Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich von Hagedorn >

Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen

Friedrich von Hagedorn: Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen - Kapitel 45
Quellenangabe
typefable
booktitleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
authorFriedrich von Hagedorn
firstpub1738
year1974
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag
addressStuttgart
isbn3-476-00300-0
titleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
created20041129
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Philippus, König in Macedonien, und Aster.

        Oft ist der Witz ein scharfes Schwert,
Das plötzlich aus der Scheide fährt,
Und, den es schützen soll, verletzet.
Der Einfalt offnes Maul bleibt, ihr zum Vortheil, stumm;
Ihr Schweigen nutzet und ergetzet;
Und jener Amme Wunsch wird billig hochgeschätzt,
Die zu dem Säugling sprach: Mein liebstes Kind, sey dumm!
Selbst seine Amme fasst' in der Geburt ihn um,
Weissagt' und segnet' ihn mit diesem Wunsch: Sey dumm.
Wernicke in seinem Heldengedichte: Hans Sachs.

    Philippus Beispiel macht den Satz der Klugheit wahr:
Zu sinnreich seyn bringt oft Gefahr.
Wie strafte diesen grossen König
Ein Scherz, der ihm zu schnell entfiel!
Ein einzger Feind ist schon zu viel,
Und hundert Freunde sind zu wenig.

Philippus war bemüht, in Thrakien zu dringen
Und in dem Hinzug noch Methone zu bezwingen,
Als Aster, den man dort den besten Schützen hieß,
Sich diesem Könige zum Dienst entbieten ließ.
Ihn rühmten Hof und Land; von allen ward erzehlet,
Nur dieser habe nie der Schüsse Ziel verfehlet,
Weil sein geschwinder Pfeil, dem er die Kraft ertheilt,
Oft Vögel in der Luft im stärksten Flug ereilt.
Wol! sprach Amyntas Sohn, wann wir mit Staaren streiten,
So soll er ganz gewiß beim Angriff uns begleiten.

Das scheint fürtrefflich schön; denn wer bewundert nicht
Den göttlichen Verstand, so oft ein Grosser spricht?

    Der Schütze, seine Kunst nicht mehr verhöhnt zu sehen,
Eilt, den Belagerten rachsüchtig beizustehen.
Er flieht in ihre Stadt, verstärkt die Gegenwehr,
Und machet Sturm und Sieg dem stolzen Heere schwer,
Das plötzlich sich gescheucht und voll Bestürzung fühlet,
Weil Asters scharfer Pfeil, der auf den König zielet,
Den ihm bestimmten Flug mit dieser Aufschrift nimmt:
Philippus rechtem Aug' ist dieser Schuß bestimmt.Bellum cum Methonaeis gerenti Aster quidam sagitta (cui inscripserat: Aster Philippo telum lethiferum mittit.) oculum excussit. Cui Philippus rescribens sagittam misit cum hac inscriptione: Asterem Philippus si ceperit, cruci affiget. Promissa igitur pace, Asterem sibi dedi postulauit, deditumque cruci affixit. Suidas, in voce Caranus.

    Der König, der ihn nicht so fürchterlich geglaubet,
Bereut den Hechelscherz, der ihm sein Auge raubet,
Und schiesst den Pfeil zurück, mit dieser Gegengift:
Du, Aster, kömmst ans Kreuz, so bald man dich betrifft.

    Kaum ward der Friede drauf der frohen Stadt versprochen,
So ward auch Asters Scherz durch seinen Tod gerochen.

 << Kapitel 44  Kapitel 46 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.