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Verstörte Zeit

Jakob Julius David: Verstörte Zeit - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleFrühschein
authorJakob Julius David
year1896
publisherGeorg Heinrich Meyer
addressLeipzig
titleVerstörte Zeit
pages56
created20150123
sendergerd.bouillon@t-online.de
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J. J. David.

Verstörte Zeit.

Ueber ungefügen Bruchsteinen, geschwärzt und angeschmaucht von manchem Brande, erhob sich das Haus. Vordem hatte dieser mächtige Unterbau wohl ein stattlicher und ein besser bestellt Bauwerk tragen müssen: das wies der erste Blick. Nun war aus Blöcken und Bohlen ein ungeschlachtes und übel gerichtetes Bauwerk erhöht worden; ein Unterschlupf mehr, denn eine wirtliche Behausung. Lehm war übergeworfen: er bröckelte ab von dem Sonnenbrand, und der Wind, der ungestüm und zügellos über diese Höhe dahinzufegen liebte, blies zu Stücken davon ab mit dem Odem seines Zornes. Lehm, häßlich gesprungen und in vielen Spalten klaffend, war das Estrich der Flur und der einen Stube; und wenn es recht wehte, so zog der Rauch durch das eine Gelaß und quoll 2 träg und gedrückt an allen Fugen vor. Sonst aber, an hellen Tagen, glich das Häuschen einer gelben Unform, die mit braunen Flecken frech durch das Grüne schimmerte, das es allenthalben umgab. Denn der Wald drang nah und näher herzu.

Im Hofraume lagen schwarze Pfosten und verwitterten. Ein Holunderstrauch, der die Brandstätten liebt, war aufgeschossen und stand mit seinen kraftlosen Zweigen und den hellen Blättern in vollem Safte. Stechapfel und Bilsenkraut, das hinter den Wegemarken der Zigeuner sein freches Haupt erhebt, wucherte allenthalben. Haselsträuche grünten hart an der starken Lattenumhegung, die das Anwesen abschloß gegen das Rauschen und Brausen ringsum. Eine mächtige Linde stand innerhalb der Umfriedung: Feuerzungen, die oftmals an ihrem Stamme geleckt, vermochten nichts über ihre Kraft. Ueber ihrem Wipfel war ein Luginsland errichtet, und man übersah von ihm aus das tiefe Thal und noch weiterhin, bis zur blauen Ferne. Das Auge wurde aber müde und sank. Denn es war überall die gleiche Oede und nur selten und ganz im weiten erhub sich ein leiser Rauch. Aber man wußte nicht, wölkte er sich über einem einsam friedlichen Bauernhofe, oder stieg er über 3 einem Lager der Heimatlosen auf. Denn noch trieben sich die Unbehausten zu starken Scharen im Lande um, überfielen Gehöfte und raubten, wo sie's thun zu dürfen vermeinten. Selbst an übelbehütete Städtchen wagten sie sich; bei den Bauern war nämlich längst so gar nichts mehr zu erbeuten, daß sich die meisten selber zu den Schweifenden geschlagen hatten. Nur ganz Halsstarrige oder völlig Verzagte hielten noch zu Hof und Hufe.

Hart am Thore, das in schiefen Angeln sich widerwillig drehte, stand eine alte und rostige Schwedenkanone. Man hatte sie den Bergeshang mühselig hinaufgeschleift, und es hatte Monate gebraucht, ehe man sie Schritt vor Schritt heroben hatte. Nun beherrschte sie dräuend die Landstraße, die sich völlig überwachsen nur mit lichterem Grün durch das feierliche Dunkel der Wälder dahinzog, um endlich irgendwo zu verschwinden, ohne daß jemand auch nur danach fragte, wohin sie sich in ihren vielen Schlangenwindungen kehre. Denn kein Gefährte grub mehr seine Radspuren in das wuchernde Gras, nun, nachdem auch die kriegerischen Umzüge geendigt. Wer wandern mußte, der that's wohl bewehrt: jeder Pfiff unter den Bäumen, jedes Knacken im Geäst, jedes stärkere 4 Stöhnen des Windes ward beachtet. Jeder Schritt barg neue Gefahren. Denn wie in diesem Thale, so war es allenthalben im weiten Lande; und kein Gesetz galt auch nur eine Spanne weiter oder mehr als bis wohin ihm die stets bereite Gewalt den Arm zur Stütze und die Faust zum Dreinschlagen lieh. Einzig die Straße, die sich die March entlang gegen die Donau zog, war einigermaßen sicher und vom schlimmsten Unwesen gesäubert.

Es war ein sehr stiller Mittag. Der Rauch stieg gerade und schön in die Lüfte. Um die hohe Linde war ein unablässiges Summen. Denn es war im halben Mai und die wilden Immen schwirrten und schwärmten um jede der Blüten, die sich zu Tausenden aufgethan; dazu sauste es ganz leis und mit heimlicher Musik durch das Gezweig, aber eben nur stark genug, daß sich die Aehren auf dem Stückchen Feld, das man unordentlich mit Roggen und Gerste gemischt bestellt hatte, gerade noch auf den schlanken Halmen wiegen durften. Gedieh nur überhaupt etwas, so war's gut, und ob es etwas mehr oder minder reif war, wenn man's einheimste, darauf kam es nicht an. Neben dem Haufen Kugeln ungleichen Kalibers, wie man sie gelegentlich gefunden, den man um die 5 Wallbüchse gethan, lag ein großer Hund und blinzte mit roten und gierigen Augen. Und in diese Stille hinein klang ein hastiger Ruf aus der Krone der Linde: »Lois! die Lunte anzünden!«

Ein Mädchen trat aus der Hütte. Der Hund rührte sich nicht einmal bei seinem Nahen; nur mit dem starken und buschigen Schweif schlug er hastig die dürren Flanken. Aloisia Hirschvogel hob sich in den Zehen und hielt die rote Hand vor die Augen, damit sie das Flimmern nicht blende, welches die Mittagssonne aus den feuchten Gründen sog. Ganz ferne trabte ein Reiter: er schien unmittelbar auf den einsamen Hof zuzuhalten. Sie hatte Augen von ungemeiner Schärfe: so nahm sie jetzt schon aus, daß er stattlich und ansehnlich angethan, daß sein Pferd wohlgenährt, groß und gut gehalten war. Im Näherkommen sah sie funkelnde Stickerei an Gurt und Wamms, einen Hut mit nickenden Federn auf dem kurzgeschorenen Kopfe. Sie krümmte die Hand und legte sie vor den Mund: »Meinst?« rief sie dadurch mit geller Stimme hinauf zum Bauern.

Er kletterte eilfertig hinunter. »Ich mein's.« Sie bückte sich und richtete das Geschütz. Er kniete nieder und hob eine alte, schmutzige Radflinte auf die Gabel und richtete hastig am 6 Schloß. Das finstere, sonnenbraune Gesicht des Mädchens und das verschrumpfte und runzelige seines Vaters waren in einer Höhe. Beide schwiegen; die Lunte glomm und der Dunst, der ihr entstieg, reizte sie zum Husten. Endlich sagte die Lois: »Er ist noch gar jung. Und ein starker Bursch scheint's. Warum grad' den?«

Er zischte zwischen den Zähnen: »Ein verabschiedeter Soldat wird's sein. Ein Schwed'. Wo käm' ein Kaiserlicher jetzt zu so einem Aufzug und Gaul? Dem kräht kein Hahn nach. Eingescharrt und weg! Ich zwing's lang genug in mir, so einem Räuber abzunehmen, was sie mir gestohlen haben. Und das Pferd haben wenn ich nur thät! Wenn mir die liebe, heilige Mutter Gottes nur dazu wollt' hilfreich sein! Aufhelfen könnt man sich.«

»Aber . . .«

»Schweig! Schieß!« Und er selber visirte zornig und ließ das Rädchen prüfend schnurren.

Es krachte. Ein graues Wölkchen quoll vor, breitete sich aus, schimmerte weißlich in der Sonne. Die Kugel flog summend dahin, schwirrend wie ein Kreisel. Weit über ihr Ziel hinaus. Hirschvogel schrie auf, drückte hastig los. Aber die Gabel fiel um; ein starker Fußtritt der Lois stieß sie aus dem Boden. »Du, 7 du«, stöhnte er in seiner Wut, »wenn einen die eigenen Kinder zu nichts kommen lassen!« Und mit geballter Faust und in maßloser Erregung stürzte er auf sie zu.

Sie griff ihn an der Schulter und hielt ihn mit eisernem Arm von sich. »Könnt' der Vater sein lassen. Ich bin stärker wie du. Das weißt. Und der Reiter hat gewunken. Gleich nach meinem Schuß. Im Bügel hat er sich gehoben, das Ding um sich losgebunden und gewunken damit. Her will er. Und fürchten werden sich unser drei nicht vor ihm. Kann man's hier endigen, wenn's sein soll. Ich will's aber nicht,« und sie warf sich auf den Boden neben dem Hunde, und drückte das Haupt des Tieres an ihre Wangen. Faul und schlank, sich wohlig räkelnd in der Sonnenhitze und unbekümmert darum, wie kurz ihr Rock war, lag sie da, während ihre Augen rastlos in der Runde gingen und den Reiter verfolgten. Und plötzlich schrie sie: »Der kennt sich aus; den Richtweg nimmt er. Von hinten herum kommt er auf den Hof. Weiß Gott, was er bringt!«

»Bringen wird er was? Umbringen wird er uns. Die zwei Gaisen nehmen. Den Hof uns überm Kopf anstecken wird er. Und Recht haben wird er. Hättest besser gezielt! Hättest 8 mich schießen lassen!« und jammernd und in kopfloser Verwirrung lief er auf und ab und trieb's noch immer so, während schon eine helle Stimme spöttisch fragte: »Ist das ein Gruß, wie er sich für einen Heimkehrenden gehört, Wenzel Hirschvogel?«

Die andere Pforte des Gehöftes war aufgeflogen. Ein Reitersmann trat ein durch sie. Er hatte die Zügel um den linken Arm geschlungen; die Rechte hielt das Faustrohr schußfertig und hinter ihm trabte das Roß schnaubend und zierlich einher. Der Ankömmling war reichlich eines guten Kopfes höher als der Bauer; das Haupt war entblößt und ganz kurz verschorenes Haar flimmerte in der Sonne. vor deren Licht eine furchtbare Narbe, die sich tief in die Stirne zog, rötlich glomm. Er sah dreist und rauflustig aus dunkeln, ganz runden Augen in die Welt, wie er wuchtend mit gebogenen Beinen einherschritt, daß der Pallasch an seiner Hüfte klirrte und die Sporen klangen. Und mit offener Hand trat er, nachdem er sein Handgewehr geborgen, auf den ganz verdutzten Alten zu: »Gehört sich das, Wenzel Hirschvogel? Schießt man auf den eigenen Sohn?«

»Jesus Maria und Joseph und alle Heiligen,« ächzte der Bauer. »Das ist ja der Gregor! 9 Wie kommst her? Woher weißt, daß ich noch da sitzen thu? Lois, der Gregor! Lois, dein Bruder ist's! Jesus Maria, ist das eine Heimsuchung!«

»No – und meine Hand nimmst nicht, Wenzel Hirschvogel?«

Das Mädchen hatte sich endlich lässig erhoben, mit ihm der Hund. Der richtete sich hoch, schnupperte um den Fremden, knurrte und sprang dann an ihm empor, die gewaltigen Pfoten auf seine Brust legend. Gregor Hirschvogel drückte ihn nieder. Dann bot er dem Mädchen die Rechte: »Grüß Gott, Schwester.« »Grüß Gott daheim, Bruder,« und die beiden Hände lagen fremd und gleichgiltig in einander. Der Alte aber besann sich mühselig, was in einem solchen Augenblicke thun, wo sich seiner Empfindung nach etwas Besonderes gehörte. Was aber nur? Er wischte emsig an den trockenen Augen, stotterte und stammelte immer unverständlichere Worte, that sehr erregt und unbeholfen und machte dabei den Eindruck eines müdgejagten Huhns. Die Lois aber löste ihre Hand aus der des Gregor, fuhr damit prüfend über sein Wehrgehenk: »Was ist das, was da so glänzen thut?«

Er lachte. »Gold ist's.«

10 »Schön ist's. Haben möcht ich's. Nur, weil's so ein Gefunkel an sich hat. Ich hab' meiner Lebtag noch nichts so geseh'n. Wie wenn du ein Stückel Sonne tragen möcht'st an dir.«

»Gieb'st Ruh, Mädel,« wehrte der Alte froh, daß er endlich dreinreden konnte, »giebst Ruh! Weil der Gregor nur heil da ist und ihn die lieben Heiligen beschirmt haben in der Zeit! Führst ihn ins Haus, hörst? Hungrig sein muß er – weißt?«

»Ja, aber mein Pferd, wo soll ich hin damit?«

»Laß mir's,« bettelte der Alte, »ich werd's schon einstellen.« Und schon hatte er dem Sohn die Zügel aus der Hand genommen, und zog's, während die beiden jungen Gestalten sich der Hütte zukehrten, einem offenen Schuppen zu. Das Tier wieherte, wie es das nahe Obdach spürte, und der Alte atmete dabei tief und fast schluchzend auf und streichelte dann dem Fuchs den glatten Bug. Endlich, als er sich allein und unbeobachtet spürte, umfing er den Hals des Pferdes und küßte es und weinte dabei laut und unbezwinglich. Er selber erschrak fast, als er sich die Thränen kommen spürte; er wußte nicht, wie lang ihm ähnliches nicht mehr widerfahren. Dann, nachdem der Gaul nach Kräften 11 versorgt und er seines Anblicks ersättigt war, schob er sich ins Haus. Bruder und Schwester saßen um den Tisch, eine mächtige Schüssel mit Milchsuppe vor sich. Der Alte setzte sich zu ihnen: »Freut mich, daß ihr schon so gut seid miteinander,« löffelte mit und schielte unablässig nach dem Gurt des Gregor, während die Lois die beiden für sich musterte und prüfend verglich. Es war eine Aehnlichkeit, aber nicht größer als die zwischen einem vielverprügelten Hund und einem reisigen Wolf. Besonders Farbe und Bildung des Auges war sehr gleich. Der Alte aber blinzelte unablässig damit und schlug sie nieder, während Gregor Hirschvogel herrisch um sich schaute, so daß selbst die Lois das Dreiste seiner Blicke und seiner Gebärden empfand. Verwundert hörte er das endlose Gebet, das sein Vater vor und nach dem Essen herleierte. »Mir scheint, für gar so viel hast du deinem Herrgott nicht zu danken,« warf er höhnisch dazwischen. Der Bauer aber ließ sich durchaus nicht stören. Erst als er fertig war und sich oftmals bekreuzt hatte, sagte er: »Man muß Gott alleweil danken. Schon fürs Leben alleinig und daß man's gerettet hat in solche Zeiten. Wo ein Tag immer böser war wie der andere und man niemals gewußt hat, wie hart einen 12 der schlagen wird, der noch kommen hat sollen, wo man ewig verstört war in so einer verstörten Zeit. Und daß du mir gesund heimkommen bist nach so viele Jahr, und so stark, und daß dir nichts gescheh'n ist, nicht erst im Krieg, und nicht heut – ist das nix? Aber ein Heid' bist geworden in der Zeit, schwant mir. Der nicht glauben will an Gott . . .«

Gregor gab ihm nicht einmal eine Antwort. An die Lois wendete er sich: »Thut er immer so wie jetzt?«

»Nicht immer gar so arg. Aber viel anders auch nicht, seitdem ich's denk,« entgegnete das Mädchen. Es waren die ersten Worte, welche die Geschwister, die sich vordem noch mit keinem Auge gesehen, mit einander wechselten.

»So! das kann nachher lieb und lustig werden,« und er pfiff so laut und so gellend, daß der Hund zusammenfuhr und winselte und Wenzel Hirschvogel sich verfärbte. Dann schritt der Junge auf seinen Vater zu, warf ihm den Gurt – eben losgeschnallt – hin und sprach: »Da, heb' einmal. Was, schwer ist's, gelt? Da bleiben will ich jetzt eine Weil, wo's mit dem Reiten gar ist, und bauen wollen wir. Ich hab's Meinige wenigstens zusammengebracht, weil's noch gegangen ist.«

13 Es war ein sehr begehrlicher Blick, mit dem der Alte den Gurt öffnete und schweres Gold und allerhand köstliches Geschmeide durch die gespreizten Finger gleiten sah. Darnach erseufzte er: »Blut ist dran – Bauernblut und Schweiß. Es kann nicht gedeihen, was man bauen will damit.«

»Wird schon, wird schon,« lachte Gregor. »Ich hab' keinen Unsegen daran verspürt, so lang ich hinter schwedischen Fahnen geritten bin. Was der Schwed' hat, das greift er, und nimmt ihm's keiner mehr, und ich hab's gelernt bei ihm.«

»Beim Schweden warst? Beim Lutheraner? Bei den Feinden vom Kaiser, den Heiden? Du, ein Katholischer? Bist am End' selber so einer geworden?«

»Nun, und was? Oder hast wirklich gar nichts mehr behalten? Hätt' ich vielleicht zu die Kaiserlichen sollen? Hast vergessen, was die uns gethan haben? Oder haben sie sich gar so angenommen um dich? Ich habe einen besseren Merks für das, was gewesen ist – ich schon,« und er schlug mit einem Ausdruck so unbezwinglichen Zornes auf den Tisch, daß der Alte verstummte und diesmal selbst die Lois erschrak.

14 Durch volle siebzehn Jahre war Gregor Hirschvogel von Hause gewesen. Der ein Bub und recht ein Muttersöhnchen entlaufen, kam als ein Mann wieder, der seinen Gaul aus dem Rhein wie aus der March getränkt, der ihm hinter den Hecken, in Schlössern und in Kirchen den Stall bereitet. Geflüchtet war er, als man seines Vaters Hof zum erstenmale niedergebrannt. Er stand damals in seinem zehnten Jahre und eine Partie Kaiserlicher war im Aufzuge und umlagerte sein väterlich Anwesen. Damals war das noch wohlbestellt und gedeihend. Noch hielt man leidlich auf Manneszucht, und dem starken Jungen gefielen das bunte Leben und die verwogenen Trachten. Da reizte man seinen Vater; mutwillig trieb man ihm die beiden besten Rosse aus dem Stalle. Er wollte sich wehren, ward niedergestoßen und schmählich mißhandelt. Die Mutter, die zu Hilfe kam, warfen sie nieder, was mit ihr weiter geschah, konnt' er nicht sehen, denn es war ein Rudel um sie, und auf ihn selber schlug ein Reiter an. Er entrann in den Wald, der damals noch viel ferner war als nun. Von einem hohen Wipfel aus, der ihn laubig verbarg, sah er die Feuersäule, welche seine Heimat samt all ihrem Wohlstand verzehrte. Mühselig hielt er 15 sich diese Nacht wach, und schwere und folgenreiche Gedanken waren in ihm. Denn wo solches geschehen konnte, nur weil man nicht schwieg, wenn man sich seiner besten Habe beraubt werden sah, dorten mußte Bauernzeit um und es klug sein, ein ander Gewerke sich zu erlesen. Das begriff er in all seiner Jugend. Erst zu Mittag, nachdem der Hall der Abziehenden, ihr Trummen, Pfeifen, Zinkenblasen längst verklungen war, wagte er sich scheu zur Nähe der Brandstatt. Sie lag völlig öd. Alles Vieh war weggetrieben, nur ein Hund, verstümmelt an den Hinterbeinen, winselte kläglich. Sein Vater erhob sich mühsam auf den Jungen gestützt; er spie viel und häufiges Blut und schier nach jedem Schritte zwang ihn seine Ohnmacht zu rasten. Die Mutter aber stand nimmer auf. Einen Monat blieb der Gregor noch zu Hause, bis der Vater sich in etwas gekräftigt, und harrte, ob ihm von einiger Ahndung so furchtbarer Greuel eine Kunde würde. Denn er war nach der festen Stadt Olmütz, sein und der Seinigen Recht zu suchen. Tag für Tag zählte er; da in ihnen allen nichts, gar nichts verlautete, so verschwand er sonder Abschied. Er wollte lieber schlagen, als geschlagen sein.

16 Durch die ganze, uferlose Zeit nun, die seiner Flucht folgte, trieb er sich mit den Evangelischen um, denn er mochte nicht denen dienstbar sein, die seiner Mutter ein solches Ende bereitet – dies war fortab sein Glauben und sein Bekenntnis und galt ihm sonst alles gleich. Erst wartete er der Pferde, bis er sich späthin selber in den Sattel schwingen konnte. Die zähe Bauernart, die nichts Erworbenes mehr ausläßt, war immer in ihm; sein Schwertgurt verwahrte mehr an Beuten, als einer ahnte, und die goldenen Vögel, die anderen nur zu leicht entflogen, nähte er sogleich in sein Wamms, damit sie nicht auch ihm entflatterten, bis er ziemlich schwer daran zu tragen hatte und es statt eines Harnisches nützen konnte. Bei Affären und Partien that er das seinige und wehrte sich grimmig. Nicht einmal ward er gefangen; ihn schirmte ein sonderbares Glück. Wenn aber die anderen spielten, die Schelmenbeine rollten, und ein hitziger Umtrunk gethan ward, so sah er lieber zu und that manchen kräftigen Schluck und manchen schlauen Kauf wohlfeil dabei. Ihm war immer, als müsse das wüste Wesen, auf dessen Endlosigkeit die Genossen zu schwören schienen, mit eins wieder vorbei sein. In solcher Gesinnung und Haltung 17 diente er dem König; dann, mit Königsmarck überrannt' er Prag und spickte dabei seinen Säckel abermals kräftig. Darnach aber, als er sah, daß man auf gastlichen und wohlgelegenen Höhen wiederum Galgen recht solid zu mauern anhub und auch Soldaten um anderes, als Kriegsartikel zu einer feinen Zierde daran hing, ward er wiederum sehr nachdenklich und kehrte sich heim, ob wohl sein Vater noch lebe. Was Recht oder Unrecht sei, wußt' er nicht; was sich zwingen ließ, meint er, stünd' ihm zu. Und inzwischen, während er sich also entwickelte, hatte sich Wenzel Hirschvogel zum zweitenmal beweibt. Da sie ihm die Lois brachte, starb ihm die Frau; denn kein Beistand war zu finden als den ihr der Mann, ungeschickt genug, bot. Auch dies Kind gedieh und wuchs heran. Aber so wild und nach eigenem Ermessen, wie nur eine Birke, die in einem Mauerspalt Wurzeln geschlagen und nun dorten grünt, wo sonst niemals Lebendiges gestanden. Sie sah noch zweimal, daß man ihr Heim niederbrannte, daß es immer dürftiger wieder erstand. Des Nächtigens unter Bäumen war sie gewohnt. Keines Mannes Auge ruhte auf ihr; keine Mutter lehrte sie jene Schamhaftigkeit, die dem Frauenzimmer so wohl ansteht. Der Vater aber rauchte 18 unablässig von jenem Bilsenkraut, das einen giftigen Rausch mit Träumen voll süßen Verderbens erzwingt, wie er's vom Volke der Zigeuner gelernt; klammerte sich an seinen Glauben; betete unablässig, ohne ihr einen klaren Begriff von Christentum oder Andacht zu geben und geben zu können. Der dürre Stecken aber, den er ihr in die Hand pressen wollte, genügte ihr nicht, die sich kräftig genug fühlte, um ohne jede Stütze zu schreiten . . .

Und so einigte ein Dach drei Menschen, wie sie niemals ungleicher beisammen gewesen: den Bauern, verdumpft und verdrückt in seinem Kerne, mit einem ungewissen Lichtchen im Geiste, das von der längst verloschenen Ampel vor dem Gnadenbilde in jener zerstörten und überwucherten Kirche herüberglomm, in der er einmal gebetet, den nur Gewohnheit und der Mangel an Wagemut an diese undankbare Scholle ketteten; den Gregor, der verwildert war, wie nur ein Hund, der sich so lang unter wüsten Wölfen umgetrieben, bis er ihresgleichen ward, immer bereit, auszureißen, und in seinen Wildnissen dem Raube nachzugehen; die Lois endlich, den Wildling, die niemals eine höhere Gnade begreifen gelernt und nur aus sich lebte und dem Dunkeln, was in ihr war. Und 19 dennoch lebten sie in leidlicher Eintracht und nährten sich zur Genüge mit dem, was der Wald bot und was sie ihm mit Schlingen und mit Fallen ablisteten. Noch war das Recht des Waidwerkes nicht in seiner ganzen Strenge wieder hergestellt, die vordem so auf den Pflichtigen gedrückt. Einmal ging der Gregor in Gottesfrühe, nur mit einer Axt bewehrt, zu Holze, Stämme schlagen. Als er heimkam schleifte er einen ungeheuern Bären hinter sich her, den er mit dem Beile gebändigt. Nicht ein Wort gedachte des Kampfes, der grimmig genug gewesen sein mußte; denn er trug Risse von Krallenhieben allenthalben und konnte nachher die Linke durch Wochen nicht gebrauchen. Sie sättigten sich am Fleische des Gewaltigen; sein Fell aber, nachdem es der Alte künstlich bereitet, ward dem Gregor zu einer Lagerstätte, und er verbrachte die Nächte darauf und verdämmerte auch über Tag viele Stunden also. Seither sah ihm die Lois manchmal heimlich nach, wenn er sich zu seinen Gängen anschickte. Denn sonst schritten sie alle neben einander her, ohne Worte, ohne daß dem Jungen nur einmal die Versuchung gekommen wäre, von seinen Abenteuern und seinen Thaten zu erzählen, recht wie Leute, die eben keinen Teil des Lebens 20 oder seiner Erinnerungen gemeinsam haben. Und in diesem Schlendern, wo ihm mit jedem Schritte Gedächtnis und Sterne seiner Jugend kräftiger aufgingen, wie ihm so langsam die Stapfen, die sein Fuß vordem diesem Grunde eingedrückt, auftauchten aus dem weichen Moose, das sie in Jahren überwachsen, in dieser laßen und halben Ruhe, doppelt hold nach so vielen Aufregungen und Gefahren, wie sie kaum hinter ihm lagen und nun ihm erst so recht zum Bewußtsein kamen, erwachte ein leises Heimatsgefühl in der Brust Gregor Hirschvogels. Und eine kräftige Würze gewann es dadurch, daß er meinte und der Ueberzeugung war, immer noch mit einem Rucke die Fesseln sprengen zu können, die ihn so unmerklich und also lind umspannen.

Einmal führte ihn sein Weg zu einer sehr stillen Stelle. Es hatte nach langer Dürre geregnet und das Laubwerk gewann davor seine ganze grüne und leuchtende Freudigkeit wieder. Riesenhüter eines Geheimnisses, das er nicht ahnte, standen Rotbuchen da; ihre Kronen verschränkten sich hoch im Blauen und das rote Licht der Mittagssonne tanzte flockig und gedämpft auf dem Braunrot der rissigen Borke. Es war ein eigen Schweigen; nur ein Finke 21 rief lockend und hastig sein Pinke Pink und in einem heimlichen Grunde zwitscherte ein verhohlen Wasser, das sich über Geröll seinen eilfertigen Weg brach. Zwei eingesunkene Hügel waren vor ihm; auf dem einen erhob sich ein Kreuz und er wußte, daß darunter seine Mutter schlafe, auf dem anderen stand nur noch ein Stecken aufgerichtet; kürzer, lag ein zweiter daneben. Den hatte der Vater wohl einmal mit Bast, weil alles Eisenwerk so kostbar geworden war, an den stärkeren Stock gebunden, und seither war er abgefallen, ohne daß sich wer Mühe nahm, das Zeichen einer ewigen Verheißung wiederum aufzurichten. Da mußte die Mutter der Lois schlummern. Er nahm sein Messer, schnitzte ein rechtschaffen Kreuz und rammte es tief in das weiche Erdreich. In einem dumpfen Sinnen, das ihm öfter aus seiner Abspannung kam, verweilte er sich, bis er endlich dem Hunde pfiff und sich mit ihm heimwärts kehrte, ohne den er seit dem Bärenkampf nicht mehr zur Wildnis ging. Das ungebändigte Tier, das vordem nur der Lois gehorchte, lief ihm zu und verstand jeden seiner Winke. Zu Hause aber fuhr er das Mädchen an: »Hast deine Mutter gekannt?«

Sie sah ihn fast verdutzt an: »Wie denn soll ich? Wo sie gestorben ist, wie ich gekommen bin!«

22 »Weißt, wo sie begraben liegt?«

»Ja. Einmal bin ich dorten gewesen. Oefter nicht. Weil's mir nicht gefallen will dorten. Einödig ist's. Und was soll ich machen dabei?«

»Hast sie denn nicht gern gehabt?«

Sie lachte: »Komisch fragst, Gregor. Wo ich sie mit keinem Aug' gesehen hab'!«

»Weil sie eine Heidin ist,« jammerte der alte Hirschvogel. »Wie ich ihr zuerst gesprochen hab', von Gott, hat sie auch gesagt: »Ich hab' ihn mit keinem Aug' nicht geseh'n,« und wie ich ihr hab' beten lernen wollen, meint sie: »Wozu? Ist er so gut, wie du sagst, so thut er mir so nichts; ist er's aber nicht – na, dann wird er auf mein Beten viel hören. Und überhaupt – betteln thut die Lois nicht, lieber was anderes« . . .

Das Mädchen sah sich finster um: »Ja, so hat sie gesagt, die Lois. Ja, und so ist die Lois. Und, wem sie nicht recht, wie sie ist, der soll sie gehen lassen und ihr eine Ruh' geben. Anders wird die Lois nicht mehr.« Und sie wendete sich mit zorniger Bewegung nach dem Hofe, und man hörte über eine Weile ihre gelle, jauchzende Stimme, wie sie mit voller Kraft die Weise eines Schelmenliedes, die ihr, 23 weiß Gott wie, zugeflogen war, mit sinnlosen Worten in das Land hinunterjubelte. Als sie sich aber aus der Stube kehrte, so empfand sie einen eigenen Blick des Gregor auf sich ruhen und ihr folgen. Eine fast körperliche Empfindung weckte er in ihr. Um sich davon zu befreien, tollte sie mehr denn je, wie denn überhaupt etwas Kindisches, völlig Ungewecktes in ihr war. Sie reizte den Hund, fuhr behend zur Seite, wenn er täppisch an ihr aufsprang und nach ihr schnappte, bis sein heiser Gekläff und ihr schreiender Jubel in einer Note zusammenklangen. Gregor aber trat auf die Schwelle und verfolgte jede ihrer geschmeidigen Bewegungen, ihrer Fohlensprünge, in denen die volle Kraft ihrer sechszehn Jahre ihr Genüge suchte, mit sonderbar schwimmenden Augen. Und ihr Bild, wie die Rüde damals an ihr aufgesprungen, und mit weit offenem, rotem Rachen nach ihrem Gesichte im Spiele fuhr, daß ihr der heiße Odem entgegendampfte, und, wie sie lachte, ein blankes Gebiß das andere zu fordern schien, wie ihr dabei das braune Haar in die niedere Stirn fiel und um das bräunliche Gesicht mit den nußbraunen, lachenden Augen flog, konnt' er nimmer los werden. Immer sah er fortab nach ihren braunen, runden und 24 dennoch kräftigen Armen, bis sie die manchmal in leiser Verlegenheit zu bergen begann, weil ihr war, als sei an ihnen irgend eine Unform, die sie besser verstecken müßte. Ein Gedanke, der ihr vordem fremder gewesen wäre, als selbst der an den Tod oder das ewige Leben. Denn wie sie war, just also wollte die Lois auch sein und bleiben . . .

Mancherlei ward inzwischen vorgekehrt und vorgesorgt für bessere Zeiten. Einmal lief ein armselig Knechtlein bettelnd und halbverhungert auf den Hof. Es ward gedungen, und der alte Hirschvogel war selig und sehr wichtig, als er wieder einmal Lohn erörterte und Handschlag empfing. Es blieb fortab bei ihnen, und war also abgezehrt vom Darben, daß ihm alles köstlich dünkte. Später einmal ritt der Gregor zu Markte. Er kam erst nach Tagen wieder, die der Lois endlos schienen, und brachte eine tragende und eine milchende Kuh, ein junges Stierlein, einen anderen Gaul mit ihm heim. Ein Stall ward für diese ersehnten und kostbaren Gäste hart an die Wohnstatt grenzend aufgerichtet; die Lois, der Vater, der seit einem Menschenalter zuerst aufatmete, das Knechtlein arbeiteten rüstig und der Gregor ordnete an und that nach Kräften mit, denn er wußte zu 25 befehlen, daß kein Einspruch laut werden konnte, und er wurde leichter müd' als sie, der Bauernarbeit entwöhnt, wie er war. Dafür griff er heftig zu, da es die Umwallung bessern galt, die fortab solche Schätze hüten mußte. Ein neues und kräftiges Thor ward zurechtgezimmert und an jedem Eingange des Hofes verfugt und mit eisernen Bolzen befestigt; die Kartaune fegte er, und stellte sie, mit gehacktem Blei geladen, auf ein erhöhtes Gestell. Rings um das Haus ward geholzt; Stamm an Stamm lag im Hofe und dörrte entrindet in der Sonnenglut dieser schwülen Julitage; denn man fragte nicht, ob es auch an der Zeit sei, Bäume zu schlagen. Schon sah man den Platz bestimmt und abgezirkt, wo sich einmal ein heimliches Dach erheben sollte den Dreien und ihrem Gesinde, das sich etwa noch zu ihnen finden würde, ein Schirm in allen Nöten. Trotz solcher Mühen aber und trotz ihres sichtlichen Gedeihens war eine fremde Unrast in allen, nur in dem Knechtlein nicht, das sich noch seines sicheren Unterschlupfes freute und nach Laune und Witterung nun im Freien, nun auf dem Flur nächtigte. Denn es zog eine unentrinnliche Schwüle durch das eine Gemach, darin die Anverwandten ihre Ruhe suchten. Sie schläferte ein und stachelte 26 auf. Jeder Atemzug des einen umwehte den anderen, wenn er für Augenblicke wach ward, und die Kraft und das noch unklare Sehnen des Gregor strebte hin zur Lois und umfing sie grüßend. So empfand jedes dumpf und dennoch erregend die Nähe des Gefährten. Nur war dem Manne leichter, als dem Mädchen. Denn er hatte immerhin das Seine gethan für die Seinen – auch für einen gewaltliebenden Gesellen ein tröstlich Gefühl. Mit der nächsten Frühe schon durft' er scheiden, sein Reiterglück anderwärts probieren. Denn immer noch wußt' er sich zu Hause auf dieser Welt, allüberall, wo starke Knaben mit Pallasch und Faustrohr über grünen Rasen traben und ihre flinken Rößlein steigen lassen.

Kein Feind von außen pochte ans Thor. Was sich aber im Innern anhub, das sah der alte Hirschvogel nicht. Ihm kamen nunmehr Erinnerungen längst toter Zeiten zu heftig: ihm vor Augen wogten Aehrenfelder im gelben Lichte, wie sie einst, eine goldene See, um den Hof geflutet; er dachte nur des neuen Gedeihens seines Wohlstandes und seines Geschlechts, das sich ihm anzukündigen schien, und verlor alle Besinnung darüber. Ein großer Strich im Ebenen ward gerodet und umbrochen; geruhter 27 Boden, der zwanzigfältig Korn verhieß. Die Baumstümpfe, die jede Arbeit erschwerten, wurden mit unsäglicher Mühsal entfernt. Ein Axthieb fuhr dabei einmal der Lois ins Bein, daß reichliches Blut floß. Der Gregor wendete sich schaudernd und mit einer heimlichen Verwunderung über sich selber davor. Seit wann denn vertrug er diesen Anblick nicht mehr, den er so vielfach und oftmals so gräßlich gehabt? Aber er bezwang sich: er selber umschnürte die Wunde und als ihm das Blut über die hilfreichen Finger rieselte, so empfand er ein leises Wohlgefühl dabei. Die Lois zuckte zusammen, als sie seinen starken Griff verspürte. Sie war längst genesen, und sie empfand's noch manchmal mahnend wie ein Nachklang dieses Druckes an der Narbe, die sich also weiß und also schimmernd abhub vom Braun ihrer Haut. Und dabei war eine unbändige Lustigkeit und ein Jauchzen in ihr, dessen gleichen sie nie zuvor geahnt. Sie versuchte immer wieder ihre Kraft, wollte das nachthun, was dem Gregor mit dem grimmigen Ernst, der ihn beim Werke überkam, spielend gelang. Alles glückte ihr nicht; er aber that sein bestes immer zu Beginn, während sie, zäher denn er, durchhielt den ganzen langen Sommertag hindurch. Manchmal 28 überfiel ihn eine feindselige Unlust, wenn er sie schaffen sah. Dann griff er alles verdrossen an und suchte einen Vorwand, um sich auf den Hof zu begeben. Dorten schritt er dann in sich erzürnt auf und nieder oder riß an den Pflöcken, die man so tief zu einer Umwallung in den Boden gerammt, daß sie niemandes Gewalt mehr daraus zu reißen vermochte.

Eine Wolke lastete über allen gewitterhaft. Während das Mädchen aber in dieser Schwüle rascher und freudiger atmete, in sich davon etwas zur Reife drängend ahnte, das längst zur Vollendung strebte, drückte sie auf den Mann, der keinen Ausweg und kein Wort der Lösung wußte. So richtete er denn sein Streitgewand wiederum zu; er scheuerte an seinen Waffen, bis sie blinkten, prüfte in manchem weiten Schuß die Sicherheit seiner Hand und war unzufrieden damit, denn es kam häufig ein Zittern über ihn, daß er des Nächsten fehlte – und dennoch fühlte er sich stärker als je. Ohne Bängnis, selbst ohne Gedanken sah die Lois dem zu; nur als er sein Roß wieder zu strählen begann, das vor der harten Bauernarbeit allerdings nicht mehr so fröhlich und zierlich ging, wie einmal vordem, ward sie unruhig. Er schwang sich vor ihr darauf; es stieß hart 29 im Traben. Mißvergnügt schwang er sich zur Erde.

»Willst fort, Gregor?« Neben ihm stand die Lois. Er wußte nicht, wie, noch woher sie so plötzlich aufgetaucht war.

Er zuckte ärgerlich die Achseln. »Kann ich's denn so? Das Pferd taugt mir nicht mehr um einen roten Groschen. Verbauert ist's und verbauern thu' ich. Das ist kein Zweck auf der Welt für mich. Ein neues Roß kaufen muß ich mir. Dann, ja dann!« Und er hob sich in den Hüften, als empfänd' er schon die Bügel unter den Füßen und einen starken Pferdeleib zwischen den Schenkeln, der ihren Druck empfinden müßte.

»Also – und darnach willst fort?« Und sie sah ihn in diesem Augenblick wiederum so vor sich, wie damals, als er gekommen war und ihr Schuß ihn begrüßt hatte. Nur in die Kehre des Weges sah sie ihn diesmal reiten, der ihn vordem heraufgeführt. Und ihr war, als stürzte damit etwas ein, das sie nicht zu nennen wußte, und es wäre klüger, sie schösse wieder nach ihm, nur besser zielend, als nun vor zwei Monaten. Und unbedacht fuhr sie auf: »Gut. Aber dann gieb dir acht, daß nichts geschieht!«

30 Er sah sie finster an: »Ich fürcht' mich nicht, Lois; vor dir schon gar nicht.«

Das Mädchen blickte ihm ruhig und fast dreist in die Augen. »Sollst auch nicht, Gregor, vor mir schon gar nicht!«

»Na also.« Und nun lacht' er grimmig und gezwungen. »Was red'st du nachher so daher? Bist dumm geworden über Nacht?«

»Dumm bin ich geworden über Nacht,« gab sie eintönig nachsprechend zurück. »Aber ich bitt' dich – geh' nicht fort, Gregor! Thu's nicht!«

»Ja, warum nicht?« Eine Unruhe quoll in ihm, als stünd' er vor etwas und müsse sich bemeistern, um's nicht zu verscheuchen. »Um euch nicht? Ihr habt lange genug gelebt ohne mich.«

»Lange genug haben wir gelebt ohne dich!« sie kauerte vor ihm nieder, schlang die Arme um die Kniee und sah so zu ihm auf, »weil wir nicht gewußt haben, wir könnten leben mit dir. Und weil wir nicht gewußt haben, es gäb' überhaupt ein ander Leben, wobei man sich nicht muß immer verstecken und man kann seine Arbeit thun, auch ohne daß man sie thut in der Furcht und der Bängnis des Herzens: wer kommt jetzt über mich? Und jetzt wissen 31 wir's und jetzt können wir uns nicht mehr finden in das, was einmal gewesen ist, als hätt's so müssen sein.«

Je eindringlicher sie sprach, desto gewaltsamer verstockt' er sich. »Ich denk', ich reit' zu morgen in aller Früh' in die Stadt und kauf' mir einen braven Gaul.«

»Thu's nicht,« sie sprang an ihm empor; ihr Haar flog um seine Stirne; der Odem ihres Mundes hauchte über ihn hin. Eine Lohe schoß jählings zwischen ihnen beiden aus dem Boden, so grell und flackernd, daß er davor zurückschrak. »Thu's nicht – oder nimm mich mit, Gregor!«

In dieser Nacht schlief der alte Hirschvogel einen so erquicklichen Schlaf, wie niemals zuvor. Dafür rührte an die Wimpern des Gregor kein Schlummer. Er wälzte sich auf seinem Bärenfell, das ihm zu glühen schien. Endlich hielt er's nicht mehr aus; er erhob sich, in dem Flure stieß er achtlos an das Knechtlein, das ihm im Wege lag, nun die Augen aufthat und verwundert gewahrte, wie hinter dem jungen Herrn leise auf den Zehen die Lois einherschlich; dann schlief es wieder ein. Gregor aber trat in den Hof, ob ihm vielleicht der Nachtwind Kühlung bringe. Es war eine 32 schwere Dunkelheit, so groß, daß man selbst das vermodernde Holz, das da herumlag, in geheimem Glanze glosen sah. Die Sterne schimmerten sehr matt und mit verschlafenem Blinzen; nur an den Himmelsrändern war ein weißliches, ungewisses Licht, als zög' ein Traum von versunkenen oder von aufdämmernden Tagen durch die Seele der Nacht. Es war jene heftige Stille, die einen anfällt und beklemmt. Nur ein kaum vernehmliches Wiegen floß durch das Schwarz der Bäume dahin, als wollten die mit geheimer, für kein Menschenohr bestimmter oder faßlicher Weise einschläfern all das Getier, das unter ihrem Schirmdach zu nächtigen pflegte. Gregor aber, ohne einen Blick für all das, suchte sich durch das Dunkel seinen Weg, da hört' er plötzlich leise, gehaucht, zögernd: »So willst fort, Gregor? Ohne: ›behüt' euch Gott,‹ oder ›ich komm' wieder‹?« und fühlte die Arme der Lois um seinen Hals. Er kehrte sich; jählings riß er das Mädchen an sich, das wehrlos in einem unerhörten Schluchzen an seiner Brust lag. Er hob sie gewaltthätig auf; er preßte sie an sich, daß er vermeinte, ihr wehe gethan zu haben und eine verhohlene Freude bei diesem Gedanken in sich spürte. »Ich geh' nicht fort; ich geh' nicht fort. Nimmer fort oder du gehst 33 mit mir,« stöhnte er. Und dann schlug wieder dies unerhörte Schweigen seinen Mantel schirmend um sie und versiegelte ihren Mund für Worte irgend eines Sinnes oder irgend einer Bedeutung.

Erst im Morgengrauen und eine gute Weile nach einander betraten der Gregor und die Lois wieder das Gemach. Beide entschliefen im Augenblicke und es war schon heller Sonntag, als sie erwachten. Fast hätte das Knechtlein daran gezweifelt, was es zur Nacht gesehen, wenn nicht ein Schmerz in der Seite eine ziemlich eindringliche Erinnerung an den Tritt des Gregor gewesen wäre. Beim Frühmahl ward noch weniger geredet, als auch sonst nach Bauernsitte. Nur fiel dem alten Hirschvogel dabei zweierlei als sonderbar auf: wie der Gregor seine Schwester, als sie die Schüssel auftrug, mit seinem eigenen, leuchtenden, fordernden und dreisten Blicke, den er immer an sich hatte, überflog, da wurde sie rot davon. Das hatt' er noch niemals an ihr bemerkt und es ließ ihr ganz gut. Danach, als man abgegessen hatte und sie das Gerät an Holztellern und Löffeln wegzuräumen hatte, und sich ihr der Rock lüpfte in der behenden Bewegung, so zupfte sie ihn nieder und ihr stieg dabei 34 wiederum das Blut in die Wangen und es schien, nicht allein von der Anstrengung des Bückens. Ihr war, als hätte das Knechtlein wissend und lüstern nach ihr herübergelugt. Aber derlei hatte sie doch vordem niemals gewahrt noch beachtet. Woher also mit eins? . . .

Fortab gedachte der Gregor seiner Abreise nicht mehr und sein Rüstzeug verstaubte und rostete wieder. Wenn er sich einmal um Kaufes willen zu einem Ausritt bereitete, so sah ihm die Lois gerne lange nach, ehe sie gelassen und unbekümmert an ihr alltäglich Gewerk ging. Sie allein wußte auch vorher, nach welcher Zeit Verlauf er heimzukehren gedachte. Dann stand sie vorher schon erwartend und ihr geller Ruf klang ihm weithin entgegen und schwebte über der Wildnis, eintönig, schrill, unharmonisch und dennoch begehrlich-ausdrucksvoll, wie der Schrei des kreisenden Hühnergeiers im Blauen. Oder, wenn sie's konnte, so lief sie ihm entgegen; sie führte dann das Roß, sie belud sich mit dem Schwersten, das er ihr gab und er ging ledig nebenher und warf manchmal ein Wort hin über das, was er verrichtet. Denn nach Reden trug keines Begehr von ihnen; und dem Mädchen war oft, als bestünde die Zeit vor des Gregors Heimkehr überhaupt nicht 35 mehr. Das war abgethan und gerne vergessen; was hernach gekommen war: die rechtschaffene Arbeit ohne Sorgen, die heimliche Seligkeit, die sich dazu gefunden, das allein war das Wahre und also das Dauernde. Reicher nach Fülle und Inhalt waren die Wochen nach seiner Heimkehr, denn die vielen, vielen Jahre vorher, die so einförmig und also farblos gewesen, daß nicht ein bestimmter Eindruck aus ihnen blieb. Und sie genoß all dies Gute; in sich ruhig und hingegeben dem Augenblicke, ohne jeden Gedanken an das Kommende, wie nur ein Geschöpf, das sein Ziel erreicht, seinen Zweck erfüllt weiß. Er aber erkannte sich durch ein neues, durch ein Band an die Muttererde geknüpft, das vollkommen unlöslich und fesselnd war. Denn anders war die Lois, denn die Weiber, die ihm sonst begegnet, die mit dem Troß in stäter Furcht vor Weibel und Profoß hinter dem Zuge einhergetrottet waren, deren Gunst er genossen oder, war eine Stadt erstürmt, erzwungen hatte. Sie lebte ganz in ihm: sah er sie einmal grimmig an, so erschrak sie innerlich und nicht weil sie einen Ausbruch seines jähen Zornes und seine schmerzlichen Folgen fürchtete. Arbeiteten sie gemeinsam, so that immer eines unbewußt den Handgriff, der 36 des andern fördern mußte, und es war dem Knechtlein und dem Hirschvogel ein Wunder, wie das förderte und wie unter ihren Händen alles gedieh. Er hielt sich lässiger, nicht mehr soldatisch stramm in Kleidung und Schreiten; sie suchte, womit sie sich nach ihren Begriffen schmücken konnte, verlängerte die Kleider aus ungebleichtem Linnen, die sie immer trug, und die sie nicht mit anderen, besseren vertauschen wollte, von denen sich von beider Müttern her noch einiges fand. Es schien eine Art Aberglauben in dieser dumpfen Natur, daß sie so bleiben müsse, wie sie gewesen, da sie einander begegnet. Geschmeide, das ihr der Gregor gerne schenkte – denn auch daran hatt' er noch manch' ein kostbar Stück – legte sie das einemal an, da sie's erhielt, that es aber wieder von sich, verwahrte es, um es nie wieder umzuthun. Nur eine breite silberne Kette trug sie um den Hals.

Hätt' irgend wer diesen zweien gesagt, daß sie in einer in der gesamten Christenheit unerhörten Sünde dahinlebten, sie hätten sich ganz verdutzt gewundert. Ihnen nämlich schien es nicht also. Ein ertötet und ein niemals gewecktes Gewissen war in ihnen. Gefunden und gesellt hatten sie sich, zwei Tieren des Waldes 37 gleich, die nach einander heiser und gurgelnd rufen, wann ihre Zeit gekommen ist. Nun aber hielten sie sich und wollten beisammen bleiben, und dadurch war nach allen ihren Begriffen gut gemacht, was an ihrer Begegnung etwa ungehörig gewesen sein konnte. Auch warnte sie niemand, da es noch an der Zeit war vor der überall und für sie unentrinnlich lauernden Gefahr, die sie nach ihrer Art kaum begriffen hätten. Keiner ermahnte und sprach zu ihrer Seele, nachdem sie ihr jähes Blut erst zu einander gerissen hatte. Anderes schien dem alten Hirschvogel nachdenklicher und von weiterem Belang. Sie waren so unfromm, beide, wie er die Frömmigkeit verstand. Denn er hatte eine Anzahl Heiligenbilder und Amulette vorgekramt und aufgetrieben, Gott allein mochte wissen, woher. Damit behängte er jegliche Wand der Stube; sämtliches Getier, das sie im Hause hatten, wurde damit aufgeputzt; auf seinem Hute trug er eine besonders heilige Mutter Gottes, schwer und aus Zinn, und legte die vor sich hin und betete in sehr andächtigen Stunden zu dem Bildchen. Und der Spott des Gregor darüber, der allerdings unter den Schweden nicht viel Achtung vor solchem Thun erlernt, verletzte ihn, trieb ihn immer tiefer in 38 seine Andächteleien zurück, erfüllte ihn mit einem nagenden Grolle gegen den, von dem er nun abhing, und der ihm nehmen wollte, was allein ihm geblieben war, was allein ihn in verstörter Zeit aufrechterhalten hatte. »Man sollt' gar nicht glauben, was der Vater auf und im Kopf alles hat, bevor man nicht seinen Hut und ihn alleweil ein neues Gebet herleiern gesehen hat,« höhnte er dabei gerne, und der Wenzel mußte sehr an sich zwingen, damit er nicht auffuhr. Aber er scheute die Gewalt des Jungen und einen Zusammenstoß mit ihm. Denn Ehrfurcht vor dem Vater, wie sie doch Gott so nachdrücklich geboten, war keine in diesem dreisten Gesellen. Das kränkte den Bauern zumeist; was sich aber sonst begeben, das focht ihn wenig an. Das war, wie's war; wozu sich Gedanken machen über Unabänderliches? War vielleicht, wie nach der Sündflut; denn dieser gleich waren die Schrecken des Krieges unentrinnlich an ihm vorübergebraust. Ausgetilgt waren die Gesetze, die vordem verpflichtet hatten. Wie damals, so mochten sich auch nun wieder Bruder und Schwester zu einander gesellen. Und wenn's schon eine Vergehung war, was verschlug das neben der Zahl der anderen, die ungesühnt begangen worden 39 waren, nach denen man nicht einmal zu forschen wagte? Es war verstörte Zeit; genug, daß man wieder sicheren Boden unter den Füßen hatte – in ihm schürfen aber hieß Greuel aufwecken, die besser unter dem Rasen bedeckt blieben. Ein eigen Recht galt, eine neue Sühne, wenn schon etwas so laut nach Vergeltung schrie, daß es durch die Klage- und Anklagerufe hindurch sich vernehmlich zu machen wußte . . .

Und dazu schien gerade dieser Sommer überreich gesegnet und niemals endigen zu wollen. Noch zu Beginn des Oktober war nicht ein welkes Laub in den Bäumen. Regen und Sonnenschein kamen und wechselten, wie sich's ein Herz nur begehren wollte. Ein Treiben und Drängen, ein junger, kraftvoller Schuß war in allem. Schon arbeitete man rüstig am neuen Hause; schon huben sich auf den Grundmauern die Blöcke, mit dem Winkelmaß kunstgemäß aufgesetzt und gerichtet und wohlverfugt. Es war um vieles räumlicher, wohnlicher als das Notdach, das sie noch beherbergte; ein merkwürdiges Geschick bekundete der Gregor beim Bauen. Noch vor Winterbeginn mußte man so weit gediehen sein, daß man sich's im neuen Heim behaglich werden lassen konnte. Das andere aber, hergerichtet und von Grund 40 ausgebessert, sollte dem Vater zum Altenteil werden. Denn sie fühlten sich schon so völlig als Herren dieses Erdreichs, daß sie dem nicht einmal eine Frage gönnten, dem es doch nach allem Fug zugehörig war. Ihr Schicksal schien ihnen vorgezeichnet und bestimmt, so lange ihnen nur verstattet sein mochte, in diesem Leben zu verweilen. Sie sahen unablässig vor sich hin, mit jener geheimen Gierigkeit in der Seele, die von jedem Tag ein neues Licht und eine neue Sonne fordert; nicht ein Blick fiel zurück, in jenes Grauen, das hinter ihnen lag und hinter jedem ihrer Schritte augenblicklich wieder zusammenschlug, gefällig verhüllend, was nimmer gesehen sein sollte.

Je mehr sich aber ihnen beiden die Zuversicht in ihr Glück und seine Dauer verfestigte, desto unruhiger ward der alte Hirschvogel. Er stand nun durch lange Stunden in seinem Luginsland in der Linde: aber von nirgends mehr näherte sich eine reisige Schar, daß man an Gegenwehr oder Flucht hätte denken müssen. Ungebraucht blieb die Kartaune; er sehnte sich beinahe wieder einmal ihre Stimme zu vernehmen, einen Nachklang jener Schlachtendonner, denen er oftmals und bangend von dieser Stelle aus gelauscht. Warenzüge, allerdings noch von 41 wohlbewahrten Reisigen ängstlich umgeben, zogen durchs Thal, der großen Heerstraße zu, die gegen Wien führte. Ein Krämer kam einmal zu Hofe, ein verwegener, fauststarker Bursche, dem man lieber den Mut zutraute, sich allein in solche Wildnisse zu wagen, als man ihm in ihnen begegnet wäre. Er trug noch Passauer Segen, die kugelfest machen, Alraunwurzel, Wundsalbe und solcherlei Dinge mit sich; aber auch schon einen geweihten Rosenkranz, den der Alte für sich kaufte ohne Feilschen, weil das bei solchem Handel Sünde gewesen wäre, und andächtig küßte, silberne Ringe und sonst wohlfeilen Schmuck, von dem der Gregor etwas für die Lois kramte. Zum Dank berichtete der Fremde Wunderdinge. Da hatt' er im wilden Walde, wo sich sonst niemand angesiedelt, einen Kohlenmeiler rauchend gefunden, den Köhler mit seinem Weibe dabei und war von ihnen gastlich empfangen worden. Eine starke Räuberbande war überfallen und gesprengt worden; die man fing, hatte man in sämtliche Städte des mährischen Landes verteilt und überall einige von ihnen gehangen, damit jedermann seine Warnung und jeder Galgen seine gebührende Zierat hätte. Blitze Eisen in der Sonne, so müsse es nicht mehr das von 42 Schwertern sein. Bald nach seinem Scheiden siedelte sich ein Bauer in der Nachbarschaft, nicht ganz eine Wegstunde weit, im Thalgrunde an, und machte ein Gebot auf ein Stück Grund, das ihm paßlich lag. Der alte Hirschvogel ging hin, den Kauf abschließen. Aufgeregt und trunken – es hatte Wein gegeben zum Leutkauf – kam er heim. In seinem Gurte klang sein eigen Geld und er vergnügte sich unablässig an seiner Musik, weil ihm war, als hätt' er all die Zeit her in der Dienstbarkeit seines Sohnes gelebt, sei ihrer nun ledig und könne den meistern. Etwas Tabak bracht er heim; mit dem Gregor, froh, dem etwas geben zu können, was er entbehrt, rauchte er davon, statt wie sonst von seinem giftigen Zigeunerkraut und erzählte, wie wohlig sich's jener Nachbar, vordem gleichfalls Soldat, aufgethan und was für prächtiges Gerät er habe – ganz wie vor dem Kriege bei ihnen. Er sei noch unbeweibt. Ihnen zu Füßen saß dabei die Lois und er sah sie an: sie horchte verdutzt den Wundern und schlich sich dann, betrübt, daß sie niemals Aehnliches gesehen, von dannen. Der Alte atmete auf. Ihr Anblick, ihr umgewandelt' und stilles Wesen war ihm heut' peinlich. Denn sie ward gelassener, in sich versunkener mit jedem 43 Tage, als wüchse in ihr ein Geheimnis auf, dessen Gedeihen sie gespannt und mit verhaltenem Atem lauschen müsse . . .

Es war aber eines eigen bei alledem: je mehr sich der Hof belebte, je mehr zumal das neue Heim aufwuchs und Form gewann, desto unruhiger in sich, desto erregbarer und minder fähig, seine Stimmungen zu verhehlen, wurde der alte Hirschvogel. Noch war das Chaos, das Ungeformte; noch waren hier Gruben und dorten stieß man sich an Pfosten. Wenn aber dies alles auch schon beseitigt, die ganze Fläche reinlich planieret, jede Spur der verstörten Zeit ausgereutet gewesen wäre, dann blieb noch immer eins, und zwar das Schlimmste von allem. Was ihm einmal, noch vor kurzem, wie selbstverständlich erschienen, das sich zwischen dem Gregor und der Lois begeben, das offenbarte sich ihm gemach nach seiner ganzen Verwerflichkeit. Also entzog er sich den beiden, stierte durch Stunden auf den Neubau, der rasch und rascher vorrückte, und wußte selber nicht, warum ihn jeder Fortschritt daran so erfreute wie erschreckte. Aber er war ihm, ohne daß er Klarheit darüber hatte, in sich selber ein Sinnbild der wieder aufgerichteten Ordnung im Lande, die das nicht mehr dulden konnte, 44 worüber man vordem hinweggesehen hatte. Einmal stieg's ihm auf, was wohl geschehen müßte, wenn die Lois ein Kind brächte aus einer solchen Verbindung, die kein Priester jemals weihen, die man niemandem offenbaren durfte. Und nun entsann er sich mit eins aus den Jahren noch lange vor dem Krieg, daß er einmal Bruder und Schwester um ein gleiches Vergehen richten sah: am Brandpflock standen sie, Rücken zu Rücken, damit nicht eines dem anderen ins Auge sehen könnte: denn ihre Liebe war so groß wie sündig und sie hätten sich aneinander getrösten mögen. Ein Band ging um beider Brust und eine Lohe verzehrte sie und tilgte den Greuel. So sah er den Gregor und die Lois vor sich: es war nicht gar viel Neigung für seine trutzige und eigenwillige Brut in ihm, eher noch für das Mädchen, das doch immer neben ihm hergelaufen war, und dennoch schrie er aus seinen Gedanken heraus auf, als ihm dies Bild drohend und blutrot auftauchte. Was aber thun? Wie diese auseinanderreißen, die sich aus freien Stücken sicherlich nicht ließen? Und war nicht ein Zeuge vorhanden? Das Knechtlein, das auch um das wußte, was die zwei zu verbergen sich nicht die mindeste Mühe gaben und das leicht 45 einmal mehr sprechen konnte, als es durfte. Er plärrte Gebete und sie brachten ihm keinen Trost, denn er durfte seinem Herrgott nicht anvertrauen, warum er eigentlich flehte, und so mußten ihm seine Worte kraftlos erscheinen. Er konnte nicht um Austilgung des Schrecklichen, nicht um seinen Weiterbestand zu seinem Gotte schreien, Pein war alles, nachdem ihm erst im eigentlichen Sinne klar geworden war, was um ihn war. Und so taumelte er aus einem Abgrund in sich in den anderen; suchte Betäubung in den altgewohnten Mitteln; der Rausch und die graue Entnüchterung aber lähmten ihn gleicher Weise; und je inständiger er die Notwendigkeit erkannte, etwas zu beginnen, so mehr zagte er davor in diesen kurzen Spätherbsttagen mit den langen Abenden, die so fürs Grübeln waren, mit den endlosen Nächten, in denen er immer wieder aus dem Schlummer aufschrak. Denn nun ging etwas durch die Stube, nun vernahm er ein Pochen, das doch nur in ihm war; nun riß der Wind am alten Hause und ächzte sehr kläglich. Die Schrecken, die sich in seine Seele aufgerichtet, die empfand er nun überall und wußte ihnen nicht mehr zu entrinnen.

Und er mußte sprechen! Das war das Schlimmste daran. Denn er hatte es niemals 46 gekonnt und nun, wo er sich mehr und mehr in seine Gedanken einspann, traute er sich's minder, denn je. Und dazu sah er, wie aus jedem seiner Worte unter jeglicher Bedingung Zerstörung fließen muß, Zerstörung eines Glückes, das, wenn es auch im Moder wurzelte, dennoch eine reichbelaubte und freudig grüne Krone gen Himmel hub. Aber auch dieses erregte ihn: wie konnten sich diese beiden so frank und unverhohlen, einander so hingegeben haben und nehmen, wenn er den bittersten Sorgen und aller Höllenpein dahingeworfen war? Und er fürchtete sogar seine Kinder; fürchtete in seiner Hilflosigkeit die Kraft und die Ruchlosigkeit des Gregor, die er groß genug meinte, um, mußt' es sein, den feindseligen Mahner selbst aus dem Leben zu stoßen. Er aber hing nunmehr recht innig daran, wie einer sich mit der Rast freut nach einem langen, mühseligen ziellosen Schreiten unter grauem Himmel, die plötzlich ein letzter Sonnenstrahl verklärt. Was also beginnen? Und wie nur dem Gregor allein ankommen? Denn die zwei wichen kaum mehr von einander, Gewöhnung verstärkte hier nur den ungesättigten Hunger, den sie immer noch nacheinander trugen. Sie waren Genossen in allem, sie taugten einander in jedem. Und je mehr 47 Wenzel Hirschvogel das erkannte, desto heftiger schauderte es ihn vor dem, was er dennoch vollbringen mußte. So gingen ihm Tage, Wochen in ungemeiner Eile dahin. Schon kündigte sich der Winter an und ihn trieb seine Unrast umher, wie ein Falllaub, das der Wind kreiselnd umtreibt. Es war an der Zeit, hoch an der Zeit! Denn, kam erst wieder der Frühling ins Land, dann mußte sich das nicht länger mehr verhehlen lassen, was das Licht der Sonnen niemals erblicken durfte.

Und so saß man wieder beisammen. Der Kienspan glomm rötlich und knisterte leise. Den nächsten Tag wollte man mit der inneren Einrichtung des Neubaues beginnen. Die Lois hatte den Kopf auf den Tisch gelegt, denn sie ward nun öfter laß und matt. Ihr braunes Haar hing ihr in starken Zöpfen über die Schulter und sie hielt sich regungslos, wie eine Schlafende. Der Gregor hielt sein starkes Messer in Händen und schnitzelte an einem Stück Holz in der Gedankenlosigkeit eines gründlich Uebermüdeten. Denn sie sputeten sich: es war ohnedies ein Wunder, daß die Herbstregen nicht schon eingefallen waren und man mußte die kurze Gunst der Zeit nützen. Niemals sah er seinem Vater so bedrohlich aus, wie nun; denn selbst die 48 Ruhe verriet seine Kraft. Und es war sonderbar, daß gerade daraus dem Bauern eine Art von Mut erwuchs. Wie er so ruhelos auf und ab schritt, und der Hund das mächtige Haupt, das auf den Knieen des Gregor lag, unablässig und argwöhnisch mit den funkelnden Augen nach ihm wendete, so daß er erkennen konnte, wie ihm der Junge alles, sogar das Tier abwendig gemacht, da quoll ihm mit dem Hasse auch eine Zuversicht, ein Vertrauen auf, daß ein noch Stärkerer seine Sache an sich nehmen und führen werde. Nur ein Wort ersehnt' er, darauf er erwidern könnte, daß ein Anfang gemacht wäre, aus dem dann leicht weiteres käme. Und da »Möcht' sich der Vater nicht endlich einmal setzen? Das macht sich nicht gar gut. Zum Herumlaufen ist der Hof« . . .

Er blieb stehen, sah den Gregor fest und eindringlich an. Beider Augen tauchten ineinander: fragend die des Jüngeren wegen des sonderbaren, fast irren Ausdruckes in denen seines Vaters, scheu und trotzig und ängstlich – zornig zugleich die des alten. Und jählings stieß er hervor: »Geh weg, Lois!«

Das Mädchen rührte sich nicht. Nur ein leises Achselzucken, etwa wie wenn man eine 49 Fliege wegjagt. »Geh weg, Lois!« rief er noch einmal und noch schriller, sich wie mancher Verzagte am Klange seiner Stimme ermutigend.

Wieder keine Antwort. Selbst die Bewegung von vorhin schien ihr nun schon zu viel. Der Bauer aber: »So schick' du sie weg, hörst? Ich muß mit dir reden, hörst? Mit dir allein.«

»Sie kann alles hören. Wir haben nichts zu verstecken vor einander, Vater.«

Der Vater trat unmittelbar an den Tisch und schlug auf mit der Faust. »Schick sie weg! Ich will's.« Auch der Gregor erhob sich, halb schon gereizt, nach Art zornmütiger, die keinerlei Art von Erregung sehen können ohne von ihr miterfaßt zu werden, halb gelassen – verwundert und die beiden standen einander bedrohlich genug gegenüber. Dann, sehr weich: »So geh', Lois.« Augenblicklich und gehorsam wendete sie sich der Thüre zu. Der Kienspan flackerte, da sie diese hinter sich zuthat, und die Schatten der Männer tanzten phantastisch dabei auf der Diele und schwankten gegeneinander. Danach, mit einem weiten und wuchtigen Schritte hart an seinen Vater herantretend: »Und jetzt? Was will der Vater?«

»Fort muß die Lois. Fort!« zeterte der Alte.

50 »Ist sie schon. Und jetzt – was willst von uns?«

»Anders. Fort muß sie für immer. Hörst? Oder es geschieht was!«

»Wird sie nicht. Und wissen möcht' ich, warum sie's soll oder was sonst geschieht. Wer wird sie zwingen?«

»Ich!«

»Du?« es war eine Peitsche in dem einen Worte. »Du? Und nicht einmal aufsteh'n thut sie, wenn du's ihr schaffst. Meinst, sie wird dir da folgen? Und wenn ich dir sag': ich laß sie nicht fort und eh daß sie geht muß wer anderer weg vom Hofe und kommt sein Lebtag nimmermehr ins Haus?«

»Zum Himmel schreit's, was sich da thut. Nicht erhört ist's worden, seit die Welt steht!«

»Ist einmal nicht wahr. Und dann: hat alles einmal angefangen: fangt das mit uns zweien an. Und die Welt wird nicht zu Grund' geh'n dessentwegen. Und merk' dir's, ich laß' sie nicht die Lois, nicht in die Zeit und nicht in die Ewigkeit. Und frag' sie doch nur, ob sie weg will von mir?«

»Die! die! Aber 's ist Sünd'! schreckliche Sünd'!«

51 »Kann sein. Nur müßt' man's in sich spüren, wenn's eine wär', mein' ich. Ich verspür' nix dergleichen. Die Lois auch nix. Wo ist denn die Sünd'?«

»Sünd' ist's. Verboten ist's von Gott, denk', von Gott selber! Und ich weiß, was darauf steht. Sie haben einmal zwei gebrannt um dasselbe, noch vor dem Krieg. Denk', gebrannt« seine Stimme war tonlos und heiser vor maßloser Erregung.

»Wenn sich die haben brennen lassen, ist ihnen recht gescheh'n.«

»Und du, was möcht'st du denn thun, wann ich hinginget, euch anzeigen bei Gericht und sie kämen dann über euch?«

»Thust du so nicht. Bered's nicht erst. Und was ich thät'? Wehren möcht' ich mich und lebendig fangen thäten sie keins von uns. Müßten schon welche daran glauben – du zuerst« und er schüttelte die Faust gegen ihn. »Und es giebt schon noch ein besseres Sterben, als sich brennen lassen.«

»Und wenn ich dich bitt': um deine Seligkeit und um die meine – thu' sie weg von dir? Denn das ist wie das fressende Feuer.«

52 Der Gregor ward ungeduldig. »Für deine Seligkeit hast doch gesorgt . . .«

»Nein, nein! Ich hab's mitangeschaut, das da und ich muß es tilgen.«

». . . Und um unsere kümmer' dich nicht,« fuhr der Gregor fort, ohne der Unterbrechung zu achten.

»Und wenn ich dich bitt' als Vater? Thu' Buß', thu' Buß'!«

Der Junge zuckte die Achseln: »Mach' ein End'! Wann du schon siehst, daß du nix richtest.«

»Und wenn ich sag': auf meinem Hof duld' ich den Greuel nicht mehr? Mach' fort, und die Lois ist mein Kind und bleibt bei mir?«

»Auf deinem Hof?« Der Gregor war wirklich verwundert. »Was gehört denn dein davon? Für wem sein Geld ist denn das alles gebaut und gekauft worden? Im Guten rühr' ich mich nicht. Und zwingen willst mich? Probier's! Und weil du sagst als Vater. Das ist auch so geredet. Was heißt das? Oder warum soll ich mich fürchten vor dir?«

»Du, du, Mörder!« Und der alte Hirschvogel stürzte sich mit schlotternden Knieen und 53 aufgehobener Rechten auf ihn zu. Der Hund knurrte drohend, richtete sich auf. Ein Satz, und er sprang den Alten jählings und gewaltig an und warf ihn nieder. Und über sich sah Wenzel Hirschvogel ein drohendes Gebiß, ein keuchender Atem dampfte ihm fast betäubend entgegen, rote, grimmige Augen des Tieres stierten ihn mit den kaum minder bösen des Gregor an. »Zurück,« rief der dem Hund, der ungerne und murrend abließ. Und dann: »Klaub dich zusammen. Und dann geh! Man hat dir's gut gemeint. Ruh' hat man dir schaffen wollen für deine letzten Tage. Du hast's halt anders wollen. Das hast du nötig gehabt. Und jetzt: daß du dich nur nicht mehr blicken läßt dahier! Merk' dir's! Lois!« und achtlos trat er in die Thür, ohne nur noch einen Blick für den so schmählich Ueberrannten zu haben. Der aber rappelte sich mühsam auf; fingernd tastete er an seinen schmerzenden Gliedern herum. Im Freien aber schüttelte er die Faust gegen das Haus mit einem Hasse, wie er ihn so unbändig noch niemals in sich gefunden.

Es war völlig Nacht, da er in den Wald hinaus trat. Er warf sich nieder und grub sein Gesicht in die Hände. Er dachte nicht einmal vor dem brennenden Gefühl der Schmach 54 und der Unbill, das in ihm war und wühlte. Und dabei war's ihm klar: der Gregor hatte recht und er war zu feig, um zu Gerichte zu gehen, zu verstockt, um all' das Gemeine, das sich auf dem Hirschvogelhofe begeben, ins Lichte zu heben. Und ungeahndet bleiben durft' es nicht . . .

Er hob sein verstörtes Antlitz. Ein sehr starker Wind hatte sich aufgemacht. Der warf ihm die letzten, losen Blätter, die längst reif zum Fallen waren, in dichteren Schauern ins Gesicht, zauste sein spärlich Haar, rumorte gewaltsam in den Aesten der Bäume und zwängte sich ächzend die Stämme hindurch, drückte den Greisen nieder, wenn er sich erheben wollte. Immer schwellend, immer mächtiger, pfeifend im Gefühle seiner unwiderstehlichen Kraft fuhr er dahin. Und Hirschvogel sah sich in seinen Jahren ohne Obdach, heimatlos und einem solchen Sturme preisgegeben. Nun erst fühlte er die Schmerzen des Falles. Sie aber, drinnen und geborgen, thaten sich gütlich, lachten seiner, mißachteten weiterhin Gott und sein Gebot. Das durfte nicht sein! Und ihm kam's wie Wahnwitz und wie Erleuchtung zugleich: wo niemand Richter, dort ist jeder Richter. Er zunächst: und er hatte die Strafe zu verhängen 55 und zu vollziehen, die nach allen Gesetzen auf ihrem Verbrechen stand. Er kroch zurück. »Brennen müssen sie, brennen,« stammelte er, und die Lohe aus vergangenen Tagen glomm wieder vor ihm auf und leuchtete in den nächtigen Wald hinein. Wie ein Tier schlich er sich geduckt zum Lattenzaun: Moos häufte er und schlug mit verklammten Fingern Feuer. Ein Funken fiel in den Zunder. »Herrgott! ich hab' das Meinige gethan, nun ist's an dir!« schrie er in völliger Verwirrung. Und während sich die Flamme erhob und behend aufstieg, kehrte er sich und suchte seinen Weg. Und mitten durch den Windesbraus, das Stöhnen der Bäume, das Krachen und Rieseln der Aeste hörte er einen dumpfen, gebietenden Schlag. Nun hatte sich die Kartaune entzündet, ein Notzeichen, das niemanden warnte, das niemanden zur Flucht mehr trieb . . .

Den andern Morgen war der Hirschvogelhof völlig niedergebrannt. Von seinen Bewohnern erhielt man keinerlei Kunde mehr, durch die Welt aber zog ein der Sinne beraubter Bettler – der alte Hirschvogel, und verkündigte die Greuel, die hinter ihm lagen, das Gericht des Herrn, das sie geahndet. Er ward sehr alt dabei und als er starb, war 56 er vielleicht der einzige Zeuge und das letzte Opfer einer Zeit, die nur zu viel Opfer gefordert, die, wie ein furchtbares Raubtier, stark genug war, mit ihrem letzten Prankenhiebe noch jedes Glück in ihrem Bereiche zu zerschmettern – einer verstörten Zeit.

 


 








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