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Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen

Friedrich von Hagedorn: Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen - Kapitel 20
Quellenangabe
typefable
booktitleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
authorFriedrich von Hagedorn
firstpub1738
year1974
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag
addressStuttgart
isbn3-476-00300-0
titleVersuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
created20041129
sendergerd.bouillon
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Der Hirsch und der Weinstock.

      Ein Spießhirsch, dem die nahe Jagd
Die schlanken Läufte zitternd macht,
Flieht schnell zu Holz und thut sich nieder.
Der Leithund sucht durch Busch und Flur,
Verfolget Ferte, Schritt und Spur,
Und findet ihn im Prudel wieder.

    Der Hirsch verändert seinen Stand
Und springt in ein verzäuntes Land,
Wo bald ein Weinberg ihn verstecket.
Des Hifthorns Ruf, das Jagdgeschrey,
Die muntern Jäger ziehn vorbey,
Sein Wiedergang bleibt unentdecket.

    Da nichts ihn mehr verscheuchen kan,
Fängt er den Stock zu nagen an,
Bricht und entblättert Zweig und Reben.
Man hetzt auf dieß Geräusch zurück,
Er wird, beinah im Augenblick,
Erlegt, zerwürkt und Preis gegeben.

    Er schreiet, als er zappelnd weint,
Als Hund und Rach und Tod erscheint,
Und sich mit Schweiß die Ranken färben:
Ich sterbe, weil ich den verletzt,
Der mich in Sicherheit gesetzt.
So sollten, die ihm gleichen, sterben.

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