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Versöhnt und gesühnt

Wilhelm Asmus: Versöhnt und gesühnt - Kapitel 7
Quellenangabe
authorWilhelm Anthony
titleVersöhnt und gesühnt
publisherJ. G. Bössenecker
year1869
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
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VI.

»Das nenn' ich eine Ueberraschung, Mosjö Fischering! I du meine Güte, ich wüßt' nicht, ob ich meinen Augen trauen sollte, ob nicht, da Sie so plötzlich, so rein mir nichts dir nichts, in's Haus traten!«…

»Glaub's wohl, Mutter Theo,« sagte der Angeredete und drückte der alten Haushälterin freundlich die Hand, die ihn mit besonderer Zuvorkommenheit auf der Hausflur empfangen und nun in ein behagliches Parterrestübchen führte, wo er sich erst ein wenig »verpusten« sollte, ehe er zum Herrn Commerzienrath hinaufsteige. In Wahrheit drängte es die schwatzhafte Alte, Dies und Jenes von dem Agenten ihres Gebieters zu erfragen, was ihr vielleicht schon lange auf dem Herzen liegen mochte. Sie trippelte alsbald zu einem Wandschrank und holte eine Rheinweinflasche hervor. »Wein löst jede Manneszunge,« sagt ein altes Wort. Daran mochte Mutter Theo denken.

»Euch zum Willkomm' nipp ich auch einmal!« rief sie, die Gläser füllend. Ihre rothe Nase bewies zur Genüge, daß ihr das »Nippen« wohl nicht so neu sei.

»Schön Dank!« sagte Fischering und lehnte sich, nachdem er mit sichtlichem Wohlbehagen das Glas geleert, in den bequemen Großvaterstuhl zurück.

Die Alte füllte die Gläser auf's Neue. Er machte eine abwehrende Bewegung.

»Wie, Mosjö Fischering, habt Ihr in Amerika das Trinken verlernt?« rief sie lächelnd und »nippte« von dem duftigen Wein, der gar lockend in den grünen Gläsern funkelte…

»Noch Alles wie sonst« – sagte der Ankömmling, dessen schwarzes Auge prüfend den kleinen Raum durchflog. Er hatte Mutter Theo's Frage wohl kaum gehört. Man sah es seinen Mienen an, daß seine Gedanken weit – weit anderswo weilten. Die breitbrustige, stämmige Figur des Mannes deutete auf ungewöhnliche Körperkraft. An den gewaltigen Nacken schloß sich ein kurzer, dicker Hals und auf diesem thronte ein unverhältnißmäßig großer Kopf. Der braune verwitterte Teint, die starkmarkirten nicht abstoßenden Züge schienen auf ein wildbewegtes Leben voll Kampf, Ungemach und Gefahr hinzuweisen. Kurzes, negerartig gekräuseltes Haar umgab diesen runden Kopf. Eine breite Wunde verunstaltete die Stirn. Muth und Entschlossenheit lag in dem dunklen, feurig blitzenden Augenpaar. Der Mann hatte etwas Wildes und Verwegenes an sich, das zwar bei'm ersten Anblick frappiren, doch keineswegs einen üblen Gesammteindruck hinterlassen konnte. Sein Anzug glich dem eines Seemanns, nachdem er den eleganten und weiten Sommerpaletot abgeworfen. Der Strohhut mit dem schwarzseidenen breiten Bande stand dem braunen, bartlosen Gesicht nicht übel. Die breite, hochgewölbte Brust deckte ein rothwollenes Hemd, aus dem eine schwere, goldene Uhrkette hervorblitzte. Die schneeweißen Hosen hielt ein breiter Gürtel von Glanzleder oberhalb der Hüften. Er hatte sich's in ungezwungener Stellung auf dem unter seiner Last bedenklich knarrenden Lehnstuhl bequem gemacht, als sei er bei der Mutter Theo wie zu Hause.

»Ja Alles noch wie damals,« wiederholte die alte Theo, die bereits das zweite Glas ausgenippt hatte, ohne eine sichtbare Wirkung des starken Rheinweins vermerken zu lassen, »doch das bezieht sich auch nicht auf Alles. Mit mir ist's noch bei'm Alten. I du meine Güte, was gäb's da für Neuerungen zu erwarten? – Noch ein Gläschen, Fischering, ich bitte. – Sonst aber hat sich hier doch Manches verändert, seitdem Ihr fort gewesen. Freilich, freilich, 's ist auch eine gute Zeit her! Laßt mich nachzählen. August – September, nein doch im August war's, daß Ihr vom Commerzienrath nach Drüben geschickt wurdet. Jetzt sind wir auch bald wieder im August – also fast ein ganzes Jahr. Wie doch die Zeit hingeht! Und wie ging's denn D'rüben? Ist Alles nach Wunsch ausgefallen? Es war eine knüffeliche Geschichte, so viel ich weiß. Ihr wolltet damals nicht recht mit der Sprache heraus. Aber jetzt, da Alles vorbei und hoffentlich nach Wunsch beendet ist, könnt' Ihr mir's schon sagen.«

»Auch jetzt nicht!« sagte er kurz und fest.

»Wie? Eurer Gevatterin, wie Ihr mich immer nanntet, Eurer guten Gevatterin Theo wollt' Ihr's verschweigen? Bin ich doch verschwiegen wie das Grab! Also kramt aus! Mir brennt die Neugier das Herz ab. Müssen ja doch ganz curiose Dinge gewesen sein! Der guten Gevatterin Theo könnt' Ihr ohne Gefahr Alles sagen.«

»Geht nicht! darf nicht aus der Schule schwatzen. Es hat auch für Euch kein Interesse! Der Commerzienrath würde mich, glaub' ich, zu allen Teufeln jagen, wenn ich nur ein Wort plauderte. Das sind so aparte Dinge, die er lieber ganz und gar für sich behielte und auch mir gar nicht vertraut haben würde, hätte er mich nicht gebraucht, um… Stopp, Fischering! Kein Wort mehr davon! Doch, was gibt's hier denn Neues? Ihr sagt, es sei Manches inzwischen vor sich gegangen.«

»Ja – so allerlei, daß der Herr Protonotar gestorben«…

»Das weiß ich. Davon hört' ich drunten im Hafen. Es war die erste Neuigkeit, die man mir mit dem ersten Willkomm' an den Kopf warf. Nun ich denke, der Herr hat sich darüber getröstet. So eine stattliche Erbschaft mildert den Kummer beträchtlich.«

»Mit der Erbschaft hat's aber doch seinen Hacken. Nach dem Familienstatut (ja so glaub' ich nennt es der Mosevius) fällt die Hinterlassenschaft jedes Kindes an das älteste Familienmitglied und …«

»Nun? das ist doch der Herr Commerzienrath!«

»Der Mosevius meint's nicht. Es ist nämlich… Eigentlich sollt' ich's Euch nicht sagen, weil auch Ihr so hinter dem Berge haltet… Es ist nämlich noch Einer von Drüben gekommen… Einer, den wir längst todt glaubten… Der sich selbst schon so zu sagen hatte todt melden lassen…«

»Goddam – sprecht's aus ohne Fratzen! Wer?«

»Der alte Herr!«…

»Hahaha – welch ein Ammenmärchen hat Euch der alte Mosevius aufgeschwatzt!«

»Es ist die volle, blanke, reine Wahrheit, Mosjö Fischering.«

»Unsinn! der liegt längst vermodert im Urwald, oder auf dem Schlammgrunde eines amerikanischen Flusses… oder die Rothhäute haben ihn meinetwegen scalpirt… oder ein Büffel hat ihn zertreten… oder sonst etwas! der zurückkommen? Lächerlich! War ja schon halb hin, da er fort ging und verrückt dazu!«…

»Glaubt, was Ihr wollt – ich weiß, was ich weiß!«

Er sprang in sichtlicher Erregung auf und maß mit großen Schritten das kleine Gemach, ein wildes Goddam um das andere hervorstoßend. Die Nachricht schien ihn zu beunruhigen, je mehr dieselbe durch die Sicherheit der Alten glaubhaft werden mochte.

»Und was sagt der Herr zu der Bescheerung? Weiß er's denn?«

»I du meine Güte, gewiß weiß er's! Uns Alle traf die Nachricht wie ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel. Der Protonotar war eben gestorben. Da kam er an – wie ein Abgeschiedener, der im Grabe lebendig geworden und durch ein Wunder gerettet ward. Ich werde den Abend nicht vergessen bis zu meiner letzten Stunde.«

»Goddam – ist er hier im Hause?«

Sie schüttelte den Kopf und schlich zur Thüre. Ein Geräusch auf der Flur mahnte die Haushälterin an ihre Pflicht. Sie streckte den Kopf heraus, rief dem »Gevatter« ein kurzes: »wartet« zu, und verschwand eiligst. Er hörte sie draußen eine Weile laut sprechen. Endlich ward es wieder still. Die Hausthüre schloß sich mit lautem Geläut. Mit einem Briefe in der Hand kehrte Mutter Theo in die Stube zurück.

»Nur fünf Minuten, bester Fischering. Da kommt ein eiliger Brief aus dem Paulinum. Ich muß ihn sogleich zum Herrn Commerzienrath hinauftragen, kann dann zugleich erfragen, ob Ihr schon hinaufkommen sollt. Was nun wieder da drin steht in dem Briefe? Der Herr Candidat haben ihn eigenhändig geschrieben. Es hat große Eile, sagte der Bote zwei Mal und ich sollte ihn sogleich abgeben, sagte er. Eigentlich sollte er ihn eigenhändig abgeben. Das ging ja aber nicht. Der Mosevius ist grad' oben.«

»Der Mosevius? der lebt also auch noch? der fromme Schuft!«

»Wie Ihr nur so gotteslästerlich reden mögt. Der gute Mosevius!… doch da steh' ich und plaudere und soll ja den Brief besorgen. Ich wüßt zu gern, was da drinn steht – aber ein dickes Couvert. Da läßt sich kein Buchstab' durchsehen. Schade! Schade!«…

Und damit trippelte sie abermals von dannen.

Fischering hatte wenig Acht gegeben auf das, was die alte Schwätzerin von dem Briefe gesprochen. Er goß hastig ein Glas Wein hinab und ging dann auf's Neue in großer Unruhe auf und ab.

»Vermaledeite Geschichte!« brummte er. »Das zieht uns hier einen gewaltigen Strich durch die Rechnungen! Vereitelt uns manches Projekt! Dazu der Tod des Protonotars! Daß ich nicht da war, als er davon mußte. Hatte noch Manches mit ihm – Goddam, das ist mein altes Pech! Und dazu die saubere Botschaft, die ich noch von Drüben mitbringe! Es wird ein sauberer Abend werden! Ich wollt', ich hätte mich längst salvirt! Der Höllenschwindel wird ärger und verwickelter in diesem Hause von Jahr zu Jahr und ich begreif's nicht, wie der Herr Commerzienrath bei alledem noch immer so sanftlächelnd in die Welt hinein schauen mag, als hing' auch nicht eine Gewitterwolke über ihm. Na, Gott sei uns gnädig! wenn das Wetter einmal losbricht. Denken wir lieber bei Zeiten daran, uns in Sicherheit zu bringen. Jetzt wäre dazu ein guter Moment. Goddam, ich hab's satt! Was kommt am End' noch dabei heraus? Mein Schäfchen hab' ich in's Trockene gebracht und kann leben von meinem… Ersparten. Mag der Herr Commerzienrath zuschauen, wie er durchkommt! Klappt die Geschichte zusammen, so gilt der alte Spruch: die kleinen Diebe hängt man und die großen läßt man laufen. Darum Vorsicht, Fischering!«…

*

In seinem Bibliothekzimmer, dessen Fenster dunkelfarbige Gardinen dicht verhüllten, hatte der Commerzienrath bis zum Eintritt der Mutter Theo ruhig hingestreckt in einem amerikanischen Schaukelstuhle den verschiedenen Geschäftsmeldungen des Kirchenbauvorstehers Mosevius ziemlich gleichgültig zugehört. Der Letztere ist uns ebenfalls als einer der »Frommen« bekannt, welche in B. für die innere Mission thätig waren und deren Oberhäupter öffentlich der Vorsteher des Paulinums und insgeheim der Commerzienrath waren.

Mit sichtlicher Erregung nahm der Commerzienrath die versiegelte Botschaft aus dem Paulinum entgegen. Schien er doch sogar die zweite Meldung der alten Haushälterin – Fischering betreffend – darüber zu überhören. Erst, als die Alte die Thüre öffnete, rief er ihr zu: »später, später, ich werde schon klingeln.« Und damit winkte er ihr hastig und unwirsch zu, sich so schnell als möglich zu entfernen. Mit einem vielsagenden Seitenblicke auf den Kirchenbauvorsteher ging die Alte.

Das Gesicht des Commerzienraths verrieth während der Lektüre des ziemlich langen Briefes, wie ungemein ihn dessen Inhalt interessiren müsse. Eine lebhafte Röthe verbreitete sich über sein Vollmondsgesicht. Sein stereotypes Lächeln ward immer höhnischer, grinsender. Die Hände zitterten vor Aufregung, die das Papier hielten.

Die unruhigen Katzenaugen des kleinen Kirchenvorstehers folgten jeder Bewegung des Lesenden.

Als er zu Ende gelesen, warf der Commerzienrath den Brief auf den Schreibtisch und sprang auf.

»Hülfe in der Noth!« rief er mit triumphirender Miene. »Nun kann sich Alles noch zum Guten wenden und die frühzeitige Schadenfreude unserer Feinde wird vereitelt. Aber Muth bedarf's und Schlauheit. Auf Euch kann ich zählen, ich weiß es. Aber bei Euch finde ich hauptsächlich nur die letzte Eigenschaft. Ha gut, daß mir der Fischering wieder zur Disposition steht. Dessen Entschlossenheit kann uns nützen. Er kommt wie ein deus ex machina. Er mit Euch im Bunde wird's vollenden!«

Der fromme Mosevius verstand von alledem kein Wort. Obschon er sich trotzdem Mühe gab, die pfiffige, verschlagene Miene beizubehalten, die in seinen Zügen von Natur aus lag, mußte doch wohl bei diesen räthselhaften Worten ein so mächtiges Erstaunen über diese Räthselsprache in sein Gesicht getreten sein, daß sich der Commerzienrath lächelnd entsann, daß er seinen »Freund« erst über diese Angelegenheit näher informiren müsse.

Mosevius erfuhr sodann die Entführungsgeschichte Meta's. (Der fromme Candidat und der Doktor Sandelholz hatten dem Commerzienrath die Flucht ihres Pfleglings wohlweislich verschwiegen und einen Roman dafür zusammengedichtet, dessen Glaubwürdigkeit eigentlich nur auf seiner ganz unerwarteten und abnormen Fiktion beruhte. Man hatte ihm erzählt, daß das Mädchen bei einer Gartenarbeit am Abend von einem Fremden halb durch Ueberredung, halb durch Gewalt entführt sei. Es fehlte den Heuchlern nicht an Phantasie, das Ganze so glaublich als möglich darzustellen und die Scene nach Möglichkeit auszuschmücken.)

»Ihr könnt denken,« fuhr er fort, »wie gefährlich dieses Faktum von der uns feindlichen Partei ausgebeutet würde, falls es vor die Oeffentlichkeit gezogen werden könnte. Das aber ist jetzt zu verhindern. In diesem Briefe zeigt mir der gute Sorgenthal an, daß ein frommer Feldarbeiter, der von unserem Cäcilienstifte Unterstützungen erhält, ihm gemeldet, wie er am andern Morgen das Mädchen mit einem Manne der Stadt habe zuschreiten sehen. Daß es jene Meta gewesen, ergibt sich zur Genüge aus seiner detaillirten Beschreibung. Von dem Entführer liefert der Ehrenmann ebenfalls ein genaues Signalement und es ist ermittelt, daß dieses auf einen Maler paßt, der in der Blutstraße wohnt… und der Euch, braver Mosevius bereits längst bekannt sein muß. Es ist Euer Nachbar… der Freund des Eremiten, also ohne dieses schon ein mir gefährlicher Mensch.«…

»Das Mädchen ist bei ihm!« fiel Mosevius triumphirend ein. »Ich selbst habe es heute Nachmittags in dem Garten des Malers gesehen. Blonde Locken… blaue Augen… hübsches fast streng römisches Profil… schlanke Figur… Stimmt's?«

»Es ist richtig! Glückselige Entdeckung. O theurer Freund, wie tief bin ich Euch verschuldet!… Welches Interesse mich an das Mädchen fesselt… Ihr könnt's leicht errathen«…

Ein Faunenlächeln trat in sein feistes Vollmondsgesicht. Mosevius steckte sein pfiffigstes Grinsen auf.

»Wir müssen eilen! Periculum in mora! Morgen schon wird Fischering zu Ihnen kommen. Ihr möget dann Beide gemeinsam berathen, wie Ihr den Coup am besten ausführt. Ich überlasse das gänzlich Eurer bewährten Umsicht. Seid der reichsten Belohnung gewiß. Wie viel mir daran liegt, daß der Eremit nicht erfahre, in welchem Sinne ich mich für das Mädchen interessire, könnet Ihr leicht denken – gelingt's also, dem Maler seinen Pflegling zu entreißen, so werde ich sicherlich nicht knickern!«…

»Verstehe vollkommen und habe somit für dieses Mal die Ehre mich ganz gehorsamst zu empfehlen. Der Herr wird Alles zum Besten wenden! Er segne meinen großmüthigen Gönner nun und allezeit!«

»Amen!« fiel lächelnd der Commerzienrath ein und Mosevius entfernte sich unter zahllosen ungeschickten Complimenten.

»Das war Hülfe in Noth!« murmelte tief aufathmend der Commerzienrath. »Der und der Fischering werden dem Schwärmer schon seine Beute abjagen, ehe der Eremit Näheres erfährt oder wohl gar die Kleine selbst unter seinen Schutz nimmt! – Verdammt, wenn's schon geschehen wäre. Und warum könnte es nicht?… Nein, ich will den Gedanken nicht denken – jetzt noch nicht!… Und gerade in diesem Moment muß das hereinbrechen, wo ich wegen des Bruders Erbschaft so sehr seiner besonderen Huld bedarf… Ich sehe keine Rettung ohne jene Erbschaft. Von allen Seiten drängt man sich mahnend an mich heran… ich darf meinen Credit nicht auf's Aeußerste anstrengen – das dürfte mich und meine peinliche Lage am ehesten verrathen… Mehr als ein schlauer Fuchs hat längst ausgewittert, wie es mit mir steht und schon erschrecken mich gewisse Blicke auf der Börse… Auch die Hülfsquellen sind erschöpft, die mir… Still davon! Es ist einmal geschehen – wer wagt's, mir offen vorzuhalten, wer weiß, wer ahnt, wer glaubt das? Ist das allgemeine Vertrauen ein so schwankender Boden? Steht mir nicht die Schaar der gottgeliebten Freunde zur Seite?… Was fürchte ich also… die Erbschaft gleicht Alles aus und Alles setze ich daran, sie zu erhalten. Gleich morgen fahre ich hinaus zum Eremiten! Mit einem Schlag sei's entschieden! Steh du mir bei Verstellungskunst, daß kein Zug, keine Falte meiner Maske mich verrathe! Ein ganzes, großes Leben hindurch habe ich mit derselben alle Welt getäuscht – sie wird in jener Stunde nicht abfallen. Ich halte sie mit der ganzen Energie meines Willens!… Mundus vult decipi – ergo decipiatur – das war das Motto meines Lebens und soll es bleiben bis zum letzten Hauch, wo Freund Hain die Maske mit allgewaltiger Faust niederreißt – wo die Welt das wahre Gesicht des großen Schauspielers grausend sieht und zurückbebt! Hahaha!… Eine köstliche Ueberraschung wird's sein für die höchst respektable Gesellschaft… ich aber… ich… hahaha… werde triumphirend mit einem lauten: »nunc plaudite« diese Welt des ewigen Mummenschanzes verlassen!… Der ist ein Thor, der es nicht begriffen, daß er selbst mitspielen muß in diesem wüsten Fasching, will er nicht die klägliche Rolle der Eule spielen, die an's Tageslicht fliegt und gerupft und gehöhnt wird von Groß und Klein!… Was heißt Wahrheit? – rufe ich mit Herodes. Was heißt Treue, Liebe, Glaube in dieser Welt des Truges und des Scheines? Nur überspannte Phantasten und Kinder glauben an diese Schemen; wir, die wir sie wohlweislich für jene Unmündigen als Gängelband gebrauchen, spotten selbst über diese plumpen Hülfsmittel, mit denen wir diese kindische Welt beherrschen!… Nur Genießen heißt Leben! Das ist die Quintessenz aller Lebensweisheit! Genießen mit jeder Faser, mit jedem Atom!… Man spricht auch von höheren geistigen Genüssen, ah, wie lächerlich! Von Genuß durch die Werke der Kunst, durch die Forschungen in der Wissenschaft… man lebt für sogenannte große, cosmopolitische Ideen, Hirngespinste und Illusionen aller Art … lächerliche Phantastereien!«…

Er hatte sich während dieses Selbstgesprächs dem Tisch genähert, auf dem die Studirlampe stand, und ließ eine kleine Silberglocke dreimal schnell nach einander anschlagen.

Gleich darauf trat Mutter Theo in's Bibliothekzimmer.

»Der Fischering soll kommen«…

»Er ist nicht mehr da, Herr Commerzienrath.«

»Nicht mehr da?… Was soll das heißen?«…

»Als ich herunter kam, fand ich ihn in sehr übler Stimmung und bereits zum Fortgehen gerüstet. Ich sagte: er möge noch einige Minuten warten, der Herr Mosevius würde gleich fortgehen. Da ward er ganz wild und aufgebracht und sagte zu mir: er hätte keine Lust hier unten wie ein Supplikant lange zu antichambriren oder so was dergleichen. Ja, das hat er gesagt und den Strohhut stülpte er sich auf und sah roth aus wie unser kalkutischer Hahn, wenn ihn die Nachbarjungen mit Lehmkugeln werfen. I du meine Güte – sagt' ich – Ihr wollt' doch nicht im Ernst so fortgehen, Gevatter?… Da gab er mir aber gar keine Antwort mehr, sondern stürmte davon und murmelte allerlei in den Bart… nein, nicht in den Bart er hat ja keinen aber man sagt's ja so. Ich hab' nichts davon gehört, als die Worte: soll mich kennen lernen der Commerzienrath… und was denkt er sich und so dergleichen und damit war er weg und schlug die Thüre so heftig hinter sich zu, daß ich vor Schreck in den Lehnstuhl falle.« …

»Wißt Ihr seine Wohnung? Hat er sein früheres Quartier nicht wieder bezogen?«

»Kann ich nicht sagen, Herr Commerzienrath.«

»Der Johann soll sogleich dorthin gehen. Findet er ihn zu Hause, so soll er ihn mitbringen. Ich… ließe bitten. Versteht Ihr, Theo?«

»Ganz wohl. – Der Johann wird's schon machen.«

Damit trippelte sie eilig davon.

»Es wird wieder einmal die gewöhnliche Exaltation, der übertriebene und sich verletzt fühlende Ehrgeiz sein, der ihn forttrieb. Auf ihn zähle ich gleichwohl noch sicherer, als auf den heuchlerischen Schuft, den Mosevius. Kommt er nicht heute noch, so gehe ich morgen in aller Frühe zu ihm. Das versöhnt ihn gewiß, darauf kenn' ich den stolzen Burschen«…

Ein alter Buchhalter brachte die Zeitungen.

Der fromme Mann vertiefte sich alsbald in die Waaren- und Handelsrapporte und in die Coursberichte. Dann erst überflog er die übrigen Spalten, welche der Politik und den Tagesneuigkeiten gewidmet waren. Ein kleiner Artikel mit der Überschrift: »Noch ein Wort über das Paulinum,« fesselte alsbald seine Aufmerksamkeit. Der Aufsatz lautete:

Es ist uns wiederholt von einer gewissen Partei der Vorwurf gemacht worden, daß wir mit besonderer Rigorosität und offenbarer Schadenfreude (sic?) das Wesen und Treiben in einem hiesigen Correktionshause zur Sprache brachten und beleuchteten. Unserem Leserkreise gegenüber bedarf es schwerlich keines besonderen Nachweises, wie ungegründet jener Vorwurf sei. Wir haben stets nur unwiderlegliche Fakta berichtet. Ein solches liegt uns auch heute wiederum vor, welches ganz dazu angethan sein dürfte, die allgemeine Aufmerksamkeit auf dieses Institut zu lenken und auf's Neue die Frage zur öffentlichen Diskussion zu bringen: ob unter der dermaligen Verwaltung und bei der dermaligen Erziehungsmethode wirklich jene gottwohlgefälligen, segensreichen Resultate erzielt werden können, deren eifrigste Lobredner – die Vorsteher jener Anstalt selber sind. Ein seit vorigem Jahr dem Institut von einem bekannten Philantropen (sic?) anvertrautes Mädchen ist vor zwei Tagen aus der Anstalt entflohen und zwar nicht nur um dem persönlichen Teufel, der dorten zumal um Mitternacht zahlreiche Visiten abstattet, zu entgehen, sondern auch um sich den abscheulichsten Nachstellungen zu entziehen, die wider ihre jungfräuliche Ehre von Seiten gewisser Männer angestellt wurden, welche jenem Institut vorstehen!!! Das Mädchen irrte – aller Hilfsmittel beraubt – längere Zeit in dem Sandberg-Wäldchen umher, bis ein wahrer Menschenfreund sich ihrer erbarmte. Das beste Dementi solcher Fakta hätte das Paulinum nur dadurch geben können, daß es in christlicher Nächstenliebe die halb Verhungerte, armselig Bekleidete sogleich hätte aufsuchen und in »der Anstalt der Barmherzigkeit« mit offenen Armen aufgenommen hätte… Wir überlassen dem Leser alle Folgerungen und Reflexionen!…

Zornig schleuderte er das Blatt zu Boden.

»Elende Spürhunde!« rief er mit ergrimmter Stimme. »Alles, Alles wird ihnen kund… Von einem bekannten Philanthropen – und das infame, impertinente sic? gleich hinterher, das eine ganze Broschüre voll giftigster Ironie aufwiegt. Es ist kein Zweifel – man weiß, wie sehr ich bei dieser Geschichte betheiligt bin… Sollte auch der Eremit davon wissen?… Ob der Artikel direkt von jenem schurkischen Maler ausgeht?… sicherlich! Es wird einen öffentlichen Scandal abgeben! Dürfen wir es jetzt noch wagen, einen Gewaltstreich zu unternehmen? – wird diese zweite Entführung jetzt noch räthlich sein?… Der Eremit muß zunächst sondirt werden… Es kann mir nicht schwer fallen, mich ihm gegenüber rein zu waschen. Und selbst das Mädchen – wessen kann es mich zeihen?… zum Scheine kann ich mit dem Candidaten brechen… Der Eremit wird darüber frohlocken! Er sieht meine Beziehungen zu Sorgenthal und dem Paulinum ungern, seitdem er sich persönlich überzeugte, wie's dort hergeht. Der Candidat hätte einem Manne von solchem Scharfblick gegenüber vorsichtiger sein müssen. Er aber tappte in die Falle!… Gleichviel, morgen weiß ich, welcher Weg zur Rettung bleibt!… Noch gibt's für mich allüberall ein Hinterthürchen… warum verzagen? Aber Vorsicht! Vorsicht vor allen Dingen!«…

Wiederum war es Mutter Theo, die ihn in seinen nicht eben erfreulichen Reflexionen unterbrach.

»Es ist bereits 8 Uhr und Alles in Bereitschaft« – meldete sie.

»Was ist in Bereitschaft? Was soll dieses Wispern, dieses Augenblinzen – ich verstehe Sie nicht.«

»Der graue Salon…«

»Was soll's denn jetzt noch mit dem grauen Salon?«

»Fräulein Idali!«…

»Ganz recht, gute Theo! daß ich das auch vergessen konnte.«

Er strich hastig über die Stirn, als wolle er alle anderen Gedanken weglöschen, deren Nachwirkung sich in den tiefen Falten zeigte.

»Ist sie schon da?«

»Es hat schon zweimal unten an der Gartenpforte geläutet.«

»Alles sicher?«

»Alles, Herr Commerzienrath. Der Johann ist zum Fischering. Der alte Buchhalter ist heimgegangen. Im Comptoir ist seit einer Stunde Alles still. Die jungen Herren bleiben nicht gern länger, als sie nöthig haben. Die Lichter sind von allen Pulten längst ausgelöscht. Der Buchhalter hat abgeschlossen wie gewöhnlich…«

»Gut, Mutter Theo! Geh' sie hinunter zur Gartenpforte. Die Kleine möchte ungeduldig werden.«

Die Haushälterin ging.

Er warf hastig den Schlafrock ab, auch die altmodische weiße Weste. Aus einem Kleiderschrank holte er einen eleganten blauen Frack mit goldenen Knöpfen und einer Weste nach modernstem Schnitt. Eine buntseidene Cravatte, die ein blitzender Demant hielt, vollendete den Anzug des plötzlich zum Gentleman metamorphosirten Tartüffs. Er tänzelte, eine Opernarie trällernd, zu einem Stehspiegel, der seine ganze Figur zurückstrahlte. Entsetzt fuhr er mit beiden Händen zum Haupt hinauf.

»Das wäre eine schöne Ueberraschung gewesen!« brummte er.

Mit besonderer Hast langte er jetzt aus einem verborgenen Fach seines Schreibsekretairs eine sauber frisirte Perrücke hervor, deren kunstreiche Federn dicht über dem Schädel die schwarzen Locken anschloßen, so daß man kaum in der Nähe selbst bemerken konnte, daß zweierlei Haar dies edle Haupt bedecke.

Nochmals trat er vor den Spiegel und betrachtete jetzt mit sichtlichem Wohlbehagen seine immerhin noch stattliche und wohlconservirte Figur. Als wäre ihm an diesem Abende auch nicht das Geringste begegnet, das seine heitere Laune hätte trüben können, schritt er lächelnd und trällernd mit der Studirlampe aus dem Zimmer. Ueber einen weiten Corridor, dessen Wände al fresco Gemälde schmückten und der von oben sein Licht erhielt, gelangte er zu einem Seitenflügel des nach modernstem Geschmacke erbauten und mit raffinirtem Luxus ausgestatteten Hauses. Durch ein kleines, zeltartig decorirtes Entré kam er in den grauen Salon.

Es war ein ovales, gar traulich hergerichtetes Zimmer, welches in einem erkerartigen Ausbau lag. Von der Decke hing eine Ampel von grünem Glas, in derselben funkelte ein vierspaltiger Gasstern und warf durch die Ampel ein hellgrünes Licht in den Raum. Man sah nur ein orientalisches Sopha, zwei Tabourets und einen Tisch. Den Fußboden bedeckte ein blumenreicher Teppich. Vor den Fenstern wuchsen riesige Epheupflanzen empor, welche sich bis zur gewölbten Decke emporzogen. Schlingpflanzen aller Art umkletterten die marmorgrauen Tapeten. Dazwischen glänzten die farbigen Blüthendolden und die duftreichen Blumenkelche exotischer Gewächse. Das Ganze machte so den Eindruck einer allerliebsten Laube, deren Fußboden von herabgefallenen Blumen überdeckt war.

Auf dem Tisch sah man das reiche Service eines erlesenen Soupers. Hinter dem Kübel einer kleinen Sykomore stand der silberne Champagnerkühler.

Mit Schmunzeln und Lächeln, trällernd und tänzelnd, betrat der sonst so ernst und gravitätisch einherschreitende fromme Mann diesen reizenden Ort seines abendlichen Rendezvous. Die Lampe hatte er im Entrézimmer zurückgelassen. (Das Zwielicht war in Hinsicht auf seine – Perrücke doppelt angenehm)…

Bald darauf hörte man Schritte im Vorzimmer. Ein leises Lachen … Die Thüre öffnet sich und eine kleine Gestalt in weitfaltigem, altmodischem Tuchmantel, einem riesigen Hute aus dem vorigen Jahrhunderte mit dreifachem Schleier auf dem Kopfe, schiebt sich in's Gemach.

Der Commerzienrath trat erstaunt zurück vor dieser unerwarteten Erscheinung. »Verzeihen Sie,« – begann die Alte mit näselnder Stimme – »daß ich störe. Ich sollte Ihnen nur die Nachricht von meiner Enkelin bringen, daß sie leider heute Abend verhindert ist, Ihre freundliche Einladung anzunehmen… allein… aber der Senator … Sie wissen Herr Commerzienrath, wie's bei'm Theater ist… der Herr Senator Schleemüller hat sich melden lassen auf heut' Abend – er gehört zum Theater-Comitté und darum«…

Ein überlautes jugendfrisches Lachen unterbrach diese langathmige Periode – Mantel und Hut fielen und ein allerliebster, eleganter Dandy stand vor dem erstaunten Commerzienrath. Ehe er noch zu Worte kommen konnte, hatte der junge Elegant ihn umarmt und geküßt unter neuem, unauslöschlichem Lachen über den in jeder Weise geglückten Maskenscherz.

Die Tänzerin nahm sich in ihrer männlichen Metamorphose allerliebst aus. Es mußte dem Commerzienrath nicht schwer werden, der hübschen Schelmin den Schreck zu verzeihen, den sie mit der Absage der näselnden Großmama gemacht.

»Nun mon cher« – rief sie mit komischer Würde einige Schritt zurücktretend und die Arme mit großem Anstand übereinanderschlagend – habe ich jetzt Talent zur Comödie, oder nicht?«

»Ich habe es nie bezweifelt, theure Rosa,« sagte er und ergriff die kleine Hand, die er mit glühenden Küssen bedeckte.

»Doch – doch und noch mehr der Senator!«…

»Hoffentlich wirst du ihn jedoch nicht auf ähnliche Art von deinem Schauspieltalent überzeugen wollen?«

»Wer weiß,« rief sie übermüthig lächelnd und wiegte den allerliebsten Lockenkopf zweifelnd hin und her. »Es wäre sehr pikant!«…

– »Aber du weißt doch, daß ich den Senator« –

»Als Nebenbuhler betrachtest? Hahaha! O mon cher ami, wie tragt Ihr schwachen Männer zu Eurem eigenen Nachtheil doch Euer Herz oft auf der Zunge.«

»In diesem Punkte will ich dir und deinen Schwestern gern das Prädikat des starken Geschlechtes zuerkennen.«

»Nur in diesem Punkt? Wie ungalant! Doch passon là dessus. Setzen wir uns. Ich habe Appetit. Zum Dessert erfährst du von mir einige sehr pikante Neuigkeiten, die ich dir aber nur gegen den Korallenschmuck austausche, den du mir seit vorgestern – hörst du wohl! – seit vorgestern versprochen hast!«…

»Tauschen wir gleich! Ich bin auf deine Neuigkeiten stets so gespannt, daß ich bis zum Dessert nicht warten kann. Hier schöne Rosa ist der Schmuck… Erzähle!«…

»Allerliebst… die Fürstin U. trug gestern einen ganz ähnlichen im Theater. Morgen ist sie nicht die Einzige, die sich dieser Nouveauté rühmen darf!… Nun wenn ich jetzt schon erzählen soll… fülle die Gläser zuvor… Du kennst meinen gout zu gut, als daß ich die Sorte erst bezeichnen sollte… Ha wie das zischt und braust und perlt! Trinke doch – trinke! das ist der wahre Wein der Liebe!… Kein Wunder, daß nur Frankreich denselben producirt.«

»Ein deutscher Liebhaber, mein Engel, könnte aus diesem so apodiktisch ausgesprochenen Schatz für sich gar deprimirende Consequenzen ziehen.«

»Das verstehe ich nicht!… Noch ein Glas!… Es lebe … Ja was denn?«…

»Gott Amor!«…

Die Gläser klangen hell zusammen. Die kleine Tänzerin leerte ihr Kelchglas mit einer bewundernswerthen Virtuosität und warf sich dann in sehr ungezwungener Stellung zurück in die schwellenden Kissen des Divans.

»Also jetzt die Neuigkeiten: Nummer Eins – Ich erhielt heut' Vormittag den Besuch einer meiner liebsten Freundinen, die ich seit Jahren nicht sah. Wir begannen in S. unsere Bühnencarriere zu gleicher Zeit. Sie ist reizend. Du sollst sie kennen lernen. Zwar ist sie ein wenig sehr… wie soll ich sagen… ein wenig prüde und empfindlich – aber ich arrangire schon Etwas, woran sie keinen Anstoß nehmen wird. Sie hat Glück gehabt, derweil ich sie nicht sah. Denke dir, sie sieht aus als sei sie erst vierundzwanzig Jahre und ist schon doppelte Wittwe.«

»Und das nennst du ein Glück!«

»Gewiß, denn ihr zweiter Mann, ein reicher Pflanzer, hinterließ ihr eine halbe Million Dollars.«

»Ihr Name?« .

»Sennora Jannos.«

Todtenbleich stand er auf von seinem Sitze.

»Wie sagst du?« fragte er mit bebender Stimme und hielt sich, als schwanke er, an dem Tische, dessen Gläser und Porzellan klirrte.

Sie wiederholte den Namen. Er durchmaß mit heftigen Schritten den Salon.

»Was ist dir urplötzlich? Kennst du einen Sennor Jannos?«

»Nein – nein… Es ist nur ein Herzkrampf… die Frage war… ganz… ohne Absicht hervorgestoßen… der plötzliche Schmerz trieb mir die Gedanken toll durch einander… Es ist schon vorüber.«

»Ich muß doch die Freundin ein wenig näher ausforschen –« dachte die schlaue Tänzerin. »Dahinter steckt etwas, und wer weiß, wozu mir das dienen kann.«

»Der Fischering soll mir morgen Nachricht geben,« beruhigte sich der Commerzienrath. »Er muß doch von Allem wissen. Was will diese Sennora hier?… Er soll todt sein?… Warum lief auch der wilde Bursche davon! Entsetzlicher Zweifel«…

»Fast habe ich den Muth verloren, in meinen Neuigkeiten fortzufahren« – begann nach einer Weile die Tänzerin, der die Unruhe ihres Anbeters nicht entging.

»Doch – ich bitte! Die erste war mir ja doch in sofern interessant, als die Sennora sehr schön sein soll und ich… und du mich mit mir…«

Er fühlte selbst nicht, wie unglückselig seine Entschuldigung ausfiel. Die Tänzerin benutzte, (obschon sie sehr wohl erkannte, daß ihr Anbeter vor innerer Aufregung nicht wisse, was er spreche) sie zu einer sehr geschickt gespielten Eifersuchtsscene, über die wir jedoch wie über die nachfolgende Versöhnung den Vorhang fallen lassen.

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