Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Mathias McDonnell Bodkin >

Verschwindende Diamanten und andre Detektivgeschichten

Mathias McDonnell Bodkin: Verschwindende Diamanten und andre Detektivgeschichten - Kapitel 4
Quellenangabe
pfad/bodkin/diamante/diamante.xml
typenarrative
authorMathias McDonnell Bodkin
titleVerschwindende Diamanten und andre Detektivgeschichten
publisherVerlag von J. Engelhorn
seriesEngelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek
volume18. Jahrgang. Band 3
firstpub
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20111220
quellewww.alte-krimis.de
Schließen

Navigation:

Nur ein Haar.

Als Beck die breiten Steinstufen zum Haupteingang von Holmhurst, dem stattlichen Landsitz des Herzogs von Southern, hinaufstieg, eilten zwei Männer hastig an ihm vorüber. Der eine war groß und schlank, und sein kluges Gesicht kam Beck bekannt vor; der andre hinkte ein wenig, er war kleiner, von untersetzter Statur und hatte ein unbedeutendes Aeußeres. Im Vorbeigehen hörte Beck noch ein Stück ihrer Unterhaltung.

»Die Lösung, zu der ich gekommen bin, ist die einzig mögliche logisch-wissenschaftliche Folgerung; wenn der Herzog nur begreifen wollte ...«

Die elektrische Glocke ertönte. Ein betreßter Diener erschien und führte Beck geradeaus, durch die mit Erinnerungszeichen vieler Jahrhunderte geschmückte Halle, nach dem Privatgemach des Herzogs, dem Bibliothekzimmer, wo dieser zu arbeiten pflegte. Der Herzog schritt gleich einem pflichttreuen Wachtposten in dem Raum hin und her, immer auf demselben Streifen des Teppichs. Er war ein hübscher stattlicher Vierziger mit breiten Schultern und einem wohlwollenden Gesicht, das man gerne anschaute. Doch jetzt lag eine Wolke von Unruhe und Verdruß in den freundlichen Zügen. In seiner inneren Aufregung hörte der Herzog weder die Meldung des Dieners, noch bemerkte er, daß Beck leise das Zimmer betrat, sondern setzte seinen ruhelosen Marsch fort, wobei er fortwährend vor sich hinmurmelte.

Beck sank geräuschlos in einen großen Ledersessel und wartete. Zugleich beobachtete er aber die Gestalt, die wenige Fuß entfernt, rastlos an ihm vorüberschritt, mit scharfen Blicken.

Endlich fielen die Augen des Herzogs aber doch auf den geduldig dasitzenden Geheimpolizisten. Er blieb mitten in seinem Laufe stehen und starrte den fremden Eindringling mit ärgerlichem Erstaunen an.

»Verzeihung, mein Herr,« sagte er, »ich habe nicht das Vergnügen – darf ich fragen, – wer –«

»O! – Mein Name ist Beck. Sie haben nach mir telegraphiert.«

»Herr Beck, der berühmte Detektiv?« fragte der Herzog, indem er höflich bemüht war, seine Verwunderung über die äußere Erscheinung des Mannes zu verbergen.

Beck wehrte die schmeichelhafte Anrede mit einer Bewegung seiner großen Hand ab.

»Ich werde mein Bestes thun,« sagte er bescheiden, »und die Leute meinen, ich hätte meist Glück. Worin kann ich Ihnen dienen, Herr Herzog?«

»Sie können mir aus dem größten Wirrsal meines Lebens helfen. Noch vor einer halben Stunde war mir die ganze Geschichte ziemlich gleichgültig – ausgenommen, natürlich, um ihretwillen. Aber nun – sind Ihnen vor dem Hause nicht zwei Männer begegnet?«

»Jawohl, dicht am Eingang.«

»Den größeren werden Sie wohl erkannt haben!«

»Allerdings kamen mir seine Züge bekannt vor.«

»Wie sollten Sie auch das Gesicht des berühmten Detektivs Murdoch Rose nicht kennen. Er hat gegen den Beinamen ›der Berühmte‹ nichts einzuwenden. Ich hatte gehofft, Sie würden diesen Fall mit ihm zusammen behandeln. Aber er ist im Zorn fortgegangen und hat mich in noch viel größerem Aerger zurückgelassen.«

»Daraus wäre doch nichts geworden,« warf Beck ruhig ein. »Murdoch Rose kann mich nicht leiden. Er nennt mich eine alte Schlafmütze, wie man mir sagt, und meint, in meinen Dickschädel könnten die Lehren der Wissenschaft nicht eindringen. – Was hat ihn denn aber so über Hals und Kopf von dannen getrieben?«

Der Herzog wurde rot und murmelte ein Schimpfwort zwischen den Zähnen, wie der gewöhnlichste Mann aus dem Volke.

»Ich möchte es lieber gar nicht sagen, wenn Sie nicht darauf bestehen. – Es empört mich, nur daran zu denken.«

Beck fuhr jedoch fort, ihn mit fragendem Blick anzusehen.

»Nun gut,« rief der Herzog, »ich füge mich ins Unvermeidliche und will Ihnen alles sagen, als wäre ich Katholik und Sie mein Beichtvater. Aber es ist wirklich abgeschmackt; Sie werden es kaum für möglich halten. Als Herr Rose alle Thatsachen gehört hatte, verlangte er, mich allein zu sprechen, und teilte mir mit, er sei überzeugt, daß meine Frau selbst den Opal gestohlen habe. Ich nahm meine ganze Kraft zusammen, um während der Unterredung ruhig zu bleiben – es gelang mir auch wunderbar, das kann ich Sie versichern. Alles, was ich sagte, war: ›Herr Rose, das ist verrückt; es ist der reinste Unsinn.‹«

»›Unsinn‹ – meinte er – ›ist oft nur ein andrer Name für das Ergebnis der strengen Vernunft.‹«

»›Aber es liegt ja nicht der Schatten eines Beweggrundes vor.‹«

»›Wo wir Thatsachen haben, brauchen wir nicht nach Gründen zu suchen.‹«

»›Die Sache ist einfach lächerlich, ein Ding der Unmöglichkeit.‹«

»›Der Schein der Unmöglichkeit muß der Wahrheit weichen.‹ – Natürlich waren wir nun geschiedene Leute. Ich benahm mich so höflich, als ich konnte. – Das wird freilich, fürchte ich, nicht weit her gewesen sein – denn er schritt gehobenen Hauptes davon. Wie aber, wenn er seine Ansicht unter die Leute bringt? – Sie können sich denken, daß ich vor Ungeduld brenne, dem Vorfall auf den Grund zu kommen – ehe es –«

»Darf ich hineinkommen?«

Das sprach eine sehr wohllautende Frauenstimme. Und ohne die Antwort abzuwarten, glitt eine jugendliche Erscheinung ins Zimmer. Die Dame mochte kaum zwanzig Jahre zählen und war leicht und anmutig wie ein junges Reh. Ihr Kleid von dunkelblauer Seide schillerte und leuchtete im wechselnden Licht wie ein klarer See bei Sonnenschein und Wolkenschatten. Diamanten funkelten an ihrem weißen Halse und in ihrem dunkeln Haar. Die Frau Herzogin war eine Amerikanerin.

»Kein Wort vor ihr,« flüsterte der Herzog hastig bei ihrem Eintritt; dann sagte er laut: »Herr Beck, dies ist meine Frau!«

Freimütig reichte sie dem Geheimpolizisten ihre kleine Hand hin, und die dunkeln Augen hießen ihn lächelnd willkommen.

»Wie froh ich bin, daß Sie hier sind! Ich habe durch meine Freundin Lily Harcourt schon von Ihnen gehört – erinnern Sie sich, der Fall mit den Diamanten? – und ich habe den Herzog gebeten, nach Ihnen zu telegraphieren. Ich weiß, Sie werden gleich herausbringen, wer meinen Opal gestohlen hat. O, solch ein Schatz, Herr Beck; Sie können sich nichts Schöneres vorstellen! Groß wie eine Walnuß – ja wirklich, Reginald – wie eine kleine Walnuß. Es gibt auch in der ganzen Welt keinen solchen Opal mehr; selbst die Königin, und wenn sie es noch so sehr wünschte, könnte sich keinen verschaffen. War es nicht eine Lust, ihn nur anzuschauen? Alle Glut und alle Farben des Sonnenuntergangs waren darin verborgen. – Ich bin freilich selbst schuld, daß er verloren ist, das weiß ich nur zu gut; denn ich bestand darauf, ihn hier zu tragen. Aber nicht wahr, Herr Beck, Sie finden ihn mir so bald wie möglich? Haben Sie doch Lilys Diamanten einen Tag, nachdem sie gestohlen waren, wiedergefunden – entsinnen Sie sich noch? Aber warnen muß ich Sie vor allem, daß Sie nicht damit anfangen, Ihren Verdacht auf die falschen Personen zu werfen. Mein Kammermädchen Lucy hat nichts mit dem Diebstahl des Opals zu thun, so wenig als ihr Liebhaber, obgleich man ihn deshalb eingesteckt hat. Wissen Sie, er hätte den Diebstahl gar nicht begehen können, ohne daß sie darum wüßte, und sie ist dessen ganz unfähig, davon bin ich überzeugt. Wir haben als Kinder zusammen gespielt – Lucy und ich – als ich noch zu Hause war, und bei meiner Verheiratung kam sie mit mir hierher – als meine Dienerin – das heißt, ich betrachte sie mehr als meine Gefährtin. Sie ist die letzte Person in der Welt, die auch nur daran denken könnte ... Aber ich vergesse, daß Sie noch gar keine Ahnung haben, wovon ich rede; weiß ich es doch kaum selbst. – Meinst du nicht, ich sollte Herbert holen, lieber Mann?« wandte sie sich an den Herzog. »Er ist im Billardzimmer. Gewiß kann er in seiner klaren, klugen Art Herrn Beck die ganze Geschichte am besten von Anfang an erzählen.«

Ihr Seidengewand rauschte, ihre Juwelen blitzten und die lebhafte Dame war verschwunden.

Herr Beck und der Herzog standen mehrere Minuten lang zusammen im großen Erkerfenster und blickten schweigend auf den schönen Park hinaus. Der frischgrüne Rasenteppich senkte sich zum Rande eines klaren Teichs nieder, auf dem Schwäne hin und her glitten, und jenseits des Teichs erstreckte sich der Grundbesitz noch so weit das Auge reichte. Schöne Durchblicke mit wechselnder Beleuchtung fesselten den Beschauer, und in der Ferne sah man unter den Bogenhallen der dichtbelaubten Waldbäume das Wild flüchtigen Fußes und schattengleich vorbeischlüpfen. Der Besitzer dieser ganzen herrlichen Waldgegend warf jetzt einen Blick voll schmerzlicher Unruhe auf den Geheimpolizisten.

»Nein,« erwiderte Paul Beck auf diesen stummen Hilferuf, »Sie haben vollkommen recht, Herr Herzog, der Verdacht ist lächerlich.«

»Herr Rose behauptet, mein Wildhüter habe es nicht gethan,« sagte der Herzog, »weil die Lösung sonst gar zu einfach wäre, und darauf sei kein Verlaß. Auch meine Frau besteht darauf, daß der Mensch unschuldig ist, weil er der Liebhaber ihrer Zofe Lucy sei, die ihr sehr am Herzen liegt. Trotz alledem steckt Markham aber unter der Beschuldigung des Diebstahls im Gefängnis; noch dazu mit einem Schuß im Bein aus Herberts Revolver. Herbert ist nämlich mein Bruder. – Aber da sind sie – Herbert wird Ihnen die Thatsachen aus erster Hand berichten, soweit wir diese selber kennen.«

Die Herzogin brachte einen Herrn von einnehmendem Aeußeren mit. Dem Herzog ähnlich, aber größer und hübscher als sein Bruder, trug er sich mit militärischem Anstand, denn er hatte zur Leibgarde gehört. Aus seinem Gesicht sprachen Freimut und Entschlossenheit; die breite Stirn war von dichten krausen Locken, in der Farbe alten Goldes mit einzelnen verstreuten Silberfäden umrahmt. Er schien wie geschaffen, die Liebe der Frauen zu gewinnen oder der Feindschaft der Männer zu trotzen – ein Mensch, dem weder Gewalt noch List etwas anhaben konnte. Beck verstand die Kunst, den Charakter des Menschen aus seinen Gesichtszügen zu lesen. Er schien vom ersten Augenblick an sehr für Herbert Selwyn eingenommen zu sein. Ein verhaltenes Lächeln zuckte um Herberts hübschen Mund, als die Herzogin ihn dem gleichmütigen Herrn Beck vorstellte – doch ließ seine Höflichkeit dem Geheimpolizisten gegenüber durchaus nichts zu wünschen übrig.

»Nun erzähle ihm die ganze Begebenheit,« drängte die Herzogin ungeduldig.

»Sie haben ohne Zweifel von dem großen indischen Opal gehört, Herr Beck,« begann Herbert Selwyn mit militärischer Genauigkeit. »Er war ein Erbstück in unsrer Familie seit den Tagen der Königin Elisabeth und soll seinesgleichen nicht in der Welt haben. Bei dem Jubiläum der Königin bot der Rajah von Mangapore meinem Bruder eine Viertelmillion Pfund dafür. Diese schwarzen Kerle verstehen solche Dinge nicht, sie denken, mit Geld könne man alles kaufen. Ihnen gibt das aber kaum einen annähernden Begriff vom Wert des Edelsteins. Bis zur Vermählung meines Bruders wurde der Opal im feuerfesten Gewölbe der Bank verwahrt: aber Ethel – ich meine die Frau Herzogin – hatte natürlicherweise den Wunsch, ihn zu tragen. Sie ließ daher einen eisernen Schrank in die Wand ihres Toilettenzimmers hinter der Tapete einfügen, dessen Schlüssel sie Tag und Nacht bei sich trug.

»Dies ist der Schlüssel,« unterbrach die junge Frau den Bericht, indem sie Herrn Beck einen kleinen, glatten Stahlschlüssel mit sehr künstlichem Bart übergab, den er genau untersuchte.

»Zufällig liegt mein Ankleidezimmer neben demjenigen meiner Schwägerin,« fuhr Herbert fort. »Während ich mich gestern abend zur Tafel ankleidete, glaubte ich – ich habe nämlich ein sehr scharfes Gehör – flüsternde Stimmen im Zimmer der Herzogin zu hören, die ich soeben erst im Salon verlassen hatte. Natürlich wurde ich mißtrauisch. Ich nahm einen Revolver vom Tisch, zog meine Stiefel aus und schlich sachte an die Thür des Nebenzimmers. Drinnen sprach richtig eine Männerstimme. Nun öffnete ich die Thür so leise ich konnte und sah, daß die Kerzen brannten. Der Mann stand, mir den Rücken kehrend, dicht bei der Ecke, wo sich, wie man mir gesagt hatte, der eiserne Schrank befindet. Das Mädchen stand der Thür gegenüber und kreischte auf, als sie mich sah, worauf der Mann zum offenen Fenster stürzte, das wenigstens zwanzig Fuß hoch über dem Boden ist, und hinabsprang. Als er um einen Rhododendronbusch bog, schickte ich ihm eine Kugel nach, die ihm durch die Wade ging. Unterdessen war das Frauenzimmer schon durch die Thür entflohen. Natürlich folgte ich ihr, um das Haus zu alarmieren; da traf ich auf der Treppe mit meiner Schwägerin zusammen, die, durch den Schuß erschreckt, herbeieilte.

»›Bist du verletzt?‹ rief sie.

»›Ich fürchte, es ist niemand verletzt,‹ antwortete ich, ›der Kerl ist entwischt.‹ Ich wußte damals noch nicht, daß ich ihn getroffen hatte.

»›Ein Einbrecher!‹ rief sie. ›O, mein Opal!‹ Wahrhaftig! Bis zu dem Augenblick war mir der Opal gar nicht einmal eingefallen.

»Wir gingen sogleich zusammen in ihr Zimmer zurück. Der Schrank war offen und der Schlüssel im Schloß. Alle andern Juwelen – einige von großem Wert – waren unberührt, aber der Opal war fort.«

»Und der Mann?«

»Es stellte sich heraus, daß es des Herzogs erster Wildhüter, Namens William Markham, war. Er meldete sich selbst, dabei blutete er wie ein gestochenes Schwein; aber er beteuerte seine Unschuld. Natürlich hatte er den Opal nicht. Man verband seine Wunde und dann wurde er ins Gefängnis gebracht.«

»Und das Mädchen?«

»War Lucy, mein Kammermädchen,« fiel die Herzogin ein; »sie kam weinend zu mir und erzählte mir alles. Sie ist das beste Geschöpf von der Welt. Du entsinnst dich doch, Reginald, wie sie voriges Jahr unsern kleinen Archie gepflegt hat, als man meinte, er habe Diphtheritis, so daß alle sich vor Ansteckung fürchteten und ich nicht zu ihm durfte. Er liebt die gute Lucy – nach mir – glaub' ich mehr als sonst jemand in der Welt. Sie war in meinem Zimmer, Herr Beck, als ich es gestern verließ, nachdem sie mich angekleidet hatte, und die Lichter brannten noch. Es scheint, daß Markham, der ihr Liebster ist, sie am Fenster gesehen hat und hinaufgestiegen ist. Aber sie schwört, daß keins von ihnen an den Opal auch nur gedacht habe, und ich glaube wirklich –«

»Herr Beck braucht nur Thatsachen, Ethel,« unterbrach sie ihr Eheherr lächelnd; »die Schlußfolgerung kann er selber ziehen.«

»Darf ich das Toilettenzimmer einmal sehen?« fragte Beck.

»Gewiß.«

»Und auch das Kammermädchen?«

»Ich werde sie Ihnen sogleich schicken.«

Beck hatte kaum Zeit, einen prüfenden Blick in dem Zimmer umherzuwerfen, dessen Wände mit hellblauer Seide bedeckt waren, als er ein schüchternes Klopfen an der Thür vernahm.

»Herein!« rief er, worauf ein hübsches junges Mädchen eintrat. Ihre Augen waren rotgeweint und sie zitterte an allen Gliedern, so daß sie sich kaum aufrecht halten konnte: doch sah sie unschuldig und ehrlich aus.

»Setze dich, mein Kind,« sagte Beck wohlwollend, »und erzähle, wie sich alles zugetragen hat.«

»Es ist allein meine Schuld,« stieß sie schluchzend hervor. »Nun ist der Willy verwundet und man wird ihn vor Gericht bringen, am Ende vielleicht gar hängen, und er ist doch so unschuldig, wie ein neugeborenes Kind!«

»Es war alles deine Schuld? Was war denn deine Schuld, liebes Kind?« fragte Beck beschwichtigend. Aus den braunen Augen, die in Thränen schwammen, traf ihn ein empörter Blick.

»Der Opal war's nicht!« rief sie. »Wir haben ihn nicht angerührt, wenn Sie das etwa meinen. Der Willy kam wahrhaftig nicht wegen des Opals – er kam – ich sagte ihm ja gleich, er müsse wieder gehen, aber er wollte durchaus nicht, bis ich ihm – nicht eine halbe Minute ist er überhaupt dagewesen, und keines von uns hat an den Opal gedacht, bis Herr Herbert plötzlich mit seiner Pistole hereinstürzte und ihn geschossen hat. Sie sind von der Polizei, wie ich höre,« schloß sie ganz demütig: »Sie werden gewiß alles aufbieten, um Willy zu retten, nicht wahr?«

»Ihn zu retten, liebes Kind, wenn er unschuldig ist, und ihn einzusperren, wenn er's nicht ist.«

»O, mehr will ich gar nicht!« antwortete das Mädchen voll Dankbarkeit; »ich weiß, daß er an der schlechten Geschichte weder in Gedanken, noch mit der That irgendwie beteiligt ist.«

»Jetzt möchte ich nur ein paar Fragen ganz ehrlich und der Wahrheit gemäß von dir beantwortet haben. – Weißt du, wo deine Gebieterin den Schlüssel zum Juwelenschrank zu tragen pflegt?«

»Sie trägt ihn gewöhnlich an einer kleinen goldenen Kette um den Hals und verbirgt ihn im Kleide.«

»Kannst du dich entsinnen, ob sie ihn gestern abend trug?«

»Jawohl. Sie kleidete sich zeitig zu Tische an und ich sah die Kette an ihrem Halse und den Schlüssel an der Kette, ehe sie in den Salon hinunterging.«

»Nicht wahr, du kanntest die ganze Einrichtung des Schrankes?«

»Versteht sich.«

»Und du wußtest, daß der Opal darin war?«

Sie hielt einen Augenblick inne und sah ihm mit ihren ehrlichen braunen Augen gerade ins Gesicht.

»Wenn Sie meinen, daß ich den Schlüssel an mich gebracht und den Opal gestohlen haben könnte – das wäre für mich zu jeder Stunde des Tags oder der Nacht ein Leichtes gewesen – dazu brauchte ich den Willy nicht. Aber ich hab's nicht gethan, und der Willy hat's auch nicht gethan, wenn er auch deshalb eingesperrt ist. Wir wünschen nichts sehnlicher, als daß Sie die Wahrheit herausbringen; dann wollen wir beide für Sie beten, bis an unser Lebensende.«

»Ich werde mir alle Mühe geben, mein Kind,« sagte Beck, sehr wohlwollend. »Die Wahrheit ist auf des Brunnens Grund – sagen die Leute – und das Wasser ist öfters etwas trübe; aber ich werde sie herausfischen. Willst du nun der Frau Herzogin sagen, daß ich sie gerne ein paar Minuten sprechen möchte, wenn sie die Güte haben wollte.«

»Ich werde jemand zu ihr schicken. Solange diese Schande auf mir lastet, kann ich ihr nicht unter die Augen treten.« –

»Nun, Herr Beck, was sagen Sie jetzt?« rief die junge Frau in lebhafter Erregung, als handelte es sich um ein Rätsel, dessen Lösung man auf der Stelle finden oder von vornherein aufgeben müsse.

»O, ich sage gar nichts,« erwiderte Beck gleichgültig.

»Aber Sie haben mich doch rufen lassen; Sie wollten mir doch etwas sagen?«

»Nein – etwas fragen möchte ich Sie, Frau Herzogin. Haben Sie den Schlüssel vom Juwelenschrank, den Sie mir vorhin zeigten?«

»Hier ist er.«

Beck untersuchte die Kette genau. Sie war an einer Stelle mit einem scharfen Instrument durchschnitten.

»Sie wissen nicht, wann dies geschehen ist?«

»Das kann ich nicht sagen. Ich vermißte den Schlüssel nicht, bis ich ihn im Schloß des offenen Schrankes fand.«

»Haben Sie ihn gestern abend mit hinunter genommen, als Sie in den Salon gingen?«

»Ja, soviel ich weiß; aber ganz sicher bin ich nicht, ich kann mich nicht genau daran erinnern.«

Beck ging nun mit dem Schlüssel in der Hand gerade auf die Ecke des Zimmers zu, wo sich der Schrank befand.

»Woher wissen Sie denn, daß der Schrank dort ist, Herr Beck?«

»Ich habe es Ihrem Kammermädchen an den Augen abgesehen, während sie von dem Juwelenschrank sprach.«

Als sich der feine Schlüssel im Schloß drehte, wichen die eisernen Riegel zurück und die schwere Thür öffnete sich auf glatten Angeln. Der Schrank, ein Meisterstück der Konstruktion, ging ins Dunkel der Wand hinein. Beck konnte sehen, daß er aus zwei Abteilungen übereinander bestand, die durch einen Boden aus feinem, dichtgeflochtenem Stahldraht getrennt waren. Beide Abteilungen waren mit Schmucketuis angefüllt.

»Es fehlt hier nichts außer dem Opal?« fragte Beck.

»Nein, sonst nichts.«

»Wo war er? – in der unteren Abteilung?«

Die Herzogin nickte, verwundert darüber, wie er das hatte erraten können.

Beck nahm nun eine kleine elektrische Lampe aus der Tasche, öffnete den Schieber und berührte die Feder, die sie entzündete. Dann untersuchte er Boden und Seitenwände des Schrankes aufs genaueste mit einem Vergrößerungsglas, wobei er den Kopf tief in das unterste Fach steckte. Als er ihn wieder zurückzog, fühlte er, daß ihn etwas am Hinterkopf kitzelte. Er wandte das Licht nach oben und entdeckte eine Anzahl feiner Stahlspitzen, die aus dem Stahlboden hervorstanden. Diese fesselten seine Aufmerksamkeit derart, daß es der Herzogin auffallen mußte.

»O,« rief sie, »das hat nichts zu bedeuten. Den kleinen Fehler im Drahtboden habe ich schon von Anfang an bemerkt; das Gewebe muß an der Stelle ein wenig schadhaft sein. Die Spitzen haben mich auch schon am Kopf gestreift. Anfangs wollte ich es ausbessern lassen, ich vergaß es aber, und später merkte ich es gar nicht mehr. Wahrscheinlich habe ich mich gewöhnt, den Kopf zur Seite zu halten.«

Beck erwiderte kein Wort. Er steckte den Kopf noch einmal in das Fach und erneuerte seine Untersuchung der Seiten und des Bodens mit noch größerer Sorgfalt als vorher.

»Hat außer Ihnen niemand etwas mit dem Schrank zu thun, Frau Herzogin?« fragte er nach einer längeren Pause.

»Nein, Herr Beck,« sagte die kleine Dame, die ungeduldig wartete, bis er endlich den Kopf zum letztenmal zurückzog, und die Lampe zuschnappen ließ.

»Ich weiß nun alles, was mir der Schrank zu sagen hat,« meinte Beck. »Seine Geschichte ist sehr interessant; doch muß ich sie einstweilen für mich behalten.«

»Wenn dem so ist und der Schrank Ihnen weiter nichts zu sagen hat,« versetzte die Herzogin in etwas mißmutigem Ton, »so wird mein Gemahl sich freuen, wenn Sie in der Bibliothek das Frühstück mit ihm einnehmen wollen. Mich entschuldigen Sie wohl. Mein Schwager geht mit dem Nachtzug nach London zurück, und ich habe Vorbereitungen für seine Abreise zu treffen.«

Während Beck sich das Frühstück trefflich schmecken ließ, zeigte der Herzog nur wenig Appetit.

»Wie steht es, Herr Beck, haben Sie eine Fährte gefunden?« fragte er endlich nicht ohne Erregung. Beck schlürfte sein Glas starken Madeiras mit großem Behagen, dann sagte er: »Man findet nur immer zu viele Fährten, Herr Herzog; die Schwierigkeit ist, sie auseinanderzuwirren.«

»Könnten Sie mir nicht vom augenblicklichen Standpunkt der Angelegenheit aus erklären, was Ihre Theorie über das Verbrechen ist?«

»In meinem Leben habe ich noch keine Theorie gehabt; ich halte es mit Thatsachen. Wenn man mit einer Theorie anfängt, so kommt man leicht dahin, ihr die Thatsachen anzupassen, und den Thatsachen darf man nicht Gewalt anthun. Die Arbeit des Detektivs hat keine wissenschaftliche Grundlage; sie gleicht weit eher einem Blindekuhspiel. Man tappt hierhin und dorthin. Wenn man mit dem Kopf gegen die Mauer rennt, kehrt man um und versucht es anderswo, bis man den Mann mit Händen greift, auf den's gemünzt ist.«

»Was würde wohl Ihr Freund Rose zu dieser Ansicht sagen? Er betreibt die Sache rein wissenschaftlich.«

»Ich erinnere mich, Herr Herzog, daß ich einmal als Knabe eine Art Märchen von einem Land gelesen habe, wo man den Menschen wissenschaftlich auszumessen pflegt; man maß mit einem Quadranten und berechnete dann Länge, Breite und Dicke trigonometrisch. Je nun, nach Belieben! Mir ist das gewöhnliche Centimetermaß gut genug.«

»Für einen so geschickten Polizisten haben Sie doch eine etwas geringe Meinung von Ihrem Beruf.«

»Ich bin weder klug noch geschickt, Herr Herzog; aber vielleicht fahre ich eben deshalb nicht schlechter. Ein Geheimpolizist kann leicht zu klug sein. Der dressierte Hund in der Ausstellung ist sehr geschickt und seine Kunststücke sind ganz nett anzusehen, aber er taugt nicht dazu, einen Fuchs zu fangen.«

»Können Sie den Fuchs fangen, um den es sich hier handelt, Herr Beck?«

»Ich hoffe, daß ich seine Spur gefunden habe, mehr kann ich jetzt nicht sagen.«

»Wie lange können Sie noch hier bleiben?«

»Ich muß mit dem Nachtzuge nach London. Es ist überhaupt zweckmäßig, wenn sich der Dieb in Sicherheit wiegt, damit er – oder sie – die Vorsicht vergißt. Ich habe ein Geschäft in London, das sich nicht aufschieben läßt.«

»Mit dem Nachtzuge? Dann reisen Sie mit meinem Bruder zusammen.«

»Das weiß ich. Die Frau Herzogin hat es mir gesagt. Ich hoffe, es wird mir gestattet sein, in demselben Coupé zu fahren. Nehmen Sie es nicht für ungut, aber ich finde großes Wohlgefallen an Ihrem Herrn Bruder. Er ist klug, besonnen und gewandt; kurz, ganz der Mann, mir bei diesem Stückchen Arbeit behülflich zu sein.«

»Er wird gewiß froh sein, Ihnen zu helfen, wenn er kann, denn diese elende Geschichte ist ja ebenso quälend für ihn, wie für uns. Er wohnt in London nahe beim St. James Park und kann frei über seine Zeit verfügen, seit er den Militärdienst aufgegeben hat.«

»Ich werde ihn nicht unnötig bemühen; aber es ist mir schon recht, zu wissen, daß ich im Notfall auf ihn rechnen kann.«

Herbert Selwyn erneuerte in eigener Person das Versprechen der bereitwilligen Beihilfe, das sein Bruder für ihn gegeben hatte.

»Behandeln Sie mich als Lehrling in Ihrem Fach, Herr Beck,« sagte er scherzhaft; »ich bin bereit, überall hinzugehen und alles zu thun, wodurch ich Ihnen helfen kann, den Opal oder den Dieb in die Hände zu bekommen. Was den Dieb betrifft, so meine ich freilich, Sie brauchten nicht weiter zu suchen als im Kreisgefängnis, wo Markham steckt.«

Es war Herrn Herbert höchst angenehm, die Fahrt in der Gesellschaft Becks zu machen, und so vertauschte er seinen Schlafwagen gegen ein Rauchcoupé erster Klasse. Der Schaffner erhielt ein gutes Trinkgeld, um Eindringlinge abzuweisen, und die beiden Herren rauchten und plauderten gemütlich während der ganzen Fahrt. Beck hatte natürlich manche Geschichte zu erzählen, die seinem Gefährten interessant war, aber der hauptsächliche Gegenstand ihres Gespräches war doch der gestohlene Opal. Sie verhandelten des längeren und breiteren darüber, und der Geheimpolizist bekannte offen, daß er seinem Reisegefährten mehrere nützliche Winke verdanke. Dagegen wurde Herberts Ueberzeugung, daß Markham der Dieb sei, durch Becks Zweifel über diesen Punkt einigermaßen erschüttert. Als sie sich auf dem Bahnhof trennten, schüttelte des Herzogs Bruder dem Polizisten treuherzig die Hand.

»Hier ist meine Karte,« sagte er. »Vergessen Sie nicht, ich stehe Ihnen jederzeit zu Diensten, wenn Sie meine Hilfe brauchen können.«

»Ich werde es nicht vergessen,« sagte Beck.

Es trug sich aber zu, daß Beck zuerst Gelegenheit hatte, ihm behilflich zu sein.

Am zweiten Abend nach seiner Rückkehr trat Herr Herbert in das Empire-Theater, um dem letzten Teil der Aufführung beizuwohnen. Als er dann im Gedränge die Halle verließ, fühlte er sich plötzlich an der rechten Hand festgehalten. Er sah sich um und erblickte eine untersetzte Person, mittleren Alters, die ein Kleid von schwarzer Halbseide trug und einen großen, mit Blumen besteckten Hut dazu auf ihrem dicken Kopfe. Die Frau fing sofort an aus allen Kräften um Hilfe zu schreien: »Haltet den Dieb! Haltet den Dieb!« wobei sie wie verzweifelt mit ihrem Regenschirm in der Luft herumfuchtelte. Der Angegriffene riß sich zwar augenblicklich los, wurde aber sogleich von der Menge umringt.

»Was ist Ihnen denn passiert, Madam?« fragte ein großer Mann, der wie ein biederer Handwerker aussah.

»Der Spitzbube hat meinen Geldbeutel stibitzt,« schrie sie in größter Aufregung, »mit zehn Schillingen und kleiner Münze drin. Ich hab' gleich den Ruck in meiner Tasche bemerkt: da habe ich augenblicklich seine Hand gepackt. Zu Hilfe! Zu Hilfe!«

Zwei Polizisten, vom Gaslicht beleuchtet, alles Volk überragend, schritten mit der nur ihnen eigenen Würde über die Straße. Die Menge machte ihnen Platz, wie sich die Wellen vor dem Bug eines Schiffes teilen.

»Was gibt's hier für einen Lärm?« fragte einer der Vertreter des Gesetzes mit strengem Ton.

»Ich verklag' ihn, Sergeant! Ich verklag' ihn! Hab' ihn ertappt mit der Hand in meiner Tasche! Ein brauner Lederbeutel ist's mit einem Messingschloß: ich kann ihn überall erkennen!«

»Was haben Sie dagegen vorzubringen?« fragte der Sergeant den Angeklagten.

»O, seien Sie doch kein Narr!« rief der edle Herbert Selwyn in seiner Erregung etwas unvorsichtig.

Jetzt aber geriet der Vertreter der Obrigkeit in Feuer.

»Sie – Sie werden auf dem Polizeiamt sehen, wer der Narr ist, mein feiner Herr! Ich weiß, wie ich mit Ihrer Sorte umzugehen habe. Sie thäten besser, sich einer höflichen Sprache zu bedienen – zu Ihrem eigenen Besten. – Sie klagen diesen Herrn an, Madam?«

»Freilich klage ich ihn an. Versteht sich! Halten Sie ihn fest, Sergeant, den aufgeputzten Schurken! Wenn's mein letzter Atemzug wär', würd' ich ihn damit verklagen.«

Da legte sich die schwere Hand des Gesetzes auf Herbert Selwyns Schulter, der unwillkürlich beide Fäuste ballte.

»Nur ruhig, kommen Sie nur,« sagte der Sergeant, indem er seinen Amtsstab bedeutsam in der Hand drehte. »Kommen Sie willig – oder kommen Sie mit Gewalt! – wie's beliebt – kommen müssen Sie.«

»Wissen Sie denn, wer ich bin?«

»Brauche ich gar nicht zu wissen.«

»Mein Name ist Herbert Selwyn; ich bin der Bruder des Herzogs von Southern.«

Der Haufe brach in ein höhnisches Gelächter aus.

»Warum nicht gleich der Prinz von Wales, das kommt schon auf eins raus!« schrie eine Stimme.

»Hier ist meine Karte!«

Der Sergeant streckte seine Hand ungläubig aus; doch der edle Herbert suchte vergebens. Seine Tasche war jedenfalls ausgeraubt worden. Die Börse war zwar da, aber sein Kartenetui war fort.

»Jetzt haben wir wohl genug von dem Spaß,« fuhr ihn der Sergeant an. »Sie können's auf dem Polizeiamt fertig machen; vorwärts!«

Herbert hatte sich gefaßt. »Ich sehe, diese Eselskomödie muß ihren Verlauf nehmen; je früher sie anfängt, um so eher ist sie vorüber – ich bin bereit.«

*

Die Menge bezeigte nicht üble Lust, sich der Prozession nach dem Polizeiamt anzuschließen; aber der Sergeant winkte eine Droschke herbei. Auf der Polizei sprach die ältliche Dame sehr beredt und hastig, während Herbert die ganze Verhandlung nur gleichgültiger Verachtung würdigte. Die Anklage wurde zu Papier gebracht und der Angeklagte mit größter Sorgfalt untersucht. Ein halber Sovereign, der unter das Futter seiner Westentasche geglitten war, kam zum Vorschein. Sonst wurde nichts von verdächtiger Natur entdeckt. Aber kein Polizist gibt zu, im Unrecht zu sein, wenn er es vermeiden kann. Eine Nacht in Untersuchungshaft schien für den aristokratischen Herbert unvermeidlich zu sein.

Da, gerade als die Untersuchung fertig war und alle seine Habseligkeiten auf dem tannenen Tisch im Polizeibureau ausgebreitet lagen, hörte er eine bekannte Stimme im Vorzimmer mit dem Inspektor sprechen.

»Was vorgekommen heute abend?«

»Nichts von Belang, Herr Beck,« lautete die Erwiderung. »Nur ein geschniegelter Gauner wurde vor dem Empire-Theater mit seiner Hand in der Tasche einer alten Frauensperson betroffen. Resolute Dame das! Sie packte ihn auf der Stelle und ließ nicht locker. Er ist aber auch nicht aus den Kopf gefallen, das muß man sagen; schwört sein Name sei« – er warf einen Blick auf seine Notizen – »Herbert Ulrick Selwyn, Bruder des Herzogs von Southern. Kennen Sie etwa einen Edelmann des Namens, Herr Beck?«

»Ei, Inspektor, ich fürchte, da haben Sie etwas Schönes angerichtet,« bemerkte Beck trocken, und ohne ein weiteres Wort betrat er den inneren Raum.

»Willkommen, Herr Beck!« rief der Angeklagte. »Ich bin wahrhaftig froh, Sie zu sehen!«

»Was fällt Ihnen ein,« sagte Beck zu dem Sergeanten. »Wissen Sie auch, daß dies wirklich der Bruder des Herzogs von Southern ist?«

»Meinetwegen könnte es der Herzog selber sein,« meinte der Sergeant, halb ängstlich, halb mürrisch – »als die alte Dame ihn anklagte, war's meine Pflicht, ihn festzunehmen.«

»Sie sind ein Schafskopf, Sergeant,« erwiderte Beck lachend. »Was in aller Welt sollte den Herrn bewegen, eines alten Weibes Pfennige zu stehlen? Wo ist denn übrigens Ihre alte Dame?« Diese war unterdessen, wie sich herausstellte, unbemerkt verschwunden.

»Da haben Sie sich einen netten Salat angerührt, Sergeant,« sagte Beck.

»Lassen Sie doch den armen Teufel,« trat Herbert gutmütig für ihn ein, »er hat gedacht seine Pflicht zu thun. Hier ist der halbe Sovereign für Ihre Mühe, Sergeant. Nehmen Sie ihn nur, guter Freund. Sie haben das beste Recht darauf, denn ohne Sie wäre er niemals gefunden worden.«

Als Herbert Selwyn in Becks Begleitung das Polizeiamt verließ, kündigten die Glocken Londons mit weit schallendem Geläute die Mitternachtsstunde an.

»Wie dankbar bin ich Ihnen!« rief Herbert. »Ohne Sie hätte ich die ganze Nacht in dem Loch bleiben müssen.«

»Sie haben mir ganz und gar nicht zu danken,« sagte Beck.

»Das weiß ich besser. – Sind Sie heute abend noch einem Wild auf der Spur? Jagen Sie hinter irgend einem frechen Uebelthäter her? Nicht? Nun, dann kommen Sie mit in meine Wohnung. Wir trinken noch einen Schluck und rauchen eine Cigarre zusammen. Wenn es Ihnen recht ist, so gehen wir lieber zu Fuß: ich möchte ein wenig frische Luft schnappen, nachdem Sie mich aus dem heißen Loch erlöst haben. Vom Opal gibt's wohl heut nichts Neues – wie?«

»Ich glaube doch, heute einen Schritt weiter damit gekommen zu sein.«

»Alle Wetter, das freut mich! Etwas Näheres darf ich wohl nicht wissen? Um der Herzogin willen bin ich nämlich verteufelt gespannt.«

»Ich verspreche Ihnen, Sie sollen zu den ersten gehören, die es erfahren, wenn ich den Dieb gefangen habe.«

»Besten Dank. Da sind wir ja; geben Sie acht – es sind vier Stufen.« Er steckte den Drücker ins Schloß und die beiden traten in die Halle.

»Mit dem Aufzug ist's heute nacht nichts mehr. Aber es ist nur der zweite Stock. Die Treppe wird Ihnen wohl nichts ausmachen.«

Herbert ging seinem Gefährten voraus, eine breite, flache, mit Teppichen belegte Treppe hinauf. Als er seine Zimmerthür aufklinkte und den Raum in vollständiger Dunkelheit fand, stieß er einen ungeduldigen, aber nicht böse gemeinten leisen Fluch aus.

»Ich hab's meinem Burschen doch gesagt, er solle das Gas nicht ganz abdrehen. Ich kann niemals den Zünder oder die Streichhölzer finden.«

Beck zog ruhig eine Schwefelholzbüchse aus einer und eine kleine elektrische Lampe aus der andern Tasche.

»Sie sind ja ein Hexenmeister, Herr Beck,« sagte Herbert lachend, während er ein halbes Dutzend Flammen entzündete. Das Zimmer war groß und mit feinem Geschmack ausgestattet; alte Kupferstiche und Oelgemälde an den Wänden, alte, solide Mahagonimöbel mit geblümten Damastbezügen und ein dicker, weicher Teppich auf dem Boden, bildeten die Einrichtung.

»Es geht doch nichts über Elektricität,« sagte Herbert, als Beck sein Lämpchen löschte und wieder in die Tasche gleiten ließ. »Es ist schon ein Arbeiter bestellt worden, der morgen in meinen Zimmern elektrisches Licht einrichten soll.«

»Von Voltage & Bright?« fragte Beck.

»Jawohl, kennen Sie die Firma?«

»Man sagt, es sei die erste Firma in London und stehe ganz auf der Höhe. In meinem Geschäft muß man nämlich ein wenig mit allem vertraut sein. Die Mörder und Einbrecher – wenigstens solche erster Klasse – haben angefangen die Elektricität zu studieren, und da können wir nicht zurückbleiben.«

»Darf ich Ihnen ein Glas von meinem Whisky anbieten? Ich lasse ihn mir direkt aus Irland kommen.«

Beck ließ sich den alten irischen Whisky nebst einer erlesenen Havanacigarre schmecken und saß in einem bequemen Sorgenstuhl zurückgelehnt – ein Bild völligen Behagens.

»In den nächsten Tagen will der Herzog zur Stadt kommen,« sagte Herbert, nachdem er sich selbst versorgt hatte. »Uebermorgen gedenkt er hier zu sein; er bringt die Herzogin mit. Sie wird sich freuen, zu hören, daß Sie dem Opal auf der Spur sind.«

»Bleiben die Herrschaften längere Zeit in London?«

»Nur einen Tag – in Geschäften. Sie steigen im Viktoriahotel ab, aber sie haben versprochen, bei mir zu frühstücken. Ich hoffe, bis dahin die elektrische Beleuchtung hier fertig zu haben: meine Schwägerin ist ganz versessen darauf. Sie will den Herzog bewegen, auch in Holmhurst Elektricität einzuführen. Voltage & Bright haben versprochen, einen Beamten herüberzuschicken, der ihnen alles zeigt. Das wäre ein bedeutender Auftrag für das Geschäft. Wollen Sie nicht vorsprechen, während die Herrschaften hier sind? Beide würden gewiß froh sein, Ihren Bericht zu hören.«

»Wenn ich's möglich machen kann, gern; aber voraussichtlich werde ich sehr viel zu thun haben; also erwarten Sie mich lieber nicht bestimmt.«

»Wenn Sie kommen, werden wir uns jedenfalls freuen. Nehmen Sie noch eine Cigarre für den Heimweg. Werden Sie den Weg hinaus finden können? – Gute Nacht und vielen Dank – ich hätte eigentlich guten Morgen sagen sollen.«

Den ganzen nächsten Tag über war ein Mann mit Einrichten der elektrischen Beleuchtung in Herbert Selwyns Zimmern beschäftigt. Als dieser um sieben Uhr nach Hause kam, sich zu Tische umzukleiden, fand er den Arbeiter noch da. Es war ein zuverlässig aussehender Mann mittleren Alters, dessen ziemlich geistloses, gewöhnliches Gesicht von einem dunklen Lockenbart umrahmt wurde.

»Wann werden Sie hier fertig?« fragte Herbert.

»Morgen früh, denke ich.«

»So bald schon? Ich möchte morgen nachmittag um halb Fünf einen Elektriker hier haben.«

»Sehr wohl, mein Herr; es ist mir schon gesagt worden. Ich soll selbst wieder kommen.«

»Ich verlasse mich darauf, daß Sie Ihr Geschäft verstehen!«

»Das können Sie, mein Herr.«

»Bringen Sie alle neuesten Einrichtungen an. Ich erwarte eine Dame hier – die Herzogin von Southern – die gerne das Neueste sehen möchte, was die Elektricität leisten kann.«

»Ich hoffe, im stande zu sein, den Erwartungen der Frau Herzogin zu entsprechen.«

»Halb fünf Uhr – vergessen Sie's nicht.«

»Ich werde mich pünktlich einstellen; es soll an mir nicht fehlen.«

*

Das Frühstück verlief sehr gemütlich, und die Herzogin war überglücklich. Man hatte die Läden geschlossen und ihr zu Ehren das Zimmer mit elektrischem Licht erleuchtet, was ihre höchste Bewunderung erregte. Der Herzog vertraute seinem Bruder an, es sei das erste Mal seit dem Verschwinden des verdammten Opals, daß er sie habe lachen sehen. »Ueber dem Kummer ihrer Lucy ist ihr fast das Herz gebrochen.«

Als der Angestellte von Voltage & Bright eintraf, hielt die Herzogin keinen Augenblick mehr Ruhe am Frühstückstisch, wo die beiden Herren gerade in eifrigem Gespräch über die Aussichten eines Favoriten aus des Herzogs Stall beim Derbyrennen verhandelten. Während sie leicht und lebhaft durch die Zimmer eilte, folgte ihr der Angestellte von Voltage Bright in seiner langsamen, schwerfälligen Art.

»O, Herbert,« rief die junge Frau voll Entzücken, »was für einen reizenden Schreibtisch hast du da! Er sieht so altertümlich und wunderbar aus, gewiß hat er eine Menge geheimer Fächer.«

»Sei doch kein Kind, Ethel,« sagte ihr Gatte. »Laß Herbert jetzt in Ruhe; wir haben allerlei Geschäftliches zu besprechen.«

»Nur noch ein Wort! Weißt du, Herbert, an deiner Stelle würde ich an jeder Seite des Tisches einen Armleuchter mit Muschellichtern anbringen lassen; dann würde das schöne glänzende Holz herrlich zur Geltung kommen.«

»Das überlasse ich ganz deinem Geschmack, Ethel,« antwortete er leichthin und wandte sich dann wieder dem Herzog zu. »Du meinst also, die Aussichten wären zehn zu eins?«

»Ich möchte hier an beiden Seiten zwei Lichter haben: recht hübsch und das Allermodernste,« sagte sie zu dem Elektrotechniker.

»Ich kann Ihnen gleich das Allerneueste zeigen,« antwortete dieser gleichmütig. Er nahm eine Glasbirne zur Hand, die er am Griff gefaßt hielt. Von jeder Seite der Birne lief ein Draht bis zu einem großen Knäuel elektrischen Drahts unter dem Tisch. Als der Mann die Verbindung herstellte, hörte man ein leises Knistern und ein kaum merklicher Schimmer von grünlich-gelbem Licht zeigte sich in der Glasbirne.

»O, das ist ganz und gar nicht, was ich will, ich kann ja das Licht kaum sehen!«

Der Mann reichte ihr nun eine Art Cylinder von Pappe, der wie eine Notenrolle aussah, jedoch an einem Ende geschlossen war.

Die Herzogin hielt das geschlossene Ende an ihre Augen und sah – nichts.

»O, das ist ja abscheulich: es ist ganz finster!« rief sie.

»Einen Augenblick Geduld, gnädige Frau. Entschuldigen Sie, meine Herren!« – Nun drehte er die Schaltung der elektrischen Lampen, und augenblicklich war das Zimmer stockfinster. Der knisternde Ton in der Birne dauerte an und ihr mattes Flimmern war der einzig leuchtende Punkt in der Dunkelheit. Der Mann brachte jetzt die Glasbirne hinter eine geschnitzte Säule des alten Schreibtisches. Zugleich richtete er das Ende der Notenrolle, durch welche die Herzogin noch schaute, so, daß es genau auf das verborgene Licht traf. Während sie gespannt hineinsah, wurde das geschlossene Ende wunderbar durchsichtig und auf der leuchtenden Scheibe sah sie einen dunklen Schatten.

»Ah, ah!« rief sie, »das ist ja wunderbar! Ich sehe die Goldfassung meines Opals. Schnell, Reginald, komm her!«

Das Knistern hörte plötzlich auf und die Erscheinung verschwand. Gleichzeitig vernahm man einen unterdrückten Fluch, dem ein kurzes Handgemenge folgte, das mit einem scharfen metallischen Klang endigte. Im nächsten Augenblick flammten die elektrischen Lampen wieder auf und die Finsternis verwandelte sich in strahlendes Licht. Herbert Selwyn lag in seinem Stuhl zurückgesunken, mit Handschellen gefesselt da und der Arbeiter von Voltage & Bright neigte sich über ihn.

Der Herzog fuhr wütend von seinem Sitze empor. »Was bedeuten diese frechen Narrenpossen?« schrie er.

»Alles in Ordnung, Herr Herzog,« antwortete eine bekannte Stimme in vergnügtem Ton. »Hier ist der Dieb – und dort ist der Opal

Der Herzog starrte den Mann in maßloser Bestürzung an. Der dunkle Backenbart war verschwunden, sämtliche Gesichtszüge schienen plötzlich wie umgewandelt. Es war das gleichmütige, lächelnde Antlitz des Herrn Beck.

Der Detektiv drückte nun mit der Fingerspitze auf eine Ecke des Schnitzwerks an dem Mahagonitisch, worauf eine lange Stahlnadel hervorsprang, an ihrer Spitze das Schnitzwerk herausstoßend. Es zeigte sich eine Höhlung mitten im Holze, die ganz voll Watte gestopft war. Diese nahm Beck heraus und gab sie der Herzogin in die Hand. Die junge Frau griff nach dem Päckchen und öffnete es mit einem Schrei des Entzückens, denn in ihrer schlanken, weißen Hand blitzte und flammte ihr geliebter, unvergleichlicher Opal mit wechselndem inneren Feuer, bald rötlich, bald veilchenblau.

Der Herzog aber wandte sich zu seinem Bruder, der stumm und mürrisch dasaß, nachdem Beck ihm mit geschicktem Griff im Dunkeln die Handschellen angelegt hatte.

»Nun, Herbert,« sagte er mit gerunzelter Stirn und in so strengem Ton, wie man ihn noch nicht an ihm gewöhnt war, »was hast du dazu zu sagen?«

»Nichts! Was nützt es, viel zu reden? Ich kam hierher, bis zum Hals in Schulden, jeden Augenblick bedroht, festgesetzt zu werden, und die Viertelmillion, die in dem Opal steckt, verlockte mich. Es war ein Glücksfall, daß die beiden Narren gerade zur Zeit da waren – ich dachte es wenigstens – und machte mir's zu nutze. Wenn nicht der – aber was hilft alles Winseln? Das Spiel ist verloren. – Es fragt sich jetzt nur, was du zu thun gedenkst.«

Der Herzog warf Beck einen flehenden Blick zu.

»Ganz wie Sie wünschen,« sagte dieser vergnügt. »Ich dachte mir gleich, Sie würden die Sache geheim halten wollen. Bis jetzt weiß niemand davon als ich.«

»Du wirst England auf der Stelle verlassen, Herbert.«

»Ich wäre so wie so gegangen. Ohne Geld dürfte es hier für mich zu gefährlich sein.«

»Deine Schulden werde ich bezahlen.«

»Das kannst du halten, wie du willst, wenn der Atlantische Ocean zwischen mir und meinen Gläubigern liegt, mich geht es nichts an.«

»Fünftausend Pfund sollst du haben, um drüben ein neues Leben anzufangen.«

»Schönsten Dank.«

»Wenn du dich je wieder in England blicken läßt« – des Herzogs Stimme wurde wieder hart – »so wahr mir Gott helfe! so sollst du es mit dem Gesetz zu thun bekommen.«

Ohne Wort und Gruß wandte er sich von dem Bruder ab, der ihr Blut entehrt hatte. Seine Gattin war blaß und verwirrt; in ihren weitgeöffneten Augen schimmerten Thränen. Reginald zog ihren Arm durch den seinigen, streichelte beruhigend die kleine Hand und verließ mit Ethel das Zimmer.

Nachdem Beck Herrn Herbert Selwyn von den Handschellen befreit hatte, folgte er dem Ehepaar die Treppe hinunter. An der Thüre wartete eine geschlossene Kutsche.

»Steigen Sie ein,« sagte die Herzogin in großer Erregung zu dem Geheimpolizisten. »Ich muß alles von Anfang an hören.«

Im Hotel angekommen, winkte sie Beck, auf einem der bequemen Stühle ihres Empfangszimmers Platz zu nehmen.

»Wir haben noch gar keine Zeit gehabt, Ihnen genügend zu danken,« rief sie lebhaft. »Wie grausam, wie abscheulich, so etwas zu thun! Ich würde alles verzeihen können: aber der schändliche Versuch, die Schuld meiner armen Lucy und ihrem Liebsten aufzuladen und auch noch auf den jungen unschuldigen Menschen zu schießen – es ist zu abscheulich! Ich habe gleich an Lucy telegraphiert, sobald ich den Opal hatte. Ohne Sie, Herr Beck, würde ich dem heillosen Menschen mein Leben lang getraut und ihn gern gehabt haben! Wie sind Sie nur der Wahrheit auf die Spur gekommen? Niemals hätte ich das glauben können.«

»Was man sieht, das glaubt man, Frau Herzogin; darum ließ ich Sie sehen.«

»Aber ich muß die ganze Geschichte hören. Sie haben es wunderbar klug angefangen, das ist gewiß.«

»Ich weiß von keiner Geschichte. Nur ein wenig Glück habe ich gehabt, wie gewöhnlich, das ist alles.«

»Aber wie konnten Sie ahnen, daß der Opal in dem Schreibtisch in Herberts Zimmer sei?«

»Zuerst wußte ich das auch gar nicht. Ich meinte, er trage ihn an seinem Körper verborgen; darum dachte ich mir eine kleine Komödie aus, die dazu führte, ihn durchsuchen zu lassen. Ich verstehe mich ziemlich gut darauf, ein altes Weib vorzustellen, und – aber das können wir auf sich beruhen lassen. Als ich überzeugt war, daß er den Opal nicht bei sich hatte, war es natürlich das Nächste, sein Zimmer zu untersuchen. Aber da würde er mich beinahe wieder aus dem Felde geschlagen haben, wenn ich nicht Professor Röntgen mit seinen X-Strahlen zu Hilfe genommen hätte. Ich habe schon manches geheime Fach in meinem Leben gesehen, aber so verborgen war noch keins. Alles schien fest zusammengefügt; ich mochte messen und klopfen, soviel ich wollte, es fand sich nichts, selbst nicht unter dem Vergrößerungsglas. Sämtliche Beine der Tische und Stühle hatte ich schon untersucht, ehe ich an den Schreibtisch kam. Natürlich durfte ich nicht ablassen, bis ich durch jeden Quadratzoll Holz im Zimmer gesehen hatte, so –«

»Aber wie kamen Sie überhaupt darauf, Ihren Verdacht auf Herbert zu richten?« unterbrach ihn die Herzogin.

Beck zog sein Taschenbuch hervor, steckte Daumen und Zeigefinger in eine der Abteilungen und hielt ein helles, schimmerndes Etwas gegen das Licht. Es war ein einziges krauses Haar von kastanienbrauner Farbe mit silberweißer Spitze.

»Es traf sich glücklich, Frau Herzogin, daß Sie den Drahtboden im Juwelenschrank nicht ausbessern ließen. Wissen Sie, was das ist?«

»Ein Haar von Herbert? – Wo haben Sie es gefunden?«

»Wo es durchaus nichts zu thun hatte – an dem Drahtboden Ihres Juwelenschrankes.«

»Und dann kamen Sie darauf?«

»Dann wußte ich es.«

 << Kapitel 3  Kapitel 5 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.