:
Frau Circe nannt' es Mon Bijou,
Das Eiland aber selbst ward Trou
Madame
zubenamset.

Hier travestirt die Zauberin
Die Herren Passagiere,
Die hin nach diesem Eiland ziehn,
Zum Spaß in lauter Thiere:
Da ist kein Volk, kein Menschenstand
Den sie mit zauberischer Hand
Nicht metamorphosiret.

Hier singt sein Goldschmidbub' als Fink
Ein junger Engelländer,
Dort schimpfet als ein Rohrsperling
Ein toller Niederländer,
Als Windspiel läuft hier ein Franzos,
Dort bittet ein Holländertroß
Als Frösch' um einen König.

Hier kommt als Truthahn stolz ein Don
Hidalgos angeschritten,
Ein Deutscher als Chamäleon
Schnappt dort nach fremden Sitten,
Als Faulthier schläft ein Römer hier,
Verwandelt in sein Murmelthier
Tanzt dort ein Savoyarde.

Als Gimpel singen hier im Saal
Sehr schön zwei Eminenzen,
Dort wiehern in dem Pferdestall
Ein Dutzend Excellenzen:
Kadetchen hüpfen hier als Flöh',
Dort muß ein niedlicher Abee
Als Pudel apportiren.

Hier heult ein hungrig Dichterlein
Mit Wölfen in die Wette,
Dort gehn Sanct Franzens Jüngerlein
Als Schwein' in Koth zu Bette.
Hier brüllt als Stier ein Prediger,
Da brummt ein altes Weib als Bär,
Dort schreit ein Rathsherr! Iha!

Aeneas, um nicht auch als Schaf
Am Ufer hier zu grasen,
Bat den Aeol, er möchte brav
In seine Segel blasen:
Er floh in Angst, und glaubte schon
Allhier als Schöps aus Ilion
Sein griechisch Bä zu blöcken.

Aurora färbte nun das Meer
Mit ihrem Rosenschimmer,
Trieb ihre Füchse vor sich her,
Und stieg in ihren Schimmer.
Auf einmal hielt Aeol, der Schuft,
Den Athem ein, still ward die Luft,
Und alles litt an Winden.

Kaum einen starken Büchsenschuß
Den Schiffen gegenüber,
Umarmt' ein großer gelber Fluß
Das Meer; es war die Tiber:
Der Held erkannte gleich den Strom,
Der alles Gold der Welt nach Rom
Auf seinem Rücken schleppte.

Nun landet an dem nahen Strand
Die ganze Karavane;
Aeneas stieg sogleich ans Land
Mit einer weißen Fahne:
»Kraft Constantins Donation,«
Rief er, »nehm ich für meinen Sohn
Besitz von diesem Lande.

Ihr Leser werdet nun ein schwer
Und schön Stück Arbeit sehen:
Aeneas wird die Rutuler
Wie Gras zusammen mähen;
Denn nichts nimmt mehr die Köpfe her,
Als wenn zwei Herrn von ungefähr
Um Land und Weib sich zanken.

O Mars, verleih mir jetzo Muth,
Und hilf mir hau'n und schießen:
Aus meinem Federkiel soll Blut,
Anstatt der Tinte, fließen:
Und Damen, die hier etwan sich
Vor bloßen Schwertern scheu'n, bitt' ich
Das Büchlein wegzulegen.

Damals regiert' in Latien
Latinus. Dieser König
Macht', außer einem Töchterchen,
In dieser Welt sehr wenig.
Er aß und trank, ging nie zu Fuß,
Und war laut dem Quae maribus,
Des männlichen Geschlechtes.

Des Königs Töchterlein war schön,
Und auch schon flück geworden;
Drum ließen jetzt sich Freier sehn
Von Ost, Süd, West und Norden:
Denn wer aus unsern großen Herr'n,
Wenn es drauf ankommt, trägt nicht gern
Zu gleicher Zeit zwei Kronen?

Allein, die Königin, die man
Die Vielgeliebte nannte,
Weil vor ihr jeder Unterthan,
Als wie vor'm Teufel, rannte,
Die hatte, wie es pflegt zu gehn,
Schon einen Mann sich ausersehn
Für ihre Miß Lavendel.

Prinz Turnus war's, von dessen Bart
Sie sich ein Heer von Enkeln
Versprach, ein Mann von seltner Art,
Allein so stark von Schenkeln,
Daß man ins Ohr sich raunt', er sei
Aus seines Vaters Liverei
Zum Prinzen avanciret.

Allein dem alten König hatt',
Als er einst zu Loretto
Um einen jungen Nachwuchs bat.
Geträumt, ihm werd' ein Detto
Beschert in einem Töchterlein,
Und diese werde dann einst frei'n
Ein frommer Prinz aus Troja.

Auch hatt' ihm ein Prophet, den er
Dereinst darum befraget –
Und das war zuverlässiger
Als Ziehen – weisgesaget,
Die Erde bis ans Land der Ens
Werd' unter seines Töchterchens
Pantoffel einst noch beben.

Miß Fama weilte nicht, dies all'
Aeneen anzudeuten;
Allein er ließ ein großes Mahl
Vor allem zubereiten:
Denn, ach! sein Magen schrie so laut,
Daß er darüber Thron und Braut
Und Latium nicht hörte.

Doch als sie bei der Suppe schon
Im engen Kreis gesessen,
Da hatte man in Ilion
Das Tischzeug rein vergessen;
Sie halfen flugs sich meisterlich,
Und schnitten Löffel, Teller sich
Und Becher aus Kommißbrod.

Zum Schluß der Tafel rief Askan:
»Leer sind nun Küch' und Keller!
Doch höret mich! ein braver Mann
Frißt auch noch seinen Teller!«
Des Prinzen Witz als Butter strich
Nun jeder auf's Kommißbrod sich,
Und würgte es hinunter.

Aeneas, der mit frommer Hand
Den vollen Becher schwenkte,
Rief: »Sei gegrüßt, gelobtes Land,
Das uns die Vorsicht schenkte!
Hier bauen wir den Vatikan,
Drum laßt uns erst dies Kanaan
Von blinden Heiden säubern!«

Drauf sandt' er Boten, die mit Fleiß
Das Land recognoscirten,
Und diese kamen voller Schweiß
Zurück und rapportirten:
Hier spräche jedermann Latein,
Drum müßten hier ansäßig sein
Lateiner oder Ungarn.

Der Held ließ nun sein ganzes Heer
Die Infimam studiren,
Und die Geschicktesten in der
Rhetorik exerciren:
Flugs war mit Hülfe des Le Jay,
Und eines Cornu copiae
Ein Dutzend Redner fertig.

Die zogen in Procession,
Geziert mit Lorbeerkränzen,
Bis hin vor des Latinus Thron,
Der eben Audienzen
Den Völkern seines Reiches gab;
Sein Scepter war ein Bischofstab,
Sein Kleid ein Vespermantel.

Zur Rechten saß ihm sein Soufleur,
Ein Pfaff mit schwarzem Kragen:
Der rief die jungen Redner her,
Ihr Pensum aufzusagen,
Und vor des Königs Majestät
Begann jetzt laut mit Gravität
Wie folgt, ihr Cicerone:

»Wir kommen, Serenissime!
Zu dir, als reichem Prasser!
Verleih' uns benignissime
Ein bischen Luft und Wasser!
Wir brannten im Diluvio
Vor Troja wie das liebe Stroh
Beinah zu Staub und Asche.«

»Drum, Domine exaudi nos
Und unsern großen Helden,
Der nie ein Tröpfchen Blut vergoß
Und – ohne Ruhm zu melden –
In deinem ganzen weiten Staat
Gewiß nicht seinesgleichen hat
An Frommheit und Courage.«

»Laß dir auch unsre Munera
Gehorsamst präsentiren:
Mit diesem großen Messer da
Ließ Priam sich rasiren,
Sieh diesen Kamm der Helena,
Es sind noch drauf die Funera
Schnellfüßiger Trojaner.«

»Den Sieger Hektors fand Ulyß
In diesen Weiberröcken:
In dieser schönen Scheide ließ
Sein Schwert Held Paris stecken:
Dies Fingerhütchen sammelte
Die Thränen der Andromache
Um ihren theuern Gatten.«

»Sieh, auch Tiaren bringen wir
Dir mit aus unserm Troja:
Drum nick' uns Supplikanten hier
Ein allergnädigst: O ja!
Du – bist ein Rex in Solio,
Wir arme Narr'n in Folio,
Drum sei uns gnädig, Amen!«

Der König saß da wie ein Stock
Mit stierem starrem Blicke,
Drum hielt sich schon der schwarze Rock
Bereit zu der Replike:
Allein am Ende faßten doch
Des Königs Majestät sich noch,
Und sprachen allergnädigst:

»Ja, ja! wir sagen herzlich gern
Zu euern Bitten Amen!
Sagt dem Aeneas, euerm Herrn,
Viel Schön's in meinem Namen:
Er soll mir recht willkommen sein,
Wenn er mit einem Gläschen Wein
Bei mir vorlieb will nehmen.«

»Er ist der Mann, ich merk' es schon,
Den Gott mir ausersehen,
Durch ihn, als meinen Schwiegersohn
Wird mir mein Traum ausgehen.
Sagt ihm: d'Lavendel sei schon alt
Genug für ihn, er soll nur bald
Zum Großpapa mich machen!«

»Sagt ihm: er sei mein Tochtermann,
Und das, so wahr ich lebe;
Er komme nur, mein Mit-Tyrann,
Daß ich die Hand ihm gebe;«
(Denn wisset per Parenthesin:
Auch gute Fürsten hieß man kühn
Tyrannen, sagt Ruäus.)

Der König war so froh anjetzt,
Als säß er schon im Himmel,
Er schickt' Aeneen noch zuletzt
Zwölf wohldressirte Schimmel,
Weiß wie der Schnee, sie waren all
Aus Circens oberwähntem Stall,
Und lauter Excellenzen.

Sie waren prächtig equipirt
Mit purpurnen Schabracken
Mit Blumen um und um brodirt.
Gleich unsern Modefracken.
Des Königs Bild en Medaillon
Hing jedem als Prätension
Bis auf die Brust hinunter.

Nun wären also Fried' und Eh' –
Und auch dies Werk – geschloffen!
Allein Frau Juno schüttelte
Den Kopf und machte Glossen,
Und hielt in ihr Boudoir versperrt,
Worin nur ich ihr zugehört,
Dies Selbstgespräch darüber:

»Was? mir, die selbst dem Donnerer
Die Hosen weggenommen.
Mir soll jetzt so ein Sterblicher
Hans Hasenfuß entkommen?
Mir, als der Himmelskönigin,
Fährt eine Memme durch den Sinn;
Pfui schäme dich, Frau Juno!«

»Nein, nichts, bei meiner Ehre, nichts
Soll unversucht mir bleiben,
Um dir, elender Taugenichts,
Den Kitzel zu vertreiben.
Und hören mich die Götter nicht,
So soll der Teufel dir das Licht
Bei deiner Hochzeit halten.«

»Zum mindsten soll mein Turnus brav
Dein Eselsfell dir gerben,
Und deine Braut, das dumme Schaf,
Mag dann mit Blut sich färben:
Denn glückt's dir auch am Ende noch,
So will ich eine Weile doch
Dich erst herumkarbatschen.«

Nun forderte Frau Jupitrin
Die Furien aus der Hölle:
Und sieh, aus ihr Geheiß erschien
Erinnys auf der Stelle.
Ganz nach der neusten Mode war
Der Furie Putz: ihr Schlangenhaar
Gekraust in hundert Löckchen.

Die heiße Höllenflamme hatt'
Ihr Antlitz schön bronziret,
Ihr Kleid war schwarz und nakarat,
Mit Drachengrün punktiret.
Die schlappen Zitzen, wohlverwahrt,
Die steckten nach der neusten Art
In einer Flortrompeuse.

Die sollte Latien entzwei'n
Zu Haß und blut'gen Kriegen:
Die ging den Vorschlag willig ein;
Denn ihr war an Intriguen
Und List der Teufel selbst nicht gleich,
Drum hieß sie auch in ihrem Reich
Die höllische La Motte.

Sie machte sich sogleich davon,
Amaten aufzuhetzen:
Die riß den Ehcontrakt, der schon
Geschrieben war, in Fetzen,
Schlug ihn dem Herrn Gemahl um's Maul,
Und Miß Lavendel mußt' ein Gaul
Ins nächste Kloster tragen.

Da konnte sich Mamsell nun satt
An ihrem Siegwart herzen,
Sie trug, wie Mariane that,
Pleureusen in dem Herzen,
Und an Aeneen zeigte sich
Ihr schon im Geist der jämmerlich
Erfrorne Kapuziner.

Auch zu Prinz Turnus trug die Fee
Der Hölle schwarzer Flügel:
Der lag auf seinem Kanapee,
Und schnarchte, wie ein Igel,
Sie ließ den Eifersüchtigen
Nun folgendes Spektakel sehn,
Versteht sich bloß im Traume.

Er sah, und glaubte zu vergehn,
Aeneens Liebgetändel
Bei seiner angebeteten
Geliebten Miß Lavendel.
Er hörte ihrer Seufzer Knall,
Sah, wie der Held auf dies Signal
Die Festung attaquirte.

Sah, wie er die Redouten bald
Mit seinen Lippen stürmte.
Bald sich in einem Hinterhalt
Vor ihrem Fächer schirmte!
Und dann die große Batterie
Mit ausstudirter Strategie
Fast gänzlich demontirte:

Wie er ein leichtes Corps voran
Erst weislich detaschirte.
Und mit Den Kürassiren dann
Bedächtlich nachmarschirte:
Die kein Verhack, kein Ravelin,
Ja selbst kein blinder Lärmen ihn
Im Approchiren schreckte:

Wie er die Festung allgemach
Zum Kap'tuliren brachte;
Sah schon die weiße Fahn' – und ach
Ihr Götter! hier erwachte
Ter arme Narr aus seinem Traum,
Sprang aus dem Bett, und faßte kaum
In Eifersucht sich selber.

Er tobt' und fluchte fürchterlich
Bei allen Sakramenten,
Daß selbst Italiener sich
An ihm erspiegeln könnten!
Es schäumte wild ihm Mund und Kinn,
Als hätte sein Barbierer ihn
So eben eingeseifet.

Der Kniff der Furie schlug nicht fehl,
Denn in der ersten Gährung
Schrieb er ein blutiges Kartel,
Statt einer Kriegserklärung,
Und forderte den Helden drin,
Den König und die Königin
Heraus vor seine Fuchtel.

Die Furie ließ sich nun auch
Hin zu den Trojern tragen:
Da unterhielt, nach Prinzenbrauch,
Askan sich just mit Jagen.
Den Umstand wußte sie nun gleich
Zum trefflichsten Meisterstreich
Nach ihrer Art zu nützen.

Die Försterin des Walds, wo er
Sich jetzt im Schießen übte,
Besaß ein Hündchen, das sie mehr
Als ihren Ehmann liebte;
Es war ein Bologneserchen
Und just so zottelhaaricht schön,
Wie unsre Damenköpfe.

Dies Hündchen trank mit ihr Kaffee
Und fraß ihr aus dem Munde,
Oft suchten sie einander Flöh',
Und scherzten manche Stunde.
Das Hausgesind in Corpore
Schien nur der kleinen Bestie
Im Haus allein zu dienen.

Der kleine Hund ging eben jetzt
Mit einer Magd spazieren:
Askan, von Ruhmbegier erhitzt,
Kann sich nicht moderiren,
Sieht dieses Hündchen lobesan
Für einen kleinen Löwen an,
Und pfeifet seinen Hunden.

In diese war der Teufel, der
Schon vor zweitausend Jahren
Einst in die Schweine fuhr, nunmehr
Mit aller Wuth gefahren,
Die zausten nun dem armen Hund
Den Pelz, und schickten kahl und wund
Der Alten ihn nach Hause.

Potz Himmel tausend! was entstand
Darob nicht für ein Zeter,
Die Alte griff nach einem Brand,
Und tobte wie das Wetter:
Und sieh, das ganze Hausgesind
Griff nun vor Wuth und Taumel blind
In Eile zu den Waffen.

Die Kriegswuth kam der Küchenmagd
Am ersten in die Adern,
Sie griff mit Ingrimm unverzagt
Nach einem nassen Hadern:
Die mordgewöhnte Köchin nahm
Ein Nudelbrett zum Schild und kam
Mit einem langen Bratspieß.

Der Hausknecht, der just Scheite klob,
Lief her mit seinem Schlägel:
Die Drescherschaar im Hof erhob
Zum Streit die raschen Flegel:
Mit Striegeln kam der Kutscher Troß,
Das tapfre Stubenmädchen schloß
Den Zug mit einem Borstwisch.

Doch konnten all die Reisigen
Dem Prinzen wenig schaden:
Denn diesen Herrn vertheidigten
All seine Schulkam'raden,
Und diese wehrten ritterlich
Mit Steinen und mit Säbeln sich,
Und kleinen Schlüsselbüchsen.

Bei dem Scharmützel wurde doch
Viel Jungfernblut vergossen:
Der Köchin ward ein großes Loch
Durch's Nudelbrett geschossen.
Das Stubenmädchen kam davon
Mit einer kleinen Contusion,
Nicht weit vom Perinaco.

Des Turnus blut'ger Fehdebrief
Kam nun auch vor den König:
Der Alte, der gern ruhig schlief,
Erschrack darob nicht wenig,
Und ließ in seinem ganzen Reich,
Den frommen Niederländern gleich,
Betstunden indiciren.

Allein indessen ging im Land
Schon alles drunt'r und drüber:
Den Bauern- und den Bürgerstand
Ergriff das Kriegesfieber.
Statt in die Kirchen, liefen sie
Zum König hin, und alles schrie:
Krieg wider die Trojaner!

Des guten Königs Milchnatur
Bestand aus lauter Frieden,
Ihm war in seinem Leben nur
Ein einz'ger Krieg beschieden:
Der war, wenn Nachts mit ihm im Bett
Der Eheconsortin Majestät
Ein bischen harcelirte.

Drum kriegten seine Majestät
Vor Angst auch das Lariren:
Sie ließen in ihr Kabinet
Die Großen all citiren,
Und gaben hier aus ihrem Thron
Die letzte Deklaration
Von sich mit diesen Worten.

»Ihr alle seid auf Krieg erpicht;
Doch wir von Gottes Gnaden
Wir wollen unsre Hände nicht
Im Trojerblute baden.
Wir denken an die zehn Gebot',
Und da befiehlt der liebe Gott
Ja klar: du sollst nicht tödten!«

»Drum haben wir von Anbeginn,
Da wir dies Reich verwalten,
Im Lande weder Magazin,
Noch Arsenal gehalten,
Und außer uns'rer Leibwach' ist
Im ganzen Lande, wie ihr wißt,
Kein Ladstock von Soldaten.«

»Die Ruhe war uns jederzeit
Bekanntlich angeboren,
Doch wollt ihr mit Gewalt den Streit,
So laßt mich ungeschoren,
Und nehmt mir auch von meinem Reich
Die Zügel ab, sonst hust' ich euch
In eure Königskrone.«

So sprach er, und verschloß sich stumm
In seine Retirade;
Allein das Ministerium
Erklärte ohne Gnade
Sich für den Krieg, und ließ gleich mit
Demselben auch ein Don gratuit
Im ganzen Reich verkünden.

Jetzt war im Land der Teufel los,
Es rüstete, vom Siege
Geblendet, sich nun Klein und Groß
Zum fürchterlichsten Kriege.
So einen Kriegesapparat
Hat man bis jetzt in keinem Staat
Auf Erden noch gesehen.

Man ließ für hunderttausend Mann
Sogleich Monturen schneidern,
Und drauf warb man Soldaten an,
Die paßten zu den Kleidern.
Wenn einer allzudicke war,
Entließ man ihn auf ein paar Jahr,
Damit er dünner würde.

Zugleich ließ man das ganze Land
Im Kleinen porträtiren,
Und um – ob auch des Malers Hand
Es traf – zu judiciren,
Ließ man das Bild den Feind besehn,
Und fragen, ob er Latien
In dem Porträt erkenne.

Man baut' aus Brettern Festungen,
Und trug sie an die Grenzen,
Die Vorspannochsen mußten gehn
Nach krieger'schen Kadenzen:
Aus Mangel an Makulatur
Ließ man aus der Registratur
Des Staats Patronen machen.

Aus allen Klöstern machte man
Jetzt überall Kasernen,
Vom Weibe mußte jeder Mann
Das Commandiren lernen!
Und aus den Kanzeln und zu Haus
Erscholl jetzt nichts als: Brust heraus!
Und Marsch! und Rechts umkehrt euch!

Aus den Metallen jeder Art
Schuf man jetzt lauter Waffen!
Aus jeder Ofengabel ward
Ein Bajonet geschaffen!
Zur Lanze ward ein Bratspieß hier,
Zum Harnisch für den Kürassier
Ward dort ein Ofenthürl.

Zu Kugeln schmolz man auch das Blei
An allen Fensterscheiben!
Kein Eisenriegel durfte frei
Von der Verwandlung bleiben,
Er ward zum Dolche zugespitzt,
Aus Kasserolen schoß man jetzt,
Anstatt der Knödel, Bomben.

Kaum hörte nun der Unterthan
Die erste Trommel schnarren,
So wurde vollends Jedermann
Vor lauter Krieg zum Narren.
Die Liebe zu dem Vaterland
Schuf jede Zunft und jeden Stand
Zu lauter Patrioten.

Die Schuster schmierten schon erhitzt
Ihr Pech auf Feuerkronen:
Die Pfefferkrämer machten jetzt,
Statt Düten, nur Patronen;
Der Tapezier mit flinker Hand
Verkehrte seine span'sche Wand
Wie Blitz in einen Schanzkorb.

Hier zeigten als Sappierer sich
Das Corps der Todtengräber,
Dort deployirten meisterlich
Zehn Eskadronen Weber.
Da zogen Schneider über Hals
Und Kopf mit schnellen Füßen als
Cheveaux legers zu Felde.

Die Pred'ger wurden enrollirt
Zu lauter Trommelschlägern,
Die Rauchfangkehrerzunft formirt'
Ein Regiment von Negern,
Und weil am Pulver Mangel war,
Ließ sich die Apothekerschaar
Zu Pulvermachern brauchen.

Und der Agenten Legion
Erbot sich zu Spionen!
Die Kammerdiener-Division
Bediente die Kanonen;
Zuletzt als schwere Kavall'rie
Bewegten sich mit vieler Müh'
Domherrn und Sesselträger.

Charpien nur beschäftigten
Der Damen zarte Hände;
Die Kaffeehäusler wetteten
Schon auf des Krieges Ende,
Und laut in jedem Bierhaus scholl
Das Lied; Süß ist's und ehrenvoll,
Für's Vaterland zu – trinken.

Zur Taktik stellte man noch an
Das Corps der Notenschreiber;
Zum Convoiren brauchte man
Die Zunft der Eselstreiber;
Und um auch einen Feldmarschall
Zu finden, wurden überall
Concurse promulgiret.

Doch ach! wer nennt mir noch zuletzt
Der Völkerschaften Namen,
Die her von Süd und Norden jetzt,
Um mitzuraufen, kamen;
Darum, o liebe Muse! sag'
Mir ein jetzt, denn der Teufel mag
Die Namen alle merken.

Von weiten Landen kamen die
Baschkiren und Tschuhwaschen,
Die Tschautschuh, die Wogulitschi,
Mit sammt den Kisilbaschen,
Tschetschengen und Jukagiri,
Mischkessen und Nogaizi,
Ihr Führer war Toktamisch.

Die Mestscheräken, Teptjarei,
Kitptschaki, Kamaschinzi,
Die Ttscheremissen, Chabarthei,
Koibalen und Kystinzi;
An alle diese Völker schloß
Sich an ein Amazonen-Troß
Von Wienerfratschlerweibern.

 

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