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Virgils Aeneis, travestirt

Aloys Blumauer: Virgils Aeneis, travestirt - Kapitel 4
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleVirgils Aeneis, travestirt
publisher
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeErster Theil
printrunRieger'sche Verlagsbuchhandlung
year1871
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130817
projectid46647a17
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Drittes Buch.

Inhalt.

Wie der theure Held Aeneas fortfährt, der Königin in Lybia seine Wanderschaft von Troja und die dabei mannhaft bestandenen Abentheuer zu erzählen, und wie bei seiner Erzählung jedermänniglich einschlief.

Kaum war die letzte Fastnacht aus,
Die Troja überstanden,
Als wir frühmorgens jedes Haus
Schon eingeäschert fanden;
Das war ein Anblick, Königin!
Ich will, so lang ich lebend bin,
Den Aschermittwoch denken.

Die Noth macht' uns erfindungsreich;
An Ida's nahem Rücken
Ließ ich ein Dutzend Schiffe gleich
Für uns zusammenflicken:
Da zogen wir nun Groß und Klein,
Wie in die Arche Noahs ein,
Und gingen unter Segel.

Wir schwammen lange hin und her,
Eh wir ein Ländchen fanden,
Doch ließen uns die Thracier
An ihren Küsten landen:
Ein braves Volk, mit welchem wir
Bei einem Krug Trojanerbier
Oft Brüderschaft getrunken.

Ich baute mir ein Städtchen hier,
Um mich zu divertiren,
Dies Städtchen sollte dann von mir
Den Namen Aeneis führen:
Aufs erste Thor, das fertig stand,
Schrieb ich mit leserlicher Hand:
Pius Aeneas fecit.

Jedoch ein Spuk benahm mir bald
Die Lust zu diesem Spaße;
Ich hörte, daß im nahen Wald
Ein Geist sich sehen lasse:
Er sei, so hieß es, fürchterlich,
Sei schwarz und weiß, und trüge sich
Wie ein Dominikaner.

Ich kriegte nun auch Appetit,
Den Kobold zu beschwören,
Nahm einen Kapuziner mit,
Damit wir sicher wären:
Dann wappnet' ich mich ritterlich,
Und deckte statt des Helmes mich
Mit einem Weihbrunnkessel.

So gingen wir voll Muths dahin,
Und sahn beim Mondenschimmer
Ein kleines Grab, und hörten drin
Ein klägliches Gewimmer:
Ein kalter Schauer fiel mich an,
Und ach, wie saure Milch gerann
Das Blut mir in den Adern.

Umschattet war das ganze Grab
Mit lauter Birkenzweigen;
Ich riß davon ein Sprößchen ab,
Um es daheim zu zeigen:
Doch als ich riß, so tröpfelte
Aus dem gebrochnen Ast – o weh!
Kohlrabenschwarze Dinte.

Wie wenn ein Kind die Ruthe kriegt,
So fing es an zu schreien;
Und wie, wenn man im Fieber liegt.
Schlug mir das Herz von neuen:
Der Pater endlich faßte sich,
Schlug heftig Kreuz auf Kreuz, und ich
Rief: – Alle guten Geister –

Und augenblicklich sahen wir
Den Geist in einer langen
Gestalt, mit schlechtem Löschpapier
Nach deutscher Art umhangen:
Die hohlen Augen sahn – o Graus! –
Als wie zwei Dintenfässer aus,
Und Dinte rann aus beiden.

Und weil ein Held in allem groß
Ist, folglich auch im Schrecken,
So blieb mir, als ich's sah, nicht bloß
Der Schrei im Schlunde stecken,
Der Schreck erdrosselte mich schier,
Mein Haar stund aus und lupfte mir
Den schweren Weihbrunnkessel.

Der Geist fing an: »Was wollt ihr mir?
O schonet mein im Grabe!
Ich büße schwer für das Papier,
Was ich verschmieret habe:
Denn ach! ich war einst in der Welt
Ein schöner Geist, der Zeit und Geld
Den Menschenkindern raubte.«

»Und all' die Federn (wie es hier
Mein Grabmal kann bezeugen)
Die ich verschrieben, wurden mir
Zu lauter Birkenzweigen:
Ich muß für das, was ich gethan,
Aus beiden Augen hier fortan
Gallbittre Dinte weinen.«

»Und bis sich nicht in dem Revier
Ein frommer Wandrer findet,
Der aus den Birkenzweigen hier
Sich eine Ruthe bindet,
Und mir damit den Hintern gerbt.
Bis daß er roth und blau sich färbt,
Muß ich im Walde spuken.«

Der Pater war sogleich bereit,
Die Seele zu erlösen;
Wir banden aus Barmherzigkeit
Uns jeder einen Besen,
Und fegten ihn; und sieh! da schwand
Der schöne Geist uns aus der Hand,
Und dankte für die Strafe.«

Der Spuk benahm mir ganz und gar
Die Lust, hier einzunisten:
Sobald das Meer bei Laune war,
Verließen wir die Küsten,
Und kaum als Thracien verschwand,
So schwamm uns gleich ein andres Land
Auf offner See entgegen.

Die schöne Insel Delos stund
Vor uns, ein Nest voll Pfaffen;
Der Fürst hatt' über Beutel und
Gewissen hier zu schaffen.
Sein Reich war halb von dieser Welt,
Und halb von jener; doch sein Geld
Bezog er nur von dieser.

Er war des Phöbus rechte Hand,
Und was er prophezeite,
War – wenn er auf der Kanzel stand –
Ein Dogma für die Leute;
Und der's nicht glauben wollte, war –
Schon ipso facto in Gefahr,
Hier oder dort zu braten.

Wir gingen hin zur Audienz
Und baten voll Vertrauen
Um's Placet seiner Eminenz,
Allhier uns anzubauen;
Allein der Fürst sprach: »Marsch von hier!
Dies ganze Land gehöret mir
Und meinem Domkapitel.«

Und bei der Antwort, die er gab,
Wies er auf seinen Degen:
Wir küßten seinen Hirtenstab,
Und baten um den Segen,
Drauf ließ er uns zum Fußkuß gehn,
Und schenkte uns Reliquien
Von seinen Hühneraugen.

Vom nächsten Winde ließen wir
Von hier uns fortkutschiren;
Und dieser schnelle Luftkurier
Sollt' uns nach Kreta führen!
Wir sahen bald auch Inselchen,
Die rund herum zu Dutzenden
Um unsre Schiffe schwammen.

In Kreta selber ließen wir
Uns ungefraget nieder;
Und weil das Holz in dem Revier
Nicht theu'r war, baut' ich wieder
Ein Städtchens Bergam zugenannt,
Weil es an einem Berge stand.
Jetzt heißt es aber Amberg.

Hier mußte mir nun Alt und Jung
Der süßen Liebe pflegen.
Und sich auf die Bevölkerung
Mit allem Eifer legen;
Denn wenn ein junger neuer Staat
Nicht Bürger wie Kaninchen hat,
So stirbt er in der Wiege.

Für jedes Kind, das man gebar
In meinen neuen Staaten, –
Wenn's weder Mönch noch Nonne war –
Bezahlt' ich drei Dukaten.
Die Kinder mehrten sich so schnell,
Daß ihre Väter nicht gnug Mehl
Zum Kindskoch bauen konnten.

Allein die böse Seuche kam
In meines Staates Glieder,
Die ihnen Saft und Kraft benahm;
Und alles lag darnieder.
Die armen Weiber dau'rten mich,
Sie mußten sich nun kümmerlich
Mit dürren Wurzeln nähren.

Ich gab auch dies Projektchen aus,
Frug einen Zeichendeuter
Um seinen Rath, und steu'rte drauf
Mit meinen Schiffen weiter.
Kaum war das Land uns aus dem Blick,
So kam ein neues Ungelück
Aus Wolken her gesegelt.

Gleich einem Kriegsheer schwarz montirt
Kam an dem Himmelsbogen,
Laut von den Winden commandirt,
Ein Wetter angezogen.
Das ganze Meer empörte sich
Und schwoll in Wogen fürchterlich
Dem nahen Feind entgegen.

Die Heere stießen nun mit Macht
Im Sturmgeheul zusammen
Das Meer wildschäumend ausgebracht,
Die Wolken lauter Flammen.
Kanonenschüsse donnerten,
Und die Kartätschen hagelten
Uns Schloßen auf die Köpfe.

Die Luft schoß Feuerkugeln, wie
Der Mond so groß, hernieder;
Das aufgebrachte Wasser spie
Ins Angesicht ihr wieder:
Und statt der Bomben schleuderte
Das Meer den Wolken unsere
Galeeren an die Nasen.

Verzehrend schien des Himmels Glut
Sich in das Meer zu senken,
Verschlingend schien des Meeres Flut
Den Himmel auszutränken.
Kurzum, das Feu'r- und Wasserreich
Vereinten sich, um uns zugleich
Zu sieden und zu braten.

Drei Tage währte dieser Saus;
Doch endlich ging zum Glücke
Den Wolken Blei und Pulver aus:
Sie zogen sich zurücke.
Und wir, zu Zunder halb verbrannt,
Und halb ertrunken, sahn ein Land
Auf das wir uns salvirten.

Hier kauften wir uns alsobald
Wein, Zwieback, Fleisch und Fische,
Und setzten uns im nächsten Wald
Recht hungerig zu Tische.
Allein kaum saßen wir im Kreis,
So mußt' uns auch schon ein Geschmeis
Von Vögeln molestiren.

Die Vögel hatten einen Kopf
Wie wir, jedoch geschoren,
Und vorn und hinten einen Kropf
Nebst langen, langen Ohren.
Sie hatten braune Flügel auch,
Und einen Reifen um den Bauch,
Damit er nicht zerspringe.

Wie Fledermäuse sahn sie aus,
Doch flogen sie bei Tage
Im Land herum von Haus zu Haus,
Zu aller Menschen Plage.
Harpyen hießen sie: zwar nennt
Man nun sie anders; doch man kennt
Die Vögel an den Federn.

Sie kamen an zu Dutzenden
Aus ihren dunkeln Nestern;
Die schmutz'gen Bärte träufelten
Noch von dem Wein von gestern.
Sie sangen uns im Eulenchor
Ein lautes Miserere vor,
Und stanken wie ein Wiedhopf.

Sie wollten sich in unserm Wein
Die langen Bärte baden.
Und unsre Braten obendrein
In ihre Säcke laden;
Doch ich zog meinen Flederwisch,
Und jagte sie von unserm Tisch,
So oft sie sich uns nahten.

Und als die Unglücksvögel flohn.
Fing einer an zu pfeifen:
Wir würden all dafür zum Lohn
Im nächsten Meer ersäufen.
Allein wir machten uns nichts draus,
Wir tranken unsre Becher aus,
Und fuhren wieder weiter.

Wir segelten nach Aktium
Mit unsrer Schiffe Trümmern;
Hier sahn wir uns nach Pelzen um
Und warm geheizten Zimmern;
Denn schon sah man das Jahr sich drehn,
Und Aquilone puderten
Mit Reif uns die Perücken.

Den Winter über suchten wir
Uns weidlich zu ergötzen,
Und frequentirten fleißig hier
Theater, Ball und Hetzen;
Auch ging ich hier mit Dichten um,
Und schrieb ein Epitaphium
Auf meine Heldenthaten.

Und als wir nach Chaonia
Im nächsten Frühjahr kamen.
So traf ich einen Landsmann da,
Herrn Helenus mit Namen.
Der ließ sich hier zum Zeitvertreib
Für seine Kinder und sein Weib
Ein zweites Troja bauen.

Ich fand Andromachen auch hier,
Die Pyrrhus einst entführte,
Und seinem Mädchen-Falkonier,
Dem Helenus, cedirte.
Ich traf sie voller Andacht an:
Sie sang für ihren ersten Mann
So eben das Profundis.

Sie quälte mich zu Tode schier
Mit ihren tausend Fragen!
Doch was sie fragte, wollen wir
Für diesmal überschlagen:
Es waren lauter: Was und wer?
Woraus? Worein? Wohin? Woher?
Um die kein Mensch sich kümmert.

Helen war Phöbus' Hofkaplan,
Drum bat ich ihn um Lehren,
Die mir zu meines Reiches Plan
Dereinstens dienlich wären.
Er führte in den Tempel mich,
Setzt' auf Apollo's Dreifuß sich
Und lehrte mich, wie folget:

»Glaub selber nichts, doch laß die Welt,
Was du ihr vorschreibst, glauben;
Bringt jedermann dir selbst sein Geld,
So darfst du's ihm nicht rauben.
Sei Herr und nenne dich nur Knecht,
Und bitte niemals um ein Recht,
Das du dir selbst kannst nehmen.«

»Such' in der Welt stets Finsternis;
Mit Lichte zu vermischen,
So bist du deines Siegs gewiß;
Im Trüben ist gut fischen.
Erkenne keinen Herrn, als Gott,
Und wenn man dich mit Krieg bedroht,
Laß andre für dich streiten.«

»Wenn ihrer zween sich zanken, sei
Der Dritte, der sich freuet;
Nenn, was dir schadet, Ketzerei,
Und dein, was man dir leihet.
Sei klug, und merke dir mein Wort,
Und pflanz' es unverändert fort
Auf deine Kindeskinder.«

Ich schrieb mir's aus mein Eselsfell,
Und schwur, sollt' es mir glücken,
Ein Opfer nach Maria Zell
Von schwerem Geld zu schicken.
Wir machten drauf uns bald davon,
Andromache gab meinem Sohn
Bonbons mit auf die Reise.

Wir sollten das gewünschte Land
Italien bald sehen,
Der Steuermann Palinurus stand
Beständig auf den Zehen,
Frug emsig jeden Wind: Woher?
Und horchte hin und horchte her,
Ob keiner wälsch parlire?

Ein jeder wollt's am ersten sehn
Dies Land von neuem Schnitte:
Auf einmal schrie: Italien!
Achat aus der Kajüte.
Italien! scholl's im Vordertheil,
Italien! scholl's im Hintertheil,
Italien! in der Mitte.

Wir konnten das gelobte Land
Zwar sehn, doch nicht betreten;
Denn ach! auf jeder Felsenwand
Gab's griechische Korvetten;
Ich aber tröstete mich noch,
Und dachte mir: Je nun, ging's doch
Herrn Moses auch nicht besser.

Ich ließ daher für diesesmal
Mein Rechtsumkehrteuch schallen,
Doch wären wir bald Knall und Fall
In Scyllens Schlund gefallen;
Das Sprichwort war hier Schuld daran
Denn die Charybdis, heißt es, kann
Man anders nicht vermeiden.

Miß Scylla pflegt die Schiffer hier
Entsetzlich zu kuranzen,
Wir mußten, nolens volens, ihr
Drei deutsche Walzer tanzen;
Die Wellen brausten fürchterlich,
Und unsre Schiffe tanzten sich
Beinahe außer Athem.

Und alle die Historien
Von ihr, sind keine Fabel;
Sie ist ein Mädchen, wunderschön,
Vom Kopf bis zu dem Nabel;
Doch was von dort hinab, bedeckt,
Tief unterm Wasserrocke steckt,
Ist greulich anzusehen.

Man sagt, sie hab' sich nie genug
Getanzt in ihrem Leben,
Und, weil sie kurze Röcke trug.
Viel Skandalum gegeben;
Drum ward ihr alles, was man sah,
Fuß, Waden, Knie et caetera.
So jämmerlich verwandelt.

Sie wurzelt' in dem Boden ein,
Und muß nun immer sehen,
Wie alle Schiffe, groß und klein,
Um sie herum sich drehen,
So büßt sie nun, was sie gethan;
Die Wiener Mädchen sollten dran
Sich hübsch ein Beispiel nehmen.

Wir ließen diesen Tanz, und flohn
Hin zu dem nächsten Lande,
Da hörten wir von ferne schon
Ein Kreißen an dem Strande,
Und sahen einen Berg, der hier
Mit dem gesammten Luftrevier
Laut donnernd disputirte.

Des Berges Haupt schien uns im Rauch
Und Nebel zu verschwinden.
Doch rollt' und kracht' es ihm im Bauch,
Als litt' er an den Winden.
Auf einmal fing er schrecklich an
Zu spei'n, und spie, als hätte man
Zum Brechen ihm gegeben.

Und seines Magens Quintessenz
Bestand aus Amuletten;
Er spie: Kaputzen, Rosenkränz'
Und Folterbänk' und Ketten:
Mitunter warf er auch, o Graus!
Gebratne Menschenglieder aus,
Und ganze Scheiterhaufen.

Wir riefen Leut' ans Ufer her,
Die uns zur Auskunft gaben:
Es liege hier ein Heiliger
Aus Spanien begraben,
Und der spei' aus von Zeit zu Zeit,
Was er dort in der Ewigkeit
Nicht ganz verdauen könne.

Wir hatten eine finstre Nacht,
Und machten große Feuer;
Denn Luna ging, nach wälscher Tracht,
Beständig hier im Schleier;
Doch als die Nacht den Tag kaum roch
Und in die Thäler sich verkroch,
Gab's wiederum was Neues.

Es lief ein Mann an's Ufer her,
Und fing uns an zu deuten:
Sein Magen war seit Wochen leer,
Das sah man schon von weiten;
Nur schlechte Lumpen deckten ihn,
Und seinem Bart zufolge, schien
Er einem Juden ähnlich.

Als er an Bord kam, fing er an
Zu weinen und zu bitten:
rettet einen alten Mann,
Den man als Kind beschnitten!
Erschießt, erhenkt, ersäufet mich!
Thut was ihr wollt, nur lasset mich
Von Menschenhänden sterben!«

»Ach, lauter Kanibalen sind
Die Herrn von diesem Lande,
Sie schonen weder Weib noch Kind,
Und reißen alle Bande;
Denn hört und fliehet weit davon:
Hier hat die Inquisition
Sich ihren Thron erbauet.«

»Hier wohnt ein Riese, den man den
Großinquisitor nennet,
Er lebt vom Fett der Sterbenden,
Die er zum Spaß verbrennet!
Er hat ein einzig Auge nur
Im Kopf: und hasset von Natur
Die Leute mit mehr Augen.«

»Der Menschenwürger scheut das Licht,
Und spricht mit keiner Seele,
Er kennt vor Stolz sich selber nicht;
Sein Haus ist eine Höhle,
Worein der Unhold Menschen schließt,
Um sie, sobald er hungrig ist,
Zum Mahle sich zu braten.«

»Ich selber sah ihn einstens zween
Von meinen Brüdern braten,
Sah, wie sie brannten, prasselten,
Und zitterten und baten;
Sah, wie er hin an's Feu'r sich bog.
Den Dunst in seine Nase zog,
Und Wohlgeruch ihn nannte.«

»Auch ist er nicht der einzige;
Die Menschenbraterbande
Zählt ihrer viele Hunderte
In diesem weiten Lande.
Der liebe Gott im Himmelreich
Behüte und bewahre euch
Vor diesem Uebel, Amen!«

Wir selber sahn vom Schiff, sobald
Der Jude hier geendet,
Das Monstrum, schrecklich, ungestalt,
Am Seelenaug' geblendet;
Er hatte Wölfe um sich her
Im Schafshabit, am Hals trug er
Den Schmuck von Diamanten.

Wir fuhren über Hals und Kopf
Von diesem Unglücksstrande,
Und führten unsern armen Tropf
Mit uns in bessre Lande.
Die Fahrt ging pfeilschnell, und wir sahn
Mehr Länder en passant, als man
In Büschings Buche findet.

Wir fuhren über Hennegau
Durch Lissabon nach Ofen,
Passirten drauf bei Trier die Sau,
Nicht weit von Pfaffenhofen,
Sahn rechts die sieben Mündungen
Der Weichsel unweit Göttingen,
Und landeten in Troppau.

Hier (fuhr Aeneas fort und zog
Ein Schnupftuch aus der Tasche)
Hier leerte er, der mich erzog,
Die letzte Rheinweinflasche,
Mein Vater schloß die Augen zu,
Der Herr geb' ihm die ew'ge Ruh',
Und laß ihn nicht erdursten!

Er war für mich recht wohl bedacht,
Und hatt' im Testamente
Mir ganz Italien vermacht,
Wenn ich's erobern könnte.
Und weil er gar so gütig war,
So ziert ich seine Todtenbahr
Mit zwanzig Brüderschaften.

Von dort hab' ich gerade mich
Zu euch hieher begeben,
Und hier, Prinzessin, endet sich
Mein Vagabundenleben.
Allein ihr schlaft schon, seh' ich wohl,
Verschnupft ist auch mein Spaniol,
Drum gute Nacht für heute!

 

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