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Verschiedenes

Abraham a Sancta Clara: Verschiedenes - Kapitel 4
Quellenangabe
titleVerschiedenes
authorAbraham a Santa Clara
typesketch
senderanonymus@abc.de
created20030407
correctorreuters@abc.de
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Eine Fabel

Ein Bauer ging durch einen Wald, und hörte plötzlich ein großes Wimmern, Er gieng darauf zu, und fand, daß eine große Schlange in einem engen Felsenloche eingesperrt war, indem ein vorgewälzter Stein die Öffnung schloß. Sie bat flehentlich, sie zu retten, und versprach den Bauer zu lohnen, wie die größten Wohlthaten unter den Menschen belohnt werden. der Bauer ließ sich erbitten, allein kaum ssah sich die Schlange in Freyheit, als sie ihren Befreyer erwürgen wollte, indem sie versicherte, daß das der Weltdank sey, welchen sie ihm versprochen hatte. Nun flehte der Bauer seinerseits, und man kam endlich überein, einen Schiedsrichter zu nehmen. Sie giengen, und trafen bald einen abgemergelten Schimmel auf einer dürren Waide. Sie fragten ihn, warum er sich mit so elender Kost behelfe, und nicht lieber zu Hause, und in Ruhe, seinen Haber verzehre? »Ach«, seufzte der Schimmel, »für mich giebt es keinen Haber mehr. Ich habe 30 Jahre einem Edelmann gedient, und ihn im Kriege zweymal dem Tode entrissen. Nun ich alt, und schwach bin, hat er mich verstoßen, und zum Hungertode verdammt.« Die Schlange wollte nun ohne weiters den Bauer verzehren; allein dieser behauptete, Ein Spruch reiche in solch einem Falle nicht hin, und die Schlange ließ es sich gefallen. Sie wanderten weiter, und sahen einen Hund, welcher einem Gerippe glich, und an einen Zaun angebunden war. »Wie, Herr Philax«, rief der Bauer, »ihr seht ja erbärmlich aus. Wie seyd ihr in diesen Zustand geraten?« Der arme Hund erzählte winselnd, daß sein Herr, welchem er auf der Jagd so manchen fetten Braten zugetrieben, und Haus und Hof bewacht habe, ihn verstieß, weil er nun fast blind, gehörlos sey und keine Zähne mehr habe. Er sey nun hier angebunden, und erwarte nun jeden Augenblick erschossen zu werden«. Länger wollte sich die Schlange nicht halten lassen, doch willigte sie endlich ein, auch den dritten Richter noch anzuhören. Auf ihrer Wanderung begegneten sie bald einem Fuchs, welchem sie die Sache vortrugen. Dieser blickte schlau und schmunzelnd umher. Er zog den Bauer bey Seite, und erkundigte sich, ob er einen gutbesetzten Hühnerstall habe. Dieser bejahte es, und versprach dem Richter eine reiche Beute. Nun nahm der Fuchs eine wichtige Miene an, und erklärte, das Urtheil nicht eher fällen zu können, bis er an Ort und Stelle sich von dem ganzen Vorfall genau überzeugt habe. Man begab sich zu der Felsenhöhle, und die Schlange mußte auf Befehl des Richters in das Loch zurück kriechen, um, wie er sagte, alles beobachten zu können. Es geschah, und der Bauer wälzte schnell den Stein wieder vor die Öffnung. Als er sich in Sicherheit sah, ergoß er sich in Danksagungen, und bestellten den Fuchs, am frühsten Morgen des nächsten Tages, den versprochnen Lohn in Empfang zu nehmen. Er stellte sich ein, allein zu seinem größten Unglück. Die Bäurin wollte nicht einwilligen, ihre Hühner preiß zu geben, und schlug dem armen Fuchs für die geleisteten Dienste, den Rückgrad entzwey. Sterbend jammerte dieser sein unglückliches Schicksal, und betheurte, daß ihn der Tod weniger schmerze, als der Undank, mit welchem man ihn lohnte. Diese Fabel stellt das Bild so vieler undankbaren Menschen dar, welche ihren Wohlthätern Gutes mit Bösem vergelten. Groß ist die Sünde des Undanks der Menschen gegen einander, allein noch viel unverzeihlicher ist die Undankbarkeit gegen Gott, welchem wir so viel zu verdanken haben.

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