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Verschiedenes

Abraham a Sancta Clara: Verschiedenes - Kapitel 11
Quellenangabe
titleVerschiedenes
authorAbraham a Santa Clara
typesketch
senderanonymus@abc.de
created20030407
correctorreuters@abc.de
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Holla Welt - Der alte Hafen scheppert

Wer die Welt nennt ein Meer / der nennt sie recht; das Meer hat allerley gefährliche Klippen / Würbl und Sand-Bänck / also auch die Welt / darinnen stosset mancher an eine harte Felsen / sage / an einen harten Kopf an / also / daß sein Glück völlig zu Scheittern geht: In dem Meer fressen die grosse Fisch die kleine / so fressen dann auch in der Welt die Menschen untereinander / einer ist dem andern nachstellig und aufsätzig.

Wer die Welt nennet einen Glücks-Hafen der nennt sie recht / dann aus dem Glücks-Hafen hebt mancher eine goldene Schalen / der andere eine schlechte Pfeifen / auf gleichen Form ist die Welt eingericht / dieser hebt ein wohltreffendes glückseeliges Zetl / die meisten aber lauter Falso, Nulla, Nulla, Nulla.

Wer die Welt nennet ein Comödi oder Schauplatz / der nennt sie recht / dann auf diesem Schauplatz agiret bald einer einen König / bald einen Bauren / in der Welt wird einer bald erhebt bald unterdruckt / henut ist er ein Herr / Morgen wieder leer / bald ein Edler / bald wieder ein Bettler.

Wer die Welt nennet einen Garten / der nennt sie recht / dann wie in einen Garten Blumen und Unkraut untereinander / so seynd in der Welt Gute und Böse vermischt.

Wer die Welt nennet ein Narrn-Häusl / der nennt sie recht / dann nach Aussag des weisen Manns kap.l.16.Stultorum infinitus est numerus, der Narrn ist eine unendliche Zahl.

Wie aber soll ich die Welt nennen? Holla Welt! Ich frag dich? Was vor einen Titl soll ich dir zueignen? Wer bist du? Sags her / hast du es verstanden? Holla! Die Welt antwortet mir durch den Echo in dem Wörtlein Holla! Olla, das heisst auf Lateinisch ein Hafen oder ein Topff / so ist dann die Welt ein irdischer Topff? Ja / ja / in diesem Topff ist ein wunderliche Allapatrida (Mischmasch) / wann dann also so kann ich nicht anderst als denen Weibern nachfolgen.

Wann die Weiber auf Marck gehen / Kuchl-Geschirr und andere Sachen einzukauffen / so brauchen sie allzeit einen sonderbahren Witz und Verstand / wann sie da und dort ein schönes Geschirr sehen / schön grün glassirt / gläntzend / so seynd sie nicht gleich da / nehmen und kauffen solches / tragen es nacher Haus / sondern klopffen vorhero daran / wann es einen Runtz oder abbrechischen Klang hat / da sagen sie: ihr Narrn / der Hafen scheppert ja / hat aber der Topff einen langen klangsamen Klang / so heissts alsobald: der ist gut; Indeme dann Gott gleich anfangs einen Haffner abgegeben / und ein solches irdisches Geschirr / nemblich den Erdboden verfertiget / so glaube ich gewiß / daß von denen Händen des Göttlichen Haffners dieses Geschirr in aller Vollkommenhneit seye ausgemacht worden / weilen aber der Adam einen harten Apfel hat lassen durchfallen / so zweifle ich / ob es noch in voriger Gestalt seye: Welt! Was bist du? Sag an / Holla! Olla, bey meiner Treu der Hafen scheppert.

Ich klopffe auf ein andere Seiten / da scheppert der Hafen wieder / wie da? Die Freundschaft hat einen Bruch.

Ist dann der Mensch veränderlich? Ja freylich / befördrist in der Freundschafft / heunt Freund / Morgen Feind / heunt thut er die Fuß zucken und bucken / Morgen wünscht er den Teuffel auf den Rucken / heunt heisst es: der Herr ist Patron / morgen schaut er dich nicht mehr an / bald küsst er dich und will dich fressen vor Lieb / kehr umb ein Hand / heisst er dich einen Schelm und Dieb / alle Freundschafft der Welt ist unbeständig / fordrist die an besten gläntzet / dann sie ist gleich einen Fürniß / der öffters einen faulen Holtz einen Glantz anstreichet / welches doch inwendig voller Würm ist.

Klopff ich auf eine Seiten dieses runden Geschirr der Welt / auf welche ich immer will / so finde ich halt / daß es allenthalben scheppert / und klappert / nicht beständig in Klingen und Klangen / darumb ist es Wunder über Wunder / daß man gleichwohl dieses unbeständige Wesen also liebet / nach demselbigen also trachtet / als wanne es unzerbrechlich und ewig bestehen wurde.

Gewiß ist es / daß die Welt sehr mit Narren angefüllt / und ist keine Stadt / auch kein Fleck / und kein Dorff / wo nicht Leuth dieses Gelichters gefunden werden: Dann was ist die Sünd / und unordentliche Lieb zu einer irdischen Sach anderst / als eine grosse Narrheit?

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