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Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 6. Band - Kapitel 51

Edward Gibbon: Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 6. Band - Kapitel 51 - Kapitel 1
Quellenangabe
typetractate
authorEdward Gibbon
titleVerfall und Untergang des Römischen Reiches - 6. Band - Kapitel 51
publisherprojekt.gutenberg.de
year2014
firstpub2014
translatorCornelius Melville
correctorreuters@abc.de
senderCornelius Melville
created20141015
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Edward Gibbon

Verfall und Untergang des Römischen Reiches – 6. Band – Kapitel 51

© und Übersetzung:
Cornelius Melville

 

LI
ARABER ODER SARAZENEN EROBERN PERSIEN, SYRIEN, ÄGYPTEN AFRIKA UND SPANIEN · HERRSCHAFT DER KALIFEN ODER DER NACHFOLGER MOHAMMEDS · DIE CHRISTEN UNTER DEN KALIFEN

ZUSAMMENSCHLUSS DER ARABER 632

Die in Arabien eingetretenen Umwälzungen hatten den Charakter der Araber unverändert gelassen: der Tod Mohammeds war für sie das Signal für die Unabhängigkeit, und sein hastig aufgeführtes Staats- und Religionsgebäude bebte bis in die Grundfesten. Die kleine und getreue Schar seiner ersten Jünger hatte seinen Predigten gelauscht und seine Not geteilt; war mit dem Gottesgesandten vor den Verfolgungen Mekkas geflohen oder sie wurden als Flüchtlinge in der Sicherheit von Medina aufgenommen. Die Abertausende, die ihn in der Folge als ihren König oder Propheten anerkannten, waren seinen Waffen unterlegen oder hatten sich durch seine Erfolge verleiten lassen. Die Polytheisten wurden durch die simple Vorstellung von nur einem einzigen und dazu noch unsichtbaren Gott beunruhigt; der Stolz der Juden und Christen verweigerte sich dem Joch eines irdischen und zeitgenössischen Gesetzgebers. Die neuen Glaubensregeln und die Gehorsamspflicht hatten noch keine festen Wurzeln geschlagen; und so sehnten sich viele Neubekehrte zurück nach den altehrwürdigen mosaischen Gesetzen, nach den Riten der katholischen Kirche oder nach den Götterbildern, den Opfern und den fröhlichen Festen der heidnischen Altvordern. Zudem hatten sich die arabischen Stämme mit ihren feindlichen Interessen und Erbfehden noch nicht zu einem stabilen staatlichen System der Einheit und der Unterordnung zusammengefügt, und selbst den mildesten und heilsamsten Gesetzen, die ihre Leidenschaften kanalisiert und ihre Bräuche abgeändert hätten, zeigten sich die Barbaren gänzlich abgeneigt. Nur widerstrebend unterwarfen sie sich den religiösen Vorgaben des Korans, dem Verzicht auf Wein und dem Fasten während des Ramadan-Monats, den täglichen fünf Gebeten; und die Almosen und Zehnten, die für den Schatz von Medina gesammelt wurden, waren für sie lediglich ein anderer Name für eine immerwährende, schandbare Zwangsabgabe.

Mohammeds Vorbild hatte einen Geist der Fanatismus oder der Täuschung evoziert, denn mehrere seiner Rivalen wagten es, sein Auftreten zu imitieren und die Autorität des noch lebenden Propheten zu untergraben. Der erste Kalif war an der Spitze von Flüchtlingen und Verbündeten auf die Städte Mekka, Medina und Tayef beschränkt, und vielleicht hätten die Koreischiten die Gottheiten der Kaaba wieder aufgerichtet, wenn nicht ein rechtzeitiger Tadel sie umgestimmt hätte: »Ihr Männer von Mekka, wollt ihr die Letzten sein, den Islam zu bekennen, und die Ersten, ihn zu verlassen?« Nachdem Abu Beker die Moslems ermahnt hatte, auf Gottes und des Propheten Hilfe zu vertrauen, beschloss er, durch eine kühne Attacke dem Zusammenschluss der Rebellen zuvorzukommen. Frauen und Kinder wurden in den Bergeshöhlen in Sicherheit gebracht; die Krieger zogen unter elf Standarten ins Feld und verbreiteten den Schrecken ihrer Waffen; und dieser Auftritt einer militärischen Macht belebte und festigte die Treue der Gläubigen aufs Neue. Die ungetreuen Stämme unterwarfen sich mit demütiger Reue den Pflichten des Betens, Fasten und Spendens, und noch die kühnsten Apostaten stürzten nach Beispielen von gegnerischem Waffenglück und zusätzlichen Proben von Strenge nieder vor dem Schwerte des Herrn und Kaleds.

In der fruchtbaren Provinz von Yemanah Die Beschreibung der Stadt Al Yamanah findet man bei Abulfeda, Descript. Arabiae, p. 60, 61. Im 13 Jh. standen dort nur noch ein paar Ruinen und Palmen. Gegenwärtig ist dieser Boden der Schauplatz von Visionen und Waffen eines modernen Propheten, dessen Lehre aber nur unvollkommen bekannt ist. (Niebuhr, Description de l'Arabie, p. 296-302). zwischen dem Roten Meer und dem Persergolf, in einer Stadt, die Medina an Größe kaum nachstand, hatte ein mächtiger Stammeshäuptling namens Moseilama sich zum Propheten aufgeworfen, und der Stamm Hanifa hörte auf seine Stimme. Sein Ruf zog auch eine weibliche Prophetin an; diese zwei Lieblinge des Himmels achteten den Anstand von Worten und Taten für nichts Ihre erste Begrüßung kann man umschreiben, aber nicht übersetzen. Moseilama wendet sich an die Prophetin mit folgenden Worten, oder vielmehr folgendem Gesang: Surge tandem itaque strenue permolenda; nam stratus tibi thorus est./Aut in propatulo tentorio si velis,/aut in abditiore cubiculo si malis;/Aut supinam te humi exporrectam fustigabo, si velis,/Aut si malis manibus pedibusque nixam /Aut si velis eius (Priapi) gemino triente aut si malis totus veniam./ Imo, totus venito, O Apostole Dei, clamabat foemina. / Id ipsum, dicebat / Moseilama, mihi quoque suggessit Deus . (Und so erhebe dich endlich, die du nach Kräften beschlafen werden musst; denn ausgebreitet liegt dir das Polster./Entweder auf dem offenen Zeltvorplatz, wenn du willst/Oder, wenn du lieber willst, im entlegeneren Gemach;/Entweder, wenn du willst, werde ich dich, rücklings auf dem Boden liegend, durchrütteln/Oder, wenn du lieber willst, auf Hände und Füße gestützt./Entweder werde ich, wenn du willst, mit zwei Dritteln dieses Gliedes kommen oder, wenn du lieber willst, mit dem Ganzen./ Komme doch mit dem Ganzen, o Apostel des Gottes, rief die Frau./Dieses selbst, sagte/Moseilama, hat auch mir Gott eingeflüstert). – Nach dem Tod ihres Liebhabers kehrte die Prophetin zur Götzenanbetung zurück; doch wurde sie während der Herrschaft des Moawiyah zur Moslemin und starb zu Bassora (Abulfeda, Annal. vers. Reiske, p. 63). und verbrachten mehrere Tage in mystischer Vereinigung. Ein dunkler Satz seines Korans oder Buches ist noch erhalten; Man sehe diesen Text, welcher einen Gott aus dem Werke der Zeugung nachweist, bei Abulpharagius (Specimen Hist. Arabum, p. 13 und Dynast. p. 103) und Abulfeda, (Annal. p. 63.) und im Stolz auf seine Mission schlug Moseilama eine Teilung der Erde vor, welchen Vorschlag Mohammed jedoch mit Verachtung zurückwies. Doch erweckte der rasche Erfolg des Betrügers beim Nachfolger des Propheten einige Besorgnisse; vierzigtausend Moslems sammelten sich unter der Fahne Kaleds; und das Überleben ihres Glaubens hing jetzt am Ausgang einer einzigen Schlacht. Beim ersten Treffen wurden sie zurückgeschlagen und verloren zwölfhundert Mann; doch behielten die Geschicklichkeit und der unverdrossene Mut ihres Anführers endlich die Oberhand: ihre erste Niederlage wurde gerächt durch den Tod von zehntausend Ungläubigen; und Moseilama kam durch einen äthiopischen Sklaven zu Tode, der ihn mit eben jener Lanze durchbohrte, die den Onkel Mohammeds tödlich verwundet hatte. Die verschiedenen arabischen Rebellengruppen, denen ein anerkannter Anführer und ein gemeinsames Ziel fehlte, wurden durch die geordnete Militärmacht der emporstrebenden Monarchie rasch nieder geworfen.; und also bekannte sich alles Volk erneut zu der Religion des Koran und blieb ihr treu, im Glauben gefestigter denn je. Die Eroberungsgelüste der Kalifen sorgten unverzüglich für eine angemessenere Beschäftigung des unruhigen Geistes der Sarazenen: Ihre Tapferkeit wurde versammelt, einen Heiligen Krieg zu führen, und ihre Begeisterung wurde durch Widerstand und Sieg in gleichem Maße gestärkt.

CHARAKTERISTIK DER ERSTEN KALIFEN

Die raschen Eroberungen der Sarazenen legen naturgemäß die Vermutung nahe, dass die Kalifen in eigener Person die Heerscharen der Gläubigen kommandierten und in vorderster Schlachtreihe die Märtyrerkrone zu erringen suchten. Der persönliche Mut eines Abu Beker Siehe Eutychius, tom. II, p. 251. Elmacin, p. 18. Abulpharagius, p. 108. Abulfeda, p. 60. D'Herbelot, p. 58., Omar Siehe Eutychius, p. 264. Elmacin, p. 24. Abulpharagius, p. 110. Abulfeda, p. 66. D'Herbelot, p. 686. und Othman Siehe Eutychius, p. 323. Elmacin, p. 36. Abulpharagius, p. 115. Abulfeda, p. 75. D'Herbelot, p. 695. hatte sich in der Tat in der Nachfolge und in den Kriegen des Propheten bewährt; und ihre unerschütterliche Gewissheit vom Einzug in das Paradies muss sie zugleich die Verachtung der Freuden und Fährnisse der hiesigen Welt gelehrt haben. Doch bestiegen sie den Thron in einem ehrwürdigen oder doch wenigsten reifen Alter, in welchem man die häusliche Sorge um die Religion und die Rechtspflege für die wichtigsten Ämter eines Fürsten erachtet. Mit Ausnahme der Anwesenheit Omars bei der Belagerung von Jerusalem waren die häufigen Wallfahrten von Medina nach Mekka ihre weitesten Fahrten; und mit Gelassenheit empfingen sie die Zeitung eines Sieges, während sie vor dem Grabe des Propheten beteten oder predigten. Ihre strenge und mäßige Lebensführung war die Folge ihrer Tugend oder langer Übung, und diese mit Stolz praktizierte Schlichtheit war für die sinnlose Prachtentfaltung der irdisch gesinnten Monarchen blanker Hohn. Als Abu Beker das Amt eines Kalifen antrat, übertrug er seiner Tochter Ayescha die Aufgabe, eine genaue Auslistung seines Privatvermögens aufzusetzen, damit deutlich werde, ob durch den Dienst am Staat ärmer oder reicher werde. Er meinte, dass ihm ein Sold von drei Goldstücken und die Aufwendungen für ein Kamel und einen schwarzen Sklaven zuständen, doch an jedem Freitag verteilte er den Restbetrag seiner und der öffentlichen Einnahmen an die würdigsten und dann an doe bedürftigsten Muselmanen. Das, was von seinem Reichtum übrig war, ein grobes Gewand und fünf Goldstücke, wurden seinem Nachfolger überlassen, der mit einem leisen Seufzer bedauerte, dass er wohl außerstande sei, ein so leuchtendes Vorbild zu erreichen.

Doch standen Omars Enthaltsamkeit und Demut den Tugenden des Abu Beker in nichts nach: Seine Nahrung bestand wesentlich aus Gerstenbrot und Datteln, er trank ausschließlich Wasser, und seine Predigten hielt er in einem Gewande, die an zwölf Stellen geflickt oder zerrissen war. Ein persischer Satrap, der dem Eroberer einen Huldigungsbesuch machen wollte, fand ihn auf den Stufen der Moschee von Mekka unter Bettlern schlafend. – Wirtschaftlichkeit ist die Quelle der Freigebigkeit; und die zunehmenden Staatseinnahmen ermöglichten es Omar, eine gerechte und immerwährende Belohnung für frühere oder gegenwärtige Verdienste der Gläubigen auszusetzen. Gleichgültig gegenüber seinem eigenen Vorteil wies er dem Onkel des Propheten, Abbas, das erste und größte Jahresgehalt von fünfundzwanzigtausend Silberstücken an. Jeder Veteran aus der Schlacht von Beder erhielt fünftausend Stück Silber, und noch der geringste unter Mohammeds Gefährten erhielt eine jährliche Belohnung von dreitausend Stück. Eintausend erhielt jeder wackere Krieger, der gegen die Griechen oder Perser gefochten hatte, und so immer weiter bis hinab zu fünfzig Silberstücken wurden die Zahlungen nach Alter und Verdienst von Omars Soldaten bemessen.

Unter der Regierung dieses Kalifen und seiner Vorgänger waren die Bezwinger des Orients die wahren Diener Gottes und des Volkes; die große Masse des Staatsschatzes blieb den Ausgaben für Krieg und Frieden vorbehalten; eine wohlberechnete Mischung von Gerechtigkeit und Güte bewahrte die Disziplin der Sarazenen; die Kalifen vereinten, was ein seltener Glücksumstand ist, die Promptheit und Durchschlagskraft des Despotismus mit den Gleichheits- und Mäßigungsgrundsätzen einer republikanischen Verfassung. Der Heldenmut des Ali Siehe Eutychius, p. 343. Elmacin, p. 51. Abulpharagius, p. 117. Abulfeda, p. 83. D'Herbelot, p. 89. und die vollendete Klugheit des Moawiya Siehe Eutychius, p. 344. Elmacin, p. 54. Abulpharagius, p. 123. Abulfeda, p. 101. D'Herbelot, p. 586. erweckten in den Untertanen eine Art von Nachahmungstrieb; und die Erfahrungen, die man in der Schule des Bürgerkriegs gemacht hatte, wurden nunmehr mit größerem Nutzen zur Ausbreitung des Glaubens und der Herrschaft des Propheten eingesetzt.

Den in der Trägheit und geistigen Leere des Palastes von Damaskus aufgewachsenen nachfolgenden Fürsten aus dem Hause der Ommiyaden fehlten die Voraussetzungen zum Staatsmann ebenso wie die zum Heiligen Siehe Eutychius, tom. II, p. 360-395. Elmacin, p. 59-108. Abulpharagius, Dynast. IX,. p. 124-139. Abulfeda, p. 111-141. D'Herbelot, Bibliotheque Orientale, p. 691 und die besonderen Artikel zu den Ommiyaden.. Trotzdem wurden beständig die Beutestücke unbekannter Völker am Fuße ihres Thrones niedergelegt, doch muss das dauernde Wachstum Arabiens mehr dem Geiste der Nation als den Fähigkeiten ihrer Fürsten zugeschrieben werden. Außerdem muss man einen beträchtlichen Anteil an ihren Siegen der Schwäche ihrer Feinde zuschreiben. Mohammeds Geburt fiel – ein welthistorischer Zufall – in die Periode, in der Persien, Rom und die Barbaren Europas am meisten entartet und zerrüttet waren: Trajans Reich und auch noch das von Konstantin und Karl dem Großen hätten die Angriffe der nackten Sarazenen zurückgeschlagen, und der Strom des Fanatismus wäre folgenlos und unbemerkt in der Sandwüste Arabiens versickert.

IHRE EROBERUNGEN

In den erfolgreichen Tagen der römischen Republik war es bewährte Senatspolitik gewesen, dass ihre Konsuln und ihre Legionen immer nur mit einem Krieg befasst waren und dass der eine Feind erst völlig unterworfen war, bevor sie einen zweiten Krieg provozierten. Diese zurückhaltenden Maßregeln konnte der hohe Sinn oder der Fanatismus der arabischen Kalifen nur verachten. Sie führten ihre Kriege gegen die Nachfahren des Augustus und Artaxerxes mit gleichem Nachdruck und mit gleichem Erfolg; und die beiden verfeindeten Monarchien wurde sogar zeitgleich die Beute eines Feindes, auf den sie lange Zeit nur herabgesehen hatten. In der zehnjährigen Regierungszeit Omars zwangen die Sarazenen dreiundsechzigtausend Städte und Festungen unter ihren Gehorsam, zerstörten viertausend Tempel oder Kirchen der Ungläubigen und errichteten dafür vierzehnhundert Moscheen zur Ausübung des mohammedanischen Gottesdienstes. Einhundert Jahre nach Mohammeds Flucht aus Mekka beherrschten seine Nachfolger die unterschiedlichsten und entlegensten Provinzen von Indien bis zum Atlantik, welche unter den Namen I. Persien; II Syrien; III. Ägypten; IV: Afrika und V. Spanien begriffen werden.

Gemäß dieser allgemeinen Einteilung werde ich jetzt mit der Schilderung dieser denkwürdigen Ereignisse des Sarazenenreiches fortfahren, wobei ich die entlegeneren und für uns weniger bedeutsamen Eroberungen im Osten nur kurz skizzieren und eine ausführlichere Schilderung jenen uns näher stehenden Ländern vorbehalten möchte, die einst Teil des römischen Reiches gewesen waren. Doch muss ich zunächst die Unzulänglichkeit meiner eigenen Darstellung mit der sehr berechtigten Klage über die Blindheit und Inkompetenz meiner Wegweiser entschuldigen: die Griechen, die bei der Darlegung ihrer religiösen Streitereien von sprudelnder Mitteilsamkeit sind, waren nicht eben eifervoll darum bemüht, die Triumphe ihrer Feinde angemessen zu würdigen Für das 7. Und 8 Jh. liegen uns so gut wie keine Originalberichte der byzantinischen Historiker vor mit Ausnahme der Chroniken von Theophanes (Theophanis Confessoris Chronographia, Gr. et Lat. cum notis Jacobi Goar. Paris, 1665, in folio) und der Exzerpte von Nicephorus, (Nicephori Patriarchae C. P. Breviarium Historicum, Gr. et Lat. Paris, 1648, in folio), welche beide im 9. Jh. lebten (siehe Hanckius de Scriptor. Byzant. p. 200-246). Ihr Zeitgenosse Photios scheint nicht viel ergiebiger zu sein. Nachdem er den Stil des Nikephorus gerühmt hat, beklagt er nur noch dessen äußerste Kürze (Phot. Bibliot. Cod. LXVI, p. 100). Zusätzliche Einzelheiten kann man sich aus den späteren Werken von Cedrenus und Zonaras (12. Jh.) herausklauben.. Die ersten moslemischen Geschichtsbücher folgten nach einem Jahrhundert der Unwissenheit zum größten Teil der mündlichen Tradition Tabari, oder Al Tabari, gebürtig aus Taborestan und ein berühmter Imam von Bagdad und gleichsam der Livius der Araber, endigt seine allgemeine Geschichte im Jahre 302 der Hedschra (A.D. 914). Auf Wunsch seiner Freunde reduzierte er die 30.000 Blätter seines Werkes auf einen fassbaren Umfang. Sein arabisches Original ist nur in der persischen und türkischen Fassung überliefert. Die Geschichte der Sarazenen von Ibn Amid oder Elmacin soll ein Auszug aus dem großen Werk des Tabari sein. (Ockley, Hist. of the Saracens, vol. II, preface, p. XXXIX. Nebst Autorenverzeichnis, D'Herbelot, p. 866, 870, 1014).. Auch haben unsere Übersetzer aus den zahlreichen Hervorbringungen Neben der Autorenliste von Prideaux, (Life of Mahomet, p. 179-189,) Ockley (am Ende von vol II) und Petit de la Croix, (Hist. de Gengiscan, p. 525-550) finden wir in der Bibliotheque Orientale unter ›Tharik‹ eine Liste von 200 bis 300 Chroniken des Ostens, von denen höchstens 3 oder 4 älter sind als Tabari. Einen lebendigen Abriss der orientalischen Literatur liefert Reiske (Prodidagmata ad Hagji Chalifae librum memorialem ad calcem Abulfedae Tabulae Syriae, Lipsiae, 1776); doch blieb sein Projekt und die franz. Übersetzung von Petit de la Croix (Hist. de Timur Bec, tom. I, preface, p. XLV) unvollendet. der arabischen und persischen Literatur die unvollkommenen Versuche aus jüngerer Zeit ausgewählt Die jeweiligen Historiker und Geographen werden bei Gelegenheit vorgestellt. Die vier folgenden Titel haben mich durch die folgende allgemeine Darstellung geführt: 1. Annales Eutychii, Patriarchoe Alexandrini, ab Edwardo Pocockio, Oxon. 1656, 2 vols. in 4to. Die Prachtausgabe eines gleichgültigen Autors, von Pocock übersetzt, um den presbyterianischen Vorurteilen seines Freundes Selden gefällig zu sein. 2. Historia Saracenica Georgii Elmacini, opera et studio Thomae Erpenii, in 4to., Lugd. Batavorum, 1625. Er soll ein verderbtes ms. in einiger Hast übersetzt haben, und wirklich ist seine Fassung voller sachlicher und stilistischer Mängel. 3. Historia compendiosa Dynastiarum a Gregorio Abulpharagio, interprete Edwardo Pocockio, in 4to., Oxon. 1663. Brauchbar eher für die Literatur- als die politische Geschichte des Orients. 4. Abulfedae Annales Moslemici ad Ann. Hegiroe CCCVI. a Jo. Jac. Reiske, in 4to., Lipsiae, 1754. Die beste unserer Chroniken, sowohl das Original wie die Übersetzung. Und doch, wie weit unter dem Namen von Abulfeda! Wir wissen, dass er im XIV Jh. in Hamah geschrieben hat. Die drei ersten waren Christen des X, XII und XIII Jh., die ersten beiden stammten aus Ägypten, der eine ein Patriarch der Melchiten, der zweite ein jokobitischer Autor.. Die Kunst und der Geist der Geschichtsschreibung waren den Asiaten immer fremd geblieben M. D. Guignes (Hist. des Huns, tom. I, pref. p. XIX und XX) hat die beiden Sorten von arabischen Historikern wahr und kenntnisreich geschildert: den trockenen Annalisten und den schwulst- und blumenreichen Redner.; historische Kritik ist ihnen unbekannt; man kann unsere Mönchschroniken aus derselben Zeit mit ihren populärsten Werken vergleichen: niemals wurden sie vom Geist der Philosophie oder der Freiheit belebt. Noch der gelehrteste Mufti des Orients könnte aus der Orientalischen Bibliothek eines Franzosen Bibliotheque Orientale, par M. D'Herbelot, in folio, Paris, 1697. Über den Charakter dieses respektablen Autors kann man bei seinem Freund Thevenot, (Voyages du Levant, part I, chap. 1) nachlesen. Sein Werk ist eine unterhaltsame Sammlung von so mannigfaltigem Inhalt, dass jeder Leser daran Freude haben muss; nur mit seiner alphabetischen Anordnung kann ich mich durchaus nicht anfreunden; und seine persische Geschichte ist gelungener als die arabische. Die neuesten Ergänzungen der Herren Visdelou und Galland, (in folio, La Haye, 1779) sind sehr vielfältig und bieten eine bunte Mischung von Märchen, Spruchweisheiten und chinesischen Altertümern. Belehrung empfangen. Und möglicherweise findet kein Araber bei seinen Historikern eine Darstellung, die so klar und umfassend ist wie die, die ich auf den folgenden Seiten zu liefern mich anschicke.

EINFALL IN PERSIEN – 632

I. Bereits im ersten Jahr des ersten Kalifen rückte sein Unterfeldherr Kaled, das Schwert Gottes und die Geißel der Ungläubigen, mit Heeresmacht gegen die Ufer des Euphrat vor und eroberte die Städte Anbar und Hira. Westlich der Ruinen von Babylon an der Grenze zur Wüste hatte sich ein nicht mehr nomadisierender Araberstamm angesiedelt; und Hira war Sitz eines Königsgeschlechtes, welches das Christentum angenommen und im Schatten des Thrones von Persien sechshundert Jahre regiert hatte Pocock liefert die Chronologie (Specimen Hist. Arabum, p. 66-74) und D'Anville die Geographie (l'Euphrate, et le Tigre, p. 125) zum Geschlecht der Almondaren. Der englische Gelehrte verstand mehr Araboisch als der Mufti von Aleppo (Ockley, vol II, p. 34); und der französische Geograph ist in jedem Zeitalter und unter jedem Himmelsstrich zu Hause.. Der letzte der Mondaren (Mondar al Maghrur) wurde von Kaled besiegt und getötet, sein Sohn aber als Gefangener nach Medina geschickt; des Landes Adel beugte sich vor dem Nachfolger des Propheten; das Volk wurde durch den Erfolg und das Beispiel seiner Landsleute verführt, und der Kalif nahm als die erste Frucht seiner auswärtigen Eroberungen einen Jahrestribut von siebzigtausend Goldstücken entgegen. Die Eroberer und selbst noch ihre Geschichtsschreiber staunten über diese Morgenröte ihrer künftigen Größe. »In einem einzigen Jahr,« schreibt Elmakin, »erfocht Kaled viele ausgezeichnete Schlachtensiege; eine unzählbare Menge von Ungläubigen fiel durch sein Schwert, und ungemessene Beute erwarben sich die Muselmanen »Fecit et Chaled plurima in hoc anno praelia, in quibus vicerunt Muslimi, et infidelium immensa multitudine occisa spolia infinita et innumera sunt nacti« (Hist. Saracenica, p. 20). Der christliche Annalist bedient sich dieses kurzen und peiorativen Ausdrucks »Ungläubiger«, und auch ich habe diese Kennzeichnung oftmals und, wie ich hoffe, ohne anzustoßen, verendet..« Doch wurde der unbesiegbare Kaled schon bald zum syrischen Kriegsschauplatz abberufen; die persische Invasion wurde von weniger umtriebigen oder weniger klugen Befehlshabern weiter geführt: Da wurden die Sarazenen beim Euphratübergang mit Verlust zurückgeschlagen; und obwohl sie die Magier für deren ungehörige Verfolgung züchtigten, blieb der Rest ihrer Streitkräfte in der Wüste von Babylon stecken.

SCHLACHT BEI CADESIA – 636

Der Zorn und die Sorgen der Perser bewirkten immerhin, dass sie für den Augenblick ihren internen Dauer-Hader zurückstellten. Die Königin Arzema wurde durch den einmütigen Beschluss von Priesterschaft und Adel ihres Thrones enthoben; sie war innerhalb der drei bis vier Jahre seit dem Tode von Chosroes und dem Rückzug von Heraklios die sechste Herrscherin in einer Reihe von Kurzzeitregenten; ihre Tiara wurde Yesdegerd, einem Enkel des Chosroes, aufs Haupt gesetzt. Und dieselbe Epoche, die mit einer astronomischen Periode zusammenfällt Es ist ein Zyklus von 120 Jahren, an dessen Ende ein Schaltmonat von 30 Tagen die Aufgabe unserer Schalttage übernahm und so das Sonnenjahr vervollständigte. In einem großen Zeitraum von 1440 Jahren war diese Einschaltung allmählich vom ersten bis auf den zwölften Monat vorgerückt. Hude und Freret führen einen tiefen Streit darüber, ob vor dem Regierungsantritt des Yesdegerd schon der 12. oder erst der 8. Schaltmonat eingetreten war, welch letzterer einmütig auf den 16. Juni A.D. 632 gelegt wird. Mit wie viel Mühe doch die Neugierde der Europäer noch die dunkelsten und entlegensten Altertümer zu ergründen sucht! (Hyde de Religione Persarum, c. 14-18, p. 181-211. Freret in den Mem. de l'Academie des Inscriptions, tom. XVI, p. 233-267)., hat den Untergang des Sassanidenhauses und der Religion des Zoroaster verzeichnet Neun Tage nach Mohammeds Tod (7. Juni 632) finden wir die Ära des Yesdegerd (16. Juni 632), und seine Thronbesteigung kann nicht über das Ende des ersten Jahres hinaus verschoben werden. Seine Vorgänger konnten also nicht den Waffen des Omar widerstanden haben; und diese unbestreitbaren Daten werfen nun Abulpharagius' gedankenlose Chronologie durcheinander. Siehe Ockley, Hist. of the Saracens, vol. I, p. 130.. Die Jugend und die geringen Erfahrungen des Herrschers – er war erst fünfzehn Jahre alt – bestimmte ihn, einem gefährlichen Zusammentreffen aus dem Wege zu gehen; die Königsstandarte wurde seinem General Rustam in die Hand gegeben; und ein Überrest von dreißigtausend regulären Truppen wuchs in der Einbildung oder auch in der Wirklichkeit auf einhundertzwanzigtausend Untertanen oder Verbündete des Großkönigs heran.

Die Moslems, deren Anzahl von zwölf auf dreißigtausend Mann verstärkt worden war, hatten ihr Lager in der Ebene von Cadesia aufgeschlagen Cadesia, sagt der nubische Geograph (p. 121), liegt in »einsamer Randlage« 61 Meilen von Bagdad und zwei Tagesreisen von Kufa entfernt. Otter (Voyage, tom. I, p. 163) kommt nur auf fünfzehn Meilen und merkt noch an, dass der Ort Datteln und Wasser vorzuweisen habe.. Doch ihre Linie, die aus deutlich weniger Mannschaft bestand, wies weit mehr Soldaten auf als der ungeordnete Haufen der Ungläubigen. Mir sei hier die Bemerkung gestattet, die ich noch oft wiederholen werde, dass der Angriff der Araber anders als bei Römern und Griechen nicht im Vordringen einer festgestaffelten Infanterie bestand; ihre militärische Stärke lag bei der Kavallerie und den Bogenschützen; und das eigentliche Gefecht, das durch Einzelkämpfe und fliegende Scharmützel unterbrochen und dann wieder erneuert wurde, konnte sich ergebnislos über mehrere Tage hinziehen. Die einzelnen Abschnitte der Schlacht sind durch besondere Namensgebung gekennzeichnet: er erste Tag wurde wegen der noch rechtzeitig eintreffenden Hilfstruppe von sechstausend gläubigen Syrern der Tag der Hilfe genannt; Der Tag der Erschütterung soll wohl die Unordnung einer oder vielleicht auch beider Heere andeuten. Das dritte Treffen, ein nächtlicher Tumult, erhielt den wunderlichen Namen Nacht des Heulens nach den misstönigen Schreien, welche man mit den unartikulierten Lautäußerungen wilder Tiere verglichen hatte. Am Morgen des folgenden Tages entschied sich Persiens Schicksal: ein Wirbelwind zur rechten Zeit blies den Ungläubigen eine Wolke von Staub ins Gesicht. Das Waffengeklirr war bis in das Zelt von Rustam zu vernehmen, welcher, ganz anders als die früheren Helden gleichen Namens, an einem kühlen und ruhigen Plätzchen unter dem Gepäck des Lagers und umgeben von einem Zug goldbeladener Maulesel der Ruhe pflog. Da der Lärm bedrohlich wurde, sprang er von seinem Ruhepolster auf, doch ein mutiger Araber holte ihn auf seiner Flucht ein, griff ihm beim Fuß, schlug ihm den Kopf ab, spießte diesen auf eine Lanze, kehrte sogleich auf das Schlachtfeld zurück und verbreitete Tod und Schrecken unter den Persern da, wo sie am dichtesten standen. Die Sarazenen beziffern ihre Verluste auf siebentausendfünfhundert Mann; und in der Tat wurde dieses Treffen bei Cadesia als äußerst erbittert und hartnäckig bezeichnet Atrox, contumax, plus semel renovatum (Heftig, verbissen, mehr als einmal erneuert), so die wohlgewählten Ausdrücke der Übersetzer von Abulfeda, (Reiske, p. 69.). Selbst das Königspanier des persischen Reiches – die Lederschürze eines Schmiedes, der vor Zeiten sich als Befreier Persiens verdient gemacht hatte D'Herbelot, Bibliotheque Orientale, p. 297, 348. – wurde noch auf dem Schlachtfeld gestürzt und geriet in Feindeshand; doch selbst dieses Zeichen heroischer Armut war mittlerweile von einer Unmasse kostbarer Steine überschwemmt.

ERBAUUNG VON BASSORA

Nach diesem Sieg unterwarf sich auch die reiche Provinz Irak oder Assyrien dem Kalifen, und die Eroberung wurde durch die schnelle Erbauung von Bassora Zum Thema Bassora möge der Leser folgende Autoren zu Rate ziehen: Geograph, Nubiens. p. 121. D'Herbelot, Bibliotheque Orientale, p. 192. D'Anville, l'Euphrate et le Tigre, p. 130, 133, 145. Raynal, Hist. Philosophique des deux Indes, tom. II, p. 92-100. Voyages di Pietro della Valle, tom. IV, p. 370-391. Tavernier, tom. I, p. 240-247. Thevenot, tom. II, p. 545-584. D'Otter, tom. II, p. 45-78. Niebuhr, tom. II, p. 172-199. gefestigt, eines Platzes, welcher für immer Handel und Seefahrt der Perser beherrscht. In einer Entfernung von achtzig Meilen vor der Mündung vereinigen sich Euphrat und Tigris zu einem breiten und geraden Strom, der ganz zu Recht der Fluss der Araber genannt wird. Auf halber Strecke zwischen dem Zusammenfluss dieser beiden berühmten Flüsse und der Mündung wurde am Westufer eine neue Siedlung angelegt: die ersten Bewohner waren achthundert Moslems; doch die glückliche Lage ließ den Ort schon bald zu einer blühenden und volkreichen Großstadt heranwachsen. Die Luft war zwar äußerst warm, aber durchaus rein und gesund: Die Wiesen sind überstreut mit Palmen und Weidevieh; und ein nahe gelegenes Tal ist als eines der vier Paradiese oder Gärten Asiens berühmt. Unter den ersten Kalifen war die Rechtsprechung dieser arabischen Kolonie für alle persischen Südprovinzen zuständig. Die Stadt selbst ist geheiligt durch die Gräber von Alis Begleitern und der Märtyrer. Und noch heute wird der Hafen von Bassora von den europäischen Frachtschiffen wegen seiner vorteilhaften Lage als Zwischenstopp für den indischen Fernhandel aufgesucht.

EROBERUNG VON MADAYN

Nach der Niederlage von Cadessa hätte ein von Kanälen und Flussarmen zerschnittenes Land der siegreichen arabischen Reiterei ein unüberwindliches Hindernis sein können; und die Mauern von Ktesiphon oder Madayn, welche sogar den Sturmwiddern der Römer widerstanden hatten, würden unter den Pfeilen der Sarazenen ganz gewiss nicht eingesunken sein. Doch die fliehenden Perser hatten sich bereits der Vorstellung ergeben, dass der letzte Tag ihres Reiches und ihrer Religion heraufdämmere. Die stärksten Militärposten wurden dem Feind kampflos überlassen, ob nun aus Feigheit oder Verräterei; und der König floh nach Holwan am Fuße der medischen Gebirge, zusammen mit Teilen seiner Familie und seiner Schätze.

Es war im dritten Monat nach der Schlacht, dass Said, der Feldherr Omars, den Tigris ohne Widerstand überquerte; die Hauptstadt wurde mit Sturm genommen, und der ungeordnete Widerstand der Bevölkerung gab den Säbeln der Moslems freies Spiel, da sie mit religiöser Verzückung ausriefen: »Das ist Chosroes weißer Palast, das ist das Versprechen des Gesandten Gottes.« Die nackten Wüstenräuber waren mit einem Schlage so reich geworden, dass alle ihre Erwartungen und sogar ihre Zahlenkenntnisse übertroffen wurden. Jedes Zimmer eröffnete einen neuen Schatz, der entweder geschickt verborgen oder offen zur Schau gestellt war. Das Gold und das Silber, die verschiedenen Prachtgewänder und kostbaren Gerätschaften übertrafen nach den Worten Abulfedas alles, was man sich denken oder mit Zahlen ausdrücken kann, und ein anderer Historiker beziffert die unnennbare und fast unendliche Masse durch die fabulöse Schätzung von dreitausend mal tausend mal tausend Goldstücken Mente vix potest numerove comprehendi quanta spolia...nostris cesserint (Mit dem Verstand oder einer Zahl war die Größe unserer Beute kaum zu erfassen). Abulfeda, p. 69. Ich besorge allerdings immer noch, dass diese ausufernden Zahlen nicht auf einer falschen Textüberlieferung, sondern auf einer falschen Übersetzung beruhen. Wie ich denn auch finde, dass noch die besten Übersetzer aus dem Griechischen Schwächen in der Kunst des Zahlenrechnens haben..

Eine kleiner, aber berichtenswerter Nebenumstand illustriert den Gegensatz zwischen Reichtümern und Unwissenheit: Aus einer fernen Insel des Indischen Ozeans war eine reiche Ladung Kampfer importiert worden Der Kampfer-Baum wächst heute in China und Japan. Doch werden hunderte Zentner dieser minderwertigen Sorte für ein einziges Pfund des weit wertvolleren Harzes aus Borneo und Sumatra gegeben. (Raynal, Hist. Philosoph. tom. I, p. 362-365. Dictionnaire d'Hist. Naturelle par Bomare Miller's Gardener's Dictionary). Von diesen »Inseln des heißen Klimas« haben die Araber vermutlich ihren Kampfer importiert. (Geograph. Nub. p. 34, 35. D'Herbelot, p. 232.), welche man im Orient in Wachs auflöst und zur Illumination von Palästen verwendet. Die Sarazenen, denen der Name und der Verwendungszweck dieses wohlriechenden Harzes unbekannt waren und die es für ein Salz hielten, mischten es in ihren Brotteig und erstaunten über den bitteren Brotgeschmack.

Ein Raum im Palast war mit einem Seidenteppich ausgeschmückt, der sechzig Ellen lang und ebenso breit war: auf dem Grund war ein Garten oder ein Paradies abgebildet, die Blüten, Früchte und Bäume waren durch Goldstickereien nachgeahmt und die Farbgebung erfolgte durch kostbare, bunte Edelsteine, und gerahmt war das große Viereck durch eine bunte und grüne Bordüre. Der arabische General beredete seine Soldaten, ihren Anspruch an diesem Stück zurückzustellen in der nahe liegenden Erwartung, der Kalif würde an diesem Glanzstück von Handwerkskunst und Natur seine Freude haben. Unbekümmert um die Verdienste der Kunst oder die königlichen Prachtentfaltung, teilte der gestrenge Omar auch dieses Beutestück unter seine Glaubensbrüder zu Medina: Das Meisterwerk wurde ruiniert; aber der innere Wert des Teppichs war immer noch so groß, dass alleine Ali seinen Anteil für zwanzigtausend Silberstücke losschlagen konnte. Ein Maulesel, der mit der Tiara, dem Panzer, dem Wehrgehenk und den Armreifen des Chosroes bepackt war, wurde von den Sarazenen erwischt. Das königliche Beutestück wurde dem Herrscher der Gläubigen vorgeführt; und noch die würdigsten Muselmanen konnten sich ein Lächeln nicht unterdrücken, als sie den alten Krieger mit seinem weißen Bart, den behaarten Armen und der ungeschlachten Gestalt in der erbeuteten Rüstung des Großkönigs sahen Siehe Gagnier, Vie de Mahomet, tom. I, p. 376, 377. Die Tatsache will ich gerne glauben, an der Prophezeihung habe ich meine Zweifel..

GRÜNDUNG DER STADT KUFA

Die Plünderung und Zerstörung von Ktesiphon hatte zur Folge, dass die Überlebenden Einwohner sie verließen und die Stadt allmählich zerfiel. Die Luft und die Lage des Ortes gefiel den Sarazenen wenig, und Omar erhielt von seinem Feldherren den Rat, den Regierungssitz auf die westliche Euphratseite zu verlegen. Zu allen Zeiten wurden die assyrischen Städte ebenso leicht und ebenso schnell erbaut wie zerstört; dem Lande fehlt es an Steinen und Bauholz, und die meisten festen Gebäude Die eindrucksvollsten Ruinen aus assyrischer Zeit befinden sich in der Stadt von Belus bei Babylon sowie in der Halle des Chosroes in Ktesiphon: beide hat der eitle und neugierige Reisende Pietro della Valle, (tom. I, p. 713-718, 731-735) aufgesucht. wurden aus sonnengetrockneten Ziegeln errichtet und mit dem heimischen Erdpech befestigt. Der Name Kufa Man konsultiere den Artikel von Nehavend, in d'Herbelot, p. 667, 668; und Voyages en Turquie et en Perse, par Otter, tom. i. 191. bezeichnet eine Hütte aus Röhricht und Erde; doch wurde die Bedeutung dieser neuen Hauptstadt schon bald durch die große Zahl, den Reichtum und den Geist einer Kolonie von Veteranen erhöht, und selbst die weisesten Kalifen mussten ihnen ihre Zügellosigkeit durchgehen lassen, da sie besorgten, eine Revolte der hunderttausend Schwerter loszutreten. »Ihr Mannen von Kufa,« sagte Ali, der sich um ihren Beistand bemühte, »habt euch von jeher durch eure Tapferkeit ausgezeichnet; ihr habt den König von Persien überwunden und sein Heer zerstreut, bis ihr sein Erbe angetreten hattet.«

Diese große Eroberung wurde durch die Schlachten von Jalula und Nehavend vollendet. Nach der Niederlage in dem ersten Gefecht flüchtete Yesdegerd nach Holwan und verbarg Schande und Verzweiflung in den Bergen von Farsistan, aus denen vor langen Zeiten Kyros mit seinen gleichgestellten, tapferen Gefährten herabgestiegen war. Die Tapferkeit der Nation überdauerte die ihres Herrschers; entlang der Hügel im Süden von Ekbatana oder Hamadam sammelten sich einhundertundfünfzigtausend Perser ein drittes und letztes Mal, um ihr Land und ihre Religion mit der Waffe zu verteidigen; und diese Entscheidungsschlacht von Nehavend nennen die Araber die Mutter aller Siege. Wenn es denn stimmt, dass der fliehende persische General aufgehalten und gefangen genommen wurde inmitten eines Trosses von Maultieren und Lastkamelen, die mit – Honig beladen waren, so gewährt dieser Umstand, wie geringfügig und schnurrig er auch sein mag, einen belehrenden Einblick in die Hemmnisse, die die üppige Ausstattung und Versorgung eines morgenländischen Heereszuges mit sich bringen Siehe hierzu den Artikel von Nehavend in d'Herbelot, p. 667, 668; und Voyages en Turquie et en Perse, par Otter, tom. iI,191..

ENDGÜLTIGE EROBERUNG VON PERSIEN

Die Geographie von Persien wird von den Griechen und Lateinern nur andeutungsweise beschrieben, aber seine bekanntesten Städte sind offenkundig älter als der Überfall der Araber Jetzt näherten sie sich infolge der Eroberungen von Hamadan und Isphahan, von Kaswin, Tauris und Rei der Küsten des Kaspischen Meeres, und in Mekka konnten die Redner das Glück und den Erfolg der Gläubigen preisen, welche allmählich den Großen Bären aus den Augen verloren und überhaupt die Grenzen der bewohnbaren Erde überschritten haben mochten In genau dieser Sprache der Ignoranz und des Staunens haben auch die Redner in Athen vormals die Eroberungen Alexanders beschrieben, der niemals über die Ufer des Kaspischen Meere hinausgekommen ist. Aeschines contra Ctesiphontem, tom. III, p. 554, edit. Graec. Orator. Reiske. Diese denkwürdige Rede wurde in Athen gehalten im Jahre Olymp. 112,3 (330 v.Ch.) im Herbst (Taylor, praefat. p. 370ff), ein Jahr nach der Schlacht von Arbela. Und Alexander, der Darius nachstellte, rückte auf Hyrcania und Bactriana vor.. Dann wiederum wandten sie sich nach Westen und gegen das römische Reich, überquerten auf der Brücke bei Mosul den Tigris und begrüßten in den unterworfenen Provinzen Armenien und Mesopotamien ihre Glaubensbrüder im syrischen Heer. Vom Palast in Madayn waren ihre Fortschritte nach Osten nicht weniger schnell und nicht weniger umfassend. Sie rückten am Tigris und am Persergolf vor, drangen über die Gebirgskette in das Tal von Estachar oder Persepolis und schändeten das letzte Heiligtum der Magier. Beinahe hätten sie Chosroes Enkel Yesdegerd zwischen den stürzenden Säulen und verstümmelten Statuen gefangen genommen, einem melancholischen Symbol für das vergangene und gegenwärtige Schicksal Persiens Wir danken die Kenntnis dieses besonderen Umstandes den Dynastien des Abulpharagus, p. 116; es ist überflüssig, die Idebntität von Estachar und Persepolis (D'Herbelot, p. 327) nachzuweisen; noch überflüssiger ist es, die Zeichnungen und Beschreibungen eines Sir John Chardin oder Corneillo le Bruyn zu kopieren..

HORMOZAN

Er flüchtete mit vermehrter Hast durch die Wüste von Kirman, flehte die kriegerischen Segestaner um Hilfe an und bettelte an der türkischen und chinesischen Grenze um eine demütige Freistatt. Doch kennt eine siegreiche Armee keine Müdigkeit. Die Araber teilten ihre Heeresmacht zur Verfolgung dieses ängstlichen Feindes auf, und der Kalif Othman versprach demjenigen General die Statthalterschaft von Chorosan, der als erster in das große und volkreiche Königreich des alten Baktrien eindringen würde. Die Bedingung wurde angenommen, der Preis verdient; Mohammeds Standarte wurde auf den Mauern von Herat, Merou und Balch aufgezogen; und der erfolgreiche Heerführer macht nicht Pause noch Rasttage, bis seine schäumende Reiterei das Wasser des Oxus getrunken hatte. In der aktuellen öffentlichen Anarchie unterschrieb jeder unabhängige Stadtobere oder Festungskommandant dem Sieger seine private Kapitulation: die Bedingungen wurden ihnen zugestanden oder auferlegt, je nachdem, wie es Hochachtung, Klugheit oder Mitleid dem Sieger eingab, und ein einfaches Glaubensbekenntnis zog die Grenzlinie zwischen Bruder und Sklaven.

Nach einer heldenmütigen Verteidigung wurde der Satrap von Ahwaz und Susa, Hormozan, gezwungen, sich mitsamt der Bevölkerung dem Kalifen auf Gnade und Ungnade zu ergeben, und ihr Zusammentreffen liefert uns ein lebendiges Bild orientalischer Sitten. In Gegenwart und auf Befehl Omars wurde der aufgeputzte Barbar seiner goldbestickten Seidenrobe sowie seiner mit Rubinen und Smaragden geschmückten Tiara entkleidet. »Erkennst du nun,« so sprach der Sieger zu dem entblößten Gefangenen, »erkennst du nun das Gottesgericht und den unterschiedlichen Lohn für Glauben und Unglauben?« – »Ach,« so antwortete Hormozan, »ich erkenne ihn nur zu genau. In den Tagen, da wir beide in Unwissenheit lebten, fochten wir mit irdischen Waffen, und mein Volk war das stärkere. Damals war Gott neutral. Seit er aber euch beisteht, habt ihr unser Reich und unsere Religion niedergeworfen.« Niedergedrückt durch dieses qualvolle Gespräch klagte der Perser über unerträglichen Durst, ließ aber seine Sorge erkennen, dass man ihn töten würde, wenn er den Becher mit Wasser tränke. »Sei wohlgemut,« erwiderte darauf der Kalif, »dein Leben ist außer Gefahr, bis du dieses Wasser ausgetrunken hast.« Der schlaue Satrap nahm diese Zusicherung an und schmetterte das Gefäß augenblicklich auf den Boden. Omar wollte sich für diese List rächen, aber seine Gefährten erinnerten ihn an die Heiligkeit des Eides. Und die sich anschließende rasche Glaubensumkehr Hormosans brachte ihm nicht nur bedingungslosen Pardon, sondern auch noch zweitausend Goldstücke. – Die Staatsverwaltung Persiens wurde daraufhin auf der Basis einer sorgfältigen Zählung von Volk, Vieh und ländlichen Erzeugnissen Nach der Eroberung Persiens, und dann fügt Theophanes hinzu (Chronographia p.283): »In dieser Zeit befahl Omaros alles zu erfassen, was von ihm verwaltet werde. Daraufhin wurdenalles erfasst, Mensch, Vieh und Pflanze.« eingerichtet; und dieses denkwürdige Verfahren, welches die Umsicht der Kalifen erweist, könnte für die Philosophen aller Zeiten lehrreich sein Bei der mageren Quellenlage haben wir Ursache zu bedauern, dass d'Herbelot keine persische Übersetzung von Tabari beigebracht und exzerpiert hat, die doch, wie er selbst sagt, (Bibliotheque Orientale, p. 1014), angereichert ist mit vielen Auszügen aus den einheimischen Historikern der Gheber oder Magier. (Die Hormosan-Episode wird dafür in der sehr lesenwerten gleichnamigen Ballade des August v. Platen nachempfunden, A.d.Ü.).

DER TOD DES LETZTEN PERSISCHEN GROSSKÖNIGS YESDEGERD-651

Yesdegerd war auf seiner Flucht über den Oxus bis zum Jaxartes gekommen, welche beiden Flüsse Die zuverlässigsten Nachrichten über die beiden Flüsse Sihon (Jaxartes) und Gihon (Oxus) findet man bei Sherif al Edrisi (Geograph. Nubiens. p. 138), Abulfeda, (Descript. Chorasan. in Hudson, tom. III, p. 23) Abulghazi Khan, der an ihren Ufern herrschte, (Hist. Genealogique des Tatars, p. 32, 57, 766) und dem türkischen Geographie-MS. in der Bibliothek des französischen Königs, (Examen Critique des Historiens d'Alexandre, p. 194-360)., die aus dem Gebirge Indiens zum Kaspischen Meer fließen, in alten und neuen Zeiten zu einer gewissen Berühmtheit gelangt sind. Takhan, der Fürst der fruchtbaren Provinz Fargana Das Staatsgebiet von Fargana beschreibt Abulfeda, p. 76, 77. am Jaxartes, nahm ihn gastlich auf. Der König von Samarkand und die türkischen Stämme von Sogdiana und Skythien ließen sich durch die Klagen und Versprechungen des gestürzten Königs rühren; und darüber hinaus bewarb er sich mit einer Bittgesandtschaft um die zuverlässigere und stärkere Freundschaft des Kaisers von China Eo redegit angustiarum eundem regem exsulem, ut Turcici regis, et Sogdiani, et Sinensis, auxilia missis literis imploraret, (Dahin brachte die Not den flüchtigen König, dass er die Hilfe des türkischen, sogdianischen und chinesischen Königs in Eilbriefen erflehte. Abulfed. Annal. p. 74). Den Zusammenhang zwischen der persischen und chinesischen Geschichte haben dargestellt Freret (Mem. de l'Academie, tom. XVI,. p. 245-255) und De Guignes, (Hist. des Huns, tom. I, p. 54-59); die Geographie der Grenzen tom II, p.1-43).. Der tugendreiche Taitsong Hist. Sinica, p. 41-46, im 3. Teil der Relations Curieuses of Thevenot., der erste der Tang-Dynastie, nimmt in etwa die Stelle der römischen Antonine ein: Seine Untertanen genossen das Glück von gleichzeitigem Frieden und Wohlstand. Und seine Herrschaft wurde von vierundvierzig Horden der Tartaren und anderer Barbaren anerkannt. Seine abgelegensten militärischen Stützpunkte, Caschgar und Khoten, unterhielten einen lebendigen Austausch mit ihren Nachbarn am Jaxartes und Oxus. Eine erst jüngst hinzugekommene persische Kolonie hatte in China die Astronomie der Magier eingeführt; und Taitsong war wohl auch ein wenig beunruhigt über den rasenden Aufstieg der Araber und über ihre unbehagliche Nachbarschaft. So belebten sich Yesdegerds Hoffnungen und der Diensteifer der Feueranbeter durch den Einfluss und vielleicht sogar die geheime Unterstützung der Chinesen aufs Neue.

Und doch wurden die glückbegünstigten Moslems, ohne einen einzigen Schwerthieb zu tun, zu Zeugen seines Sturzes und Todes. Chosroes Enkel wurde von einem seiner Sklaven verraten, von den aufsässigen Einwohnern von Merou bepöbelt und von seinen barbarischen Verbündeten überwältigt, geschlagen und verfolgt. Er erreichte das Ufer eines Flusses und bot dem Müller seine Ringe und Armreife für eine sofortige Passage in dessen Boot an. Ohne Kenntnis und wohl auch ohne Gefühl für die Notlage des Königs erwiderte der grobe Kerl, dass vier Silberdrachmen seine täglichen Einkünfte aus der Mühle seien und dass er seine Arbeit nicht unterbrechen würde, wenn ihm sein Verdienstausfall nicht ersetzt würde. In diesem Augenblick des Zögerns und Zeitverlierens wurde der letzte König der Sassaniden von der türkischen Kavallerie eingeholt, überwältigt und im neunzehnten Jahre seiner glücklosen Regierung niedergemetzelt Ich habe es auf mich genommen, die verschiedenen Darstellungen von Elmacin, (Hist. Saracen. p. 37), Abulpharagius, (Dynast. p. 116), Abulfeda, (Annal. p. 74, 79) und D'Herbelot, (p. 485) einander anzugleichen. Das Ende von Yesdegerd war nicht nur unglücklich, sondern auch unrühmlich.. Sein Sohn Firuz, ein Schützling des chinesischen Kaisers in einfachen Verhältnissen, wurde Hauptmann in dessen Leibwache, und der Gottesdienst der Magier wurde in der Bucharei noch lange Zeit hindurch von einer Kolonie getreuer Bekenner ausgeübt. Sein Enkel erbte den Königstitel; aber nach einem kraft- und fruchtlosen Feldzug kehrte er nach China zurück und schloss seine Tage im Palast von Sigan. Damit war die männliche Linie der Sassaniden erloschen; doch die weiblichen Gefangenen, die Töchter Persiens, wurden den Siegern zu Sklavinnen oder zur Ehefrau gegeben, so dass die Geschlechter der Kalifen und Imame durch das Blut ihrer königlichen Mütter veredelt wurden Die beiden Töchter Yesdegerds heirateten Hassan, den Sohn Alis, und Mohammed, den Sohn Abu Bekers; und durch sie wurde der erstere zum Stammvater einer zahlreichen Nachkommenschaft. Firuz' Tochter wurde die Frau des Kalifen Walid, und deren Sohn Yediz führte seine wahre oder erfabelte Herkunft auf Chosroes von Persien, die römischen Caesaren und den Chagaren der Türken und Avaren zurück..

DIE EROBERUNG VON TRANSOXIANA-710

Nach dem Untergang des Perserreiches bildete der Oxus die Grenzlinie zwischen den Sarazenen und den Türken. Schon bald überwand die Kühnheit der Araber diese schmale Grenze. Die Statthalter von Chorasan drangen immer tiefer in das Land vor, und eine ihrer Eroberungen war der Halbstiefel einer türkischen Königin, den sie bei ihrer überstürzten Flucht durch die Berge der Bochara verloren hatte Der Wert dieses Stiefels wurde auf 2000 Goldstücke geschätzt und war das Beutestück von Obeydollah, des Sohnes von Ziyad, welcher Name später durch die Ermordung Hosseins verdunkelt wurde. (Ockley's History of the Saracens, vol. II, p. 142, 143). Sein Bruder Salem hatte zur Gesellschaft seine Frau dabei, welche so zur ersten Araberin wurde, die den Oxus überqueren sollte (A.D. 680): von der Fürstin der Sogdianer erborgte oder vielmehr: stahl sie Krone und Juwelen.. Aber die endgültige Eroberung Transoxaniens Ein Abschnitt aus der Geographie von Abulfeda, von Greaves übersetzt, ist eingefügt in Hudson, Collection of the minor geographers, (tom. III) unter dem Titel Descriptio Chorasmiae et Mawaralnahroe, id est, regionum extra fluvium, Oxum, p. 80. Der sanftere, aber gleichbedeutende Name Transoxiania wird scho, und mit gutem Recht, von Petit de la Croix (Hist. de Gengiscan) und einigen modernen Orientalisten verwendet, welche aber fehlgehen, wenn sie ihn antiken Autoren zuschreiben. und Spaniens blieb für die ruhmreiche Regierung des phlegmatischen Walid vorbehalten; während der Name Katibah, Kameltreiber, die Herkunft und die Verdienste seines erfolgreichen Unterfeldherren hinreichend beleuchtet. Während einer seiner Mitfeldherren das Banner Mohammeds am Ufer des Indus emporzog, machten die Waffen des Katibah das weite Land zwischen Oxus, Jaxartes und Kaspischem Meer dem Propheten und dem Kalifen untertänig Die Eroberungen des Katibah werden von Elmacin, (Hist. Saracen. p. 84), D'Herbelot, (Bibliot. Orient. Catbah, Samarcand Valid.) und De Guignes, (Hist. des Huns, tom. I, p. 58, 59.) nur recht unbestimmt angegeben.. Zwei Millionen Goldstücke Jahrestribut wurden den Ungläubigen auferlegt; ihre Götzen wurden verbrannt oder zertrümmert; in der neu errichteten Moschee zu Karizme hielt der Muselman Predigten; nach mehreren Gefechten wurden dann die türkischen Horden wieder in die Wüste zurück gejagt; und selbst der Kaiser von China suchte um die Freundschaft der siegreichen Araber nach. Großenteils ihrem Fleiß mag man den Wohlstand dieser Kolonie, des antiken Sogdiana, zuschreiben; doch kannte und nutzte man auch die gute Bodenbeschaffenheit schon seit den Zeiten der Makedonenherrscher. Vor dem Einfall der Sarazenen waren Karizme, Bochara und Samarkand unter der Herrschaft der Hirtenstämme aus dem Norden wohlhabend und volkreich gewesen. Diese Städte waren von einer Doppelmauer umfasst; und Außenwerke von noch größerem Umfang umfassten die Felder und Gärten der umliegenden Gebiete. Und die jeweiligen Bedürfnisse der Europäer und Inder wurden durch den Erwerbssinn der sogdianischen Kaufleute zufrieden gestellt. Die kaum zu überschätzende Kunst, aus Leinwand-Lumpen Papier herzustellen, hat sich von der Manufaktur aus Samarkand über die ganze westliche Welt verbreitet Eine lesenswerte Beschreibung von Samarkand findet man eingerückt in die Bibliotheca Arabico-Hispana, tom. I, p. 208. Der Bibliothekar Casiri (tom. II, 9) erzählt, gestützt von glaubwürdigen Zeugen, dass das Papier zunächst aus China A.H. 30 nach Samarkand gelangte und in Mekka A.H. 88 erfunden oder doch wenigstens eingeführt wurde. Die Bibliothek des Eskorial besitzt einige Papier-MSS aus dem 4. Oder 5 Jh. der Hedschra..

EINFALL IN SYRIEN – A.D. 632

II. Kaum hatte Abu Beker die Einheit von Glauben und Regierung hergestellt, als er an alle arabischen Stämme einen Rundbrief ergehen ließ: »Im Namen des allerbarmherzigsten Gottes an die überlebenden, getreuen Gläubigen. Heil und Glück und die Gnade des einen Gottes seien mit euch. Ich preise Gott, den allerhöchsten, und ich bete für Mohammed, seinen Propheten. Dieses Schreiben soll euch wissen lassen, dass ich die wahren Gläubigen nach Syrien Eine Einzeldarstellung der Eroberung von Syrien stammt aus der Feder des Al Wakidi, Kadi zu Bagdad, geboren A.D. 748, gestorben A.D. 822; desgleichen beschrieb er die Eroberung Ägyptens durch Diarbekir u.a. Al Wakidi hat gegenüber den dürren arabischen Chronisten der Gegenwart den Vorteil, dass er älter und faktenreicher ist. Seine Geschichten und Sagen entwerfen ein schlichtes und ungekünsteltes Bild von den Menschen und ihren Zeiten. Doch oft ist seine Darstellung unvollständig, banal und unwahrscheinlich. Bis wir etwas Besseres haben, hat sein gelehrter und beherzter Übersetzer (Ockley, in seiner History of the Saracens, vol. I, p. 21-342) die gereizte Rüge von Reiske (Prodidagmata ad Magji Chalifae Tabulas, p. 236) nicht verdient. Es tut mir aber weh, wenn ich daran denke, dass Ockley seine Arbeit in einem Gefängnis beendet hat (siehe seine beiden Vorworte zum 1. und 2. Band aus 1708 und 1718 nebst der Verfasserliste am Ende). zu entsenden vorhabe, um es der Hand der Ungläubigen zu entwinden. Und auch sollt ihr wissen, dass der Krieg für die Religion ein Werk des Gehorsams gegen Gott ist.« Schon bald kehrten seine Boten zurück und brachten frohe Zeitung von der frommen Kriegslust, die sie in jedweder Region entzündet hatten; und das Feldlager zu Medina füllte sich nach und nach mit den Haufen der furchtlosen Sarazenen, die es nach Kämpfen verlangte, die über die große Hitze klagten und die wider die schleppenden Anstalten des Kalifen murrten. Sobald sie vollzählig waren, erstieg Abu Beker den Berg, hielt Musterung über Menschen, Pferde und Waffen und sprach dann ein inbrünstiges Gebet für den glücklichen Fortgang ihres Unternehmens.

In eigener Person begleitete er am ersten Tagen noch den Marsch zu Fuß; und als die Truppenführer mit leiser Beschämung vom Pferde stiegen, beseitigte der Kalif ihre Bedenklichkeiten mit dem Hinweis, dass im Dienste der Religion zu reiten oder zu marschieren gleichermaßen löblich sei. Seine Anweisungen Diese Anweisungen aus dem syrischen Krieg werden von Al Wakidi und Ockley tom. I, p. 22-27 mitgeteilt. In der folgenden Darstellung wird es notwendig sein, ihre ausufernde Erzählung zu kürzen und überflüssig, jedes Mal diese Quelle zu benennen. Andere Gewährsleute werde ich natürlich nennen. an die Unterbefehlshaber des syrischen Expeditionscorps lassen durchaus einen kriegerischen Fanatismus erkennen, der nach den Objekten des irdischen Ehrgeizes greift und ihn zugleich zu verachten vorgibt. »Seid dessen eingedenk,« so sprach der Nachfolger des Propheten, »dass ihr in jedem Augenblick vor den Augen eures Gottes und an der Schwelle des Todes seid, in der Gewissheit des Gerichtes und in der Hoffnung auf das Paradies. Vermeidet Rechtlosigkeit und Grausamkeit; beratet euch mit euren Brüdern und strebt danach, euch die Liebe und das Vertrauen der Truppe zu bewahren. Wenn ihr die Schlachten eures Herren schlagt, dann bewährt euch als Männer und kehrt niemals den Rücken; doch lasst nicht zu, dass eure Siege durch das Blut von Kindern und Frauen besudelt werden. Zerstört keine Palmen, und verbrennt nicht die Kornfelder. Fällt keine Obstbäume und tötet keine Rinder, es sei denn, es geschehe zu eurer Ernährung. Wenn ihr ein Abkommen oder Friedensbedingungen aushandelt, dann haltet euer Wort. Dringt ihr weiter ins Land vor, werdet ihr auf fromme Menschen stoßen, die zurückgezogen in Einsiedeleien leben und sich Gott auf diese Weise zu dienen vorgenommen haben: lasst sie in Ruhe, tötet sie nicht und zerstört ihnen auch nicht ihre Klöster Dieser Verbote ungeachtet schildert Herr Pauw (Recherches sur les Egyptiens, tom. II, p. 192, edit. Lausanne) die Beduinen als die gnadenlosen Feinde der christlichen Mönche. Was mich betrifft, möchte ich eher die Habgier der arabischen Wüstenräuber und die Vorurteile des deutschen Gelehrten im Verdacht haben.. Dann werdet ihr noch eine andere Sorte Mensch antreffen, die zu der Synagoge des Satans gehören, und die geschorene Kronen haben Selbst im 7. Jh. waren die Mönche fast durchgängig Laien. Sie trugen die Haare lang und gelöst. Vor der Priesterweihe schoren sie ihre Köpfe nicht. Die kreisförmige Tonsur war heilig und voller Geheimnis; sie war nicht nur die Dornenkrone, sondern zugleich ein königliches Diadem; jeder Priester war ein König &c. (Thomassin, Discipline de l'Eglise, tom. I, p. 721-758, especially p. 737, 738).; diesen dürft ihr die Schädel spalten, gebt ihnen keine Gnade, es sei denn, sie werden Mohammedaner oder sie entrichten Tribut.«

Alle weltlichen oder lockeren Gespräche, jede heikle Erinnerung an früheren Zank waren den Arabern strengstens verboten; inmitten des Lärms eines Militärlagers wurden alle religiösen Obliegenheiten pünktlich beachtet, und zwischen den Kämpfen verbrachte man die Zeit im Gebet, Versenkung und Koranstudium. Der Missbrauch, ja selbst nur der einfache Gebrauch von Wein wurde mit achtzig Stockhieben auf die Fußsohle bestraft, und in der Hitze ihres ersten, unverbrauchten Eifers für die Religion bekannten viele heimliche Sünder ihre Vergehen und verlangten nach Strafe. – Nach einigen Verzögerungen wurde das Kommando über die syrische Armee auf Abu Obeidah übertragen, einen der Flüchtlinge aus Mekka und Begleiter Mohammeds, dessen religiöser Fanatismus und dessen Andacht durch die einzigartige Milde und Güte seines Wesens zwar abgemildert, aber durchaus nicht unwirksam gemacht wurde. Doch in allen Vorkommnissen des Feldzuges verlangten die Krieger nach dem überlegenen Geiste des Kaled; und wen immer der Herrscher zum Feldherren bestimmt hätte, das Schwert Gottes war nach Tat und Ruhm der erste Befehlsgeber der Sarazenen. Er selbst gehorchte ohne Murren; man fragte ihn ohne Eifersucht um Rat; und von solchem Zuschnitt war seine Gesinnung oder eher wohl die seiner Zeit, dass Kaled sein Bereitschaft bekundete, unter dem Banner des Glaubens zu dienen, selbst wenn sich eben diese Fahne in der Hand eines Kindes oder eines Feindes befinden sollte. Zwar, man hatte dem siegreichen Muselman Reichtum verheißen, Ehre und Herrschaft überdies, doch belehrte man ihn auch dahingehend, dass die Güter dieser Welt, wenn sie denn sein einziger Antrieb wären, auch seine einzige Belohnung bleiben würden.

BELAGERUNG VON BOSRA

Einer von den fünfzehn Provinzen Syriens – wohlbestelltes Land östlich des Jordanflusses – hatte römische Eitelkeit den Namen Arabia verliehen Huic Arabia est conserte, ex alio latere Nabathea contingua; opima varietate commerciorum, castrisque oppleta validis et castellis, quae ad repellendos gentium vicinarum excursus, solicitudo pervigil veterum per opportunos saltus erexit et cautus. (Amm. Marcellinus 14.8. Hieran grenzt Arabien, das an einer Seite Nabathea berührt, ein Land, das eine große Vielfalt an Waren hervorbringt und mit starken Festungen und Burgen überstreut ist, welche zur Abwehr der Einfälle der Nachbarvölker die stets wachsame Besorgnis der früheren Herrscher errichtet hat). Reland, Palestina, tom I., p. 85, 86., so dass die ersten Waffentaten der Sarazenen durch diesen Schein von nationalem Anspruch gerechtfertigt erschienen. Das Land selbst war durch die zahlreichen Vorteile des Handels wohlhabend geworden, die Umsicht der Kaiser hatte es mit einer Kette von Festungen gesichert, und die volkreichen Städte Gerasa, Philadelphia und Bosra Außer Gerasa und Bosra rühmt Ammianus die Festungsanlagen von Bosra als firmitate cautissimas (durch Festigkeit besonders gesichert...). Dieses Lob verdienten sie auch zu Abulfedas Zeiten (Tabul Syriae, p. 99), der diese Stadt, die Hauptstadt von Hawra (Auranitis), vier Tagesreisen von Damaskus lokalisiert. Die hebräische Etymologie entnehme ich Reland, Palest., tom II, p.666. waren durch stabile Mauern wenigstens vor Überfällen gesichert. Letztgenannte Stadt war von Medina achtzehn Stationen entfernt. Die Karawanen aus Hejaz und Irak kannten die Straße gut, da sie jährlich die reichen Märkte der Provinz und der Wüste besuchten: Die dauernde Eifersucht der Araber hatte die Bewohner im Umgang mit Waffen geschickt gemacht, und zwölftausend Pferde konnten aus den Toren Bosras entsandt werden, eine syrische Bezeichnung übrigens, die soviel wie »Starker Turm der Verteidigung« bedeutet. Ermutigt durch ihre bisherigen Erfolge bei ihren Überfällen auf ungeschützte Städte und Grenzstreifen, riskierte eine Heeresabteilung von viertausend Mann, die Festung von Bosra anzugreifen. Sie wurden durch die Übermacht der Syrer zurückgeworfen und erst durch das Eingreifen Kaleds und fünfzehnhundert Berittener gerettet: er rügte das Unternehmen, stellte die Schlacht wieder her und rettete seinem Freund, dem ehrbaren Serjabil das Leben, der ganz vergeblich die Einheit Gottes und die Verheißungen seines Propheten angerufen hatte.

Nach kurzer Pause verrichteten die Muselmanen ihre Waschungen mit Sand anstelle von Wasser Ein Wüsten- und Heeresapostel war genötigt, auf dieses Mittel zurückzugreifen, (Koran, 3. Sure), doch haben die persischen und arabischen Kasuisten diese vom Propheten eingeräumte Freiheit mit zahllosen Spitzfindigkeiten und Unterscheidungen belastet (Reland, de Relig. Mohamm. 1, p. 82, 83; Chardin, Voy. en Perse, tom IV).; und vor dem Aufsitzen wurde das Morgengebet von Kaled gesprochen. Im Vertrauen auf ihre Stärke öffneten die Einwohner Bosras die Stadttore, schwärmten mit ihren Streitkräften in die Ebene aus und schworen, in der Verteidigung ihrer Religion zu sterben. Aber die Religion des Friedens war wehrlos gegen das fanatische Gebrüll »Kämpft! Kämpft! Paradies! Paradies!«, das aus den Reihen der Sarazenen herüberdröhnte. Der Lärm in der Stadt, das Läuten der Glocken »Die Glocken erklangen« (Ockley, vol. I, p. 38).Ich zweifle allerdings, ob sich dieser Ausdruck aus Al Wakidis Text oder den damaligen Gebräuchen überhaupt herleiten lässt. Ad Graecos, sagt der gelehrte Ducagne (Gloss. Mediae et infimae Graecitatis, tom I, p. 774) campanarum usus serius transiit et etiamnum rarissimus est. (Bei den Griechen verlor sich später der Gebrauch der Glocke und ist auch jetzt äußerst selten). Das älteste Beispiel, das er bei byzantinischen Autoren hat auffinden können, stammt aus A.D. 1040; doch behaupten die Venezianer, sie hätten schon im 9. Jh. Glocken nach Konstantinopel gebracht. und das Geheule der Mönche und Priester vergrößerte nur das Entsetzen und die Unordnung der christlichen Krieger. Die Araber verloren nur zweihundertunddreißig Mann und behaupteten das Feld, dafür waren die Mauern von Bosra in Erwartung menschlicher oder göttlicher Hilfe mit heiligen Kreuzen und geweihten Fahnen bestückt. Der Satthalter Romanus hatte schon vorher zur Unterwerfung geraten; vom Volke verachtet und seines Amtes entsetzt, hatte er nur noch den Wunsch nach Rache und – die Gelegenheit dazu ebenfalls.

In einem nächtlichem Zusammentreffen verriet er dem Feind einen unterirdischen Gang von seinem Haus unter der Mauer hindurch; der Sohn des Kalifen und hundert Freiwillige vertrauten sich der Aufrichtigkeit dieses ihres neuen Verbündeten an, ihr guter Mut wurde von Erfolg gekrönt und verhalf ihren Gefährten zum Einlass. Nachdem Kaled die Bedingungen der Unterwerfung und die Höhe des Tributes diktiert hatte, bekannte der Apostat oder Konvertit vor der Volksversammlung seinen verdienstvollen Verrat. »Ich sage mich von eurer Gemeinschaft los,« sagte Romanus, »in dieser Welt und in der, die da kommen wird. Auch den verleugne ich, der gekreuzigt wurde sowie jeden, der ihn verehrt. Und ich wähle mir Gott zu meinem Herren, den Islam zu meiner Religion, Mekka zu meinem Tempel, die Muselmanen zu meinen Brüdern und Mohammed zu meinem Propheten. Ihn, der zu uns gesandt wurde, uns auf den rechten Weg zu führen und die wahre Religion zu befördern trotz all derer, die neben Gott noch weitere Götzen haben.«

BELAGERUNG VON DAMASKUS A.D. 633

Die Eroberung von Bosra, welches nur vier Tagesetappen von Damaskus Eine weitläufige Beschreibung von Damaskus bieten: Sherif el Edrisi, (Geogr. Nub. P. 116f); sein Übersetzer Sionita (Append. 4); Abulfeda, (Tab. Syr., p. 100); Schultens (Index Geogr. Ad Vita Salad.); d'Herbelot (Bibl. Orient. p. 261); Thevenot (Voy. Du Levant, part I, p.688-698); Maundrell (Journey from Aleppo to Jerusalem p. 120-130); Pocock, (Descr. Of the East, vol II, p.117-127). liegt, ermutigte die Araber, auch die alte Hauptstadt von Syrien Nobilissima civitas (eine äußerst ehrwürdige Stadt), sagt Justin. Gemäß orientalischer Überlieferung war sie älter als Abraham oder Semiramis. Josephus, Antiq. Jud. 1, 6 und 7; ed Havercamp. zu belagern. In einiger Entfernung von den Mauern lagerten sie inmitten von Hainen und Quellen dieser anmutsvollen Gegend Siehe Iulian, Epist. 24, p. 392. Veranlassung zu den Lob-Epitheta an dieser Stelle gaben die Feigen von Damaskus, von denen der Verfasser seinem Freund Serapion 100 zuschickte. Diese rhetorischen Ergüsse findet man nun eingerückt bei Petavius und Spanheim unter Julians echten Briefen. Wie konnten diese Gelehrten nur übersehen, dass der Briefschreiber ein Bewohner von Damaskus ist (dreimal sagt er »bei uns«), einer Stadt, die Julian niemals auch nur betreten und der er sich noch nicht einmal genähert hat!; dann machte man den entschlossenen Einwohnern, die erst kürzlich durch fünftausend Griechen Verstärkung erhalten hatten, das übliche Angebot » mohammedanischer Glauben oder Tribut oder Krieg«. Als die Kriegskunst in den Anfängen steckte sowie in den Zeiten ihres Verfalles wurden derlei Herausforderungen von den Feldherren persönlich überbracht oder angenommen Voltaire, der zumindest die Oberfläche der Geschichte mit scharfem und lebhaftem Blick mustert, entdeckt eine frappierende Ähnlichkeit zwischen den Helden der Ilias und den ersten Muselmanen, zwischen der Belagerung von Troia und von Damaskus. (s. seine Histoire Générale, tom I, pag. 348).; so ward denn auch in der Ebene von Damaskus so manche Lanze zersplittert, und gleich beim ersten Ausfall der Belagerten legte Kaled eine Probe seines persönlichen Mutes ab. Nach hartem Gefecht hatte er einen der christlichen Heerführer überwältigt und gefangen gesetzt, einen mächtigen und würdigen Gegner. Ohne Verzug bestieg er ein ausgeruhtes Pferd, ein Geschenk des Statthalters von Palmyra, um in die erste Reihe zurück zu galoppieren. »Erhole dich doch nur für einen Moment,« riet ihm sein Freund Derar, »und lass mich an deine Stelle treten; erschöpft bist du vom Kampfe mit diesem Hund.« – »O Derar!« versetzte der unermüdliche Sarazene, »wir werden in der Welt ausruhen, die da kommen soll. Wer heute arbeitet, soll morgen ausruhen.« Mit gleichbleidender Hitze antwortete Kaled, bekämpfte auch einen zweiten Krieger und besiegte ihn, und da sich beide weigerten, ihren Glauben zu verraten, schleuderte er mit Ingrimm ihre Köpfe über die Mauern der Stadt.

Der Ausgang einiger größerer und kleinerer Gefechte veranlasste die Damaszener, sich hinter ihre Mauern zurück zu ziehen.; aber ein Bote, den sie über die Mauer herabgelassen hatten, kehrte mit der Zusicherung einer mächtigen und raschen Hilfe zurück; und ihr lautstarkes Freudengetöse wurde im Lager der Araber zutreffend ausgelegt. Man hielt Kriegsrat und beschloss, die Belagerung aufzuheben oder vielmehr solange auszusetzen, bis man die Streitkräfte des Kaisers in einer Schlacht gestellt haben würde. Für den Rückzug wollte Kaled den gefährlicheren Posten im Nachtrab einnehmen, aber er fügte sich dann bescheiden den Wünschen des Abu Obeidah. Doch in der Stunde der Gefahr stürmte er zu seinen Gefährten, welche durch sechstausend Reiter und zehntausend Infanteristen hart bedrängt wurden; und nicht viele Christen überlebten, die Umstände ihrer Niederlage in der Stadt anzusagen.

Die Bedeutung dieses Feldzuges machte die Zusammenführung der Sarazenen erforderlich, welche zerstreut an den Grenzen von Syrien und Palästina lagerten. Ich will hier einen der Rundschreiben einrücken, welcher an Amru, nachmaligen Eroberer Ägyptens, adressiert war: »Im Namen des allerbarmenden Gottes: Von Kaled an Amru, Gesundheit und Glück. Wisse, dass dein Brüder, die Moslems, willens sind, nach Aiznadin zu marschieren, wo eine Armee von siebzigtausend Griechen steht, bereit, gegen uns zu ziehen, auf dass sie das Licht Gottes auslöschen mit ihrem Munde, aber Gott bewahret sein Licht, den Ungläubigen zum Trotz Diese Worte sind dem Koran (Sure 9,32 und 61,8) entnommen. So wie die unsere Religionsschwärmer im vorigen Jahrhundert, so schmückten auch die Muselmanen ihre Rede bei wichtigen oder alltäglichen Veranlassungen mit Worten aus ihrer Schrift. Diese Vortragsweise war in ihrem Munde viel natürlicher als der hebräische Zungenschlag, der in die britannische Region und Mundart verpflanzt worden ist.. Sobald nun also dieser mein Brief in deine Hände überliefert ist, so komme mit denen, die bei dir sind, nach Aiznadin, wo du uns finden wirst, sofern es dem Höchsten gefällt.« Man gehorchte mit Freuden, und die fünfundvierzigtausend Muselmanen, die an ein und demselben Tage an einem Ort zusammenkamen, schrieben die Auswirkungen ihres Handelns und ihres Religionseifers dem Segen der Vorsehung zu.

DAS TREFFEN BEI AIZNADIN 13. JULI 633

Vier Jahre nach den Triumphen im Perserkrieg wurde die Ruhe von Kaiser Heraklius und des griechischen Reiches durch einen unbekannten Feind aufgestört, dessen Religion die Christen im Ostreich weniger verstanden als sie ihre Macht spürten. Zu Konstantinopel oder Antiochia im Palast wurde er durch die Nachrichten vom Überfall auf Syrien, den Verlust von Bosra und die ernste Bedrohung von Damaskus aufgeweckt; eine Armee mit siebzigtausend erprobten Veteranen und neu angeworbenen Mannschaften wurde bei Emesa oder Hems unter dem Oberbefehl des Feldherren Werdan Der Name Werdan ist Theophanes unbekannt; mag dieser Name auch armenischer Provenienz sein, er ist nach Klang und Aussehen ganz ungriechisch. Und wenn die byzantinischen Historiker die orientalischen Namen durch den Wolf zu drehen pflegen, dann haben die Araber hier ausgiebig Rache genommen. Machten sie nicht dadurch, dass sie die griechischen Buchstaben von rechts nach links umsetzten, aus dem alltäglichen englischen Andrew so etwas wie Werdan? zusammengezogen. Diese Truppen, hauptsächlich Kavallerie, kann man mit gleichem Recht syrisch, griechisch oder römisch nennen: Syrer nach dem Ort ihrer Geburt oder dem Kriegsschauplatz; Griechen nach der Religion und der Sprache ihres Herrschers; Römer nach der stolzen Bezeichnung, mit der sich lächerlich zu machen die Nachfolger Konstantins nicht müde wurden. Als Werdan auf einem weißen Maultier über die Ebene von Aiznadin ritt, aufgeputzt mit Goldketten und umflattert von Standarten, wurde er plötzlich durch den Anblick eines grimmigen, nackten Kriegers überrascht, der herzu geritten war, den Zustand des Feindes auszuforschen. Der Enthusiasmus seiner Zeit und seines Landes hatte den hohen Mut Derars zusätzlich befeuert, und die gleichen Gemütsempfindungen der Historiker späterer Zeiten hatten sie weiter ausgeschmückt. Der Hass gegen die Christenheit, Beutegier und die Geringschätzung der Gefahr waren die beherrschenden Gemüts-Bausteine des kühnen Sarazenen; und niemals hätte die Aussicht auf einen nahen Tod sein Gottvertrauen erschüttern noch seine kaltblütige Entschlossenheit oder auch nur seine gehobene Stimmung dämpfen können. Selbst in der aussichtslosesten Lage blieb er kühn, umsichtig und am Ende erfolgreich: nach ungezählten Wagnissen und nach dreimaliger Gefangenschaft in den Händen der Ungläubigen lebte er fort, um von den Begebenheiten und Belohnungen während der Eroberung Syriens zu berichten.

Bei dieser Gelegenheit bestand er ein fliegendes Gefecht mit seiner Lanze gegen dreißig Römer, die Werdan losgeschickt hatte; nachdem Derar deren siebzehn aus dem Sattel gehoben oder getötet hatte, kehrte er wohlbehalten zu seinen jauchzenden Brüdern zurück. Als sein General sein tollkühnes Vorgehen mit mildem Tadel bedachte, entschuldigte er sich im Geiste soldatischer Schlichtheit: »Ich habe sie ja nicht angegriffen,« sprach Derar, »sie kamen, um mich zu fangen; und da ich besorgte, dass Gott meine Flucht sehe, so kämpfte ich mit vollem Ernst und bin sicher, dass Gott mit mir gekämpft hat; und wenn ich deinem Befehl nicht ungehorsam gewesen wäre, dann wäre ich nicht so davongekommen, wie es geschah; und nun weiß ich bereits, dass sie in unsere Hände fallen werden.«

Vor den Augen beider Heere trat ein ehrwürdiger Grieche hervor und nahte mit attraktiven Friedensangeboten; der Abzug der Sarazenen sollte mit einem Turban, einem Gewand und einem Goldstück für jeden Soldaten, mit zehn Gewändern und hundert Goldstücken für jeden Anführer und eintausend Goldstücken für den Kalifen erkauft werden. Khaled bezeigte seine Ablehnung mit einem Lächeln der Empörung. »Ihr Christenhunde kennt eure Wahl: Koran, Tribut oder Krieg! Wir sind ein Volk, das am Krieg mehr Freude hat als am Frieden und das euer armseliges Almosen nur verachten kann, denn in Kürze werden wir die Herren eurer Reichtümer, eurer Familien und von euch selbst sein.« Trotz dieser zur Schau getragenen Verachtung war sich Khaled der Größe der ihnen drohenden Gefahr durchaus bewusst: die Teilnehmer am persischen Feldzug, welche das gewaltige Heer eines Chosroes gesehen hatten, gestanden sich ein, das sie niemals eine fürchterlichere Kriegsmacht gesehen hatten. Doch selbst aus der gewaltigen Übermacht des Feindes wusste der durchtriebene Sarazene noch eine Mut-Auffrischung für seine Leute zu gewinnen: »Ihr seht vor euch,« so sprach er zu ihnen, »die vereinte Macht der Römer. Macht euch keine Hoffnung auf Flucht. Aber ihr könnt Syrien durchaus an einem einzigen Tage gewinnen. Der Ausgang hängt von eurer Geduld und Disziplin ab. Hebt euch eure Tapferkeit bis zum Abend auf. Am Abend pflegte der Prophet zu obsiegen.«

Während zweier aufeinander folgender Angriffe ertrug er mit gelassener Ruhe die Pfeile der Feinde und das Murren seiner Truppe. Als sich endlich die Kräfte und die Köcher der gegnerischen Linie zu erschöpfen begannen, gab Khaled das Zeichen zum Angriff und zum Sieg. Die Trümmer der kaiserlichen Armee flohen nach Antiochia, Cäsarea oder Damaskus; und der Tod von vierhundertsiebzig Moslems wurde durch die Feststellung aufgewogen, dass über fünfzigtausend Ungläubige zur Hölle gefahren waren. Unschätzbar indessen war die Beute: ungezählte Banner und Kreuze, aus Gold und Silber, Edelsteine, Silber- und Goldketten und zahllose Rüstungen und Gewänder von kostbarsten Stoffen. Die Verteilung verschob man bis zur Einnahme von Damaskus, doch lieferte die rechtzeitige Erbeutung von Waffen Werkzeuge zu neuen Siegen. Man überbrachte dem Kalifen die glorreiche Siegeszeitung vor den Thron, und selbst die Araberstämme, welche der Sendung des Propheten mit Herzenskälte, ja, Abneigung begegnet waren, drängten itzund darauf, die syrische Beute gerecht zu verteilen.

ARABER ERNEUT VOR DAMASKUS

Die schlimme Nachricht von der Niederlage gelangt mit der für Schreckensmeldungen kennzeichnenden Geschwindigkeit nach Damaskus, dessen Einwohner die Rückkehr der Helden von Aiznadin von den Mauern ansahen. Amru führte die Vorhut an der Spitze von neuntausend Reitern. Die Haufen der Sarazenen folgten in furchtbarem Zuge; und die Nachhut beschloss Khaled in eigener Person, die Fahne des schwarzen Adlers in der Hand. Er übertrug dem Tätigkeitsdrang der Derar das Geschäft, mit zweitausend Berittenen um die Stadt zu patrouillieren, die Ebene zu überwachen und jedwede Zufuhr und Nachricht abzuschneiden. Die anderen arabischen Stammeshäuptlinge wurden auf ihre jeweiligen Posten vor den sieben Toren von Damaskus gestellt, woraufhin die Belagerung mit ebensoviel Eifer und Zuversicht erneuert wurde. Von der Kriegskunst, der Anstrengung und von Kriegmaschinen der Griechen und Römer findet sich bei den erdnahen, aber erfolgreichen Operationen der Sarazenen durchaus nichts. Es reichte ihnen, eine Stadt mit Waffen anzugreifen statt sie durch Gräben einzuschließen, Ausfälle zurückzuschlagen, eine Kriegslist oder einen Sturmangriff zu wagen oder sich auf die Wirkungen von Hunger und Unzufriedenheit zu verlassen.

Damaskus hätte sich dem Urteil von Aiznabin als einem unwiderruflichen und endgültigen Schiedsspruch unterworfen, wenn ihr Mut nicht wiederbelebt worden wäre durch das Beispiel und die Autorität des Thomas, eines Griechen von Adel, welcher auch als Privatmann durch die Verschwägerung mit Kaiser Heraklius ausgezeichnet war Eitelkeit vermochte die Araber zu vermuten, dass Thomas des Kaisers Schwiegersohn war. Wir kennen die Kinder der beiden Frauen des Heraklius; und seine kaiserliche Tochter würde sich gewiss nicht zu Damaskus in der Verbannung vermählt haben (Ducange, Famil. Byzant. p. 118f). Wenn der Kaiser weniger religiös gewesen wäre, würde ich eine uneheliche Geburt des Fräuleins argwöhnen.. Lärm und nächtliche Beleuchtung verrieten die Vorbereitungen zu einem morgendlichen Ausfall; und der christliche Held, der den Religionsfanatismus der Araber zu verachten vorgab, griff ebenfalls auf das Instrumentarium des Aberglaubens zurück. Am Haupttor, in Sichtweite beider Armeen, wurde ein großes Kruzifix errichtet; der Bischof und der Klerus begleiteten den Zug und legten vor dem Jesusbild ein Neues Testament nieder, und beide Parteien wurden durch das Bittgebet, Gottes Sohn möge seinen Dienern beistehen und seine Wahrheit rächen, je und je erbaut beziehungsweise geärgert.

Die Schlacht tobte mit unablässiger Wut, und die Kunst des Thomas Al Maki spricht von »vergifteten Pfeilen« (Ockley, Hist. of the Saracens, p. 10). Aber diese teuflische Erfindung steht so im Widerspruch zu allen römischen und griechischen Kriegsgebräuchen und -gewohnheiten, dass ich zumindest an dieser Stelle eine vorsätzliche Leichtgläubigkeit der Sarazenen unterstelle., eines unvergleichlichen Bogenschützen, war vielen der kühnsten Sarazenen fatal, bis deren Tod durch eine Heldin gerächt wurde. Das Frau des Aban, die ihm in diesen Heiligen Krieg gefolgt war, umarmte ihren sterbenden Gatten und sprach: »Glücklich bist du, mein Geliebter; du gehst ein zum Herrn, der uns erst vereint und jetzt wieder getrennt hat. Ich werde deinen Tod rächen und alles tun, was mir nur möglich ist, um dorthin zu kommen, wo du jetzt schon bist, denn ich liebe dich. Von nun an wird mich kein Mann mehr berühren, denn ich habe mich ganz dem Dienst an Gott verschrieben.« Ohne ein Seufzen, ohne eine Träne wusch sie den Leichnam ihres Mannes und begrub ihn nach dem Brauch. Dann ergriff Abans kühne Witwe die Waffen ihres Mannes, die sie in ihrer Heimat zu führen gelernt hatte und suchte den Platz, wo der Mörder ihres Mannes im dichtesten Getümmel kämpfte. Ihr erster Pfeil durchbohrte die Hand des Fahnenträgers, der zweite verletzte Thomas am Auge, und die ermattenden Christen hielten vergeblich nach der die Standarte ihre Feldherren Ausschau.

Aber der hochgemute Verteidiger von Damaskus weigerte sich durchaus, zu seinem Palast zurückzukehren; er ließ seine Wunde noch auf der Mauer verbinden, und der Kampf dauerte bis in den Abend, aber die Syrer ruhten auf ihren Waffen aus. In der Stille der Nacht wurde mit der Großen Glocke das Signal gegeben, die Tore wurden aufgerissen und aus jeden Tor brach eine Heeressäule hervor gegen das Lager der Sarazenen, das in tiefem Schlafe lag. Khaled war der erste unter Waffen, an der Spitze von vierhundert Reitern flog er zum Ort der größten Gefahr, und die Tränen rannen ihm an seinen eisernen Wangen nieder, als er mit Inbrunst ausstieß: »O Gott, der du nimmer schläfst, siehe auf deine Knechte und liefere sie nicht in die Hände ihrer Feinde.« Da das Schwert Gottes auf dem Plan erschien, wurde dem siegreichen Vormarsch von Thomas Einhalt geboten; die Muselmanen stellten, sobald sie die Gefahr erkannten, die Ordnung in ihren Reihen wieder her und griffen ihrerseits die Angreifer in Flanke und Rücken an. Nach dem Verlust von Tausenden zog sich der christliche General mit einem verzweifelten Seufzer zurück, doch wurden die nachdrängenden Sarazenen durch die Kriegsmaschinerie auf den Wällen verscheucht.

DIE STADT WIRD EINGENOMMEN UND KAPITULIERT-634

Nach siebzigtägiger Belagerung Abulfeda lässt die Belagerung nur siebzig Tage dauern (Annal. Moslem, pag 67, vers. Reiske). Elmacin jedoch, der diese Auffassung jedenfalls mitteilt, dehnt den Zeitraum auf 6 Monate. Und erwähnt den Gebrauch der balistae durch die Sarazenen ( Hist. Saraz. P. 25 und 32). Selbst dieser längere Zeitraum reicht nicht hin, das Intervall zwischen der Schlacht von Aiznadin (Juli 633) und Omars Thronbesteigung ( 24. Juli 634) zu überbrücken, da doch die Eroberung von Damaskus nach einstimmiger Auffassung in seine Regierungszeit fällt (Al Wakidi, bei Ockley, vol I, p 115 und Abulpharagius, Dynast. P. 112, vers. Pocock). waren Geduld und vermutlich auch die Lebensmittel der Damaszener erschöpft. Und also unterwarfen sich die mutigsten ihrer Befehlshaber dem Diktat der bitteren Notwendigkeit. Bei verschiedensten Anlässen, in Friedens- und Kriegszeiten, die hatten sie gelernt, die unvermittelten Aufwallungen Khaleds zu fürchten und die milden Tugenden Abu Odeidahs zu schätzen. Zu mitternächtlichen Stunde wurden einhundert ausgesuchte Abgesandte von Volk und Kirche in das Zelt dieses ehrbaren Oberkommandeurs eingeführt. Er empfing und entließ sie mit angemessener Höflichkeit. Sie kehrten zurück im Besitze einer schriftlichen Garantie auf Treu und Glauben des Weggefährten von Mohammed, dass alle Feindseligkeiten eingestellt seien; dass, wer wollte, in aller Sicherheit auswandern und von seiner Habe mitnehmen möge, soviel er nur tragen könne; und dass die tributpflichtigen Untertanen des Kalifen im Besitz ihres Hauses und Landes bleiben dürften mitsamt der Verfügung über sieben Kirchen. Zu solchen Bedingungen wurden ihm die angesehensten Geiseln und das dem Lage nächstgelegene Tor übergeben. Die Soldaten nahmen sich die Mäßigung ihres Feldherrn zum Vorbild. Und dieser wiederum freute sich über die ehrliche Dankbarkeit eines Volkes, das er vor dem völligen Untergang bewahrt hatte.

Allein, der glückliche Verlauf der Verhandlungen hatte ihre Wachsamkeit eingeschläfert, und genau in diesem Augenblick wurde das gegenüberliegende Stadttor verraten und überrumpelt. Eine Abteilung von einhundert Arabern hatte das Ost-Tor einem gnadenlosen Feind geöffnet. »Keine Gnade,« brüllte der raubgierige und auf Mord erpichte Khaled, »keine Schonung den Feinden des Herren!« Seine Trompeten erdröhnten, und Ströme christlichen Blutes flossen durch die Straßen von Damaskus. Da er aber bis zur Marienkirche vorgedrungen war, geriet er zunächst in Staunen und dann in Wut über den Anblick seiner friedlichen Kriegsgefährten, die ihre Schwerter in den Scheiden trugen und von Priestern und Mönchen umgeben waren. Abu Obeidah begrüßte den Feldherren und sprach also: »Gott hat die Stadt durch Übergabe in meine Hände geliefert und die Gläubigen der Mühen eines Straßenkampfes überhoben.« – »Und bin ich nicht,« sprach Khaled mit Entrüstung dawider, »bin ich nicht der Stellvertreter des Beherrschers der Gläubigen? Habe ich nicht die Stadt im Sturm erobert? Die Ungläubigen sollen durch das Schwert verderben! Auf sie!« Die Araber, ausgehungert und voller Mordbegier, hätten diesem hochwillkommenen Befehl gerne Folge geleistet, und Damaskus wäre verloren, wenn Abu Obeidah seiner Menschenfreundlichkeit nicht durch sein festes Auftreten Nachdruck verliehen hätte. Er warf sich zwischen die zitternden Bürger und die auf Mord erpichten Barbaren, beschwor sie im Namen Gottes, sein Versprechen zu respektieren, ihren Zorneswallungen zu gebieten und den Beschluss ihrer Befehlshaber abzuwarten. Diese Befehlshaber versammelten sich in der Marienkirche, und nach einem heftigen Wortwechsel unterwarf sich Khaled den Geboten der Vernunft, soweit es ihm dies irgend möglich war, und beugte sich der Autorität seiner Amtskollegen, welche die Heiligkeit eines Vertrages betonten sowie die Vorteile und die Ehre hervorhoben, die den Muselmanen aus einer getreuen Einhaltung ihres Wortes ziehen würden und welche zugleich den verbissenen Widerstand ausmalten, den sie infolge des Misstrauens und der Verzweiflung von den verbliebenen syrischen Städten zuverlässig erfahren würden. Es wurde abgesprochen, dass das Schwert ruhen solle, dass der Teil von Damaskus, der sich Abu Obeidah ergeben habe, sogleich der wohltätigen Folgen ihrer Kapitulation genießen durfte und die endgültige Entscheidung der Weisheit und Gerechtigkeit des Kalifen anheim gegeben werden solle Aus Abulfeda (Ann. Moslem p. 125) und Elmacin (Hist. Saracen. P 32) ergibt sich, dass diese Unterscheidung zwischen den beiden Stadthälften von den mohammedanischen Beherrschern lange Zeit gewusst, aber durchaus nicht immer beachtet wurde. Man sehe auch Eutychius (Annal tom II, p. 379f und 383)..

Die Mehrheit der Bewohner fand sich in die ihnen angetragenen Bedingungen darein, gegen eine Tributzahlung Heimatrecht zu erwerben: noch heute wohnen in Damaskus zwanzigtausend Christen. Doch der mutige Thomas und die freigeborenen Patrioten, die unter seiner Fahne gefochten hatten, entschieden sich für Armut und Exil. Auf einer unfernen Wiese vor der Stadt bildeten Priester und Laien, Krieger und Bürger, Frauen und Kinder eine Art Lager; sie hatten ängstlich-eilig ihre wertvollste Habe zusammengerafft und verließen mit lautem Wehklagen oder in stummer Verzweiflung ihre Heimat und die lieblichen Ufer des Pharphar. Ihre Not war indessen nicht geeignet, Khaled steinernes Herz zu rühren; er machte den Damaszenern den Inhalt eines Kornspeichers streitig, suchte die Besatzung von den Vorteilen des Vertrages auszuschließen, akzeptierte zähneknirschend, dass jeder Flüchtling sich mit einem Schwert oder einer Lanze oder einem Bogen bewaffnen dürfe und erklärte mit grober Betonung, dass sie nach Ablauf von drei Tagen immer noch verfolgt und als Feinde der Gläubigen behandelt werden könnten.

VERFOLGUNG DER DAMASZENER

Die Liebesglut eines syrischen Jünglings vollendete den Untergang der damaszenischen Flüchtlinge. Ein städtischer Edelmann namens Jonas war mit einer reichen Jungfrau verlobt, doch hatten ihre Eltern die Eheschließung hinausgeschoben; aber ihre Tochter ließ sich bereden, mit dem Manne ihrer Wahl zu entfliehen. Sie bestachen während der Nacht die Wache am Kaisan-Tor: da wurde der Liebhaber, der vorausging, von einem Geschwader Araber umzingelt, doch sein Ausruf in griechischer Sprache: »Der Vogel ist gefangen« mahnte die Geliebte, in Eile zurückzukehren. In Anwesenheit von Khaled und in sicherer Erwartung des Todes bekannte Jonas seinen Glauben an den einzigen Gott und an Mohammed, seinen Gesandten und verfehlte nicht, bis zum Zeitpunkt seines Märtyrertodes den Pflichten eines wackeren und aufrichtigen Moslems zu obliegen. Als die Stadt erobert wurde, floh er in das Kloster, in welchem Eudocia Zuflucht gefunden hatte; aber der Liebhaber war vergessen; der Apostat wurde verschmäht; ihre Religion war ihr wichtiger als ihr Land; und der Gerechtigkeitssinn des Khaled, der für Mitleid taub war, verschmähte es, einen männlichen oder weiblichen Einwohner gewaltsam in Damaskus zurückzuhalten.

Vier Tage lang wurde der Feldherr durch seine vertraglichen Verpflichtungen und durch die vordringlichen Sorgen für seine neue Eroberung in der Stadt festgehalten. Sein Blutdurst und sein Beutehunger hätten durch eine kühle Berechnung der verflossenen Zeit und der Entfernung zu den Flüchtlingen in die Realität zurückgeholt werden müssen; doch schenkte er dem Drängen des Jonas Gehör, welcher versicherte, dass die ermattenden Flüchtlinge noch eingeholt werden könnten. An der Spitze von viertausend Arabern, die sich als Christen verkleidet hatten, nahm Khaled die Verfolgung auf. Sie machten nur zur Stunde des Gebetes Halt, auch war ihr Führer vollständig des Landes kundig. Eine lange Zeit waren die Fußspuren der Damazener klar und deutlich zu erkennen gewesen, doch unvermittelt waren sie verschwunden; doch erfuhren die Sarazenen neuerliche Stärkung durch Jonas' Versicherung, dass sich die Karawane seitwärts ins Gebirge geschlagen habe und ihnen gar bald in die Hände fallen müsse.

Bei der Überquerung des Libanongebirges hatten sie unerträgliches Ungemach auszustehen, und der ersterbende Mut der Veteranen wurde nur durch den unverwüstlichen Eifer des enttäuschten Liebhabers aufrechterhalten und belebt. Von einem Bauer aus der Umgebung erfuhren sie, dass der Kaiser dieser Kolonie von Exilanten den Befehl zugeschickt habe, unverzüglich die Küstenstraße nach Konstantinopel einzuschlagen, vermutlich aus der Besorgnis, dass die Soldaten und Bewohner Antiochias durch den Bericht ihres Schicksals und den Anblick ihrer Leiden den Mut verlieren könnten. Die Sarazenen wurden durch Gabala Die Städte Gabala und laodicea, an denen die Araber vorüber zogen, gibt es heute noch, wenn auch in einem verfallenen Zustand (Maundrell, p. 11f; Pocock, Vol II, p. 13). Wären die Christen nicht eingeholt worden, dann hätten sie den Orontes auf einer Brücke innerhalb der 16 englischen Meilen zwischen der See und Antiochia überqueren müssen, um dann wieder auf der Heerstraße von Konstantinopel nach Alexandria zu gelangen. Die Itinerarien (p. 146, 148, 581f, ed. Wesseling) verdeutlichen dem Leser Entfernungen, Richtungen und Wegeführungen. und Loadicea geführt, immer in wohlberechneter, vorsichtiger Entfernung von den ummauerten Städten; es regnete ununterbrochen, die Nacht war tiefschwarz, und zwischen ihnen und der römischen Armee lag nur ein Bergrücken, und Khaled, wie immer besorgt um das Wohl seiner Gefährten, flüsterte seiner Begleitung einen Traum von böser Vorbedeutung ins Ohr. Mit Tagesanbruch klarte das Wetter auf, und vor sich erblickten sie in einem lieblichen Tal die Zelte der Damaszener.

Nach kurzem Verweilen, das der Ruhe und dem Gebet gewidmet war, teilte Khaled die Reiterei in vier Schwadrone, deren erste dem getreuen Derar zur Führung anvertraut war, während er sich selbst die letzte vorbehielt. Erfolgreich war ihr Überfall auf die ungeordnete Menge, die nur über wenige Waffen verfügte und durch Kummer und Erschöpfung niedergedrückt waren. Mit der Ausnahme des einen Gefangenen, den sie begnadigten und laufen ließen, fanden die Araber viel Genugtuung an dem Glauben, das kein Christenmensch beiderlei Geschlechtes der Schärfe ihrer Schwerter entkommen sei. Das Gold und das Silber von Damaskus lag über das Lager verstreut, und die königliche Garderobe von dreihundert Lasten Seide wäre hinreichend gewesen, ein ganzes Heer mit nackten Barbaren neu einzukleiden. Im Getümmel der Schlacht suchte und fand er das Objekt seiner Bestrebungen: aber durch diesen seinen letzten Verrat war ihr Grimm erneut aufgeflammt, und während Eudocia sich noch gegen seine verhassten Handgreiflichkeiten zur Wehr setzte, stieß sie sich einen Dolch in ihr Herz Die Belagerung von Damaskus gibt den historischen Rahmen für das Schicksal dieser beiden Liebenden ab, die Herr Hughes in seinem Bühnenstück Phokyas und Eudocia nennt, welches eine der beliebtesten Tragödien englischer Sprache ist. Sie hat den seltenen Vorzug, dass in ihr Natur und Historie, die Sitten jener Zeiten und die Regungen des Herzens miteinander verwoben sind. Die törichten Einwände einiger Schauspieler haben ihn genötigt, die Schuld des Helden und die Verzweiflung der Heldin abzuschwächen. Aus dem niederträchtigen Renegaten Phokyas wird ein ehrenhafter arabischer Bundesgenosse; statt die Verfolgung seiner Landsleute zu veranlassen, eilt er ihnen zu Hilfe; er wird nach dem gewaltsamen Tod Khaleds und Derars selbst tödlich verwundet und stirbt vor Eudocias Augen, die daraufhin ihre Entschlossenheit bekundet, zu Konstantinopel den Schleier zu nehmen. Was für eine morbide Katastrophe!. Eine andere Frau, die Witwe des Thomas und die echte oder angebliche Tochter des Kaisers Heraklius, blieb verschont und ward ohne Lösegeld entlassen; doch war diese Großzügigkeit Khaleds lediglich eine Frucht seiner Verachtung, und durch eine unverschämte Botschaft schmähte der übermütige Sarazene auch noch den Thron der Caesaren. Einhundertfünfzig Meilen war er in die römische Provinz eingedrungen; ebenso hastig und unauffällig zog er sich wieder nach Damaskus zurück. Als Omar den Thron bestieg, wurde das Schwert Gottes von seinem Oberbefehl abgesetzt; doch musste der Kalif, ob er gleich die Tollkühnheit des Unternehmens scharf tadelte, den Mut und die Geschicklichkeit anerkennen, mit der es durchgeführt worden war.

DER JAHRMARKT ZU ABYDA

Ein anderes Unternehmen der Eroberer von Damaskus liefert gleich für zwei Tatsachen einen Beweis, für ihre Habgier und ihre Verachtung irdischer Schätze. Sie brachten in Erfahrung, dass die Erzeugnisse der Landes und der Manufakturen einmal im Jahre auf dem Markt zu Abyla Dair Abil Kodas. Lasse ich das letzte Wort weg, das Epitheton heilig, so erkenne ich das Abila des Lysanias zwischen Damaskus und Heliopolis: der Name (Abil bezeichnet einen Weingarten) stimmt mit der Lage überein und bestätigt so meine Konjektur. Siehe (Reland, Palestin. tom. I, p 317, tom. II, p. 526, 527). zusammengetragen würden, etwa dreißig Meilen von der Stadt entfernt; dass die Klause eines frommen Einsiedlers zur gleichen Zeit von ganzen Pilgerscharen besucht werde; und dass dieses Fest des Handels und des Aberglaubens durch die Hochzeit der Gouverneurs von Tripolis gekrönt werden solle. Abdallah, der Sohn des Jaafar, eines heiligen und ruhmreichen Märtyrers, unterzog sich zusammen mit fünfhundert Berittenen der ebenso einträglichen wie gottgefälligen Aufgabe, die Ungläubigen zu berauben. Als er sich der Messe von Abyda näherte, setzte ihn eine Nachricht denn doch in Erstaunen, dass ein mächtiger Zulauf von Juden und Christen, von Griechen und Armeniern, von eingeborenen Syrern und auswärtigen Ägyptern – insgesamt etwa zehntausend Menschen – stattfinde, nicht eingerechnet die fünftausend Mann Leibwache, welche die Braut geleiteten.

Die Sarazenen hielten an: »Ich für meinen Teil,« sprach Abdallah, »ich wage nicht, jetzt noch umzukehren: unsere Feinde sind zahlreich, unsere Gefahr ist groß, unsere Belohnung glänzend und sichergestellt, sei es nun in dieser Welt oder in der nächsten. Jedermann mag entsprechend seinen Empfindungen angreifen oder umkehren.« Nicht ein Moslem verließ die Fahne. »Zeige den Weg,« sprach Abdallah zu seinem Führer christlichen Bekenntnisses, »und dann magst du sehen, was die Gefährten des Propheten vermögen.« Sie griffen an in fünf Schwadronen; aber nachdem die erste Überraschung verflogen war, wurden sie umzingelt und von der Unmasse der Gegner fast überwältigt. Die orientalische Prahlsucht vergleicht ihre tollkühne Schar mit einem weißen Flecken auf der Haut eines schwarzen Kamels Ich bin hier verwegener als Herr Ockley (Vol I, p. 164), der diese hübsche Metapher nicht in seinen Text einbauen mag, obwohl er in einer Randnotiz anmerkt, dass die Araber viele ihrer Vergleiche von diesem nutzbringenden und vertrauten Geschöpf hernehmen. Das Ren mag in den Liedern der Lappländer zu ähnlichem Ruhm gelangt sein.. Als der Abend dämmerte und ihnen allmählich die Waffen aus der Hand fielen und sie schon am Rande zur Ewigkeit keuchten, erblickten sie eine Staubwolke, die immer näher kam. Auch vernahmen sie das raue Geschrei Tecbir »Wir hören das Tecbir. So nennen die Araber den Ruf zum Angriff, wenn er mit lautem Schrei den Himmel anruft und den Sieg fordert.« Dieses Wort, das in den heiligen Kriegen der Araber so furchtbar war, ist ein aktives Verbum (so Ockley in seinem Index) der zweiten Konjugation von ›kabbara', welches Allah akbar (Gott ist sehr mächtig) bedeutet., und bald schon gewahrten sie die Fahne Khelids, der mit seiner Kavallerie im gestreckten Galopp zu ihrer Hilfe herbeistürmte. Durch diese Attacke wurden die Christen überwältigt und auf der Flucht bis zum Flusse Tripolis niedergemacht. Die verschiedenen Reichtümer der Messe mussten sie zurücklassen, ebenso die zum Verkauf ausgelegten Waren, die mitgebrachten Einkaufsgelder, den schönen Schmuck des Hochzeitsfestes und die Tochter des Statthalters von Tripolis und die vierzig Frauen ihres Geleits. Aber Früchte, Lebensmittelvorräte, Hausrat, Gold, Silbergeschirr, Juwelen wurden mit Eifer auf Pferde, Esel und Maultiere geladen, und dann kehrten die gottseligen Raubmörder im Triumph nach Damaskus zurück. Der Einsiedler jedoch verzichtete nach einem kurzen und heftigen Wortwechsel mit Khaled auf die angebotene Märtyrerkrone, und man ließ ihn am Leben, inmitten des vereinsamten Schauplatzes von Mord und Verwüstung.

HELIOPOLIS UND EMESA BELAGERT 635

Syrien In Abulfedas Geographie bildet die Beschreibung Syriens, seiner Heimat, den interessantesten und besten Teil. Es wurde in arabischer und lateinischer Sprache veröffentlicht (Lipsiae 1766, Quartformat), zusammen mit den gelehrten Fußnoten von Kochler und Reiske nebst einigen naturkundlichen und geographischen Auszügen aus Ibn al Wardii. Von den modernen Reisebeschreibungen ist Pococks Description of the East (of Syria and Mesopotamia, vol. II, p. 88-209) von hoher Gelehrsamkeit und großem Wert. Doch bringt der Verfasser das von ihm selbst Gesehene mit dem nur Angelesenen gelegentlich durcheinander., eines der Länder, die bereits in frühesten Zeiten durch Ackerbau veredelt wurde, hat sich diesen Vorzug durchaus verdient Das Lob des Dionysios ist zutreffend und lebhaft. »Es (Syrien) ist im Besitz von vielen glücklichen Menschen.« (Periegesi, v 902, im tom IV der Geograph. minor. von Hudson). An anderer Stelle nennt er das Land »städtereich.« Der dichtende Geograph lebte unter Augustus; seine Weltbeschreibung wird durch den Kommentar des Eusthatius erläutert, welcher Homer und Dionysios gleiche Ehren erweist. (Fabric. Bibliot. Graec. 4, 2, tom. III, p. 21ff).. Die Hitze wird durch die Nähe zum Mittelmeer gemildert, ebenso durch große Wälder und viele Gewässer. Und der Ertrag des fruchtbaren Bodens liefert den Unterhalt für Mensch und Tier und ist deren Vermehrung günstig. Von Davids Zeiten bis zu denen des Heraklius war das Land dicht besiedelt mit alten und blühenden Städten; zahlreich und wohlhabend waren ihre Einwohner, und selbst nach den durch Despotismus und Aberglauben erlittenen Verheerungen und den jüngsten Kalamitäten der Perserkriege bildete Syrien für die Räuberstämme der Wüste ein lohnendes Angriffsziel. Eine Ebene von zehn Tagesetappen, von Damaskus nach Aleppo und Antiochia wird im Westen durch den mäandernden Orontes bewässert. Das Libanon- und Antilibanongebirge liegen bewaldet in Nord-Süd-Richtung zwischen Orontes und Mittelmeer; und das Adjektiv hohl (Coelesyrien) wurde einem langen und fruchtbaren Tal beigelegt, welches in gleicher Richtung von zwei schneebedeckten Bergketten eingeschlossen wird Zur Topographie des Libanon und Antilibanon hat Reland (Palestin. tom. I, p. 311-326) eine mit ebensoviel Gelehrsamkeit wie Einsicht abgefasste Darstellung geliefert.. Unter den Städten, deren griechische oder orientalische Namen in der Geographie oder Geschichte genannt werden, unterscheiden wir Emesa oder Hems und Heliopolis oder Baalbeck; die erstgenannte als die Hauptstadt der Ebene, die zweite als die Hauptstadt des Tales. Unter den letzten Caesaren waren sie mächtig und volkreich; schon von fern schimmerten die kleinen Türme: das weitläufige Stadtgebiet war mit öffentlichen und Privatgebäuden bedeckt, und die Bürger selbst zeichneten sich durch ihren Mut, oder wenigstens durch ihren Stolz und durch ihren Reichtum oder wenigstens durch ihren Luxus aus.

In den Zeiten des Heidentums oblagen Emesa und Heliopolis dem Dienste Baals, oder der Sonne; doch ist das Erlöschen ihres Aberglaubens und ihrer Bedeutung durch einen bemerkenswerten Umschlag des Glückes markiert. Von dem Tempel zu Emesa, den die Sprache der Dichtung die Gipfel des Libanon erreichen ließ Emesae fastigia celsa renident./Nam diffusa solo latus explicat; ac subit auras /Turribus in coelum nitentibus: incola claris./Cor studiis acuit.../Libanus frondosa cacumina turget./Et tamen his certant celsi fastigia templi. (Emesas hochragende Gipfel erstrahlen. Denn ausgebreitet dehnt sich die Ebene; mit glänzenden, emporstrebenden Türmen nähert es sich dem Himmel: und es schärft der Bewohner die Seele mit eifriger Betrachtung...es strotzen des Libanons laubreiche Gipfel. Und es wettstreiten mit ihnen die strahlenden Giebel des Tempels). Diese Verse in der lateinischen Übersetzung des Rufus Avienus fehlen im griechischen Original des Dionysius; und da auch Eustathius sie nicht erwähnt, sehe ich mich mit Fabricius, (Bibliot. Latin. tom. iii. p. 153, edit. Ernesti,) und gegen Salmasius, (ad Vopiscum, p. 366, 367, in Hist. August.,) genötigt, sie der Phantasie des Avienus und nicht seinem ms. zuzuschreiben., ist nicht die geringste Spur erhalten, während die Ruinen von Baalbeck, verborgen vor den Autoren der Antike, noch heute die Neugierde europäischer Reisender fesseln Maundrells bescheidenes Oktavbändchen (Journey, 134-139) gefällt mit deutlich besser als Pococks pompöser Foliant; (Description of the East, vol. ii. p. 106-113) doch werden alle vorherigen Berichte übertroffen durch die großartigen Darstellungen und Abbildungen von Dawkins und Wood, die die Ruinen von Palmyra und Baalbeck nach England gebracht haben.. Der Tempel misst zweihundert Fuß in der Länge und einhundert in der Breite. Die Vorderseite schmücken zwei Portikos mit acht Säulen, an den Seiten kann man jeweils vierzehn zählen, und jede einzelne Säule, fünfundvierzig Fuß hoch, besteht aus drei massiven Blöcken aus Marmor oder anderem Gestein. Proportionen und Verzierungen der Säulen sind im korinthischen Stil ausgeführt und weisen auf griechische Architekten hin, aber da Baalbeck niemals ein Königssitz war, sind wir außerstande sind zu erkennen, wie die hohen Kosten für das gewaltige Bauwerk nur durch private oder städtische Gelder bestritten werden konnten Dieses Wunder begründen die Orientalen mit einer nimmer versiegenden Hilfsquelle: die Gebäude von Baalbeck wurden von Feen oder Genien errichtet (Hist. de Timour Bec, tom. III, 5, 23, p. 311, 312. Voyage d'Otter, tom. I, p. 83). Weniger absurd, aber genauso ahnungslos schreiben Abulfeda und Ibn Chaukel sie den Sabiern oder Aaditen zu.: Non sunt in omni Syria aedificia magnificentiora his, es gibtin ganz Syrien keine prachtvolleren Gebäude als diese,Tabula Syria p. 108)..

Nach der Eroberung von Damaskus drangen die Sarazenen nach Heliopolis und Emesa vor, aber ich versage mir hier die Wiederholung all' der Ausfälle und Kämpfe, die bereits so ausführlich beschrieben worden sind. Im Fortgang dieser Eroberung erwiesen sich die politischen Kunstgriffe der Sarazenen nicht weniger wirkungsvoll als das Schwert. Durch kurze Sonderfriedensschlüsse lösten sie die Einheit ihrer Gegner, ermöglichten den Syrern, ihre Freundschaft mit ihrer Feindschaft zu vergleichen, machten sie vertraut mit ihrer Sprache, ihren Gebräuchen und den Grundlagen ihrer Religion und leerten durch heimliche Aufkäufe die Magazine und Arsenale der Städte, die sie anschließend fortfuhren zu belagern. Die reichen oder besonders hartnäckigen Städte wurden mit besonders schweren Lösegelzahlungen belegt; alleine Chalkis musste fünftausend Unzen Gold und ebensoviel Silber hinterlegen, außerdem zweitausend Seidengewänder und soviel Oliven und Feigen, wie fünftausend Esel abtransportieren konnten. Immerhin: die Bedingungen des Waffenstillstandes wurden getreulich eingehalten, und des Kalifen Stellvertreter, der versprochen hatte, Baalbeck nach vollzogener Kapitulation nicht zu betreten, blieb still und ruhig in seinem Zelte sitzen, bis die streitenden Faktionen selbst um die Vermittlung eines auswärtigen Herrschers nachsuchten.

Die Eroberung der Ebene und des Tales von Syrien war binnen zweier Jahre abgeschlossen. Gleichwohl tadelte der Beherrscher der Gläubigen den schleppenden Fortschritt; da aber beweinten die Sarazenen ihre Verfehlungen mit Tränen des Zorns und der Reue und forderten ihren Anführer lauthals auf, sie sogleich in eine neuerliche Schlacht des Herren zu führen. In einem Treffen, welches vor den Mauern von Emesa ausgefochten wurde, hörte man, wie ein arabischer Jüngling, Khaleds Vetter, diese Worte ausrief: »Mich deucht, ich sehe die schwarzäugigen Jungfrauen des Paradieses auf mich niederschauen; sollte eine von ihnen hier auf Erden erscheinen, es würden alle Männer aus Liebe um sie sterben. In der Hand der einen sehe ich ein Tuch von grüner Seide und einen Hut mit Edelstein geziert, und nun winkt sie mir zu und ruft: ›Komm zu mir, rasch, denn ich liebe dich.‹ « Mit diesen Worten ging er auf die Christenmenschen los, schlug alles kurz und klein und wurde schließlich vomm Statthalter von Helms wahrgenommen und mit einem Wurfspieß durchbohrt.

SCHLACHT AM YERMUCK-NOVEMBER 636

Es lag nun den Sarazenen ob, ihren ganzen Mut und ihren ganzen Fanatismus gegen die Heeresmacht des römischen Kaisers zu mobilisieren, der mittels mehrerer Niederlagen dahingehend belehrt worden war, dass die Wüstenräuber eine reguläre und dauerhafte Eroberung anstrebten und nun kurz davor standen, sie zu vollenden. Aus den europäischen und asiatischen Provinzen wurden achtzigtausend Mann nach Antiochia und Caesarea in Marsch gesetzt: die leichtbewaffneten Truppenteile wurden von sechzigtausend christlichen Arabern vom Stamme der Gassan gestellt. Sie bildeten die Vorhut unter dem Banner von Jabalah, des letzten ihrer Fürsten, denn es war eine bewährte Regel der Griechen, dass man, um einen Diamanten zu zerschneiden, der Diamant am wirksamsten sei. Heraklius zog es vor, seine Person nicht den Gefahren der Feldschlacht auszusetzen; aber den entscheidenden Tagesbefehl gab ihm entweder seine Überheblichkeit oder seine Mutlosigkeit ein, dass nämlich das Schicksal des Landes und der Ausgang des Krieges von diesem einzigen Tage abhingen. Die Syrer waren der Fahne des Kaisers und dem Kreuz ergeben; doch waren Adel, Bürgersmann und Bauer aufgebracht wegen der Willkür und Brutalität eines zügellosen Heeres, welches sie wie Untertanen behandelte und wie Fremde und Auswärtige verachtete Dieses »Subjectos habent tanquam suos, viles tanquam alienos« habe ich irgendwo bei Tacitus oder Grotius gelesen. Einige griechische Befehlshaber vergewaltigten die Frau und ermordeten das Kind ihrer syrischen Quartiergeber; und der Feldherr Manuel lächelte nur zu dieser ungehörigen Anklage des Mannes.. Dennoch gelangte Kunde von diesen machtvollen Zurüstungen in das Lager der Sarazenen vor Emesa, und wenn die Heerführer auch zum Kampfe entschlossen waren, so hielten sie doch zuvor Kriegsrat ab: der glaubensstarke Abu Obeidah zeigte Neigung, genau an dieser Stelle die Märtyrerkrone zu erwerben; der nachdenklichere Khaled riet zu einem ehrenvollen Abzug zu den Grenzen von Palästina und Arabien, wo sie dann auf die Hilfe ihrer Verbündeten und den Angriff der Ungläubigen warten mochten. Ein Eilbote war schon bald vom Throne zu Medina zurückgekehrt zusammen mit Omars und Alis Segenswünschen, den Bittgebeten der Witwen des Propheten und einer Verstärkung von achttausend Moslems. Diese überrumpelten unterwegs ein Detachement Griechen, und als sie sich zu Yermuk im Lager mit ihren Glaubensbrüdern vereinten, vernahmen sie die erfreuliche Kunde, dass Khaled die christlichen Araber von Stamme der Gassan besiegt und zerstreut habe.

In der Nachbarschaft von Bosra fließen die Quellen vom Hermongebirge in einem Fluss durch die Ebene der Dekapolis oder Zehnstädte, und der Hieromax, welcher Name später zu Yermuk verstümmelt wurde, mündet nach kurzer Strecke in den See Tiberias Siehe Reland, Palestin. tom. I, p. 272, 283, tom. II, p. 773, 775. Dieser gelehrte Professor war der Aufgabe, das Heilige Land zu beschreiben, deshalb gewachsen, weil er mit der griechischen, lateinischen und hebräischen Sprache sowie der arabischen Literatur in gleiche Weise vertraut war. Der Yermuk oder Hieromax wird außerdem erwähnt bei: Cellarius (Geograph. Antiq. tom. II, p. 392) und D'Anville, (Geographie Ancienne, tom. II, p. 185). Die Araber und sogar Abulfeda scheinen noch nicht einmal den genauen Ort ihres Sieges zu kennen.. Dieser unbekannte Fluss nun wurde durch ein langes und verlustreiches Gefecht berühmt. In dieser historischen Stunde vertrauten die öffentliche Meinung und die Bescheidenheit Abu Obedahs dem verdienstvollsten aller Moslems das Kommando an. Khaled bezog seine Stellung vor der Front, sein Kollege in ihrem Rücken, damit etwaige Unordnung durch seinen ehrwürdigen Auftritt und den Anblick jener gelben Fahne verhütet werde, die Mohammed einst vor den Mauern Chibars entfaltet hatte. In der letzten Linie befand sich Derars Schwester zusammen mit jenen Araberinnen, die sich diesem Heiligen Feldzug angeschlossen hatten; sie hatte Bogen und Lanze zu führen gelernt, und einmal hatte sie im Moment ihrer Gefangenennahme die Unversehrtheit ihres Leibes und ihrer Religion gegen einen unbeschnittenen Schandbuben erfolgreich verteidigt Diese Frauen waren vom Stamme der Hamyariten, die von den alten Amalekiten abzustammen beanspruchen. Ihre Frauen konnten reiten und kämpfen, den alten Amazonen vergleichbar. (Ockley, vol I, p 67).. Die Ansprache der Feldherren war kurz und kernig: »Vor euch das Paradies, hinter euch Hölle und Teufel!«

Doch so machtvoll war der Angriff der römischen Kavallerie, dass der rechte Flügel der Araber zersprengt und vom Hauptheer abgetrennt wurde. Dreimal zogen sie sich ungeordnet zurück, und dreimal wurden sie durch Schläge und Weibergekreisch wieder zum Angriff genötigt. In den Gefechtspausen besuchte Abu Obeidah die Zelte seiner Glaubensbrüder, verlängerte ihnen die Erholungspause, indem er die Gebete zweier verschiedener Stunden auf einmal vorsprach; verband ihnen die Wunden mit eigener Hand und heiterte sie durch die tröstliche Zusicherung auf, dass die Ungläubigen die gleichen Schmerzen durchzustehen hätten, ohne an der gleichen Belohnung teilhaben zu dürfen. Viertausenddreißig Moslems wurden auf dem Schlachtfeld begraben; und das Können der armenischen Bogenschützen setzte siebenhundert von ihnen in die Lage, sich damit zu rühmen, dass sie in diesem verdienstvollen Krieg ein Auge eingebüßt hätten. Die Veteranen des syrischen Feldzuges mussten später anerkennen, dass dies die härteste und umstrittenste aller Schlachten gewesen sei, die sie jemals erlebt hätte.

Aber es war auch die entscheidendste: mehrere tausend Griechen und Syrer fielen durch das Schwert der Araber, viel wurden noch nach der Schlacht in den Wäldern und im Gebirge niedergemacht, viele verfehlten die Furt und ertranken im Yermuk; und wie sehr man auch die Verluste vergrößert haben mag Wir haben ihrer 150.000 getötet und 40.000 gefangen genommen, sprach Abu Obeidah zum Kalifen. (Ockley vol. I, p. 241). Da ich an seiner Wahrheitsliebe ebenso wenig zu zweifeln Anlass habe, wie ich seinen Rechenkünsten Glauben schenken kann, so mutmaße ich, dass die arabischen Historiker sich das Vergnügen gönnten, für ihre Helden Reden und Briefe auszudenken., die christlichen Autoren bekennen und beweinen diese blutige Strafe für ihre Sünden Nachdem er die Sünden der Christen beweint hatte (Chronograph. p. 276), fügt Theophanes einen kurzen und unverständlichen Bericht hinzu, beklagt die Überlegenheit des Feindes, den ungünstigen Wind und die Staubwolken (Chronograph. 280).. Der römische General Manuel kam entweder bei Damaskus ums Leben oder floh in das Kloster auf dem Berge Sinai. Jabalah, ein Verbannter am Hof von Byzanz, klagte über die Sitten der Araber und sein Pech, sich der christlichen Sache angeschlossen zu haben Siehe Abulfeda, (Annal. Moslem. p. 70, 71), der Jabalahs Klage in Gedichtform übersetzt hat zusammen mit einigen panegyrischen Zeilen eines arabischen Dichters, dem der Stammeshäuptling von Gassah 500 Goldstücke durch Omars Gesandten von Konstantinopel geschickt hatte.. Er war vordem der Sache des Islam durchaus zugetan; doch auf einer Pilgerfahrt nach Mekka hatte Jabalah sich provozieren lassen, einen Glaubensbruder zu schlagen und war geflohen vor des Kalifen Strenge und großen Gerechtigkeit. Die überlebenden Sarazenen verbrachten einen Monat der Ruhe und des Vergnügens in Damaskus. Abu Obeidahs Sorgfalt übernahm die Verteilung der Beute: jeder Reiter und sein Ross wurden zu gleichen Teilen bedacht, und das Doppelte wurde für die Edelrenner aus der arabischen Zucht ausgelobt.

EROBERUNG VON JERUSALEM-637

Nach der Schlacht von Yermuk war das römische Heer nicht mehr im Felde gesehen, so dass die Sarazenen sich ungestört aussuchen konnten, welche der befestigten syrischen Städte denn nun das nächste Ziel ihrer Attacken sein sollte. Sie erholten sich beim Kalifen Rats, ob sie Cäsarea oder Jerusalem überfallen sollten und entschieden sich auf Alis Empfehlung für die sofortige Belagerung von Jerusalem. Für den weltlichen Beobachter war diese Stadt die erste oder zweite von Palästina, doch wurde sie, nach Mekka und Medina, von frommen Moslems als derjenige Tempel des Heiligen Landes aufgesucht und verehrt, der durch die Offenbarungen von Moses, Jesus und Mohammed selbst geheiligt war. Der Sohn von Abu Sophia wurde mit fünftausend Mann entsandt, einen ersten Versuch –sei es durch Überrumpelung oder Vertragsschluss – zu wagen; am elften Tage jedoch wurde die Stadt durch Abu Obeidahs gesamte Heeresmacht eingeschlossen. Zunächst machte er dem Oberbefehlshaber und dem Volk von Aelia Im Namen der Stadt hat das Profane das Übergewicht über das Heilige. Den andächtigen Christen war nur Jerusalem bekannt (Euseb. de Martyr Palest. c. XI); aber die offizielle und landesübliche Benennung Aelia (die Kolonie des Aelius Hadrianus) ist von den Römern auf die Araber gekommen. (Reland, Palestin. tom. I, p. 207, tom. II, p. 835. D'Herbelot, Bibliotheque Orientale, Cods, p. 269, Ilia, p. 420). Das Adjektiv Al Cods, die Heilige, wird als der Eigenname von Jerusalem verwendet. nach altem Brauch sein Angebot:

»Wohlergehen und Glück allen, die da die rechte Straße wandeln! Wir verlangen von euch zu bezeugen, dass es nur einen Gott gibt und Mohammed sein Gesandter ist. Weigert ihr euch des, so findet euch darein, inskünftig Tributzahlungen zu leisten sowie unsere Untertanen zu sein. Sonst nämlich werde ich Männer über euch kommen lassen, die den Tod mehr lieben als ihr Wein und Schweinefleisch. Auch werde ich nicht eher von euch ablassen, bis ich, so Gott will, alle, die euch beistehen, vernichtet und eure Kinder zu Sklaven gemacht habe.« Indessen, die Stadt war von allen Seiten durch tiefe Schluchten und steile Anhöhen gedeckt; seit dem Einfall der Moslems in Syrien hatte man Mauern und Wehrtürme ängstlich-eilig ausgebessert; die tapfersten von denen, die Yermuk überlebt hatten, hatten in der nächsten befestigten Stadt als Flüchtlinge Zuflucht gesucht; und da es diesmal um die Verteidigung des Grabes Christi ging, mochten in den Fremden und Einheimischen sogar einige Funken von dem Enthusiasmus glimmen, der in den Seelen der Sarazenen so gewaltig loderte.

Vier Monate dauerte die Belagerung Jerusalems, und kein Tag verging ohne Ausfall oder Sturmangriff; die Kriegsmaschinen auf den Wällen waren ununterbrochen tätig, und noch verheerender war den Arabern das strenge Winterwetter. Endlich aber jedoch erlagen die Christen der ausdauernden Hartnäckigkeit der Belagerer. Der Patriarch Sophronius erschien auf den Wallanlagen und verlangte durch die Stimme eines Dolmetschers eine Unterredung. Nach dem vergeblichen Versuch, den Stellvertreter des Kalifen von seinem gottlosen Unterfangen abzubringen, schlug er im Namen des Volkes eine angemessene Kapitulation vor mit der ausdrücklichen Zusatzklausel, dass die die Sicherheit betreffenden Artikel in Anwesenheit von Omar und durch seine persönliche Autorität bestätigt werden sollten. Im Rat von Medina wurde diese Forderung erwogen. Die Heiligkeit des Ortes und Alis Rat bestimmten den Kalifen, den Wünschen seiner Krieger und seiner Feinde entgegenzukommen; und die Schlichtheit seiner Reise ist rühmlicher als die sonst üblichen, pompösen Darstellungen königlicher n Eitelkeit und Unterdrückung. Der Bezwinger Persiens ritt auf einem roten Kamel, welches außer ihm nur noch einen Sack Korn, einen Sack Datteln und einen Schlauch Wasser trug. Wo immer sie Rast machten, wurde seine Begleitung unterschiedslos eingeladen, an seiner kargen Kost teilzuhaben, und darüber hinaus erhielt die Rast durch Gebete und Mahnsprüche des Beherrschers der Gläubigen eine höhere Weihe Eine Beschreibung dieser einzigartigen Reise Omars und seiner Ausstattung findet man, außer bei Ockley, vol. I, p. 250 auch bei Murtadi, (Merveilles de l'Egypte, p. 200-202).. Indessen übte er bei diesem Feld- oder Pilgerzug auch seine Macht als Gesetzgeber aus, indem er die ungezügelte Vielweiberei der Araber abstellte; die Zinspflichtigen von Erpressung und Grausamkeit befreite; und den bei den Sarazenen einreißenden Luxus unterband, indem er ihnen die Seidengewänder herunterriss und vor ihren Augen durch den Kot zog.

Als der Kalif Jerusalem endlich zu Gesicht bekam, rief er mit lauter Stimme aus: »Gott ist siegreich. O Herr, gib uns einen leichten Sieg!« Daraufhin schlug er sein Zelt aus grobem Gewebe auf und setzte sich auf den Erdboden. Nach der Unterzeichnung der Kapitulation ritt er ohne Furcht und besondere Schutzvorkehrungen in die Stadt und hielt mit dem Patriarchen Zwiesprache über ihre religiösen Altertümer Die Araber rühmen sich mit einer alten Weissagung, die zu Jerusalem aufbewahrt lag und den Namen, die Religion und die Person des künftigen Eroberers, Omar, offenbarte. Durch solche Kunstgriffe sollen die Juden auch dem Stolze anderer ausländischer Eroberer, Kyros und Alexander, geschmeichelt haben (Joseph. Ant. Jud 11,1 und 8, p. 447, 579-582).. Sophronius verbeugte sich vor seinem neuen Herrscher und murmelte fast unhörbar die Worte Daniels: »Der Schrecken der Verwüstung steht vor der heiligen Stätte Theoph. Chronogr. p. 281. Diese Vorhersage, die schon bei Antiochius und bei den Römern ihre Dienste geleistet hatte, wurde bei dieser Gelegenheit von der Weisheit des Sophronios, einem der tiefsinnigsten Theologen der monothelitischen Kontroverse, wieder in Anwendung gebracht..« Zur Stunde des Gebetes standen sie gemeinsam in der Auferstehungskirche; aber der Kalif wollte an diesem Ort seine Andacht denn doch nicht verrichten und begnügte sich mit einem Gebet auf den Stufen der Konstantinskirche. Dem Patriarchen entdeckte er seine klugbedachten und ehrbaren Motive: »Hätte ich,« so sprach Omar, »deiner Einladung nachgegeben, dann hätten Moslems eines künftigen Geschlechtes den Vertrag zerrissen unter dem Vorwand, meinem Beispiel folgen zu müssen.« Doch wurden auf sein Geheiß auf dem Fundament des Salomontempels Vorkehrungen zur Errichtung einer Moschee getroffen Nach d'Anvilles genauer Darlegung (Dissertation sur l'ancienne Jerusalem, p. 42-54), bedeckte Omars Moschee, die von seinen Nachfolgern im Kalifenamt noch erweitert wurde, den Grund des früheren Tempels (»den alten Estrich des großen Tempels« sagt Phokas) in einer Länge von 215 und einer Breite von 172 Toisen. Der Geographus Nubiensis (p.113) versichert, dass dies gewaltige Gebäude nur noch von der Moschee in Cordoba an Größe und Schönheit übertroffen wurde, dessen gegenwärtigen Zustand Herr Swineburne so geschmackvoll beschrieben hat (Travels into Spain, p. 296-302)., und dann regelte er während seines zehntägigen Aufenthaltes den gegenwärtigen und zukünftigen Status seiner syrischen Eroberungen. Medina hätte eifersüchtig werden können, dass sich der Kalif durch Jerusalems Heiligkeit und Damaskus' Schönheit würde fesseln lassen; doch zerstreuten sich ihre Besorgnisse, als er ohne weiteren Verzug und aus freien Stücken zurückkehrte an das Grab des Propheten Unter den zahlreichen arabischen taricks oder Chroniken zu Jerusalem (d'Herbelot, p. 867) fand Ockley unter den Pocock'schen ms. zu Oxford eine (Vol I, p 257), die er benutzt hatte, um den lückenhaften Bericht des Al Wakidi zu ergänzen..

ALEPPO UND ANTIOCHIA – 638

In der Absicht, den syrischen Krieg zu einem endgültigen Abschluss zu bringen, hatte der Kalif zwei getrennte Heere aufgestellt. Eine Eliteabteilung unter Amru und Gesid blieb im Lager von Palästina, während die größere Abteilung unter Abu Obeida und Khaled nach Norden gegen Antiochia und Aleppo abmarschierte. Die letztgenannte Stadt, das Beroia der Griechen, hatte noch keine Bedeutung als Königs- oder Provinzhauptstadt erlangt, und so wurde ihren Einwohnern infolge rechtzeitiger Unterwerfung und erfolgreicher Berufung auf ihre Armut eine nur mäßige Tributzahlung auferlegt, so dass sie wenigstens am Leben bleiben und ihre Religion ausüben konnten. Aber die Festung von Aleppo Der persische Verfasser der Geschichte des Timur (tom. III, 5,21, p. 300) beschreibt die Festung von Aleppo, als sei sie auf einem Felsen von 100 Ellen Höhe errichtet; was nach Aussage seines französischen Übersetzers beweist, dass er den Platz niemals persönlich gesehen haben kann. Heute liegt sie mitten in der Stadt, unbefestigt und nur mit einem Tor. Der Umfang beträgt 500-600 Schritt, und der Graben ist mit stehendem Wasser halb angefüllt. Man sehe auch (Voyages de Tavernier, tom. I, p. 149 Pocock, vol. II, part i. p. 150). Für ein europäisches Auge sind die Festungsanlagen des Ostens ziemlich dürftig., abgesondert von der eigentlichen Stadt, stand auf einem hohen, künstlichen Hügel; die Seiten fielen steil ab und waren an den Ecken mit Steinquadern versehen; den breiten Graben versorgten benachbarte Quellen mit Wasser. Trotz eines Verlustes von dreitausend Mann war die Garnisonsbesatzung der Verteidigung gewachsen; und ihr erblicher Oberbefehlshaber Youkinna, hatte bereits seinen eigenen Bruder, einen gottseligen Mönch, niedergemetzelt, weil dieser das Wort ›Frieden‹ auszusprechen gewagt hatte. In einer vier- bis fünfmonatigen Belagerung, der schwierigsten des syrischen Krieges, wurde eine große Zahl von Sarazenen getötet oder verwundet. Ihr Rückzug von einer Meile konnte die Wachsamkeit des Youkinas nicht einschläfern und die Hinrichtung von dreihundert christlichen Gefangenen direkt vor den Festungsmauern die eingeborenen Christen nicht schrecken.

Abu Obeidahs anfängliches Stillschweigen und seine schließlichen Klagen belehrten den Kalifen, dass ihre Hoffnung und ihre Geduld am Fuße dieser uneinnehmbaren Festung allgemach aufgezehrt waren. »Ich bin,« so erwiderte Omar, »durch euer schwankendes Kriegsglück je und je bekümmert und erfreut: Doch ich weise euch strengsten an, die Belagerung von Aleppo keinesfalls aufzuheben. Euer Rückzug würde den Ruhm eurer Waffen mindern und die Ungläubigen ermutigen, euch von allen Seiten anzufallen. Also bleibt vor Aleppo, bis Gott über den Ausgang entschieden hat; und fouragiert in der Umgebung mit euren Pferden.« Zusätzlichen Nachdruck erhielt diese Ermahnung des Beherrschers der Gläubigen noch durch eine Entsendung von Freiwilligen aus allen arabischen Stämmen, welche im Lager auf Pferden und Kamelen eintrafen. Unter ihnen war auch Dames, zwar von geringster Herkunft, aber von riesigem Wuchs und furchtloser Entschlossenheit. Am siebenundvierzigsten Tage seines Dienstes schlug er vor, mit nur dreißig Gefährten einen Angriff auf das Kastell zu wagen. Der erfahrene Khaled befürwortete dieses Vorhaben, und Abu Obeidah ermahnte sine Brüder im Glauben, den Dames nicht wegen seiner geringen Herkunft zu verachten, denn er selbst würde freudig unter das Banner dieses Sklaven treten, wenn es denn seine Verantwortung für das große Ganze zulassen würde.

Durch einen Scheinrückzug wurde von Dames' Vorhaben abgelenktt: das Lager der Sarazenen wurde drei Meilen von Aleppo entfernt verlegt. Die dreißig Freiwilligen lagen verborgen am Fuße des Hügels; und Dames Nachforschungen waren endlich erfolgreich, wenngleich ihn die Unwissenheit seiner griechischen Gefangenen erregte: »Der Fluch Gottes über diese Hunde,« ließ sich der ungebildete Araber vernehmen, »was für eine unverständliche und barbarische Sprache sie doch reden!« Zur schwärzesten Nachtstunde erstieg er die noch am ehesten zugänglich Höhe an einer Stelle, die er vorher gut ausgekundschaftet hatte und wo die Steine griffig oder nicht ganz senkrecht geschichtet oder die Wache weniger aufmerksam war. Sieben der kräftigsten Sarazenen stiegen einer auf des anderen Schultern, und die Last dieser Säule ruhe auf dem breiten und muskulösen Rücken dieses gigantischen Sklaven. Der erste auf dieser mühsamen Leiter konnte den untersten Teil der Mauerzinne erfassen; stumm erdolchten sie die Schildwachen und stürzten sie hinunter, und dann wurden die dreißig Brüder mit dem Stoßgebet »O Apostel Gottes, hilf uns und erlöse uns!« einer nach dem anderen an den langen Falten ihres Turbans emporgezogen.

Mit raumgreifenden und doch vorsichtigen Schritten erkundete Damas den Palast des Befehlshabers, der im fröhlichen Gelage das Fest seiner Befreiung feierte. Dann kehrte er zu seinen Gefährten zurück und griff das Tor des Kastells von der Innenseite an. Sie überwältigten die Wache, öffneten das Tor, ließen die Zugbrücke nieder und deckten den engen Zugang, bis im Morgengrauen Khaleds Ankunft sie aus ihrer Gefahr befreite und er so die Eroberung des Kastells sicherstellte. Youkinna, bis dahin ein fürchterlicher Feind, wurde von da an ein nützlicher Proselyt. Und der General der Sarazenen gab seiner Anerkennung des Verdienstes noch des geringsten Sklaven dadurch Ausdruck, indem er mit dem Heer solange vor Aleppo blieb, bis Dames von seinen ehrenhaften Wunden genesen war. Noch wurde Syriens Hauptstadt durch die Festung Asaz und die Eisenbrücke über den Orontes geschützt. Nach dem Verlust dieser wichtigen Posten und der Niederlage der letzten römischen Armee zitterte Antiochia und unterwarf sich Der Zeitpunkt der Eroberung Antiochias durch die Araber ist von einiger Bedeutung. Vergleichen wir die ›Jahre nach der Erschaffung der Welt‹ gemäß der Chronik des Theophanes mit den ›Jahren der Hedschra‹ in Elmakins Geschichtswerk, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass Antiochia zwischen dem 23. Januar und dem 1. September A.D. 638 eingenommen wurde. (Pagi, Critica, in Baron. Annal. tom. II, p. 812, 813). – Al Wakidi (Ockley, vol. I, p. 314) verlegt das Ereignis auf Donnerstag, 21. August, welche Angabe aber keinen Bestand hat, da Ostern in jenem Jahr auf den 5. April fiel und der 21. August daher ein Freitag gewesen sein muss. Man sehe auch die Tables de l'Art de Verifier les Dates.. Ihre Sicherheit erkauften sie sich durch dreihunderttausend Goldstücke; aber der Thron der Nachfolger Alexanders, der Sitz der römischen Regierung im Ortient, welchen Caesar noch durch die Zusatztitulaturen frei, heilig und unverletzlich erhöht hatte, sank unter den Kalifen zu einer zweitrangigen Provinzstadt herab Caesars huldvoller Erlass, der die dankbare Stadt beinahe dazu veranlasst hätte, den Sieg bei Pharsalos zum Ausgangspunkt einer ewigen Zeitrechnung zu erklären, findet sich »in Antiochia, der Metropole, der heiligen, unverletzlichen, unabhängigen, ersten und schützenden«. (Johannes Malala, Chron p. 91, edit Ven.). Wir sollten dringend unterscheiden zwischen seinen gesicherten Nachrichten über lokale Begebenheiten und seinen groben Unkenntnissen der allgemeinen Geschichte..

DIE FLUCHT DES HERAKLEIOS-638

Im Leben des Herakleios wird sein Ruhm aus den persischen Kriegen zweifach verdunkelt durch die Schmach und Schwäche seiner frühen und seiner späten Tage. Als Mohammeds Nachfolger das Schwert des Krieges und der Religion zückten, erschreckte ihn die Aussicht auf unbegrenzte Mühsal und Gefahr; seine Trägheit war gottgewollt, auch mochte sich des Kaisers schwächelndes und freudlodes Alter nicht noch einmal zu ferneren Heldentaten aufraffen. Nur ein Rest von Schamgefühl und das heftige Drängen der Syrer verzögerten seine sofortige Entfernung vom Ort des Kampfgeschehens: aber der Held war nicht mehr; und der Verlust von Damaskus und Jerusalem und die Leichenfelder von Aiznadin und Yermuk sind nach aller Wahrscheinlich seiner Abwesenheit oder seinen falschen Maßnahmen zuzuschreiben. Statt das Grab Christi zu schützen, verwickelte er Kirche und Staat in metaphysische Diskurse über die Einheit des Willens Christi; und während Herakleios die Sprösslinge aus seiner zweiten Ehe krönte, ließ er sich ohne jede Gegenwehr den wertvollsten Teil ihres Erbes entreißen. In der Kathedrale von Antiochia, in Anwesenheit der Bischöfe und zu Füßen des Kruzifixes beweinte er die Sünden des Herrschers und der Menschen; aber zugleich ließ er die Welt wissen, dass es vergeblich sei, ja, unfromm, sich gegen Gottes Willen aufzulehnen.

Die Sarazenen waren allerdings unbesiegbar, seit sie es auch nach der allgemeinen Auffassung geworden waren, und die Apostasie des Youkinna, seine geheuchelte Reue und seine wiederholte Treulosigkeit mochte den Herrscher in seinem Argwohn bestätigen, dass er von Verrätern und Abtrünnigen umzingelt sei, die sich verschworen hätten, ihn und das Land an die Feinde Christi auszuliefern. In diesen Stunden der Widrigkeiten und Bedrängnisse wurde sein Aberglauben durch Träume von herunterfallenden Kronen beunruhigt; und nachdem er sich von Syrien für immer verabschiedet hatte, schiffte er sich mit ein paar Getreuen ein und sagte seine Untertanen von ihrem Treueeid los Siehe Ockley, (vol. I, p. 308, 312), der über die Arglosigkeit seines Autors lachen muss. Als Herakleios von Syrien Abschied nahm, Vale Syria et ultimum vale, (Leb wohl, Syrien, lebe ewig wohl), prophezeite er, dass die Römer das Land nicht wieder betreten würden bis zu der Geburt eines Unglückskindes, der künftigen Geißel der Menschheit. Abulfeda, p. 68. Ich persönlich muss bekennen, dass ich nicht ein Wort vom mystischen Sinn oder Unsinn dieser Wahrsagung verstanden habe.. Sein ältester Sohn Konstantin hatte bei Caesarea mit 40.000 Mann Stellung bezogen, dem Regierungssitz der drei palästinensischen Provinzen. Aber Privatangelegenheiten riefen ihn zurück an den Hof zu Byzanz; und nach der Flucht seines Vaters fühlte er sich den vereinigten Streitkräften des Kalifen denn doch nicht gewachsen. Seine Vorhut wurde von dreihundert arabischen Reitern und eintausend afrikanischen Sklaven heftig angegriffen, welche mitten im Winter das verschneite Libanongebirge überwanden und denen schon bald die siegreichen Schwadronen Khaleds folgten.

Von Nord und Süd rückten die Truppen von Antiochia und Jerusalem entlang der Küste vor, bis sie sich schließlich vor den Mauern phönizischer Städte vereinten: Tripolis und Tyros wurden verraten, und ein Geschwader von fünfzig Transportschiffen, welche völlig arglos in die bereits besetzten Häfen einliefen, brachten zu guter Stunde einen neuen Waffen- und Lebensmittelvorrat in das Lager der Sarazenen. Die unerwartete Kapitulation beendete auch diese ihre Mühsal; der römische Prinz war zu nächtlicher Stunde abgesegelt Ich folge angesichts der zusammenhanglosen und ungeordneten Chronologie jener Zeiten einem glaubwürdigen Dokument (aus dem Buch der Zeremonien des Konstantin Porphyrogenitos), welches versichert, dass am 4. Juni 638 der Kaiser seinen jüngeren Sohn Herakleios in Anwesenheit des älteren, Konstantin, krönte, und zwar im Palast von Konstantinopel.; und dass am 1. Januar 639 die königliche Prozession die Hauptkirche und am 4. desselben Monates das Hippodrom aufgesucht häten.; da erkauften sich die schutzlosen Bürger Gnade für zweihunderttausend Goldstücke; was von der Provinz noch übrig war, Ramlah, Ptolemais oder Akra, Sichem oder Neapolis, Gaza, Akalon, Berytus, Sidon, Gabala, Laodicea, Apamea und Hierapolis, wagten es gar nicht erst, sich dem Willen des Eroberers zu widersetzen; und so beugte sich Syrien unter das Szepter der Kalifen, nachdem siebenhundert Jahre zuvor Pompeius dem letzten König der Makedonen sein Erbteil geraubt hatte 65 Jahr v.Chr. Syria Pontusque monumenta sunt Cn. Pompeii virtutis, (wurden Syrien und der Pontus zu Monumenten der Tugend von Cn. Pompeius. Vell. Patercul. II, 38) oder eher wohl doch seines Glückes und seiner Macht; er erklärte Syrien zu einer römischen Provinz, und der letzte der Seleukiden waren nicht imstande, zum Schutz ihres Erbes auch nur das Schwert zu ziehen. (Die Originaltexte bei Usher, Ann. p. 420).

GANZ SYRIEN WIRD EROBERT – 633-639

Die Belagerungen und Gefechte von sechs Feldzügen hatte abertausend Moslems das Leben gekostet. Sie starben mit dem Ansehen und mit der Bereitwilligkeit von Märtyrern, und die Schlichtheit ihres Glaubens lässt sich gut an den Worten eines arabischen Jünglings erkennen, als er seine Mutter und seine Schwester zum letzten Male umarmte: »Es geht mir nicht,« sprach er, »um die Wonnen Syriens oder um die vergänglichen Freuden dieser Welt, die mich veranlasst haben, mein Leben der Sache der Religion zu weihen. Vielmehr suche ich die Gunst Gottes und seines Gesandten; und dies habe ich von einem der Gefährten des Propheten vernommen, dass die Seelen der Märtyrer in den Kröpfen grüner Vögel wohnen werden, welche von den Früchten des Paradieses kosten und aus seinen Flüssen trinken. So lebt wohl, wir werden uns wieder sehen unter den Hainen und Quellen, die Gott vorgesehen hat für seine Auserwählten.« Die gefangenen Gläubigen mussten eine eher passive und quälende Glaubensfestigkeit bewähren; so wird ein Vetter von Mohammed dafür gerühmt, dass er nach dreitägigem Zwangsfasten noch immer das Schweinefleisch und den Wein zurückwies, den ihm die boshaften Ungläubigen als einzige Nahrung anboten. Dafür erbitterte die Schwäche einiger nicht so standhafter Brüder den unversöhnlichen Geist des Zelotismus: so beklagte der Vater des Amer in schmerzensreichen Versen den Glaubensabfall und die Verdammnis seines Sohnes, welcher Gottes Verheißungen und die Fürbitte des Propheten verschmäht hatte, um mit Priestern und Diakonen zusammen den tiefsten Höllenschlund zu bewohnen.

Diejenigen Araber, die den Krieg glücklich überlebt hatten und im Glauben stark geblieben waren, wurden durch ihren enthaltsamen Heerführer von den Verführungen des Wohlstandes bewahrt. Nach einer nur dreitägigen Erholungspause entzog Abu Obeidah seine Truppen dem verderblichen Dunstkreis von Antiochias Lotterleben und versicherte dem Kalifen, dass ihr Glauben und ihre Tugendhaftigkeit nur durch die strengen Zuchtmeister von Armut und Mühsal bewahrt werden könnten. Doch die Tugend Omars, wie streng auch immer sie gegen sich selbst ausfiel, war gütig und großzügig gegen seine Brüder im Glauben. Nachdem er zunächst Lob und Dank wohlbemessen zugeteilt hatte, fiel ihm eine Zähre des Mitleidens nieder; er setzte sich auf den Boden und schrieb eine Antwort, in welcher er gelinden Unmut über die Strenge erkennen ließ: »Gott,« schrieb der Nachfolger des Propheten, »hat dem treuen Gläubigen den Genuss irdischer Annehmlichkeiten nicht untersagt noch denen, die gute Werke verrichtet haben. Daher hättest du ihnen Gelegenheit geben sollen, auszuruhen und an den Annehmlichkeiten teilzuhaben, die das Land bereit hält. Hat einer der Sarazenen in Arabien keine Familie, dann so mag er sich in Syrien vermählen, und wenn es einem an Sklavinnen fehlt, so möge er so viele kaufen, als er irgend benötigt.«

Die Eroberer trafen Anstalten, von dieser großzügige Vergünstigung Gebrauch oder auch Missbrauch zu machen; aber das Jahr ihres Sieges ging in die Annalen ein wegen einer schlimmen Seuche, die über Mensch und Vieh kam: fünfundzwanzigtausend Sarazenen wurden hinfortgerafft. Den Tod Abu Obeidahs mochten selbst die Christen beklagen; seine Brüder indessen erinnerten sich daran, dass er zu den zehn Auserwählten gehörte, welche der Prophet zu den Erben des Paradieses ernannt hatte Abulfeda, Annal. Moslem. p. 73. Mohammed verstand es, das Lob seiner Jünger kunstreich abzuwandeln. Von Omar sagte er, dass, wenn sich nach ihm, Mohammed, noch einmal ein Prophet erheben könne, es Omar sein müsse; und dass im Falle eines allgemeinen Unglückes Omar von der göttlichen Gerechtigkeit ausgenommen werden müsse. (Ockley, vol. I, p. 221).. Khaled überlebte seine Brüder drei Jahre; und in der Nähe von Emesa wird das Grab von Gottes Schwert gezeigt. Seine Tapferkeit, die in Syrien und Arabien das Reich der Kalifen begründete, wurde durch den Glauben an einen besonderen Schutz der Vorsehung gefestigt: Solange er einen Helm trug, den Mohammed gesegnet hatte, dünkte er sich inmitten der Pfeile der Ungläubigen unverwundbar.

Den Platz der Eroberer der ersten Generation nahm das neue Geschlecht ihrer Kinder und Landsleute ein: Syrien wurde zum Sitz und zur Stütze des Hauses der Ommiyaden, und die Einkünfte, die Krieger und die Flotte dieses mächtigen Königreiches wurden eingesetzt, das Reich der Kalifen nach allen Seiten hin zu erweitern. Aber die Sarazenen achten diesen zusätzlichen Ruhm für nahezu nichts; und ihre Historiker lassen sich kaum herab, diese nachgeordneten Eroberungen auch nur zu erwähnen, welche im Glanz und der Rasanz ihrer Siegesbahn gleichsam untergehen.

Im Norden von Syrien überquerten sie das Taurusgebirge und zwangen die Provinz Kilikien mit ihrer Hauptstadt Tarsus, dem uralten Denkmal assyrischer Herrscher, in ihren Gehorsam. Jenseits einer zweiten Bergkette desselben Massivs verbreiteten sie mehr das Feuer des Krieges als das Licht der Religion bis an die Gestade des Schwarzen Meeres und in die Nähe von Konstantinopel aus. Nach Osten drangen sie bis zu den Quellen und Ufern von Euphrat und Tigris vor Auch Al Wakidi hat eine Geschichte der Eroberung von Diarbekir oder Mesopotamien verfasst (Ockley zum Schluss von vol. III), welche unseren Übersetzern unbekannt zu sein scheint. Die Chronik des Dionysos von Telmar, dem jakobinischen Patriarchen berichtet von der Eroberung Edessas 637 und Daras 641. (Siehe Asseman. Bibliot. Orient. tom. II, p. 103); und der aufmerksame Leser kann sich noch die eine oder andere zweifelhafte Einzelheit aus Theophanes' Chronographie heraussuchen. Die meisten mesopotamische Städte haben sich freiwillig ergeben. (Abulpharag, p. 112).: Die generationenlang umkämpfte persisch-römische Grenze war für alle Zeiten aufgehoben: Die Mauern von Edessa und Amida, von Dara und Nisibis, die dem Ansturm und der Kriegsmaschinerie des Sapor und oder Nuschirvan erfolgreich widerstanden hatten, sanken in den Staub, und Abgarus' heilige Stadt hat den ungläubigen Eroberern das Schreiben und das Bild Christi ganz vergeblich vorgezeigt. Nach Westen stieß das Königreich Syrien an das Mittelmeer; die Zerstörung von Aradus, einer kleinen Insel oder Halbinsel, wurde auf zehn Jahre vertagt. Indessen, der Libanon bot Bauholz im Überfluss, der Seehandel Phöniziens ungezählt Seeleute, und man konnte sehen, wie die Wüstenbewohner eine Flotte von siebzehnhundert Fahrzeugen ausrüsteten und bemannten und wie die kaiserlich-römische Marine floh vor ihnen floh von den pamphilischen Felsen bis zum Hellespont. Denn es war dem Kaiser, einem Enkel des Herakleios, vor der Schlacht wegen eines Traumes und eines Wortspiels der Mut gesunken Ihm war, er befinde sich in Thessalonike – ein nichts sagendes und unschuldiges Traumgesicht. Doch sein Wahrsager oder seine eigene Feigheit sahen hierin ein untrügliches Zeichen für eine bevorstehende Niederlage, das sich in dem verhängnisvollen Satz (thes allo niken, gib einem anderen den Sieg) verbergen sollte. (Theoph. p. 286. Zonaras, tom. II, 14, p. 88)..

So waren die Sarazenen auch der Meister zur See, und die Inseln Zypern, Rhodos und die Kykladen waren nacheinander ihren Raub-Visitationen ausgeliefert. Dreihundert Jahre vor der christlichen Zeitrechnung hatte die erinnerungswürdige, aber vergebliche Belagerung von Rhodos Jede Stelle und jede Einzelheit, die Bezug zu der Insel, der Stadt und dem Koloss von Rhodos aufweist, sind in der gewaltigen Abhandlung von Meursius versammelt, der die gleiche Sorgfalt auf die beiden größeren Inseln Kreta und Zypern verwandt hat. Man lese den 3. Band der Werke des Meursius, Rhodos, 1, 15, p. 715-719. Die byzantinischen Autoren Theophanes und Konstantinus haben aus Unkenntnis den Zeitraum auf 1360 Jahre ausgedehnt und in grotesker Weise die Last auf 30.000 Kamele verteilt. durch Demetrius dieser Seerepublik den Stoff und den Anlass zu einem Siegeszeichen gegeben. Eine gewaltige Apollo- oder Heliosstatue von siebzig Ellen Höhe wurde über der Hafeneinfahrt errichtet und blieb ein Denkmal der Freiheit und der Kultur Griechenlands. Nach sechsundfünfzig Jahren warf ein Erdbeben den Koloss von Rhodos um; doch blieben der massige Körper und andere, gewaltige Bruchstücke fast achthundert Jahre auf dem Boden verstreut liegen und wurden oftmals als eines der Weltwunder der Antike beschrieben. Der Fleiß der Sarazenen sammelte sie ein; dann wuren sie an einen jüdischen Kaufmann aus Edessa verkauft, von dem es heißt, er habe die Unmasse des Metalles auf neunhundert Kamele verteilt; eine ungeheure Last, zumal wir noch die einhundert Kolossalfiguren Centum colossi alium nobilitaturi locum, (Hundert Kolosse können auch einen anderen Ort adeln) sagt Plinius mit seinem üblichen Esprit. Hist. Natur. 34, 18. und dreitausend Bildsäulen mit einberechnen müssen, welche den Wohlstand der Sonnenstadt zierten.

ÄGYPTEN – AMRUS CHARAKTER UND LEBEN

Die Eroberung Syriens lässt sich verstehen aus dem Charakter des siegreichen Sarazenen, der der Erste war in seinem Volke zu einer Zeit, da noch der Geringste der Brüder durch seelenvolle Glaubensbegeisterung die Grenzen seiner Natur überwinden konnte. Die Geburt des Amru war beides zugleich, niedrig und hoch: seine Mutter, eine bekannte Hure, konnte sich nicht für einen von fünf Koreischiten entscheiden, aber die sprechende Ähnlichkeit ordnete das Kind dem Aasi zu, dem ältesten ihrer Geliebten Wir danken diese Anekdote einer alten Frau, welche dem Kalifen und seinem Freunde ins Gesicht schmähte, wozu sie Amrus Stillschweigen und Moawiyahs Freigebigkeit veranlasst hatte (Abulf., Annal Moslem. p. 111).. Der jugendliche Amru wurde durch die Leidenschaften und Vorurteile seiner Verwandten geleitet: sein poetischer Genius bildete sich beim Schmieden von satirischen Versen gegen Person und Lehren Mohammeds heraus; und die damals mächtigste Faktion bediente sich seines Talentes, um die Religionsflüchtlinge zu verfolgen, die am Hofe des äthiopischen Königs Zuflucht gefunden hatten Gagnier, Vie de Mahomet, tom. II, p. 46ff, welcher sich auf die Geschichte Abessiniens – oder vielmehr den Roman – des Abdel Balcides bezieht. Doch möge man den Bericht von der Gesandtschaft und dem Gesandten gelten lassen.. Doch kehrte er von seiner Gesandtschaftsreise zurück als ein heimlicher Konvertit: Vernunft oder Eigeninteresse hatte ihn vermocht, sich von der Götzenverehrung loszusagen; mit seinem Freund Khaled entkam er aus Mekka; und der Prophet von Medina konnte sich der Genugtuung freuen, in einem Augenblick die beiden zuverlässigsten Verfechter seiner Sache umarmen zu können.

Amrus Ungeduld, die Heerscharen der Gläubigen anzuführen, erhielt durch Omars Verweis einen Dämpfer, welcher ihm riet, nicht nach Macht und Herrschaft zu streben, da der, der heute noch ein Untertan ist, schon morgen ein Herrscher sein könne. Doch entging den beiden Nachfolgern Mohammeds seine große Befähigung nicht. Die Eroberung Palästinas hatten sie hauptsächlich seinen Waffen zu danken; und bei allen Belagerungen und Feldschlachten Syriens vereinte er die kühle Umsicht eines Heerführers mit dem Mut eines kühnen Kriegers. Anlässlich eines Besuches in Medina wünschte der Kalif die Waffe zu betrachten, mit der er so viele Christen erschlagen hatte; da zog der Sohn von Aasi einen kurzen, gewöhnlichen Säbel aus der Scheide, und da er Omars Verwunderung bemerkte, sagte der bescheidene Sarazene: »Ach, ohne den Arm seines Herren ist das Schwert nicht schärfer und nicht wuchtiger als das Schwert von Pharesdak, dem Dichters. Dieses Sprichwort wurde von Pocock (Not. ad Carmen Tograi, p 184) überliefert und von Herrn Harris, (Philosophical Arrangements, p. 850) zu Recht gerühmt.«

Nach der Eroberung Ägyptens rief ihn die Eifersucht des Kalifen Othman zurück; doch in den anschließenden Unruhen schwang sich aus dem Privatleben der Ehrgeiz eines Staatsmannes, eines Soldaten und eines Redners empor. Seine kräftige Unterstützung im Rat und im Feld begründete den Thron der Ommiyaden; Moawiyahs Dankbarkeit übertrug die Verwaltung und die Finanzen von Ägypten seinem getreuen Freunde, der sich mit eigener Kraft aus der Stellung eines Untertanen emporgearbeitet hatte; und Amru beschloss seine Tage in dem Palast und in der Stadt, die er am Nilufer gegründet hatte. Seine Rede, die er auf dem Sterbelager an seine Kinder richtete, wird von den Arabern gerühmt als ein Muster der Beredsamkeit und Weisheit: er bereute wohl die Verfehlungen seiner frühen Jahre, aber wenn er in diesem Augenblick der Reue noch von poetischer Eitelkeit infiziert war, dürfte er die Giftwirkung seiner frühen, freigeistigen Gedichte wohl überschätzt haben Zu Leben und Charakter Amrus sehe man Ockley (Hist. of the Saracens, vol. I. p. 28, 63, 94, 328, 342, 344 und am Schluss des Bandes; vol. II, p. 51, 55, 57, 74, 110-112, 162) und Otter (Mem. de l'Academie des Inscriptions, tom. XXI, p. 131, 132)..

EINFALL IN ÄGYPTEN-JUNI 638

Amru hatte in seinem Lager in Palästina den Abmarsch des Kalifen nach Ägypten entweder nur vermutet oder war ihr zuvorgekommen Al Wakidi hat ebenfalls eine Monographie zur Eroberung Ägyptens verfasst, welche Mr. Ockley niemals zugänglich war. Seine eigenen Forschungen (vol I, 344-362) haben zum Originaltext des Eutychius (Annal. tom. II, p. 296-323, vers. Pocock) nur sehr wenig hinzugefügt, welcher melchitische Patriarch von Alexandria 300 Jahre nach jener Umwälzung lebte.. Der hochgemute Omar vertraute auf seinen Gott und auf sein Schwert, mit dem er zuvor die Throne eines Chosroes und der Caesaren erschüttert hatte; doch als er die geringe Macht der Moslems mit der Größe des Unternehmens verglich, tadelte er sich selbst für seine Übereilung und lieh seinen vorsichtigen Gefährten Gehör. Den Lesern des Korans waren der Stolz und die Macht der Pharaonen durchaus vertraut: Selbst eine zehnfache Wiederholung von Wundertaten hatte nur hingereicht, nicht den Sieg, sondern nur die erfolgreiche Flucht der sechshunderttausend Kinder Israels zu ermöglichen. Zahlreich und groß warn die Städte von Ägyptenland; sie waren wohlbefestigt, schon der Nil bildete mit seinen zahlreichen Mündungsarmen eine unüberwindliche Sperre, und die Kornvorräte der Kaiserstadt wurden im Notfall von den römischen Streitkräften nachdrücklich gesichert. In dieser Verlegenheit war der Beherrscher der Gläubigen geneigt, die Entscheidung dem Zufall oder, in seinen Worten, der Vorsehung zu überlassen.

Von seiner Stellung in Gaza war der furchtlose Amru mit viertausend Mann aufgebrochen, als ihn ein Bote des Kalifen Omar einholte: »Falls du noch in Syrien bist,« so der zweideutige Befehl, »kehre ohne Verzug um; solltest du aber, da du diesen Brief empfängst, bereits die Grenze Ägyptens überschritten haben, dann rücke nur weiter vor und vertraue dabei auf Gott und deine Brüder.« Die Erfahrung, vielleicht auch Geheimnachrichten hatten Amru gelehrt, sich nicht auf die schwankende Gesinnungslage von Königshöfen zu verlassen; und so setzte er seinen Marsch fort, bis seine Zelte unzweifelhaft auf ägyptischem Boden aufgeschlagen waren. Dann rief er seine Offiziere zusammen, brach das Siegel auf, las das Schreiben, erkundigte sich dezidiert nach dem Namen und der Lage des Ortes und erklärte sich bereit, den Weisungen seines Kalifen gehorsam zu sein. Nach dreißigtägiger Belagerung hatte er Farmah oder Pelusium besetzt, und dieser Schlüssel zu Ägypten, wie man die Stadt zu Recht genannt hat, eröffnete den Zugang in das Land bis zu den Ruinen von Heliopolis und in die Nähe des heutigen Kairo.

MEMPHIS, BABYLON UND KAIRO

An der Westseite des Nil, in geringer Entfernung östlich der Pyramiden und unfern südlich vom Delta entfaltete Memphis, dessen Umfang achtzehn Meilen betrug, den Prunk der alten Pharaonen. Unter der Herrschaft der Ptolemäer und der römischen Caesaren lag der Regierungssitz an der Küste, die alte Hauptstadt selbst kümmerte im Schatten von Alexandrias Wohlstand und Kultur, und schließlich gerieten selbst die Paläste und die Tempel in Verfall. Doch wurde unter Augustus und selbst noch zu Konstantins Zeiten Memphis zu den volkreichsten Provinzstädten gerechnet Der aufmerksame und präzise Strabo merkt von Heliopolis an, »dass die Stadt völlig vereinsamt liege« (Geograph. XVII, p. 1158); während er von Memphis bemerkt, »dass die Stadt groß und, als die zweite nach Alexandria, wohlbevölkert sei« (p. 1161). Ihm fällt ferner die »Verrmischung der Einwohner« auf sowie der Verfall der Paläste. Im eigentlichen Ägypten zählt Ammianus Memphis unter die vier Städte, maximis urbibus quibus provincia nitet (die größten Städte, auf die sich die Provinz stützt, 22,16), und schließlich hat Memphis auch seinen Platz im römischen Itinerarium und in den Bischofsverzeichnissen.. Die Ufer des Nils, welcher an dieser Stelle dreitausend Fuß breit ist, werden durch zwei Schiffsbrücken mit sechzig bzw. dreißig Schwimmkörpern verbunden, die in der Mitte des Stroms zu der kleinen Insel Ruda führen, auf der kleinen Gärten und Wohnhäuser angelegt waren Diese merkwürdigen Umstände, die Breite des Flusses (2946 Fuß) und die Brücke finden sich nur bei dem reisenden Dänen und dem nubischen Geographen erwähnt (p.98).. Am Ostende der Brücke lag die Stadt Babylon und ein römisches Militärlager, das den Flussübergang und Ägyptens zweite Hauptstadt sichern sollte. Diese strategisch wichtige Festung, die man mit Fug als einen Teil der Stadt Memphis oder Misrah ansehen kann, berannte die Heeresmacht von Omars Stellvertreter. Schon bald traf Verstärkung in Form von viertausend Sarazenen ein, und die Kriegsmaschinerie, die die Mauern erbeben ließ, mag der Kunstfertigkeit und dem Fleiße seiner syrischen Neuverbündeten zuzuschreiben sein.

Dennoch zog sich die Belagerung noch sieben Monate hin; und allmählich wurden die hitzigen Eindringlinge durch den ansteigenden Nil eingeschlossen und bedroht Vom April an beginnt der Nil unmerklich zu steigen; stark und erkennbar allerdings erst in den Monaten nach dem Sommersolstitium (Plin. Hist. Nat. 5,10) und wird in Kairo gewöhnlich am Tage von Peter und Paul (29. Juni) ausgerufen. Ein Verzeichnis von 30 aufeinander folgenden Jahren datiert die größte Wasserhöhe zwischen den 25. Juli und 18. August (Maillet, Description de l'Egypte, lettre XI, p. 67ff. Pocock, Description of the East, vol. I, p. 200. Shaw, Travels, p. 383).. Erst ihr letzter Angriff war kühn genug und erfolgreich: Sie setzten über den Graben, obwohl er mit Eisendornen unpassierbar gemacht war, legte die Sturmleitern an und drangen mit dem Schrei »Gott ist siegreich!« über den Graben; wer von den Griechen noch standgehalten hatte, wurde zu den Booten oder auf die Insel Ruda abgedrängt. Der Ort empfahl sich dem Sieger wegen seiner günstigen Verbindung zum Golf und zur arabischen Halbinsel. Das, was von Memphis geblieben war, wurde aufgegeben, die Zelte der Araber wurden zu festen Wohnsitzen umgewandelt, und in Anwesenheit von achtzig Wegbegleitern Mohammeds wurde die erste Moschee auf ägyptischem Boden geweiht Murtadi, Merveilles de l'Egypte, 243, 259. Er breitet sich über diesen Gegenstand mit dem Eifer und Genauigkeit eines Bürgers und Frömmlers aus, doch hören seine Lokal-Sagen sich wahr und zuverlässig an.. Eine neue Stadt wuchs in ihrem Lager östlich des Nils; und die an Babylon und Fostat angrenzenden Stadtviertel werden in ihrem gegenwärtigen Zustande des Verfalls fälschlich mit dem Namen Altmisrah oder Kairo versehen, dessen ausgedehnte Nordstadt sie bilden. Doch der Name von Kairo – Stadt des Sieges – gehört eigentlich der neuen Hauptstadt an, die im X. Jh. von den Fatimischen Kalifen D'Herbelot, Bibliotheque Orientale, p. 233. gegründet wurden. Sie hat sich in Laufe der Zeit immer weiter vom Strom ausgedehnt; doch kann ein aufmerksamer Beobachter die Folge der Baudenkmäler von den Zeiten des Sesostris bis zu denen Saladins verfolgen Die Lage von Alt- und Neu-Kairo ist gut erforscht und wurde schon oft beschrieben. Zwei Autoren, hinreichend vertraut mit dem antiken und modernen Ägypten, haben nach einer gelehrten Erörterung die Stadt Memphis bei Gize dem alten Kairo gegenüber verortet. (Sicard, Nouveaux Memoires des Missions du Levant, tom. VI, p. 5, 6. Shaw, Observations and Travels, p. 296-304). Doch dürfen wir die Autorität von Pocock, (vol. i. p. 25-41), Niebuhr, (Voyage, tom. I, p. 77-106) und vor allem von D'Anville, (Description de l'Egypte, p. 111, 112, 130-149) nicht unbeachtet lassen, welche Memphis ein paar Meilen weiter nach Süden verlegen zu dem Dorfe Mohanna. In der Hitze des Gefechtes haben die Kontrahenten übersehen, dass bereits der große Umfang einer Hauptstadt den größten Teil der diskutierten Entfernung einnimmt und damit aufhebt..

FREIWILLIGE UNTERWERFUNG DE KOPTEN ODER JAKOBITEN-638

Indessen, nach ihrem ebenso ruhmvollen wie einträglichen Unternehmen hätten sich die Araber wieder in ihre Wüste zurückziehen müssen, hätten sie nicht inmitten des Landes einen mächtigen Bundesgenossen gefunden. Die rasche Eroberung des Alexander von Makedonien konnte gelingen, weil des Landes Einwohner abergläubisch und rebellisch gestimmt waren. Ihre persischen Besatzer waren ihnen widerlich, die Jünger der Magi, welche die Tempel der unterworfenen Ägypter verbrannt und mit frevler Gier vom Fleische des Gottes Apis gegessen hatten Siehe Herodotus, 3,27, 28 und 29. Aelian, Hist. Var. 4,8. Suidas unter dem Stichwort »Ochos«, tom. II, p. 774. Diodor. Sicul. tom. II, 17, p. 197, edit. Wesseling.. Nach fast zehn Jahrhunderten wiederholte sich unter ähnlichen Bedingungen eine ähnliche Staats-Umwälzung, und bei der Verteidigung eines ihnen unbegreiflichen Glaubens entwickelten die koptischen Christen ähnlichen Eifer. Ich habe bereits Ursprung und Entwicklung der monophysitischen Kontroverse dargestellt, die Verfolgung durch die Kaiser, wie aus einer Splittergruppe eine ganze Nation wurde und wie Ägypten seiner Religion und Regierung entfremdet wurde.

Die Sarazenen jedenfalls wurden wie die Befreier der jakobitischen Religion empfangen, und noch während der Belagerung von Memphis wurde ein geheimer und verbindlicher Vertrag zwischen einer siegreichen Armee und einem Volk von Sklaven abgeschlossen. Ein wohlhabender Ägypter von Adel mit Namen Mokawkas hatte seinen wahren Glauben verhehlt und sich so die Verwaltung der Provinz erschlichen; während der allgemeinen Auflösung des Perserkrieges strebte er nach Unabhängigkeit: die Botschafter Mohammeds zählten ihn unter die legitimen Herrscher, aber die Einladung, sich einer neuen Religion anzuschließen, lehnte Mokawkas unter großzügigen Donationen und vieldeutigen Artigkeitsbezeigungen ab Mokawkas sandte dem Propheten zwei koptische Mädchen, zwei Jungfrauen und einen Eunuchen, eine Alabastervase, einen Goldklumpen, Öl, Honig und feinstes ägyptisches Linnen sowie ein Pferd, ein Maultier und einen Esel, alle vorzüglich durch die besten Eigenschaften. Mohammed verließ im 7. Jahr der Hedschra (628) Medina. Siehe auch Gagnier, (Vie de Mahomet, tom. II, p. 255, 256, 303) aus Al Jannabi.. Durch den Missbrauch seines Amtes riskierte er Herakleios' Zorn; seine reuige Unterwerfung jedoch vertagte er, sei es aus Dreistigkeit oder Furcht; und Eigeninteresse veranlasste ihn, sich der Gunst des Volkes und der Partnerschaft der Sarazenen zu versichern. Bei seiner ersten Unterredung mit Amru vernahm er mit Herzenskühle die üblichen Angebote des Koran: Tribut oder Krieg. »Die Griechen,« erwiderte Mokawaks, »haben sich entschieden, die Entscheidung durch das Schwert zu suchen; doch mit den Griechen will ich nichts gemein haben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt, und deshalb sage ich mich für alle Zeiten von dem byzantinischen Tyrannen los, von seiner chalkedonischen Glaubenssynode und von seinen melchitischen Sklaven. Was mich und meine Brüder betrifft, so siehst du uns entschlossen, im Bekenntnis zum Evangelium und in der Einheit mit Christus zu leben und zu sterben. Die Offenbarungen eures Propheten anzunehmen ist uns schlechthin unmöglich. Aber gleichzeitig verlangt es uns nach Frieden, und deshalb sind wir freudig bereit, seinen weltlichen Nachfolgern Tribut und Gehorsam zu leisten.«

Der Tribut wurde festgelegt auf zwei Goldstücke pro Christenmensch, wobei Alte, Mönche, Frauen und Kinder beiderlei Geschlechtes von dieser Kopfsteuer ausgenommen waren. Die Kopten ober- und unterhalb von Memphis schworen dem Kalifen treue Gefolgschaft und versprachen jedem Muselman für drei Tage ein gastliches Dach, der etwa durch ihr Land reisen würde. Durch diesen Sicherheits-Brief wurde der geistlichen und weltlichen Tyrannei der Melchiten ein Ende gesetzt Die Verwaltung Ägyptens und die Führung des Krieges hatte Herakleios dem Patriarchen Kyros übertragen (Theophan. p. 280, 281). »Erholt ihr euch in Spanien nicht bei euren Priestern Rats?« fragte Jakob II. »Das tun wir,« erwiderte darauf der spanisch Gesandte, »und unsere Angelegenheiten entwickeln sich dementsprechend.« Ich bin jetzt in einiger Verlegenheit, wie ich die Pläne des Kyros darstellen soll, der den Tribut ohne Steuererhöhung begleichen wollte und Omar durch die Verheiratung mit des Kaisers Tochter bekehren wollte. (Nicephor. Breviar. p. 17, 18).. Die Bannflüche des heiligen Kyrill donnerten von jedweder Kanzel hernieder, und die heiligen Gebäude mitsamt der kirchlichen Patrimonialgüter gingen wieder in den Besitz der Jakobiten über, welche diese Stunde des Triumphes und der Rache aus ganzem Herzen genossen. Auf die dringliche Fürsprache des Amru hin kam ihr Patriarch Benjamin wieder aus dem Staub der Wüste zurück, und nach ihrem ersten Treffen erklärte der gesittete Araber, dass er noch niemals einem christlichen Priester von reineren Sitten und ehrwürdigerem Ansehen begegnet sei Zum Leben Benjamins siehe Renaudot, (Hist. Patriarch. Alexandrin. p. 156-172), der die Eroberung Ägyptens mit einigen Ereignissen aus dem arabischen Text des jakobitischen Histrikers Severus versehen hatte..

Auf dem Marsch von Memphis nach Alexandria vertraute Omars Stellvertreter seine Sicherheit dem Eifer und der Dankbarkeit der Ägypter an: Straßen und Brücken wurden wieder instand gesetzt, und zu jeder Zeit konnte er auf gleichmäßigen und ausreichenden Nachschub an Lebensmitteln und Erkundungen rechnen. Die Griechen Ägyptens, die allenfalls ein Zehntel der einheimischen Bevölkerung ausmachten, waren angesichts dieses allgemeinen Abfalls nachgerade sprachlos: gehasst hatte man sie immer; nun aber brauchte man sie nicht mehr zu fürchten; der Richter floh von seinem Richterstuhl, der Bischof von seinem Altar, und entfernt liegende Garnisonen wurden von feindlichen Schwärmen, die sie überall umzingelten, überrumpelt oder ausgehungert. Hätte ihnen nicht der Nil einen zuverlässigen und unversperrten Zugang zur See ermöglicht, so wäre niemand, der durch Geburt, Sprache, Amt oder Religion mit diesem verhassten Namen irgendwie in Verbindung stand, lebend davongekommen.

ALEXANDRIA – BELAGERUNG UND EINNAHME

Infolge der Flucht der Griechen aus der Provinz Oberägypten hatten sich beachtliche Streitkräfte auf der Insel des Deltas gesammelt; die natürlichen und künstlichen Nilkanäle boten eine Reihe starker und gut zu verteidigender Posten; die Straße nach Alexandria wurde durch den Sieg der Sarazenen innerhalb von zweiundzwanzig Tagen in mehreren kleinen und größeren Gefechten freigekämpft. In den Annalen ihrer Eroberungen ist die Einnahme Alexandrias Die Topographie Alexandrias hat der erste der Geographen mit Meisterhand beschrieben (D'Anville, Memoire sur l'Egypte, p. 52-63); doch können wir auch bei den modernen Reiseautoren Anleihen machen, besonders bei Thevenot (Voyage au Levant, part I, p. 381-395), Pocock (vol. I, p. 2-13) und Niebuhr, (Voyage en Arabie, tom. I, p. 34-43). Von den beiden Rivalen der Gegenwart, Savary und Volmey, ist der eine unterhaltsam, der andere belehrend. vermutlich die schwierigste und zugleich bedeutendste Unternehmung; diese wichtigste Handelsstadt weltweit war mit Vorräten und Verteidigungsmitteln im Überfluss versehen. Ihre ungezählten Einwohner fochten für die kostbarsten aller Menschenrechte, Besitz und Religion; doch die Feindschaft der Eingeborenen schien sie von den allgemeinen Segnungen des Friedens und der Toleranz auszuschließen. Der Zugang zur See blieb ununterbrochen offen; und hätte Herakleios für die allgemeine Not ein wachsames Auge gehabt, dann hätten neue Truppenkontingente von Römern und Barbaren zur Rettung der zweiten Reichshauptstadt im Hafen anlanden können. Der Umfang der Stadt von zehn Meilen hätte die Streitkräfte der Griechen zersplittert und den Krieglisten eines regsamen Gegners zugearbeitet; aber die beiden Seiten eines länglichen Viereckes wurden durch das Meer und den Maräotissee gedeckt, und die beiden Schmalseiten boten nur eine Angriffsfläche von einer Meile.

Die Anstrengungen der Araber waren den Schwierigkeiten ihres Unternehmens und dem Wert der Beute angemessen; von seinem Thron in Medina ruhten Omar Augen beständig auf dem Lager und der Stadt; seine Stimme rief die arabischen Stämme und die Veteranen des Syrienfeldzuges zu den Waffen; auch empfahl sich das gute Werk eines heiligen Krieges doppelt durch den unsterblichen Ruhm und die hohe Fruchtbarkeit des Ägyptischen Ackerlandes. Voller Verlangen, zum Untergang oder wenigstens zur Vertreibung ihrer Tyrannen beizutragen, stellten die treuen Eingeborenen ihre Kräfte in den Dienst Amrus; einige Funken kriegerischen Geistes wurden ja vielleicht durch das Vorbild ihrer Verbündeten gezündet; und Mokawkas hatte sich schon starke Hoffnungen auf sein Grabmal in der Johanneskirche von Alexandria gemacht.

Der Patriarch Eutychius merkt an, dass die Sarazenen wie die Löwen kämpften; sie schlugen die häufigen, fast täglichen Ausfälle der Belagerten zurück und begannen schon bald, ihrerseits die Mauern und Türme der Stadt zu bestürmen. Bei jedem Angriff leuchteten Amrus Schwert und sein Banner in der ersten Reihe der Moslems. An einem denkwürdigen Tage jedoch wurde ihm seine unbedachte Angriffslust fast zum Verhängnis: seine Begleiter, die mit ihm in die Zitadelle eingedrungen waren, wurden zurückgeschlagen, und der Feldherr geriet zusammen mit einem Freund und einem Sklaven in die Hände der Christen. Als Amru dem Stadtpräfekten vorgeführt wurde, gedachte er seiner Würde, vergaß darüber aber seine Lage: sein stolzer Auftritt und seine entschlossene Sprache machten den Stellvertreter des Kalifen kenntlich, und schon hatte ein Soldat seine Streitaxt erhoben, dem allzu kecken Gefangenen den Schädel einzuschlagen. Sein Sklave rettete ihm mit seiner Geistesgegenwart das Leben, indem er seinem Herren unverzüglich ins Gesicht schlug und mit zorniger Stimme befahl, in Gegenwart seiner Vorgesetzten zu schweigen. Der arglose Grieche ließ sich tatsächlich täuschen, gab dem Angebot zu einem Vergleich Gehör und entließ seine Gefangenen in der Hoffnung auf eine zeitnahe und ehrenhaftere Gesandtschaft, bis der Freudenjubel des Lagers die Rückkehr des Feldherren verkündete und man der Torheit der Ungläubigen hohnlachte.

Endlich, nach einer Belagerungszeit von vierzehn Monaten Eutychius (Annal. tom. II, p. 319) und Elmacin (Hist. Saracen. p. 28) legen beide die Eroberung von Alexandria auf den Freitag des Neumondes Mohartan im Jahre 20 der Hedschra. (22. Dezember 640). Wenn man nun die vierzehn Monate vor Alexandria, die sieben Monate vor Babylon &c rückwärts rechnet, so müsste Amru Ende 638 in Ägypten eingefallen sein. Doch wissen wir zuverlässig, dass er am 12. Baymi (6. Juni) eingerückt ist (Murtadi, Merveilles de l'Egypte, p. 164. Severus, apud Renaudot, p. 162). Der Sarazene und nach ihm Ludwig IX. von Frankreich hielten sich während der Nilschwemme in Pelusium bzw. Damietta auf. und dem Tod von dreiundzwanzigtausend Kriegern behielten die Sarazenen die Oberhand: die Griechen, mutlos und mit verringerter Mannschaft, schifften sich ein, und die Fahne Mohammeds wehte auf den Mauern von Ägyptens Hauptstadt. »Ich habe,« so die Meldung Amrus an den Kalifen, »die große Stadt des Westens eingenommen. Es ist unmöglich, dass ich die unterschiedlichen Reichtümer und Schönheiten aufzähle und begnüge mich mit der Feststellung, dass sie viertausend Paläste, viertausend Bäder, vierhundert Theater und andere Stätten der Lustbarkeit besitzt, ferner zwölftausend Buden zum Verkauf von Gemüse und vierzigtausend abgabepflichtige Juden. Die Stadt wurde mit Waffengewalt bezwungen, es gab keinen Vertrag und keine Kapitulation, und die Moslems sind ungeduldig, die Früchte ihrer Anstrengungen einzufahren. Eutych. Annal. tom. II, p. 316, 319.«

Mit aller Bestimmtheit verwarf der Herrscher der Gläubigen den Vorschlag einer Plünderung und gab seinem Feldherren den Befehl, Reichtum und Einkünfte von Alexandria zum allgemeinen Besten und zur Ausbreitung des Glaubens aufzusparen: man zählte die Einwohner, setzte einen entsprechenden Tribut fest, kühlte den Glaubenseifer und die Rachegelüste der Jakobiten herunter und gestattete den Melchiten, die sich den Arabern unterwarfen, ihren Glaubens in aller Stille und Unauffälligkeit auszuüben. Die Nachricht von dem schimpflichen und verhängnisvollen Ereignis setzte der sinkenden Gesundheit des greisen Herrschers weiter zu: Herakleios starb sieben Wochen nach dem Fall von Alexandria an der Wassersucht Ungeachtet einiger Widersprüche zwischen Theophanes und Cedrenus hat Pagis Genauigkeit (Critica, tom. II, p. 824) aus Nikephoros und dem Chronikon Orientale das korrekte Todesdatum von Herakleios ermittelt (11. Februar 641), mithin 50 Tage nach dem Verlust von Alexandria. Ein Viertel dieser Zeit musste vergehen, bis der Herrscher von diesem Ereignis Nachricht erhielt.. Während der Minderjährigkeit seines Enkels nötigte das Geschrei einer Bevölkerung, die sich ihres täglichen Unterhaltes beraubt sah, den Hof von Byzanz, die Wiedereroberung der Hauptstadt Ägyptens in Angriff zu nehmen. Innerhalb von vier Jahren wurden Hafen und Festung von Alexandria zweimal durch einen römischen Flotten- und Heeresverband zurückerobert. Zwar wurden sie von dem tapferen Amru auch zweimal wieder hinausgeworfen, den diese drängende Gefahr von fernen Kriegen vor Tripoli und in Nubien abberufen hatte; doch die Leichtigkeit des Unternehmens, die Wiederholung der Kränkung und die Hartnäckigkeit des Widerstandes vermochten ihn zu dem Schwur, er werde, sollte er die Ungläubigen noch ein drittes Mal ins Meer jagen müssen, Alexandria von allen Seiten so zugänglich machen wie ein Hurenhaus. Treu seinem Versprechen ließ er später tatsächlich einen Teil der Mauern und Türme einreißen, aber wenigstens blieb das Volk verschont, und an der Stelle, wo der siegreiche Feldherr vormals der Wut seiner Truppe Einhalt geboten hatte, wurde die Moschee der Barmherzigkeit errichtet.

DIE BIBLIOTHEK VON ALEXANDRIA

Ich würde die Erwartungen des Lesers betrügen, wenn ich jetzt stillschweigend über das Schicksal der Bibliothek von Alexandria hinweggehen würde, so, wie es der gelehrte Abulpharagius geschildert hat. Amru war nach seiner Veranlagung viel wissbegieriger und liberaler als seine Glaubensbrüder und genoss in seinen Mußestunden des Wechselgespräches mit dem letzten Schüler von Ammonius, Johannes, Philoponus zubenannt wegen seiner mühseligen Grammatik- und Philosophiestudien Von diesem Liebhaber angestrengter geistiger Arbeit (»Philoponos«) haben sich zahlreiche Abhandlungen erhalten, aber für den heutigen Leser sind die gedruckten von nicht viel größerem Wert als die unveröffentlichten. Moses und Aristoteles sind die wichtigsten Gegenstände seiner überlaufenden Kommentare, von denen einer sogar schon auf den 10. Mai 617 datiert ist. (Fabric. Bibliot. Graec. tom. ix. p. 458-468). Ein moderner Autor, Johannes le Clerc, der sich zuweilen den gleichen Namen zulegte, war dem antiken Philoponos an Fleiß ebenbürtig, übertraf ihn aber sichtlich an gesundem Menschenverstand und Tatsachenkenntnis.. Ermutigt durch diesen freundschaftlichen Verkehr, getraute sich Pholoponus um ein Geschenk zu bitten, das nach seiner Auffassung unermesslich, nach der von Barbaren jedoch verächtlich war: die königliche Bibliothek, welche als einzige von allen Beutestücken Alexandrias durch Inaugenscheinnahme und Siegel des Eroberers noch nicht angeeignet worden war. Amru war nicht abgeneigt, diesen Wunsch des Grammatikers zu erfüllen, aber seine strenge Redlichkeit verbot es ihm, auch noch den geringsten Gegenstand ohne das Einverständnis seines Kalifen fortzugeben. Omars berühmte Antwort war die Eingebung des religiösen Fanatismus: »Wenn diese Schriften der Griechen mit dem Buch Gottes übereinstimmen, dann sind sie überflüssig und müssen nicht aufbewahrt werden; stimmen sie aber nicht überein, dann sind sie verderblich und müssen vernichtet werden.«

Die Anweisung wurde mit blindem Gehorsam ausgeführt. Die Papyrusrollen oder Pergamentbände wurden an die viertausend Bäder der Stadt verteilt, und so unfassbar war die Masse, dass selbst sechs Monate nicht hinreichten, die unersetzliche Feuerung zu verzehren. Seitdem die Dynastien des Abulpharagius Abulpharag. Dynast. p. 114, vers. Pocock. Audi quid factum sit et mirare (Höre, was geschah und staune). Es wäre ein endloses Unterfangen, alle die modernen Autoren aufzuzählen, die gestaunt und geglaubt haben, ich möchte jedoch an dieser Stelle den vernunftgeleiteten Rationalismus des Renaudot hervorheben (Hist. Alex. Patriarch, p. 170: historia... habet aliquid apiston, ut Arabibus familiare est. Die Geschichtswissenschaft weiß einiges Unglaubwürdige, was den Arabern vertraut ist). der Welt in einer lateinischen Fassung vorliegen, hat man diese Episode immer wieder abgeschrieben; und noch jeder Gelehrte hat mit frommer Empörung die unersetzlichen Verluste für die Wissenschaft, die Künste und den Geist der Antike beweint.

Ich für meine Person neige nachdrücklich dazu, die Tatsache und die Folgerungen zu bestreiten. Die Tatsache ist allerdings wunderbar: »Lies und staune!« sagt der Historiker selbst. Doch der vereinzelte Bericht eines Ausländers, der sechs Jahrhunderte später in Medien lebte und schrieb, wird durch das Schweigen zweier früherer Chronisten aufgewogen, beide Christen, beide Ägypter, von denen der ältere, der Patriarch Eutychius, die Eroberung von Alexandria weitläufig geschildert hat Man wird die merkwürdige Geschichte in den Jahrbüchern des Eutychius und in Elmacins Geschichte der Sarazenen vergeblich suchen. Das Stillschweigen von Abulfeda, Murtadi und vieler anderer Moslems besagt wegen ihrer Unkenntnis der christlichen Literatur wenig.. Omars strenge Weisung steht im Widerspruch zu der vernünftigen und rechtgläubigen Vorschrift der islamischen Kasuisten, welche ausdrücklich erklären, dass die religiösen Bücher der Christen und Juden, die nach Kriegsrecht erbeutet worden sind, niemals den Flammen übergeben werden dürfen; und dass die Texte profaner Wissenschaften, von Historikern oder Dichtern, Ärzten oder Philosophen ohne weiteres zum Nutzen der Gläubigen gelesen werden dürfen Reland, de Jure Militari Mohammedanorum, Dissertations, vol III, p. 37. Das Verbot, religiöse Bücher zu verbrennen, hängt zusammen mit dem Respekt vor dem Namen Gottes.. Allenfalls den ersten Nachfolgern Mohammeds wird man eine destruktivere Neigung nachreden können, aber in diesem Fall wäre der Brand mangels Masse rasch von selbst erloschen. Ich will jetzt die Desaster der alexandrinischen Bibliothek nicht im Einzelnen wiederholen, die versehentliche Feuersbrunst, die Caesar zu seiner Verteidigung veranlasste Man sehe die Sammlung Frensheim (Supplement. Livian. c. 12, 43) und Usher, (Anal. p. 469). Livius selbst hatte die alexandrinische Bibliothek elegantiae regum curaeque egregium opus (ein Meisterwerk des Geschmacks und der Architektur); ein großherziges Lob, für das ihn der borniertre Stoiker Seneca etwas vorlaut tadelt (De Tranquillitate Animi, c.9), dessen Weisheit an dieser Stelle zu Unfug wird., oder die verheerende Bigotterie der Christenheit, die dieses Denkmal der Götzenverehrung ebenfalls zu vernichten trachteten Man sehe den siebenten Band dieser Geschichte.. Wenn wir jedoch vom Zeitalter der Antonine bis zu dem des Theodosius herab gehen, dann erfahren wir von zahlreichen Zeitzeugen, dass der Königspalast und der Serapistempel die vier- oder gar siebenhunderttausend Bände gar nicht mehr enthielten, welche die Neugierde und die Großzügigkeit der Ptolemäer im Lauf der Zeit angeschafft hatten Aulus Gellius (Noctes Atticae, 6,17), Ammianus Marcellinus (22,16) und Orosius (6,15). Sie alle reden von der Vergangenheit, und Ammianus' Worte sind besonders nachdrücklich: fuerunt Bibliothecae inaestimabiles; et loquitum monumentorum veterum concinens fides (es gab unschätzbare Bibliotheken; und das übereinstimmende Zeugnis alter Aufzeichnungen redet von...). Vielleicht waren ja die Kirche und der Patriarchenpalast mit einem Buchmagazin bereichert; doch wenn die erdenschwere Masse der Bücher zum arianischen und monophysitischen Streit tatsächlich in den öffentlichen Badeanstalten verbrannt worden sein sollte Renaudor verbürgt sich für die Übersetzung von Bibeln, Hexpla, Cazenae Patrum, Kommentaren (p.170) Unser alexandrinischer Kodex, wenn er denn aus Ägypten und nicht aus Konstantinopel oder vom Berge Athos stammt (Wetstein, Prolegom. ad N. T. p. 8), war vermutlich auch darunter., dann möchte ein Philosoph mit einem Lächeln eingestehen, dass diese Texte am Ende dem Menschengeschlecht doch nützlich gewesen seien.

Ich bedaure aufrichtig die wertvollen Bibliotheken, die zusammen mit dem römischen Reich untergingen; wenn ich jedoch den Verlauf der Jahrhunderte überschlage, den Verlust, den Ignoranz oder kriegerische Wechselfälle verursacht haben, dann sind die geretteten Schätze weit mehr Gegenstand meines Staunens als die Höhe der Verluste. Viele überlieferungswürdige und interessante Tatsachen liegen im Vergessen begraben: die drei größten Historiker Roms sind uns nur in Bruchstücken überliefert; viele herrliche Werke der lyrischen, iambischen und dramatischen griechischen Dichtkunst sind uns verloren. Doch sollten wir uns mit Dankbarkeit daran erinnern, dass uns trotz der Zerstörungen, die Zeit und Zufall verschuldet haben, die klassischen Werke gerettet worden sind, denen das Urteil der Antike Ich habe immer mit Genuss ein Kapitel aus Quintilian (Institut. Orator. 10,1) gelesen, in welchem dieser feinsinnige Kunstrichter die Reihe der griechischen und lateinischen Klassiker aufzählt und ihren Wert angibt. den ersten Platz des Genies und des Ruhmes zuerkannt hat. Die Lehrer der Altertumskunde, die noch heute vorhanden sind, haben die Schriften ihrer Vorgänger gelesen und verglichen Etwa Galen, Plinius, Aristoteles. Hierzu äußert sich Wotton (Reflections on Ancient and Modern Learning, p. 85-95) gegen die lebhaften und haltlosen Fantastereien von Sir William Temple mit gelehrter Gründlichkeit. Die Verachtung der Griechen gegenüber der Gelehrsamkeit der Barbaren hätte indische oder äthiopische Texte kaum in die alexandrinische Bibliothek aufgenommen; und ebenso ist noch nicht erwiesen, dass die Philosophie durch deren Ausschließung einen nennenswerten Verlust erlitten hätte.; und man kann eigentlich nicht sagen, dass irgendeine wichtige Wahrheit oder irgend eine nutzbringende Entdeckung der Kunst oder der Natur der Wissbegierde unserer Gegenwart entzogen worden ist.

VERWALTUNG ÄGYPTENS

In der Verwaltung Ägyptens Diese bemerkenswerte und glaubwürdige Nachricht von Murtadi (p. 284-289) ist sowohl Herrn Ockley entgangen wie den dünkelhaften Faktenhubern der modernen »Allgemeinen Universalgeschichte«. musste Amru die Ansprüche der Justiz und der Politik austarieren, die Interessen des Volkes des Gesetzes, das von Gott verteidigt wird, und des Volkes des Bündnisses, das von Menschen beschützt wird. Beim gegenwärtigen Rausch von Eroberung und Befreiung waren die Propaganda der Kopten und das Schwert der Araber der Ruhe in der Provinz nicht zuträglich gewesen. Den Ersteren erklärte Amru, dass Parteienhader und Lügen zwiefach gezüchtigt würden, nämlich durch Bestrafung der Ankläger, die er wie seine persönlichen Feinde verachte, und durch Begünstigung ihrer unschuldigen Glaubensbrüder, welche sie aus Neid zu dämpfen und zu schädigen versucht hätten. Die Letztgenannten, seine Glaubensgenossen, befeuerte er – wobei er Gründe der Religion und Ehrliebe geltend machte– ihre Würde zu behaupten, sich durch Zurückhaltung und Bescheidenheit beim Kalifen und bei Gott angenehm zu machen, das Volk, das auf ihr Wort gerechnet habe, zu schützen und zu schonen und sich mit dem legitimen und glanzvollen Lohn ihres Sieges zu begnügen.

Bei der Festlegung der Steuern schaffte er die einfach zu handhabende, aber bedrückende Kopfsteuer ab zugunsten einer Verhältnissteuer, die vom Reingewinn eines jeden landwirtschaftlichen oder Gewerbezweiges erhoben wurde. Ein Drittel der Abgaben blieb der jährlichen Instandhaltung der Deiche und Kanäle vorbehalten, die für die öffentliche Wohlfahrt so bedeutungsvoll waren. Unter seiner Verwaltung half Ägyptens Fruchtbarkeit der Unfruchtbarkeit Arabiens auf, und so zogen fast ununterbrochen ganze Kamelkolonnen mit Getreide und Lebensmittel beladen die alte Heerstraße von Memphis nach Medina Eutychius, Annal. tom. II, p. 320. Elmacin, Hist. Saracen. p. 35.. Doch erneuerte Amrus umtriebiger Tatendrang die Verbindung zur See, welche vor ihm die Pharaonen, die Ptolemäer und die Caesaren in Angriff genommen und bisweilen sogar glücklich vollendet hatten; und so wurde ein Kanal von wenigstens achtzig Meilen Länge zwischen dem Roten Meer und dem Nil eröffnet. Diese Insel-Navigation, mit der man leicht vom Mittelmeer bis zum Indischen Ozean hätte gelangen können, wurde schon bald wieder als gefährlich und unergiebig aufgegeben: der Thron wurde wieder von Medina nach Damaskus zurück verlegt, und die griechischen Flotten hätten leicht eine Passage zu den heiligen Stätten Arabiens erkunden können Der Leser kann sich zu diesen obskuren Kanälen bei D'Anville, (Mem. sur l'Egypte, p. 108-110, 124, 132) informieren, ebenso in einer gelehrten, 1770 zu Straßburg gedruckten und verteidigten Streitschrift (Jungendorum marium fluviorumque molimina, p. 39-47, 68-70). Selbst die kraftlosen Türken haben das alte Projekt einer Verbindung beider Meere wieder in Bewegung gebracht. (Memoires du Baron de Tott, tom. IV)..

ÄGYPTENS REICHTUM – SEINE BEVÖLKERUNG

Omar, der Kalif, hatte von seiner neuen Eroberung nur geringe Kenntnisse durch die Fama und die Legenden des Korans. Er erwartete also von seinem Stellvertreter, dass er vor ihm ein Bild des Reiches der Pharaonen und der Amalekiter entwerfen möge; und die Antwort Amrus bietet eine lebendige und getreue Schilderung dieses merkwürdigen Landes Ein kleiner Band des Merveilles etc. de l'Egypte, verfasst im XIII Jh. von Murtadi von Kairo, übersetzt nach einem arabischen ms. des Kardinal Mazarin, wurde von Pierre Vatier, Paris, 1666 herausgegeben. Ägyptens Altertümer sind ungeordnet und legendenhaft. Aber dennoch verdient der Autor Anerkennung und Glauben wegen seiner Darstellung der Eroberung und der Geographie seines Vaterlandes (siehe die Korrespondenz Amru –Omar p. 279-289).. »Ägypten ist, o Beherrscher der Gläubigen, eine Durchmengung von schwarzer Erde und grünen Pflanzen, gelegen zwischen einem zu Staub gewordenem Gebirge und rotem Sand. Von Syene bis zum Meer ist es für einen Reiter eine Monatsreise. Durch das Tal fließt ein Fluss, auf dem der Segen des Höchsten abends und morgens ruht und welcher zusammen mit dem Umlauf von Sonne und Mond steigt und fällt. Wenn die Gnade der Vorsehung jährlich die Quellen und Brunnen öffnet, die Erde zu nähren, dann wälzt auch der Nil seine schwellenden und rauschenden Gewässer durch Ägyptenland. Die Felder werden von der fruchtbringenden Flut überschwemmt, und die Dörfer pflegen ihren Austausch mittels starkfarbiger Barken. Tritt die Flut zurück, lagert sie einen nährenden Schlamm zur Aufnahme verschiedener Saaten ab. Die Scharen der Feldarbeiter, die das Land verdunkeln, sind einem Schwarm von eifrigen Ameisen vergleichbar, und ihre angeborene Trägheit wird durch den Lederriemen des Aufsehers befeuert wie auch durch die Verheißung von Blüten und üppigen schwellenden Früchten. Nur selten wird ihre Hoffnung getäuscht; aber die Erträge, die Weizen, Gerste, Reis, Hülsenfrüchten, Obstbäumen und Vieh abwerfen, sind ganz ungleich verteilt zwischen denen, die besitzen und denen, die arbeiten. Je nach der Jahreszeit gleicht das Land einer silbernen Woge, einem grünen Smaragd oder dem satten Gelb einer goldenen Ernte Während seines zwanzigjährigen Aufenthaltes zu Kairo hatte der Konsul Maillet die unterschiedlichen Szenerien beobachtet, die der Nil (lettre II, besonders p. 70, 75) und die Fruchtbarkeit des Landes boten (lettre IX). Von seiner Studierstube in Cambridge hatte das poetische Auge von Gray dieselben Vorgänge mit noch schärferem Blick gesehen: What wonder in the sultry climes that spread,/Where Nile, redundant o'er his summer bed,/ From his broad bosom life and verdure flings,/And broods o'er Egypt with his watery wings:/If with adventurous oar, and ready sail,/The dusky people drive before the gale:/Or on frail floats to neighboring cities ride./That rise and glitter o'er the ambient tide. (Der Nil, das Wunder der schwülen Zone, überschwemmt sein Sommerbett, gibt grünes Leben aus dem breiten Schoß und brütet es dann über Ägypten mit Wasserflügeln. Wenn mit kühnem Ruder und raschem Segel oder auf gebrechlichem Floß das braune Volk zu nahen Städten fährt, die schimmernd aus den Fluten ragen...) (Mason, Works and Memoires of Gray, p. 199f).

Diese segenstiftende Ordnung wird indessen von Zeit zu Zeit gestört; vielleicht kann ja das lange Ausbleiben und das plötzliche Einsetzen der Nilschwemme im ersten Jahr der Eroberung schon einigen Stoff zu einer erbaulichen Fabel abgeben. Es heißt, dass Omars mitfühlendes Gemüt das jährliche Opfer einer Jungfrau Murtadi, p. 164-167. Der Leser von heute glaubt nicht so bald an ein Menschenopfer unter christlichen Kaisern oder an ein Wunder durch einen Nachfolger Mohammeds. verboten und daraufhin der Nil schmollend und untätig in seinem flachen Bett gelegen habe, bis dass ein Befehl des Kalifen in den Fluss geworfen wurde, der daraufhin in einer einzigen Nacht gehorsam bis zu der Höhe von sechzig Ellen anschwoll. Die Bewunderung der Araber für ihre neue Eroberung gab ihrem ungebändigten Hang zur Prahlsucht neuerlichen Antrieb. Noch bei den seriösesten Autoren können wir lesen, dass Ägypten mit zwanzigtausend Städten und Dörfern überfüllt war Maillet, Description de l'Egypte, p. 22. Er erwähnt diese Zahl als die allgemeine Meinung; und fügt noch hinzu, dass die meisten dieser Dörfer 2.000-3.000 Einwohner hätten und viele davon volkreicher seien als unsere großen Städte.; dass, Griechen und Araber nicht mitgerechnet, die Kopten allein bei der Steuerveranlagung sechs Millionen abgabepflichtige Untertanen Eutych. Annal. tom. II, p. 308, 311. Die zwanzig Millionen berechnen sich wie folgt: ein Zwölftel der Menschen über 60;, ein drittel unter 16; das Mann-Frau-Verhältnis wie 17:16; (Recherches sur la Population de la France, p. 71, 72.) Der Präsident Goguet (Origine des Arts, &c., tom. III, p. 26ff.) legt dem alten Ägypten 27 Millionen bei, weil Sesostris' 17.000 Begleiter an ein und demselben Tage geboren wurden. oder zwanzig Millionen beiderlei Geschlechts und jeden Alters ausmachten; und dass dreihundert Millionen an Gold und Silber pro Jahr in die Kasse der Kalifen eingezahlt wurden Elmacin, Hist. Saracen. p. 218; und diese plumpe Fälschung wird unbedenklich von D'Herbelot, (Bibliot. Orient. p. 1031), Arbuthnot (Tables of Ancient Coins, p. 262) und De Guignes, (Hist. des Huns, tom. III, p. 135.) geschluckt. Sie hätten ja wenigstens die nicht minder maßlose Freigebigkeit Appians gegen die Ptolemäer anführen (in praef), die 740.000 Talente Jahreseinkommen von 185 Mio Pfund. (Bernard, de Pond. Antiq. p. 186.).. Unsere Vernunft sträubt sich bei diesen ausufernden Behauptungen, und die Übertreibung wird noch anschaulicher, wenn wir die Fläche des bewohnbaren Landes mit Zirkel und Lineal ausmessen. Es ist ein Tal vom Wendekreis bei Memphis, selten breiter als zwölf Meilen, das zusammen mit der Fläche des Deltas von zweitausendeinhundert Quadratmeilen insgesamt ein Siebtel des Größe Frankreichs ergibt Man sehe die Berechnungen von D'Anville, (Mem. sur l'Egypte, p. 23ff). Nach ein paar verdrießlichen Nörgeleien kommt Herr Pauw (Recherches sur les Egyptiens, tom. I, p. 118-121) auch nicht auf mehr als 2250 Quadratmeilen.. Eine genauere Untersuchung kann hier zur Grundlage einer zuverlässigeren Schätzung werden. Die dreihundert Millionen, der Irrtum eines Kopisten, schrumpfen zu einem vertretbaren Steueraufkommen von vier Millionen dreihunderttausend Goldstücken zusammen, von denen allein neunhunderttausend für die Besoldung der Krieger verbraucht wurde Renaudot, Hist. Patriarch. Alexand. p. 334, der die übliche Lesart oder Übersetzung von Elmakin error librarii nennt. Seine eigene Verbesserung (4.300.000 Goldstücke) im IX. Jahrhundert bewegt sich in der Mitte zwischen den 3.000.000 der Araber infolge der Eroberung Ägyptens (ebd. P. 168) und den 2.400.000, die der Sultan zuKonstantinopel noch im vorigen Jh. erhielt. (Pietro della Valle, tom. I, p. 352 Thevenot, part I, p. 824). – Pauw (Recherches, tom. ii. p. 365-373) steigert die Einkünfte der Pharaonen, der Ptolemäer und der Caesaren schrittweise von 6 Mio. deutscher Taler auf deren 15 Mio.. Zwei Originalverzeichnisse aus dem gegenwärtigen und dem XII. Jahrhundert überschreiten nicht die respektable Zahl von zweitausendsiebenhundert Dörfern und Städten Schultens Liste (Index Geograph. ad calcem Vit. Saladin. p. 5) nennt 2396 Ortschaften. Die von D'Anville, (Mem. sur l'Egypte, p. 29) kommt entsprechend dem Divan (Staatsrat) zu Kairo auf 2696.. Ein französischer Konsul hat es nach einem langen Kairo-Aufenthalt auf sich genommen, vier Millionen Moslems, Christen und Juden für die große, aber nicht unglaubwürdige Einwohnerzahl Ägyptens anzusetzen Siehe Maillet, (Description de l'Egypte, p. 28), der mit klarem Verstand zu urteilen scheint. Wie ich denn mit den Feststellungen dieses französischen Konsuls weit zufriedener bin als mit seiner Belesenheit. Lateinische und griechische Literatur war ihm fremd, und seine Phantasie hatte an der arabischen Erfindungsgabe zu viel Vergnügen. Ihre zuverlässigsten Kenntnisse hat Abulfeda gesammelt. (Descript. Aegypt. Arab. et Lat. a Joh. David Michaelis, Gottingae, in 4to., 1776). In zwei neueren Reiseberichten aus Ägypten werden wir von Savary unterhalten und von Volney unterrichtet. Von dem Letztgenannten würde ich gerne eine Reisebeschreibung um die ganze Welt lesen..

AFRIKA – DER ERSTE ANGRIFF DURCH ABDALLAH-647

Die Eroberung Afrikas zwischen Nil und Atlantik Meine Darstellung der Eroberung Afrikas ist zwei französischen Übersetzern arabischer Literatur verpflichtet, Cardonne (Hist. de l'Afrique et de l'Espagne sous la Domination des Arabes, tom. I. p. 8-55) und Otter, (Hist. de l'Academie des Inscriptions, tom. XXI, p. 111-125 und 136). Diese beziehen ihre Kenntnisse wiederum von Novairi, der 1331 eine Enzyklopädie in mehr als 20 Bänden verfasste. Die 5 Kapitel des allgemeinen Teiles behandeln 1.Natur; 2.Menschen; 3.Tiere; 4.Pflanzen und 5.Geschichte. Im 6. Teil des 5. Abschnittes werden die afrikanischen Ereignisse beschrieben (siehe Reiske, Prodidagmata ad Hagii Chalifae Tabulas, p. 232-234). Unter den älteren, von Novairi benutzten Darstellungen ist eine Originaldarstellung aus der Feder eines Soldaten bemerkenswert, der die Vorhut der Moslems anführt. unternahm zum ersten Male die Armee des Kalifen Othman. Der gottgefällige Plan wurde von Mohammeds Begleitern und den Stammeshäuptlingen gutgeheißen, uns so marschierten zwanzigtausend Araber aus Medina ab, wohlversehen mit den Gaben und Segnungen des Beherrschers der Gläubigen. In Memphis trafen sie auf zwanzigtausend weitere Landsleute; das Oberkommando für diesen Eroberungskrieg erhielt Abdallah Man sehe die Geschichte von Abdallah bei Abulfeda (Vit. Mohammed. p. 108) und Gagnier, (Vie de Mahomet, tom. III, 45-48)., Sohn des Said und Milchbruder des Kalifen, welcher erst kürzlich den Eroberer und Statthalter Ägyptens erfolgreich verdrängt hatte. Doch weder Fürstengunst noch sein eigenes Verdienst konnten die Schuld einer vergangenen Abtrünnigkeit vergessen machen. Die frühe Bekehrung Abdallahs und seine geschickte Feder hatten ihn zu dem Geschäfte empfohlen, die einzelnen Blätter des Koran niederzuschreiben; doch er missbrauchte das in ihn gesetzte Vertrauen, verdarb den Text, lachte auch noch über die eigenen Fehler und floh schließlich nach Mekka, um dem Zorn des Apostels zu entgehen und dessen Unwissenheit bloßzustellen. Nach der Eroberung von Mekka fiel er vor Mohammed in den Staub; seine Tränen und Othmans Fürsprache nötigten Mohammed einen widerstrebenden Pardon ab; später erklärte dieser, er habe so lange gezögert, um dadurch irgendeinem eifrigen Jünger die Gelegenheit zu geben, seinen Schimpf mit dem Blute des Abtrünnigen abzuwaschen. Mit ersichtlichem Eifer und unbestreitbaren Verdiensten setzte sich Abdallah danach für eine Religion ein, die zu verlassen er kein Interesse mehr haben konnte. Seine hohe Geburt und seine Begabungen verhalfen ihm zu einem Ehrenplatz unter den Koreischiten; auch galt Abdallah unter der Arabern als der verwegenste und geschickteste Reiter überhaupt.

An der Spitze von vierzigtausend Moslems rückte er aus Ägypten nach Westen vor, unbekannten Ländern entgegen. Schon die Sandwüste von Barka wäre für die römischen Legionen unüberwindlich gewesen: die Araber aber wurden von ihren braven Kamelen begleitet; und der Boden und das Klima, die sie antrafen, waren ihnen als Wüstenbewohnern kein Schrecknis. Nach einem anstrengenden Marsche schlugen sie ihre Zelte vor Tripolis' Mauern auf Provinz und Stadt Tripoli werden beschrieben von Leo Africanus (in Navigatione et Viaggi di Ramusio, tom. I, Venetia, 1550, fol. 76, verso) und Marmol, (Description de l'Afrique, tom. II, p. 562). Der erstgenannte Autor war ein Maure, ein Gelehrter und ein Reisender, der in seiner Gefangenschaft zu Rom eine Geographie Afrikas verfasste oder übersetzte und der irgendwann den Namen und die Religion von Papst Leo X. annahm. In einer vergleichbaren Gefangenschaft unter den Mauren kompilierte der Spanier Marmol, ein Soldat Karls V, eine Beschreibung Afrikas, die von D'Ablancourt in das Französische übersetzt wurde, (Paris, 1667, 3 vols.). Marmol hatte mancherlei gelesen und gesehen, doch fehlt ihm die umfassende Beobachtungsgabe, welche das Werk von Leo dem Afrikaner auszeichnet., einer Hafenstadt, in der sich allmählich der Name, der Reichtum und die Einwohner der Provinz angesammelt hatten und die auch heute noch den dritten Rang unter den Städten der Barbarei einnimmt. Eine griechische Verstärkung wurde schon am Strand abgefangen und niedergemacht; doch die Festung von Tripolis widerstanden ihrem ersten Anrennen; und da der Präfekt Gregorius Theophanes, der zwar die Niederlage, aber nicht den Tod des Präfekten erzählt, belegt ihn mit dem Namen »Tyrann,« vermutlich, weil er nach dem Purpur gestrebt hatte. (Chronogr. p. 285). herannahte, waren die Sarazenen versucht, die Mühen der Belagerung aufzugeben und dafür die Gefahren und Chancen einer Entscheidungsschlacht zu suchen. Wenn seiner Fahne tatsächlich einhundertzwanzigtausend Mann folgten, dann mussten die regulären Truppen des römischen Reiches sich unter den Haufen nackter und ungeordneter afrikanischer und maurischer Truppen verlieren, welche die eigentliche Stärk, oder besser wohl: Masse seines Heeres ausmachten. Die Alternative ›Koran oder Tribut‹ lehnte er mit Empörung zurück, und mehrere Tage kämpften beide Heere von Sonnenaufgang bis Mittag verbissen miteinander, bis ihre Erschöpfung und die brennende Hitze sie nötigte, in ihrem jeweiligen Lager Schutz und Erfrischung zu suchen.

Gregorius' Tochter, eine Jungfrau von unvergleichlicher Schönheit und Furchtlosigkeit, soll an seiner Seite gefochten haben; sie war von frühester Jugend gewohnt zu reiten, mit dem Bogen zu schießen und das Schwert zu führen, und der Reichtum ihrer Waffen und ihrer Rüstung glänzte in der Schlacht stets in vorderster Reihe. Ihre Hand und dazu noch hunderttausend Goldstücke wurden als Belohnung für den Kopf des arabischen Heerführers ausgelobt, und wahrhaftig befeuerte die Aussicht auf eine so wertvolle Belohnung die Anstrengungen der afrikanischen Jugend. Auf die dringenden Bitten seiner Glaubensbrüder hin vermied Abdallah es, persönlich auf dem Schlachtfeld zu erscheinen; aber dieser Rückzug ihres Heerführers und die wiederholten unentschiedenen oder unglücklichen Gefechte benahmen den Sarazenen allmählich den Mut.

SIEG DER ARABER

Ein Araber von edler Abstammung, später ein Feind Alis und Vater eines Kalifen, hatte sich in Ägypten ausgezeichnet: Zobeir Siehe bei Ockley (Hist. of the Saracens, vol. II, p. 45) den Tod Zobeirs, über den Ali Tränen vergoss, obwohl er sich gegen ihn erhoben hatte. Sein Mut während der Belagerung von Babylon, wenn es sich denn um dieselbe Person handelt, wird von Eutychius hervorgehoben (Ann. tom. II, p. 308). war der erste, der an die Mauern von Babylon die Sturmleiter angelegt hatte. Im afrikanischen Feldzug war er fern der Fahne Abdallahs. Sobald aber Zobeir von den Gefechten Nachricht erhielt, schlug er sich mit zwölf Getreuen durch die Linien der Griechen und drängte, ohne sich Rast oder Nahrung zu gönnen, an den Gefahren seiner Glaubensbrüder teilzuhaben. Seine Augen suchten das Schlachtfeld ab: »Wo ist unser General?«, fragte er. – »In seinem Zelt.« – »Ist das Zelt der rechte Platz für den Heerführer der Moslems?« – Abdallah errötete und stellte ihm dar, wie wichtig gegenwärtig die Erhaltung seines Lebens sei und welchen Preis der römische Präfekt auf eben dieses Leben ausgesetzt habe. »So zahle den Ungläubigen ihre niederträchtige Vorgehensweise zurück; verkünde allenthalben im Heere, dass für den Kopf des Gregorius seine Tochter und die gleichen Summe von hunderttausend Goldstücken ausgesetzt sind.« Der Stellvertreter des Kalifen vertraute Zobeir die Ausführung seines eigenen Planes an, durch den die so lange im Gleichgewicht gehaltene Waage tatsächlich zu Gunsten der Sarazenen gesenkt wurde. Ihre Verluste glichen sie durch allerlei Aktivitäten und Kriegslisten aus: ein Teil der Mannschaft blieb im Lager zurück und verhielt sich ruhig, während der Rest des Heeres dem Feind durch unregelmäßige Klein-Gefechte in Atem hielt, bis die Sonne auf ihrer Mittagshöhe stand. Beide Seiten zogen sich ermattet zurück; die Pferde wurden abgezäumt, die Waffen abgelegt, und die kämpfenden Parteien bereiteten sich auf den Abend und die Gefechte des folgenden Tages vor oder schienen es zumindest.

Unvermittelt wurde nämlich zum Angriff geblasen; das arabische Lager goss einen ausgeruhten und kampfentschlossenen Schwarm auf das Feld; und die lange Reihe der Griechen und Afrikaner wurde von einer neuen Heerschar der Gläubigen überrascht, angegriffen und überrumpelt, wobei sie dem Auge des Glaubens als eine Engelschar erscheinen mochte, die geradeswegs vom Himmel herabgeeilt war. Der Präfekt selbst fiel von Zodeirs eigener Hand, seine Tochter, die es nur nach Rache oder Tod verlangte, wurde umzingelt und gefangen genommen, und die Flüchtlinge verwickelten darüber hinaus noch die Stadt Sufetula in ihr Verderben, in die sie vor den Lanzen und Säbeln der Araber entkommen waren. Sufetula lag einhundertfünfzig Meilen südlich von Karthago: eine sanft abschüssige Ebene wird von einem Strom bewässert und von einem Wacholderhain beschattet, und an Hand der Ruinen eines Triumphbogens, eines Portikos und dreier Tempel korinthischer Bauweise erhält die Neugierde der heutigen Reisenden immer noch einen Eindruck von römischer Größe Shaw, Travels p. 118f..

Nach dem Fall dieser wohlhabenden Stadt erflehten Provinzbewohner und Barbaren um die Gnade der Eroberer. Dessen Eitelkeit oder Glaubenseifer konnte sich allerdings durch die Tributangebote und Glaubensbekenntnisse geschmeichelt fühlen; aber seine Verluste, seine Erschöpfung und eine um sich greifende ansteckende Krankheit machten eine dauerhafte Ansiedlung vorderhand unmöglich. Also kehrten die Sarazenen nach einem fünfzehnmonatigen Feldzug mit ihren Gefangenen und der reichen Kriegbeute nach Ägypten zurück. Der Anteil des Kalifen wurde einem Günstling gegen die nominelle Bezahlung von fünfhunderttausend Goldstücken abgetreten Mimica emptio, sagt Abulfeda, erat haec, et mira donatio; quandoquidem Othman, eius nomine nummos ex aerario prius ablatos aerario praestabat, (Es war ein Scheinkauf, sagt Abulfeda und eine wundersame Schenkung; als jedenfalls Othman den Staatsschatz verwaltete, waren in seinem Namen die Münzen zuvor aus dem Staatsschatz entnommen worden. Annal. Moslem. p. 78). Elmacin (in seiner dunklen Übersetzung, p. 39) scheint ebenfalls auf diesen betrüglichen Handel einzugehen. Als die Araber Othmans Palast belagerten, stand dieser Tatbestand ganz oben auf ihrer Beschwerdeliste.; doch erlitt der Staat durch diesen doppelten Betrug zweifachen Verlust, wenn denn tatsächlich bei der Beutezuteilung jeder Infanterist ein- und jeder Reiter dreitausend Goldstücke erhalten haben sollte. – Nun erwartete man noch, dass auch der Urheber von Gregorius' Tod Anspruch auf den schönsten Teil der Siegesbeute machen würde: es folgte ein Schweigen, und man vermutete, dass er in der Schlacht gefallen sei, bis die Tränen und Klagerufe der Präfektentochter beim Anblick von Zobeir den Mut und die Bescheidenheit des ritterlichen Kriegers offenbarten. Die unglückliche Jungfrau wurde dem Mörder ihres Vaters angedient und von ihm fast augenblicklich wie eine Sklavin zurückgewiesen, welcher mit Herzenskühle erklärte, dass er sein Schwert der Sache der Religion geweiht habe; und dass er nach einem Lohn strebe, der weit über Gold oder aller irdischen Schöne stehe. Eine Belohnung, die seinen Vorstellungen angemessener sein mochte, war der ehrenvolle Auftrag, dem Kalifen Othman vom Erfolg seiner Waffen zu künden. Mohammeds Gefährten, die Stammeshäuptlinge und einiges Volk hatten sich in der Moschee zu Medina versammelt, dem interessanten Bericht Zobeirs zu lauschen, und da der Redner nichts ausließ als seine eigenen Taten und Ratschläge zu erwähnen, wurde der Name Abdallah von den Arabern mit den Namen Khaled und Amru auf eine Stufe gestellt Theophan. Chronograph. p. 235 edit. Paris. (»Es zogen die Sarazenen nach Afrika, besiegten den Tyrannen Gregorios und töteten die mit ihm waren, und kehrten, nachdem sie der Reihe nach von den Afrikanern Tribut erhoben hatten, wieder um.«) Seine Chronologie ist allerdings unbestimmt und ungenau..

FORTSCHRITTE DER SARAZENEN IN AFRIKA – 665-689

Die Eroberungen der Sarazenen im Westen kam für etwa zwanzig Jahre zum Stillstand, bis die Moslems ihre internen Streitigkeiten durch die Inthronisierung des Hauses der Ommiyaden beilegen konnten; und die Afrikaner luden mit ihren Hilferufen den Kalifen Moawiyah nachgerade ein. Die Nachfolger des Herakleios hatten in Erfahrung gebracht, dass die Afrikaner den Arabern Tribut zu leisten gezwungen wurden; aber anstelle Mitleiden zu zeigen und ihnen in ihrer Not beizustehen, verlangten sie von ihnen als Ausgleich oder vielleicht auch zur Strafe einen zweiten, ähnlich hohen Tribut. Die byzantinischen Minister verschlossen ihre Ohren gegen ihre Armuts- und Untergangs-Klagen, so dass sie in ihrer Verzweiflung dahin kamen, sich lieber der Herrschaft eines einzigen Gebieters zu unterwerfen. Und die Erpressungsversuche des Patriarchen von Karthago, der immerhin alle zivilen und militärischen Vollmachten besaß, brachte die christlichen Sektierer und am Ende dann sogar die Katholiken der römischen Provinz dahin, ihrer Religion abzuschwören und dabei auch der Oberhoheit ihres Tyrannen abzuschwören. Der Heerführer Moawiyah erwarb sich berechtigten Ruhm, da er eine wichtige Stadt unterwarf, ein Korps von dreißigtausend Griechen besiegte, achtzigtausend Gefangene fortführte und mit der hierbei erworbenen Beute die kühnen Kämpfer aus Syrien und Ägypten bereicherte Theophanes (in Chronograph. p. 293) hat die unsicheren Gerüchte von der Eroberung des Westens, die damals auch Konstantinopel erreicht haben mochten, in seine Darstellung eingerückt. Und von Paul Warnefrid, Diakon von Aquileia (de Gestis Langobard. 5,13) erfahre ich, dass zu diesem Zeitpunkt auch eine Flotte aus Alexandria in die sizilianische und afrikanische See kommandiert wurde..

Doch den eigentlichen Titel eines Eroberers von Afrika hat sich mit größerem Recht sein Nachfolger Akbah verdient. Er marschierte an der Spitze von zehntausend Elitekriegern von Damaskus ab; zu der naturwüchsigen Stärke der Moslems gesellte sich dann noch die nicht ganz so unerschütterliche Kampf- und Glaubensfestigkeit von mehreren Tausend Barbaren. Es wäre ein kompliziertes und wohl auch überflüssiges Unterfangen, dem genauen Marschweg des Akbah nachzuspüren. Die Heere und Festungen des Binnenlandes haben sich die morgenländischen Autoren nur ausgedacht; in der kriegsgewohnten Provinz Zab oder Numidien mochten leicht achtzigtausend Einheimische unter Waffen zusammenkommen; doch passt die Angabe von dreihundertsechzig Dörfern nicht mit der Unkenntnis des Ackerbaus oder wenigstens dessen Verfall zusammen Siehe Novairi (apud Otter, p. 118), Leo Africanus (fol. 81, verso), welche nur cinque citta e infinite casal berechneten. (Description de l'Afrique, tom. iii. p. 33,) and Shaw (Travels, p. 57, 65-68)., und ein Umfang von drei Stunden zu Fuß wird durch die Größe der Ruinen von Lambesa, der alten Hauptstadt dieses binnenländischen Gebietes jedenfalls nicht unterstützt. Wenn wir von See her kommen, lassen sich durch die wohlbekannten Städte Bugia Leo African. fol. 58, verso, 59, recto. Marmol, tom. ii. p. 415. Shaw, p. 43. und Tanger Leo African. fol. 52. Marmol, tom. ii. p. 228. die Grenzen des siegreichen Vordringens der Sarazenen sicherer bestimmen. Einen kleinen Restbestand des Handels weist die leichtzugängliche Hafenstadt Bugia auf, welche in besseren Zeiten an die zwanzigtausend Häuser aufgewiesen haben soll; und die Masse an Eisen, welches in den unfernen Bergen gewonnen wird, hätte ein Volk von größerer Tapferkeit mit Rüstzeug zu seiner Verteidigung versehen können. Die ferne Lage und das ehrwürdige Alter von Tingi oder Tanger haben griechische und arabische Fabeln ausgeschmückt. Doch die bilderstarken Ausdrücke der Letzteren, dass nämlich die Mauer aus Eisen und die Dächer aus Gold und Silber gefertigt seien, kann man als Umschreibung von Macht und Wohlstand auslegen.

Die Landschaft Mauritania Tingitana Regio ignobilis, et vix quicquam illustre sortita, parvis oppidis habitatur, parva flumina emittit, solo quam viris melior et segnitie gentis obscura. (Die Gegend reizlos und kaum bevorzugt durch irgendetwas von Bedeutung, wird in kleinen Siedlungen bewohnt, bringt nur kleine Flüsse hervor, aber einen kräftigen Menschenschlag, doch unbedeutend wegen der Trägheit. Pomponius Mela, 1,5; 3,10.). Mela verdient schon deshalb Glauben, weil seine phönizischen Vorfahren aus Tingitana nach Spanien eingewandert waren. (s. in 2,6 eine Stelle dieses Geographen, welche Salmasius, Isaak Vossius und der stürmischste aller Gelehrten, Jakob Gronovius so grausam verderbt haben). Er lebte zu der Zeit, als da Land durch Kaiser Claudius endgültig unterworfen wurde; und doch beschwerte sich Plinius (Hist. Nat 5,1) über seine Gewährsleute, dass sie zu faul gewesen seien, selbst Erkundigungen über dieses entfernte Land einzuziehen und zu eingebildet, um ihre Unkenntnis einzugestehen., die nach der Hauptstadt benannt ist, wurde von den Römern nur unvollständig erforscht und besiedelt; die fünf Kolonien lagen auf engem Raum, und die südlichen Gebiete wurden nur selten aufgesucht außer von den Agenten des Luxus, welche die Wälder nach Elfenbein und Zitronenholz Die törichte Vorliebe für dieses Zitronenholz war bei den römischen Männern so stark ausgeprägt wie die für Perlen bei den Frauen. Eine runde Tischplatte von 4-5 Fuß Durchmesser wurde für den Preis eines Landgutes verkauft, für 8-12.000 Pfund Sterling. Ich verstehe durchaus, dass ich den Zitronenbaum (citrus) nicht mit der Frucht (citrum) verwechseln darf. Doch ich bin nicht Botaniker genug, um die erstere Pflanze (sie ähnelt sehr der Zypresse) mit ihrem volkstümlichen oder mit dem botanischen Namen nach Linnaeus zu benennen; auch kann ich nicht entscheiden, ob es sich bei citrum um die Orange oder Limone handelt. Salmasius behandelt das Thema erschöpfend, aber allzu oft verhakt er sich im Gestrüpp seiner ungeordneten Gelehrsamkeit (Flinian. Exercitat. tom. II, p 666 ff). durchstreiften und die Atlantikküste nach Purpurschnecken. Akbah stieß furchtlos mitten in das Herz des Landes vor, zog durch die Wildnis, in der seine Nachfolger die berühmten Hauptstädte Fez und Marokko Leo African. fol. 16, verso und Marmol, tom. II, p. 28. Diese Provinz ist der erste Schauplatz der Taten und der Größe der Scherifs und wird mehrfach in der lesenswerten Geschichte dieser Dynastie am Ende des 3. Bandes von Marmol, Description de l'Afrique erwähnt. Der 3. Band der Recherches Historiques sur les Maures (unlängst in Paris erschienen) beschreibt Geschichte und Geographie der Königreiche von Fez und Marokko. erbauten und kam endlich bis an die Atlantikküste und den Rand der großen Wüste. Der Suz fließt an der Westseite des Atlasgebirges herab, befruchtet wie der Nil den umgebenden Boden und mündet endlich in den Atlantik in geringer Entfernung von den kanarischen oder glücklichen Inseln. Seine Ufer bewohnen die westlichsten Mauren, eine wilde Menschenrasse ohne Gesetze, Ordnung und Religion; die ihnen unbekannten und unwiderstehlichen Waffen der Orientalen erstaunten sie höchlich; und da sie weder Gold noch Silber kannten, so bildete die Schönheit der weiblichen Gefangenen die reichste Beute, da sie später für tausend Goldstücke weiterverkauft wurden.

Der Anblick des grenzenlosen Weltmeeres setzte zwar dem physischen Weiterkommen Akbahs eine Grenze, aber nicht seinem Ehrgeiz ein vorläufiges Ende. Er spornte sein Pferd in die Brandung, erhob seine Augen himmelwärts und rief im Tone eines Fundamentalisten aus: »Großer Gott! Hätte dieses Meer nicht mein Vorwärtsstürmen aufgehalten, so wollte ich weiter und weiter gehen zu den unbekannten Königreichen des Westens, um die Einheit deines heiligen Namens zu predigen und alle die aufsässigen Völker mit dem Schwerte zu vertilgen, die andere Götter verehren als dich allein Otter (p.119) hat seiner Anrufung den scharfen Ton des religiösen Fanatismus verliehen, während sie Cardonne (p. 37) zu dem frommen Wunsch vermocht hat, den Koran predigen zu können. Und doch lag beiden der identische Text des Novairi vor..« Doch war dieser mohammedanische Alexander, der nach neuen Welten schmachtete, außerstande, wenigstens seine neuen Eroberungen festzuhalten. Infolge des allgemeinen Abfalls der Griechen und Afrikaner wurde er von der Atlantikküste zurückbeordert, und die ihn umzingelnden feindliche Heerscharen ließen ihm nur noch einen ehrenhaften Tod. Der letzte Auftritt wurde durch ein Beispiel nationaler Tugend verherrlicht. Ein ehrgeiziger Befehlshaber, der ihm den Oberbefehl streitig gemacht hatte und mit diesem Versuch gescheitert war, wurde wie ein Gefangener im das Lager des arabischen Generals mitgeführt. Die Empörer hatten auf seinen Zorn und seine Rache gerechnet; er verschmähte ihr Angebot und verriet ihre Absichten. In der Stunde der Gefahr löste ihm Akbah in Dankbarkeit die Fesseln und riet ihm zur Flucht: er zog es vor, unter der Fahne seines Nebenbuhlers zu sterben. Sie umarmten sich als Freunde und Märtyrer, zogen die Säbel, zerbrachen die Klingen und kämpften mit zäher Entschlossenheit, bis sie schließlich als die Letzten auf die Leichen ihrer Landsleute niedersanken. Der dritte General oder Statthalter Afrikas Zuheir rächte seinen Vorgänger und teilte sein Schicksal. In vielen Gefechten überwand er die Eingeborenen; überwunden wurde er erst durch eine mächtige Armee, welche Konstantinopel abgesandt hatte, Karthago zu retten.

ERBAUUNG VON KAIRVAN 670-675

Es war gern geübter Brauch bei den maurischen Stämmen, sich den Eindringlingen anzuschließen, gemeinsam zu plündern, sich wohl auch zu ihrem Glauben zu bekennen und sich beim ersten Anzeichen von Rückzug oder fehlendem Kriegsglück der Moslems in ihren früheren Zustand der Unabhängigkeit und des Götzendiensten zurückzukehren. Akbah hatte deshalb den klugen Vorschlag gemacht, mitten in Afrika eine arabische Kolonie anzulegen, eine Festung, mit der man die wankelmütigen Barbaren unter Aufsicht halten und zugleich bei kriegerischen Wechselfällen die Familien der Sarazenen und ihren Besitz schützen konnte. Unter dieser Zielsetzung und unter der bescheidenen Bezeichnung einer ›Karawanenstation‹ gründete er im fünfzigsten Jahr der Hedschra diese Kolonie. Noch heute, im Zustand des Verfalls, hat dieses Kairvan Die Gründung von Kairvan wird erwähnt bei Ockley (Hist. of the Saracens, vol. ii. p. 129, 130); und die Lage, Moschee etc beschreibt Leo Africanus (fol. 75), Marmol (tom. II, p. 532), und Shaw (p. 115). den zweiten Rang der Städte im Königreich Tunis, von welcher Stadt gleichen Namens es fünfzig englische Meilen südwärts liegt Die Verwechslung des griechischen Kyrene und des arabischen Kairvan wegen einer kleinen Namensähnlichkeit ist ein grober und dennoch häufiger Fehler: Zwischen beiden Städten liegen tausend Meilen Seeküste; selbst der große Thuanus ist diesem Fehler aufgesessen, was umso weniger zu entschuldigen ist, als er im Zusammenhang mit seiner wissenschaftlichen Arbeit über Afrika aufgetreten ist (Historiar. 7,2, in tom. I, p. 240, edit. Buckley).. Ihre Lage zwölf Meilen westlich von der Küste hat sie gegen die Angriffe griechischer oder sizilianischer Flotten geschützt. Als man die reißenden Tiere und Schlangen ausgerottet hatte und den Wald, besser wohl: die Wildnis, ausgelichtet hatte, stieß man auf einer sandigen, ebenen Fläche auf die Überreste einer römischen Ansiedlung. Pflanzliche Nahrung musste von fernher herbeigeschafft werden; und der Mangel an Quellen nötigte die Einwohner, in Zisternen und Sammelbecken das wertvolle Regenwasser zu sammeln.

Diese Unzulänglichkeiten wurden durch Akbahs nimmermüden Einsatz beseitigt; er markierte einen Bezirk von dreitausendsechshundert Schritt, den er mit einer Ziegelmauer umfassen ließ; nach Ablauf von fünf Jahren war der Palast des Gouverneurs von einer hinreichenden Anzahl von Privatwohnungen umgeben; eine geräumige Moschee wurde durch fünfhundert Säulen von Granit, Porphyr und numidischem Marmor getragen; und Kairvan wurde zum Sitz der Gelehrsamkeit wie auch der Regierung. Doch war dies der Ruhm der späten Jahre; die neue Kolonie stand unter den Erschütterungen der aufeinander folgenden Niederlagen von Akbah und Zuheir, und der Vormarsch nach Westen wurde erneut durch die interne Zwietracht der arabischen Monarchie erschüttert. Der Sohn des tapferen Zobeir stand einen siebenjährigen Krieg und eine siebenmonatige Belagerung gegen das Haus der Ommiyaden durch. Abdallah, so ging die Rede von ihm, habe den Mut eines Löwen mit der Schlauheit eines Fuchses vereinigt; doch wenn er wirklich den Mut seines Vaters geerbt hatte: sein Großmut ging ihm ab Neben den arabischen Chroniken des Abulfeda, Elmacin und Abulpharagius, im Jahre73 der Hedschra, können wir auch bei d'Herbelot (Bibliot. Orient. p. 7) und Ockley (Hist. of the Saracens, vol. II, p. 339-349) nachschlagen. Letzterer hat das zu Herzen gehende Abschiedsgespräch zwischen Abdallah und seiner Mutter überliefert; allerdings hat er die physischen Folgen ihrer Trauer um seinen Tod, das Wiedereinsetzen der Monatsblutugen im Alter von neunzig Jahren und dessen fatale Folgen unerwähnt gelassen..

EROBERUNG VON KARTHAGO 692-698

Da im Inneren Ruhe eingekehrt war, konnte der Kalif Abdalmalek die Eroberung Afrikas erneut in Angriff nehmen; zum fahnenführenden Feldherr wurde Ägyptens Statthalter Hassan ernannt, und also wurden die Einkünfte dieses Königreiches nebst einem Truppenkontingent von vierzigtausend Mann für dieses Unternehmen aufgeboten. Im Verlauf der kriegerischen Wechselfälle hatten die Sarazenen die Provinzen im Inneren des Landes abwechselnd erobert und dann wieder verloren. Die Küstenstreifen allerdings waren nach wie vor im Besitz der Griechen; Hassans Vorgänger waren vor dem Namen und den Festungsanlagen Karthagos zurückgeschreckt, und inzwischen war die Zahl der Verteidiger durch die kriegserfahrenen Flüchtlinge aus Kabes und Tripolis noch erhöht worden. Hassans Waffen erwiesen sich als kühner und glücklicher; man bezwang Afrikas Hauptstadt und plünderte sie; und die Erwähnung von Sturmleitern berechtigt zu der Vermutung, dass er durch einen Überraschungsangriff eine zähflüssige Belagerung vermeiden wollte. Doch wurde die Freude der Eroberer schon bald durch die Ankunft christlicher Hilfskontingente getrübt. Johannes, ein Präfekt, Patricius und darüber hinaus ein erfolgreicher, bewährter Feldherr, schiffte sich in Konstantinopel mit der Streitmacht des östlichen Kaiserreiches ein »Notwendigerweise – alles, was römisch und schiffbar war, wurde bewaffnet, und man ernannte den kriegskundigen Patriarchen Johannes zu ihrem Feldherren und schickte ihn nach Karchedon gegen die Sarazenen.« Vgl. Nikephori Constantinopolitani Breviar, p. 28. Der Patriarch von Konstantinopel und Theophanes (Chronograph. p. 309) haben diesen letzten Versuch zur Rettung Afrikas erwähnt, Pagi (Critica, tom. III, p. 129. 141) hat durch einen genauen Vergleich die Chronologie der arabischen und byzantinischen Autoren abgesichert, welche oft in den Angaben von Zeit und Fakten divergieren. Siehe dazu eine Fußnote bei Otter, p. 121.; Schiffe und Mannschaften schlossen sich an, und eine mächtige Verstärkung von Goten Dove s'erano ridotti i nobili Romani e i Gotti; und anschließend, i Romani suggirono e i Gotti lasciarono Carthagine. (Leo African. for. 72, recto). Ich weiß nicht, aus welchem arabischen Autor der Afrikaner seine Goten geschöpft hat. Doch die Tatsache als solche ist, so neu sie auch scheint, so interessant und glaubwürdig, dass ich sie schon beim geringsten Beweis glauben möchte. wurde von dem spanischen Monarchen ins Feld geschickt, welchen Furcht und religiöse Bedenken zu dieser Maßregel bestimmt hatten.

Die schiere Masse der vereinigten Seestreitkräfte zerriss die Kette, mit der man die Hafeneinfahrt gesichert hatte; die Araber zogen sich zunächst nach Kairvan oder Tripolis zurück; die Christen landeten an; die Einwohner begrüßten das Kreuz mit Freudengeschrei, und im Winter widmete man sich süßen Träumen von Sieg oder Befreiung. Aber Afrika war unwiderruflich verloren. Vom religiösen Fanatismus und Ingrimm gleichermaßen gestachelt, rüstete der Herrscher der Gläubigen Nikephoros nennt diesen Herrscher den »König der Sarazenen,« eine ungenaue, aber nicht unpassende Bezeichnung für einen Kalifen. Theophanes erfindet die rätselhafte Bezeichnung »Protosymbolos« (Erstes Vorzeichen), die sein Übersetzer Goar mit Vizi Azem erklärt. Sie mögen beide der Wahrheit nahe kommen, wenn sie die Rolle des Tätigen dem Minister und nicht dem Fürsten beilegen; doch vergessen sie, dass die Ommiyaden nur einen Kaleb oder Sekretär hatten, und dass das Amt des Wesirs nicht vor dem 132. Jahr der Hedschra erneuert oder eingeführt wurde. (d'Herbelot, Bibl. Orient., 912). im folgenden Frühjahr weitere Truppen zu Lande und zu Wasser aus, und der Patrizier seinerseits sah sich nun genötigt, den Hafen und die Festung von Karthago zu räumen. Eine zweite Schlacht von Utica wurde in der Nähe geschlagen; Griechen und Goten erlitten eine zweite Niederlage, und nur ihr rechtzeitiger Rückzug schützte sie vor dem Schwert Hassans, der mittlerweile den kleinen und unzureichenden Wall ihres Lagers umzingelt hatte.

Was übrig geblieben war von Karthago, ging in Flammen auf. Und die Kolonie von Dido Nach Solinus (1.27, p. 36, edit. Salmas) stand das Karthago der Dido 677 oder sogar 737 Jahre: die abweichenden Lesarten ergeben sich aus den unterschiedlichen mss. oder Textausgaben (Salmas, Plinian. Exercit tom i. p. 228). Die erste Berechnung, die 823 v.Chr. ergibt, stimmt gut zu dem wohlerwogenen Zeugnis des Velleius Paterculus; letztere wird indessen von unseren Chronologen bevorzugt, (Marsham, Canon. Chron. p. 398), da sie besser mit den syrischen und hebräischen Jahrbüchern zusammenpassen. und Caesar lag mehr als zweihundert Jahre verödet, bis ein Teil davon, vielleicht ein Zwanzigstel, von den ersten Kalifen der Fatimiden wieder besiedelt wurde. Zu Beginn des XVI Jh. befanden sich in dieser zweiten Hauptstadt des Westens eine Moschee, eine Universität ohne Studenten, fünfundzwanzig oder dreißig Verkaufsbuden sowie die Hütten von etwa fünfhundert Bauern, die sich trotz ihrer tiefen Armut borniert wie punische Senatoren aufführten. Doch selbst dieses trostlose Dorf wurde von den Spaniern zerstört, die Karl V in die Festung Coletta gelegt hatte. Die Ruinen von Karthago sind nicht mehr, und selbst ihr Ort wäre unbekannt, wenn nicht ein paar zerstörte Bogengewölbe eines Aquäduktes der Neugierde des modernen Reisenden den Weg weisen würden Leo African. fo1. 71, verso; 72, recto. Marmol, tom. II, p.445-447. Shaw, p.80..

ENDGÜLTIGE EROBERUNG AFRIKAS 698-709

Die Griechen waren nun allerdings vertrieben, aber die Araber damit noch nicht die Herren Afrikas. Die Mauren oder Berber Die Geschichte des Wortes Barbar kann man in vier Teilabschnitte zerlegen. 1. Zu Homers Zeiten, als die Griechen und Asiaten vermutlich eine einzige Mundart hatten, wurde das onomatopoetische Wort Barbar für jene kulturfreien Stämme verwendet, deren Aussprache rautönend und deren Grammatik äußerst rudimentär war. »Misstönende Karer« (s. Ilias II, 867, mit Oxforder Scholiasten, Klarkes Fußnoten und Henricus Stephanus' Thesaurus tom I, p. 720) – 2. Spätestens seit Herodot wurde dieser Ausdruck auf die Völker ausgedehnt, denen Sprache und Bräuche der Griechen unbekannt waren. – 3. In Plautus' Zeiten unterwarfen sich die Römer selbst diesem Schimpf-Epitheton (Pompeius Festus, II, p. 48, edit. Dacier) und bezeichneten sich freiwillig als Barbaren. Allmählich aber beanspruchten sie für Italien und ihre abhängigen Provinzen eine Ausnahme, und schließlich hängten sie diese unehrenhafte Benennung nur noch den wilden und feindlichen Völkern außerhalb des römischen Reiches an. – 4. In jeder der vorgenannten Bedeutungen kam der Name den Mauretaniern oder Mauren (»Mohren«, A.d.Ü.) zu; die Araber haben das Alltagswort von den Provinzial-Lateinern übernommen und verwenden es mit gutem Grund als Lokal-Bezeichnung (Barbarei) für die Nordküste Afrikas., schwach unter den ersten Caesaren, furchtbar unter den Herrschern von Byzanz, fuhren fort, in den inneren Landstrichen der Religion und der Kriegsmacht von Mohammeds Nachfolgern ungeordneten Widerstand zu leisten. Unter der Standarte ihrer Königin Cahina wurden die unabhängigen Stämme in die Anfangsgründe von Eintracht und Disziplin eingeführt; und da die Mauren in ihren Frauen auch immer die Eigenschaften einer Prophetin verehrten, fielen sie die Eindringlinge mit einer Begeisterung an, der dem ihrigen in nichts nachstand. Hassans kampferprobte Truppen waren mit der Verteidigung Afrikas überfordert: die Eroberungen von Jahren gingen an einem einzigen Tage wieder verloren. Und der arabische Heerführer, von Strom der Fliehenden schier überrannt, zog sich an Ägyptens Grenzen zurück und wartete fünf lange Jahre auf die versprochene Hilfe des Kalifen.

Nach dem Rückzug der Sarazenen sammelte die erfolgreiche Prophetin die maurischen Stammeshäuptlinge um sich und empfahl ihnen eine Maßregel, die ebenso einmalig wie barbarisch war: »Unsere Städte,« so sagte sie, »und das Gold und Silber, was sich in ihnen findet, locken in einem Fort die Waffen der Araber an. Diese erbärmlichen Metalle sind aber nicht das Objekt unseres Ehrgeizes: wir geben uns mit den einfachen Erzeugnissen der Erde zufrieden. Also: lasst uns diese Städte zerstören; und lasst uns in ihren Ruinen diese unseligen Metalle verbrennen; und wenn der Habsucht unserer Feinde kein Ziel mehr gegeben ist, werden sie vielleicht aufhören, die Ruhe eines kriegstüchtigen Volkes zu stören.« Der Vorschlag erhielt einmütigen, zustimmenden Beifall. Von Tanger bis Tripolis wurden Häuser oder zumindest die Befestigungswerke zertrümmert, die Obstbäume gefällt, die Mittel zum Lebensunterhalt vernichtet, ein fruchtbarer und volkreicher Garten in eine Ödnis verwandelt, und die Historiker späterer Zeiten konnten die zahlreichen Anzeichen von abwechselndem Wohlstand und Verwüstung ihrer Altvordern ausmachen.

So geht die Mär im Arabien der Gegenwart. Indessen beschleicht mich der dringende Verdacht, dass ihre Unkenntnis der Antike, ihre Freude am Wunderbaren und die Mode, die Philosophie der Barbaren hervorzuheben, sie dazu veranlasst haben könnte, die Verheerungen von drei Jahrhunderten seit dem ersten Konflikt der Donatisten und Vandalen als einen einzigen Akt der Freiwilligkeit zu beschreiben. Im Verlaufe der Empörung hatte Cahina höchst wahrscheinlich das Ihre zu der Zerstörung beigesteuert; und die Sorge vor einer allgemeinen Verheerung dürfte diejenigen Städte entfremdet und entsetzt haben, die sich ihrer unwürdigen Führung ohnehin nur mit Widerstreben unterworfen hatten. Auf die Rückkehr der byzantinischen Souveräne hofften sie nicht mehr, wünschten sie wohl auch gar nicht; ihre gegenwärtige Knechtschaft brachte ihnen nicht einmal die Vorteile von Recht und Ordnung, und selbst der eifrigste Katholik musste die unvollkommenen Wahrheiten des Korans der blinden und ungehobelten Götzenverehrung der Mauren vorziehen.

Und so wurde der Feldherr der Sarazenen erneut als er Retter der Provinz begrüßt; die Freunde einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung verschworen sich gegen die Wilden des Landes, und die königliche Künderin fiel schon in der ersten Schlacht, in welcher das ungegründete Gebäude ihres Aberglaubens und ihrer Herrschaft einstürzte. Zwar, unter den Nachfahren Hassans lebte der gleiche Geist der Empörung wieder auf, wurde aber endlich durch das Eingreifen von Musa und seinen beiden Söhnen für immer gebrochen; doch möge man aus der Zahl von dreihunderttausend Gefangenen auf die Anzahl der Aufständischen schließen; sechzigtausend davon, der Anteil des Kalifen, wurde zum Besten des Staatsschatzes verkauft. Dreißigtausend Barbaren wurden in die Armee eingezogen; und die gottgefälligen Anstrengungen von Musa, Korankenntnisse und religiöse Praxis zu vermitteln, gewöhnten die Afrikaner an den Gehorsam gegen den Propheten Gottes und den Beherrscher der Gläubigen.

DIE MAUREN WERDEN ZU BRÜDERN ANGENOMMEN

Die nomadisierenden Mauren hatten bezüglich ihrer Staatsverfassung, der Nahrung, des häuslichen Lebens und des Klimas viel Ähnlichkeit mit den Beduinen der Wüste. Es war ihr Stolz, mit der Religion sich zugleich auch die Sprache, den Namen und die Abstammung der Araber anzueignen. Das Blut der Fremden und der Einheimischen mischte sich unmerklich; und vom Euphrat bis zum Atlantik schien sich ein und dasselbe Volk über Afrikas und Asiens Sandebenen verbreitet zu haben. Ich will damit nicht in Abrede stellen, dass fünfzigtausend Zelte reiner Araber über den Nil gebracht und über die libysche Wüste verstreut worden sein können; und ich weiß wohl, dass fünf maurische Stämme mit der Bezeichnung und den Merkmalen weißer Afrikaner immer noch ihr barbarisches Idiom beibehalten haben Das erste Buch von Leo dem Afrikaner und Dr. Shaws Anmerkungen (p. 220. 223. 227. 247) wirft einiges Licht auf die barbarischen Wander-Völker arabische und maurischer Herkunft. Doch Shaw hat diese Wilden nur von Ferne gesehen, und Leo, ein Gefangener im Vatikan, scheint dort mehr von seiner arabischen Gelehrsamkeit verloren als von griechischer oder römischer sich angeeignet zu haben. Man könnte im ersten Abschnitt seiner Geschichte Mohammeds mehrere grobe Fehler entdecken..

SPANIEN. ERSTE VORSTÖSSE UND PLÄNE DER SARAZENEN-709

Im Fortschreiten der Eroberungen im Norden und Süden stießen an der Grenze zwischen Afrika und Europa die Goten und die Sarazenen aufeinander. Für die letztgenannten waren unterschiedliche Religionen ein legitimer Grund für Feindschaft und Krieg Während eines Gesprächs mit einem griechischen Herrscher ließ Amru die Bemerkung fallen, das ihrer beiden Religionen verschieden seien; unter dieser Voraussetzung war Feindschaft sogar zwischen Brüder gerechtfertigt. Ockley, History of the Saracens, vol. I,p. 328.. Bereits in den Zeiten von Othman Abulfeda, Annal. Moslem. p 78, Übers.Reiske. hatten ihre Seeräubergeschwader die Küsten Andalusiens verheert Den Name Andalusien beziehen die Araber nicht nur auf die moderne Provinz gleichen Namens, sondern auf die ganze Halbinsel Spaniens (Geograph. Nub. p. 151, d'Herbelot, Bibliot. Orient. p. 114, 115). Die Etymologie hat den Namen – höchst unwahrscheinlich –von Vandalusia abgeleitet, Land der Vandalen. (d'Anville Etats de l'Europe, p. 146f.). Doch ist das Handalusia des Casiri, was im Arabischen das Land gegen Abend, den Westen, m.a.W. das Hesperia der Griechen benennt, völlig zutreffend. (Bibliot. Arabico-Hispana, tom. II, p. 327f.).. Auch hatten sie nicht vergessen, wie die Goten Karthago Hilfe geleistet hatte. Damals waren die Könige Spaniens genau wie heute im Besitz der Festung Ceuta, einer der Säulen des Herkules, welche durch eine enge Meeresstraße von der gegenüber liegenden Säule oder Spitze von Europa getrennt ist. Zur Vollendung der Eroberung Afrikas fehlte den Sarazenen nur noch ein Zipfel von Mauretanien; doch wurde Musa, froh seines Sieges, durch die entschlossenen Wachsamkeit des gotischen Heerführers Julian vor den Mauern von Ceuta zurückgeschlagen. Aus seiner Enttäuschung und Verblüffung befreite Musa eine unerwartete Nachricht des christlichen Feldherren, welcher dem Nachfolger Mohammeds seine Stellung, sich in Person und sein Schwert antrug und um die zweifelhafte Ehre bat, ihre Heeresmacht in das Herz von Spanien zu führen Fall und Wiedererstehung der gotischen Monarchie erzählt Mariana (tom. l. p. 238-260, 6, 19-26, 7,1- 2). Dieser Historiker hat in sein edeles Werk (Historic de Rebus Hispaniae, libri XXX. Hagae Comitum 1733, 4 Bd Folio, fortges. von Miniana) Stil und Geist der römischen Klassik einfließen lassen; nach dem 12. Jh. kann man sich getrost auf sein Urteil und die mitgeteilten Fakten verlassen. Doch ist der Jesuit von den Vorurteilen seines Ordens nicht ganz frei; er eignet sich wie sein Kollege Buchanan die abwegigsten Volkssagen an und schmückt sie aus; historische Kritik und Chronologie behandelt er mit Sorglosigkeit und füllt die Lücken im historisch Erwiesenen mit seiner lebhaften Phantasie. Diese Lücken sind beträchtlich und häufig; Roderich, der Erzbischof von Toledo, der Vater der spanischen Historiographie, lebt fünfhundert Jahr nach der Eroberung Spaniens durch die Araber; und die noch früheren Geschehnisse bedtehen in nichts weiter als in den dürftigen Zeilen der blinden Chroniken des Isidor von Badajoz (Pacensis) und des Alphonso III, Königs von Leon, die ich nur in Pagis Annalen gesehen habe.. Fragen wir nach der Ursache für diesen Hochverrat, dann werden die Spanier die populäre Geschichte von seiner Tochter Cava wiederholen Le viol (sagt Voltaire) est aussi difficile a faire qu'a prouver. Des Eveques se seroient ils lignes pour une fille? (Hist. Generale, c. XXXVI) Sein Argument ist logisch nicht schlüssig.: die Geschichte von einer Jungfrau, die von ihrem König verführt, am Ende sogar vergewaltigt wurde; die Geschichte von einem Vater, der seine Religion und sein Vaterland seinem Durst nach Rache aufopferte. Die Leidenschaften von Herrschern waren oft genug hemmungslos und haben ihrem Lande Schaden gebracht; doch wird diese oft gehörte, für sich genommen romantische Geschichte nur wenig durch zuverlässige Zeugnisse gestützt, und Spaniens Geschichte bietet uns diverse Beweggründe des Eigennutzes und der Politik an, welche besser zur Denkungsart eines altgedienten Staatsmannes passen Die Geschichte der Cava hat Mariana 6,21, p. 241f) an die Geschichte der Lucretia von Livius angelehnt. Wie aber bei den Alten üblich, zitiert er nur selten. Und das älteste Zeugnis bei Baronius (Annal. Eccles. A.D. 713, No. 19) besagt lediglich, dass Lucus Tudensis, ein gallikanischer Diakon des 13. Jh., Cava quam pro concubina utebatur (...Cava wie eine Konkubine behandelt habe)..

ZUSTAND DER GOTISCHEN MONARCHIE IN SPANIEN

Nach dem Tod oder der Absetzung des Witiza verdrängte der Ehrgeiz des adligen Goten Roderich seine beiden Söhne. Roderichs Vater, Herzog oder Statthalter der Provinz, war dem vorherigen Tyrannen zum Opfer gefallen. Das Königreich war nach wie vor eine Wahlmonarchie; doch konnten die Söhne Witizas, die auf den Stufen des Thrones groß geworden waren, sich nur schwer mit ihrem Privatstand anfreunden. Ihr Grollen war umso gefährlicher, als sie es geschickt hinter der täuschenden Verstellung zu verbergen wussten, die bei Hofe geübt wurde; ihre Anhänger fühlten sich zum Handeln berufen, wenn sie an früher empfangene Wohltaten und die Aussicht auf eine erfolgreiche Umwälzung auch nur dachten; und der Onkel der beiden, der Erzbischof Oppas von Toledo und Sevilla, nahm in der Kirchenhierarchie die erste und in der staatlichen die zweite Stelle ein. Man kann nicht ausschließen, dass Julian in die Sache der erfolglosen Faktion verwickelt war und er folglich von der neuen Regierung wenig zu erhoffen und viel zu befürchten hatte, und dass der unbedachte König die Kränkungen an Roderichs Familie weder vergessen noch vergeben konnte. Die Verdienste des Grafen und sein Einfluss machten ihn zu einem nützlichen oder auch fürchterlichen Untertanen: weitläufig waren seine Ländereien, zahlreich und verwegen seine Anhänger, und dass er mit dem Oberbefehl in Andalusien und Mauretanien zugleich auch den Schlüssel zur spanischen Monarchie in den Händen hielt, zeigte sich auf allzu schmerzliche Weise.

Indessen war er zu schwach, um seinem König alleine in Waffen begegnen zu können, so dass er nach auswärtigen Verbündeten suchte; und seine vorschnelle Einladung der Mauren und Araber hatte acht Jahrhunderte Kalamitäten zur Folge. In Briefen und persönlichen Unterredungen entdeckte er ihnen des Lande Blößen und Wohlstand, die Schwächen eines unbeliebten Königs und die Verkommenheit eines verweichlichten Volkes. Die Goten waren schon lange nicht mehr die siegessicheren Barbaren, die Roms Stolz gedemütigt und die Königin der Nationen geplündert hatten und die von der Donau bis zum Atlantik vorgedrungen waren. Fern vom Getriebe der Welt, jenseits der Pyrenäen hatten Alarichs Urenkel für lange Zeit der Ruhe gepflegt; die Mauern der Städte waren zu Staub geworden; die Jugend hatte den Dienst an der Waffe aufgegeben; und ihr Übermut, ein Nachklang ihres ehemaligen Ruhmes, musste auf dem Schlachtfeld beim ersten Angriff dieser Feinde zu Nichts werden. Die Sarazenen wurden durch die Leichtigkeit und die Bedeutung des Unternehmens noch zusätzlich in ihrem Ehrgeiz befeuert, verschoben aber die Ausführung, bis sie sich bei dem Beherrscher der Gläubigen Rats erholt hatten; der Bote kehrte zurück mit des Kalifen Walid Verstattung, die unbekannten Königreiche des Abendlandes der Religion und dem Throne des Kalifen untertänig zu machen. Musa setzte in seiner Residenz zu Tanger in aller Heimlichkeit und Verschwiegenheit seine Korrespondenz fort und beschleunigte seine Zurüstungen. Die Besorgnisse der Verschwörer beruhigte er mit der betrüglichen Zusicherung, dass er sich selbst mit dem Ruhm und der Beute zufrieden geben wolle und ganz gewiss nicht die Absicht habe, jenseits des Meeres, das Afrika und Europa voneinander trenne, der Herrschaft der Moslems zu etablieren Die Orientalen, Elmacin, Abulpharagins, Abulfeda übergehen die Eroberung Spaniens mit Stillschweigen oder widmen ihr ein einziges Wort. Der Text von Novairi und anderen arabischen Autoren wird, wenngleich mit einigen fremden Zutaten, vorgelegt von Herrn de Cardonne (Hist. de l'Afrique et de l'Espagne sous la Domination des Arabes, Paris, 1765, 3 vols. 12mo. tom. I, p. 55-114) und etwas knapper gefasst von Herrn de Guignes (Hist. des Hune. tom. I, p. 347-350). Der Bibliothekar des Eskorial hat meine Erwartungen enttäuscht: doch hat er mit Sorgfalt seine zerstreutes Materialien zusammengetragen. Und die Geschichte der Eroberung wird noch durch einige wertvolle Fragmente des echten Razis (er schrieb in. Cordoba, A. H. 300), von Ben Hazil, &c. Siehe Bibliot. Arabico-Hispana, tom. II, p. 32. 105, 106. 182. 252. 315-332) ergänzt. Bei dieser Gelegenheit hat Pagis Arbeitseifer Unterstützung durch die Arabischkenntnisse seines Freundes, des Abtes de Longuerue, erfahren; ihren vereinten Bemühungen bin ich zutiefst verpflichtet..

ERSTE LANDUNG DER ARABER IN SPANIEN – JULI 710

Ehe Musa ein ganzes Heer von Gläubigen den Verrätern und Ungläubigen eines fremden Landes anvertrauen konnte, stellte er ihre Fähigkeiten und ihre Aufrichtigkeit auf eine weniger heikle Probe. Einhundert Araber und vierhundert Afrikaner setzten auf vier Schiffen von Tanger oder Ceuta über; ihr Landungsplatz auf der anderen Seite der Meerenge ist nach ihrem Anführers Tarik benannt; und das Datum dieses welthistorischen Ereignisses Ein Irrtum des Roderich von Toledo beim Abgleich der Mondjahre der Hedschra mit den Julianischen Jahren hat Baronius, Mariana und den ganzen Schwarm spanischer Historiker dazu gebracht, die ersten Invasion in das Jahr 713 und die Schlacht bei Xeres in den November 714 zu verlegen. Diesen Anachronismus von drei Jahren haben die genaueren Untersuchungen der neueren Historiker, vor allem Pagi (Critics, tom. III, p. 164. 171-174) richtig gestellt. Gegenwärtig erweist sich ein Kenner des Arabischen, Cardonne, durch seine Übernahme des alten Irrtums (tom. I, p. 75) als unentschuldbar ahnungs- oder sorglos. ist der Monat Ramadam des 91. Jahres der Hedschra im Monat Juli, 748 nach Caesars spanischer Zeitrechnung Die Zeitrechnung nach Caesar, die in Spanien von Gesetzes wegen und im täglichen Leben bis in das 14. Jh. üblich war, beginnt im Jahr 38 v.Chr. Ich meine den Ursprung dieser Zählung von dem allgemeinen Frieden zu Wasser und zu Lande herleiten zu können, durch welchen auch die Machtteilung der Triumvirn bekräftigt wurde (Dion. Cassius, 48, p. 547. 553. Appian de Bell. Civil. 5, p. 1034, edit. fol). Spanien war eine Provinz des Octavianus. Und Tarragona, welches den ersten Augustustempel errichtete (Tac. Ann. 1,78), hat diese Art der Schmeichelei wohl von den Orientalen abgesehen. und 710 Jahre nach Christi Geburt. Von dieser ihrer ersten Station marschierten sie dann achtzehn Meilen durch Hügelland bis vor die Festung und Stadt Julians Die Heerstarße, das Land, das alte Schloss von Graf Julian und der spanische Aberglaube an versteckte Schätze wird von Pater Labat (Voyages en Espagne et en Italie, tom I, p. 207-217) mit seiner üblichen Würze an Nettigkeiten geschildert., welcher sie (noch heute heißt sie Algesiras) den Namen grüne Insel verliehen nach einem grünen Vorgebirge, das in die See hinausläuft. Die gastfreundliche Aufnahme, die Christen, die sich ihrer Fahne anschlossen, ihr Einfall in eine fruchtbare und schutzlose Provinz, die üppige Beute und die ungefährdete Rückkehr waren für ihre Glaubensbrüder die allergünstigsten Vorzeichen künftiger Siege. Im folgenden Frühjahr wurden fünftausend Veteranen und Freiwillige unter dem Kommando des Tarik eingeschifft, eines unerschrockenen und viel bewährten Kriegers, welcher die Erwartungen seines Oberfeldherren sogar noch übertraf. Die erforderlichen Transportfahrzeuge hatte ihr allzu getreuer Verbündeter mit viel Fleiß bereitgestellt.

IHRE ZWEITE LANDUNG – APRIL 711

Die Sarazenen landeten Der nubische Geograph (p. 154) erklärt die topographischen Einzelheiten des Krieges; aber es ist in hohem Maße unwahrscheinlich, dass der Heerführer von Musa den völlig nutzlosen Verzweiflungsakt begangen haben sollte, seine eigene Flotte zu verbrennen. bei der so genannten Säule oder Spitze Europas; die verderbte und allgemein übliche Bezeichnung »Gibraltar« (Gebel el Tarik) bedeutet »Berg des Tarik«. Und die Verschanzungen seines Lagers waren die ersten Andeutungen jener Festung, die, in den Händen unserer Landsleute, in der Folgezeit aller Kunst und Macht des Hauses der Bourbonen erfolgreich widerstanden hat. Die Statthalter der Nachbarprovinzen benachrichtigten den Hof von Toledo über die Landung der Araber; und die Niederlage seines Feldherren Ediko, der die kecken Eindringlinge ergreifen und in Bande schlagen sollte, gab Roderich eine Vorstellung von der Größe der Gefahr. Auf Geheiß des Gotenkönigs versammelten sich die Großen der Krone, Herzöge, Grafen, Bischöfe und Adel an der Spitze ihres Gefolges; und den Titel ›König der Römer‹, den ein arabischer Historiker an dieser Stelle eingeflochten hat, kann man wegen der Verwandtschaft von Sprache, Religion und Sitten der Völker Spaniens durchgehen lassen. Roderichs Armee bestand aus neunzig- bis hunderttausend Mann: eine erschreckende Macht, wenn ihre Zuverlässigkeit und Disziplin doch nur ihrer Zahlenstärke entsprochen hätte! Tariks Truppen waren auf zwölftausend Sarazenen verstärkt worden; Julians hohes Ansehen lockte die Missvergnügten unter den Christenmenschen unter seine Fahne, und ein Schwarm Afrikaner eilte herzu, begierig, auch einmal von den irdischen Segnungen des Korans zu kosten.

Xeres Xeres (Jeres, die altrömische Kolonie von Asta Regia) liegt nur zwei Meilen von Cadiz entfernt. Im 16. Jh. war die Landschaft eine Kornkammer; und der Wein von Xeres ist europaweit rühmlich bekannt (Lud. Nonii Hispania, 13, p. 54-56, ein Werk voll präziser und konziser Gelehrsamkeit; d'Anville, Etats de l'Europe p. 154)., eine in der Nähe von Cadiz gelegen Stadt, ist berühmt geworden durch das Gefecht, welches über das Schicksal eines Königreiches entscheiden sollte (19 – 26. Juli 711); der Fluss Guadalete, der in die Bucht mündet, trennte die beiden Lager und markierte die Angriffs- oder Rückzugsgefechte an drei aufeinander folgenden, blutigen Tagen. Am vierten Tage kam es zwischen beiden Heeren zu einem ernsteren und entscheidendem Kampf; doch hätte Alarich beim Anblick seines unwürdigen Nachfolgers erröten müssen, der auf dem Haupte ein perlenbesetztes Diadem trug, von üppigen Seidengewändern mit Gold- und Silberstickereien umflattert wurde und lässig hingelehnt auf einer Sänfte oder in einem Wagen von Elfenbein saß, den zwei weiße Maultiere zogen. Trotz ihrer Tapferkeit mussten die Sarazenen der schieren Übermasse des Gegners nachgeben, und sechstausend Araber lagen tot auf der Ebene vor Xeres verstreut. »Meine Brüder,« sprach Tarik zu seinen überlebenden Gefährten, »vor euch ist der Feind, hinter euch das Meer; wohin wollt ihr fliehen? Folgt eurem General! Ich bin fest entschlossen, entweder mein Leben zu verlieren oder dem niedergestreckten römischen König den Fuß in den Nacken zu setzen.«

Abgesehen von der Wirkung von Verzweiflungstaten vertraute er auch noch auf die geheime Kommunikation und die nächtlichen Zusammenkünfte des Grafen Julian mit den Söhnen und Brüdern des Witika. Die beiden Fürsten und der Erzbischof von Toledo hatten die wichtigsten Posten inne; ihr wohlzeitiger Abfall und Verrat paralysierte die Reihe der Christen: Misstrauen und Furcht bestimmte jedweden Krieger, zunächst einmal für sein eigenes Wohlergehen zu sorgen; und was dann von dem Gotenheer noch übrig war, wurde in den folgenden drei Tagen auf der Flucht oder in der Verfolgung zerstreut oder niedergemacht. Inmitten der allgemeinen Auflösungen sprang Roderich von seinem Streitwagen und bestieg Orelia, das schnellste seiner Pferde; aber er entging dem Soldatentod nur, um ruhmlos im Wasser des Guadalquivir zu verderben. Sein Diadem, seine Robe und sein Renner wurden am Ufer aufgefunden; da aber der Fluss den Leichnam des Gotenkönigs fortgetragen hatte, mussten sich der Stolz und die Ahnungslosigkeit des Kalifen mit einem geringeren Haupte begnügen, das man vor dem Palast zu Damaskus im Triumphe ausstellte. »Und dies,« so die Worte eines tapferen arabischen Historikers, »soll auch das Ende all derjenigen Könige sein, die sich vom Schlachtfeld zurückziehen. »Id sane infortunii regibus pedem ex acie referentibus saepe contingit.« Heißt es bei Ben Hazil von Grenada, in Bibliot. Arabico-Hispana. tom. II, p. 337. Einige leichtgläubige Spanier glauben allerdings, dass Roderich oder Rodrigo in die Behausung eines Einsiedlers entkommen sei; während andere meinen, er sei bei lebendigem Leibe in ein Fass mit Schlangen geworfen worden, aus dem er sich dann mit klagende Stimme vernehmen ließ: »Sie verschlingen mir das Glied, mit dem ich am schwersten gesündigt habe.« (Don Quixote, part II, 3,1.)«

UNTERGANG DER WESTGOTISCHEN MONARCHIE 711

Der Graf Julian war so tief in Schuld und Schande versunken, dass seine einzige Hoffnung auf dem Untergang seines Landes beruhte. Folglich gab er nach der Schlacht von Xeres den siegreichen Sarazenen nutzbringende Hinweise: »Der König der Goten,« so seine Rede, »liegt erschlagen; seine Fürsten sind vor dir geflohen; das Heer ist aufgelöst, das Volk ist fassungslos. Stelle durch hinreichende Kontingente den Besitz der Städte von Boetica sicher; du selbst aber ziehe ohne Verzug in die Königsstadt Toledo und gib den verzweifelten Christen nicht Zeit noch Ruhe, sich einen neun König zu erkiesen.« – Tarik verschloss sich diesem Rat nicht. Ein gefangener Römer und Proselyt, dem der Kalif persönlich die Freiheit geschenkt hatte, zog mit siebenhundert Reitern gen Cordoba; er schwamm durch den Fluss, überrumpelte die Stadt und drängte die Christen in die große Kathedrale, wo sie sich ein viertel Jahr halten konnten. Ein anderes Detachement unterwarf den Küstenstreifen von Baetica, der in der Endphase der maurischen Vorherrschaft auf mäßigem Raum das dicht bevölkerte Königreich von Grenada in sich begriff. Der Vorstoß Tariks von Boetis nach Tago Den kürzesten Weg von Cordoba nach Toledo haben die Maultiere von Herrn Swinburn in 72,5 Stunden zurückgelegt. Aber für die langsamen und kurvenreichen Marschleistungen der Armeen muss man längere Zeiten in Anschlag bringen. Die Araber durchzogen die Provinz von La Mancha, die Cervantes' Feder den Lesern aller Völker in einen klassischen Gegenstand verwandelt hat. führte über die Sierra Morena, die Andalusien und Kastilien scheidet, bis er in Waffen vor den Toren von Toledo erschienen war Die Altertümer von Toledo, des urbs Parva der punischen Kriege und der urbs Regia im 6. Jh., hat Nonius (Hispania, c. 59, p. 181-136) in knappen Worten beschrieben. Er borgt sich von Roderich das fatale Palatium der maurischen Porträts; aber er lässt in aller Bescheidenheit durchblicken, dass es nichts weiter war als ein römisches Amphitheater..

Die glaubensstärksten Katholiken waren mit ihren Heiligenreliquien entflohen, und wenn die Tore verschlossen waren, dann nur solange, bis der Sieger eine anständige und vertretbare Kapitulation unterzeichnet hatte. Freiwillige Auswanderer durften ihre Habe mit sich nehmen; sieben Kirchen blieben den christlichen Gottesdiensten vorbehalten; der Erzbischof und der Klerus durften weiterhin in ihren Funktionen tätig sein, die Mönche konnten frei entscheiden, ob sie ihre Bußübungen fortsetzen oder aufgeben wollten; und in allen Fällen von Zivil- oder Strafgerichtsbarkeit durften die Goten und Römer sich ihren eigenen Gesetzen und der eigenen unteren Gerichtsbarkeit unterwerfen. Doch wenn Tariks Gerechtigkeit die Christen schützte, so besaß er auch genug Anstand und Staatsklugheit, die Juden zu belohnen, deren versteckter oder offener Unterstützung er seine wichtigsten Erfolge zu danken hatte. Verfolgt von Königen und Synoden Spaniens, die sie oft genug genötigt hatten, sich zwischen Verbannung und Taufe zu entscheiden, nutzte dieses bedrängte Volk den Augenblick der Vergeltung: der Unterschied zwischen ihrem früheren und gegenwärtigen Sein war die Garantie für ihr Wohlverhalten und ihre Treue. Und tatsächlich hatte bis zu dem Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Vertreibung das Bündnis der Jünger Moses' und Mohammeds festen Bestand.

Von seinem Königssitz in Toledo dehnte der arabische General seine Eroberungszüge nach Norden aus, den heutigen Königreichen von Kastilien und Leon; es wäre jedoch überflüssig, jetzt alle die Städte aufzuzählen, welche sich bei seinem Herannahen ergaben, oder neuerlich die Smaragdtafel zu beschreiben, die einst von den Römern aus dem Osten gebracht, von den Goten als römische Beute erworben In der Historia Arabum (c. 9, p. 17, ad calcem Elmacin) beschreibt Roderich von Toledo die Smaragdtafeln und fügt den Namen Medinat Ahneyda in arabischen Buchstaben und Worten ein. Er scheint mit den moslemischen Historikern vertraut gewesen zu sein. Aber ich kann nicht Herrn de Guignes beipflichten, (Hist. des Huns, tom. I, p. 350), er habe Novairi gelesen und exzerpiert, denn er war bereits 100 Jahre tot, als Novairi seine Geschichtswerk schrieb. Dieser Fehler beruht auf einem noch gröberen Irrtum: Herr de Guignes verwechselt nämlich den Historiker Roderich Ximines, Erzbischof von Toledo aus dem 13. Jh. mit Kardinal Ximines, der im 16. Jh. die Regierungsgeschäfte in Spanien führte und oft Gegenstand, aber nicht Verfasser historischer Werke war. und von den Arabern dem Thron von Damaskus überreicht worden sind. Jenseits der Berge Asturiens war am Hafen von Gijon der Grenzpunkt Tarik hätte in den letzten Felsen die prahlsüchtige Inschrift des Regnard und seiner Gefährten von ihrer lappländischen Reise einmeißeln können: »Hic tandem stetimus, nobis ubi defuit orbis.« (Hier endlich machten wir Halt, da uns die Welt fehlte). für Musas Stellvertreter erreicht, welcher mit dem Tempo eines Reisenden seinen Siegesmarsch vom Felsen von Gibraltar bis zur Biskaya vollendet hatte. Mangel an Beuteland nötigte ihn zum Rückzug. Er wurde nach Toledo zurückgerufen, um sich für seine Verwegenheit zu rechtfertigen, dass er in der Abwesenheit seines Oberfeldherren ein ganzes Königreich erobert hatte.

Spanien, das vordem, in rohen und ungeordneten Läuften, der römischen Macht zweihundert Jahre erfolgreich widerstanden hatte, wurde in ein paar Monaten von der Macht der Sarazenen überrannt; und so groß war die Bereitschaft zur Unterwerfung und zu Vertragsabschlüssen, dass der Statthalter von Cordova rühmlich genannt wird als der einzige Befehlshaber, der ohne Bedingungen als Kriegsgefangener in ihre Hand geriet. Die Sache der Goten war auf dem Schlachtfeld von Xeres endgültig untergegangen; und in der allgemeinen Bestürzung trug jedweder Teil der Monarchie ernste Bedenken, sich mit einem Gegner anzulegen, der die vereinte Macht des Ganzen bereits überwunden hatte Dies jedenfalls war das Argument des ungetreuen Oppas, auf das nicht jeder Befehlshaber, welchem es vorgelegt wurde, mit dem Mute des Pelagius antwortete: Omnis Hispania dudum sub uno regimine Gothorum, omnis exercitus Hispaniae in uno congregatus Ismaelitarum non valuit sustinere impetum. (Kürzlich hat das gesamte, unter einer gotischen Herrschaft stehende Spanien und das gesamte, vereinigte Heer dem Angriff der Ismaeliten nicht standhalten können. Chron. Alphonsi Regis, apud Pagi, tom. III, p. 177).. Diese Kraft war durch zwei aufeinander folgende Hunger- und Pestepidemien gebrochen worden; und die Statthalter, die schon ungeduldig waren, sich zu ergeben, mochten wohl die Schwierigkeiten übertreiben, Vorräte für eine Belagerung anzusammeln. Auch der Aberglaube tat das Seine, die Christenheit zu entwaffnen: und mit schlauer Berechnung beförderten die Araber die Gerüchte von Träumen, Omen und Gesichten von übler Vorbedeutung sowie von den Bildnissen der zu Spaniens Eroberung Auserkorenen, die man bei Öffnen eines Raumes im Königspalast gefunden hatte. Doch hatte sich immer noch ein Funken von Lebenskraft erhalten: einige unbezwingbare Flüchtlinge zogen es vor, ein Leben der Armut und Freiheit in den Tälern Asturiens zu fristen; die kühnen Bergbewohner trieben die Sklaven des Kalifen zurück, und aus dem Schwert des Pelagius ist das Szepter der katholischen Könige geworden Das Wiederaufleben des gotischen Königreiches in Asturien ist eindeutig, wenn auch sehr knapp von d'Anville (Etats de l'Europe, p. 159) beschrieben worden..

EROBERUNG SPANIENS DURCH MUSA 712-713

Die Nachrichten von diesen raschen Erfolgen machten, dass Musas freundlicher Beifall sich zu Neid verkehrte, und er fing an, nicht darüber zu klagen, sondern zu befürchten, dass ihm nun von Tarik gar nichts mehr zum Erobern übrig gelassen werde. An der Spitze von zehntausend Arabern und achttausend Afrikanern setzte er in höchsteigener Person von Mauretanien nach Spanien über. Seine vornehmsten Begleiter waren Edle aus dem Hause der Koreschiten. Seinen ältesten Sohn ließ er in Afrika zurück, damit er dort das Regiment führe; die drei jüngeren waren in das Alter eingetreten, dass sie ihrem Vater auch bei seinen kühnsten Unternehmungen beistehen konnten. Dieser wurde bei seiner Landung in Algeziras von Julian mit allem Respekt empfangen, der seine Reue erstickte und in Wort und Tat zu erkennen gab, dass der Sieg der Araber seine Sympathie für ihre Sache nicht gemindert habe.

Ein paar Feinde waren für Musas Schwert noch übrig geblieben. In später Reue hatten die Goten ihre eigene Anzahl mit der der Eindringlinge verglichen; die Städte, die Tarik auf seinem Siegeszug unbehelligt gelassen hatte, hielten sich für uneinnehmbar; und zum Schutze der Festungen von Sevilla und Merida waren die tapfersten Patrioten angetreten. Sie wurden nacheinander durch Musas Kraftanstrengungen belagert und bezwungen, welcher sein Heerlager vom Boetis an den Anas und vom Guadalquivir an den Guadiana verlegte. Als er die Zeugnisse römischer Größe sah, die Brücke, die Aquädukte, den Triumphbogen und das Theater der alten Hauptstadt Lusitaniens, sprach er wie folgt zu seinen vier Begleitern: »Ich wollte meinen, das die Menschheit ihre ganze Kunst und Macht vereinigt haben müsse, um diese Stadt aufzuführen; glücklich der Mann, der über sie gebietet.« Er strebte selbst danach, dieser Glückliche zu sein, aber die Emeritaner machten bei dieser Gelegenheit ihre Abstammung von den Veteranen des Augustus geltend Die ehrenreichen Krieger, Überlebende des cantabrischen Krieges (Dion Cassius, 53, p. 720) wurden in dieser Hauptstadt Lusitaniens und vielleicht sogar ganz Spaniens angesiedelt. Nonius (Hispania, c. 31, p. 106-110) zählt die antiken Gebäude auf, endet aber mit einem Seufzen: Urbs haec olim nobilissima ad magnam incolarum infrequentiam delapsa est, et praeter priscae claritatis ruinas nihil ostendit. (Diese Stadt, einst die bedeutendste, ist herabgesunken zu großer Ödnis, und außer den Ruinen vergangener Größe hat sie nicht vorzuweisen).. Sie schätzten die Sicherheit hinter ihren Mauern gering und stellte sich den Arabern auf offenem Feld zur Schlacht; aber eine in den Hinterhalt einer Ruine oder eines Steinbruchs gelegte Abteilung brach hervor, bestraften ihren Leichtsinn und schnitten ihnen den Rückzug ab. Die hölzernen Belagerungstürme wurden bis zum Fuß der Mauern gerollt. Doch der Widerstand von Merida war hartnäckig und ausdauernd; und das Schloss der Märtyrer blieb für alle Zeiten ein Denkmal für die gefallenen Moslems.

Endlich bezwangen Hunger und Mutlosigkeit den Widerstand der Belagerten; und der Sieger war klug genug, seine Ungeduld hinter den Namen der Milde und der Achtung zu verbergen. Auch hier wurden Exil oder Tribut als Alternative angeboten; die beiden Religionen teilten sich die Kirchen; und das Vermögen derer, die während der Belagerung gefallen oder nach Galizien geflohen waren, wurde eingezogen und unter den Gläubigen als Belohnung verteilt. Auf halber Strecke zwischen Merida und Toledo entbot der Stellvertreter Musas dem Stellvertreter des Kalifen seine Ehrerbietung und führte ihn in den Palast des Gotenkönigs. Ihre erste Unterredung war kühl-sachlich: eine genaue Rechnungslegung über die Schätze Spaniens wurde verlangt. Tarik wurde nicht nur verdächtigt und geschmäht, sondern sogar noch eingekerkert und – dies war die schimpflichste Herabsetzung – von Musa selbst oder sogar auf seine Anordnung hin ausgepeitscht. Doch war die Kriegsdisziplin der Moslems der Frühzeit so streng, ihr Religionseifer so ungetrübt oder ihr Selbstbewusstsein so schwach, dass Tarik nach dieser öffentlichen Abstrafung wieder in den Dienst eintreten und sich bei der Unterwerfung der Provinz Tarragona bewähren durfte. In Saragossa wurde auf Rechnung der Koreischiten eine Moschee errichtet; der Hafen bei Barcelona wurde für die syrischen Schiffe geöffnet, und die Goten über die Pyrenäen bis in ihre gallische Provinz Septimania oder Languedoc verfolgt Beide Übersetzer des Novairi De Guignes (Hist. des Huns, tom. I, p. 349) und Cardonne, (Hist. de l'Afrique et de l'Espagne, tom. I, p. 93, 94, 104, 135) führen Musa bis in des narbonnesische Gallien. Doch kann ich weder bei Roderich von Toledo oder in den mss. des Escorial Hinweise auf diese Unternehmung finden, und in einer französische Chronik wird der Einfall der Sarazenen bis in des neunte Jahr nach der Eroberung Spaniens (A.D. 721) verschoben (Pagi, Critica, tom. III, p. 177, 195. Historians of France, tom. III). Ich bezweifle sehr ob Pagi jemals die Pyrenäen überquert hat..

In der Marienkirche zu Carcassone fand Musa – es gilt allerdings für wenig wahrscheinlich, dass er sie dort beließ – sieben Reiterstatuen aus gediegenem Silber; und von seiner Grenze oder Säule bei Narbonne kehrte er auf demselben Wege wieder zurück an die galizischen und lusitanischen Küsten des Ozeans. Während der Abwesenheit seines Vaters züchtigte sein Sohn Abdelaziz die Aufrührer in Sevilla und unterwarf die Mittelmeerküste zwischen Malaga bis Valentia; sein Vertrag mit dem umsichtigen und tapferen Theodimir Noch 400 Jahre nach Theodimit führten seine Besitzungen Murcia und Carthagena bei dem nubischen Geographen Edrisi (p, 154, 161) den Namen Todmir, (D'Anville, Etats de l'Europe, p. 156. Pagi, tom. III, p. 174). Selbst bei gegenwärtigem Niedergang der spanischen Landwirtschaft betrachtet Herr Swinburne (Travels into Spain, p. 119) mit Lust das liebliche Tal zwischen Murcia und Oriuhela, 4,5 Meilen von schönstem Getreide, Kräutern, Luzerne, Pomeranzen u.a.m. ist geeignet, uns eine Vorstellung von den Sitten und der Politik jener Zeiten zu geben. »Friedensbeindingungen, vereinbart und beschworen zwischen Abdelzaziz, dem Sohne Musas, des Sohnes Nasirs und Theodimir, dem Fürsten der Goten. Im Namen des allergnädigsten Gottes scgließt Abdelzaziz Frieden zu den folgenden Bedingungen: dass weder dem Theodimir selbst in seinem Fürstentum nachgestellt noch dem Leben oder dem Eigentum, den Weibern oder Kindern, der Religion oder den Tempeln der Christen Unbilde angetan werde; dass Theodimir seine sieben Städte Orihuela, Valentola, Alicanti Mola, Vacasora, Bigerra, (heute Bejar,) Ora, (oder Opta,) und Lorca ohne weiteres übergebe; dass er den Gegnern des Kalifen nicht beistehe oder Schutz gewähre, sondern jedwede Wissenschaft von feindlichen Anschlägen getreulich vermelde; dass er selbst und jeder Gote von Adel jährlich ein Goldstück, ein Maß Weizen und ebensoviel Gerste und eine bestimmte Menge Honig, Öl und Essig entrichte und jeder ihrer Vasallen die Hälfte obgenannter Abgaben leiste. Gegeben am vierten Tage des Regeb im Jahre 94 der Hedschra und unterschrieben mit den Namen von vier moslemischer Zeugen Man kann den Vertrag in arabischer und lateinischer Sprache lesen in der Bibliotheca Arabico-Hispana, tom. II, p. 105, 106. Er ist unterschrieben am 4. Tag des Monats Regeb A.H. 94 (5. April A.D. 713), welche Zeitberechnung den Widerstand Theodimirs und die Regierungstätigkeit Musas merklich verlängern würde.

Theodimir und seine Untertanen wurde mit ungewöhnlicher Nachsicht bedacht; doch scheint die Höhe des Tributes zwischen einem Zehntel und einem Fünftel geschwankt zu haben, je nach Unterwürfigkeit oder Hartnäckigkeit der Christen Aus der Historie von Sandoval hat uns Fleury (Hist. Eccles. tom. IX, p. 261) den Inhalt eines anderen Friedensvertrages überliefert, der A.D. 782 zwischen einem arabischen General und den Goten und Römern des Gebietes um Combrai in Portugal geschlossen wurde. Hier wird die Kirchensteuer auf 25, der Klöster auf 50 und der Kathedralen auf 100 Pfund Gold festgelegt. Die Christen haben ihre eigene Gerichtsbarkeit, müssen sich aber bei Kapitaldelikten an den Alkaden wenden. Die Kirchentüren mussten geschlossen bleiben, und sie mussten den Namen Mohammeds in Ehren halten. Das Original liegt mir nicht vor; es könnte meinen finsteren Argwohn bestätigen oder zerstreuen, dass die Urkunde gefälscht wurde, um die Steuerfreiheit eines benachbarten Klosters zu begründen.. Manches Unheil wurde während dieser Unwälzungen von den fleischlichen und religiösen Leidenschaften jener Religionsschwärmer gestiftet: einige Kirchen wurde durch die neue Gottesverehrung entweiht; einige Reliquien oder Heiligenportraits verwechselte man mit Götzenbildern; die Widersetzlichen starben durch die Schärfe des Schwertes, und eine Stadt (ein unbekannter Ort zwischen Cordova und Sevilla wurde von der Erde getilgt. Doch wenn wir die Invasion Spaniens durch die Goten oder seine Wiedereroberung durch die Könige von Kastilien und Aragonien zum Vergleich heranziehen, dann können wir einfach der Mäßigung und der Disziplin der arabischen Eroberer unseren Beifall nicht versagen.

MUSA FÄLLT IN UNGNADE-714

Musa hatte seine größten Leistungen am Abend seines Lebens vollbracht, obgleich er sein Alter zu verbergen suchte, indem er seinen weißen Bart mit einem roten Pulver einstäubte. Was nun aber seine Unternehmungslust und seine Ruhmbegierde betraf, so glühte in seiner Brust nach wie vor das Feuer der Jugend, und der Besitz von Spanien war ihm nur der erste Schritt zu einer Monarchie von Europa. Mit einer gewaltigen Land- und Seestreitmacht bereitete et sich darauf vor, erneut die Pyrenäen zu überqueren, die darniederliegenden Königreiche der Franken und Langobarden endgültig zu tilgen und am Altar des Vatikan von der Einheit Gottes zu predigen. Dann würde er nach der Unterwerfung der Barbaren Germaniens dem Laufe der Donau von der Quelle bis zum Schwarzen Meer folgen, das griechische oder auch römische Kaiserreich zu Konstantinopel und im Anschluss an seine Rückkehr von Europa nach Asien seine Neuerwerbungen mit Antiochia und den syrischen Provinzen vereinen Diesen Eroberungsplan, der von mehreren arabischen Historikern bestätigt wird, (Cardonne, tom. I, p. 95, 96) kann man vergleichen mit den Entwürfen des Mithridates, aus der Krim nach Rom zu ziehen; oder denen Caesars, den Osten zu erobern und von Norden her wieder nach Italien zurück zu kehren: und denen von Hannibal, der alle drei mit seinen tatsächlichen und erfolgreichen Unternehmungen übertroffen hat..

Doch musste dieses gewaltige Vorhaben, dessen Durchführung gar nicht einmal so schwer sein mochte, beschränkten Gemütern übersteigert vorkommen; und schon bald wurde der visionäre Feldherr daran erinnert, dass er abhängig und an Befehle gebunden war. Tariks Freunde hatten seine, Tariks, Verdienste und das ihm widerfahrene Unrecht auf eindrucksvolle Weise zur Anzeige gebracht, und gar bald wurde am Hof zu Damaskus Musas Amtsführung missbilligt, seine Entwürfe wurden beargwöhnt; und da er zögerte, sich auf die erste Einladung hin einzufinden, wurde er ein zweites Mal, diesmal aber strenger und nachdrücklicher, einbestellt. Ein furchtloser Bote des Kalifen betrat sein Heerlager zu Lugo in Galizien und griff im Beisein von Sarazenen und Christen seinem Pferd in die Zügel. Seine Treue oder die seiner Krieger schärfte ihm die Gehorsamspflicht ein, und zusätzlich wurde seine missliche Lage erleichtert, da sein Nebenbuhler zur gleichen Zeit abberufen wurde und er die Erlaubnis erhielt, seine beiden Söhne Abdalla und Abdelaziz in seine beiden Statthalterschaften einzusetzen. Auf seinem langen Triumphzug von Ceuta bis Damaskus bekam man die Beute des afrikanischen und spanischen Feldzuges zu Gesicht: vierhundert gotische Edle mit goldenen Gürteln und Kronen zierten sein Gefolge; und die Anzahl der Gefangenen beiderlei Geschlechtes, die man wegen ihrer hohen Geburt oder ihrer Schönheit ausgewählt hatte, wurden auf achtzehn-, gar dreißigtausend Personen geschätzt.

Kaum war Musa in Tiberias zu Palästina angekommen, erfuhr er von der Erkrankung und akuten Lebensgefahr des Kalifen, welche Botschaft ihm Solyman, dessen Bruder und vermutlicher Thronerbe, auf geheimen Wegen hatte zukommen lassen, denn er wünschte, für seine eigene Regierung dieses Triumph-Schauspiel aufzusparen. Wäre Walid genesen, dann hätte man Musas Zögern als Verbrechen angesehen: er setzte also seinen Zug fort und fand einen Feind auf dem Thron. In einer Untersuchung vor einem parteiischen Richter und gegen einen populären Gegner wies man ihm Eitelkeit nach und Unterschleif, und eine Buße von zweihunderttausend Goldstücken erschöpfte entweder sein mäßiges Vermögen oder lieferte den Nachweis für seine Habgier. Auch die Misshandlung des Tarik ward auf die gleiche würdelose Methode gerächt; und dann musste der greise General nach einer öffentlichen Auspeitschung einen ganzen Tag in der Sonne vor dem Palast Wache stehen, bis er die Erlaubnis zu einem anständigen Exil erhielt, das die fromme Benennung einer Mekka-Wallfahrt erhielt. Der Grimm des Kalifen hätte wohl an diesem Untergang des Musa sei Genüge finden können, aber in seiner Angst verlangte es ihn nach der Ausrottung der gekränkten und einflussreichen Familie. Ein geheimes Todesurteil wurde in Eile nach Afrika und Spanien zu den bewährten Dienern des Thrones auf den Weg gebracht; und zumindest die äußeren Formen des Rechtes, wo nicht sein ganzes Wesen wurden bei dieser blutigen Exekution außer Kraft gesetzt. Abdelaziz wurde in Cordova in der Moschee oder im Palast von den Schwertern der Verschwörer erschlagen; sie unterstellten ihrem Statthalter, er strebe nach königlichen Ehrerweisungen; und seine skandalöse Heirat mit Egilona, Roderichs Witwe, kränkte die christliche und islamische Borniertheit gleichermaßen. In einer Art von geschmäcklerischer Grausamkeit legte man dem Vater das Haupt des Sohnes vor und stellte die höhnische Frage, ob er wohl die Züge wieder erkenne? »Ich kenne sie wohl,« rief er mit Entrüstung aus, »ich behaupte eine Unschuld und flehe zu Gott um ein gleiches, gerechtes Schicksal für seine Mörder.« Musas Alter und seine Verzweiflung machten ihn für die Macht der Könige unerreichbar; und so verschied er in Mekka an gebrochenem Herzen. Seinem Nebenbuhler Tarik erging es besser; man verzieh ihm seine Erfolge und erlaubte ihm, sich unter den Schwärmen einfacher Sklaven zu verkriechen Ich bedaure, dass zwei arabische Schriften aus dem 8. Jh., eine Musa-Biographie und ein Gedicht zu Tariks Heldentaten uns verloren sind oder doch wenigstens für mich nicht aufzutreiben waren. Der Verfasser der ersten Textes war ein Enkel von Musa, der dem Blutbad an seinen Verwandten entgangen war, der zweite aber stammt von dem Wesir des ersten Abdalrahman, Kalifes von Spanien, der mit einigen Veteranen des Eroberers noch Umgang gehabt haben konnte. (Bibliot. Arabico-Hispana, tom. II, p. 36, 139.).

Es ist mit unbekannt, ob der Graf Iulian die Todesstrafe erhalten hatte, die er sich allerdings verdient hatte, wenn auch nicht eben von der Hand der Sarazenen; aber die Legende ihrer Undankbarkeit gegen die Söhne Witizas wird von den eindeutigsten Zeugnissen widerlegt. Die beiden Fürstensöhne wurden in das Erbteil ihres Vaters eingesetzt, doch nach dem Tode des älteren, Eba, wurde seine Tochter rechtswidrig durch ihren Onkel ihres Anteils beraubt. Die gotische Maid trug ihre Klage dem Kalifen Haschim vor und erhielt ihr Erbe zurück, wurde einem Araber von Adel zur Frau gegeben, und Ibrahim und Isaac wurden in Spanien mit derjenigen Achtung aufgenommen, die ihrem Reichtum und ihrer Herkunft angemessen war.

WOHLSTAND SPANIENS UNTER DEN ARABERN

Ein erobertes Land wird dem siegreichen Staat im Laufe der Zeit immer ähnlicher, teils durch Ansiedlung der Fremden, teils infolge der Bereitschaft der Einheimischen zur Nachahmung; Spanien, das nacheinander unter punischen, römischen und gotischen Einflüssen gestanden hatte, machte sich in wenigen Generationen den arabischen Namen und ihre Gebräuche zu eigen. Die ersten Eroberer und die zwanzig nachfolgenden Stellvertreter der Kalifen waren stets von einem umfänglichen Gefolge aus dem zivilen und militärischen Stand begleitet, die ihr Glück lieber in der Fremde suchten als in ihren beengten heimatlichen Verhältnissen. Die Gründung getreuer Pflanzstädte war auch zum Besten des öffentlichen und des privaten Interessen, und spanische Städte rühmten sich, das Andenken an das Land oder den Stamm ihrer orientalischen Begründer zu bewahren. Die siegreichen, wenngleich buntscheckigen Haufen von Musa und Tarik nannten sich Spanier und behaupteten dadurch ihren ursprünglichen Anspruch auf die Eroberung des Landes; doch gestatteten sie ihren Glaubensbrüdern aus Ägypten, an ihren Niederlassungen in Murcia und Lissabon teilzuhaben. Die königliche Legion von Damaskus schlug ihren Sitz in Cordova auf, die von Emesa in Sevilla, die von Kinnisrin oder Chalcis in Jaen, die von Palästina in Algazir und Medina Sidonia. Die Eingeborenen Persiens und des Yemen wurden um Toledo und im Landesinneren angesiedelt, und die fruchtbaren Weideländer von Grenada wurden zehntausend syrischen und irakischen Reitern zugesprochen, den Abkömmlingen der reinsten und edelsten arabischen Stämme Bibliot. Arab. Hispana, tom. II, p. 32, 252. Die erste der beiden Belegstellen stammt aus der Biographia Hispanica, eines Arabers aus Valentia, (siehe die reichhaltigen Auszüge des Casiri, tom. II, p. 30-121); die zweite stammt aus einer allgemeinen Chronologie der Kalifen sowie der afrikanischen und spanischen Dynastien, zusammen mit einer speziellen Geschichte des Königreichs Grenada, die Casiri fast vollständig mitteilt (Bibliot. Arabico-Hispana, tom. II, p. 177-319). Der Verfasser Ebn Khateb, geb. zu Grenada und Zeitgenosse von Novairi und Abulfeda (1313-1374) war Historiker, Geograph, Arzt, Poet u.a.m. (tom II, p. 71f.).

Zwischen diesen Erb-Faktionen war ein Geist des Wettbewerbs lebendig, der zuweilen wohltätig, öfters aber heikel war. Zehn Jahre nach der Eroberung legte man dem Kalifen eine Karte des Landes vor; auf ihr waren die Seen, Flüsse und Häfen angegeben, die Einwohner und Städte, Angaben zum Klima, Boden und den mineralischen Erzeugnissen des Bodens Cardonne, Hist. de l'Afrique et de l'Espagne, tom. II, p. 116, 117.. Innert zweihundert Jahren wurden diese Geschenke der Natur an ein regsames Volk durch Ackerbau, Manufakturen und den Handel vermehrt Es befindet sich im Escorial eine umfangreiche Abhandlung über Landwirtschaft aus der Feder eines Arabers aus dem Sevilla des 12. Jh. Casiri plante eine Übersetzung. Er stellt eine Liste der zitierten griechischen, arabischen, lateinischen u.a. Autoren auf; doch es ist schon viel, wenn dieser Andalusier diese Fremden mit den Augen seines Landsmannes Columella gesehen hat. (Casiri, Bibliot. Arabico-Hispana, tom. I, p. 323-338.), und die Früchte seines Fleißes sind durch seine flottierende Phantasie zusätzlich vermehrt worden. Der erste Ommiyade, der in Spanien das Szepter führte, benötigte den Beistand der Christen; und in seinem Friedens- und Schutzedikt begnügte er sich mit einer maßvollen Auflage von zehntausend Unzen Goldes, zehntausend Pfund Silber, zehntausend Pferden und ebenso vielen Maultieren, eintausend Brustpanzern und einer gleichgroßen Zahl von Helmen und Lanzen Bibliot. Arabico-Hispana, tom. II, p. 104. Casiri übersetzt das Originaldokument des Historikers Rasis, wie es angeführt wird in der arabischen Biographia Hispanica, pars IX. Ich bin jedoch höchlich erstaunt über die dem Buch vorangesetzte Widmung Principibus caeterisque Christianis, Hispanis suis Castellae. Im 8. Jh. war der Name Castellae unbekannt, das Königreich wurde nicht vor 1002 begründet, einhundert Jahre nach Rasis (Bibliot. tom. II, p. 330), und der Name hat seit je kein einzelnes tributpflichtiges Gebiet angedeutet, sondern eine Kette von Festungen, die den Mauren nicht untertan waren. (D'Anville, Etats de l'Europe, p. 166-170). Wäre Casiri ein Wissenschaftler gewesen, hätte er das Problem, das er vielleicht sogar selbst verschuldet hatte, nicht unerörtert gelassen.. Der mächtigste seiner Nachfolger zog aus diesem Königreich einen Jahrestribut von 12.000.045 Denaren oder Goldstücken, was etwa sechs Millionen Pfund Sterling entspricht Cardonne, tom I, p. 337f. Er berechnet die Einkünfte auf 130.000.000 franz. Livres. Das vollständige Bild von Wohlstand und Frieden relativiert die eintönigen moslemischen Blut-Annalen., welche Summe im 10. Jh. die gesammelten Einkünfte aller christlichen Monarchen überstieg. Sein königlicher Sitz zu Cordova beherbergte sechshundert Moscheen, neunhundert Bäder und zweihunderttausend Wohnhäuser; er war Gesetzgeber für achtzig Städte der ersten, dreihundert der zweiten und dritten Ordnung; und die fruchtbaren Flussauen des Guadalquivir schmückten sich mit zwölftausend Dörfern und Weilern. Die Araber mochten die Wahrheit überzeichnen; aber sie schufen und beschrieben die Epoche Spanien die glücklichste war, wenn man Wohlstand, die Kultur und die Einwohnerzahl in Anschlag bringt Ich schätze mich glücklich, im Besitz eines wunderschönen und inhaltsreichen Werkes zu sein, welches der Hof von Madrid nur als Geschenk verteilt hat: Bibliotheca Arabico-Hispana Escurialensis, opera et studio Michaelis Casiri, Syro Maronitoe. Matriti, in folio, tomus prior, 1760, tomus posterior, 1770. Die Fertigstellung dieses Bandes ist ein Ruhmesblatt für die spanische Buchdruckkunst; die Handschriften, in diesem Falle 11851 Stück, hat der Herausgeber mit Umsicht in Klassen geordnet, und seine umfänglichen Auszüge werfen einiges Licht auf die muslemische Literatur und Geschichte Spaniens. Diese Reliquien sind sichergestellt; aber man hat das Unternehmen lange Zeit vernachlässigt, bis eine Feuersbrunst im Jahre 1671 den größten Teil der Escorialbibliothek vernichtet hat, die an Schätzen aus Grenada und Marokko überreich war..

RELIGIÖSE TOLERANZ

Der Prophet hatte die Kriege der Moslems geheiligt; doch wählten sich die Kalifen von den vielen beispielgebenden Ereignissen und Vorschriften seines Lebens auch jene Lehrstücke der Toleranz, die geeignet schienen, den Widerstand der Ungläubigen zu entwaffnen. Arabien war der Tempel und das Erbteil des Gottes von Mohammed; doch blickte er, wenn auch mit geringerer Eifersucht und Zuneigung auf die übrigen Völker dieser Erde hernieder. Den Polytheisten und Götzendiener, denen sein Name fremd war, durften seine Verehrer mit gutem Recht von der Erde tilgen Die Harbii, wie sie genannt werden, qui tolerari nequeunt (»die nicht geduldet werden können«) sind solche, die neben Gott auch noch Sonne, Mond oder Götzenbilder verehren. 2. Atheisten. Utrique, quamdiu princeps aliquis inter Mohammedanos superest, oppugnari debent donec religionem amplectantur, nec requies iis concedenda est, nec pretium acceptandum pro obtinenda conscientiae libertate, (»Beide Gruppen müssen, solange noch ein irgend ein Fürst unter den Moslems vorhanden ist, bekämpft werden, bis sie die Religion angenommen haben, und es soll ihnen weder Ruhe gegönnt sein noch gegen Zahlung Gewissensfreiheit gewährt werden.« Reland, Dissertat. X. de Jure Militari Mohammedan. tom. III, p. 14;) Eine strenge Theorie!; doch trat an die Stelle dieses formalen Rechts eine kluge Politik; und nach mehreren Vorfällen von religiösem Fanatismus haben die moslemischen Eroberer von Hindustan die Pagoden dieses gottergebenen und volkreichen Landes stehen lassen. Die Bekenner Abrahams, Moses' und Jesu wurden feierlich eingeladen, die vollkommenere Offenbarung Mohammeds anzunehmen; wenn sie sich aber für die Erlegung einer mäßig hohen Abgabe entschieden, wurde ihnen das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit ohne Weiteres zugestanden Der Unterschied zwischen einer veerfolgten und einer tolerierten Sekte, zwischen den Harbii und dem Volk des Buches, den Gläubigen einer göttlichen Offenbarung wird iin der Unterredung des Kalifen Al Mamum mit den Bilderverehrern oder Sabiern von Carrhä herausgearbeitet. (Hottinger, Hist. Orient. p. 107, 108.). Sogar auf dem Schlachtfeld konnten die Gefangenen ihr verwirktes Leben durch die Konversion zum Islam auslösen; die Frauen waren gehalten, sich dem Bekenntnis ihrer Herren anzuschließen, und durch die religiöse Erziehung der mitgefangenen Kinder vergrößerte sich die Zahl der aufrichtigen Proselyten allgemach. Aber die Millionen asiatischer und afrikanischer Konvertiten, welche das Heer der gläubigen Araber vergrößert hatten, musste man eher wohl anlocken als zwingen, ihren Glauben an den einen Gott und seinen Propheten zu bekennen.

Durch das Nachsprechen eines Satzes und den Verlust der Vorhaut wurden der Untertan oder der Sklave, der Gefangene oder der Kriminelle in einem Augenblick zum freien und gleichberechtigten Gefährten des siegreichen Moslems. Jede Sünde war vergeben, jede Verpflichtung war hinfällig; an die Stelle des Zölibates trat die Nachsicht gegen den Naturtrieb; die tatenfrohen Charaktere, die in den Klöstern hatten schlafen müssen, wurden durch die Trompete der Sarazenen erweckt und bei dieser allgemeinen Umwälzung der Weltordnung stieg jedes Mitglied der neuen Gesellschaft bis zu der naturgegebenen Obergrenze seiner Begabung und seines Mutes empor. Die Gemüter der Menge wurden durch die unsichtbaren wie durch die irdisch-handfesten Segnungen des arabischen Propheten verlockt; und die Herzensgüte hofft, dass möglichst viele der Proselyten eine ernsthafte Überzeugung von der Wahrheit und Heiligkeit seiner Offenbarung hegten. In der Auffassung nachdenkender Polytheisten musste diese Offenbarung allerdings der Menschen- und Gottesnatur würdig sein. Reiner als Zoroasters System, liberaler als das Gesetz Moses' schien Mohammeds Religion mit menschlicher Vernunft schwerer vereinbar zu sein als die Mysterien oder der Aberglauben, die im 7. Jahrhundert die Schlichtheit des Evangeliums verunstalteten.

UNTERGANG DER MAGIER IN PERSIEN

Die in Persiens und Afrikas weitläufigen Landen vorgefundenen nationalen Religionen hat der Islam vollständig ausgelöscht. Einzig die mehrdeutige Gotteskunde der Magier hatte sich noch unter den Sekten des Orients gehalten; doch die profanen Schriften Zoroasters Der Zend oder Pazend, die Bibel der Ghebern, wird von ihnen selbst und wenigstens von des Moslems unter die zehn Bücher gerechnet, die Abraham vom Himmel erhalten hatte; und ihr Bekenntnis trägt den achtbaren Namen einer abrahamitischen Religion (D'Herblot, Bibliot. Orient. p. 701; Hyde, de Religione veterum Persarum, c. III, p. 27, 28ff.). Ich fürchte sehr, dass wir keine unverfälschte und unbeeinflusste Darstellung des Systems von Zoroaster besitzen. Dr. Prideaux (Connection, vol. I, p. 300, octavo) tritt der Auffassung bei, dass er Sklave oder Jünger irgendeines jüdischen Propheten zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft war. Vielleicht dürfen ja die Perser, da sie die Juden unterworfen hatten, auf die Ehre Anspruch erheben, die armselige Ehre übrigens, ihre Herren gewesen zu sein. konnten nur unter dem geheiligten Namen Abrahams auf schickliche Weise in die Kette der göttlichen Offenbarungen einflechten. Den Dämon Ariman, ihr Böses Prinzip, konnte man sich als Nebenbuhler oder als Kreatur des Lichtgottes denken. In persischen Tempeln gab es keinen Bilderschmuck; dennoch konnte man die Verehrung der Sonne und des Feuers als groben und strafwürdigen Götzendienst brandmarken Die ›Arabischen Nächte‹, ein genaues und unterhaltsames Bild der Welt des Orients, schildern uns die Magier oder Feuer-Anbeter, denen sie die jährliche Opferung eines Moslem schulden, in den hässlichsten Farben. Die Religion Zoroasters hat nicht die allergeringste Ähnlichkeit mit denen der Hindus in Indien, obwohl beide öfters von den Muslimen verwechselt werden. Selbst Timurs Schwert wurde durch diesen Irrtum geschärft. (Hist. de Timour Bec, par Cherefeddin Ali Yezdi, V.).. Eine tolerantere Gesinnung wurde durch Mohammeds Vorbild und durch die Staatsklugheit der Kalifen geheiligt Vie de Mahomet, par Gagnier, (tom. III, p. 114, 115).. Die Magier oder Gheber wurden zusammen mit Juden und Christen unter die Völker des geschriebenen Gesetzes gezählt Hae tres sectae, Judaei, Christiani, et qui inter Persas Magorum institutis addicti sunt, populi libri dicuntur, (Jene drei Sekten, Juden, Christen und die, welche man in Persien Magier nennt, heißen die Völker des Buches. Reland, Dissertat. tom. III, p. 15). Der Kalif Al Mamum bestätigt diesen ehrbaren Unterschied zum Besten der drei Sekten, unter der unscharfen und mehrdeutigen Bezeichnung der Sabaer, hinter der die alten Polytheisten von Charrae ihre abgöttische Verehrung verbergen durften. (Hottinger, Hist. Orient p. 167, 168.); und bis ins dritte Jahrhundert der Hedschra bietet die Stadt Herat ein lebhaftes Wechselspiel zwischen dem privaten Religionseifer und der öffentlichen Toleranz Diese eigenartige Geschichte wird von D'Herbelot, (Bibliot. Orient. p 448, 449) erzählt, der sich dabei auf Khondemir und Mirchond (Hist. priorum Regum Persarum, &c., p. 9, 10, not. p. 88, 89.) beruft..

Gegen die Zahlung einer jährlichen Abgabe garantierte das mohammedanische Gesetz den Magiern von Herat ihre bürgerlichen und religiösen Freiheiten: doch eine jüngst erbaute Moschee wurde überschattet vom Glanze eines altehrwürdigem Feuer-Tempels in unmittelbarer Nachbarschaft. In seinen Predigten beweinte ein fanatischer Imam dieses Ärgernis und zieh die Gläubigen ihrer Lauheit und Glaubenskälte. Aufgehetzt durch diese Stimme, rottete sich das Volk zu wilden Haufen; beide Stätten des Gebetes gingen in Flammen auf, aber das freigewordene Grundstück wurde im Handumdrehen von den Fundamenten für eine neue Moschee bedeckt. Die Magier wandten sich in beleidigtem Rechtsempfinden an den Herrscher von Chorosan; er verhieß Gerechtigkeit und Abhilfe; doch siehe! es schworen viertausend Bürger von Herat, honorig und altersweise, dass es einen solchen götzendienerischen Tempel zuvor niemals gegeben habe; die Untersuchung wurde eingestellt und ihr Gewissen beruhigte sich, so der Historiker Mirchond Mirchond, (Mohammed Emir Khoondah Shah), geboren zu Herat, verfasste in persischer Sprache eine allgemeine Geschichte des Ostens, angefangen bei der Schöpfung bis zum Jahre 875 der Hedschra (A.D. 14471) Im Jahre 1498 erhielt er freie Verfügung über die fürstliche Bibliothek, und sein allgemein gelobtes Werk mit 7 oder 12 Teilen wurde von seinem Sohn Kondemir 1520 auf drei Bände gekürzt. Die beiden Autoren, die Petit de la Croix (Hist. de Genghizcan, p.537, 538, 544, 545) noch sorgfältig auseinander hält, werden von D'Herbelot, (p. 358, 410, 994, 995) unachtsamerweise vermengt: doch die zahlreichen Auszüge, die d'Herbelot unter den falschen Namen Khondemir vorlegt, stammen mehrheitlich vom Vater. Ein eigentümliches Fragment (die taherianische und soffarianische Dynastien) ist vor einiger Zeit in persischer und lateinischer Sprache herausgegeben worden. (Viennae, 1782, in 4to., cum notis Bernard de Jenisch); der Herausgeber weckt Hoffnungen auf eine Fortsetzung des Mirchond., an diesem heiligen und verdienstlichen Meineid Quo testimonio boni se quidpiam praestitisse opinabantur. (Durch welchen Schwur die Guten sich irgendwie hervorgetan zu haben dünkten). Doch muss Mirchond ihren Fanatismus verurteilt haben, da er die gesetzliche Duldung der Magier billigte..

Aber der größte der Teil der persischen Magier-Tempel ging verloren wegen der unmerklichen und umfassenden Abkehr der Bekenner. Ihr Untergang war unmerklich: es ist nichts bekannt von irgendeinem erinnerungswürdigen Ort oder einem Zeitpunkt, von einem Widerstand oder einer Verfolgung. Der Untergang war umfassend, weil das ganze Reich von Schiraz bis Samarkand den Glauben an den Koran angenommen hatte; und die Bewahrung der einheimischen Landessprache belegt die Abkunft der Mosleme Persiens Der letzte Magier von Ansehen und Einfluss scheint Mardavige der Dilemite zu sein, der zu Beginn des X. Jh. in den Nordprovinzen Persiens nahe dem Kaspischen Meer regiert hat. (D'Herbelot, Bibliot. Orient. p. 355). Indessen, seine Krieger und seine Nachfolger bekannten sich zum mohammedanischen Glauben oder nahmen ihn an. Und in der Zeit ihrer Dynastie (A.D. 933-1020) muss dann meines Erachtens der Untergang der Religion Zoroasters stattgefunden haben.. In den Bergen und Wüsten hing ein verstocktes Geschlecht von Ungläubigen weiterhin dem Götzendienst ihrer Väter an; nur eine schwache Tradition der Magier-Theologie hat sich in der Provinz Kharman am Indusufer erhalten, unter den Verbannten von Surate und in der Nähe der Kolonie, die der Schah Abbas im vorigen Jahrhundert bei Isphahan begründet hat. Der oberste Priester hat sich in das Elbursgebirge zurückgezogen, achtzehn Meilen entfernt von der Stadt Yezd; das ewige Feuer – wenn es denn noch brennt – ist dem Ungeweihten nicht zugänglich; aber sein Herrschaftsbereich umfasst die Schule, das Orakel und die Wallfahrt der Ghebern, deren harte und gleich bleibende Physiognomie die Reinheit ihres Blutes bezeugen. Unter der Gerichtsbarkeit der Ältesten leben achtzehntausend Familien unschuldig und arbeitsam dahin, ihren Lebensunterhalt gewinnen sie aus einigen spezialisierten Manufakturen und mechanischen Tätigkeiten, und den Acker bearbeiten sie mit geradezu religiöser Hingabe. Ihre Unwissenheit widerstand dem Despotismus des Schahs Abbas, der von ihnen unter Drohungen und Foltern die prophetischen Bücher des Zoroaster einforderte; und in der Gegenwart wird der winzige Überrest der Magier wird von ihren jeweiligen Herrschern durchaus verschont, sei es nun aus Gleichgültigkeit oder aus Verachtung Die Angaben zum gegenwärtigen Status der Gheber in Persien habe ich Sir John Chardin entnommen, dem zwar nicht gelehrtesten, wohl aber dem vernünftigsten und wissensdurstigsten unserer modernen Reisenden (Voyages en Perse, tom. II, p. 109, 179-187, in 4to). Seine Zunftgenossen, Pietro della Valle, Olearius, Thevenot, Tavernier, &c., bei denen ich vergeblich gesucht habe, scheinen für dieses interessante Volk keinerlei Aufmerksamkeit erübrigt zu haben..

DER UNTERGANG DES CHRISTENTUMS IN NORDAFRIKA

Die Nordküste Afrikas ist das einzige Land, in dem das Licht des Evangeliums, nachdem es lange und wohlgegründet geleuchtet hatte, wieder vollständig erloschen ist. Die Kenntnisse, die man einst zu Rom und Karthago erwerben konnte, waren von einer Wolke der Unwissenheit umdunkelt; die Glaubenslehren des Cyprian und Augustinus interessierten niemanden mehr. Fünfhundert Bischofskirchen wurden durch den Furor der Donatisten, Vandalen und endlich der Mauren überwältigt. Der Glaubenseifer und die Zahl der Kleriker sank ständig; und das Volk, jedweder Zucht, Kenntnis und Hoffnung bar, beugte sich submissest dem Joch des arabischen Propheten (A.D. 749). Noch nicht fünfzig Jahre nach der Vertreibung der Griechen meldete ein afrikanischer Statthalter seinem Kalifen, dass der Tribut der Ungläubigen infolge ihrer Bekehrung eingestellt worden sei Der Brief des Abdoulrahman, Statthalters oder Tyrannen von Afrika an den Kalifen Abul Abbas, den ersten der Abassiden, stammt aus A.H. 132. (Cardonne, (Hist. de l'Afrique et de l'Espagne, tom. I, p. 168)., und wenngleich er mit diesem Vorwand lediglich seinen Betrug und seinen Aufruhr zu verhehlen suchte, so war sein Vorgehen wegen des raschen und umfassenden Siegeszuges des Islam sehr glaubwürdig begründet. Im nächsten Jahrhundert (A.D. 837) wurde eine außerordentliche Gesandtschaft von fünf Bischöfen von Alexandria nach Kairo abgefertigt. Sie waren von dem jakobitischen Patriarchen geweiht worden, um die in der erkaltenden Asche noch glimmenden christlichen Glaubensfunken neuerlich anzufachen Bibliotheque Orientale, p. 66. Renaudot, Hist. Patriarch. Alex. p. 287, 288.. Aber schon der Umstand, dass ein auswärtiger Prälat, fremd den Lateinern und feindlich den Katholiken, in diesen Fall einbezogen war, macht den Niedergang und die Auflösung der afrikanischen Hierarchie wahrscheinlich. Die Zeiten waren vorbei, da ein Nachfolger des heiligen Cyprian an der Spitze einer zahlenmächtigen Synode es mit dem ambitionierten Oberbischof von Rom aufnehmen konnte.

Im XI. Jahrhundert (A.D. 1053-1076) war der unglückselige Priester, der auf den Trümmern von Karthago den Thron drückte, genötigt, vom Vatikan Almosen und Schutz zu erbetteln; und bitter beklagte er sich, dass die Sarazenen ihn nackten Leibes ausgepeitscht hätten, und dass ihm sein Amt von seinen vier Suffraganen streitig gemacht werde, den Stützen seines wankenden Throns. Zwei Briefe von Gregor VII Unter den Papst-Episteln sehe man Leo IX. epist. 3; Gregor. VII. 1, epist. 22, 23, III,. epist. 19, 20, 21; und die Kritik von Pagi, (tom. IV. A.D. 1053, No. 14, A.D. 1073, No. 13), welcher dem Namen des maurischen Fürsten nachspürt, mit dem der stolzeste der römischen Päpste so artig korrespondiert. sind in der Absicht geschrieben, den Kummer der Katholiken zu lindern und dem Herrscher der Mauren zu flattieren. Der Papst bekräftigt, dass sie beide denselben Gott verehrten und darauf hoffen dürften, sich dereinst im Abrahams Schoß zu treffen; aber die Klage, dass nicht einmal mehr drei Bischöfe aufgetrieben werden könnten, einen neuen Bruder zu weihen, künde von raschen und unausweichlichen Niedergang des bischöflichen Standes. Die Christen Afrikas und Spaniens hätten sich schon lange dem Brauche der Beschneidung und dem Verzicht auf Schweinefleisch und Wein unterworfen, und die Bezeichnung Mozaraber Mozarabes, oder Mostarabes, adscititii in lateinischer Übersetzung (Pocock, Specimen Hist. Arabum, p. 39, 40. Bibliot. Arabico-Hispana, tom. II, p. 18). Die Liturgie der Mozaraber das alte Ritual der Kirche von Toledo ist von den Päpsten angefochten und den zweifelhaften Urteilen des Schwertes oder Feuers unterworfen worden. (Marian. Hist. Hispan. tom. I, 9,18, p. 378). Die Sprache war, oder besser: ist das Lateinische; das hielt man es im IX. Jh. für notwendig, eine arabische Übersetzung der Kanons der spanischen Kirchenversammlungen (Bibliot. Arab. Hisp. tom. i. p. 547) zum Gebrauche für Bischöfe und Geistliche im maurischen Königreich abzufassen. (adoptierter Araber) sei eine Folge der Gleichheit ihrer bürgerlichen und religiösen Gebräuche Gegen die Mitte des IX. Jh. warf der beherzte Gesandte von Kaiser Otto I der Geistlichkeit von Cordova diese verwerfliche Nachlässigkeit vor. (Vit. Johan. Gorz, in Secul. Benedict. V. No. 115, apud Fleury, Hist. Eccles. tom. XII, p. 91.). Um die Mitte des XII Jahrhunderts hatten die Verehrung Christi sowie die Annstellung geistlicher Hirten an der Küste der Barbaren und in den Königreichen von Cordova, Sevilla, Valencia und Grenada völlig aufgehört Pagi, Critica, tom. IV, A.D. 1149, No. 8, 9. Er merkt zu Recht an, dass Sevilla &c, als sie durch Ferdinand von Kastilien zurückerobert wurden, dort Christen nur als Kriegsgefangene anzutreffen waren und dass die Mozarabischen Kirchen in Afrika und Spanien, so wie sie Jakob Vitriaco, A.D. 1218, (Hist. Hierosol. c. 80, p. 1095, in Gest. Dei per Francos) beschrieben hat, aus einem älteren Buch abgeschrieben sind. Ich möchte noch hinzusetzen, dass das Datum A.H. 677 (A.D.1278) von der Kopie gelten muss und nicht von der Abfassung einer juristischen Schrift, in welchem die bürgerlichen Rechte der Christen zu Cordova festgesetzt werden. (Bibliot. Arab. Hisp. tom. I, p. 471); und dass die Juden die einzige religiöse Gruppe waren, die der König von Grenada, Abdul Waled (A.D. 1313) entweder unterdrücken oder dulden konnte. (tom II, p. 288). Der Thron der Almohaden oder Unitarier war auf dem blindesten Fanatismus begründet; und ihre außerordentliche Strenge mochte eine Folge jüngerer Siege und des unduldsamen Eifers der Herrscher von Sizilien und Kastilien, von Aragon und Portugal sein. Der Glaube der Mozaraber wurde durch gelegentliche missionarische Anstrengungen des Papstes neu belebt; und die Landung Karl V in Afrika gab einigen Familien lateinischer Christen Mut, ihr Haupt zu erheben. Doch schon bald war der Same des Evangeliums wieder ausgetreten, und die große Provinz von Tripoli bis zum Atlantik hatte jede Erinnerung an die Sprache und Religion Roms verloren Renaudot, Hist. Patriarch. Alex. p. 288. Leo Africanus hätte seinen römischen Herrschaften gerne einen Gefallen getan, wenn er denn nur irgendeine verborgene Spur der Christen in Afrika aufgestöbert hätte..

DULDUNG DER CHRISTEN

Nach dem Verlauf von elf Jahrhunderten erfreuen sich die Christen und Juden noch immer der Gewissensfreiheit, die ihnen die arabischen Kalifen einst zugestanden hatten. In der ersten Periode der Eroberungen trauten sie der Zuverlässigkeit der Katholiken nur bedingt, deren Name – Melchiten – alleine hinreichte, ihre heimliche Anhänglichkeit an den griechischen Kaiser zu belegen, während dagegen die Nestorianer und Jakobiten, seine unversöhnlichsten Feinde, sich als die aufrichtigen und freiwilligen Freunde der islamischen Regierung bewährten Absit (sagt der Katholik zum Wesir von Bagdad) ut pari loco habeas Nestorianos, quorum praeter Arabas nullus alius rex est, et Graecos quorum reges a movendo Arabibus bello non desistunt, &c. (Das sei ferne, dass du am selben Orte Nestorianer habest, die keinen anderen König über die Araber hinaus haben, zusammen mit den Griechen, deren Könige nicht abstehen, zum Kriege gegen die Araber anzutreiben etc). Siehe in der Sammlung von Assemannus (Bibliot. Orient. tom. iv. p. 94-101) den Status der Nestorianer unter den Kalifen. Über die Lage der Jacobiten erfährt man weniger in der Vorrede zu Assemannus 2. Band.. Erst die Zeit und ihre Unterwerfung heilten allmählich diese einseitige Abneigung; die Katholiken bekamen ihren Anteil an den ägyptischen Kirchen; Eutych. Annal. tom. II, p. 384, 387, 388. Renaudot, Hist. Patriarch. Alex. p. 205, 206, 257, 332. Ein Fleck monothelitischer Ketzerei mochte diese ersten der griechischen Patriarchen dem Kaiser weniger ergeben und den Arabern weniger verhasst machen. und alle orientalischen Sekten durften sich an den gemeinsamen Segnungen infolge ihrer Duldung erfreuen.

Der Rang, die Immunität, die eigene Gerichtsbarkeit der Patriarchen, Bischöfe und Klerisei standen unter dem Schutz der bürgerlichen Ordnung: die Ausbildung einzelner Christen empfahl sie zu den Tätigkeiten von Sekretären oder Ärzten. Andere konnte durch ihre Anstellung bei den öffentlichen Einkünften zu Reichtum gelangen; und zuweilen gelangten sie auf diesem Wege sogar zur Würde von Statthaltern von Städten oder Landstrichen. Ein Kalif aus der Dynastie Abbas soll einst ausdrücklich verkündet haben, dass die Christen für Verwaltungsaufgaben in Persien am besten geeignet seien: »Der Moslem,« sprach er, »wird sein gegenwärtiges Glück missbrauchen; die Magier trauern ihrer gefallenen Größe nach; und die Juden warten nur mit Ungeduld auf ihre bevorstehende Erlösung Motathed, der von A.D. 892-902 regierte. Damals standen die Magier unter den Religionen des Reiches noch in Ansehen. (Assemanni, Bibliot. Orient. tom. IV, p. 97)..« Doch sind die Sklaven des Despotismus beständig dem Wechsel zwischen Gnade und Ungnade ausgesetzt. Die Kirchen in der Gefangenschaft waren zu allen Zeiten der Habgier oder der Bigotterie ihrer Beherrscher unterworfen; und schon die üblichen und gleichsam legalen Beschränkungen mussten auf die Selbstachtung und die Glaubensstärke der Christen verheerend wirken Reland legt die allgemeinen Einschränkungen durch die moslemischen Politik und Jurisprudenz dar (Dissertat. tom. III, p. 16-20). Die bedrückenden Erlasse des Kalifen Motawakkel (A.D. 847-861), die bis heute noch gelten, haben Eutychius (Annal. tom. II, p. 448) und D'Herbelot (Bibliot. Orient. p. 640) überliefert. Eine Christenverfolgung durch den Kalifen Omar II hat der Grieche Theophanes (Chron. P. 334) erzählt und vermutlich auch gleich vergrößert..

Etwa zweihundert Jahre nach Mohammed wurden sie von ihren Mit-Untertanen unterschieden durch einen Turban oder Gürtel von weniger achtbarer Farbe; anstelle eines Pferdes oder Maultieres durften sie nur auf Eseln und dann auch nur nach der Weiber Weise reiten. Ihre öffentlichen oder Privathäuser mussten kleiner angelegt werden; auf den Straßen und in Bädern müssen sie noch vor dem geringsten Moslem zur Seite treten oder sich verbeugen; und ihre Zeugenaussage ist, wenn sie einem Gläubigen zuwiderläuft, von geringerem Gewicht. Der Prunk von Prozessionen, Glockenklang und lauter Gesang sind während ihrer Gottesdienste verboten. In ihren Predigten oder Unterhaltungen ist ihnen Ehrfurcht gegenüber dem Glauben des Landes auferlegt; und der gotteslästerliche Versuch, eine Moschee auch nur zu betreten oder einen Moslem abspenstig zu machen, zieht ihnen jederzeit strenge Bestrafung zu. Jedoch wurden in Zeiten der Ruhe und des Rechtsfriedens die Christen niemals gezwungen, dem Evangelium abzuschwören oder den Koran anzunehmen; wer sich aber zu Mohammeds Gesetz bekannt hat und danach wieder abtrünnig wurde, ist ohne Gnade der Todesstrafe verfallen. Die Märtyrer von Cordova haben durch das offene Bekenntnis ihre Rückkehr zum Christentum das Urteil des Kadis geradezu provoziert, vielleicht auch durch die heftige Schmähung der Person und der Lehre des Propheten Den Märtyrern von Cordova (A.D. 850) setzt St. Eulogius ein Denkmal und rechtfertigt sie außerdem, bis er schließlich selbst zum Opfer wurde. Eine von Kalifen zusammengerufene Synode tadelte auf sehr unbestimmte Weise die Heftigkeit der Christen. Der sanfte Fleury kann ihre Aufführungen nicht mit der Kirchenzucht früherer Zeiten zusammenpassen. toutefois l'autorite de l'eglise, &c. (Fleury, Hist. Eccles. tom. X, p. 415-522, particularly p. 451, 508, 509). Die überlieferten Dokumente werfen ein deutliches, wenn auch nur kurzes Licht auf die Zustände der spanischen Kirche im IX. Jh..

DAS REICH DER KALIFEN

Am Ende des ersten Jahrhunderts der Hedschra waren die Kalifen die mächtigsten und unumschränktesten Herrscher hienieden. Ihre Vorrechte waren durch nichts und niemanden begrenzt, weder de jure noch de facto, nicht durch die Macht des Adels oder die Freiheit des Volkes, auch nicht durch die Vorrechte der Kirche oder durch Senatsabstimmungen und ebenso nicht durch das Andenken an eine frühere, freiere Verfassung. Das Ansehen der Begleiter Mohammeds erlosch mit ihrem Tode, und die Häuptlinge der arabischen Stämme ließen in der Wüste den Geist der Gleichheit und der Unabhängigkeit zurück. Mohammeds Nachfolger vereinigten in ihrer Person die Würden eines Priesters und eines Königs; und wenn der Koran sie bei ihren Maßnahmen leitete, dann waren sie außerdem noch die obersten Richter und Interpreten dieses Gottesbuches. Sie herrschten mit dem Recht des Eroberers über die Völker des Ostens, denen der Begriff der Freiheit unbekannt war, und die sich schon lange daran gewöhnt hatten, die Gewalt- und Willkürakte ihrer Tyrannen zu beklstschen, die ja ausschließlich auf ihre Kosten gingen.

Unter den letzten Ommiyaden dehnte sich das arabische Reich zweihundert Tagesreisen von Osten nach Westen aus, von den Grenzen der Tartarei und Indiens bis zu den Küsten des Atlantiks. Und selbst wenn wir, wie es die Autoren der Sarazenen ausdrücken, den Ärmel von dem Gewand, soll heißen, den langen und schmalen Streifen afrikanischen Landes in Gedanken abtrennen, ließe sich doch ihr zusammenhängendes Gebiet von Fargana bis Aden, von Tarsus bis Surat nach allen Seiten mit einer zwei- bis dreimonatigen Karavanenreise bemessen Siehe den Artikel Eslamiah (so, wie wir Christentum sagen) in der Bibliotheque Orientale, (p. 325). Diese Karte der mohammedanischen Welt ist vom Verfasser für das Jahr der Hedschra 385 (A.D. 995) gezeichnet worden. Seither sind die Verluste in Spanien durch die Eroberungen in Indien, der Tartarei und der europäischen Türkei mehr als wettgemacht worden.. Allerdings würden wir vergeblich nach jener unauflöslichen Einheit und dem unangestrengten Gehorsam suchen, welche die Regierungszeit von Augustus bis zu den Antoninen durchzogen; doch hat der Fortschritt des Islam über dieses riesige Gebiet eine allgemeine Ähnlichkeit der Sitten und Auffassungen gebreitet. Die Sprache und die Gesetze des Korans wurden in Samarkand und in Sevilla mit gleicher Hingabe studiert. Der Maure und der Inder umarmten sich als Brüder und Landsleute auf ihrer Pilgerfahrt nach Mekka; und die arabische Sprache wurde als die allgemeine Mundart in allen Provinzen westlich des Tigris angenommen Das Arabische des Koran wird an der Universität von Mekka als eine tote Sprache gelehrt. Der dänische Reisende hat dieses alte Idiom mit dem Lateinischen verglichen; die Umgangssprache von Hejaz und Yemen mit dem Italienischen, und die arabischen Dialekte von Syrien, Ägypten Afrika usw. mit dem Provenzalischen, Spanischen und Portugisischen. (Niebuhr, Description de l'Arabie, p. 74ff)..








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