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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Virgils Aeneis, travestirt

Aloys Blumauer: Virgils Aeneis, travestirt - Kapitel 13
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleVirgils Aeneis, travestirt
publisher
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeErster Theil
printrunRieger'sche Verlagsbuchhandlung
year1871
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130817
projectid46647a17
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Elftes Buch.

Inhalt.

Wie Bürger Aeneas nach Herrn Mezentius Sturz sein Heer equipirt und tractirt. – Darauf wird Waffenstillstand, und der König Latinus kriegt vor Angst und Schrecken Bauchweh, weil er so viel Jakobiner am Hof hat. – Aeneas bricht zuerst den Waffenstillstand, darob ein großer Lärm in der Stadt und beim Heer entsteht. – Gemetzel von beiden Seiten endigt sich mit Erwarten der Dinge die da kommen sollen, weil es Nacht wird.

Aeneas gibt ein Dejeuner
Den sämmtlichen Soldaten,
Gestohlene Röck' anstatt Kaffee,
Und Strümpfe anstatt Braten;
Kamaschen anstatt Kommisbrod,
Denn es war jetzt die Kleidernoth
Auf's Höchste schon gestiegen.

Die Gleichheit nahm so überhand,
Daß man sie perspektivisch
An den zerrissnen Hosen fand,
's war nichts mehr apokrisisch;
Die Mädel freuten sich zu se'hn,
Und konnten jetzt gar leicht versteh'n.
Wie sich die Männer gleichen.

Zu Gottes Ehre pflanzte man
Ein'n Freheitsbaum und hinge
Des Mezent Stock und Waffen dran
Mit festlichem Gepränge:
Die Lagerhuren tanzten drum
Und hatten selbst ihr Gaudium
Recht an den Hosen-Poris.

Es lagen so viel Leichen hier
Von Raben angepicket,
Daß schon sehr viele Offizier'
Der Faulgeruch ersticket;
Drum mußten alle Parfumeurs
In aller Eil' ins Lager her
Mit ihren Wassern kommen.

Sechshundert Bauern mußt' man noch
Mit Karsch und Schaufel haben,
Die mußten eilends Loch für Loch
Hier auf der Schlachtstätt' graben.
Nachts wurd' mit Schießen Halt gemacht,
Die Todten unter Erd' gebracht
Nackt, wie sie einst entschlüpften!

Herr Pallas wurd' mit großer Pracht
Auf einem Leichenwagen,
Hübsch fein aus Ebenholz gemacht,
Zur Vaterstadt getragen:
Da gab' es ein' Procession
Wie neulich die Convention
Erst in Paris gehalten.

Trojanerinnen groß und klein,
Die er einst karessiret,
Die gingen vorn und hintendrein.
Wehklagend, tief gerühret:
Sie hüllten sich in schwarzen Flor
Und hielten ihre Fächer vor.
Die Thränen aufzufassen!

Es war ein wunderbarer Troß,
Soldaten, Weiber, Pfaffen,
Chirurgen, Marketender, Roß,
Mamsells und blut'ge Waffen –
Reliquien mit Haut und Haar,
Die eine Amme vor der Bahr'
Statt Cruzifixes truge!

Aeneas hatte keine Weil',
Die Leiche zu begleiten,
Und mußte jetzt in aller Eil'
Zurück ins Lager reiten;
Der Zug ging seines Weges hin –
Wohl aus den Augen, aus dem Sinn!
Aeneas kommt ins Lager!

So eben kamen von Laurent
Ein Dutzend Deputirte,
Die der Aeneas auch geschwind
Mit sich in's Lager führte.
Sie hielten um Erlaubniß an,
Daß ihre todte Krieger man
Mit Ruh' begraben dürfte.

Aeneas, schon d'rauf abgericht;
Den Pöbel anzulocken,
Macht ein so freundliches Gesicht
Wie ein Paar Wiener Docken,
»Ha, sprach er, Freunde mir ist's leid.
Daß ihr im Krieg verwickelt seid,
Ich führ' nicht Krieg mit Bürgern!«

Nur eurem König schwöre ich
Bei dieser Kapp' Verderben,
Entweder muß er oder ich
An dieser Stätte sterben!
Bei Gott! ich will euch alle noch
Von eurem harten Sklavenjoch
Kraft dieser Kapp' befreien!« –

»Da braucht ihr keine Steuern mehr
Und kein Accis zu geben,
Kein Pfaff und Kammerherr darf mehr
Auf eure Kosten leben!«
Sie sahn sich alle Mann für Mann
Stillschweigend und bewundernd an,
Die Worte fingen Feuer.

Dranzes, ein heimlicher Clubbist,
Kam plötzlich in Ekstase,
Weil's schon bei diesem Mode ist,
Daß man pathetisch rase –
» Pro more, sprach er also fort:
Mon citoyen, ich bitt' ums Wort!«
Aeneas heißt ihn reden.

» Mon citoyen, ich sag es dir
In dieser Bürger Namen,
Zu deiner Kappe schwören wir:
Tod oder Freiheit – Amen! –
Und unser König muß auch nun
Die Trojer Constitution
Für's Teufels G'walt annehmen!«

»Topp!« – es ward Stillstand auf zwölf Tag,
Die Trojer und Latiner
Vereinten sich beim Saufgelag
Wie ächte Jakobiner.
Jetzt hieß es: Trojer Kamerad,
Und hieß: Latiner Kamerad!
's lief alles durcheinander.

Indessen that Evander gar
Viel in der Bibel lesen,
Weil er der frommen Meinung war,
Durch Beten und durch Lesen
Könn' man ganz herrlich jede Noth,
Sogar auch seiner Kinder Tod
Beim lieben Gott wegbeten.

Auf einmal kommt ein altes Weib
Mit gräßlichem Wehklagen:
»Da bringen sie den todten Leib
Des Pallas hergetragen.«
's lief alles, was nur Füße hatt',
Es war doch in der ganzen Stadt
Ein schrecklicher Spektakel!

Der Alte drängt sich mitten ein
Und stürzet auf die Bahre
Mit stummem Schmerz und Thränen 'nein,
Daß zum Erbarmen ware,
Indeß die Hofleut' alle sich
In schwarze Röcke fürchterlich
Zur Condolenz vermummten.

Livreen, Weiber, Pferd und Mann
Warf alles sich in Trauer,
Man schlug ein Rathsdekret gleich an:
In halber Jahresdauer
Soll jetzt kein Tanz und Schauspiel sein,
Und in Bordellen groß und klein
Fein alles still hergehen.

Statt ça ira, das Herr Pallas sang,
Als er in Krieg gezogen,
Und alles damals mit ihm sang,
Vom Trojer angelogen,
Blies jetzt der Herr Stadtmusikant:
»All' Menschen müssen sterben!«

Und just so traurig ging's auch zu
In beider Heere Lager,
Man brachte Todte noch zur Ruh,
Manch'n Bruder, Freund und Schwager;
Manch'r Sohn und Vater stand hier da
Und wußte nicht, wie ihm geschah,
Die Seinen zu begraben.

Und in der Hauptstadt Latium
Fings an recht toll zu werden,
Die Weiber liefen närrisch 'rum
Mit trotzigen Geberden,
Sie hatten schon so manche Nacht
Ohn's liebe Männchen zugebracht,
Und konnten's nimmer ausstehn.

Den Mädchen wird das Köpfchen voll,
Sie müssen ledig bleiben,
Wann dieser Krieg noch lange soll
Die jungen Bursch' aufreiben –
Und manche trug den Posthumum
Mit grausamem Verzweifeln 'rum –
's flucht alles jetzt dem Kriege!

»Ob 's jungen Turnus Cortisie
Mit der Prinzeß Lavendel
Erlebten wir solch Unglück hie
Und diese bösen Händel!
Wann Turnus nur beim Teufel wär'
Und die Lavendel bei ihm wär',
Wenn sie nicht will den Trojer! –

Herr Dranzes, als Erzpatriot,
Goß jetzund Oel in's Feuer,
»Aeneas woll' nicht Bürgertod,
Ihr Leben sei ihm theuer –
Der Krieg geh' nichts die Bürger an,
Das hab' der König bloß gethan
Dem Turnus zu Gefallen!«

Doch fanden in der Stadt sich noch
Sehr viele Royalisten,
Die wünschen dem Herrn Turnus doch
Im Reich sich einzunisten,
Weil er die Königin gern sah
Und diese vota maxima
Der Herrn im Lande habe!

Es war ein petit-maître-Land,
Und Königin Amata
An Turnus ihr Vergnügen fand
Und hielt's schon pro re rata,
Daß er der Eidam werden sollt',
Drum waren ihm auch alle hold
Der Königin Clienten.

Just wie's so durcheinander geht,
Kommt Venulus zurücke
Und sagt, daß König Diomed
Durchaus kein Hülfsvolk schicke;
Er war's auch wirklich nicht im Stand,
Weil eine Macht ihm vor der Hand
Sein Reich erst confiscirte.

Denn fängt man nur mit Weibern an,
So ist man schon verloren,
Die zupfen auch den stärksten Mann
Erbärmlich an den Ohren;
Seit Diomed der Frau von Nord
Nicht wollt' pariren auf ihr Wort,
Seit geht's ihm immer übel!

Drum war er auch nicht disponirt
Und riethe den Latinern,
Die jetzt schon lange Krieg geführt
Mit wilden Jakobinern,
Zum Frieden – denn die Sansculotts
Die seien eine Teufelsrott',
Wohl schwerlich zu bezwingen!

Der Herr Monarch von Latium
That Bauchweh drüber kriegen,
Auch lange sein Ingenium,
Schon an der Schwindsucht liegen.
Jetzt dachte er, Gott habe schon
Kraft der Prädestination
Sein Reich trojanisiret.

Nun kam das Kriegskollegium
Und sämmtliche Minister,
Das Rentkammer-Kollegium
Und Magistrats-Philister,
Bierbrauer, Schuster, Tailleurs,
Pastetenbäcker, Accoucheurs,
Et cetera zusammen.

Drauf sprach der König, der sich noch
Kaum vorher ließ klystiren,
Daß er sich in dem Kriegsrath doch
Recht könnt' expektoriren,
Er sprach: »Gegrüßet seid ihr mir,
Ihr Herrn und Bürger, wollen wir
Nicht alsbald Friede machen?«

»Wir dürfen auf Aetolier
Uns keineswegs verlassen,
Und mit den Schwerenoths-Trojer
Läßt es sich gar nicht spassen;
Damit die Kerls zufrieden sind,
So will ich ihnen nur geschwind
Den Hundsrück überlassen!«

Herr Dranzes, der von Metternich
Sich vor ließ instruiren,
Fing jetzo an, gar fürchterlich
Und toll zu räsonniren –
Von seiner Mutter nobilis,
Von Vater aber generis
Communis – ein Erzschurke.

Er sprach von Uebergab' der Stadt
Und der Prinzeß Lavendel
An den Aeneas groß von That,
Und hiemit sei der Händel
Ein Ende – und Herr Turnus soll
Mit seinen Leut' – wohin er woll'
Zum Teufel immer reisen!

Herr Turnus, von der Wasserfahrt
Jetzt glücklich retourniret,
Wie? wann? auf welche Weis' und Art?
Hab' ich nicht inquiriret;
Vermuthlich aber ließen ihn
Ihr' Majestät die Königin
Mit Extrapost abholen!

Er hatte bei dem Dejeuner
Der Königin geschworen,
Nun bälder nicht zu ruhen, eh
Aeneas sei verloren,
Er woll' ihr an die Toilett
Und meinetwegen auch an's Bett
Den Kopf des Schnurrbarts bringen.

Er spricht jetzt mit dem Dranzes: »He,
Du ein Exjakobiner,
Redest da recht en Canaille
Ganz wider euch Latiner? –
Jetzt hast du Herz, weil's Stillstand ist,
Wenn aber Feu'r rencontre ist,
So fällt's dir in die Hosen!«

Schuft! meinst, ich laß mir meine Braut
Von dir so leicht verkaufen?
Bei Gott, eh noch der Morgen graut,
Will ich noch ganze Haufen
Erschlagener Trojaner seh'n
Evanders Stamm muß untergeh'n –
Der Rhein soll blutroth fließen!« –

»Und Sie, Herr König, Herr Papa,
Beileib nichts akkordiren!
Wir haben Städt' und Völker ja
Und können rekrutiren!
Eh' dieses Volk ein'n Zipfel sollt'
Von unsrem Lande kriegen, wollt'
Ich lieber heut krepiren.«

»Was kümmert uns das Publikum,
Dranzes und Herr Kollegen?
Hau' unsre Jugend sich herum
So lang sie sich kann regen.
Es fließt auch viel Trojanerblut,
's wird das Gesindel seinen Muth
Am Ende noch verlieren!«

Wir kriegen starke Hülfe noch
Von Süden und vom Norden,
Da wollen wir die Trojer doch,
Die erst so stolz geworden,
Im Feldzug von dem letzten Jahr
Vor diesmal jetzt mit Haut und Haar
Wie Martinsgänse braten!«

Aeneas macht indeß den Streich,
Den Stillstand aufzuheben,
Und läßt zum »vorwärts Marsch« sogleich
Dem Heer die Ordre geben,
Ein Hessenjäger springt hierauf
Durch Stadt und Schloß in vollem Lauf,
Rapport hievon zu geben.

's lief Alles plötzlich auf den Wall
Mit Flinten und mit Sabel,
Die Weiber kamen allzumal
Mit Beil und Ofengabel,
Um die Trojaner, wann sie doch
Die Mauern überstiegen, noch
Zu spalten und zu spießen.

Herr Turnus sieht die Kriegsräth' an,
Und sagt: »Was ist's, ihr Spatzen,
Hier auf dem Sammetkissen kann
Man gut vom Frieden schwatzen;
Glück zu, zum Frieden!« – auf der Stell'
Gibt er noch an die General'
Befehl, und eilt zum Schlachtsturm.

Der König kriegte Diarrhoe
Von übelem Verdauen,
Sie fuhr geschwind en negligée
Zur Kirch' zur lieben Frauen,
Jungfer Lavendel neben ihr,
Denn sie war, so viel wissen wir,
Erst vierzehn Jahr passiret.

Sie überlegt den Hochaltar
Mit kostbaren Geschenken,
Drauf that sie ihre Augen gar
Andächtig niedersenken,
Und betete: »O lieber Gott,
Laß all' Unglück und schwere Noth
Auf den Trojaner kommen!«

Sieh, Turnus stürzt zum Thor hinaus
Im hellen Bombenwetter,
Da steht ein Heldenmädchen draus,
Herr Mars war ihr Herr Vetter,
Ihr Vater fabrizirte sie,
Als er in der Bataille
Bei Schweidnitz retirirte!

Sie ward in dichten Wäldern groß,
Ihr' Säugamm' eine Stute,
Sie wußte nichts vom Mutterschooß,
Nichts von des Vaters Ruthe –
Der Harnisch statt der Toilett,
Anstatt der Nadel die Musket,
Und Jagen war ihr Liebstes.

»Ha, sprach sie, Turnus sieh' mich an,
Hab' zwar nur Mädelsknochen,
Courage aber wie ein Mann,
Dem nie das Herz darf pochen –
Bin ein Soltatenmädel ich,
Statt Puppen, hieß mein Vater mich
Als Kind mit Waffen spielen!

»Jetzt möcht' ich mir gern einen Spaß
Mit dem Aeneas machen,
Den, lieber Turnus, überlaß
Mir, ihn zurecht zu machen –
Sieh' da, mit dieser Reiterei
Will ich alleine ohne Scheu
Auf die Tyrrhener stürmen!«

Held Turnus schaut ihr in's Gesicht,
Es mocht' ihn schon gelüsten,
Wann er gerade eben nicht
Zum Kampf sich mußte rüsten –
Doch dacht' er: das gibt nach der Schlacht,
Vielleicht schon gar auf diese Nacht
Ein herrlich's Pfaffenbißchen!

»Topp! sprach er, der Aeneas streicht
Im Wald mit seinen Leuten,
Dort im Gebirg will ich ihm leicht
Den Paß zur Stadt abschneiden –
Du, greife die Tyrrhener an,
Und Held Messap, ein braver Mann,
Deckt deinen rechten Flügel!«

So war das Ding gut kalkulirt,
Gott geb' das dictum, factum!
Wenn Alles ist gut ausgeführt,
Und Alles ist peractum,
So mag Herr Turnus wieder ruh'n,
Und sich dann schon ein bene thun,
Mit seiner Herz-Kamille!

Den Jungfern und Frau Göttinnen
War's aber himmelbange,
Das Mädchen möcht' zu Grunde geh'n
Bei diesem Wildpretfange:
Diana doch in specie
Sich um sie sehr bekümmerte
Als Jungferschaft-Consortin!

Sie traut dem Turnus nicht, er möcht'
Sie exkamillisiren,
Schwur, sich an dem zu rächen recht,
Der sie noch sollt' verführen,
Und schickt in Latiums Gebiet
Geschwind ihr' Kammerjungfer, mit
Befehl, sie zu bewachen.

Indessen fängt das Treffen an,
Die schrecklichste Massaker,
Es fielen immer Mann für Mann –
Kamille hält sich wacker,
Und haut wie tausend Teufel drein,
Drob staunten die Tyrrhenerlein,
Daß sie ein Mädel fuchse!

Ihr General ritt vor der Front
Und schrie: »Ihr Sakermenter,
Ihr feige Memmen, Lumpenhund',
Was seid ihr denn für Rinder,
Daß ihr vor einem Mädel flieht,
Courage – auf, die Säbel zieht,
Und haut das Mensch zusammen!«

»Ihr könnt doch huren wie ein Pfaff
Und saufen wie Domherren,
Da seid ihr meiner Seel' nicht schlaff:
Im Krieg nur faule Märren!« –
D'rauf schwingt er sich von seinem Roß,
Geht auf den Venulus rasch los,
Und faßt ihn bei der Gurgel!

Die schlagen tüchtig sich herum,
Und die Latiner stehen
Dicht nebenbei wie Stier so dumm,
Und lassen beide gehen –
Herr Tarchon schleppet seine Beut'
Im Drecke fort – indessen reit'
Herr Aruns auf Kamille!

Schnell springt ein Offizier daher
Ein ehemals Jesuite,
Schnürstiefel, Uniform, Gewehr
Trug er just wie ein Britte,
Ein blanker Stern auf seiner Brust –
Kamilla fühlte Herzenslust,
Den Helden zu erlegen.

Herr Aruns, den die Wuth schon trieb,
Zieht plötzlich seinen Sabel,
Und gibt ihr einen derben Hieb
Just über ihren Nabel –
Dann gibt er hurtig Fersengeld,
Und schlüpft so schüchtern in sein Zelt,
Als hätt' er was gestohlen.

Kamille stirbt – die Trojer
Die kriegten jetzt Courage,
Und fielen auf die andern her,
Als wären's lauter Pages,
Baronen, Grafen, Edelleut',
Und wollten sie die schönste Beut'
Im Augenblick jetzt machen.

Dianens Kammermädchen saß
Schon lang aus einem Rasen,
Und sah – ihr Auge thränennaß,
Kamillens Geist verblasen;
Doch freute sie sich heimlich d'rob,
Daß Turnus seine Männerprob'
An ihr nicht konnte machen.

Diana ging zum Jupiter
Geschwind mit großem Schreien,
Und bat den alten Donnerer,
Ihr seinen Blitz zu leihen.
Schnell schlug ein Blitz in Aruns Zelt,
Und schickt' den Schurken aus der Welt,
Er kam just in die Hölle.

Als da ein großer Bußtag war,
Es mußte Alles fasten,
Weil Lucifer ganz schuld d'ran war,
Daß die Trojaner rasten,
Die Polizeiherrn peitschten sich
Mit Drachenschwänzen fürchterlich,
Und Brendel hielt das Hochamt!

Ein rasendes Gemetzel war
Jetzt vor der Hauptstadt Thoren,
Wobei die Herrn Latiner gar
Erschrecklich viel verloren,
So, daß jetzt in der größten Noth
Die Weiber die Trojaner todt
Mit Butterfässern warfen.

Herr Turnus kriegt Rapport hievon,
Und eilt mit Kriegermenge
Der Stadt entgegen, daß er nun
Den Feind mit Ernst verdränge.
Die Heere nahten sich zur Schlacht,
Inzwischen aber ward es Nacht –
» Bonne nuit! – Morgen weiter!!«

 

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