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Viel Noth und viel Hülf

: Viel Noth und viel Hülf - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
authorJoh. Rudolf Wyß, der Jüngere
booktitleSchweizerische Erzählungen
titleViel Noth und viel Hülf
publisherFriedrich Schultheß
editorHeinrich Kurz
year1860
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080715
projectid947a8a2d
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Joh. Rudolf Wyß, der Jüngere

Viel Noth und viel Hülf

Erzählung aus den Zeiten der burgundischen Kriege.

Der Sach- und Sprachkundige wird leicht sehen, wie Manches in dieser Erzählung nicht eben genau mit Sitten und Schreibart des fünfzehnten Jahrhunderts zusammenstimme. Oft sind indessen absichtlich die Worte und die Schreibung der neuern Zeit angepaßt worden. Dennoch dürften einige Ausdrücke nicht Jedem verständlich sein, und diese erklären wir am Schlusse dieser Erzählung. Komm. <i>Red.: Die Worterklärungen wurden als Fußnoten eingepflegt. Re.</i> Dabei aber bemerken wir noch, daß eine alte Schreibung, die oft ch für das einfache h, und oft den einfachen Vokal für den Doppellauter setzt, wie y oder i für ei, so wie ferner nit für nicht, nüt für nichts, die gangbaren Worte doch immer wird erkennen lassen.
Im Historischen des Aufsatzes wird man meist Uebereinstimmung der Hauptumstände mit Schillings Chronik von den burgundischen Kriegen (und mit Joh. v. Müller) finden. Hans in der Gruob, ein Berner, kommt in beiden als derjenige vor, der in der Schlacht den Herrn von Châteauguyon vom Pferde stach.

Gott zum Gruß, und was ich Ehren und Diensts vermag, lieber Fründ und Schwager Barthlome!

Sintemal du zu wissen begehrst, und vielmalen bittlich drum angehalten, wie mir's eigenlich ergangen in allem Handel zu Gransee, Gransee, Grandson. und aber ich all die Zyt und fürbas in die gut Statt Zürich nit kommen kann, hab' ich minen Sinn daran g'setzt, daß ich in Schriftweis dir die Sach verfassete, und du aller Gschichten, so mich dann selbs antreffen, das berichtet werdest. Dacht' auch, daß es minen Bueben einstmalen sollt zu einer Gedächtnuß syn, wie unser Herr Gott b'holfen B'holfen, hülfreich, hülfbereit. ist nach siner Wisheit, wo unser arm Kunst gar übel b'staht, B'staht, besteht. und Menschenraths ein End ist vor großer Noth und Fährlichkeit.

Als dann ich aber Schrybens übel berichtet bin, und anders nit, dann zu Kauf und Handel Brief zu stellen ein Uebung hab, mögest du söliches in Acht nehmen, und min g'mein Schrift und Dicht Dicht, Aufsatz, Composition. mir ganz fründlich zu gut halten; dann ich ein gelahrter Kronikdichter, als unser ehrsam Meister Tschachtlan, und weiland der gut Stadtschryber Cunrad Justinger Tschachtlan, Justinger, zwei alte bernerische Chronikschreiber. nit und nimmermeh bin.

Und also heb' ich an, als ich's in miner fast alten und rostigen Gedächtnuß finden kann, wie dazemal die Ding verlaufen sind; dann es itzo in die dryßig Jahr läuft, daß die G'schichten sich zutragen hand, Hand, haben. und ich mit Gotts Hülf an die Sechzig verlebt, und's doch schier nit glauben kann, aber ganz dütlich in minem Husbuch verzeichnet ist.

So weissest du, geliebter Barthlome! daß ich mit andern mannhaften und fröhlichen G'sellen, als derselb burgundisch Krieg sich leider ang'spunnen, und der Herzog Karli darzog, gen Yfferten in die Stadt zu liegen kam, und war unser Hauptmann, der Hans Wyler, gar stark von Fuust, aber Gott seys klagt nit also stark von B'sinntheit B'sinntheit, Besonnenheit, Bedacht. und gutem Rath.

Und also lagen wir in selbem Städtlin getroster Zuversicht, dann das Volk that uns Gut's, und waren unser meh nit, wann siebenzig von Bern, und etlich Fryhartsknechte Fryhartsknechte, Freiwillige. von Luzern, so sich dann trülich zu uns hielten. Da lag aber ein Theil, an fünfzig, in der Burger Hüsern, und ein Theil im Schloß, und getrauten uns den Ort zu beheben, Beheben, behaupten. dann die Burger waren glatter Wort, und strychelten dem Bären sin ruch Ruch, rauh, zottig. Haar; wollten gut bernerisch heissen, das auch an Vilen mit der That erfunden ward.

Aber Ettlich giengen um mit gottloser Verrätherie, und hatten's heimlich ang'legt mit dem Grafen von Romunt, Romunt, Romont im jetzigen Kanton Freiburg. der dann ihr eigentlicher Herr gewesen, und wollten demselbigen gut wohlfeil Bärenhäut verkaufen; sintemal die armen Petzen zu Nacht im Schlaf Schlaf, eine der zwei Schläfe. sollten mordlich abg'stochen werden, als auch an Ettlichen b'schechen ist. Doch so erschoß Erschoß, gerieth, lief ab. der Handel zu allerletzt dem Stättlin fast übel, und ward plündert und verbrönnt, als du wohl erfahren hast. Mir aber hat der Herr g'holfen, daß ich heil hindurchkam, als ich doch vor Andern nit verdient.

Da war an einem Tag der Etterlin Etterlin, Petermann E., der Chronikschreiber von Luzern, der des Umstandes auch in seiner Chronik erwähnt. harkommen, sammt noch einem Kriegsg'sellen, so sich by der Vorhut von Luzern enthielten gegen dem Berg zu in einem guten Schloß, und sollten Wyn kauft han, und fanden da zu Yfferten auch der G'legenheit gnug, diewylen der Verräther Einer gut Getränk dargab um wohlfeilen Kouf, und etlich groß Kannen dryn gehen ließ, die dann zur Stell ouch trunken wurden von den Zusätzern Zusätzer, Besatzungs-Soldaten. in der Stadt, unter welichen ich nit der mindest mit Zubringen Zubringen, eine Art des Gesundheittrinkens in der Schweiz. und Gläserleeren und Liedersang. Das g'fiel semlichen Semlichen, sothanen, solchen. verrätherschen Burgern hoch, und setzten wieder und aber ein voll Kännlin dar, denn unser Schlaftrünklin hiermit für das letzt Mal sollt trunken syn.

O Weh derselben Nacht, die darnach kam uf das G'lag und die groß Lustbarkeit! Da ward der schön roth Wyn manigem biderben Knecht us der Ader g'lassen, und ward je Keiner g'sund davon. Doch so ist dieselb Nacht auch Treu an mir b'schechen, als ich nun wohl vermelden will; denn ich dir nit z'verzählen meyn von andern G'schichten, ob wie sie nachdenklich sust Nachdenklich sust, des Nachdenkens werth sonst. und seltsam wären; sunder min gut G'schicklin G'schicklin, Geschicklein, kleiner Glückszufall. dir im eigenlichsten kund will geben, wie obgesagt.

Nun also war ich by einer Wittib Wittib, Wittwe. im selben Städtlin gut yng'sessen, und hatt dieselb ein jung Maidlin, ihr Tochter, so gar hübsch und sittsam war von Art, und hätt mir bas g'fallen, dann daß sie all's wälisch redet, und unser tütschen Sprach nur ein Wenig's mürden kunnt, das aber lächerig ihr vom Mund gieng. Auch wußt sie wundersam B'scheid, mit Ougenwinken und hurtiger Gebärd ihres Herzens Meynung kund z'geben, so ich denn wohl verstund, auch myn Flyß recht treffenlich ankehrt, daß ich nit dumm wär mit Gegenb'scheid. Ueberdas so war die jung Maid gut bernerisch in ihrem Herzen, gönnt uns alles Glück und Wohlergeh'n, und fürcht sich übel vor dem Burgundischen Heerzug, als die da Unfuhr Unfuhr, Ungebühr und lärmendes Unmaß. trieben und groß Schand by Fründ und by Find, ja wahrlich nit uszusprechen.

Indem so that die alt Wittib mir je mehr und mehr des Herzeleids, und nahm in's Hus ein'n rothhaarigen Vetter, der war Romuntisch mit Herz und Mul, und pochet vil, wie der Graf würd kommen und die lieben Herren von Bern erdrücken vor Freud, so er sie gegenwärtig fünd in siner guten Stadt, und konnt der Schalk dütscher Worten gnug, wenn's g'scholten und g'fluchet sollt syn, hielt auch dick Dick (auch dickmalen), oft. sin Stoßdegelin mir vor, und sagt, ich sollt dran g'spüren, ob's von gutem Stachel syg, Syg (sye), sei. Syg, sei. da er's denn wetzt an einem Schlyfstein, und zu mir schielt', als der Kindlinfresser Kindleinfresser, ein noch jetzt vorhandenes Standbild auf einem Brunnenstock des Kornhausplatzes zu Bern. zu Bern uf dem Brunnen thut, mym Hus vorüber; du hast ihn gsechen, Barthlome!

Wollt nun ich dem Lecker eins B'scheid geben, und zuckt min'n Dolch, ihm gut tütsches Ysen unter sin scheel G'sicht zu halten, und macht ein'n grimmigen Ruck mit der Fust; glych sprang das jung Dirnel dahar, macht ein'n Scherz us dem Handel, und ließ nit ab, bis mich's zu lachen thät, und bis der Vetter brummt, und uf den Boden stampft, und uns den Rücken kehrt. Derg'stalten gieng's fast jeden Tag, und hört das Maidlin gar nit uf, uns listiglich vonsammen z'bringen, das doch wohlgethan war, sintemal ich daz'malen heiß vor der Stirn, und wohl an dem schändlichen G'sellen groß Ungebühr verübt hätt gegen Hauptmanns Befelch und gute Kriegsordnung.

Indem so kam die mordlich Nacht, und hatten die Verräther Alles wohl verkundschaft't, daß sie den von Romunt und sin Volk sammt Etlichen us der Stadt, die vorhin g'flochen war'n zu solchem ihrem Herrn, über d'Stadtmuren und durch ein's Burgers Hus ynließen, und aber die Wacht der Unsern by den Thoren es erstlich gar nit vermerkt. Da hub sich an Geschrey und Wehklagen, Gepoch und Trutzwort, daß es den Himmel erbarmt haben sollt, und lief All's in den Gassen durcheinander. Etlich von den Hüsern uf d'Muren, Etlich von der Muren in d'Hüser, und schrüwen Schrüwen, schrüw, schrieen, schrie etc. die Burger, die nit wußten um den Anschlag, es hätten die Berner sie verrathen, und den Mord ihnen ang'richtet; und schrüwen die Berner hinwiederum, die Burger hätten's ang'stifft't, und fielen also mit Hellbarten, Mordäxten und Schwertern einander an; denn der Mondschyn gar heiter zu dem bösen Handel zündet.

Mit dem so witscht' ich uf in mynem Kämmerlin, und hat mich ein Gepolter uf der untern Stiege plötzlich erweckt, und hörte da den schälkischen Vetter, der schrie ganz eselmäßig: »Zu! zu! uf die Buben, daß sie sterben die Nacht allsammen, ohn alle Gnad! Unser rechte Herr ist kommen, und jagt die Miethslüt dannen us sinem Eigenthum, und zahlt sie der gethanen Huth.«

In semlicher Noth ergriff ich angehnds Angehnds, angehends, gleich von Anfang, sofort. minen guten Zweuhändler, Zweuhändler, ein großes, nur mit zwei Händen zu führendes Schlachtschwert. und steckt den Dolch in minen Gurt; dann ich zu großem Glück ganz wynwarm zu Bett gangen war, und nit anders uskleidet, denn um Halskragen und Wams und Schuh, die ich gestracks auch wiedrum an mich nahm. Und da ich eben vil Mannstritt hört' uf der zweyten Stieg, und Einer stolpert und Sumnuß macht', merk ich am Fenster ein Klopfen, und sech' Sech, sehe. ein'n Kopf draussen, und denk', die Schelme sind mir uf dem Lyb von allen Orten har, und sind viel Hasen auch eines Hunds Tod. Darmit sprang ich an d's Fenster, und wollt einen Romuntischen Spießgesellen des Wegs voran schicken, so ich doch müßt an Todtentanz; stach auch grimmiglich durch d'Schyben hinus, daß es klirrt, und fuhr min lang Schwerdt dem Kiltgänger unterm Alm durch neben dem Herzen vorby. Indem da gellt's mit lutem Schrey mir z'Ohren – »Jesus Mary!« und war's ein Mägdlin, und erkannt' ich dieselb fründlich Maid vom Hus, und riß das Fenster uf; dann ich mit sondrer Freud ihr Anligen itzo verspürt. Hiermit so gibt die gut Magd mir Zeichen, und zabbelt die Leiter hinab, als die Eicherlin Eicherlin, Eichhörnlein. von den Tannen, und winkt mit beyden Armen, daß ich nachkommen sollt. Alsbald ouch befahl ich min Seel den thüren Nothhelfern St. Ursen und St. Vikter, riß das Fenster uf, warf min Schwert voran, und witscht die Leiter gleitig hinab, der ich dann über 6 Seigel oder die letzten, hab s' nit gezält, mit einem alleinzigen Satz im Höflin war. Hieruf so half die Maid mir die Leiter umschmeissen uf die usser Syten, da denn glych die Stadtmur nahe lief, und ich hinuf krabblet wie die Katz zum Tubenschlag; hatt auch min gutes Schwert wiederum unter den Arm g'nommen, und wollt's nit g'lassen han um aller Welt Güter nit.

Wie aber kum ich uf der Stadtmuren genüber dem Kammerlin stand, allwo ich g'schlafen, da hört' ich dain ein schrecklich Polter und G'schmetter, und sprengten mit Aechsen die Thür, und wollten den Vogel im Nest usg'nommen und zum Morgen-Imbis abg'stochen han, das mir ein greulicher, ganz ehrloser Tod g'wesen wär. Und aber sumt Sumt, säumte. ich mich nüt, zog die gut Leiter an mich haruf, und ließ sie zur andern Syten hinabgah'n in Stadtgraben, der dann in Schloßgraben usgieng, und luff Luff, lief da ohne Bottenlohn im Graben enweg Enweg, davon, hinweg. bis unter das Schloß, allwo ich überlut das Wortzeichen rief zu dem Thurmwächter, der auch bald mir Antwort gab und schrüw: »Küri Marter, Küri Marter, eine sehr übliche verderbte Formel der Ausrufung und Betheurung. ist'das nit Hänslin in der Gruob?« – So lannt' ich hinwieder an der Stimm den jungen Achshalm, der dann bald verschuf, daß sie mich an einem Seil ufzochen in das wehrhaft Schloß, und ich min's jungen Lebens allda genaß durch die Gnade des allmächtigen Gottes.

Derwyl so nahm die mordlich Sach und Verrätherie in der Stadt ihren Fortgang, und standen wir an dem Schloßthor, und riefen das Bernzeichen Laupentreu! und rannt da mancher G'sell us der Stadt harby, und über d'Fallbrück yn in gute Sicherheit. Aber vil vermeynten sich z'erwehren des Finds, und fochten hertiglich mit Schlachen und Stechen, daß der Finden nit wenig umkamen, und ihrer vil mehr noch wund oder g'stümmelt hinter sich wichen. Jedoch so war der Finden allzu vil, und fluhen Fluhen, flohen. unser lieben Mitg'sellen angehnds, so das sie mochten, uf das Schloß dar, und waren unser zuletzt an 50 biderb Kriegsgesellen, sammt dem Hauptmann Wyler und Hans Krummo mit dem Fähnlin bysammen.

Da es aber Tag war worden, und die Find gegen dem Schloß zu nit also stark mehr drängeten, auch wir sie ansachen, daß ihrer mehr als vierhundert kum gesyn mocht, auch derselben an dryßig todt in den Gassen lagen, da ward unser Herz ganz mannlich und erfreut; denn wir uns wohl vermaßen, das Schloß zu beheben, bis ein Stadt Bern uns hülflich Entschüttung Entschüttung, Erledigung, Entsatz. verschaffete. Sintemal jedoch das Schloß ganz nit versechen war uf söllich Stürm und mordlich Ueberfäll, da erzeigt sich leider Gottes noch Trank, noch Spys, noch Wurfstein oder G'schoß und Büchsenklöß, Büchsenkloß, Büchsenkugeln. daß es schier ein'n großen Jammer gab unter den Zusätzern, und Etlich anhuben, man sollt usbrechen die Nacht, und hinwegylen, Murten zu, da dann der Heerhufen von Bern zu treffen und michel Michel, groß, viel. Trost zu erholen wär.

Indem so riefen Ander: »Nie und nimmermeh! Zu Laupen hand sie ander Püff usg'harret, und nit von semlichen Verräthern, die Gott schänd, und ihnen kein Glück nimmermeh geb!« – Also sprach der Krummo: »Wo Ofen, da Brot; und stirbt kein bewehrter Eidgnoß den Hungertod!« – Alsbald ordneten wir ein'n Usfall, wann der Find sin's Ofers nachg'lassen, und trösteten wir uns etlicher alten Broten und eines Wynlägels, Weinlägels, Weinfäßchens. das dann für die Wunden g'spart war, verbanden auch nit wenig G'sellen, so da Stich und Hieb überkommen in Lyb oder in d'Glieder an dem nächtlichen Ueberlauf.

Darnach im Nachmittag hatten die Find etlich Wachten g'stellt an der Gassen End gegen dem Schloß, und schlugen frisch an die Thurmglocken, und b'riefen also ein G'meind zusammen, daß sie rathschlageten um die armen verstrickten Vögelin; dann sie meinten, sie hatten uns im Schloß als gut, als Finklin in dem Garn, so es doch von Gottes Gnaden nit dem also war.

Und indem ließ unser Hauptmann an die groß Trumm schlachen, das dann unser Zeichen war, und luffen wir unverwhlt in die Stadt oder in d'Vorstadt, unser 40 die handtlichsten Handtlichsten, handfestesten. G'sellen, uf daß wir in den Hüsern Spys erholten, und Bley zu den Büchsenkugeln, und andern Züg mehr, als dann Jeden däucht gut syn für die g'mein Sach. Und ward auch da zu allernächst by der Kilchen ein starke Schlangenbüchsen mit G'walt enttragen, die uns gar treffenlich zu Statten kam. Vil Wyber dann gaben's gern in den Hüsern, was die Kriegsknecht hieschen, diewyl gar vilen Leid war des mordlichen Ueberfalls in der verwichenen Nacht, und kriegten unser G'sellen ganz Armen voll Kanten Kanten, Kannen. und Platten des allerbeßten Zinngeschirrs. Die Männer aber in der Kilchen vermerkten zu spät semlichen Usfall, und machten gar sorglich gute Ordnung gegen dem Schloß, und witschten wir darob wieder Allsammen in unser Loch ohne Gefährd, das dann unsern Muth nit des Wenigen erquicken mocht.

Darnach lagen wir etlich Tag als die Bären in den Hürsten, Hürsten, Horsten, Nestern, Waldschlupflöchern. und gossen da Kugeln und schnitzelten auch Pfyl für die Armbrüst, und brachen den großen Kachelofen im Rittersaal ab, der dann gut Wurfstein geben sollt. Hiermit an so geharreten wir freudig des rechten Sturmes, und ließ diesmalen der Graf Romunt uns greulich Poch- und Dräuwort zurufen, daß wir all sollten g'henkt syn, wann wir nit das Schloß uf Gnad übergäben; und schrüwen wir wohlgemuth entgegen von den Muren: »Erst haben, und dann henken! Wer aber stirbt von euren Dräuworten, dem sollet ihr zu Grab läuten mit einem Kinderrock, und einem Schwengel von Hasenstielen drin.«

Wie dann der Sturm abgelaufen, da der Graf Romunt mit G'walt das Schloß nehmen wollt, das weißt männiglich, und erzähl' ich fürer, Fürer, weiter. wie mir im Wyteren ein Stern hat g'schinnen, dann miner Fährlichkeit kein End worden ist an demselben Struß, wann unser Hüflin glych gar sighaft der Finden sich erwehrt hat, und Graf Romunt auch mit Schanden abzogen ist, und alles Volk des Städtlins g'waltsam mit sich g'führt hat, da dann unser Tag in Freuden ufgieng, und wir Sackmann g'macht Sackmann gmacht, geplündert, gleichsam den Mann mit dem Sack auf dem Rücken vorgestellt. in dem Städtlin, allwannen Spys und Trank und mancherhand Gut uns ganz überflüßig zu Handen stieß. Stieß, d.i. kam, gelangte.

Item, so war ich eben auch in die Hüser z'laufen ganz bereit, und dacht, in die Hintergaß an der Stadtmuren z'ylen, daß ich säch min alt Kämmerlin, und der argen Wittib G'mächer und Husräthlin, und der jungen getreuen Magd ihr Gaden, und ob ihr klyn Gütlin nit möcht bewahret syn in dem Büttelauf. Büttelauf, Beutelauf. Nahm also den Gilgian Odersold mit mir, und kamen aber zu spät, dann in allen Stuben All's durcheinander und ein gut Theil zerschlagen lag. So sprang ich in des Mägdlins Obergaden, und fand doch sin'n silbernen Herrgott, Herrgott, ein Crucifix. ganz klyn, an der Wand hängen, so jämmerlich daselbs vergessen war; den steckt ich getrost in minen Brustlatz: dann ich dacht, daß er sollt wiederkehren zu der Maid, als schnell, als der Frid gemacht würd, und sagt's auch dem Odersold, wann ich umkäm, sy es am Sturm, sy es an offener Feldschlacht, sollt' er den silbernen Herrgott gestracks mir vom Herzen nehmen, und redlich verschaffen, als gut, als er dann möcht, daß er zukäm der Magd in dem Hus, und sagt ihm den Namen Schanne, den ich wohl billig in's Herz g'faßt, und auch bewahr an min selig End.

Darnach nit über lang, so kamen unser rechten Nothhelfer von Bern, die fühlt Herr Petermann von Wabern, und kam auch mit der alt Venner Achshalm, der dann sinen Suhn im Schloß by uns fand, und gar fröhlich sich mit ihm herzet, und ward uns Zusatz Zusatz, Besatzung und Verstärkung der Besatzung. geben und ein gut Lob ertheilt, auch Büchsen, Wehrinen, Wehrinen, Wehrzeug. Büchsenstein und Essen nach Nothdurft, da wir dann etlich Tag in guter Rast verharreten by zweuhundert Mannen, all unverzagt, und ob des Burgunders Zukunft ganz unerschrocken.

Aber als der bös Karli mit siner unsaglichen Macht harinruckt durch die Birg, da ward Befelch an uns, daß wir den nächsten Weg hinüber zugen nach Gransee, oder dann heim in die Stadt Bern, sammt allen Büchsen und Wehrinen; auch daß wir Stadt und Schloß Yfferten in Grund verbrönnten, das dann bas g'schechen ist, als wir's sollten gebuwen han; Gebuwen han, gebaut haben. – Bruuch von jewelten, Gebrauch von jeher, von Alters her. und zochen wir lieber dem Find als dem Fründ unter Augen, wie dann der alten Eidgnossen Bruuch von jewelten mit sich tragt.

Indem so waren wir bald zu Gransee uf dem Schloß und in dem Städtlin, und befelchnet da Jörg von Stein, sintemal Herr Brandolf mit Verrätherie war in der Stadt g'fangen und wegg'führt worden gan Burgund. Aber Herr Jörg fiel über Kurz todtkrank in's Siechbett, und kriegt also Hans Wyler den Befelch, das auch je und je zu klagen ist, dann er klynen Witzes war zu dem großen Handel.

Und aber yl ich über die bös erschrockenlich Zyt enweg, daß Gransee das Stättlin uns abtrungen ward mit Sturm, dann dasselb zu groß war für semlich klyn Hüflin Volks, und wir nit allerorten der Mut uslangten, die zu b'setzen nach Kriegsgebühr. Nahm also der Herzog das Städtlin leider Gottes yn, und legten die Burgunden ihr Büchsen gar hart an das Schloß, und schußen findlich harin ohn Unterlaß by Tag und by Nacht. Im Schloß aber waren unser an fünfhundert von Fryburg und von Bern, und hätten uns bas enthalten, wenn nit wär dem Büchsenmeister sin Haupt abg'schossen worden, und zu großem Jammer das Für Für, Feuer. in d's Büchsenpulver gerathen, daß es ufging in einem grusamen Schutz, Schutz, Schuß, Knall. und etlich der Unsern schändet, etlich gar ertödt.

Item kam der mordlich Tag, dessen ein Stadt Bern mit Leid wird yngedenk syn, als lang sie staht; dann der Hans Wyler ganz überredt ward von dem wältschen Herren, dem Runtschan, Runtschan, ein wahrscheinlich aus dem Welschen verdorbener Name. und vermeint anders nit, dann eine große Heerschaar der Burgunden hätt die Statt Fryburg schon abbrönnt, und zöch uf Bern, und möcht das arm Schlößlin zu Gransee nimmer entschütt't werden; meynt auch, sie würden uns fast gern das Leben schenken um der großen Mannheit willen, die wir denn dargestreckt hatten, und half da nüt, was ander freudig Kriegsg'sellen ihm ynredten, dann er sie schalt, daß sie Gott versuchten mit Tratz und Uebertratz. Tratz und Uebertratz, Trotz und mehr als Trotz.

Und an demselben Tag, da war ich ung'fährlich zur Wacht g'ordnet uf dem obersten Thurm, und führt mich der alt Selsach hinuf, und löst ich den biderben Gantner ab; sagt aber der alt Selsach mit Süfzen, die Wacht würd nit lang währen, dann der Hauptmann darmit umging, uf hütt das Schloß z'übergeben, und sollt' ich flyßig usschauen, ob in aller wyten Wyte der lieb roth Bernerfahnen und eidgnößisch Banner nit ufständen; diewyl er yemer Yemer, immer. Entschüttung hoff, und ganz nit glaub, was der Runtschan und die wälschen Herren mit fulem Gschwätz ihnen ynreden wollten.

In solchem also stand ich unter dem Dach des großen Thurmes allein, und lugt flyßig us den Lucken in d' Fern gen Vamerkü Vamerkü, Vaumarcus, Schloß oberhalb Grandson gegen Neuenburg zu. und hinüber gen Yfferten, und achtet mich übel anderer Ding, und kriegt da unversechens ein'n Streich an d'Bickelhaben rechts am Schlaf, daß mir die Sinnen g'schwanden, G'schwanden, verschwinden, vergiengen. und muß rückwärts uf den Esterich g'fallen syn, und da g'legen sinnlos etlich Stunden lang, als du bald vermerken sollst.

Dann als ich anfieng nüwerdings z'hören, und d'Ougen ufthät, war's fast dämmerig um mich har, und hört ich ein wüst gelärmig Tosen unter mir, und ruschet Ruschet, rauschet, rauschte. und rasselt, und war doch des grimmen Schießens ein End, das den langen Tag über halt g'währt. Und hiermit saß ich uf, erspürt an dem rechten Schlaf ein'n großen Schmerz, griff also dran mit der Hand, und war's da naß von ytel Ytel, eitel, bloßem Blut, das dann us einer Wunden usgeloffcn. Doch so war der Bolz nit dur das Bein gangen, lag am Boden, und war auch viel Blutes uf dem Estrich vergossen, daß mich's Wunder nahm mines Lebens. Hiermit stand ich uf, und ersach der Enden zween Wasserkübel, die waren g'ordnet von Fürs wegen, wann die Burgundschen Büchsen in dem Thurm hätten zündt, und dankt ich da Gott von Herzen des kostbaren Labsals, sintemal ich durstet us der Maßen, und wusch auch daselbs min Wunde. Alsdann aber ich zu dem Tagloch schwankt, uszesechen, wie die Sach drussen stünd', und wollt hinabrufen in Schloßhof, daß sie kämen und Wacht ablösten, ach du lieber Himmelsfürst und Heiland! so wimmelt's im Hof von Menschen, und hört' ich ein wild Juchzen und Rären Rären, ein klangnachahmendes Wort. und allerley G'wältsch! und sach mit Herzenleid die burgundschen Artschebussirer lustig umherwandeln und Muthwill tryben, und sach leider Gottes nit von minen lieben Brüdern und Waffeng'nossen ein alleinzige Seel, so wyt ich umlugt. Da geschwand mir's abermal vor den Sinnen, und lag eine gut Wyl mit dem Kopf uf minen Armen, zerstieß mir d'Stirn, und wollt mir das Herz us dem Lib usfallen, also schwer druckt's an den Harnesch vorne. Und Anfangs dacht ich jach Jach, gählings, eiligst. hinunter in den Thurm, und gestracks den ersten den beßten Burgundschen oder Savoyschen Wicht zu erstechen, und glych den Tod zu lyden drum. Aber dann gedacht ich miner armen Mutter daheim, und gedacht auch, der allmächtig Gott hätt mich nunmalen ufg'spart, und sollt ich min Herren von Bern wohl nutzer syn in dem Schloß, wann durch muthwilligen frevelen Tod, und schlich darmit uf dem Esterich umhar voll Herzenleid, ob ich ein'n Winkel fünd, da ynzeschlüpfen, wenn des findlichen Volks harufzestygen käm.

Item so war da ein Stieglin zu einem Tubenhus, und waren Tuben in dem Hüslin, und wußt ich's wohl, dann sie noch den Tag waren g'füttret worden von dem alten wältschen Castellan. Indem kam ein Hunger über mich, und stieg ich uf in das Tubenhüslin, und aß da, sam Sam, als ob. ich ein Marder wär, etlich Tubeneyer us den Nestern, dann ich anders mir nit g'helfen kunnt. Derwyl ersach ich ein versteckt und finster Winkelin unter der Stieg zu dem Tubenschlag, und ersach an Stangen viel G'nistes ufg'hängt von Kuder, Kuder, Werg. und auch von Bohnen und wältschem Korn. Dasselbig warf ich vor semlichs Winkelin, und zoch ein alt Kalkfäßlin auch dar, und kroch in Gottes Namen also hinyn in das elend Eck, die Hellparten trostlich in dem Arm, diewyl ich dacht mins Lebens mich ganz ritterlich zu wehren, wenn das wär, daß mich die Find erspächeten an selbem Ort.

Darnach, unter der Obhut Gottes, schlief ich yn, und hat derselbig Schlaf mich bas erquickt, und schien der freudig Gottestag durch die Morgenlucke zum Esterich haryn, ,daß sich die Rothschwänzlin trefflich freuten, und sangen und herumflogen unterem Gebälk, auch Spinnen oder Mücklein haschten, darob mir ein groß Gelusten kam, zu beharren in der schönen Gottes-Welt.

Doch nit will ich dir lütteren Lütteren, erläutern, auseinandersetzen all die Noth derselben Zyt, die ich dann verbracht in miner Hurst, und uf dem Esterich; dann gar jammerselig mir die Tagesfrist zergieng, indem daß ich all Tritt und Tön unter mir vernahm, und dickmalen ynschlüpft in mein Hohl, Hohl, Höhle, Versteck. wann ich dacht, sie kämen dar und hätten miner ein Merk.

Von Gottes Gnaden aber g'schach mir ganz kein Unfall, und kam Niemand hargestiegen, denn der alt graubärtig Castellan, der etwa jeden Morgen in den Tubenschlag das Futter trug, und ich dann bald den armen Tuben stahl, diewyl's gut Hakerkernen war'n, und mir zu rechtem Trost erschossen, und durten mich die Tuben wohl, sagt ihnen auch fast mit Lachen : »Hätt ich euer Fecken, Fecken, Flügel. ihr! so brucht ich eures Futters nit: und gand, Gand, gehet. und holt im Feld euch andres, das Gott bescheren mög, ihr armen Schelmen!«

Noch so meld ich von dem andern Tag, und hört ich da früh am Morgen groß Gepfyf und Trummelschlachen im Schloß, und schussen ouch freudig mit Hakenbüchsen, und schuß mir drob das hell Wasser us den Augen, dann ich min Elend verspürt, also machtlos uf dem Thurm zu sitzen. Indem so gieng ich nach der Lucken, die dann zum burgundschen Läger sach, und spächte sorglich durch ein Spältlin im Luckenladen, den der Wind hatt zug'worfen, und ich mir nit getraut hinwieder ufzethun. Aber so hätt ich von Stund an erblinden mögen ob dem Greuel und Jammer, den min Ougen im Feld drussen leider angesachen! Angesachen, ansahen. Der barmherzig Gott syg ihnen gnädig, den getrüwen redlichen Kriegsknechten, die grusamlich gerichtet wurden von den heillosen burgundschen Diebsgesellen!

Gar ein langer truriger Zug kum us der Burgunden Läger, dann all in Hemden oder g'wandlos bis zum Gürtel zuchen unser lieben und biderben Waffenbrüder zu dem See, allda herrlich Böum in Menge stunden, auch Schiff bereit waren und Mordgesellen druff. So brach mir fast min Herz ob dem entsetzlichen Gesicht, und sach die frommen Eidgnossen ganz schwygsam gehn, die Händ uf ihren Rücken hinter sich bunden, allsammt mit Seilen an den Hälsen, ganz ehr- und schmucklos an G'stalt, daß es einen Stein erbarmt sollt haben. Groß Hufen aber der Burgundschen Herren und Söldner, Flamänder, Geldrer, Savoyer und tütsch Fryhartsknecht luffen zu, hatten ihr G'spött und Fatzwerk, und trummten oder bliesen auf den Hörnern ein gut eidgenössisch Feldstücklin, und muhten oder lüyten Muhten oder lühten, beides klangnachahmende Worte für das Kuh- und Stierengeschrei. als die Schwytzerküh, das dann ich eigenlich vernehmen kunnt, und mir das hell Wasser us den Ougen in Bachswyse rann, als nie zuvor.

Der handtlich und aber einfalt Hans Wyler zoch der allererst, und mußt übel sins liechten Glaubens entgelten, das doch ein harte Straf war, diewylen sust sines Muth's er ein'n tapfern Degen stellt. Ihm folgt gar nach der gut Hauptmann von Fryburg, und dann die Fähnlinträger, dann die Trummelschlacher und die Rottenführer, dann die Kriegsknecht selbs. O du barmherziger Gott, was guter und hübscher G'sellen das war'n, daß auch der Tod sie nit g'wollt hätt, wann ihm nit die Henker sie mit G'walt in d'Sensen hätten g'jagt!

Da freut mich noch ihr trutzllch ufrechtes Gehn, und sah'n die armen Lüt all links und bedurlich den See hinuf, da dannen unser Helfer von Fryburg und von Bern je kommen sollten. Und Wyler stand und redt mit Haupts Bewegung yfrig zu dem ungetrüwen Runtschan, der da spöttlich vorn uf sinem Roß hielt, und schlug darob ein anderer us der Maßen großer Herr mit einer Gläne Gläne, lange Ritterlanze. uf des Wylers Haupt, daß er's zur Syten henkt, als wär's ein Holderzweig, und wär vom Hagelschlag troffen.

Und indem, so waren da der Böswichten gnug, die unser fromm unschuldig Ehrenlüt an Böum ufzochen, und in d'Schiff hinstießen, und an den Seilen us den Schiffen in d's Wasser henkten, da sie dann elendiglich ertranken in d's Sees Grund. O weh, wie durt mich's der weidlichen G'sellen, die ich denn kannt und lieb hatt, und ein Theil mir gesippt waren von Mutter oder Vater har! Auch so waren Edelknecht da, und gar zart Jünkerlin, die mich dann in der Seel erbarmten, und hätt ein Glied um das ander dargeben mögen mins eignen Lybs, daß ich die errett hätt us der Mörder Händen, und heimg'fristet in die gut Stadt Bern. Also sach ich da mit Reuen und Thränen, anders gar nit, dann ein krank Wyb, die groß Unthat üben, und erkannt des Ersten min liebsten Waffenfründ den Gantner, glych zuvorderst an dem Todtenreigen. Der war also stark, daß er die Band zerrissen hätt, so er nit gern hätt sterben g'wollt in Mitte siner Brüdern. Und als ihn ein wältscher grimmiger Hatschirer neckt mit einem Lanzenspitz, nahm der stark Mann ein'n Ansatz uf ihn, und stieß ihn derg'stalten mit dem Fuß in Unterlyb, daß er für Tod darnider sank, und vil der Finds Stimmen dem mannhaften Eidgnossen Lob zuriefen, dann redlicher Herren und g'meiner Krieger je gnug in dem Lager waren, die des greulichen Mords und Meineyds ein Mißfallen hatten, der leider Gottes an unsern Lüten hiermit beschach.

Da starb der alt Rybo, der dann mit Wundmalen ganz überdeckt und allzyt sighaft in Schlachten und Stürmen der Vormann war. Item erkannt' ich den Caspar Sunnenfroh, und ward keiner zukünftigen Sunne mehr froh, der just ein gar freudiger G'sell war g'wesen, und hatt uns dickmalen erfreut mit poßlicher Red in der grusamen Noth der Belägerung. Item war da der stark Peter Strub, der hatt's etwa je verdient an den gottlosen Wältschen, daß sie gar vorus ihn hasseten; denn er am Sturm selbs eigen ihrer sieben von der Sturmleiter g'stochen. So gieng auch der schwarz Lappo, der lang Zigerli, der hübsch Werder, der rych Noll, der Runst, der Freney, der Huber, der Schütz, der Wanner ganz ufg'hebten Ufghebten, aufgehobnen. Kopfs und ritterlich in den Tod. Aber der arm Häniggi wüscht sin Ougen mit dem Knie, denn er min junge Bas, die Cathri Wyßhan, des Lienhards Töchterlin, sollt g'freyet han nach dem leidigen Krieg, und war er allwegen ein frischer redlicher G'sell, der freysamen Berner Einer.

Ja erbarm sich Gott ob solchem greulichen und wortbrüchigen Mord, der dann also vollzogen ward! Und der gerecht Vater in dem Himmelsthron hat's ihnen auch vergolten, den meineiden Lotterbuben. Aber unser fromm Eidgnossen sind zu der Heilgen Märtrerschaar versammlet, als ich das zu Gotts Barmherzigkeit wohl vertruw. Will s' auch nit all vernamsen, die ich dann erkannt by dem marterllchen Tod, und wie der Hübschi und der Hetzel, die zween jungen, rosenrothen und fast stattlichen Knaben, inbrünstig an einander fielen, und sich küsseten, und doch nit die Armen kunnten losmachen, daß s' sich umhalset hätten da zum letzten Segensgruß.

Aber mit der Wahrheit sag' ich auch, daß ihrer Zween old Old, oder, noch jetzt im Oberland üblich. Drey der G'sellen dahinfuhren in schwerer Sünd, und nit gern vom Leben gescheiden mochten, dann sie fast liederlich und unwerth waren, unser ung'scholten Farb und eidgnössisch Krütz zu tragen, der ich dann dieselben Namen billig in Vergessenheit ruck, und aber wohl ersach, wie die drey Schälker Schälker, eigentlich Einer, der Andere zu Schälken macht, und sie Schälke schilt, gewöhnlich selbst ein Schalk. zag und leider ganz unehrlich in den bittern Tod sich gaben. Item ist wohl zu glauben, min herzlieber Fründ und Schwager! daß solch Leid und großer Jammer dazemalen mir min Herz wollt abg'stoßen han, indem daß ich allein dieselb Noth getragen mußt, der dann ach leider gnug war, ein ganze Stadt Bern zu Kummer und Trurigkeit zu nöthen. Nöthen, nöthigen. Und weint ich solchergestalten für die Väter und Mütter und Ehfrauen all mit minen armen zwyen Ougen, daß ich schluchzet überlut, und zu dem Himmel schrüw, als der ich ganz nüt achtet mines Lebens, und mich wohl die Söldner in dem Schloßhof da vernommen hätten, wenn nit ihr Getrummel und Juchzen aller Ohren ganz hätten erfüllet.

Und also mit beschwertem Herzen schlich ich g'machsam G'machsam, leise, langsam. in min finster Eck hinyn, daß ich da miner Thränen mich ganz entschütt, und sach auch da min schwarz Elend dütlich vor den Ougen, wie dann ich burgundscher G'walt nit entrünnen möcht, und also glych den thüren Kriegsg'sellen über Kurz würd schändlichen ermürdt am Boume hangen. Schlief also dieselb Nacht wenig, und tos't mir all Stund in Ohren der Burgunden gottlos Trummen und G'johl G'johl, Gejubel. und spöttlich Feldgeschrey.

Hiermit am andern Morgen, da ich denn us minen heissen Ougen sach zun Böumen, wa die frommen Eidgnossen also jämmerlich dran hingen, sach ich ouch, wie ein G'sell selbander uf einem schwarzen Roß darunter ritt, und hatt gar ein'n schmucken Gspanen old Knaben hinter sich sitzen, und stach der Alt da frevenlich zu den armen Todtnen mit sinem Spieß, trib auch vil unnützen Wesens bis er dann harritt zu dem Städtlin und dur d'Gaß in das Schloß, und ich mit ganz betrübtem Muth den leidigen Vetter mit dem rothen Schopf erkannt, der gar hochmüthig ynherpranget, und thät, als hätt er selbs sines großen Muls dieselben Eidgenossen all g'fressen. Und also gieng er da stolzen Schritt's mit gespreitzten Storchenbeinen in dem Schloßhof um, und sin G'span der trippelt sittsam hinter ihm, und hielt sich ganz gebührlich, als es jungen Reiterknaben wohl geziemt.

Darnach desselben Tages uf den Abend, da ich denn an d'Lucken stand, und gar sehnsüchtig ussach gegen Vamerkü und Nüwenburg, diewyl ich doch der guten Eidg'nossen Zukunft allstets geharrete, schaut' ich ouch niedsich Niedsich, niederwärts. uf der obern Syte an dem Thurm, und achtet da im Graben ein paar Gartenbett, und einen artlichen Gesellen, der im Herd Herd, Erde. mit einer Schufel schaltet. Und alsobald erkannt' ich desselben Rothschopfs von Yfferten G'spanen, der also einsamlich da gartnet, Gartnet, Gartenarbeit machte. und dücht Dücht, däuchte. mich das in solchem Kriegslauf ganz absonderlich. Aber grad indem ich wundershalb mich recht vorstreckt, daß ich den hübschen Gsellen bas ersechen möcht, bückt er sich, ein Würzlin ufzuheben, und fiel sin Biret Biret, Baret. ihm vom Houpt, und sach ich fast entsitzt ein lange Haarzüpfen als luter Golddraht von dem Houpte niederwischen. Deß erschrack der jung G'sell und rafft s' mit b'hender Fust zusammen, daß er sie wiedrum berg mit dem schwarzsammtenen Biret. Hatt aber ich gnug g'sechen, und sagt mir's auch min Herz mit starkem Poch, daß die jung Maid, die Schanne, in dem Reuterwämsel steck, und nahm ich einen Freudensatz, und merkt da Gottes Finger.

Alsbald dann gedacht' ich, mich dem tugendsamen Mägdlin kund zu geben, und wußt erst doch nit wie, und gab mir's da der Geist am fürdersamsten yn, als du vernehmen sollt. Denn ganz getrosten Muths zoch ich das silbern Krützlin mit dem Herrgott us dem Busen, sach ihn bittlich an, und sprach: »Du Helfer in der Seelennoth, bist auch in Lybesnoth beholfen, so dir ein Menschenkind recht vertruwt!« und darmit kriegt ich etlich Schnür zur Hand, als deren gnug an alten Fischgarnen unter'm Dach hingen, und band das Cruzfix dran, und ließ dasselb hinunter, daß es grad vor d's Mägdlins Ougen uf dem schwarzen Herd erglas't. Erglas't, erglänzte. O Sammer potz O Sammer potz, wieder eine verderbte Betheurungsformel. Wunder! wie die Magd ufwitscht da, und zufuhr zu dem Herrgott, und ihn ufhub und an's Mündlin drückt! Erkannt auch sicher, daß es sin lieb Kruzfix wär van Yfferten, und sach gar stunig Stunig, staunend, nach Art eines Staunenden. uf am Thurm, wie doch der Schatz ihm obenhar syg kommen, und stellt sich ufrecht mit ganz verwunderter Gebärd.

Diewylen aber der bös Menschenfind in alles gut Gesäm sin Unkrut streuet, also b'schach auch jitzt zu großer Noth mir armen unfreywilligen Thurmwart droben. Dann in selbem Ougenblick rief's von dem Thürlin, so zum Graben und zu denselben Gartenbetten gieng: »Ho Schanne, ho!« und streckt der Vetter Rothschopf sinen langen Hals hervor, und fuhr die Schanne ganz verschreckt zusammen. Und wyl sie grad das Schnürlin losz'machen von dem Cruzfix ang'hoben, das doch ihr nit alsbald gerathen mocht, so riß ich's wiedrum uf, und meynt, der Rothschopf sollt es nit vermerkt han, und zoch's nur emsiglich in die Höh. Da sprang jedennoch der Lurian Eines Satzes die 6 old 7 Tritt hinab in Graben, kehrt sich um, erhub sin Butzengsicht, Butzengsicht, Fratzen- oder Maskengesicht. und sach das Bildlin hurtig uf zu dem Gibel fahren.

Hiermit so stieß er ein greuliche Scheltred us, macht zu der Schanne grimmig eine Fust, und kehrt angehnds hastig um, und merkt ich glych, dem Wicht syg all's verdächtig an dem Handel, daß er stracklichen Stracklichen, gestracks. ouch kommen würd, im Esterich zu spächen, wo selbes Cruzfix hargeschwebt. Darob verzichtet ich mich mines Lebens gar, und stellt mich by dem Kalkfäßlin, daß mir's ein Schild mög syn, und stand allda in grader, ganz ufrechter Wise, als ein Mann thut vor dem Find. Ergriff auch die Hellparten, und war zu strytbarer Wehre ganz bereit; dann ich der Gnad und schmählichen Verhaftung nüt begehrt, und gern den Tod erlitten hätt, um daß ich Schimpfes von den Mördern ledig gieng.

Indem so hallt des Rothschopfs Tritt auch ungestüm den Thurm haruf, und zittert der Estrich, und meynt ich anders nit, dann ihrer Sieben wären's, so es doch der Vetter alleinig war. Dann durch die Gnad des guten Gottes war ihm so gach, des G'wunders G'wunders, Neugier. und des Zornes halb, daß er ußer Athem all die Stiegen uf lüff, und Niemandem nüt sagt, was er vorhätt, auch selbs sich truwt siner Mannheit, so Gefährd obhanden. Darmit schoß er als roth und heftig har, als ein Fürpfyl von der Armbrost thut, und ersach mich auch ganz unverzogenlich, Unverzogenlich, unverzüglich. – Rungen, rangen. erkannt mich alsobald, und schimpft von tüflischem Bären etwas, und rannt mich an mit mordlicher Begir, ein lang gerad Schwert in sinen Fustknorren. Diewyl er aber ganz erblindt war vor großem Zorn, und ich uf miner Huth, so schlug ich dasselb Schwerd mit einem Streich darnieder, und fuhr mir die Hellparten an Boden in das hölzern Estrich, daß sie tief gestack, und ich s' nit hurtig mehr erheben kunnt, und glych der Wicht sin Schwerdt am Boden ließ, daß er sin guten Dolch möcht zucken von dem Gurt. Deßglychen thät auch ich, und rungen wir da grimmiglich, dann er ein starker Mann in sinen Vierzig, und ich ein Knab von Vier und zwanzig war, doch nit von Ungelenkigen. Darmit gerieth er einen Stoß usführen, der dann wohl Hürnin Sigfrid Hürnin Sigfrid, der gehörnte Siegfried, der Held des Nibelungen-Liedes. durchstochen hätt, und aber ich mit Bucken ihm b'hend entglitt, und von unten drath Drath, gleich, gerade und rasch zu. den Widerstoß gab, der dann in d's Lebig Lebig, das Lebendige. gieng, und fiel der Rothschopf in sin Blut, item und verblich da schnellen Tods; der Herr genade siner zornigen Seele!

Darüber war ich fast erschöpft von Athem und Kraft, und warf mich hin uf altes Gräsp Gräsp, Abfall von dürren Gestäude u. dergl. in einem Winkel, und wußt nit, wo der Kopf mir ständ. Und aber vernahm ich bald ein leis Uftreten von der Stieg, und spächt zum Stiegenloch in des Estrichs Mitten, und kam da hübschlich ufzuducken die gut Magd in dem Rütterskleid, gar tugendsam, und aber zaghaftig an dem ganzen Lyb erzitternde. Da winkt ich ihr zur Erd, wo der Vetter blutet, und ward das Mägdlin ganz erschrocken, rang auch sin Armen, und wollt fast vergangen syn vor Angst und Kümmernuß. Mit dem so stund ich uf, zoch glych das Cruzfix wiedrum us dem Busen, hielt's dem Dirnel hin, und sprach: »Der mög uns g'helfen allen Beeden!« – und gab's ihr. Deß ward das Mägdlein ganz muthig, sagt auch zu dütsch: »Ja wahrlig, Amen!« schlug die Hand an d'Stirn, und stand ein gute Wyl fast gedankenvoll, warf dann ihr Händ zusammen, macht mir Zeichen nach dem todtnen Mann, und daß ich anzöch sin G'wand, und sagt zu guter Letze noch: »Abend, finster, finster, kommen, flüch, flüch!« – – und huscht darmit wieder die Stieg hinab.

So hatt' ich Werrichs gnug denn an der Kunkel; dann ich voller Angst war, daß der Stryt und das Gestampf im Thurm vernommen worden, und der Kriegsknecht etlich auch den Rothschopf hätten ylen g'sechen uf der Stieg. Um dessen willen dann so zoch ich bald den Lychnam fort in d's Eck bym Tubenschlag, und nahm das Wams ihm ab und die zween Rütterstiefel und den Kragen und die Bickelhaub mit dem Federstruß der Farb von Romunt, der dann stolz herunterwäiht. Und glych des Beßten, als ich mocht, vermummelt ich mich in all die Stück, und sach da ganz findlich us, daß ich schier mir gehaß Gehaß, Haß tragend. ward drob, und luschet in gutem Versteck uf den Abend; denn ich ein Vertruwen hatt zur jungen Maid, diewyl sie gar nit dem Vetter hold gewesen.

Kam also die Nacht mit dicker Finsternuß, darum daß der Himmel mondlos war, und hört ich gegen Eilf die Wacht im Hof ablösen, und dußet Dußet (jetzt düßelet), schlich, wie z.B. auf den Zehen. da die getreu Schanne har, die Stieg uf, hatt ein Sprenzel brönnig Kienholz in der Hand, und winkt mir zu vom Stiegenloch.

O du milder Gott in dinem Himmel, wie das Herz in miner Brust da pocht! Die Stiefel unter'm Arm, und die Hellparten in miner Rechten trippelt ich – als etwa Kilter thun – dem Mägdlin nach, und war glych ihm dann im Rücken, und gieng dasselb mit großem Vorbedacht hinunter, lurt auch styf Lurt styf, lauert scharf und genau. an jedem Eck in all Böden des Thurms hinab, und winkt mir ganz schwygsam mit der klynen wyßen Hand, ohn Gesichtes Umkehr, bis hinab in Kellerhals. Und als wir bald durch d's kühl Geschoß des Kellers giengen, flimmt uns zu sondrem Schreck ein Lichtlin zu, und erkannt ich plötzlich den Castellan, der by dem Grabenthürlin an dem Riegel stieß, und aber doch zu großem Glück uns den Rücken wandt. Indem so warf die Maid den Sprenzel, der angehnds schier erloschen war, zu Boden, trat die rothe Gluth mit Füßen, schob da mich in ein Winkelin, und sprach mit Flüstern ein hurtigs Adeh, und luff voll Angst die Kellertrepp' hinuf.

So kam jedennoch der gut Castellan mit sinem hornigen Laternlin bald vom Thürlin wieder z'ruck, und zündet schlechtlich vor sich har, pfiff auch ein lute Wys, dann ihm's nit gehür mocht syn in dem wyten Kellerg'wölb. Und also gieng er auch fürbas an dem Winkelin, da ich mich schmuckt Schmuckt, schmiegte. und ynthat als ein Häslin in den Kabisstauden, merkt ganz miner nüt, und stieg die Trepp' uf wohlgemuth. Hiermit aber so merkt ich, daß die Maid mich wollen durch d's Thürlin in den Graben beleiten, und hofft ich sicher, daß dort Entkommens Rath sollte syn, und ylt alsobald demselben Thürlin zu. Da war der Riegel bald zuruck zogen, und sprang ich die Tritt so frisch hinab, als vor der Rothschopf ouch gethan, und luff den Graben quer an die ußer Grabenmur, und sucht da, wo ich ufklimmen möcht, und in's Frey entwitscht. Aber lang war daselbs kein Rath, und zagt ich schier, und fiel darüber uf den Grund, diewyl ein harter Stecken mir zwischen die Füß gerathen. Mit dem so griff ich zu dem Stecken hin, und war's die Schufel der getrüwen Schanne, die mir dann zu gutem Bruche ward. Denn ich faßt ein'n Anschlag jitzt und steckt die gut Hellparten obwärts in ein'n Mauerspalt, und unterwärts den Schufelstiel, und also trat ich uf, zoch glich den Schufelstiel mit Bücken wieder hoch, und steckt ihn über der Hellparten yn und macht mir eine Hühnerstieg mit Sedeln, Sedeln, Sprossen. Kehr um Kehr, indem daß zwüschen dem G'stein der Riß und Spälten g'nug war, min G'räth hinyn zu stecken, und kam ich so mit Gottes und St.Jürgen Hülf us allem Graben in das Frey, und hätt auch schier gejuchzt vor Herzensfreud, so war mir's hell zu Muthe.

Darnach so luff ich drath den Reben zu nach den Enden von Schloß Vamerkü, und hatt' ich doch die Stiefel in dem Graben abg'worfen, daß ich fryer Händ gewünn, und hatt keine Schuch an Füßen, sintemal ich s' uf dem Estrich abzogen, daß ich dest hübschlicher Dest hübschlicher, desto leiser. die Stieg im Thurm abgieng. So stieß ich leider, als ich doch ein halbe Myl geloffen, an ein'n heillosen Stein, daß ich vor Schmerzen an den Zeh'n ein'n Gell Gell, gellender Schrei. usließ, und da zur Erde fiel, doch hurtig uf den Vieren sytwärts kroch, daß nit eine Streifwach käm mich ufzelesen, und der letzt Kummer mir ärger würd, dann der erst.

Aber der gnädig Gott behüt't mich allda des baßten, und lag ich unter einem Hufen Rebstecken wohl versorgt, denn in den stotzigen Rein Stotzigen Rein, steilen Abhang, Hügellehne. daselbs waren zweu stark Pfähl getriben, die dann schräg harus standen, und lag uf diesen ganz frey ein Bürdlin bygete Bygete, aufgestapelte Rebstecken, daß drunter ein gut trocken G'hältlin G'hältlin, Gehältlein, Unterschlauf. war, und ich mich bergen kunnt, und aber bald in einen harten Schlaf verfiel, diewyl ich selbigen Tags an Lyb und Seel viel Arbeit usgeharret.

In solchem nun, als ich da schlief, am dritten Tag des Märzens in der Früh bekam ich Träum von guter Anzeig, und vermeint daheim z'syn an der Engihalden und der gueten Muetter zweu Küh da melken; hört anch ein lustig Dringeln wie von Kuhglöcklin, und ein Muhen und Gebrüll, als wär's der Stier, und wacht ich drüber uf, und wischt min Ougen, und hört aber den Stier da lüyen fort und fort, daß ich gar nit wußt wie mir beschächen. Mit dem so kroch ich unter dem Rebstecken Dach an offnen Luft, und ersach da ganz verwunderlich ein volkrych Ziechen oberhalb und unterhalb und hinterhalb, und hört die Harschhörner, Harschhörner, Kriegshörner. Die von Luzern waren berühmt als ein Geschenk Kaiser Karls des Großen. die ich dann erkannt der tapfern Lüten von Luzern zu syn, und oberhalb die Kuh von Schwyz Kuh von Schwytz, Name eines Harschhornes der Schwyzer, so wie der Stier von Uri dasjenige der Urner war; wiewohl man auch den Bläser desselben so benannte. und etlich Trummen, daß mir's d's Herz im Lyb erfreut, und als ein g'sunder Brunnen in all Glieder schoß.

So luff ich ung'sumt dem nächsten Hufen zu, dann ich jitz der Eidg'nossen sondre Lust und Ordnung als zu einer Schlacht erkannt, und kam da barfuß an ein paar G'sellen, die dann mit zur nächsten Schaar dur d'Reben lüffen. Und einer hatt' ein'n Wetschger, Wetschger, kleiner Mantelsack. und ein paar Schuh druf bunden, denselben ich dann anrief um die Schuh, und war's von gutem Schick der Boumgartner von Bern, ein Pfister an der Krützgaß, den ich fast wohl bekannt. Der kannt auch mich hinwieder und wundert ihn min's Ufzugs us der Maaßen, und gab mir glych die Schuch, die dann mir paßlich zun Füßen war'n, und luffen wir fürbas dem Hufen von Luzern hintennach, und waren auch ander gut Berner da, die sich in dem Dörflin, allwo sie g'schlafen, schier versumet Versumet, versäumt. und ihres Weges verirret hatten, mit Namen Rieder, Löublin, Gosteli, Tentenberg und Tremp. Die luffen all mit mir des baßten, daß sie nur an's Schlachen kämen, wo's dann wär, und kamen also sammethaft zum Fahnen von Luzern, da uns frohlocket ward; dann selben Tags ein jeglicher Eidg'noß des andern Bruder hieß, und's auch mit sinem Blut besiegelt wollt han.

Indem so war der Struß schon allerorten angangen, und krachet des Karlis G'schütz als mordlich, als die Donnerkläpf vom Himmel thun, und waren die Biderben von Bern und Fryburg zumeist vor uns unterhalb bey der Carthus, Carthus, Carthause, ein Kloster oberhalb Grandson am See, La Lance geheißen und oberhalb die redlichen G'sellen von Schwytz und Thun, die dann schon hart gedrängt im Anlouf hielten vor den burgundischen Cürasseren. Item druckten die von Zürich, Solothurn, Uri, und andern Orten als die Nothfesten und Sigsbegyrigen tapfer nach. Darmit so sprang von uns die vorderst Rott den Nothvesten getrostlich zu, und sach ich da des ersten den großmächtigen wältschen Herrn, der dann Hannsen Wyler, als ich oben vermeldt, uf d's Houpt geschlachen. Derselb g'waltig Ritter saß uf einem schwarzen Hengst, und trug ein Panner hoch in siner Linken, hielt den Zaum im Mul, und packt im selben Ougenblick mit siner Rechten also fest das Fähnlin derer von Schwytz, daß der Fähnrich sam ein Ochs schrie Hülffio. Mit solchem war ein G'sell da glych zur Hand, der Elsner von Luzern, der riß mit dem Widerhacken an der Hellparten dem Rittersmann sin Panner g'waltig us der Luft herab, und kam ich an der andern Syten by. und stach den Herren unterm Arm hinyn, und fiel derselb mit Tosen uf den Grund, und buckt ich mich zu ihm sprechende: »Das ist für Hannsen Wyler, den du ganz unehrlich und unritterlich g'schlagen hast!« Und als ich stracks zu minem Dolch zu gryffen dacht, ob's Noth wär, dem starken Mann die Letze zu geben, kriegt ich ein'n solchen Streich ufs Hinterhoupt, daß ich sinnlos über'n Ritter stürzt, und mir die Bickelhaub vom Kopf sprang, auch in dem Nacken Blut harunterriselt. Denselben Streich hat aber Gott gewendt, daß ich nit Tods verfuhr, dann er von einem Morgensternen Morgenstern, eine bekannte Kriegswaffe, eine Keule mit eisernen Spitzen. kam, und leider ihn ein Schwytzer mir gereckt, Gereckt, gereicht. diewyl ich unbedacht den Helm mit dem Romuntschen Struß ufhätt, und also mich der redlich Eidgnoß für burgundsch ang'sechen, als ob ich wollt' hülflich syn dem großen Herrn.

Deßhalben so b'richt ich wyter nit von derselben Schlacht, dann ich schier uf ein Stund da gelag, und miner nit wissend war, und erst erwacht zu Tag, als lang der Suß und Toß Der Suß und Toß, das Sausen und Tosen. des harten Stryts am selben Ort fürbas geruschet, und ich einsamlich unter Todtnen und Todtwunden mich an der Erden fand. Doch als ich bald des Baßten mich erholt, und in der Nähe Schnee an einem Zune lag, da kroch ich zu, und rieb min wunden Hals, erlabt auch min dürre Zung und Lefzen, stand fürdersam mit sothaner Erquickung uf, und übersach die nächst Wahlstatt zu großer Freud, dann unsrer guten Eidgnossen nur drey old vier da ertödt uf dem Grund lagen, und Einer wund, sam ich, am Haupt, und aber an die vierzig Rüter, zumeist edel, sammt vil zerstochener und g'schändter Rossen.

Diewyl ich dann den großen Gwaltsritter mit miner eignen Fust erschlachen, dacht ich billig ouch derselben Bütt theilhaflig syn, und zoch ihm da zwo güldin Ketten ab dem Hals und silbern übergüldt Sporen von den Stiefeln, und nahm das köstlich Schwerdt und den herrlichen Helm zu Handen, und schleppt sothanen Last bergunter, daß ich wiedrum zun Eidgnoßen käm. Dieselbigen aber jagten eins Theils den burgundschen Züg uf siner hellen Flucht, und eins Theils entplünderten sie das rych, kostlich, burgundisch Läger, und Ettlich hüteten des Schlosses von Gransee, daß die G'sellen, die's dann inne hatten, nit entwitschten. Derselben Rott denn kam ich des Nächsten by, und nahm mich da der alt Schärer Meyenberg in sine Pfleg, dann er by einem klynen Hüslin sin Arznykästen ufg'schlagen hätt, und arznet Arznet, machte den Arzt, heilte. da flyßig die wunden Eidgnossen, vorab die von Bern sin Landslüt, und hatt G'hülfen um sich, den Sterr und den Käsli, die dann trüwlich der Sach warteten.

Darmit kriegt ich ein Pflaster uf den Nacken und ward erfrischt mit einem Wundtrank, und erzeigt sich's daß die Letzung nit zum Argen wär, und gieng ich da hinab zum See, daß ich hülf an selbem End die getrüwen Berner von den Böumen lösen, die fast schmachlichen noch an dem Wind und der Sunne hingen; ich aber ganz christenlich hielt, denselben frommen Lüten vorab ihr schuldig Ehr zu thun, und nit im Läger Sackmann z'machen, als die Unbesinnten.

Hinwiederum so will ich nit lütteren, was ich nüwen Herzenleids allda erfuhr, und wie die sighaften Berner als g'mach darkommen sind, und die von Fryburg deßglych, und Mannicher da Vater, Bruder, Suhn also ehrlos g'mürdt und g'richtet fand, und groß Wehklagen erhub, und harentgegen die ganz freudig waren, so die Ihren allda nit fanden, ob s' ouch waren Zusätzer g'syn, und aber im redlichen Sturm oder von G'schützes Wurf waren niederg'legt worden. Hiermit an so mußt ich daselbs ussagen allen Handel, und B'scheid geben den biderben Bernern, der dann vil die vornehmsten, als der Brüggler und der Kuttler, die zween Vennern, und zu allerletzt der herrlich Ritter und Feldhauptmann von Scharnachthal, mit mir zu fründlicher Zweysprach kamen, auch mir verhießen das Baßt Das Baßt, das Beßte. reden, daß ein gut Stadt Bern mir ein ehrlich Schmerzengeld zahlt, das auch füra b'schechen ist.

Und indem ich da verzählt, schoß etlichen röschen Röschen, rüstigen. G'sellen das Blut in Kammen, und riefen, die Schmach sollt g'rochen syn, und wollten s' glych im Sturm das Schloß wieder nehmen, und was dann der burgundschen Böswichtern drin wär, das sollt erstochen syn ohn Widerred und Gnad. Luffen also Leitern z'holen by den Schüren da herum und Balken und Bretter, und huben an ganz mannlich stürmen, daß die Burgundschen Pardon schrüwen us ganzer Macht, ouch ihrer vil von hinten in einem alten Schiff uf den See, die doch in Kurzem untergiengen, diewylen der ful Schiffboden die Fahrt nit g'halten mocht. Darob so ertrank der schändlichen Buben ein Theil, wie s' ein Theil der Eidgnossen auch ertränkt hatten, und darnach der ander Theil kam um durch's Schwerdt, das dann die Straff des gerechten Gottes war ob ihnen und es Niemand duren Duren, dauern, jammern. wollt, auch unser die Frömmsten nit.

Der Sturm und Anlauf zu dem Schloß geschach dann namlichen mit gar großem Drang, und hätten s' sich doch die Köpf am G'mür zerschlagen ohn sondre Frucht, wenn nit ich da mit Rath wär z'Hilf kommen. Und führt ich also heimlich an die zwölf der wehrhaftesten Knechten zu dem Graben, und liessen uns hinab, und kamen jensyts an das klyn Thürlin, schlugens yn, und drangen glych die Stieg hinuf, allwo ich vor entrunnen war, und g'riethen den Burgunden in Rücken, daß sie gar im Sack und verloren waren.

Doch aber mir stand min Herz der Gedanken voll, und war ganz kummerhaft von wegen der trüwen Maid, die mich also hülflich zweymal mines Lebens g'fristet, und rannt ich, als hätt ich unter'n Füssen ytel Für, die Trepp hinuf in Thurm, nit achtende daselbs der findlichen Gesellen, die dann in der untern Halle ganz bereit zur Wehre standen; sintemal mir z'gach Gach, eilig, dringend. war zu dem Castellan, und daß ich die gut Maid erfragen mögt. Darob kam ich an das Kämmerlin des Castellans und pocht in aller Hast des mächtigsten an, und war drin der Rigel g'schoben, und vernahm ich ein lut Bethen und Gestöhn allda; so doch daß der Rigel zruckg'schoben ward innerhalb, und ich den armen Castellan zusammt dem frommen Mägdlin da ersach, die dann beyd sich niederwarfen vor dem Heiligenbild am Fenster, und mit luter Stimm zum Himmel flecheten.

Deß ward min Herz noch bas bewegt, und warf mich drath zwischen all die Beyd, und schlung min Armen rechts old links um sie, und bethet auch inbrünstig, und danket dem Heiland, daß er mich ließ g'sund die Beyden also finden; bat auch, daß er gnädiglich mir b'hulfen wär, uf daß ich sie schützt in solchem Sturm und Ueberdrang. Und dücht aller der Handel die armen zwo verzagten Seelen fast wunderlich, verstanden nit, ob's G'spött sollte syn, und sachen mich b'harrlich an, bis bald die Magd mich da erkannt, und mir die Hand ergriff und sie druckt an ihr klopfend Herz, auch ganz beweglich sprach: »Pardon« und »Gut, gut Eidgnoß!« darüber mir fast etwas Lachens kam, und doch mich duret der zwey armen Lüten, und sie tröstet us ganzer miner Kraft.

Da war ich glych entschlossen, hub sie von der Erd, und führt s' Beyde sitzen uf ein klyn schlecht Lotterbett daselbs, und ließ die Thür ganz offen, stellt mich dar mit der Hellparten uf die Schwell, und hielt da G'wahrsame, als gölt's ein'n Herzogen z'hüten.

Derwylen toßt's im Thurm ganz grusamlich, und wurden ohn Gnad die Burgunden und Savoyschen all erstochen um der thüren, mordlich erwürgten Eidgnossen willen, und hört man schrecklich Gebrüel und Gerumpel, ward auch plündert und zerschlagen und yng'rissen, wie dann Jedem wohlgefiel. Jedennoch als die Sturmg'sellen jitzo haruf die Stieg und zum Kämmerlin kamen, da war der erst min G'sippter, der jung Eigensatz, und ruft ich den ouch an, und sagt ihm kurz den Handel, wie der wär, indem daß ich den alten redlichen Castellan und sin junge Bas bewahr, und die mir trüwlich us dem Schloß und von dem schmachlichen Tod ghulfen, und stand mir also der jung G'sell ganz freudiglich zur Syten, daß uns Niemand Leides thät oder abbrächt von der Gewahrsame, Gewahrsame, Obdach, Huth. die ich da schuldig war.

In solcher G'stalt dann, lieber Fründ und Schwager Barthlome! behuben mir daz'malen unser Sach, und rett't ich mit Hülf des gnädigen Gottes hinwiederum die jung rechtschaffen Magd, die miner Mutter alleinigen Suhn erlöst hatt.

Und füra Füra, sofort. so half ouch der andern guten Kriegsg'spanen Mancher, doch vorab der Rottmeister Zurkinden, ein gar erfahrner usbündiger Kriegsheld, und ward durch Aller Hülf dem Castellan und der jungen Schanne, die dann in Wahrheit siner Schwöster einzig Töchterlin war, ihr schmal Gut errett't us aller Plünderung, und konnt der Castellan ganz wohl die dütsch Sprach, damit er denn mir danket us der Maaßen, und mir Liebs und Guts ouch sagt von der hübschen Bas. Darüber so hört ich etwas Grunds, daß sie derg'stalten redlich mir gholfen in der Noth, das doch mich schier verschmeyet Verschmeyet, verblüfft, verdutzt. hätt, sintemal die Magd mir us der Maaßen lieblich war in Ougen. Und sollst du wissen, lieber Fründ! daß sie brüttlich ang'lobt Brüttlich ang'lobt, bräutlich verlobt. war einem frischen Junggesellen, der zu Losann war by einem Meister, und aber mir fast glychen thät von Gsühn Gsühn, Aussehen und Art ( l'air) und rundem Ang'sicht. Hätt jedennoch daz'malen ich lieber gwollt, um min selbs willen die warm hülflich Hand g'funden z'han.

Da faßt ich aber mir ein rechtes Herz, nahm allbeyd die zwo güldnen Ketten, die ich von dem Tschattegyon gwunnen hätt, dann ich's wohl vernahm anjitzt, wer der gwaltig Rittersmann gewesen, und hieng die Kettinen der Magd an Hals, und küßt sie sam ein Bruder uf das rosenhaft Mündlin, und ward drob in minem Herzen ganz freudenvoll, verluff sich auch derg'stalten min Angst und Noth von selbem Kriegeszug in Lustbarkeit und guten Friden.

Hiermit so hast du, lieber Fründ und Schwager! all die G'schichten, die du dickmals mir verlangt, und schick sie mir am Märt Märt, Markt, Jahrmarkt. in Fründlichkeit ouch wiederum anheim, daß ich s' spar' dem jungen Husvölklin und sie's ouch erfahren, wie der gütig Gott mit mir g'wesen! Und wahr dich derselbig g'sund in Ehren, wünscht dir din trüwer Fründ und Bruder

Hänslin in der Gruob.








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