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Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen

Friedrich von Hagedorn: Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen - Kapitel 34
Quellenangabe
typefable
booktitleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
authorFriedrich von Hagedorn
firstpub1738
year1974
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag
addressStuttgart
isbn3-476-00300-0
titleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
created20041129
sendergerd.bouillon
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Die Kenner.

An Herrn M. A. Wilkens,
I. V. D.

        Es ließ sich in der Vögel Chören
Unlängst ein junger Vogel hören,
Und suchte nichts so sehr, als wahrer Kenner Gunst.
Gemeiner Sänger List wirbt manchen feilen Gönner;
Allein das Lobgeschrey, der Beifall halber Kenner
Entehrt, und zieret keine Kunst.

Es lobten ihn die Heidelerche,
Ein reisend Paar verirrter Störche,
Der Staar, der Zitscherling,Der Zitscherling ist dem Zeisig, und der Wendehals, dem Flug und den Füssen nach, dem Specht ähnlich. Jener hat den Namen von seiner zitschernden Stimme erhalten, und dieser von der ihm gewöhnlichen Drehung des Halses. In dem zu Coburg 1707. gedruckten Unterricht von der Abrichtung und Zahmmachung der Vögel wird der Wendehals p. 182. das Natterwindel genannt. Einige sind der Meinung, daß der Zitscherling der Aegithus ist, welcher, nach der Anmerkung des Plinius, an dem Esel einen furchtbaren Widersacher hat. Spinetis enim se, scabendi causa, atterens, nidos eins dissipat: quod adeo pauet, vt voce omnino rudentis audita, oua eiiciat, pulli ipsi metu cadant. Igitur aduolans hulcera eius rostro excavat. L. X. c. LXXIV. der Wendehals, der Specht.
Der Hänfling kam hervor, und bat ihn, mehr zu singen;
Der heischre Kiebitz schrie: Nichts kann mir besser klingen;
Der Reiger sagte: Du hast Recht.

    Die Aelster schwatzte ganze Stunden
Und rühmte was sie schön befunden,
Des freien Schalles Höh' und sanfter Töne Fall.
Der ekle Vogel sprach: Soll nichts dem Wunsche fehlen,
Und darf sich mein Versuch selbst einen Richter wählen;
So wähl' ich mir die Nachtigall.

*
    Mich dünkt, sein Wunsch ist nicht zu tadeln.
Soll uns ein echter Vorzug adeln,
So muß der Einsicht Kraft den Stimmen Werth verleihn.
Man kennt, man überlebt des Nachruhms Ewigkeiten,
Die der Gelehrten Schaum, die Schmeichler unsrer Zeiten
Einander ohn' Erröthen weihn.

    Du Freund und Muster deutscher Dichter,
Der Wahrheit liebenswürdger Richter,
Mein Wilkens, den vorlängst der Pindus liebgewann;
Wie reizend werden mir doch meine Lieder schallen!
Wie werd' ich, Werthester, mir endlich selbst gefallen,
Wenn ich nur Dir gefallen kann!

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