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Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen

Friedrich von Hagedorn: Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen - Kapitel 7
Quellenangabe
typefable
booktitleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
authorFriedrich von Hagedorn
firstpub1738
year1974
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag
addressStuttgart
isbn3-476-00300-0
titleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
created20041129
sendergerd.bouillon
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Das Delphische Orakel und der Gottlose.

        Ein Schüler des Diagoras,Diagoras gehöret zu den Ungläubigen des Heidenthums, die man von den gemeinen durch den Namen eines Atheisten, unter welchem dieser bekannt ist, zu unterscheiden pflegte. Er verrieth die Geheimnisse des Aberglaubens in Athen; und der Haß oder die Klugheit seiner Feinde ging endlich so weit, daß sie demjenigen eine nicht geringe Belohnung verhiessen, welcher diesen gefährlichen Spötter lebendig oder todt ihnen liefern würde. Hic post captam Melum Athenis habitavit & mysteria adeo contempsit, vt multos induceret, ne sacra susciperent. Quare Athenienses, eo proscripto, non solum voce praeconis pronuntiari, sed etiam aereae columnae inscribi iusserunt, eum qui Diagoram occidisset, talentum; qui vero vivum adduxisset, duo talenta accepturum esse. Hoc autem Athenienses fecerunt propter eius impietatem, quod mysteria omnibus enuntiaret, eaque evulgans & despiciens, illos etiam, qui sacris initiari volebant a proposito isto dehortaretur. &c. Suidas, in voce Diagoras Melius, Tom. I. pag. 550. 551.
Ein Bösewicht, der wenig glaubte,
Und seinem frechen Götterhaß
Die größte Frevelthat erlaubte,
Ging einstens, aus verruchtem Sinn,
Nach Delphos zum Orakel hin,
Mit atheistischem Vergnügen
Den Gott der Dichtkunst zu betrügen.

    O Phoebus, (sprach er) dein Verstand
Erforschet die geheimsten Dinge.
Hier halt ich etwas in der Hand,
Das ich für dich zum Opfer bringe.
Du Sohn Latonens, gib Bericht:
Ist es am Leben oder nicht?
Du weißt, es dient zu deiner Ehre,
Daß ich von dir die Wahrheit höre.

    Er dachte: giebt man zum Bescheid:
Dein Vogel ist nicht mehr am Leben;
So will ich schon zu rechter Zeit
Ihm Flug und Freiheit wiedergeben.
Und wenn der schöne Leirer glaubt,
Der Athem sey ihm nicht geraubt;
So soll, auch dann ihn zu berücken,
Ein Druck den Vogel gleich ersticken.

    Apollo übte nur Geduld
Aus Mitleid mit der kühnen Schwäche,
Und sprach: Versuchst du meine Huld?
Du bist kaum werth, daß ich mich räche.
Zeuch deinen Sperling, o du Thor,
Lebendig oder todt hervor.
Die Götter lassen sich nicht äffen:
Ich kan von ferne sehn und treffen.

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