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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Virgils Aeneis, travestirt

Aloys Blumauer: Virgils Aeneis, travestirt - Kapitel 14
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleVirgils Aeneis, travestirt
publisher
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeErster Theil
printrunRieger'sche Verlagsbuchhandlung
year1871
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130817
projectid46647a17
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Zwölftes Buch.

Inhalt.

Hängt mit einem sehr rührenden Familiengespräch an. – Aus einem Duell zwischen Turnus und Aeneas wird nichts, weil es des Turnus Jungfer Schwester nicht haben will. – Folgt darauf ein großes Treffen, worin Aeneas verwundet aber bald wieder von der Madame Venus kurirt wird. – Letzter Akt eines Trauerspiels, in dem sich die Königin Amata um des Turnus willen selbst entleibt. – Schließlich des Turnus baldige Nachfolge ins Reich der Todten im Zweikampf mit Aeneas, wobei es nicht richtig zuging.

Herr Turnus und sein Schwährpapa
Die saßen jetzt beisammen,
Indeß die Raths-Collegia
Auch all' zusammenkamen,
Und Turnus merkte gar zu gut.
Daß den Latinern aller Muth
Zum fernern Krieg vergangen.

Man weiß, daß Bauern nicht viel thun,
Nicht gern contribuiren,
Und an der Hirnobstruktion
Gewaltig laboriren:
Herr Turnus hatte point d'honneur,
Und wollt' den Schlingeln auch nicht mehr
Viel gute Worte geben.

Drum sagt er zu dem Alten nun:
»Herr Papa, Sie verzeihen,
Weil ob dem Krieg die Bürger schon
So gar verteufelt schreien,
So thu' ich wohl am besten d'ran,
Ich schlage mich mit meinem Mann
Aeneas ganz alleine.«

»Das hab' ich doch schon meisterlich
In Jena noch getrieben,
Da schlägt man sich gemeiniglich,
Wenn zwei ein Mädchen lieben!
Dann hol' der Teufel wen er will,
Krieg' die Lavendel wer da will.
Ich oder der Aeneas!

Der Alte, der sein Lebtag nicht
Romane je gelesen,
Auch, wie der junge Turnus, nicht
In Jena Bursch' gewesen,
Sah es für überflüssig an,
Daß sich noch heut' zu Tag ein Mann
Soll' um ein Mädchen schlagen.

Er meint, es geb' ja Mädel g'nug,
Die Turnus könne haben,
Er selber habe Geld genug,
Ihn reichlich zu begaben.
Dies soll er für den Hochzeitschmaus
Von ihm annehmen und nach Haus
In Gottes Namen gehen.

Herr Turnus aber fuchswild war,
Und könnt' das Zeug kaum hören,
Läßt sich in dem Romanenjahr
Denn einer so bekehren,
Daß er so ganz geduldig ist,
Wann ihm ein andrer Renommist
Sein Herzensmädchen kapert?

Nein, schlag das Donnerwetter d'rein
In solches dummes Schwätzen –
Dacht Turnus – g'hauen muß es sein
Bis aus den letzten Fetzen.
Pardonnez Herr Papa, mein Schluß
Bleibt unveränderlich, ich muß
Den Krieg auf die Art enden!«

Der Königin ward angst und bang
Um 's Turnus junges Leben,
Er sollt' ihr für ihr Lebenlang
Den Cicisbeo geben;
Das ging bei ihm qua Tochtermann
In Zukunft ganz vortrefflich an
Nach allerneu'ster Mode.

»Ach, sprach sie kläglich, lieber Mann,
Du mußt nicht duelliren,
Sieh meines Mannes Alter an,
Wer wird mich amusiren!
Du bist mein' einz'ge Stütze noch.
Wann du mich liebst, so schlage doch
Dich nicht mit dem Trojaner!«

»Dafür sind ja Soldaten da,
Daß sie der Großen Händel
Mit ihrem Blut ausmachen« – »Ja,
Sprach rührend die Lavendel,
Mama hat Recht,« und wischte sich
Die Thränen ab und fürchterlich
Glüht ihr Gesicht und Busen.

Herr Turnus läßt sich diesmal nicht
Durch Weiberbitten stören,
So sehr er's sonsten hielt für Pflicht,
Die Weibchen zu erhören.
Herr Idmon mußte eilend fort
Und dem Aeneas Zeit und Ort
Zum Zweikampf rapportiren.

Auf morgen war es annoncirt,
Jetzt mußt' an Roß und Waffen
Noch Mancher, daß er fast krepirt,
In größter Eile schaffen.
Herr Turnus macht den Abend noch
Bis in die späte Nacht sich doch
Recht lustig mit Lavendel.

Kaum schlug man Morgens den Revell,
So that der Lärm beginnen,
Man zeichnete den Ort und Stell',
Wo sie sich schlagen können.
Die ganze Garnison zog aus,
Es blieb kein Mensch in seinem Haus,
's lief Alles wie die Wiener.

Man thürmte ein Gerüst empor,
Worauf die Herrn und Damen
Für Thaler und für Louisd'ors
Sich setzten hübsch beisammen,
Kein Reitpferd, keine Kutsche war
Mehr in der Stadt – es saßen gar
Die Leute auf den Dächern!

Frau Juno guckt zum Fenster 'raus
Und siehet den Spektakel,
Es überfällt sie Angst und Graus
Ob diesem Schabernackel,
Just stand des Turnus Schwester hier,
Mamsell Juturna, neben ihr,
Ein allerliebstes Mädchen.

Sie wurde in das Himmelszelt
Auf's Neu' einmamselliret,
Als sie Herr Zevs, der Herr der Welt,
Hierunten erst verführet;
Und seitdem muß man immer noch
Maitressen großer Herren doch
Als Jungfern tituliren!

Zu der sprach Juno: »Latium
Lag immer mir am Herzen,
Und daß jetzt Turnus komme um,
Das kann ich nicht verschmerzen,
Und wenn er kämpft, so fällt er auch,
Drum wag' nach Göttinnen Gebrauch
Ein Streichchen jetzt zu spielen!«

Juturna hört' es kaum und fing
Gleich an zu lamentiren,
Weil es ihr gar zu Herzen ging,
Den Bruder zu verlieren;
Sie schlug an ihre weiße Brust,
Daß Jupiter bald wieder Lust
Zu ihr bekommen hätte.

Frau Juno meint, es sei nicht Zeit,
Zu schreien und zu heulen,
Man müsse in Geschwindigkeit
Ihm noch zu Hülfe eilen,
Juturna sollte plötzlich nur,
Kraft ihrer weiblichen Natur,
Den Feind zusammenhetzen!

Schon fährt man auf dem Wahlplatz auf,
Herr Turnus sitzt im Wagen,
Mit dem zwei Pferd' in vollem Lauf
Davon wie Teufel jagen.
Der Schwährpapa fährt ihm voran
Mit seinem weißen Viergespann,
In Strahlenpomp gehüllet!

Der citoyen Aeneas hat
Nicht minder sich gerüstet,
Und neben ihm sein Kamerad
Franz Askan aufgebrüstet,
Weil man doch einen Sekundant
Gemeiniglich pflegt an der Hand
In dem Duell zu haben.

Die Kämpfer traten jetzt herfür,
Die Tambour schlugen Märsche,
Der Feldpfaff betet' sein Brevier,
Der Spektatoren Aersche
Die räsonnirten hie und da,
Daß man zu aromatica
Die Zuflucht nehmen mußte.

Aeneas schloß auch noch vorher
Ein pactum foederale,
Im Fall, daß Turnus oder er
Stürz' per Salto mortale,
Mit der Latiner König ab,
Das der Notarius Herr Knab
Mußt' förmlich sigilliren.

Aristokrat und Patriot
Wünscht jeder Einem Glücke,
Dem Andern hundert Schwerenoth,
Zu brechen das Genicke.
Die Mädchen blickten mitleidsvoll,
Daß es ein Morden geben soll,
Amata lag im Fieber!

Juturna hatte keine Zeit
Nunmehro zu verlieren.
Drum mußten Juno's Herrlichkeit
Sie metamorphosiren;
Das Ding war wie der Blitz gethan,
So ward aus der Mamsell ein Mann
In Form des Herrn Kamertus!

Der stand schon lange bei dem Heer
In ganz besondern Ehren,
Drum als ihn kaum die Rutuler
Die Worte sprechen hören:
»Ihr Memmen, die ihr alle seid,
Euch Schurken geb' ich den Bescheid,
Die Waffen zu ergreifen!« –

»Was soll alleine Turnus noch
Sich für euch Lümmel schlagen,
Und wie wird euch das fremde Joch
Nach seinem Tod behagen?
Auf, wer kein Schurk' am König ist,
Und nicht ein Sakermentsclubbist,
Laß Turnus sich nicht schlagen!«

»Fuchst nur die Patrioten recht
Mit Säbel und Pistolen,
Sonst soll euch faule Schindersknecht'
Der Teufel alle holen'
An einen solchen Schuft, wie da
Aeneas ist, soll Turnus ja
Sein Leben mir nicht hängen!« –

Kaum sprach er's, war das Heer entbrannt,
Die Worte fingen Feuer,
Held Turnus und das Vaterland
War doch den meisten theuer;
Sie kriegten jetzt aufs Neue Muth,
Und schwuren, daß das deutsche Blut
Nie sollt' zu Wasser werden!«

Juturna braucht noch einen Pfiff,
Und sendet ein Mirakel,
Durch Bein und Mark und Adern lief
Das sonderbar' Spektakel,
Ein Adler fliegt an Rhein heran,
Packt plötzlich einen schönen Schwan
Und schleppt ihn in die Lüfte.

Der Deuter Herr Tolumnius
Fing an zu peroriren:
Ihr Herren da zu Pferd und Fuß,
Ich will euch demonstriren,
Daß dieses einen Sieg bedeut,
Den, wenn ihr nicht zu träge seid,
Ihr heut' noch könnt erhalten!

Dixi – und brannte sein Gewehr
Auf einen der Tyrrhener,
Und schwung zu dreimal hin und her
Den blanken Carabiner;
Jetzt ging es auf einander los
Mit Bajonetten und Geschoß,
Und gab ein tüchtig Treffen!

Latinus, unter Saus und Braus
Der Krieger, die sich schlagen,
Fährt über Hals und Kopf nach Haus,
Es lag in seinem Wagen
Bei ihm ein Herrgott ohne Kopf,
Weil die Trojaner ihm den Schopf
Schon abgestümmelt hatten.

Doch diesmal gings den Trojer
Recht tüchtig um die Kehle,
Und von dem Schwert der Rutuler
Entfloh manch' schöne Seele.
Aeneas rief den Seinen zu:
»Um Gotteswillen gebet Ruh!«
Puff! – kriegt er eine Wunde!

Als Turnus den verwundet sah,
Dacht' er, potz alle Wetter!
Jetzt ist die Zeit zum Streiten da,
Es helfen uns die Götter!
Jetzt kommt Verwirrung in das Heer,
Sein lieber Schnurrbart kann nicht mehr
An seiner Spitze prahlen!

Er steht vor seiner Krieger Front
Und neben ihm zwei Pages,
Beständig geht's aus seinem Mund:
Courage, ha Courage! –
Sie fochten auch mit solcher Wuth,
Daß in dem Pratriotenblut
Die Pferde traben mußten.

Heut wurden doch die Sansculotts
Gar tüchtig mitgenommen,
Aeneas war indeß halbtodt
Im Lager angekommen,
Da war ein Feldchirurgus da,
Der sich auf simpatetica
Besonders gut verstanden!

Nur diesmal wollt' dem Ehrenmann
Die Kur gar nicht gelingen,
Es schlug kein Trank und Pulver an,
Das Fieber zu bezwingen,
Und unser frommer Patient
Vermachte schon per Testament
Die jüngst geraubten Gelder.

An wen? das blieb incognito,
Weil's nachher ward zerrissen,
Denn wie Aeneas ebenso
Hätt' hülflos sterben müssen,
Und doch noch ziemlich brauchbar war,
So klopft's der Madam Venus gar
Erbärmlich in dem Busen!

Mit der laterna magica,
Kommt sie in's Lager 'runter
Und mischt ein heilend Pulver da
Heimlich dem Wasser unter,
Womit Aeneas seine Wund'
Zu waschen pflegte – und zur Stund
War er convalesciret.

Der Herr Chirurg war herzlich froh.
Nur konnt' er nicht verstehen,
Womit? cur? quando? quomodo?
Die Wunderkur geschehen?
Wer Teufels hätt' sich auch gedacht,
Daß Venus diese Kur gemacht,
Die sonst nur inficiret?

Aeneas mocht es freilich wohl
So an sich selber merken,
Daß eine Göttin liebevoll
Ihn that zum Handwerk stärken,
Denn, als er Deo gratias
Mit einem Mädchen triebe Spaß,
So gab's gleich einen Buben!

Und seitdem sind die Offizier'
Bei Mädchen so in Gnaden,
Sie thun in jeglichem Revier,
Den andern Herrn viel Schaden.
Sobald ein Mädchen Portepee
Und Federbusch erblicket, he!
So hüpft ihr Leib und Seele!

Aeneas stürzt mit starkem Arm
Dem Feinde jetzt entgegen,
Und hinter ihm ein großer Schwarm,
Man könnt' auf allen Wegen
Doch nichts als Patrioten seh'n,
Und rothe Freiheitskappen weh'n,
Sie schlupfen aus dem Boden!

Sie hieben alle Bäume ab
Und mähten Saaten nieder,
Inturna hört das trab, trab, trab,
Ihr fährt's durch alle Glieder,
Die Bauern seufzten Weh und Ach,
Die kleinen Kinder schrie'n nach,
Und Jungen sangen ça ira!

Aeneas ließ die Truppen nun
In Ordnung aufmarschiren,
Und auf den Feind en peloton
Gewaltig operiren.
Der Deuter Herr Tolumnius
Fiel schon vom allerersten Schuß,
Es gab ein hitzig Treffen.

Wobei diesmal die Rutuler
Den Kürzeren gezogen,
So, daß die Herren Chroniker
Ganz jämmerlich gelogen,
Wenn sie pro more zehen Mann
Auf hundert Teucrer gaben an
Gebliebener Latiner.

Juturna große Sorg' empfand,
Den Bruder zu verlieren,
Und weil sie sich nun schon verstand
Auf's metamorphosiren,
So travestirt das gute Kind
(Was ist natürlicher?) geschwind,
Sich in des Turnus Fuchsen.

Sie schickt' sich gut zum Reiten an
Und lief wie alle Teufel,
So, daß der brave Ehrenmann
Schon selber stand im Zweifel,
Ob das sein rechtes Pferd noch sei;
Sie jagte stets gefahrenfrei
Mit ihm durch Feindes Mitte.

Aeneas dacht': Potz Sakerment,
Den Fuchsen möcht' ich haben,
Mit dem Herr Turnus so behend
Durch's Schlachtgefild kann traben;
Er sucht ihn immer drohend auf,
Allein der Fuchs in vollem Lauf
Wußt' immer abzulenken.

Auf den Aeneas schießt Messap,
Die Kugel aber prellet
Ihm glücklich auf dem Brustschild ab,
Daß sie zu Boden schnellet.
Der fromme Trojer flucht und schwört,
Bis daß jetzt Alles sei verheert,
Den Krieg nicht aufzugeben.

Und – Kyrie eleyson!
Jetzt ging es an ein Schießen,
Ging an ein Hauen, Stechen nun,
Daß Blut genug that fließen;
Es schien, als ob Herr Jupiter
Sein Späßchen daran hätt', daß er
Die Menschen ließ sich würgen.

Es war doch meiner Seel' nicht recht,
So vieles ausstudiren,
Und nur das menschliche Geschlecht
Damit zu cujoniren.
Der die Artillerie erdacht,
Den ersten Sabel hat gemacht,
Dem mag's der Teufel danken!

Jetzt fällt's gar dem Aeneas ein,
Die Stadt mit Sturm zu drängen,
Und Alles, alles kurz und klein
Sich unter's Joch zu bringen,
Er schaut die Stadt von einer Höh',
Und spricht zur Generalité
Qua ächter Jakobiner:

»Es sei hinfort kein König mehr
Und keine Fürstenthürme,
Zur Stadt dräng' sich sofort das Heer,
Daß sie es gleich bestürme.
Wollt ihr, so machen wir uns heut
Noch eine wahre Herzensfreud',
Den König abzusetzen!«

Sofort eilt Alles, an dem Wall
Die Leitern aufzuthürmen,
Ein Schwarm macht einen Ueberfall,
Die Thorwachen zu stürmen,
Haubitzen, Bomben, Karkasse,
Die fliegen, als ob's regnete,
Auf die Ministerhäuser.

Die Patrioten in der Stadt
Die wollten nicht mehr schießen.
Die Schurken waren schon parat,
Die Thore aufzuschließen;
Hingegen aber wehrten sich
Noch immer treu und ritterlich
Die königlich Gesinnten.

Amata sieht die Trojer
Die Mauern so berennen,
Sieht auch schon Häuser hin und her
In lichten Flammen brennen,
Und sieht doch keine Rutuler,
Den Turnus nicht zur Gegenwehr
Dem wilden Feind sich stellen.

Sie glaubte, Turnus sei schon todt,
Was war also zu machen?
Man muß ja immer aus der Noth
Wohl eine Tugend machen;
Sie mußte Ehrenhalben doch
(Und das Gewissen half auch noch)
Sich schon den Hals abschneiden.

Lavendel fängt zu schreien an
Und mit ihr die Hofdamen,
's schreit jede, was sie schreien kann.
Die Stadt-Frau-Basen kamen
Und machten ihre Condolenz,
Der König lag als ein non ens
In einer tiefen Ohnmacht!

Held Turnus sehr verdrießlich war,
Juturna präsentiret
Sich ihm jetzt schnell – wie Haut und Haar
Zum Mädchen travestiret,
Sie gibt ihm einen Weiberrath:
»Bleib' du davon und laß die Stadt
Von Anderen jetzt schützen.«

Doch dieser hatte Ehr' im Leib
Und zankt mit seiner Schwester,
Als hielt sie ihn nur für ein Weib –
Schnell kam ein schlimmer Tröster,
Herr Sazes, im Galopp gerennt
Voll Angst und Schreckens »ach es brennt
Die Stadt an allen Ecken!« –

»Die Königin starb par honneur,
Er weiß sich kaum zu fassen,
Die Bürger wollen meist nicht mehr
Sich bombardiren lassen;
Messapus hält alleine noch
Die Thore fest – auf Turnus, doch
Das Latium zu retten!« –

Adieu ma Soeur!« und wie ein Blitz
Sprengt Turnus an die Mauern,
Die Schläg' vom donnernden Geschütz
Ihm durch die Glieder schauern!
Doch kriegt er Muth und rufet laut:
»Aeneas komm', mit uns'rer Haut
Dem Krieg ein End' zu machen!«

Der Trojer war sogleich dabei,
Es rüsten sich jetzt beide
Zu einer tapfern Schlägerei
Entflammt von Rächerfreude;
Im ersten Gange krieget schon
Aeneas ein' Contusion
Und läßt sich schnell verbinden.

Was weiter jetzo folgt, geschah
Durch lauter lose Kniffe,
Durch närrische Miracula,
Der Götter eig'ne Pfiffe;
Denn, wenn ein Gott nicht haben
Daß ihm ein Laie seh' ins Spiel,
Macht er ein'n blauen Nebel.

Und weil die Metamorphosen
Just damals Mode waren,
Womit manch' Späßchen ist geschehen,
That man jetzt auch nicht sparen:
Aeneas Säbel ward zu Holz,
Juturna ward zum Reitknecht Bolz,
Und Venus zum Barbierer!

Zevs zankt sich auch mit seinem Weib
Ob diesen Kriegsaffairen,
Er will dem wilden Zeitvertreib
Des Königs ernstlich wehren,
Und daß die Herrn Latiner nun
Die Trojer Constitution
Friedlich annehmen sollen.

Nach langem Disputiren muß
Ihm Juno nun nachgeben,
Doch unter diesem Friedensschluß!
So lang Latiner leben,
Vermischt mit Teuerem, sollen sie
Nie ihren Namen, Sprache nie
Und Landessitten ändern.

»Ach, sprach Herr Zevs, da wirst du seh'n
Wann die Latiner Mädchen
Sich mit den Teuerern einversteh'n,
(Es sind fruchtbare Mädchen)
Da gibt's ein schönes frommes Reich!« –
Doch machte er noch einen Streich,
Der ist nicht zu verzeihen.

So eine höll'sche Furie,
Die nur bei Nacht und Nebel
Auf Erden streicht – die Bestie
Heißt vulgo Luderbebel,
Die schickt er auf den Kämpferplatz
In forma, einer wilden Katz,
Juturna zu verscheuchen.

Juturna flucht in wildem Zorn:
»Das ist der Dank, du Schlingel,
Daß ich die Jungferschaft verlor'n
Durch dich, du alter Bengel;
Du gabst mir nur Unsterblichkeit,
Daß ich durch eine Ewigkeit
Mich um den Bruder härme!

Doch Götter lohnen anders nicht,
Drum hütet euch ihr Schönen,
Und macht es euch zur heil'gen Pflicht,
Den Großen nie zu dienen.
Juturna flohe schnell davon,
Und seitdem sind die Mädchen nun
So mißtrauisch geworden.

Daß Turnus in dem Zweikampf fiel.
Das mußt also geschehen,
Der alte Zevs trieb Schelmenspiel,
Wer könnt' ihm widerstehen?
Herr Pallas aus der Unterwelt
Kam auch dazu und gab dem Held
Noch einen Streich im Tode!

Und so war die Geschichte aus,
Ein Ende aller Händel,
Aeneas zog in 's Königs Haus
Und nahm sich die Lavendel. ?
Doch währte diese Herrlichkeit
Auch nur gar eine kurze Zeit,
So holte ihn der Teufel!!!

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