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Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen

Friedrich von Hagedorn: Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen - Kapitel 54
Quellenangabe
typefable
booktitleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
authorFriedrich von Hagedorn
firstpub1738
year1974
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag
addressStuttgart
isbn3-476-00300-0
titleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
created20041129
sendergerd.bouillon
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Apollo und Minerva.

An den Verfasser der Trauerspiele:
die Horatier und Timoleon.

        Mein Behrmann, den Geschmack und Witz und Redlichkeit
Von niederträchtgem Wahn entfernet,
Den auch ein innrer Reichthum körnet,
Der weder Wind noch Fluthen scheut.
Ermüde nicht, in lehrenden Gedichten
Die deutschen Musen zu erfreun.
Der Dünkel meistre Dich; es mag die Thorheit richten;
Nicht aber Dich mit Witz und Kunst entzweyn.
Der Einfalt lächerliches Lachen
Muß Deine Sele nicht klein, trag' und irdisch machen.
Sey stets der Wahrheit hold (sie nutzt vor tausend Sachen)
Und schäme Dich nicht, klug zu seyn.

    Die Fabel, die ich Dich itzt lehre
Zeigt unsers Pöbels Ekel an;
Und dennoch bleibt es wahr: ein reicher, weiser Mann
Ist zwiefach seiner Eltern Ehre.

Der Gott der Aerzt' und der Poeten
Und Pallas wurden einst vom Himmel weggebannt,
Die Ursach' ist noch unbekannt
Und scheint zu wissen nicht vonnöthen.

    Als dieses Paar die Welt betrat
Beriethen beide sich, was bestens anzufangen?
Apollo sprach: Ich schaffe Rath,
Mein Lebensöl muß Brodt erlangen.
Minerva rief frohlockend aus:
Auch meiner Kunst bedarf ein iedes Haus.

    Man waget den Versuch und baut im nächsten Orte
Zwo grosse Storgerbühnen auf.
Apollo hat, als Arzt, viel herrliches zu kauf
Und rühmet was er hat durch ausgesuchte Worte.
Sein Wunderelixir, das alte Haut verjüngt,
Den echten Theriac, die besten Augensalben,
Ein Oel, das iede Krankheit zwingt
Und Apotheken gnug, zu ganzen und zu halben.

    Die Tochter Jupiters nahm Selen in die Cur,
Sie sprach: Mein Gegengift wehrt allen Vorurtheilen,
Mein Weisheitbalsam ist die Stärkung der Natur;
Er kann den schlimmsten Schaden heilen,
Des Aberglaubens Krebs, der viele Lehrer plagt,
Die Ueppigkeit, (die Zehrung ganzer Reiche)
Den Wurm des Widerspruchs, der Haupt und Zunge nagt,
Den Neid. (der kleinen Geister Seuche.)

    Die Mittel, die ich zubereite,
Vertreiben ungesäumt der Schwätzer Lügensucht
Und die Vergessenheit, (des rohen Undanks Frucht)
Die Taubheit und den Kropf (die Krankheit grosser Leute)
Des Geizes Höllendurst, der Einfalt Eigensinn,
Die tilg' ich wundersam; so wahr ich ehrlich bin!
Auch nehm' ich die Bezahlung nur
Nach glücklich angeschlagner Cur.

    Apollo machte fleissig Kunden,
Die arme Pallas hatte Ruh.
Nur ihm warf man das Schnupftuch zu,
Er rieth den Kranken und Gesunden.

    Wo wird die Weisheit Kranke finden?
Ein ieder hält sich schon für klug,
Bescheiden, liebreich, fromm genug.
Der Hochmuth hilft ihm bald zu Gründen.

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