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Virgils Aeneis, travestirt

Aloys Blumauer: Virgils Aeneis, travestirt - Kapitel 12
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleVirgils Aeneis, travestirt
publisher
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeErster Theil
printrunRieger'sche Verlagsbuchhandlung
year1871
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130817
projectid46647a17
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Zehntes Buch.

Inhalt.

Kriegsrath im Olymp. – Weiberzank dort oben, indessen hier zu Land feindliche Heere die Hälse sich brechen. – Ein paar Land- und Meerwunder lieblich anzusehn.

Jetzt ließ Herr Zevs im Rittersaal
Urplötzlich Kriegsrath halten,
Zu steuern nunmehr dem Skandal
Des tollen Scheitelspalten,
Weßwegen er mit Vorbedacht
Zum Präsidenten geschwind gemacht
Ein'n fränkischen Kreisobrist.

Sie nahmen all die Perspektiv
Und sahen auf die Lager
Ringsum und auf die Kriegesschiff'
Und sieh, 's war alles mager,
Die Turner hatten große Noth,
Weil hundert Wägen voll mit Brod
Im Drecke stecken blieben.

Draus perorirte Jupiter!
»Ihr Untergötter alle,
Ihr bringt die Menschen gar zu sehr
Mit eurem Stolz zu Falle!
Despoten, die ihr alle seid,
Euch Schurken geb' ich den Bescheid,
Dem Krieg ein End' zu machen!«

's war keiner von den Herrn im Stand,
Ein Wort zu repliciren:
Doch weil die Damen hier zu Land
Das Ruder helfen führen,
So hob sich Venus wie ein Blitz
Von ihrem gründamast'nen Sitz
Und sprach in vollem Eifer:

»Verzeihen Sie, mon cher Papa!
Ganz gegen alle Rechte
Griff Turnus mit dem Heere da
Gedungener Kriegesknechte
Die freien Teuerer wüthend an,
Und es gelang dem stolzen Mann,
Gar weit schon vorzurücken.«

»Zwei Heere kämpfen wider sie
Und Kerle wie die Riesen,
Es hat die Neuthorbatterie
Schon ihnen weichen müssen,
Und rückt das schwarz' Husarenkorps
Und die Croaten noch hervor,
So sind die Teucrer fertig.«

»Ich freute mich schon auf das Glück
(Aeneas wollt's uns geben)
In einer freien Republik
Ganz ungenirt zu leben –
Und jetzt ist Freund Aeneas fort
Und steckt Gott weiß an welchem Ort,
Und ich darf nichts mehr hoffen!«

»Doch steck der Alte wo's auch sei
Mag's wie es will ihm gehen –
Nur, cher Papa bin ich so frei
Um etwas anzuflehen:
Er hat so einen hübschen Sohn,
Nur dieser komme gut davon,
Den lassen Sie mich retten!«

»Auf einem meiner Schlösser mag
Incognito er leben,
Da will ich ihm stets Tag für Tag
Die Viktualien geben;
Es ist ein hübscher Junge der,
Den soll kein grober Ruteler
Mir unbarmherzig würgen!«

»Wahr ist's, die Trojer haben sich
Gar sehr vergaloppiret,
Ein böser Geist sie jämmerlich
Stets an der Nas' rum führet.
Und Herr Aeneas that nicht gut,
Daß er der freien Leute Blut
Aus fremdem Grund verspritzte.«

»In ihrem eignen Lande schon
Auf der Bastille Trümmer
Mocht ihre Constitution
Sich Altär' bauen immer!
Doch, daß sie weiter gangen sind,
Papa, verzeihen Sie die Sünd
Und steuern ihren Feinden!«

Frau Juno konnte das Geschwätz
Der Tochter nimmer hören,
Es war ein albernes Geächz,
Den süßen Herrn zu Ehren,
Weil die Trojaner Bürschchen sind,
Galant und lustig wie der Wind,
Nahm Venus sie in Schutze!

Frau Juno sprach: »Wer hieß dann den
Aeneas zu uns kommen?
Er hat auf gutes Glücke hin
Die Volontairs genommen.
Und sich mit Waffen in der Hand
In ein zufriednes fremdes Land
Muthwillig 'reingestohlen.«

»Wer hieß die Helfershelfer sich
Zum Krieg mit ihm verbinden,
Und jenseit unsers Flusses sich
Mit Saus und Braus einfinden?
Wer hieß sie fremder Staaten Treu
Und Ruhe stören? – Unglück sei
Das Schicksal der Rebellen!«

»Ist's Frevel, daß die Italer
Ein werdend Troja stürmen,
Wo elende Fanatiker
Ein Freigerüste thürmen –
Es ist kein Fried und Ruhe mehr,
Seit diese Narren gehn umher
Mit ihren rothen Mützen.«

»Daß Turnus in dem Vaterland
Jetzt festen Fuß will fassen,
Und auf sich diesen Schimpf und Schand
Durchaus nicht liegen lassen,
Daß ihn bezwing ein fremdes Heer,
Zerlumpte tolle Volontairs,
Das soll jetzt Unrecht heißen?«

»Und ist es nicht von Herzen schlecht,
Daß die Enthusiasten
Ganz wider alles Völkerrecht
In fremdem Lande rasten?
Sobald mein Herr Aeneas kam,
So war sein erstes, daß er nahm
Ein Million Brandschatzung.«

»Dann schlug er einen Zettel an,
D'rauf Freiheit, Gleichheit stunde,
Und damit schlug der Ehrenmann
Der Ordnung tiefste Wunde,
Denn Kraft der Constitution
Nahm man das Weib dem Manne nun,
Die Braut dem Neuverlobten.«

»Sie sprachen anfangs allzumal:
Wir kommen nur als Freunde –
Und hausten dennoch überall
Wie allerärgste Feinde –
Wie Räuberband in Corpore,
Zigeuner in effigie
Kam diese lose Horde.«

»Wie konntest Du, o lieber Mann,
Den groben Schnurrbart schützen,
Daß er so glücklich noch entrann
Der Sieger scharfen Blitzen.
Und wie die Noth am größten war,
So schufest du zu Windhund gar
Sein Heer, um fortzukommen!«

»Und daß ich jetzt die Rutuler
Nicht lasse hülflos sinken,
Verdrießt dich, Tochter, gar zu sehr,
Und die gleich wie du denken.
Es ist ein regulirtes Heer,
's sind Helden, die im Leib noch Ehr'
Und Hirn im Kopfe haben.«

»Und sind wir's, die die Trojer
Zu Grunde wollen richten,
Wird vielmehr nicht ihr innerer
Zwiespalt sie selbst vernichten?
Gab dann auf unseren Geheiß
Die armen Schelmen neulich preis
Selbst einer ihrer Führer?«

»Und mußt' nicht ganz Europa sich
Zum Krieg gezwungen rüsten,
Da die Empörer fürchterlich
Nach Herrscherblute dürsten?
Unbillig, Venus, ist dein Trutz
Und wahrlich ungerecht dein Schutz,
Dein Mann ist g'wiß Clubbiste.«

Vom sämmtlichen Collegio
Ertönt ein lautes Vivat,
Sie waren alle herzlich froh
Und schrieen: Turnus vivat!
Nur Jupiter kratzt anfangs sich
Die Ohren – ihm war wunderlich,
Den Ausspruch hier zu geben!

Er wollte weder Weib noch Kind
Doch vor den Kopf gern stoßen.
Ein ungelegener starker Wind
Fuhr ihm umher in Hosen,
Da lüpft er seinen rechten Fuß
Und ex posterioribus
Blies er ganz allgewaltig!

»Ihr Herrn und Damen wißt ihr nun:
Ich werd' neutral mich halten,
Das Schicksal mag in Zukunft nun
Ob den Kriegsmächten walten!
Ein Patriot kann ich nicht sein
Und halt's auch gerne nicht allein
Mit den Aristokraten!«

»Ob die Trojaner sind verrückt
Und Rutuler Despoten,
Entscheid ich nicht – wie's jedem glückt,
So löst sich doch der Knoten.
Kurzum, ich bleibe ganz neutral –«
So sprach er, und ließ noch einmal
Qua, Zevs ein'n rechten fahren!

Die Rutuler, die kehrten sich
Nicht an den Rath der Götter,
Und stürmten immer fürchterlich
Mit einem Bombenwetter
Auf der Trojaner Festung los,
Die Noth war drinnen übergroß,
Es fehlten Leut' und Pulver!

Indessen fuhr Aeneas 'rum
Und borgte Geld und Truppen,
Er hatte 's Privilegium,
Allmänniglich zu schuppen.
Und jeder sich drob glücklich pries,
Weil er der Herr Aeneas hieß
Und fünfzig Ahnen zählte.

Er stoppelte in kurzer Zeit
Ein Freikorps so zusammen,
Indem die Leute weit und breit
Herbei gelaufen kamen,
Sie gingen all en negligée,
In forma, Pickelhäringe
Genannt die Spatzenflagge.

Es war des Morgens noch recht früh
Und kaum Aeneas munter,
Kommt eine schwimmende Batt'rie
Den raschen Strom herunter!
Es war des Helden erstes Schiff
Durch einen losen Götterpfiff
In Mädchen travestiret!

Die schönste rudert hurtig an
Und zupft ihn an dem Beine:
»O wisse, großer Ehrenmann,
Die Flotte hier ist deine!
Vor Wimpel – und jetzt Göttinnen
Des hohen Meeres segelten
Wir 'rum, dich aufzusuchen!«

»Von Gottes Gnaden sind wir so
Mit Haut und Haar garniret
Und danken alle herzlich froh,
Daß wir sind travestiret –
Als Holz hätt' Turnus uns verbrannt,
Als Fleisch und Bein ließ er galant
Uns in die See doch stechen!«

»Dein Sohn ist in der Festung drin
Von Feinden rings umgeben,
Feind Turnus hat nichts Guts im Sinn
Und will den Sturm anheben:
Doch hab nur Muth, beginn den Streit,
Und morgen sollen Turnus Leut'
Wie Kegelkugeln fallen!«

Welch' Wunder, rief Aeneas und
Greift zum Beweis geschwinde
Ihr an die Stirne, Nas' und Mund
Und übr'ge Dokumente –
Aus ihrem Rocke springt ein Floh
Und sticht ihn ganz erbärmlich, so,
Als war er ein Matrose!

Husch war sie weg – der fromme Held
Staunt über den Spektakel!
»Euch dank ich in der Oberwelt
Dies gnadenreich Mirakel!«
Und an dem nächsten Cruzifix
Macht' er den allertiefsten Knix
Und betet agnus Dei.

Und hierauf gibt er das Signal,
Zum Kampfe sich zu richten,
Ermahnt die Krieger allzumal
An ihre theure Pflichten.
Und der Feldpater mußt' geschwind
Noch jedem Ablaß seiner Sünd'
Auf zehen Jahre geben!

Noch fern vom Ufer sieht er schon
Das Lager seiner Leute,
Und als die ihn erblicken nun,
So jubeln sie vor Freude,
Und geben schnell die Losung sich,
Das ça ira klang gar wunderlich,
Als krähten lauter Hähne!

Herr Turnus wundert sich darob
Und seine Alliirte,
Daß jetzt der Teufel auf die Prob'
Solch scheckig Heer herführte –
Im ersten Anblick sähe man
Sie gar für Ueberschnappte an,
Weil just die Hundstag' waren.

Doch war's dem Turnus gar nicht bang,
Das Ufer zu verschanzen –
»Die sollen bei dem Uebergang
Auf unsern Säbeln tanzen.
Ihr Krieger, schlagt euch tapfer 'rum
Und denkt an euren alten Ruhm
Vom siebenjähr'gen Kriege!«

Aeneas läßt gefaßt zum Streit
Jetzt eine Schiffbrück' schlagen,
Und Turnus stellet seine Leut'
Rings um, sie wegzujagen.
Da fing das Kanoniren an,
Indessen kam Aeneas an
Am Land mit der Avantgard'.

Die hauen gottserbärmlich d'rein,
Und ein paar Offiziere,
Die sonsten Helden wollten sein.
Die fielen gleich wie Stiere.
Kurz, es gab eine wilde Schlacht,
Es wurden viel zurecht gemacht
Von beiden Kriegerseiten.

In einem großen Modering
Trug Fähnrich Zart sein Lieschen,
Und wie's so durcheinander ging,
Gibt er ihr noch ein Küßchen.
Frau Venus macht ein Wunderding,
Daß eine Kugel an dem Ring
Zurücke prallen mußte!

Die Trojer geben Fersengeld
Und Pallas sieht sie laufen:
»Wohin um alles in der Welt
Wollt ihr zum Teufel laufen?«
Sie hielten still dem jungen Mann,
Und Pallas ritte kühn voran
Auf eine Feindskolonne!

Jetzt ging ein neues Treffen an,
Es war noch keins dergleichen,
's fiel beider Seiten Mann für Mann,
Und keiner wollte weichen –
Für Zeitungsschreiber war es noch
Die beste Zeit, sie konnten doch
Die Blätter jetzt volllügen!

Herr Turnus, der so manchmal sich
In seinen jungen Tagen
Gerauft, gezaust und fürchterlich
Mit Burschen 'rumgeschlagen,
Als er in Göttingen studirt,
Kommt's an, daß er jetzt provocirt
Den Pallas zum Duelle.

Nun hieß es: rechts und links marschirt!
Und Turnus kam wie's Wetter
Auf stolzem Braunen galoppirt,
Als wär' Gott sein Herr Vetter,
Und sah so wild und furchtbar aus,
Als käm' er just von einem Schmaus
Vom Blut der Küh' und Kälber.

Schwingt schnell sich von dem Roß und weist
Herr Pallas seinen bloßen,
Und dessen alter Vater scheißt
Indeß sich voll die Hosen,
Jetzt nahen alle beide sich,
Und Pallas von dem ersten Stich
Sinkt mausetodt zu Boden!

Herr Turnus stand so stolz und froh
Und trat die Leich' mit Füßen –
»Ha, bringt ihn seinem Vater so,
Die Allianz zu büßen,
Die er mit Herrn Aeneas schloß!«
Drauf schnallt er ihm den Degen los,
Des Pallas alte Sünden!

Es ist ein Sprüchwort überall
Und oftmals schon probatum:
»Der Stolz kommt meistens vor dem Fall;«
Denn 's ist ein eigen fatum,
Das mit den Menschenkindern spielt
Und ungenirt sein Müthchen kühlt
An Großen und Geringen!

Aeneas kriegt jetzt par Courier
Rapport von seinem Heere,
Wie es so übel stünde hier
Und alles flüchtig wäre.
Gleich stürzt er wie der Teufel wild
Rachdürstig in das Schlachtgefild
Und thut gar großen Schaden.

Doch mehr durch Glück als durch Verstand –
Denn wie wir alle wissen,
That Herr Aeneas stets galant
Gern Weiberhandschuh küssen,
Und weil er noch so heilig schien,
So wählte Madam Venus ihn
Zu ihrem Oberpfarrer.

Der Madam Juno weh es thut,
Daß Turnus soll verlieren,
Die ward dem Held noch immer gut
Vom alten Karessiren,
Und alte Liebe rostet nicht,
Drum machte sie sich's auch zur Pflicht,
Ihn wohl in Schutz zu nehmen.

Und Jupiter, der, wie bekannt,
Uns Männern zum Exempel,
Hübsch unter dem Pantoffel stand,
Als Vater aller Gimpel,
Kam seinem lieben Weibchen vor
Und raunte leis ihr in das Ohr:
Der Schwager ist kapores!

Das hieß die Zunge ihr gelüpft,
Um seinen Schutz zu bitten,
Drauf sie gar freundlich um ihn hüpft,
Nach schlauer Weiber Sitten,
Denn er war schon ein alter Knab'
Und bocksteif, dem man wenig ab
Gefallen konnte kriegen.

Doch wüßt' sie gar gut Zeit und Ort,
Den Alten abzufangen,
Drum kriegt sie auch sein Ehrenwort
Für Turnus nach Verlangen.
Nur, weil doch eines Weibes List
Viel ärger als der Männer ist,
Sollt' sie ihn selber retten.

Was nicht die schlaue Liebe kann
Gar Feines ausstudiren –
Das Weib sann jetzt auf einen Plan,
Den Trojer anzuführen,
Und schuf, daß zum Erbarmen war,
Nach Herrn Aeneas Haut und Haar
Geschwind ein'n Erdwindbeutel!

Sie zog ihm einen Sabel an
Von einem Reichsphilister,
Den Federbusch von einem Hahn,
Den Hut von einem Küster,
Er plauderte wie Pfarrer Stroh,
Und hüpfte flüchtig wie ein Floh
Von einem Ort zum andern.

Held Turnus immer hintendrein,
Als wollt' er ihn erwischen,
Der retirirt sich aber fein,
Weil nahe Kugeln zischen.
Und endlich in der größten Noth
Hüpft er in ein holländisch Boot,
Und Turnus nach wie's Wetter!

's war ein Matrosenmädel drauf,
Dies löst geschwind die Seile,
Damit der Kahn in vollem Lauf
Den raschen Strom wegeile,
Weil sie nach ihrer Landesart
Vermutlich eine Wasserfahrt
Mit Turnus machen wollte!

Potz Stern, was war zu fangen an?
Das sakermentisch Luder
Den Nachen nicht regieren kann,
Denn sie vergaß das Ruder –
Und als sich Turnus schnell umsah,
So war kein Aeneas mehr da,
Ein Flederwisch lag vor ihm!

Wohl ferne sieht er in sein Heer
Aeneas tüchtig hauen –
Das war ein Streich für's point d'honneur
Unmöglich zu verdauen –
Und doch bei allen Sakerment
Und Flüch' bei vierundsechzig Wind
Muß er dem Nachen folgen.

Ob Turnus mit dem Mädel sich
Die Grillen noch verjagte,
Da manche Grille fürchterlich
Den Ehrenmann noch plagte,
Davon fand sich kein Dokument,
Nur so viel weiß ich, daß am End'
Er heim zum Papa kame.

Doch sein Successor Herr Mezent
Indessen commandirte,
Und als ein kühner Hesse blind
Manch'n Heldenstreich ausführte,
So manchen Jüngling, von der Braut
Und Muttermilch gekommen, haut
Er unbarmherzig nieder.

Da lagen Waffen, Mann und Ross'
Bei Tausenden zerhauen,
Die Herrn Olympier verdroß
Das Elend anzuschauen;
Die Krieger stürzten in den Tod,
Die Bauern hatten ihre Noth
Und hunderttausend Plagen!

Frau Venus sahe mitleidsvoll
Auf ihre Herrn Trojaner,
Der Juno wird das Köpfchen toll
Ob ihrem Turnianer;
Und Tisifone, blaß und stumm,
Lief in dem ganzen Himmel 'rum
Als wollte sie verzweifeln.

Die Patres hatten g'nug zu thun
Mit lauter Seelenmessen,
Doch stiegen jetzt auch merklich schon
Die geistlichen Interessen,
Drum schürten sie das Feuer an
Und fanden an Mezent den Mann,
Der ihnen Hasen jagte!

Der haute tüchtig her und hin
Und stand auf blut'gen Leichen,
Wie auf Kornstoppeln – es könnt' ihn
Kein Anblick mehr erweichen,
Kein Krieger, der vom Blute trof,
Kein Bürger, dem sein Haus und Hof
Rein ausgeplündert worden!

Aeneas, der ob dem System
Der Gleichheit halten wollte,
War zornig, daß der Stolze ihm
So viele würgen sollte.
Und drohte seine Excellenz
Trotz aller Inconvenienz,
Selbst zu egalisiren.

Zwar war Aeneas hochgebor'n
Auf Trojas Gallerien,
Hat aber seinen Stern verlor'n
Längst in den Tuilerien,
Den ihm ein Fischweib 'runterriß,
Und seit dem losen Späßchen hieß:
Le citoyen Aeneas!

Mezent ritt eben vor der Front,
Die Ordre auszutheilen,
So thate wie ein toller Hund
Der Trojer herbeieilen,
Und schoß – die Kugel aber fuhr
Dem Herrn Mezent zum Glücke nur
In seine rechte Wade.

Doch wich er etlich' Schritt zurück,
Aeneas zog den Degen,
Sofort in einem Augenblick
Den Helden zu erlegen;
Schnell stürzet Lausus liebewarm
Entgegen des Trojaners Arm,
Den Streich ihm abzuhalten.

Und hilft dem Vater glücklich fort,
Wird aber von dem Bürger
Aeneas plötzlich durchgebohrt,
Doch reut es bald den Würger,
Als er den edeln Jüngling da
In seinem Blute liegen sah,
Der Vaterliebe Opfer!

Er schickt ihn seinem Vater zu
Mit allen Ehrenzeichen,
Der Alte lag – doch ohne Ruh –
Im Schatten hoher Eichen
Und brave Krieger um ihn her;
Es ward ihm um das Herz so schwer,
Stets fragt er nach dem Sohne.

Und sieh, da bringen sie ihn kalt
In seines Vaters Arme –
Der Graukopf seine Hände falt',
»Daß Gott, daß Gott erbarme!«
»Nein, nicht Erbarmen! – Rache dir
Aeneas, ha, du sollest mir
Das junge Blut bezahlen!«

Ruft seinen Reitknecht: »Sattle mir
Mein dänisch Roß in Eile,
Die Wunde schmerzt mich nimmer hier,
Daß ich noch länger weile.«
Der Bursch führt ihm den Schimmel vor,
Und Herr Mezent schwingt sich empor
Und streichelt ihm die Mähne!

»Hans, jag' heut über Hals und Kopf
Und hilf mir Beute kriegen,
Heut müssen noch Aeneas Schopf
Und Waffen auf dir liegen,
Wo nicht, so sinke mit mir todt,
Denn meiner Seel, ein Patriot
Soll nie dein Reiter werden!«

Und dictum, factum! so geschah,
Es stürzte Pferd und Reiter,
Und als sie beide lagen da,
Uzt noch der Bärenhäuter
Aeneas den gesunknen Held –
Im ganzen weiten Schlachtenfeld
Entstand ein großer Lärmen!

Doch wurd' dem Herrn Mezent auch bang
Ob mancherlei Piecen,
Weil er sein ganzes Leben lang
Ein böser Bub gewesen;
In specie in Sinn ihm kam,
Daß er die Bürgersöhn' wegnahm
Und sie ins Schlachtfeld zwange.

Drum bat er den Aeneas, doch
Ihn alsbald zu begraben,
Es möchten seine Bürger noch
Ihr Späßchen mit ihm haben. –
In einem Grabe ruhen nun
Der Vater und sein lieber Sohn,
Gott sei dem Sünder gnädig!!!

 

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