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Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen

Friedrich von Hagedorn: Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen - Kapitel 69
Quellenangabe
typefable
booktitleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
authorFriedrich von Hagedorn
firstpub1738
year1974
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag
addressStuttgart
isbn3-476-00300-0
titleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
created20041129
sendergerd.bouillon
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Bruder Fritz.

An Herrn P. Carpser.

                          Versprechen machet Schuld; drum send' ich Dir die Zeilen,
Die meine Dichterey zu Deiner Lust entwarf.
Dafür entdecke mir: Ob sich ein Kranker heilen
Und dem besorgten Arzt die Müh' erleichtern darf?

    Freund, dem des Himmels Huld die schwere Kunst zu scherzen,
Die Ort und Hörer wählt, die Zeit und Stunde kennt,
Und die Gefälligkeit, das Vorrecht edler Herzen,
Und wahre Tugenden ohn' eitlen Schein gegönnt;
Itzt rühm' ich nicht in Dir Dein hülferböthig Wissen,
Die kluge Fertigkeit, die Treue Deiner Hand.
Das wird ein andres Blat mit Dank' erheben müssen;
Dieß aber macht Dir nur den theuren Fritz bekannt.

Fritz war ein guter Mönch, ein Feind der frühen Mette,
Den auch der Bischof nicht an Weisheit übertraf.
Oft schlief er in dem Chor, oft trank er in dem Bette,
Und schlief auf seinen Trunk und trank auf seinen Schlaf.
Ihn warf zur Sommerszeit ein hitzig Fieber nieder
Und folterte den Mann auf seinem Polstersitz;
Sogleich besuchten ihn die feisten Ordensbrüder
Und alle trösteten den matten Bruder Fritz.
Sein Abt, dem, sonder ihn, auch nicht sein Mundwein schmeckte,
Weil keiner so im Trunk Bescheid und Wunder that,
Berief den besten Arzt, dem er die Noth entdeckte,
Den Segen doppelt gab, und ihn um Hülfe bat.
Er sprach: Wählt ein Geschenk aus jenem vollen Kasten,
Nur lindert, kann es seyn, des armen Bruders Qual.
Ich bete schon für ihn; ich will auch für ihn fasten;
Und dieses thät ich doch für keinen Cardinal.
Der Doctor streichelt sich und eilt in Fritzens Zelle.
Da wird des Kranken Harn mit stummen Ernst besehn;
Er fingert um den Puls, erwegt auch alle Fälle,
Die theils vorhanden sind, theils zu befürchten stehn.
Drauf spricht er: Kraft der Kunst, die ich, als Arzt, besitze,
Bemerk' ich hier den Durst, ein Zeichen böser Art;
So find' ich, zweitens, auch den höchsten Grad der Hitze,
Und die beschleunigt oft der Frommen Himmelfahrt.
Um dem Hippocrates getreulich nachzuleben,
Muß keine Neuerung die Heilungskunst entweihn.
Er heisst uns erst den Durst, und dann das Fieber heben;
Und folglich wird der Durst mein erster Vorwurf seyn,
Immassen – – Ach, rief Fritz, befreit mich nur vom Fieber.
Hilft kein Hippocrates, so hilft der Hipocras.
O lasst mir selber itzt die Cur des Durstes über;
Hochwürdiger Herr Abt, reicht mir das grosse Glas.

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