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Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 46

Edward Gibbon: Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 46 - Kapitel 1
Quellenangabe
typetractate
authorEdward Gibbon
titleVerfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 46
publisherprojekt.gutenberg.de
year2013
firstpub2013
translatorCornelius Melville
correctorreuters@abc.de
senderCornelius Melville
created20131121
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Edward Gibbon

Verfall und Untergang des Römischen Reiches – 5. Band – Kapitel 46

 

© und Übersetzung:
Cornelius Melville

 

XLVI

UMWÄLZUNGEN IN PERSIEN NACH DEM TODE DES CHOSROES ODER NUSCHIRVAN SEIN SOHN, DER TYRANN HORMUZ, WIRD ABGESETZT BAHRAM USURPIERT DEN THRON FLUCHT UND WIEDEREINSETZUNG CHOSROES' II SEINE DANKBARKEIT GEGEN DIE RÖMER DER CHAGAN DER AWAREN MEUTEREI DER ARMEE GEGEN MAURITIUS SEIN TOD TYRANNIS DES PHOKAS EMPÖRUNG DES HERAKLIUS PERSERKRIEG UNTERWERFUNG VON SYRIEN, ÄGYPTEN UND KLEINASIEN DURCH CHOSROES PERSER UND AWAREN BELAGERN KONSTANTINOPEL FELDZÜGE GEGEN PERSIEN SIEG UND TRIUMPH DES HERAKLIUS

 

DAUERKONFLIKT ZWISCHEN ROM UND PERSIEN

Der Konflikt zwischen den Persern und Römern zog sich hin vom Untergang des Crassus bis in die Regierungszeit des Heraklius. Die Erfahrung aus sieben Jahrhunderten hatte beide Völker von der Unmöglichkeit überzeugt, Eroberungen über die schicksalsbestimmten Grenzflüsse Euphrat und Tigris hinaus behaupten zu können. Aber die Trophäen des großen Alexander erweckten in Trajan und Iulian Neidgefühle, während Persiens Könige die ehrgeizige Hoffnung hegen mochten, das Großreich des Kyros wieder herzustellen Missis qui... reposcerent... veteres Persarum ac Macedonum terminos, seque invasurum possessa Cyro et post Alexandro, per vaniloquentiam ac minas iaciebat. (Er ließ durch Gesandte die alten Grenzen der Perser und Makedonier einfordern und erging sich in Drohung und Prahlrede: er würde in die früher von Cyrus und dann von Alexander besetzten Länder eindringen. Tacit. Annal. 6,31). So die Sprache der Arsakiden; ich habe wiederholt die hochtönenden Ansprüche der Sassaniden vermerkt.. Solcherlei Aufwendungen von Heeresmacht und Mut werden stets die Nachwelt aufhorchen lassen: doch Ereignisse, die das Schicksal der Völker nicht substantiell verändern, hinterlassen auf den Tafeln der Geschichte nur matte Eindrücke, und die Geduld des Lesers wäre irgendwann aufgezehrt durch die immer gleichlautende Schilderung von Feindseligkeiten, welche ohne Anlass begonnen, ohne besondere Ereignisse fortgesetzt und ohne Folgen abgebrochen wurden. Die hohe Kunst der Unterhandlung, die der schlichten Größe des Senats und der Caesaren unbekannt waren, wurden von den byzantinischen Herrschern mit Ausdauer gepflegt; und die Denkschriften ihrer ununterbrochenen Gesandtschaften Siehe hierzu Menanders ›Gesandtschaften‹ aus dem X. Jh., auf Anordnung des Konstantin Porphyrogenitus exzerpiert und aufbewahrt. lassen mit monotoner Weitläufigkeit die Sprache der Lüge und Übertreibung, des Übermutes der Barbaren, und das knechtsinnige Verhalten der zinspflichtigen Griechen erkennen.

Indem ich mich über die beträchtliche, aber unfruchtbare Masse an Material beklage, habe ich zugleich versucht, die Erzählung dieser uninteressanten Ereignisse zu raffen; aber Nuschirvan der Gerechte wird noch heute als das Muster eines orientalischen Königs gerühmt, und der Ehrgeiz seines Enkels Chosroes bereitete die Umwälzungen des Ostens vor, welche rasch durch der Waffen und die Religion der Nachfolger Mohammeds vollendet wurde.

 

EROBERUNG JEMENS DURCH NUSCHIRVAN A.D. 570

Im Verlaufe der sinnlosen Zänkereien, die den eigentlichen Streitigkeiten der Fürsten vorangehen und sie rechtfertigen sollen, beschuldigten Griechen und Barbaren einander, den Frieden zu verletzen, welcher etwa vier Jahre vor Justinians Tod geschlossen worden war. Der König von Persien und Indien strebte nach der Herrschaft über den Jemen oder Arabia Felix Die allgemeine Unabhängigkeit der Araber, die sich nicht ohne Abstriche behaupten lässt, wird von den Verfassern der allgemeinen Weltgeschichte (Bd. 20, p. 196-250) in einer besonderen Abhandlung unbesehen verfochten. Es hat angeblich ein Dauer-Wunder dafür gesorgt, dass die Weissagungen zu Gunsten der Nachfahren Ismaels sich erfüllten; und diese gelehrten Frömmlinge tragen keine Bedenken, die Wahrheit des Christentums auf diesem morschen und schlüpfrigen Fundament zu begründen., jenes abgelegene Heimatland der Myrrhe und des Weihrauchs, das den Eroberern des Ostens bis dahin mehr entwischt war als dass es Widerstand geleistet hätte. Nach Abrahas Niederlage unter den Mauern Mekkas erleichterte die Zwietracht unter seinen Söhnen und Brüdern den Persern das Vordringen: sie jagten die abessinischen Fremdlinge über das Rote Meer; und ein eingeborener Fürst der alten Homeriten wurde als Vasall oder Vize-König des großen Nuschirvan wieder auf dem Thron installiert D'Herbelot, Biblioth. Orient. p. 477. Pocock, Specimen Hist. Arabum, p. 64, 65. Pater Pagi (Critica, Bd. ii. p. 646) hat nachgewiesen, dass nach zehnjähriger Friedenszeit der persische Krieg A.D. 571 wieder ausbrach und zwanzig Jahre dauerte. Mohammed wurde 569 geboren, im Jahr des Elefanten oder der Niederlage Abrahas (Gagnier, Vie de Mahomet, Bd. i. p. 89, 90, 98); aus dieser Berechnung ergeben sich zwei Jahre für die Eroberung des Jemen.. Doch Justinians Neffe bekundete seine Entschlossenheit, das seinem christlichen Bundesgenossen, dem Prinzen von Abessinien zugefügte Unrecht zu strafen, zumal ihm dies einen schicklichen Vorwand lieferte, die Zahlung des jährlichen Tributes auszusetzen, welche Schmach man unter dem Namen einer ›Jahrespension‹ nur dürftig verhüllte. Die Kirchen von Persarmenien wurden durch den unduldsamen Geist der Magi niedergehalten; sie riefen insgeheim die Beschützer der Christen an, und nach der frommen Ermordung ihrer Satrapen wurden die Empörer offen als Brüder und Untertanen des römischen Kaisers anerkannt und unterstützt.

 

NUSCHIRVANS LETZTER KRIEG MIT DEN RÖMERN 572

Die Klagen Nuschirvans fanden in Byzanz kein Gehör; vielmehr gab Justinus den beharrlichen Anträgen der Türken nach, die ein Bündnis gegen den gemeinsamen Feind anboten; und so wurde die persische Monarchie gleichzeitig von den vereinigten Streitkräften Europas, Äthiopiens und Skythiens angegriffen. Als achtzigjähriger Greis hätte der Herrscher des Orients es sicherlich vorgezogen, friedlich seines Ruhmes und seiner Größe zu genießen; da der Krieg aber unvermeidlich war, zog er mit der Kraft der Jugend zu Felde, während der Angreifer im Palast von Konstantinopel bebte.

Nuschirvan oder Chosroes leitete die Belagerung von Dara in eigener Person; und obwohl man diese wichtige Festung ohne Truppen und Waffenarsenal gelassen hatte, leisteten die tapferen Einwohner über fünf Monate den Bogenschützen, Elefanten und Belagerungsmaschinen des Großkönigs erfolgreich Widerstand. Mittlerweile rückte sein Feldherr Adarman von Babylon vor, durchzog die Wüste, überquerte den Euphrat, griff Antiochias Vorstädte an, legte Apamea in Asche und legte die Beute Syriens seinem Gebieter zu Füßen, dessen Zähigkeit mitten im Winter das Bollwerk des Ostens endlich gestürzt hatte. Indessen verursachte dieser Verlust, der den Hof und die Provinzen sprachlos machte, infolge der Reue und der Abdankung Justinians so etwas wie eine heilsame Wende. Ein neuer Geist belebte den byzantinischen Kronrat, und der umsichtige Tiberius handelte einen dreijährigen Waffenstillstand aus. Diese gelegene Zwischenzeit wurde für Zurüstungen benutzt, und die Stimme des Gerüchts setzte das Wort in die Welt, dass aus den entfernten Alpengegenden und vom Rhein, aus Skythien, Mösien, Pannonien, Illyrien und Isaurien einhundertfünfzigtausend Krieger gekommen seien, die kaiserliche Reiterei zu verstärken. Der persische König indessen, furchtlos und wortbrüchig zugleich, beschloss den feindlichen Angriffen zuvor zu kommen, überquerte ein zweites Mal den Euphrat und erteilte den Gesandten, indem er sie fortschickte, zugleich hochmütig Weisung, ihn in Caesarea, Kappadokiens Hauptstadt, zu erwarten.

Beide Heere trafen in der Schlacht von Melitene aufeinander; die Barbaren verdunkelten mit einer Wolke von Pfeilen den Himmel, verlängerten ihre Front und dehnten die Flügel bis über die Ebene aus, während die Römer hofften, tiefer und dichter gestaffelt und durch die Wucht ihrer Schwerter und Lanzen im Nahkampf die Oberhand zu gewinnen. Ein skythischer Truppenführer, der den rechten Flügel kommandierte, umging unvermittelt die Flanke des Gegners, griff dessen Nachtrab in Anwesenheit von Chosroes an, drang mitten in das Lager, plünderte das königliche Gezelte, schändete das heilige Feuer, belud einen Zug Kamele mit der Beute Asiens, schlug sich durch das persische Heer hindurch und kehrte mit Siegesgesang zu seinen Freunden zurück, welche ihrerseits den Tag in Einzelkämpfen oder nutzlosen Kleingefechten hingebracht hatten. Die einbrechende Dunkelheit und die getrennte Aufstellung der Römer gaben dem König der Perser Gelegenheit zur Rache, und tatsächlich wurde eines ihrer Lager durch einen schnellen und entschlossen vorgetragenen Angriff vernichtet. Aber die Kenntnis seiner eigenen Verluste und das Bewusstsein der Gefahr drängten Chosroes zu einem eiligen Rückzug; er äscherte das leer stehende Melitene ein und schwamm, um die Sicherheit seiner Truppen unbekümmert, auf einem Elefanten durch den Euphrat.

Nach diesem missglückten Feldzug nötigte ihn der Mangel an Magazinen und wohl auch der Einmarsch der Türken dazu, seine Streitkräfte aufzulösen oder zu teilen; die Römer behaupteten das Feld, ihr Feldherr Justinian, der den persarmenischen Rebellen zur Hilfe kam, zog sein Banner am Ufer des Araxes auf. Der große Pompeius hatte vorzeiten drei Tagesmärsche vom Kaspischen Meer Halt gemacht Er hatte zuvor die Albaner besiegt, die 12.000 Berittene und 60.000 Mann Infanterie ins Feld gestellt hatten; aber er schreckte vor der Unmasse giftiger Kriechtiere zurück; an deren Vorhandensein einige Zweifel erlaubt sind, wie auch an dem der benachbarten Amazonen. (Plutarch, Pompeius, Bd 2, p. 1165f.): dieses Binnenmeer wurde nun zum ersten Male von einer feindlichen Flotte besegelt In der gesamten Weltgeschichte sind mir nur zwei Flotten auf dem Kaspischen Meer bekannt. 1: Die der Makedonier, als Patrokles, der Admiral der syrischen Könige Seleukos und Antiochos vermutlich von der Grenze zu Indien des Oxus hinabgefahren war (Plinius N.H. 6,21) und 2: die der Russen, als Peter I eine Flotte und eine Armee anführte von der Nähe Moskau bis an die Küste Persiens führte. (Bell, Travel, Bd. 2, 325-352). Zu Recht merkt er an, dass eine solche kriegerische Prachtentfaltung auf der Wolga noch nie gesichtet ward., und siebzigtausend Gefangene wurden von Hyrcanien auf die Insel Zypern verpflanzt. Bei Wiederkehr des Frühlings stieg Justinian in die fruchtbare Ebene von Assyrien nieder, die Flamme des Krieges näherte sich bereits dem Regierungssitz des Nuschirvan; der erzürnte Monarch sank ins Grab, und in einem letzten Edikt warnte er seine Nachfolger davor, ihre Person jemals wieder in einer Schlacht den Römern auszusetzen. Doch die Erinnerung an dieses vorübergehende Ärgernis verlor sich im Ruhm seiner langen Regierungszeit; und seine fürchterlichen Feinde, die ihre Eroberungsträume inzwischen ausgeträumt hatten, baten wieder einmal um eine kurze Erholung von den Nöten des Krieges Zu diesen persischen Kriegen sehe man Menander, in Excerpt. Legat. p. 113-125. Theophanes Byzant. apud Photium, cod. lxiv p. 77, 80, 81. Evagrius, 5,7-15. Theophylact, 3,9-16; Agathias, l. iv. p. 140..

 

TYRANNIS UND VERBRECHEN SEINES SOHNES HORMUZ 579-590

Chosroes Nuschirvans Thron bestieg sein Sohn Hormuz oder Hormis, der älteste, oder der am meisten von seinen Söhnen vorgezogene. Zusammen mit dem Königreich Persien und Indien erbte er noch den Ruhm und das Vorbild seines Vaters, die Dienste kluger und tapfere Beamten jedweder Rangordnung, und ein allgemeines Verwaltungssystem, das im Laufe der Zeit durch Staatsklugheit sich dahin entwickelt hatte, das Glück des Herrschers und des Volkes zu befördern. Doch konnte sich der jugendliche König eines noch viel größeren Glücksumstandes erfreuen, der Freundschaft eines Weisen, der seine Erziehung geleitet und der allemal die Ehre seines Zöglings dessen Interesse und diese wiederum dessen Neigungen vorgezogen hatte. In einem Streitgespräch mit griechischen und indischen Denkern hatte dieser Buzurg Man kann Buzurg Mihir wegen seines Charakters und seiner Stellung als den Seneca des Ostens ansehen; aber seine Tugenden und seine Untugenden sind weniger bekannt als die des Römers, welcher viel mitteilungsfreudiger gewesen zu sein scheint. Der persische Weise war der Mann, der aus Indien das Schachspiel und die Fabeln des Pilpay einführte. So groß war der Ruf seiner Weisheit uns Tugenden, dass die Christen ihn als einen Gläubigen für sich beanspruchten und die Muslime ihn für einen zu früh erschienenen Muselman hielten. D'Herbelot, Bibliotheque Orientale, p. 218. einmal behauptet, das größte Unglück eines Lebens sei ein hohes Alter ohne eine Erinnerung an frühere Tugend; und Freimütig wollen wir annehmen, dass eben dieser Grundsatz ihn bestimmte, drei Jahre lang dem Staatsrat des persischen Reiches vorzustehen. Sein Ehrgeiz wurde hinreichend belohnt durch die Gelehrigkeit und Dankbarkeit des Hormuz, der bekannte, dass er seinem Lehrer stärker verpflichtet sei als seinem Vater: da aber das Alter und seine Anstrengungen seine körperlichen und vielleicht auch seine geistigen Kräfte schwächte, zog sich der kluge Ratgeber vom Hofe zurück und überließ den jungen König seinen eigenen Leidenschaften und denen seiner Günstlinge. Wegen der verhängnisvollen Unbeständigkeit der menschlichen Angelegenheiten wiederholten sich zu Ktesiphon genau die Szenen, die in Rom nach dem Tode des Marcus Aurelius inszeniert worden waren. Die vom Vater verbannten Domestiken der Schmeichelei und der sittlichen Auslösung wurden rief der Sohn zurück und in Ehren gehalten; ihr verheerender Einfluss wurde befestigt, je mehr die Freunde Nuschirwans in Ungnade und Verzweiflung fielen, und allmählich entfernte die Tugend aus der Seele des Hormuz, aus dem Königspalast und endlich aus allen Regierungsorganen.

Seine getreuen Agenten, die Augen und Ohren des Königs, berichteten ihm von der zunehmenden Unordnung, meldeten, dass Provinzstatthalter sich mit der Raubgier von Löwen und Adlern auf ihre Beute stürzten, und dass ihre Raubzüge und ihre Verbrechen noch den treuesten Untertanen lehrten, den Namen und die Macht ihres Königs zu perhorreszieren. Für diese Aufrichtigkeit zahlten seine Ratgeber mit dem Leben; das Murren der Städte wurde nicht weiter beachtet und ihre Erhebungen mit militärischer Brutalität niedergedrückt; jede Vermittlung zwischen Volk und Thron war eingestellt, und Hormuz, der alle Tage die Tiara zu tragen sich schuldig war, sprach in kindischer Eitelkeit davon, dass er ganz allein der Herr und zugleich der Richter über sein Königreich sein müsse.

Mit jedem Wort und mit jeder Handlung zeigte der Sohn Nuschirvans, wie weit er sich von den Tugenden seines Vaters entfernt hatte. In seiner Habgier betrog er seine Truppen um ihren Sold; in seinem Missrauen entsetzte er die Satrapen ihres Amtes. Palast, Gerichtshöfe, der Tigris waren mit dem Blut Unschuldiger besudelt, und der Tyrann hatte noch seine Freude an dem Leiden und den Hinrichtungen von dreizehntausend Schlachtopfern. Zuweilen beliebte er zur Begründung für seine Grausamkeit zu bemerken, dass die Besorgnisse der Perser in Hass und dieser Hass in Aufruhr übergehen müsse; aber er übersah dabei, dass seine eigene Schuld und seine Dummheit die von ihm beklagte Gesinnung hervorgerufen hatten und genau dasjenige Ereignis veranlassen würden, vor dem er sich mit gutem Grund so sehr fürchtete.

Aufgebracht durch lange und unabsehbare Unterdrückung zogen die Provinzen Babylon, Susa und Carmania die Fahne der Empörung empor, und die Herrscher Arabiens, Indiens und Skyrthiens verweigertem Nuschirvans unwürdigem Sohn den herkömmlichen Tribut. Roms Waffen bedrängten die Grenzen Mesopotamiens und Assyriens mit dauerhaften Belagerungen und zahlreichen schnellen Vorstößen: einer ihrer Feldherren nannte sich selbst den Schüler Scipios, und seine Soldaten wurden durch ein wundersames Christusbild befeuert, dessen milder Anblick niemals an der Spitze einer Schlachtreihe hätte gezeigt werden dürfen Man sehe die Nachahmung Scipios bei Theophylaktos, 1,14; das Bildnis Christi 2,3. Später werde ich ausführlicher von den christlichen Bildern, fast hätte ich gesagt, Götzenbildern sprechen. Wenn ich nicht irre, ist dies das älteste acheiropoietos (nicht von Menschenhand gemachte) aus göttlicher Herstellung, doch in den nächsten tausend Jahren gingen noch so manche aus derselben Werkstatt hervor.. Zur gleichen Zeit drang an der persischen Ostgrenze der Großkhan ein, der an der Spitze von drei- oder vierhunderttausend Türken den Oxus überquert hatte. Hormuz nahm in seiner Einfalt ihre ungetreue und furchtbare Hilfe an; die Städte von Khorasan oder Baktrien erhielten Weisung, ihre Tore zu öffnen, und der Marsch der Barbaren gegen das Gebirge von Hyrkanien offenbarte das Einverständnis zwischen den römischen und türkischen Waffen: ihre Vereinigung hätte den Thron des Sassanidenhauses umstürzen müssen.

 

BAHRAMS HELDENTATEN -- 590

Persien war von einem König ins Verderben gestürzt worden, von einem Helden wurde es gerettet. Nach seiner Revolte wurde Varanes oder Bahram von Hormuz' Sohn als undankbarer Sklave geschmäht; über den hochmütigen und ungerechtfertigten Vorwurf des Despotismus! Denn tatsächlich stammte Bahram von den alten Herrschern von Rei Ragae oder Rei wird bereits im apokryphen Buch Tobias als eine unter assyrischer Herrschaft blühende Stadt (um 700 v. Chr) genannt. Unter der den ausländischen Namen Europus und Arsacia wurde diese Stadt, 500 Stadien südlich von den kaspischen Toren, von den Makedoniern und Parthern allmählich ausgebaut (Strabo 11, p. 796). Ihre Größe und Bevölkerungszahl im IX Jhd. werden über das Maß des Glaubhaften übertrieben; aber Rei hat seitdem durch Kriege und ungesundes Klima sehr gelitten. Chardin, Voyage en Perse, Bd. i. p. 279, 280., einer der sieben Familien, deren protokollarische und materielle Prärogative sie weit über Persiens Adel erhoben Theophylaktos, 3,18. Die Geschichte von den sieben Persern findet man bei Herodot im 3. Buch. Und ihre edlen Nachfahren werden oftmals erwähnt, besonders in den Fragmenten des Ktesias. Aber die Unabhängigkeit des Otanes (Her. 3,83f.) ist dem Geiste des Despotismus zuwider, und es ist wenig glaublich, dass diese sieben Familien die Umwälzungen von elf Jahrhunderten hätten überleben sollen. Allerdings mochten sie inzwischen durch die sieben Staatsminister ersetzt worden sein, (Brisson, de Regno Persico, l. i. p. 190); und einige persische Edle, etwa die Könige von Pontus, (Polyb. 5, p. 540) und Kappadokien (Diodor. Sicul. 31, Bd. II, p. 517), mögen ihre Abstammung von des Dareios kühnen Kampfgefährten geltend machen.. Während der Belagerung hatte Bahram seine Tapferkeit unter den Augen des Nurschivan bewährt, und der Vater wie auch der Sohn beförderten ihn nacheinander bis zum Oberkommando über die Armee, zur Statthalterschaft über Medien und zur Oberaufsicht über den Palast. Die Volksmeinung, die in ihm den künftigen Befreier Persiens sah, mochte ihren Ursprung in seinen früheren Siegen und in seiner außergewöhnlichen Gestalt haben: der Beiname Guibin bezeichnet die Eigenart von trockenem Holz: er hatte die Stärke und die Leibesgröße eines Riesen, und seine grimmige Physiognomie wurde --etwas phantasievoll -- mit der einer Wildkatze verglichen.

Während das Volk zitterte, während Hormuz Terror übte und dies als Argwohn ausgab und während seine Diener ihre Abneigung unter der Maske der Furcht versteckten, entfaltete einzig Bahram seinen unbezwinglichen Mut und seine scheinbare Treue; als er in Erfahrung brachte, dass ihm nur zwölftausend Soldaten gegen den Feind folgen würden, erklärte er bedacht, dass der Himmel dieser schicksalsträchtigen Zahl die Ehre des Sieges aufgespart habe. Die steilen und engen Pfade des Pule Rudbar oder hyrkanischen Felsens Eine genaue Beschreibung dieses Berges findet sich bei Adam Olearius, Persische Reise, p. 997f, der ihn mit ebenso vielen Schwierigkeiten wie Gefahren bestieg, als er von Isphahan an das Kaspische Meer zurückkehrte. bieten den einzigen Zugang für ein Heer in das Gebiet von Rei und die Ebenen von Medien. Von diesen beherrschenden Höhen kann ein Trupp entschlossener Männer durch Steine und Pfeile die Myriaden türkischer Feinde überwältigen; ihr Kaiser und sein Sohn wurden von Pfeilen durchbohrt; und die Flüchtlinge, führungs- und proviantlos, waren der Rache eines beleidigten Volkes ausgeliefert. Der Patriotismus des persischen Generals wurde durch seine Zuneigung für die Stadt seiner Väter befeuert; in dieser Stunde des Sieges wurde jeder Bauer zum Krieger und jeder Krieger zum Held; und ihr Eifer wurde zusätzlich befeuert durch den prächtigen Anblick von Thronen und Betten, Tafeln aus gediegenem Gold, der Beute Asiens und des Luxus' aus dem feindlichen Lager.

Selbst ein Herrscher von weniger bösartigem Gemütsart hätte seinem Wohltäter nur schwerlich verziehen, aber die geheime Abneigung des Hormuz wurde überdies noch mit der boshaften Nachricht vergiftet, dass Bahram die besten Stücke aus der türkischen Beute für sich einbehalten habe. Doch ein von Seiten des Araxes herannahendes römisches Heer presste dem unversöhnlichen Despoten ein Lächeln und ein wenig Beifall ab: Bahrams Anstrengungen wurden mit der Erlaubnis belohnt, nunmehr einem neuen Feind entgegen zu gehen, der wegen seiner Disziplin und seiner Kriegserfahrung weitaus stärker war als ein ungeordneter skythischer Heerhaufen. Erhoben durch seinen jüngsten Sieg fertigte er einen Herold mit einem stolzen Fehdebrief in das römische Lager ab mit der Auforderung, den Tag der Schlacht zu bestimmen und zu wählen, ob sie selbst den Fluss überqueren oder den Waffen des Großkönigs freien Übergang gewähren wollten. Der Feldherr des Kaisers Mauritius wählte die sichere Alternative; und dieser topographische Nebenumstand, der einen Sieg der Perser erhöht hätte, machte ihre Niederlage blutiger und ihre Flucht schwieriger.

 

BAHRAMS EMPÖRUNG

Doch der Tod seiner Untertanen und die Gefahr für sein Reich wurde in Hormuz' Gemüt wegen der Schmach seines persönlichen Gegners aufgewogen; und kaum hatte Bahram sein Heer gesammelt und gemustert, empfing er durch königlichen Boten das als Hohn zu wertende Geschenk einer Spindel, eines Spinnrades und einer vollständigen weiblichen Ausstattung. Gehorsam dem Willen des Großkönigs zeigte er sich seinen Kriegern in dieser würdelosen Verkleidung. Doch sie empfanden seine Schmach auch als die ihre, der Ruf der Empörung lief durch die Reihen, und der Feldherr nahm ihre Treue- und Racheschwüre entgegen. Ein zweiter Bote, der mit dem Befehl herbeikam, den Rebellen in Ketten abzuführen, wurde unter den Füßen eines Elefanten zertrampelt, und es wurden Manifeste an die Perser in Umlauf gesetzt mit der Aufforderung, ihre Freiheit gegen einen abscheulichen und erbärmlichen Tyrannen zu verteidigen. Der Abfall war schnell und umfassend; seine pflichttreuen Diener wurden der Volkswut geopfert, seine Truppen liefen zu Bahram über, und die Provinzen dankten erneut dem Befreier ihres Landes.

 

HORMUZ WIRD GESTÜRZT UND EINGEKERKERT

Da die Pässe scharf bewacht wurden, konnte Hormuz die Zahl seiner Feinde nur ungefähr nach dem Bewusstsein seiner Schuld abschätzen und nach dem täglichen Abfall derer, welche ihm jetzt, da es ihm übel erging, ihr erlittenes Unrecht vergalten und ihre Pflichten vergaßen. Hoffärtig entfaltete er die Insignien seiner Königswürde; aber Stadt und Land Modain hatten sich dem Zugriff des Tyrannen bereits entwunden. Unter den Opfern seiner Grausamkeit fand sich auch der Sassanidenfürst Bindoes, den er in den Kerker geworfen hatte. Mit Mut und Geschick zerbrach ihm einer seiner Brüder die Fesseln, und jetzt stand er dem König an der Spitze jener nunmehr ihm ergebenen Wachen gegenüber, welche zu seinen Kerkermeistern, vielleicht sogar zu seinen Henkern bestimmt worden waren. Aufgeschreckt durch das rasche Eindringen und die zornigen Vorwürfe des Gefangenen sah sich Hormuz nach Rat und Beistand um, indessen vergeblich; begriff endlich, dass seine Stärke ausschließlich im Gehorsam anderer bestanden hatte, und folgte ergeben dem einzelnen Arm des Bindoes, der ihn vom Thron in ebendenselben Kerker schleppte, in welchem er bis vor Kurzem noch selbst in Banden gelegen hatte.

 

PROZESS GEGEN HORMUZ

Beim ersten Tumult entkam Chosroes, Hormuz' ältester Sohn, aus der Stadt; er ließ sich durch Bindoes' dringende und freundliche Aufforderung zur Rückkehr bestimmen, welcher ihm seines Vaters Thron versprach und zugleich hoffte, unter dem Namen dieses unerfahrenen Jünglings zu herrschen. In der zuversichtlichen Annahme, dass seine Verbündeten weder verzeihen noch auf Verzeihung rechnen würden und dass jeder Perser als Richter und Feind des Tyrannen einzuschätzen sei, hielt er ein öffentliches Gericht ab, das in den Annalen des Orient ohne Vorläufer war und ohne Nachahmer bleib. Der Sohn Nuschirvans, der verlangt hatte, zu seiner Verteidigung selbst das Wort ergreifen zu dürfen, wurde als Verbrecher in die Vollversammlung der Edlen und der Satrapen geführt Die Orientalen nehmen an, dass Bahram diese Versammlung einberufen und dann Chosroes zum König ausgerufen habe. Aber Theophylaktos ist in diesem Punkt klarer und glaubwürdiger.. Man hörte ihm zu mit Anstand und Aufmerksamkeit, solange er sich über die Vorteile von Ordnung und Gehorsam verbreitete, über die Gefahren von Neuerungen und die unausbleibliche Zwietracht derer, die sich verschworen hätten, ihren rechtmäßigen Erbkönig mit Füßen zu treten. Durch seinen mit Pathos vorgetragenen Appell an ihre Menschlichkeit rief er jenes Mitleid auf, welches man dem Schicksal gefallener Königen nur selten versagt, und als sie auch noch die niedergedrückte Stellung und den schmutzigen Aufzug des Gefangenen betrachteten, seine Tränen, seine Ketten und dann noch die Striemen von Peitschenhieben, konnten sie unmöglich vergessen, vor wie kurzer Zeit sie vor dem göttlichen Glanz des Diadems und Purpurs anbetend in den Staub gesunken waren.

Aber ein zorniges Murren erhob sich in der Versammlung, sobald er sich vermaß, sein Verhalten zu rechtfertigen und die Siege seiner Regentschaft zu rühmen. Er sprach von den Pflichten eines Königs, und Persiens Edle lauschten mit einem Hohnlächeln; Unwillen fuhr auf in ihnen, da er den traurigen Mut hatte, Chosroes Charakter herabzusetzen, und durch das unkluge Anerbieten endlich, auf das Szepter zu verzichten zu Gunsten seines zweiten Sohnes, hatte er seine Abdankung selbst unterschrieben und dazu noch seinen unschuldigen Liebling hingeopfert. Die verstümmelten Leichen des Knaben und seiner Mutter wurden dem Volk vorgezeigt; die Augen wurden dem Hormuz mit einer glühenden Nadel ausgebrannt, und auf die Bestrafung des Vaters folgte die Inthronisation des ältesten Sohnes.

 

CHOSROES WIRD PERSISCHER KÖNIG

Chosroes hatte den Thron ohne Schuld bestiegen, und Pietät gebot ihm, das Elend des gestürzten Monarchen zu lindern; aus dem Kerker verbrachte er Hormuz in ein Zimmer im Palast, sorgte freigebig für seine sinnlichen Genüsse und ertrug mit Langmut seine heftigen Wut- und Verzweiflungsausbrüche. Den Grimm dieses blinden und verhassten Tyrannen mochte er immerhin verachten, aber die Tiara saß ihm doch sehr locker auf dem Haupt, solange er nicht die Macht des großen Bahram stürzen oder sein Freundschaft gewinnen konnte, da dieser hartnäckig die Rechtmäßigkeit der Revolution verneinte, zu der weder er noch seine Krieger, Persiens wahre Repräsentanten, zu Rate gezogen worden waren. Dem Angebot einer allgemeinen Amnestie und des zweiten Ranges im Königreich antwortete ein Schreiben Bahrams, des Freundes der Götter, des Besiegers der Menschen, des Feindes aller Tyrannen, des Satrapen aller Satrapen, des Gebieters des persischen Heeres und eines mit dem Titel aller elf Tugenden geschmückten Herrschers Siehe den Text bei Theophlaktos 4,7ff. In seiner Antwort verfällt Chosroes in echte orientalische Prahlsucht.. Er gebietet Chosroes, Hormuz' Sohn, sich das Beispiel und Schicksal seines Vaters zur Warnung zu nehmen, die aus ihren Ketten befreiten Verräter neuerlich einzukerkern, an irgendeinem heiligen Ort das von ihm widerrechtlich angeeignete Diadem niederzulegen und von seinem gnadenreichen Gönner Verzeihung für seine Fehler und die Statthalterschaft einer Provinz zu empfangen. Der Empörer mochte nicht stolz sein, und der König ganz gewiss nicht demütig; aber der eine war sich seiner Macht wohl bewusst, und der andere fühlte seine Schwäche genau; und selbst die bescheidene Sprache seines Antwortschreibens gab noch Raum für Verhandlungen und Versöhnung.

Chosroes führte die Palastsklaven und die Volksmassen der Hauptstadt ins Feld; sie erblickten mit Entsetzen die Banner eines vielerprobten Heeres, wurden durch rasche Schwenks des Feldherren eingeschlossen und überrumpelt, und die Satrapen, welche Hormuz gestürzt hatten, erhielten nunmehr die Strafe für ihre Empörung oder büßten ihren ersten Verrat durch eine zweite, womöglich noch schnödere Treulosigkeit. Leben und Freiheit des Chosroes blieben unangetastet, aber er war gezwungen, im Ausland Hilfe oder wenigstens einen Zufluchtsort zu erflehen; und der unversöhnliche Bindoes, der ängstlich bedacht war, einen unanfechtbaren Titel zu sichern, kehrte zurück in den Palast und beendete mit einer Bogensehne das elende Dasein von Nuschirvans Sohn Theophylaktos (4,7) macht für den Tod des Hormuz seinen Sohn verantwortlich, auf dessen Befehl er mit Knüppeln erschlagen worden sei. Ich bin der versöhnlicheren Darstellung des Khondemir und Eutychios gefolgt und werde mich noch mit den dürftigsten Beweisen zufrieden geben, um das Verbrechen des Vatermordes abzuschwächen..

 

CHOSROES FLIEHT ZU DEN RÖMERN

Während Chosroes hastige Anstalten für seine Flucht traf, beriet er sich mit den Freunden, die ihm noch geblieben waren, ob er in den Tälern des Kaukasus ein Versteck suchen oder zu den Zelten der Türken Zuflucht nehmen oder endlich den Kaiser um Schutz anflehen solle Nach der Schlacht bei Pharsalus führt der Pompejus des Lukan ein ähnliches Gespräch. Er selbst wollte die Parther aufsuchen: aber seine Gefährten schauderten vor diesem widernatürlichen Bündnis zurück, und auch die gegenteiligen Vorurteile mochten ebenso stark auf Chosroes und seine Gefährten einwirken, die mit ähnlichem Nachdruck die Gegensätze der Sitten, Religionen, Gesetze zwischen Orient und Okzident beschreiben mochten.. Die lange Auseinandersetzung zwischen den Nachkommen des Artaxerxes und Konstantin vermehrte seinen Widerwillen, dem Hofe eines Nebenbuhlers als ein Flehender zu nahen; aber mit kluger Berechnung wog er die Stärke der Römer und bedachte ferner, dass die Nähe zu Syrien seine Flucht erleichtern und ihre Hilfe wirksamer mache möchte. Begleitet nur von seinen Nebenfrauen und dreißig getreuen Soldaten aus seiner Leibwache verließ er heimlich die Hauptstadt, folgte dem Euphratufer, durchquerte die Wüste und machte etwa zehn Meilen vor Circesium Halt. Um die Zeit der dritten Nachtwache wurde der römische Präfekt von seiner Ankunft in Kenntnis gesetzt und in der Stunde des Sonnenaufgangs geleitete er den königlichen Fremdling in die Festung. Von dort wurde der König von Persien zu der repräsentableren Residenzstadt Hierapolis geführt, und Mauritius verhehlte beim Empfang des Schreibens und der Gesandten des Enkels Nurschivans ebenso seinen Stolz, wie er sein Wohlwollen durchblicken ließ. Die Perser stellten ihm in aller Demut die Wechselfälle des Glückes und das gemeinsame Interesse von Fürsten vor, übertrieben die Undankbarkeit Bahrams, dieses Werkzeugs der Finsternis, und machten mit einleuchtenden Gründen geltend, dass es in Roms ureigensten Interesse liege, diese beiden Monarchien zu stützen, welche die Welt im Gleichgewicht hielten, diese zwei Sonnen, durch deren heilsamen Einfluss das Erdreich belebt und geschmückt werde.

Chosroes Ungewissheit wurde schon bald durch die Zusage gemildert, dass die Sache der Gerechtigkeit und des Königtums auch die Sache des römischen Kaisers sei; die Ausgaben und die Verzögerungen infolge eines nutzlosen Besuches in Konstantinopel lehnte Mauritius jedoch klugerweise ab. Im Namen seines großherzigen Wohltäters ward den flüchtigen Fürsten ein Diadem und ein unschätzbares Gold- und Juwelengeschenk gemacht; ein mächtiges Heer wurde von den syrischen und armenischen Grenzen unter dem Befehl des getreuen Narses In diesen Zeiten gab es drei Krieger des Namens Narses, die oftmals verwechselt wurden (Pagi, Critica, Bd. ii. p. 640): 1. Ein Persarmenier, der Bruder von Isaac und Armatius, welche nach einer erfolgreichen Schlacht gegen Belisar von seinem persischen Oberherren abfiel und danach in den italienischen Kriegen diente. 2. Der Eunuch, welcher Italien eroberte. 3. Der Mann, der Chosroes wieder auf den Thron einsetzte und der in einem Gedicht des Corippus gefeiert wird als (3,220-327): excelsus super omnia vertico agmina.... habitu modestus.... morum probitate placens, virtute verendus; fulmineus, cautus, vigilans, &c,&c. (Hochragend über alle Heerhaufen...bescheiden im Auftreten...erfreulich durch Redlichkeit, ehrbar durch Tugend; blitzschnell, umsichtig, wachsam usw. usf.) zusammen gezogen, und dieser Feldherr von seiner eigenen und seines Volkes Wahl erhielt Weisung, das Schwert nicht vorher in die Scheide zu stecken, bis Chosroes wieder auf dem Thron seiner Väter eingesetzt sei. Der Feldzug war, wenngleich glänzend, doch weniger schwierig, als es scheinen mochte. Persien bereute mittlerweile die verhängnisvolle Unbesonnenheit, welche den Erben aus dem Hause der Sassaniden an den Ehrgeiz eines rebellischen Untertanen verraten hatte; und die kühne Weigerung der Magier, diesen Thronraub auch noch zu heiligen, zwang Bahram das Szepter an sich zu reißen, der Gesetze oder Gebräuche des Volkes ungeachtet.

Schon war der Palast durch Verschwörung zerrüttet, die Stadt durch Tumult, die Provinzen durch Aufruhr, und die grausame Hinrichtung der Schuldigen und der nur Verdächtigen trug mehr dazu bei, die Volkswut weiter anzufachen als sie zu dämpfen. Kaum hatte Nurschivans Enkel seine und die römischen Banner jenseits des Tigris aufgezogen, als eine täglich wachsende Menge des Volkes und des Adels zu ihm stießen; und da er vorrückte, erhielt er von überallher willkommene Anerbieten des Dankes, die Schlüssel der Städte und die Köpfe seiner Feinde. Sobald Modain von der Anwesenheit des Usurpators befreit war, gehorchte die getreue Bevölkerung der ersten Aufforderung des Medodes an der Spitze von nur zweitausend Mann Reiterei, und Chosroes nahm die heiligen und wertvollen Zierstücke des Palastes entgegen als Unterpfand ihrer Aufrichtigkeit und als Vorzeichen seines baldigen Triumphes.

Nach der Vereinigung der kaiserlichen Truppen, die Bahram vergeblich zu verhindern gesucht hatte, wurde der Konflikt in zwei Schlachten an den Ufern des Zab und an der medischen Grenze entschieden. Zusammen mit Persiens getreuen Untertanen brachten es die Römer auf sechzigtausend Mann, während die Heeresstärke des Usurpators sich lediglich auf vierzigtausend belief: beide Feldherren bewiesen Geschick und Tapferkeit, den Sieg entschied die numerische Überlegenheit und die bessere Disziplin. Mit den Trümmern seiner Armee floh Bahram zu den östlichen Provinzen am Oxus: die Feindschaft Persiens versöhnte ihn mit den Türken. Aber seine Tage wurden verkürzt durch Gift, durch das unheilbarste Gift von allen, die Stachel der Gewissenbisse und der Verzweiflung und die bittere Erinnerung an die verlorene Größe. Doch die Perser der Gegenwart gedenken immer noch der Taten Bahrams; und einige vorzügliche Gesetze haben die Dauer seiner unruhigen und ephemeren Regierungszeit verlängert.

 

CHOSROES HERRSCHAFT 591 -- 603

Mit Lustbarkeiten und Hinrichtungen feierte man die Wiedereinsetzung von Chosroes; indessen störte das Stöhnen sterbender oder verstümmelter Verbrecher die Musik des königlichen Banketts. Eine allgemeine Amnestie hätte Linderung und Ruhe über ein Land verbreitet, welches durch die jüngsten Umwälzungen erschüttert worden war; bevor wir aber Chosroes Blutdurst tadeln, sollten wir zunächst untersuchen, ob die Perser nicht -- gleichsam gewohnheitsmäßig -- vor der Strenge ihres Herrschers beben oder seine Milde verachten. Bahrams Aufstand und die Verschwörung der Satrapen wurden von dem Eroberer unterschiedslos bestraft, ob nun aus Gerechtigkeits- oder Racheverlangen; selbst Bindoes konnte mit seinen Verdiensten nicht das vergossene königliche Blut von seiner Hand abwaschen; und Hormuz' Sohn verlangte darnach, seine eigene Unschuld zu erweisen und die beleidigte Heiligkeit der Könige zu rächen. Da Roms Macht auf seiner Höhe stand, wurden verschiedene persische Herrscher durch die Waffen und die Autorität der ersten Caesaren inthronisiert. Aber immer wieder wurden ihre neue Untertanen schon nach kurzer Zeit der Laster oder Tugenden müde, die sie sich in fremden Landen angeeignet hatten; der Unbestand ihrer Herrschaft gab zu der groben Redensart Anlass, dass die Wahl Roms von der Leichtfertigkeit der orientalischen Sklaven nachgesucht und verworfen werde.

Aber der Ruhm des Mauritius wurde groß infolge der langen und glücklichen Regierung seines Sohnes und Verbündeten. Eine Abteilung von eintausend Römern, welche Chosroes Leibwache bildeten, war der dauernde Beleg für sein Vertrauen in die Treue der Ausländer. Da aber seine Macht zunahm, konnte er diese beim Volk sehr unbeliebte Einheit entlassen, aber dennoch bekannte er sich nach wie vor zu den gleichen Grundsätzen der Dankbarkeit und Ehrerbietung gegenüber seinem Adoptivvater; und tatsächlich wurden der Frieden und die Bündnistreue zwischen diesen beiden Reichen bis zum Tode des Mauritius getreulich beobachtet Experimentis cognitum est Barbaros malle Roma petere reges quam habere (Die Erfahrung lehrt, dass sie von Rom lieber um Könige nachsuchen als sie haben). Diese Erfahrungen werden bewundernswert dargestellt in der Einladung und der Vertreibung des Vonones (Annal. 2,1-3), Tiridates (Annal. 6,32-44) und Meherdates (Annal. 11,10 und 12,10-14). Tacitus Scharfblick scheint das Lager der Parther und die Mauern des Harems durchdrungen zu haben.. Doch war die kostenintensive Freundschaft des römischen Kaisers durch wertvolle Geschenke sichergestellt worden; die befestigten Städte Martyropolis und Dara wurden zurückgegeben, und die Persarmenier wurden brave Untertanen eines Imperiums, dessen Ostgrenze weiter als jemals bis an die Ufer des Araxes und an das Kaspische Meer reichten.

Dann überließ man sich der frommen Hoffnung, dass die Kirche und Staat in diesen Umwälzungen die Sieger bleiben würden; wenn Chosroes aber den christlichen Bischöfen aufrichtig Gehör gegeben hatte, so wurde dieser Eindruck wieder durch den Glaubenseifer und die Beredsamkeit der Magier zunichte gemacht: wenn er aber mit philosophischer Gleichgültigkeit ausgestattet war, dann schmiegte er seinen Glauben oder vielmehr sein Glaubensbekenntnis den jeweils unterschiedlichen Umständen eines Exilanten oder eines Alleinherrschers an. Die scheinbare Bekehrung des persischen Königs begnügte sich mit einer lokalen und abergläubischen Verehrung des Sergius Sergius und sein Gefährte Bacchus, die während der Christenverfolgungen des Maximinian gelitten haben sollen, genossen in Frankreich, Italien, Konstantinopel und im Osten göttliche Verehrung. Ihr Grab in Rasaphe galt als wundertätig, und so erhielt diese Syrische Stadt den ehrenvollen Namen Sergiopolis. Mem. Eccles. Bd. v. p. 481-496. Butler, Saints, vol. x. p. 155., eines der Heiligen von Antiochia, der seine Gebete erhört hatte und ihm in seinen Träumen erschienen war. Er schmückte dessen Schrein mit zahlreichen goldenen und silbernen Opfergaben und schrieb seinem unsichtbaren Patron den Erfolg seiner Waffen zu wie auch die Schwangerschaft der Sira, einer bekennenden Christin und gleichzeitig seiner Lieblingsfrau Euagrios (6,21) und Theophylactos (5,13 und 14) haben die Originalbriefe aufbewahrt, verfasst in Griechisch, eigenhändig von ihm unterschrieben und später auf Kreuze und Gold-Tafeln geschrieben, welche in der Kirche von Sergiopolis deponiert wurden. Sie waren an den Bischof von Antiochia, den Primas von Syrien gesandt.. Die Schönheit der Sira oder Sirin Die Griechen sagen lediglich: von Geburt eine Römerin und nach ihrer Religion eine Christin; sie wird jedoch als die Tochter des Kaisers Mauritius in persischen und türkischen Romanen dargestellt, welche die Liebe des Khosrou zu Shirin und der Shirin zu Ferhad preisen; welcher der anmutigste Jüngling des Orients war. D'Herbelot, Biblioth. Orient. p. 789, 997, 998., ihr Verstand, ihre musikalische Begabung sind in der Geschichte oder besser wohl: den Romanen des Ostens gegenwärtig; in der persischen Sprache steht ihr Name für Anmut und Sanftheit; und der Beiname Parviz deutet die Reize ihres königlichen Liebhabers an. Doch Shira teilte niemals die Leidenschaften, für die sie Anlass gab, und so war Chosroes' Seligkeit durch den eifersüchtigen Zweifel getrübt, dass sie, während er ihren Leib besaß, sie ihre Neigungen einem geringeren Liebhaber schenkte Die vollständige Abfolge von der Tyrannis des Hormuz, der Revolte des Bahram und der Flucht und Wiedereinsetzung des Chosroes wird von zwei zeitgenössischen Griechen erzählt: gedrängt von Euagrios (6,16-19), und weitläufiger von Theophylaktos Simokatta (3,6-18; 4,1-16; 5,1-15): die nachfolgenden Kompilatoren Zonaras und Cedrenus können lediglich abschreiben und abkürzen. Die christlichen Araber Eutychius (Annal. Bd. ii. p. 200-208) und Abulpharagius (Dynast. p. 96-98) scheinen spezielle Urkunden benutzt zu haben. Die großen persischen Historiker des 15. Jh., Mirkhond und Khondemir, kenne ich nur aus unzureichenden Auszügen von Schikard, (Tarikh, p. 150-155,) Texeira, oder vielmehr Stevens, (Hist. of Persia, p. 182-186), einer türkischen Handschrift in der Übersetzung von Abbe Fourmount, (Hist. de l'Academie des Inscriptions, Bd. vii. p. 325-334,) und D'Herbelot, (aux mots Hormouz, p. 457-459. Bahram, p. 174. Khosrou Parviz, p. 996). Wäre ich von ihrer Autorität völlig überzeugt, so hätte ich mir diese orientalischen Quellen etwas reichhaltiger gewünscht..

 

MACHTSTELLUNG UND POLITIK DES CHAGANS DER AWAREN 570 -- 600

Während Roms Name im Orient wieder auflebte, bot Europa ein minder erfreuliches und minder glanzvolles Schauspiel. Infolge des Abzugs der Langobarden und des Untergangs der Gepiden war die Machtbalance an der Donau zusammengebrochen, und die Awaren konnten ihre Herrschaft vom Fuß der Alpen bis zum Schwarzen Meer dauerhaft ausdehnen. Die Regierungszeit des Baian ist die schönste Epoche ihrer Monarchie; ihr Chagan, der den schlichten Palast Attilas mit Beschlag belegt hatte, scheint auch dessen Eigenarten und Politik imitiert zu haben Eine Vorstellung vom Stolz und von der Macht des Chagans gewinnt man von Menander (Excerpt. Legat. p. 118 f.) und Theophylaktos, (1,3 und 7,15), in dessen acht Büchern die Awaren mehr Ehre einlegen als der römische Herrscher. Die Vorgänger Baians hatten von Roms Liberalität gekostet und er selbst hatte Mauritius überlebt. (Buat, Hist. des Peuples Barbares, Bd. xi. p. 545). Der Chagan, der A.D. 611 in Italien einfiel, (Muratori, Annali, Bd. 5, p. 305, war damals iuvenili aetate florens (in der Blüte seiner Jugend, Paul Warnefrid, de Gest. Langobard. 5,38) und der Sohn, vielleicht auch der Enkel von Baian.. Da sich jedoch jene Szenen nur in einem kleineren Umfang wiederholten, würde eine übergenaue Darstellung der Kopie der Größe und der Neuheit des Originals ermangeln. Der Stolz von Justinus II, von Tiberius und Mauritius wurde von einem hochmütigen Barbaren gedemütigt, der rascher sich bereit fand, das Kriegsrecht zu exekutieren als es zu erdulden. Und sooft Persiens Armeen Asien bedrohten, wurde Europa gleichzeitig durch die gefährlichen Überfälle oder die kostspielige Freundschaft zu den Awaren zugesetzt.

Wenn die römischen Gesandtschaften sich der Person des Chagan näherten, erging zunächst einmal Weisung an sie, am Zelteingang zu warten, bis er nach zehn oder zwölf Tagen sich herbeiließ, sie vorzulassen. Waren Inhalt oder Art des Vortrages für seine Ohren kränkend, so beschimpfte er mit wirklicher oder vorgetäuschter Wut ihre und ihres Fürsten Würde; ihr Reisegepäck wurde geplündert, und ihr Leben konnten sie nur retten durch das Versprechen eines reicheren Geschenkes und eines respektvolleren Vortrages. Seine geheiligten Gesandten indessen freuten sich in Konstantinopel einer ungebundenen Freiheit, die sie denn ja auch ausführlich missbrauchten: mit zudringlichem Geschrei verlangten sie höhere Tributleistungen oder die Herausgabe von Gefangenen und von Überläufern; und so wurde die Würde des Reiches durch kriechendes Nachgeben ebenso erniedrigt wie durch die erlogenen und angstvollen Ausflüchte, mit denen man ihren unverschämten Forderungen auswich.

Der Chagan hatte noch nie einen Elefanten gesehen, und die fremdartige, vielleicht fabelhaft überzeichnete Schilderung dieses wundervollen Tieres erregte seine Neugierde. Auf sein Geheiß wurde einer der größten Elefanten der kaiserlichen Stallungen aufs prächtigste aufgezäumt und mit einer zahlenstarken Begleitung zum königlichen Dorf in die Ebene Ungarns geführt. Er beglotzte das riesige Tier mit Erstaunen, Abneigung und wohl auch mit Entsetzen; und lachte danach über den sinnlosen Eifer der Römer, die auf der Suche nach solchen nutzlosen Kuriositäten die äußersten Grenzen von Land und Meer durchforschten. Dann wünschte er auf Kosten des Kaisers in einem goldenen Bett zu schlummern. Der Reichtum Konstantinopels und die Geschicklichkeit seiner Künstler wurden alsgleich mobilisiert, seiner Laune gefällig zu sein; da das Werk aber vollendet war, wies er mit Verachtung ein der Majestät eines großen Königs so unwürdiges Geschenk zurück Theophylaktos 1,5 und 6..

Dies waren die Gelegenheitseinfälle, die ihm sein Hochmut eingab; die Habgier des Chagan war beständiger und deshalb leichter zu steuern: eine reiche und regelmäßige Sendung von Seidengewändern, Hausgerät und Tafelgeschirr führte in die Zelte der Skythen die Anfangsgründe der Kunst und des Luxus ein; ihr Appetit wurde durch den Pfeffer und den Zimt Indiens stimuliert Selbst im Feld verlangte der Chagan nach diesen Aromen. Er forderte als Geschenk ›indische Gewürze‹ und erhielt ›Pfeffer und Blätter aus Indien.‹ Theophylaktos 7,13. Die Europäer der rohen Zeitläufte brauchten mehr Spezereien zu ihren Speisen und Getränken, als es mit der Delikatesse eines modernen Gerichtes verträglich ist. Vie Privee des Francois, Bd. 2, p. 162, 163, die Jahressumme an Gold und Tribut wurde von achtzig- auf hundertundzwanzigtausend Goldstücke erhöht und nach jedem feindlichen Überfall die Zahlung der Rückstände nebst horrenden Zinsen zur ersten Bedingung eines neuen Friedensvertrages gemacht. In der Sprache der Barbaren und ganz ohne Falsch führte der König der Awaren Klage über die Unredlichkeit der Griechen Theophy. 6,6 und 7,15. Der griechische Historiker anerkennt die Wahrheit und Berechtigung dieses Tadels.; doch stand er den meisten Kulturvölkern in der Kunst der Verstellung und Täuschung in nichts nach.

Als der Nachfolger der Langobarden machte der Chagan auf die wichtige Stadt Sirmium, Illyriens alte Festung, Ansprüche geltend Menander (in Excerpt. Legat. p. 126--132, 174, 175) beschreibt den Meineid des Baian und die Übergabe von Sirmium. Die Beschreibung der Belagerung ist verloren, wird aber von Theophylaktos (1.3) kommentiert.. Die Ebenen von Niederungarn waren von der Reiterei der Awaren überschwemmt, und eine Flotte großer Boote wurden im hercynischen Wald gebaut, um die Donau herab zu fahren und Material zu einer Brücke in die Save zu bringen. Da aber die starke Besatzung von Singidunum, die den Zusammenfluss dieser beiden Ströme beherrschte, ihre Durchfahrt hätte hindern und seine Pläne vereiteln können, zerstreute er ihre Besorgnisse durch einen feierlichen Eid, dass er von feindlichen Absichten gegen das Reich frei sei. Er schwor bei seinem Schwert, dem Sinnbild des Kriegsgottes, dass er nicht als Feind Roms die Brücke über die Save bauen wolle. »Wenn ich meinen Eid breche,« fuhr Baian unverdrossen fort, »möge ich selbst und der letzte meines Volkes durch das Schwert verderben! Dann möge der Himmel und das Feuer, die Gottheiten des Himmels uns auf den Kopf fallen; dann mögen uns Wälder und Berge unter ihren Trümmern begraben, und es möge die Save entgegen allen Naturgesetzen zu ihrer Quelle zurückkehren und uns mit ihren erzürnten Wassern verschlingen!« Nach diesen barbarischen Verwünschungen fragte er in aller Ruhe, welche Eidesformel unter den Christenmenschen die heiligste und ehrwürdigste sei und welche Schuld des Meineides auf sich zu laden am gefährlichsten sei. Der Bischof von Singidunum reichte ihm das Evangelium und der Chagan empfing es mit frommer Scheu. »Ich schwöre,« schwor er, »bei dem Gott, der gesprochen hat in diesem heiligen Buch, dass auf meiner Zunge ebenso wenig Falschheit ist wie Verrat in meinem Herzen.«

Sobald er sich von den Knien erhoben hatte, beschleunigte er die Arbeiten an der Brücke und fertigte einen Boten ab, um zu verkünden, was er nicht länger zu verhehlen wünschte. »Meldet dem Kaiser,« so der meineidige Baian, » dass Sirmium nunmehr von allen Seiten umzingelt ist. Gebt seiner Einsicht den Rat, die Bürger nebst ihrer Habe abzuziehen und eine Stadt aufzugeben, nicht mehr zu verteidigen oder zu entsetzen sei. Ohne Hoffnung auf Entsatz zog sich Belagerung von Sirmium dennoch über drei Jahre hin: die Mauern waren unberührt, aber innerhalb der Mauern wütete der Hunger, bis eine gnädige Kapitulation den ausgeplünderten und ausgehungerten Bewohnern den Abzug gestattete. Das fünfzig Meilen entfernte Singidunum erging es grausamer: die Gebäude wurden geschleift und die besiegten Einwohner zur Sklaverei und Verbannung verurteilt. Inzwischen ist von den Ruinen Sirmiums nichts mehr zu sehen; dagegen zog die vorteilhafte Lage von Singidunum schon bald eine neue Kolonie von Sklaven an, und noch heute wird dieser Zusammenfluss von Save und Donau durch die Festungswerke von Belgrad oder der Weißen Stadt gesichert, um welche die Waffen der Türken und Christen so oft und so verbissen gekämpft haben Siehe D'Anville in den Memoires de l'Acad. des Inscriptions, Bd. xxviii. p. 412--443. Der slawische Name Belgrad wird im X Jh. von Constantin Porphyrogenitos erstmalig erwähnt: die lateinische Bezeichnung Alba Croeca wird zu Beginn des IX Jh. verwendet (p. 414)..

Die Entfernung von Belgrad bis Konstantinopel ist 600 Meilen in gerader Linie; diese Linie war mit Feuer und Blut markiert; die Pferde der Awaren badeten abwechselnd im Schwarzen Meer und in der Adria, und der römische Papst sah sich aus Furcht vor einem noch schlimmeren Feind Baronius Annal. Eccles. A. D. 600, No. 1. Paul Warnefrid (4,38) erzählt ihren Überfall auf Friaul und (39) die Gefangenschaft seines Vorfahren um A.D. 632. Die Slawen überquerten die Adria in zahlreichen Schiffen und machten eine Landung auf dem Gebiet von Sipontum (47). dazu genötigt, die Langobarden als die Behüter Italiens wertzuschätzen. Die Verzweiflung eines Kriegsgefangenen, den auszulösen sein Heimatland sich weigerte, machte die Awaren mit der dem Erbauen und Benutzen von Kriegsmaschinen bekannt Sogar des helepolis oder beweglichen Turms, Theophylaktos 2, 16f.. Doch die ersten Modelle waren roh gezimmert und wurden ungeschickt gehandhabt; und der Widerstand von Diocletianopolis und Baraea, von Philippopolis und Adrianopel überforderte schon bald die Kriegskunst und die Geduld der Belagerer. Baian führte Krieg nach der Art der Tataren, und dennoch war sein Herz empfänglich für menschliche und edle Gefühle: er verschonte Anchiatus, dessen Heilwasser die Gesundheit seiner Lieblingsfrau wiederhergestellt hatte; und die Römer stellen nicht in Abrede, dass ihre hungernde Armee durch einen großmütigen Feind mit Lebensmitteln versehen und dann entlassen wurde.

Sein Reich dehnte sich über Ungarn, Polen und Preußen aus, von der Donau- bis zur Odermündung Die Reichweite der Waffen und Bündnisse des Chagans reichte bis in die Nähe des westlichen Ozeans, 15 Monate von Konstantinopel entfernt. Der Kaiser Mauritius hatte eine Unterredung mit reisenden Harfenisten aus dieser entfernten Gegend, scheint aber einen Handel mit einem Volk verwechselt zu haben. Theophylaktos 6,2.; und die misstrauische Staatsklugheit des Eroberers verteilte und verpflanzte die neuen Untertanen Dies ist eine der plausibelsten und lichtvollsten Konjekturen des gelehrten Grafen de Buat, (Hist. des Peuples Barbares, Bd. xi. p. 546--568). Die Tzechi und Serbi findet man zusammen am Kaukasus, in Illyrien und an der Niederelebe. Selbst die wüstesten Sagen der Böhmen geben dieser Vermutung einigen Wahrscheinlichkeit.. Die Ostgebiete Germaniens, welche seit dem Abzug der Vandalen leer gestanden hatten, wurden von slawischen Kolonisten besiedelt; die gleichen Stämme finden sich unfern der Adria und der Ostsee, und neben dem Namen Baian selbst findet man die illyrischen Städte Neyss und Lissa mitten in Schlesien wieder. Bei der Verteilung seiner Truppen und Provinzen setzte der Chagan seine Vasallen, deren Leben er für nichts achtete Siehe Fredegarius in Historians of France, Bd. ii. p. 432. Baian verhehlt seine stolze Abgestumpftheit nicht., den ersten Angriffswellen aus; und so waren die feindlichen Schwerter bereits ermattet, wenn sie mit der eigentlichen Tapferkeit der Awaren zusammenstießen.

 

FELDZÜGE DES MAURITIUS GEGEN DIE AWAREN 595 -- 602

Das Bündnis mit den Persern setzte die Truppen des Ostens für die Verteidigung Europas frei; und Mauritius, der zehn lange Jahre die Frechheiten des Chagans ertragen musste, erklärte nunmehr seine Entschlossenheit, in eigener Person gegen die Barbaren vorzurücken. Seit zweihundert Jahren hatte sich kein Nachfolger des Theodosius im Felde blicken lassen, sie verdämmerten ihr Leben im Palast von Konstantinopel in träger Rückenlage, und die Griechen konnten nicht begreifen, dass der Titel Imperator in seinem ursprünglichen Sinne einen Oberkommandierenden des Heeres in den Zeiten der Republik bezeichnet hatte. Den kriegerischen Ambitionen des Mauritius widersetzten sich der Senat mit würdevoller Schmeichelrede, der Patriarch mit seinem furchtsamen Aberglauben und endlich die Kaiserin Konstantina, von Tränen blind; sie alle beschworen ihn, die Beschwernisse und Gefahren eines solchen Feldzuges auf einen nachgeordneten Feldherren abzuwälzen. Taub gegen ihre Vorstellungen und Bitten rückte der Kaiser kühn sieben Meilen vor die Hauptstadt Ausmarsch und Rückkehr bei Theophylaktos 5,16; 6,1-3. Wäre er ein Autor von Geist und Geschmack, würden wir ihm jetzt feine Ironie zusprechen; aber Theophylaktos ist ohne jeden Arg.; vor der Front wurde das Zeichen des Heiligen Kreuzes entwickelt, und Mauritius überblickte mit stolzer Selbstgefälligkeit die Waffen und die Masse seiner Veteranen, welche schon jenseits des Tigris gekämpft und gesiegt hatten.

Zum Ziel seines Zuges zu Lande und zu Wasser hatte er sich Anchialus gesetzt; doch vergebens flehte er um ein Wunder als Antwort auf seine nächtlichen Gebete; vielmehr wurde er im Innersten erschüttert durch den Tod seines Lieblingspferdes, die unvermittelte Begegnung mit einem Wildschwein, ein Gewitter nebst Platzregen und die Geburt eines missgebildeten Kindes, und er vergaß darüber, dass das beste Vorzeichen immer noch das zur Verteidigung unserer Heimat gezogene Schwert ist Ilias 12,243. (›Nur ein Wahrzeichen gilt: das Vaterland zu erretten.‹ J.H. Voss) Dieser edle Vers, welcher Heldenmut und Weisheit zusammenfügt, ist ein Beweis, dass Homer in jeder Hinsicht seine Zeit und sein Land überragte.. Unter dem Vorwand, eine persische Gesandtschaft zu begrüßen, kehrte der Kaiser nach Konstantinopel zurück, tauschte die Gedanken an den Krieg gegen Andachtsübungen und betrog die Hoffnungen des Volkes durch seine Abwesenheit und die Wahl seiner Generäle. Blinde Bruderliebe mochte die Wahl seines Bruders Petrus entschuldigen, welcher dann allerdings, je und je mit gleichviel Schmach beladen, vor den Barbaren, vor seinen eigenen Soldaten und vor den Bewohnern einer römischen Stadt enteilte. Wenn wir der Namensähnlichkeit trauen können, handelte es sich bei dieser Stadt um das berühmte Azimuntium Theophyl. 6,3. Auf das Zeugnis dieser Tatsache hin, die mir entfallen war, möge der günstige Leser in Kapitel 34 die Anmerkung 36 verbessern und entschuldigen, dass sie den Untergang von Asimus oder Azimuntium vorverlegt; durch ein solches Geständnis wird ein weiteres Jahrhundert von Vaterlandsliebe und Tapferkeit billig gekauft., welche ganz alleine die Angriffe Attilas zurückgeschlagen hatte. Das Beispiel ihrer kriegstüchtigen Jugend wurde an die nachfolgenden Geschlechter weitergegeben und brachte ihnen unter Justin II das ehrenhafte Vorrecht ein, dass ihre Tapferkeit für immer der Verteidigung ihrer Stadt solle aufgespart bleiben.

Mauritius' Bruder Petrus versuchte nun, dieses Vorrecht zu kränken und einen Schar der Patrioten unter seine Söldlinge zu mischen; jene zogen sich in die Kirche zurück; er hingegen respektierte die Heiligkeit der Stätte nicht; da erhob sich das Volk für ihre Sache, die Tore wurden verriegelt, die Mauern besetzt, und es zeigte sich, dass Petrus ebenso feige war wie blasiert und ungerecht. Der militärische Ruf des Commentiolus Man sehe zu diesem erbärmlichen Verhalten des Commentiolus Theophyl, 2,10--15; 7, 13f; 8,2 und 4. ist eher ein Gegenstand der Satire oder der Komödie als der ernsthaften Historiographie, da ihm selbst der elementarste und armseligste persönliche Mut abging. Seine feierlichen Kriegsrats-Versammlungen, seine merkwürdigen Hin- und Herevolutionen und Geheimbefehle hielten ihm immer eine Hintertür für Flucht oder Zögern offen. Rückte er gegen den Feind vor, stellten ihm die anmutigen Täler des Hämusgebirges stets ein unüberwindliches Hindernis dar; auf dem Rückzug jedoch erforschte er mit unerschrockenem Forscherdrang die schwierigsten und entlegensten Pfade, die kaum der älteste Eingeborene noch kannte. Das einzige Blut, das er jemals vergossen hatte, wurde ihm während einer wirklichen oder eingebildeten Krankheit durch den Lanzettstich eines Arztes genommen. Seine Gesundheit indessen, welche mit einmaliger Empfindlichkeit das Herannahen der Barbaren erspürte, wurde stets gleichbleibend in der Ruhe und Sicherheit der Winterquartiere wieder hergestellt.

Ein Herrscher, welcher diesen unwürdigen Günstling zu fördern und zu unterstützen über sich brachte, kann aus den Zufallserfolgen seines Amtsgenossen Priscus keinen Ruhm für sich ableiten Zu den Heldentaten des Priscus sehe man 8,23.. In fünf aufeinander folgenden Gefechten, in denen man mit Geschick und Entschlossenheit gekämpft zu haben scheint, wurden siebzehntausendundzweihundert Barbaren gefangen genommen; beinahe sechzigtausend sowie vier Söhne des Chagan wurden erschlagen; außerdem überrumpelte der römische Feldherr einen friedlichen Distrikt, in welchem die Gepiden unter dem Schutze der Awaren schlummerten; und seine letzten Siegeszeichen errichtete er an den Ufern von Donau und Theiß. Seit Trajans Tod waren die Waffen des Imperiums niemals wieder so tief in das alte Dakien vorgedrungen: aber das Kriegsglück des Priscus war von kurzer Dauer und blieb ohne Folgen; und schon bald rief man ihn zurück, besorgend, dass Baian mit unverzagtem Mut und verstärkter Heeresmacht sich vorbereite, seine Niederlage vor den Toren von Konstantinopel zu rächen Die allgemeinen Umstände des Awarenkrieges kann man im 1., 2., 6., 7. und 8. Buch der Geschichte des Kaisers Mauritius von Theophylaktos Simokatta nachlesen. Er schrieb in der Regierungszeit des Heraclius, war also nicht versucht zu schmeicheln. Aber sein Mangel an Urteilskraft führt dazu, dass er bei Kleinigkeiten ausführlich verweilt, während er bei wirklich wichtigen Tatsachen zu karg ist..

 

ZUSTAND DER RÖMISCHEN ARMEE

Im Lager Caesars oder Traians war man mit der Kriegstheorie nicht besser vertraut als im Lager des Justinian oder Mauritius Mauritius selbst hat 12 Bücher über die Kriegskunst verfasst, welche noch heute existieren und von Johannes Schaeffer veröffentlicht wurden (Uppsala 1664), und zwar als Anhang zu Arrians ›Taktik‹ (Fabricius, Bibliot. Graeca, 4,8 Bd. iii. p. 278), welcher von seinem Werke an passender Stelle ausführlicher zu reden verspricht.. Das Eisen der Toskana oder vom Pontus erhielt durch die Könnerschaft der byzantinischen Werkmeister den letzten Schliff; die Arsenale waren mit jeder Art von Angriffs- und Verteidigungswaffen im Überfluss angefüllt; im Bau und in der Handhabung der Schiffe, Kriegsmaschinen und Befestigungsanlagen bewunderten die Barbaren die überlegene Erfindungsgabe eines Volkes, das sie im Felde sooft besiegt hatten. Die Wissenschaft der Kriegstaktik, der Schlachtordnungen, Schwenks und Kriegslisten der Antike war von Griechen und Römern in Büchern niedergelegt und konnte studiert werden. Aber die Provinzen, entvölkert und ausgeartet, wie sie waren, konnten kein Menschengeschlecht mehr hervorbringen, das imstande war, diese Waffen zu führen, diese Mauern zu besetzen, diese Schiffe zu manövrieren und die Theorie des Krieges in eine kühne und erfolgreiche Praxis umzusetzen. Das Genie eines Belisar oder Narses war ohne Lehrmeister ausgebildet worden und starb ohne Schüler. Weder Ehre noch Patriotismus oder edler Aberglaube konnte die unbelebten Körper von Sklaven oder Ausländern beseelen, welche den ehrenvollen Legionen beigetreten waren; einzig im Lager hätte der Kaiser unumschränkte Herrschaft ausüben sollen; einzig im Lager wurde seine Autorität angezweifelt und verhöhnt; durch Gold beschwichtigte er die Disziplinlosigkeit der Truppen und verstärkte sie dadurch erst; ihre Untugenden waren fest eingewurzelt, ihre Siege waren Zufallsprodukte, und ihr Unterhalt erschöpfte den Wohlstand des Staates, den zu verteidigen sie außerstande waren

Nach langer Zeit der Nachsicht ging Mauritius an die Heilung dieses eingefressenen Übels; doch der unüberlegte Versuch, der über sein eigenes Haupt Verderben sammelte, verschlimmerte die Krankheit nur. Ein Reformer muss vom Verdacht des Eigennutzes frei sein und das Vertrauen und die Wertschätzung derjenigen besitzen, die er bessern will. Die Truppen des Mauritius hätten allenfalls auf die Stimme eines siegreichen Heerführers gehört, die Mahnungen eines Staatsmannes oder Sophisten verachteten sie; und als ihnen endlich ein Edikt bekannt gemacht wurde, gemäß dem die Kosten für Waffen und Kleidung von ihrem Sold abgezogen wurden, verfluchten sie den Geiz dieses Herrschers, der für die überstandenen Gefahren und Mühen so unempfänglich war.

Die Lager Asiens und Europas wurden durch zahlreiche und wütende Aufstände erschüttert Zu den Meutereien unter Mauritius siehe Theoph. 3,1--4; 6,7 -- 10; 7,1; 8,6f.; die aufgebrachten Soldaten zu Edessa setzten ihren zitternden Feldherren mit Vorwürfen, Drohungen und Körperverletzungen zu; stürzten die Statuen des Kaisers um, warfen Steine auf das wunderwirkende Christusbild und verweigerten sich entweder sämtlichen bürgerlichen und militärischen Gesetzen oder führten ein heikles Modell freiwilligen Gehorsams ein. Der Monarch, immer abwesend und häufig betrogen, war unfähig, den Forderungen des Augenblicks entsprechend durchzugreifen oder nachzugeben. Aber die Angst vor einer allgemeinen Erhebung bewog ihn, allzu bereitwillig die nächstbeste tapfere Tat oder irgendeinen Beweis von Loyalität als Sühne für die Vergehen der Menge gelten zu lassen: so schnell, wie die neue Reform eingeführt worden war, wurde sie auch wieder eingestellt, und die Truppen, die mit Bestrafung und Verboten gerechnet hatten, waren nun von der huldreichen Bekanntgabe einer allgemeinen Amnestie und Belobigung angenehm überrascht. Aber die Soldaten nahmen die abgetrotzten und verspäteten Geschenke ihres Kaiser ohne ein Gefühl des Dankes an: die Entdeckung seiner Schwäche und ihrer eigenen Stärke erhöhte ihren Übermut; und ihre gegenseitige Abneigung wog bedeutend schwerer als der Wunsch nach Verzeihung und die Hoffnung nach Aussöhnung.

Die Historiker jener Zeit kolportieren die Volksmeinung, dass Mauritius mit dem Plan umging, die Truppen aufzulösen, an deren Reform er gearbeitet hatte; das Fehlverhalten und die Gunst des Commentiolus schrieb man diesem seinem üblen Plane zu; und jedes Zeitalter wird die Unmenschlichkeit und den Geiz Theophylaktos und Theophanes scheinen von dem Plan und dem Geiz des Mauritius nichts zu wissen. Diese dem Andenken des Kaisers so ungünstigen Beschuldigungen werden zuerst von dem Verfasser der Chronicon Pascale (p. 379f) ausgesprochen. Aus ihnen hat sie Zonaras (Bd. ii. l. xiv. p. 77, 78) abgeschrieben. Cedrenus (p. 399) hat sich einer anderen Berechnung des Lösegeldes angeschlossen. eines Herrschers verdammen, der durch das unbedeutende Lösegeld von sechstausend Goldstücken das Massaker an zwölftausend Kriegsgefangenen in den Händen des Chagan hätte verhindern können.

 

AUFRUHR DES PHOKAS -- OKTOBER 602

Inmitten dieser gerechten Empörung erging an die Donaulegionen der Befehl, die Magazine der Provinz zu schonen und ihre Winterquartiere im feindlichen Awarenlande aufzuschlagen. Das Maß war nun voll; sie erklärten Mauritius für regierungsunwürdig, sie vertrieben oder ermordeten seine treuen Anhänger und kehrten unter der Führung von Phokas, einem einfachen Centurio, in Eilmärschen in die Nähe von Konstantinopel zurück. Nach einer langen Reihe von rechtmäßig inthronisierten Herrschern lebten das militärische Chaos des dritten Jahrhunderts wieder auf; indessen, die Neuheit dieses Unterfangens war so unfassbar, dass die Verursacher Angst vor ihrer eigenen Tollkühnheit bekamen. Sie trugen Bedenken, ihren Liebling mit dem frei gewordenen Purpur zu bekleiden; und während sie einerseits jede Verhandlung mit Mauritius ablehnten, unterhielten sie einen freundlichen Austausch mit seinem Sohn Theodosius und mit Germanus, dem Schwiegervater des fürstlichen Jünglings. So nachgeordnet war des Phokas frühere Dienststellung gewesen, dass der Kaiser noch nicht einmal den Namen und Rang seines Nebenbuhlers kannte; da er aber hörte, dass der Centurio zwar kühn sei im Aufruhr, aber feige angesichts der Gefahr, rief der Herrscher mutlos aus: »Ach! Wenn er ein Feigling ist, wird er sicher ein Mörder sein!«

 

AUFRUHR IN KONSTANTINOPEL

Wäre Konstantinopel jedoch fest und treu geblieben wäre, dann hätte der Mörder seine Wut gegen die Mauern verschwenden müssen; das Heer der Aufständischen aber wäre durch des Kaiser Klugheit allgemach zermürbt oder versöhnt worden. Bei den Zirkusspielen, die Mauritius mit ungewöhnlicher Prachtentfaltung veranstalten ließ, verbarg er seine Herzensbesorgnis hinter dem Lächeln des Zuversicht, vergaß sich soweit, um den Beifall der Zirkusparteien zu buhlen und kitzelte ihrem Stolz, indem er von ihren jeweiligen Tribunen Listen von 900 Blauen und 1500 Grünen erhielt, die als die festen und unerschütterlichen Pfeiler seines Thrones wert zu halten er sich den Anschein gab. Ihre verräterische und kraftlose Unterstützung offenbarte seine Schwäche und beschleunigte seinen Sturz: die Grünen waren heimliche Mitverschworene und die Blauen empfahlen im Kampf mit ihren römischen Brüdern Zurückhaltung und Mäßigung.

Die strengen Tugenden und die Sparsamkeit des Mauritius hatten ihn schon längst den Herzen seiner Untertanen entfremdet: während er bei religiösen Prozessionen barfuß einherging, bewarf man ihn respektfrei mit Steinen, und seine Wachen sahen sich genötigt, ihre Eisenknüppel zum Schutze seiner Person bereitzuhalten. Ein fanatischer Mönch rannte mit gezücktem Schwert durch die Straßen und beschwor den Zorn und den Richterspruch des Himmels auf ihn herab, während ein Plebejer, der seine Person und Ausstattung darstellen sollte, auf einem Esel durch die Straßen geführt und von den Verwünschungen der Menge verfolgt wurde In ihrem wilden Lärm gegen Mauritius schmähte die Volksmasse Konstantinopels ihn Marcionit oder Marcionist. Eine Ketzerei, sagt Theophylaktos (8,9). Hatten sie da nur einen unbestimmten Vorwurf ausgestoßen -- oder hatte der Kaiser tatsächlich einigen obskuren Lehrern jener alten Gnostiker zugehört?. Die Popularität des Germanus bei Volk und Armee war dem Kaiser verdächtig: er fürchtete, er drohte, aber er schreckte vor den entscheidenden Hieb zurück; der Patrizier floh zum Kirchenheiligtum; das Volk erhob sich zu seiner Verteidigung, die Wachen verließen die Mauern, und die gesetzlose Stadt war den Flammen und Plünderungen eines nächtlichen Aufruhrs preisgegeben. In einem kleinen Boot entkam der glückverlassene Monarch mit seiner Gattin und seinen neun Kindern an die asiatische Küste; aber ein kräftiger Wind zwang ihn, an der Kirche des Heiligen Autonomus Die Kirche des St. Autonomus (welchen Heiligen zu kennen ich nicht die Ehre habe) war 150 Stadien von Konstantinopel entfernt (Theophyl. 8,9). Der Hafen von Eutropius, in welchen Mauritius und seine Kinder ermordet wurden, wird von Gyllius beschrieben als einer der zwei Häfen Chalkedons (de Bosphoro Thracio, 3,11). bei Chalcedon zu landen, von wo er seinen ältesten Sohn losschickte, um an die Dankbarkeit und die Freundschaft des persischen Monarchen zu appellieren. Er selbst weigerte sich zu fliehen; sein Leib wurde durch Hüftschmerzen Die Einwohner von Konstantinopel litten sehr häufig an Gelenkerkrankungen, und Theophylaktos (8,9) macht sich anheischig, die medizinischen Ursachen zu benennen, wenn es sich denn mit den Regeln der Historiographie vertragen hätte. Eine solche Abschweifung wäre indessen nicht unschicklicher gewesen als seine Untersuchung über die jährliche Nilschwemme (7,16f.) und die Meinungen aller griechischen Philosophen zu diesem Gegenstande. gefoltert und seine Seele durch Aberglauben gelähmt; ergeben wartete er den Ausgang der Revolution ab und richtete ein öffentliches, inbrünstiges Gebet an den Allmächtigen, dass ihn die Strafe für seine Sünden lieber in diesem als dem zukünftigen Leben ereilen möge.

Nach der Mauritius' Abdankung zankten sich die beiden Parteien um die Wahl eines Kaisers; aber der Günstling der Blauen wurde durch die gegnerische Eifersucht rundweg verworfen und Germanus selbst von den Massen mit fortgerissen, die zum Palast Hebdomon sieben Meilen vor Konstantinopel eilten, die Majestät des Zenturio Phokas anzubeten. Dem bescheidenen Wunsche, den Purpur dem Germanicus seinem Rang und Verdienst entsprechend zu überlassen, widersetzte er sich, hartnäckiger, wenn auch ebenso aufrichtig entschlossen; Senat und Klerus gehorchten seiner Aufforderung, und sobald der Patriarch sich seiner Rechtgläubigkeit versichert hatte, krönte er den glücklichen Thronräuber in der Kirche Johannes' des Täufers.

 

ERMORDUNG DES MAURITIUS UND SEINER KINDER -- 27. NOVEMBER 602

Am dritten Tage hielt Phokas auf einem von vier weißen Pferden gezogenem Wagen öffentlich Einzug, vom Jubel des gedankenlosen Volkes umrauscht: die Truppen wurden für ihre Empörung mit einem verschwenderischem Geschenk belohnt, und der neue Herrscher beobachtete nach einer Palastinspektion von seinem Throne herab die Spiele des Hippodroms. In einem Streit zwischen den beiden Parteien über den Vorrang neigte sich sein parteiisches Urteil den Grünen zu. »Denke daran, dass Mauritius noch lebt!« ertönte es von der Gegenseite; und dieser unüberlegte Zuruf der Blauen warnte und weckte die Grausamkeit des Tyrannen. Die Diener des Todes wurden nach Chalkedon abgefertigt: sie zerrten den Kaiser aus seinem Heiligtum, und die fünf Söhne des Mauritius wurden nacheinander vor den Augen ihres mit dem Tode ringenden Vaters ermordet. Bei jedem Hieb, der ihm mitten durchs Herz ging, fand er noch die Kraft zu dem frommen Ausruf: »Gerecht bist du, o Herr! Und weise sind deine Gerichte!« So groß war noch in den letzten Augenblicken sein strenges Festhalten an Wahrheit und Gerechtigkeit, dass er einem der Mörder den frommen Betrug einer Amme entdeckte, die ihr eigenes Kind anstelle des kaiserlichen Säuglings darbot Von diesem edelmütigen Versuch hat Corneille die Anregung zu seiner verwickelten Tragödie ›Heraclus‹ genommen, welche man mehr als nur einmal sehen muss, um sie deutlich zu verstehen (Corneille de Voltaire, tom. v. p. 300); und welche ein paar Jahre später den Verfasser selbst soll verwirrt haben (Anecdotes Dramatiques, Bd. i. p. 422).. Das tragische Schauspiel endete dann mit der Ermordung des Kaisers selbst, im zwanzigsten Jahr seiner Regierung und im dreiundsechzigsten seines Lebens. Die Leichen des Vaters und seiner fünf Söhne wurden in das Meer geworfen; ihre Köpfe wurden in Konstantinopel den Beschimpfungen oder dem Mitleid der Volksmassen überlassen, und nicht eher, als Anzeichen der Verwesung sichtbar wurden, gestattete Phokas die stille Beisetzung dieser ehrwürdigen Überreste. Mit ihnen wurden die Fehler und Missgriffe des Mauritius beigesetzt und vergessen. Nur an sein unglückliches Schicksal erinnerte man sich; und noch zwanzig Jahre später wurde während einer Vorlesung aus dem Geschichtswerk des Theophylaktos diese traurige Erzählung von den Tränen der Zuhörer unterbrochen Die Erhebung des Phokas und der Tod des Mauritius werden erzählt von: Theophylactos Simocatta (8,7--12), Chronicon Paschale (p. 379, 380), Theophanes (Chronograph. p. 238-244), Zonaras (Bd. ii. l. xiv. p. 77--80)u nd Cedrenus, (p. 399--404)..

 

PHOKAS KAISER 23. NOVEMBER 602 -- 4. OKTOBER 610

Derlei Tränen hätten unter Phokas' Regierung -- er war im Westen und im Osten anstandslos anerkannt worden -- im Geheimen fließen müssen, und solches Mitleiden wäre ihm ein Verbrechen gewesen. Die Bildnisse des Kaisers und seiner Frau Leontia wurden im Lateran aufgestellt, dem Senat von Rom und der Klerisei als ein Gegenstand der Verehrung, später dann auch im Caesarenpalast zwischen den Bildnissen von Konstantin und Theodosius. Als Untertan und Christ hatte Papst Gregor die Pflicht, sich der jeweils bestehenden Regierung zu fügen; doch der frohe Beifall, mit dem er, der Heilige, ihn, den Mörder, begrüßte, hat für alle Zeiten sein Charakterbild eingesudelt. Als der Nachfolger der Apostel er hätte mit submisser Festigkeit auf die Schuld des Blutvergießens und die Notwendigkeit zur Reue verweisen dürfen: er begnügte sich damit, die Befreiung des Volkes und den Sturz eines Tyrannen zu feiern; zu frohlocken, dass die Frömmigkeit und die Güte des Phokas von der Vorhersehung auf den Kaiserthron erhoben seien; zu beten, dass seine Hände gegen alle Feinde siegreich gestärkt seien; und den Wunsch, vielleicht sogar die Prophezeiung auszusprechen, dass er nach langer und triumphaler Regierung aus einem irdischen in ein ewigwährendes Königreich möge abberufen werden regor. l. xi. epist. 38, indict. vi. Benignitatem vestrae pietatis ad Imperiale fastigium pervenisse gaudemus. Laetentur coeli et exultet terra, et de vestris benignis actibus universae republicae populus, nunc usque vehementer afflictus, hilarescat, &c.(Des freuen wir uns, dass eure fromme Güte zu kaiserlichen Würde emporgehoben ward. Die Himmel jauchzen, und die Erde jubele, und an den Taten eurer Güte möge alle Welt, bis heute so niedergedrückt, sich nun aufheitern). Diese niedere Schmeichelei, die Zielscheibe für Protestanten-Schmäh, wird von dem Philosophen Bayle zu Recht verurteilt. (Dictionnaire Critique, Gregoire I. Not. H. Bd. ii. p. 597f.) Baronius versucht den Papst auf Kosten des ermordeten Kaisers zu rechtfertigen..

Ich habe bereits die ersten Maßnahmen dieser nach Gregors Meinung dem Himmel und der Erde so hocherfreulichen Regierung erzählt; und in der Ausübung seiner Macht gebärdet sich Phokas nicht weniger hassenswert als bei ihrer Usurpation. Der Pinsel eines unparteiischen Historikers hat von ihm das Bild eines Monstrums entworfen Die Bildnisse des Phokas wurden zerstört, aber selbst seine Feinde in ihrer Bosheit duldeten es, dass die Kopie eines solchen Portraits --besser wohl: einer solchen Karikatur -- den Flammen (Cedrenus, p. 404) entging., seine kleine und verwachsene Person, seine zottigen, ineinander verwachsenen Augenbrauen, sein rotes Haar, sein bartloses Kinn und seine durch eine grässliche Narbe entstellte und entfärbte Wange. Mit Wissenschaften, Gesetzen, sogar mit Waffen nicht vertraut, vergönnte er sich auf seinem höchsten Rang das ausgedehntere Vorrecht auf Völlerei und Wollust, und seine viehischen Vergnügungen waren Frevel an seinen Untertanen und zugleich eine Schändung seiner selbst. Den Beruf eines Soldaten hatte er abgelegt, ohne den eines Herrschers ergriffen zu haben: Phokas' Regentschaft beleidigte Europa mit schimpflichem Frieden und Asien mit verheerenden Kriegen. Sein animalischer Charakter wurde von Leidenschaften entflammt, durch Furcht verhärtet und durch tadelnden Widerspruch aufgebracht.

Theodosius ward auf seiner Flucht an den persischen Hof durch rasche Verfolgung oder eine betrügerische Botschaft abgefangen; er wurde zu Nicäa hingerichtet, und seine letzten Stunden linderte sich der junge Prinz mit den Tröstungen der Religion und dem Bewusstsein seiner Unschuld. Doch selbst noch sein Schattenbild störte die Ruhe des Thronräubers; ein Gerücht ging um im Orient, der Sohn des Mauritius sei noch am Leben: das Volk harrte seines Rächers, die Witwe und die Töchter des toten Kaisers hätten den niedrigsten der Menschen als Sohn und Bruder anerkannt. Bei der Ausrottung der kaiserlichen Familie Ducange, (Familiae Byzantinae, p. 106, 107, 108) schildert die Familie des Mauritius; sein ältester Sohn Theodosius wurde bereits im Alter von viereinhalb Jahren zum Kaiser gekrönt und wurde in den Grußadressen Gregors immer neben dem Vater genannt. Neben den christlichen Töchtern Anastasia und Theokteste finde ich überraschenderweise auch den heidnischen Namen Kleopatra. hatte das Mitleid oder vielmehr das Gutdünken Phokas die unglücklichen Frauen verschont und sie in einer angemessene Privatunterkunft gefangen gesetzt.

Aber der hohe Sinn der Kaiserin, die ihren Vater, ihren Gatten und ihre Söhne nicht vergaß, verlangte es nach Freiheit und Rache. Im Dunkel der Nacht entkam sie zu dem Heiligtum der Sophia; aber weder ihren Tränen und noch das Gold ihres Mitgefährten Germanus konnten einen Aufruhr erregen. So war ihr Leben der Rache, sogar der Gerechtigkeit ausgeliefert: doch der Patriarch erwirkte ihre Begnadigung und leistete durch einen Eid Bürgschaft für sie; ein Kloster wurde ihr zum Gefängnis angewiesen, und die Witwe des Mauritius akzeptierte die Milde seines Mörders und --missbrauchte sie. Die Entdeckung oder auch nur der Verdacht einer zweiten Verschwörung entband Phokas aller Verbindlichkeiten und flammte seine Wut aufs Neue. Ein Matrone, die das Anrecht auf den Respekt und das Mitleid der Menschheit hatte, die die Tochter, Gemahlin und Mutter von Kaisern war, wurde wie der gemeinste Verbrecher gefoltert, um ihr das Bekenntnis ihrer Schuld und die Namen ihrer Mitverschwornen abzupressen. Und so wurde die Kaiserin zusammen mit ihren unschuldigen Töchtern auf demselben Platz zu Chalkedon enthauptet, der bereits mit dem Blut ihres Mannes und seiner fünf Söhne befleckt war. -- Nach einem solchen Vorgang wäre es überflüssig, die Namen und die Qualen anderer Schlachtopfer von einfacher Herkunft aufzuzählen; nur selten wurde eine förmliche Gerichtsverhandlung inszeniert, bevor man sie verurteilte; dafür wurden ihre Strafen durch ausgesuchte Grausamkeiten verschärft: man durchbohrte ihnen die Augen, riss ihnen die Zunge aus, hackte ihnen Hände und Füße ab; die einen kamen in den Flammen um, die anderen wurden zu Tode gegeißelt; wieder andere wurden von Pfeilen durchbohrt, und ein einfacher, schneller Tod war eine nur selten gewährte Gnade. Das Hippodrom, das heilige Asyl der römischen Freiheit und der Vergnügungen, wurde mit Köpfen und verstümmelten Körpern und Gliedmaßen geschändet; und am meisten spürten die Komplizen des Phokas, dass weder seine Gunst noch ihre Verdienste sie vor diesem Tyrannen schützen konnten, diesem würdigen Ebenbild eines Caligula und Domitian aus der frühen Kaiserzeit Einige der Grausamkeiten des Phokas werden von Theophylaktos (8,13--15) benannt. Georg von Pisidia, der Dichter des Heraklius nennt ihn (Bell. Avaricum, p. 46, Rom, 1777) der Drache der Tyrannis, der am schwersten zu überwinden ist, der Verderber des Lebens. Der letzte Beiname trifft zu, aber der Verderber des Lebens war leicht überwunden..

 

PHOKAS' STURZ UND TOD 4. OKTOBER 610

Die Tochter des Phokas, sein einziges Kind, wurde mit dem Patrizier Crispus Bei den Autoren und ihren Kopisten findet man ein derartiges Schwanken (Ducange, Fam. Byzant. p. 111) zwischen den Namen Crispus und Priscus, dass ich in Versuchung bin, den Schwiegersohn des Phokas mit dem Helden gleichzusetzen, der fünfmal die Awaren besiegt hat. verehelicht; nun hatte man die königlichen Bildnisse der Braut und des Bräutigams unklugerweise neben dem des Kaisers im Zirkus aufgestellt. Der Vater musste naturgemäß wünschen, dass seine Nachkommenschaft die Früchte seiner Verbrechen werde genießen können, aber der Monarch fühlte sich durch diese voreilige und volksnahe Vergesellschaftung provoziert: die Tribunen der grünen Partei, welche die Schuld dem vorschnellen Gehorsam des Bildhauers gaben, wurden zu sofortigem Tode verurteilt; ihr Leben wurde ihnen zwar auf Drängen des Volkes geschenkt, aber Crispus mochte mit Grund bezweifeln, ob der eifersüchtiger Thronräuber diese unfreiwillige Bewerbung sobald vergessen und verzeihen könne. Die grüne Zirkuspartei war Phokas wegen seines Undanks und des Verlustes ihrer Vorrechte entfremdet; im Reich war jede Provinz zur Empörung reif, und der Exarch von Afrika, Heraklius, verweigerte über zwei Jahre jeden Tribut und jeden Gehorsam gegen den Centurio, der den Thron von Konstantinopel entehrte. Durch ihre geheimen Emissäre bedrängten der Senat und Crispus den unabhängigen Exarchen, sein Land zu retten und selbst die Regierung zu übernehmen; aber sein Ehrgeiz hatte sich im Alter abgekühlt, und so übertrug er dieses gefahrvolle Unternehmen auf Heraklius, seinen Sohn gleichen Namens, und auf Nicetas, den Sohn Gregors, seines Freundes und Unterbefehlshabers.

Die beiden unternehmenden Jünglinge stellten die Streitkräfte Afrikas unter Waffen; sie kamen überein, dass der eine die Flotte von Karthago nach Konstantinopel segeln, der zweite eine Armee durch Ägypten und Kleinasien führen und der kaiserliche Purpur endlich dem Schnelleren und Erfolgreicheren zum Lohn werden solle. Ein unbestimmtes Gerücht von ihrem Unternehmen drang an das Ohr von Phokas, der sogleich die Mutter und die Frau des jüngeren Heraklius als die Garanten für seine Treue festsetzen ließ: aber die verräterischen Umtriebe des Crispus verkleinerten die ferne Gefahr, die Zurüstungen zur Verteidigung wurden verschleppt oder vertagt, und der Tyrann pflegte einer trägen Ruhe, bis die Afrikaflotte im Hellespont vor Anker lag. In Abydus sammelten sich Flüchtlinge und Verbannte unter ihre Fahne, nach Rache dürstend; die Schiffe des Heraklius, deren ragende Masten geschmückt waren mit den heiligen Insignien der Religion Nach Theophanes ›Bundeslade‹ und ›Muttergottesbild‹. Cedrenus fügt noch ein nicht von ›Menschenhand gemachtes Gottesbild‹ hinzu, welchen Heraklius im ersten Persischen Feldzug als Banner trug. Siehe George Pisid. Acroas L 140. Die Manufaktur scheint in Blüte gestanden u haben; aber der römische Herausgeber scheint unschlüssig gewesen zu sein, (p. 26), ob es sich hierbei um das Originalbildnis oder eine Kopie handelte., steuerten im Triumph durch die Propontis; Phokas aber starrte vom Palastfenster auf sein unausweichlich herannahendes Verhängnis. Die Partei der Grünen ließ sich durch Geschenke und Versprechungen überreden, der Landung der Afrikaner einen schwachen und wirkungslosen Widerstand entgegenzusetzen; doch das Volk und sogar die Leibwache wurden durch den von Crispus geschickt gewählten Zeitpunkt herübergezogen, und der Tyrann selbst wurde durch einen persönlichen Feind festgenommen, welcher kühn in die gespenstische Leere des Palastes eingedrungen war.

Entkleidet des Diadems und des Purpurs, eingehüllt in ein armseliges Gewand und schwer beladen mit Ketten wurde er in einem kleinen Nachen zur kaiserlichen Galeere verbracht, wo ihn Heraklius wegen seiner zahllosen Regierungs-Verbrechen mit Vorwürfen überschüttete. »Wirst du besser regieren?« waren die letzten Worte, welche die Verzweiflung dem Phokas eingab. Nachdem er jede Art von Folter und Schimpf durchlebt hatte, wurde ihm der Kopf angeschlagen, der verstümmelte Rumpf den Flammen übergeben, und die gleiche Behandlung vollzog man an den Bildsäulen des selbstgefälligen Thronräubers und an dem Banner der Grünen. Die Stimme der Geistlichkeit, des Senates und des Volkes ermunterten Heraklius zur Thronbesteigung, den er von Verbrechen und Schande gereinigt hatte; ein schickliches Weilchen zierte er sich noch, dann gab er huldvoll ihrem Andringen nach. Seine Krönung wurde von der seiner Gattin Eudoxia begleitet, und ihre Nachkommen herrschten bis in die vierte Generation ununterbrochen über das morgenländische Reich.

 

REGIERUNG DES HERAKLIUS 5. OKTOBER 610 -- 11. FEBRUAR 643

Die Seereise des Heraklius war ruhig und ohne Zwischenfall verlaufen; der eintönige Marsch des Nicetas endete, als die Entscheidung bereits gefallen war. Doch er beugte sich ohne Murren vor dem günstigen Geschick seines Freundes, und seine lobenswerte Gesinnung wurde denn auch mit einem Reiterstandbild und der Tochter des Kaisers belohnt. Heikler war es da schon, sich der Treue des Crispus zu versichern, dessen jüngste Verdienste mit dem Oberkommando über die kappadokische Armee vergolten wurden. Sein anmaßender Hochmut forderte schon bald den kaiserlichen Undank heraus, schien ihn sogar zu rechtfertigen; und so wurde im Beisein des Senates der Schwiegersohn des Phokas zu einer Mönchs-Existenz verurteilt; der Urteilsspruch selbst wurde durch das gewichtige Schlusswort des Heraklius begründet, dass ein Mann, der seinen Vater verraten habe, einem Freund niemals die Treue bewahren könne Zur Tyrannis des Phokas und der Thronerhebung de Heraklius siehe Chron. Paschal. p. 380--383. Theophanes, p. 242-250. Nicephorus, p. 3--7. Cedrenus, p. 404--407. Zonaras, Bd. ii. p. 80--82..

 

CHOSROES ÜBERFÄLLE AUF DAS RÖMISCHE REICH 603

Selbst nach dem Tode des Phokas wurde das Reich von den Folgen seiner Verbrechen heimgesucht, hatten sie doch den schlimmsten aller Feinde für eine fromme Sache unter die Waffen gebracht. Entsprechend den artigen und auf Gleichstellung berechneten Formalitäten des byzantinischen und persischen Königshofes kündigte Phokas diesem seine Thronerhebung an; und sein Gesandter Lilius, der ihm die Häupter des Mauritius und seiner Söhne dargereicht hatte, schien noch am besten qualifiziert, die näheren Umstände dieses tragischen Ereignisses zu schildern Theophlaktos 8,15. Das Leben des Mauritius wurde um das Jahr 628 von Theophylaktos Simocatta verfasst (8,13), einem ehemaligen Präfekten und geborenem Ägypter. Photius, der von der Schrift einen weitgefassten Auszug liefert, (cod. 65, p. 81-100), stört sich an dem zierlich-allegorischen Stil. Sein Vorwort ist eine Dialog zwischen Philosophie und Geschichte; sie setzen sich unter eine Platane, und die letztere spielt auf ihrer Leier.. Wie sehr er dies auch durch Schönfärben und betrügliche Rede zu übertünchen sich bemühte, Chosroes wandte sich mit Abscheu von dem Mörder weg, warf den angeblichen Gesandten ins Gefängnis, sagte sich von dem Thronräuber los und erklärte sich zum Rächer seines Vaters und Wohltäters. Schmerz und Empörung, welche die Menschlichkeit nachfühlen und die Ehre eingeben mussten, waren in diesem Falle auch noch dem Interesse des persischen Königs förderlich; und seine Interessen wurden durch die nationalen und religiösen Vorurteile der Magier und Satrapen noch spürbar vergrößert.

Diese nämlich unternahmen es, indem sie durch raffinierte Beweihräucherung, welche manchmal sogar wie Freimut aussieht, das übergroße Maß seiner Dankbarkeit und Freundschaft zu den Griechen zu tadeln, mit welchem Volk Frieden oder Bündnisse zu schließen hochriskant sei, deren Irrglauben jedweder Wahrheit und Gerechtigkeit entbehre und die zu keiner Art von Tugend imstande sein könnten, hätten sie doch das scheußlichste aller Verbrechen begangen, den gottlosen Mord an ihrem Herrscher Christianis nec pactum esse, nec fidem nec foedus ..... quod si ulla illis fides fuisset, regem suum non occidissent. (Mit Christen seien Verträge, Zusagen und Bündnisse nicht möglich...denn hätten sie auch nur etwas Treue, hätten sie ihren König nicht erschlagen). Eutych. Annales Bd. ii. p. 211, vers. Pocock.. Für dieses Verbrechen eines ehrgeizigen Zenturio wurde das von ihm terrorisierte Volk noch zusätzlich durch die Drangsale des Krieges gezüchtigt, und die gleichen Drangsale fielen nach zwanzig Jahren mit doppelter Wucht auf die Perser zurück Wir müssen uns nun für ein paar Jahrhunderte von den zeitgenössischen Historikern verabschieden und von der Höhe rhetorischer Gespreiztheiten zur ungeglätteten Schlichtheit von Chroniken und Exzerpten hinabsteigen -- wenn es denn überhaupt ein Abstieg ist. Die Schriften des Theophanes (Chronograph. p. 244--279) und Nicephorus (p. 3--16) bieten eine regelmäßige, aber unvollständige Beschreibung des persischen Krieges, und bezüglich anderweitiger Tatsachen nenne ich je und je meine besonderen Gewährsleute. Theophanes, ein Höfling, der zum Mönch ward, wurde geboren A.D. 748; Nikephoros, Patriarch von Konstantinopel, starb A.D. 829 und war etwas jünger: beide hatte im Bilderstreit zu leiden. Hankius, de Script. Byzantinis, p. 200-246.. Der Feldherr, der Chosroes wieder auf den Thron verholfen hatte, befehligte nach wie vor die Truppen des Ostens; und der Name des Narses war ein Schreckenslaut, mit dem Mütter Assyriens ihre Kinder ins Bett scheuchten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er als geborener persischer Untertan seinem Gebieter und Freund nahe legte, die Provinzen Asiens zu befreien und in Besitz zu nehmen. Noch wahrscheinlicher ist indessen, dass Chosroes seinen Truppen Mut einflößte durch die Zusicherung, dass das Schwert, das sie am meisten fürchteten, in der Scheide bleiben oder sogar zu ihren Gunsten gezückt werden würde. Der Held konnte sich auf das Wort eines Tyrannen jedenfalls nicht verlassen, und der Tyrann war sich dumpf bewusst, wie wenig er Anspruch auf den Gehorsam eines Helden hatte: Narses wurde von seinem Posten als Oberbefehlshaber abgesetzt, er pflanzte sein unabhängiges Banner zu Hierapolis in Syrien auf; er ließ sich durch verlogene Versprechungen täuschen und wurde auf dem Marktplatz von Konstantinopel bei lebendigem Leibe verbrannt.

Beraubt des einzigen Generals, vor dem sie Furcht oder Respekt hätten empfinden können, wurden die byzantinischen Heerhaufen, die er zum Sieg geführt hatte, zweimal von der Kavallerie durchbrochen, von den Kriegselefanten zertrampelt und von den Pfeilen der Barbaren durchbohrt; und eine beträchtliche Anzahl der Gefangenen wurde nach dem Urteilsspruch des Siegers auf dem Schlachtfeld enthauptet, da er diese aufsässigen Miettruppen zu Recht als die Urheber oder Gehilfen der Ermordung des Mauritius ansehen durfte. Während der Regierung des Phokas wurden die Festungen von Merdin, Dara, Amida und Edessa durch den persischen Monarchen nacheinander belagert, erobert und endlich geschleift: er ging dann über den Euphrat, bemächtigte sich der syrischen Städte Hierapolis, Chalcis und Berrhaea oder Aleppo und kreiste schon bald darauf Antiochia mit seinen unwiderstehlichen Streitkräften. Die rasche Folge dieser Siege offenbart den Verfall des Reiches, die völlige Unfähigkeit des Phokas und die Abneigung seiner Untertanen, und außerdem stellte Chosroes einen respektablen Vorwand zur Unterwerfung oder Erhebung mittels eines Betrügers bereit, der sein Lager als der Sohn des Mauritius Die persischen Historiker sind selbst betrogen worden: doch Theophanes (p. 244) zeiht Chasroes des Lugs und Trugs; und Eutychius glaubt (Annal. Bd. ii. p. 212), dass er vor der Mördern gerettet wurde und als Mönch auf dem Berge Sinai starb. und als der rechtmäßige Erbe der Monarchie begleitete.

Die erste Nachricht, die Heraklius aus dem Osten empfing, war die vom Verlust Antiochias Eutychius datiert alle Einbußen des Reiches in die Regierungszeit von Phokas; dies ist ein Irrtum zur Ehrenrettung des Heraklius, den er nicht aus Karthago ankommen lässt, sondern aus Thessaloniki mit einer Flotte, beladen mit Gemüse zur Rettung der Stadt. (Annal. Bd. ii. p. 223, 224.) Andere Christen des Ostens, Barhebraeus (apud Asseman, Bibliothec. Oriental. Bd. iii. p. 412, 413), Elmacin (Hist. Saracen. p. 13--16), Abulpharagius (Dynast. p. 98, 99) sind da aufrichtiger und exakter. In der Chronologie des Pagi werden die Jahre des Perserkrieges dargelegt.; doch lieferte diese betagte Stadt, die so oft von Erdbeben verwüstet und von Feinden geplündert worden war, nur einen matten und dürftigen Strom von Schätzen und Blut. Bei der Eroberung und Brandschatzung von Caesarea, Kappadokiens Hauptstadt, waren die Perser ebenso erfolgreich und ihre Beute üppiger, und als sie dann die Grenzanlagen überschritten hatten, die Landmarken früherer Kriege, fanden sie noch schwächeren Widerstand und noch reichere Ernte. Das liebliche Tal von Damaskus schmückte sich zu allen Zeiten mit einer Königsstadt: ihr im Verborgenen blühendes Glück war bislang dem Geschichtsschreiber des römischen Reichs entgangen: doch Chosroes ließ seine Truppen in dem Paradies von Damaskus zu Kräften kommen, bevor sie die Hügel des Libanon erstiegen oder über die Städte der phönizischen Küste herfielen.

 

PALÄSTINA 614

Die Eroberung von Jerusalem Zur Eroberung von Jerusalem, diesem für die Kirchengeschichte so bedeutsamen Ereignis, sehe man die Annalen des Eutychius (Bd. ii. p. 212--223), und die Klagelieder des Mönchs Antiochus (bei Baronius, Annal. Eccles. A.D. 614, No. 16--26), dessen 192 Homilien immer noch existieren, wenn man denn etwas, was niemand mehr liest, als ›existierend‹ bezeichnen kann., die schon Nurschivan sich durch den Kopf hatte gehen lassen, wurde jetzt durch die Ungeduld und Habgier seines Enkels in die Tat umgesetzt. Und heftig verlangte der intolerante Geist der Magier nach der Vernichtung dieses stolzesten Monuments der Christenheit; und sie waren sogar imstande, für diesen heiligen Krieg eine Armee von sechsundzwanzigtausend Juden aufzubieten, für deren Mangel an Tapferkeit und Disziplin ihre wütende Bigotterie einstehen musste. Nach der Unterwerfung Galiläas und dem Lande jenseits des Jordans, deren Widerstand das Schicksal der Hauptstadt etwas herausgezögert zu haben scheint, wurde Jerusalem mit Sturm genommen. Das Grabmal Christi und die herrlichen Kirchen von Helena und Konstantin wurden von den Flammen verzehrt oder doch wenigstens beschädigt; die frommen Spenden von drei Jahrhunderten wurden an nur einem Tag des Frevels geraubt; der Patriarch Zacharias und das wahre Kreuz wurden nach Persien verschleppt; und die Niedermetzelung von neunzigtausend Christen wird den Juden und Arabern zugeschrieben, welche die Unordnung in der persischen Marschordnung vergrößerten. Die Flüchtlinge aus Palästina wurden in Alexandria durch die Mildtätigkeit des Erzbischofs Johannes untergebracht und versorgt, der sich unter einer Masse von gleichnamigen Heiligen durch das Epitheton ›der Almosengeber‹ hervorhebt Leontinus, ein Zeitgenosse, hat eine Biographie dieses würdigen Heiligen verfasst, und auch bei Baronius (Annal. Eccles. A.D. 610, No. 10, &c.) und Fleury (Bd. viii. p. 235-242) finde ich genügend Auszüge aus diesem erbaulichen Schriftwerk., und die Kircheneinkünfte sowie ein Schatz von dreihunderttausend Pfund wurden zurückgegeben an die wahren Eigentümer, die Armen aller Weltgegenden und jedweden Namens.

 

ÄGYPTEN 614

Aber Ägypten selbst, die einzige Provinz, die seit Diocletian von auswärtigen oder einheimischen Feinden verschont geblieben war, wurde jetzt wieder durch einen Nachfolger des Cyrus unterworfen. Pelusium, der Schlüssel zu diesem unwegsamen Lande, wurde von der persischen Kavallerie überrannt; sie setzten straflos über die ungezählten Kanäle des Nildeltas und durchstreiften das langgestreckte Flusstal von den Pyramiden bei Memphis bis an die Grenzen zu Äthiopien: Alexandria hätte man wohl durch eine Kriegsflotte Hilfe bringen können, aber der Erzbischof und sein Präfekt schifften sich stattdessen nach Zypern ein; Chosroes aber zog in die zweitgrößte des Reiches ein, die immer noch ansehnliche Überreste von Handel und Gewerbe aufweisen konnte. Seine westlichen Trophäen errichtet er allerdings nicht auf den Mauern von Karthago Der Irrtum des Baronius und manch anderer, die Chosroes Waffen nach Karthago anstatt nach Chalkedon versetzten, beruht auf der Ähnlichkeit der griechischen Worte ›karchedona‹ und ›chalkedona‹ im Text des Theophanes u.a., die dann bisweilen von Kopisten und Gelehrten verwechselt wurden., sondern in der Nähe von Tripolis; die griechischen Kolonien von Kyrene wurden vollends zerstört, und der Eroberer, der auf Alexanders Spuren wandelte, kehrte im Triumph durch Lybiens Sandwüste zurück, Im gleichen Feldzug drang ein anderes Heer vom Euphrat bis an den thrakischen Bosporus vor, Chalkedon ergab sich nach hartnäckigem Widerstand, und ein persisches Heerlager blieb über zehn Jahre in der Nähe von Konstantinopel aufgeschlagen. Zu den letzten Errungenschaften des Großkönigs werden die Stadt Ankara und die Insel Rhodos gezählt; und hätte Chosroes über eine Flotte verfügen können, so hätte sein grenzenloser Ehrgeiz Sklaverei und Verheerung auch noch über Europas Provinzen gebracht.

 

CHOSROES REGENTSCHAFT UND PRACHTLIEBE

So hatte sich nun unvermittelt die Herrschaft von Nurschivans Enkel von den dauerhaft umkämpften Ufern des Tigris und Euphrat bis an den Hellespont und den Nil, den alten Grenzen des Perserreiches, ausgedehnt. Doch die Provinzen, die durch die stete Wirkung von sechshundert Jahren römischer Herrschertugenden und -untugenden geformt worden waren, trugen das Joch der Barbarenherrschaft nur mit Abneigung. Die Idee der Republik wurde durch die Institutionen, zumindest aber durch die Schriften der Griechen und Römer lebendig erhalten, und die Untertanen des Heraklius waren dazu erzogen worden, die Worte Freiheit und Gesetz im Munde zu führen. Nun war es andererseits immer der Stolz und die Politik der orientalischen Despoten gewesen, mit den Titeln und Abzeichen ihrer Allmacht zu fuchteln; ein Volk von Sklaven mit ihrem wahren Namen und erbärmlichen Stand zu schimpfieren und durch finstere und grausame Drohungen ihren willkürlichen Befehlen Nachdruck zu verleihen. Den Christenmenschen des Ostens war die Anbetung des Feuers und die gottlose Lehre von den zwei Prinzipien ein Ärgernis: die Magier waren nicht unduldsamer als die Bischöfe, und den Märtyrertod einiger geborener Perser, die der Religion des Zarathustra abtrünnig Die echten Akten des hl. Anastasius zusammen mit denen des 7. Allgemeinen Konzils publiziert worden, aus denen Baronius (Annal. Eccles. A.D. 614, 626, 627) und Butler (Lives of the Saints, vol. i. p. 242--248) ihre Berichte gezogen haben. Der heilige Märtyrer floh aus der persischen zur römischen Armee, wurde ein Mönch in Jerusalem und übte Frevel gegen den damals zu Caesarea in Palästina etablierten Gottesdienst der Magier. geworden waren, sah man als Präludium für eine rabiate und allgemeine Verfolgung an. Justinian machte durch seine schikanierenden Gesetze jeden Gegner der Kirche zum Staatsfeind; das Bündnis der Juden, Nestorianer und Jakobiten hatte zu Chosroes Kriegsglück beigetragen, und seine einseitige Begünstigung der Sektierer reizte naturgemäß den Hass und die Sorgen der katholischen Geistlichkeit auf.

Im Bewusstsein ihrer Besorgnisse und ihres Zorns regierte der persische Eroberer mit eisernem Szepter; und als ob er der Stabilität seiner eigenen Macht immer noch nicht traue, plünderte er durch exorbitante Abgaben und ungesetzliche Raubzüge ihren Reichtum, leerte und schleifte die Tempel des Ostens; und verschleppte das Gold, das Silber, die kostbaren Marmorwerke, die Kunstwerke und die Künstler der asiatischen Städte in seine Erblande. Es fällt schwer, in diesem düsteren Gemälde der Not des Orients Abulpharagius, Dynast. p. 99. Elmacin, Hist. Saracen. p. 14. noch irgendwo die Gestalt des Chosroes auszumachen, seine Handlungen von denen seiner Feldherren zu unterscheiden und sein individuelles Verdienst in dem allgemeinen Strahlenkranz des Ruhmes zuverlässig zu bestimmen. Er genoss ganz ungeniert die Früchte seiner Siege und tauschte immer mal wieder die Strapazen des Krieges mit dem Luxus des Palastes.

Im Laufe von vierundzwanzig Jahren hatte er aus Aberglauben oder alten Grolles halber sich nicht in die Nähe der Tore von Ktesiphon getraut; seine Lieblingsresidenz Artemita oder Dastagerd lag jenseits des Tigris etwa sechzig Meilen nördlich der Hauptstadt D'Anville, Mem. de l'Academie des Inscriptions, Band. 32. p. 568--571.. Die umliegenden Weiden waren von Rinder- und Schafherden übersät, das Paradies oder der Park von Fasanen, Pfauen, Straußen, Rehen und Bären durchwimmelt, und für die kühneren Momente der Jagd wurden zuweilen Löwen und Tiger losgelassen. Neunhundertundsechzig Elefanten wurden gehalten, dem Großkönig zum Nutzen oder zur Mehrung seines Glanzes. Sein Gezelte und sein Gepäck wurden von zwölftausend großen Kamelen und achttausend eines kleineren Schlages Der Unterschied der beiden Rassen (Arten, A.d.Ü.) besteht in einem oder zwei Höckern; das Dromedar hat nur einen, das echte Kamel ist größer, seine Heimat ist Turkestan oder Baktria; das Dromedar kommt nur in Afrika und Arabien vor. Buffon, Hist. Naturelle, Bd. xi. p. 211, &c. Aristot. Hist. Animal. Bd. 1, 2,1 Bd. ii. p. 185. in Feld geschleppt. Die königlichen Ställe füllten sechstausend Maultiere und Pferde; unter ihnen waren Shebdiz und Barid glänzend durch Schnelligkeit und Schönheit. Sechstausend Mann zogen nacheinander vor dem Palast als Leibwache auf; den Palastdienst versahen zwölftausend Sklaven, und von den dreitausend Jungfrauen, Asiens schönsten, mochte wohl irgendeine glückverwöhnte Beischläferin ihren Meister über das Alter oder die Gleichgültigkeit einer Sira hinwegtrösten.

Die diversen Gold-, Silber-, Edelstein-, Seiden- und Gewürz-Schätze waren in hundert unterirdischen Gewölben gelagert; und der Raum Badaverd bezeichnete das Zufallsgeschenk der Winde, welche Heraklius' Beute in einen der syrischen Häfen seines Nebenbuhlers verweht hatten. Die Stimme der Schmeichelei oder der Prahlsucht entblödeten sich nicht, die dreißigtausend prächtigen Teppiche, welche die Wände ausschmückten, die vierzigtausend silbernen (vermutlich marmornen oder hölzernen, mit Silberplatten ausgelegten) Säulen zu berechnen, welche die Decke trugen, ferner die tausend goldenen Kugeln, welche im Dom aufgehängt waren, die Bewegungen der Planeten und Tierkreiszeichen nachzuahmen Theophanes, Chronograph. p. 268. D'Herbelot, Bibliotheque Orientale, p. 997. Die Griechen beschreiben den Niedergang und die Perser den Glanz von Dastagerd; aber die Ersteren sprechen als Augenzeugen, die Letzteren nach dem Hörensagen..

Während Persiens Großkönig so die Wunder seiner Kunst und seiner Macht beschaute, erhielt er einen Brief von einem unbekannten Bürger der Stadt Mekka, der ihn aufforderte, Mohammed als den Apostel Gottes anzuerkennen. Er wies die Einladung zurück und zerfetzte den Brief. »Und so,« rief da der arabische Prophet aus, »so wird Gott das Königreich des Chosroes zerreißen und sein Flehen zurückweisen Die Geschichtsschreiber Mohammeds Abulfeda (Vita Mohammed, p. 92, 93) und Gagnier, (Vie de Mahomet, Bd. ii. p. 247) datieren diese Botschaft auf das Jahr 7 der Hedschra, welches mit dem 11. Mai A.D. 628 beginnt. Ihre Zeitrechnung ist fehlerhaft, da Chosroes im Februar genannten Jahres starb (Pagi, Critica, Bd. 2, p. 779). de Boulainvilliers (Vie de Mahomed, p. 327, 328) legt diese Gesandtschaftsreise in das Jahr 615, kurz nach der Eroberung von Palästina. Aber schwerlich möchte Mohammed so früh einen so kühnen Schritt gewagt haben..« Genau auf der Grenze zwischen zwei großen Reichen stehend, beobachtete Mohammed mit heimlicher Genugtuung, welche Fortschritte ihre gegenseitige Zerstörung machte und sagte kühnlich voraus, dass vor Ablauf nur weniger Jahre der Sieg wieder zu den Römern zurückkehren werde Siehe die 30. Sure des Korans mit dem Titel: Die Griechen. Unser ehrlicher und gelehrter Übersetzer, Sale (p. 330, 331), führt unparteiisch diese Konjektur, Mutmaßung oder Wette Mohammeds an. Doch Boulainvilliers, (p. 329--344) will mit boshafter Zielsetzung dies als wirkliche Prophezeihung eines zukünftigen Ereignisses ausgeben, welches nach seiner Auffassung die christlichen Apologeten in Verlegenheit bringen muss..

 

HERAKLIUS IN BEDRÄNGNIS 610 -- 622

Zu der Zeit, da diese Prophezeiung ausgesprochen wurde, konnte keine Vorhersage von ihrer Erfüllung entfernter sein, da das orientalische Reich in Heraklius' ersten zwölf Regierungsjahren Symptome einer bevorstehenden Auflösung erkennen ließ. Wären des Perserkönigs Beweggründe ehrbar und lauter gewesen, dann hätte der Krieg mit Phokas' Tod enden und Chosroes den glücklichen Afrikaner, der das Unrecht an seinem Wohltäter Mauritius so großmütig gerächt hatte, als seinen besten Freund umarmen müssen. Da er den Krieg fortsetzte, enthüllte der Barbar seinen wahren Charakter: die Bittgesandtschaften des Heraklius, die an seine Gnade appellierten und darum flehten, dass er die Unschuldigen verschonen, einen Tribut annehmen und der Welt Frieden schenken möge, bedachte er mit verächtlichem Schweigen oder mit unverschämten Drohungen.

Syrien, Ägypten und die Provinzen Kleinasien waren von Persiens Waffen unterjocht worden, während die vom Blut und der Beute des Italienkrieges noch immer nicht abgesättigten Awaren Europa von Istrien bis zur Langen Mauer von Thrakien heimsuchten. Kaltblütig hatten sie ihre männlichen Gefangenen auf den heiligen Feldern Pannoniens massakriert; die Frauen und Kinder wurden zur Sklaverei verdammt und die Jungfrauen von Adel dem unkontrollierten Geschlechtstrieb der Barbaren ausgeliefert. Das liebestolle Weib, welches dem Feind die Tore von Friaul geöffnet hatte, brachte eine kurze Nacht in den Armen ihres königlichen Liebhabers zu; am nächsten Morgen wurde Romilda verurteilt, das Triebgebaren von zwölf Awaren zu ertragen, und am dritten Tage wurde die Langobardenfürstin im Lager gepfählt, während der Chagan mit grausamen Hohngelächter bemerkte, dass ein solcher Gemahl die passendste Belohnung für ihre Geilheit und ihren Verrat sei Paul Warnefrid, de Gestis Langobardorum, 4,38 und 42. Muratori, Annali d'Italia, Bd. 5, p. 305f..

Von solch unversöhnlichen Feinden also wurde Heraklius von allen Seiten angegriffen und bedrängt; inzwischen umfasste das Römische Reich nur noch die Mauern von Konstantinopel, Reste von Griechenland, Italien und Afrika und einige Häfen an der asiatischen Küste von Tyrus und Trapezunt. Nach dem Verlust von Griechenland wurde die Hauptstadt von Hunger und Pestilenz heimgesucht, und der Kaiser, zum Widerstand außerstande und an Hilfe verzweifelnd, hatte beschlossen, sich und seine Regierung in das sichere Karthago zu verbringen. Schon waren seine Schiffe mit den Schätzen des Palastes beladen; doch der Patriarch gebot seiner Flucht Einhalt, indem er die Macht der Religion zur Verteidigung seines Landes aufbot, den Kaiser in die Hagia Sophia führte und ihm einen feierlichen Eid abnötigte, dass er zusammen mit dem Volk, das Gott seiner Fürsorge anvertraut hatte, leben oder untergehen werde.

Der Chagan hatte in den Ebenen von Thrakien seine Feldlager aufgeschlagen, aber er verhehlte seine perfiden Absichten und ersuchte den Kaiser um eine Unterredung in der Nähe der Stadt Heraklea. Ihre Wiederversöhnung wurde mit Reiterspielen gefeiert; Senat und Volk strömten im festlichen Aufputz zu dem Fest des Friedens, und die Awaren blickten scheel und habgierig auf diese Demonstration des römischen Luxus. Plötzlich wurde das Hippodrom von der Reiterei der Awaren eingekreist, welche die Nacht über ihren geheimen Eilmarsch forciert hatten: der furchtbare Knall der Peitsche des Chagan war das Signal zum Sturm, Heraklius schlang nur das Diadem um seinen Arm und wurde mit genauer Not und nur durch sein schnelles Pferd gerettet. So rasend schnell war die Verfolgung, dass die Awaren fast zeitgleich mit den Fliehenden am Goldenen Tor von Konstantinopel angekommen wären Das Chronicon Paschale, welches bisweilen historische Fragmente in eine strohige Liste von Namen und Daten einfügt, liefert die beste Schilderung von diesem Verrat der Awaren (p. 389f.) Die Zahl der Gefangenen stammt von Nikephoros.: aber die Plünderung der Vorstadt war der Lohn für ihren Verrat, und zweihunderttundsiebzigtausend Gefangene wurden über die Donau verschleppt.

Am Strand von Chalkedon hatte der Kaiser eine Unterredung mit einem Feinde, der mehr Ehre besaß und welcher, noch bevor Heraklius aus seiner Galeere stieg, mit Ehrfurcht und Mitleid die Majestät des Purpurs begrüßt hatte. Das freundliche Angebot von Sain, dem persischen Feldherren, eine Gesandtschaft zu dem Großkönig zu geleiten, ward mit wärmstem Dank angenommen, und der Prätorianerpräfekt, der Stadtpräfekt und einer der ersten Geistlichen der Patriarchalkirche überbrachten in Demut die Bitte um Schonung und Frieden Einige Originalurkunden sowie die Rede oder der Brief der Gesandten (p. 386ff) machen das eigentliche Verdienst des Chronicon Paschale aus, welches, vermutlich in Alexandria, in der Regierungszeit des Heraklius verfertigt wurde.. Aber der Feldherr des Chosroes hatte fatalerweise die Intentionen seines Gebieters fehlinterpretiert. »Nicht eine Gesandtschaft,« sprach der Tyrann Asiens, »nein, Heraklius selbst, in Ketten geschlagen, sollte zu Füßen meines Thrones gebracht werden. Ich werde dem römischen Kaiser niemals Frieden geben, bis er seinem gekreuzigten Gotte abgeschworen und sich zur Anbetung der Sonne bekannt hat.« Dem General Sain wurde entsprechend den bestialischen Gebräuchen seines Landes bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen; und die strenge Isolationshaft der Gesandten verletzte massiv das Völkerrecht und ein ausdrückliches Übereinkommen. Aber die Erfahrung von sechs Jahren bestimmte den persischen Monarchen denn doch, von der Belagerung Konstantinopels abzustehen und dafür den Jahrestribut oder das Lösegeld für das römische Reich festzusetzen, welche in tausend Talenten Gold und Silber, tausend Seidenkleidern, tausend Pferden und ebenso vielen Jungfrauen bestand. Heraklius unterzeichnete diese schmachvollen Bedingungen, aber die Frist, die er erhielt, um solche Schätze aus dem verarmten Osten herauszupressen, wurde emsig für die Zurüstungen für einen kühnen und verzweifelten Angriff benutzt.

 

DIE KRIEGSVORBEREITUNGEN DES HERAKLIUS -- 621

Unter allen Charakteren, die in der Geschichte hervorragen, ist Heraklius einer der auffälligsten und widersprüchlichsten. In den ersten und letzten Jahren seiner Regierung erleben wir den Kaiser als einen Sklaven von Trägheit, Vergnügungssucht und Aberglauben, als den gedankenlosen und ohnmächtigen Zuschauer der allgemeinen Not. Aber zwischen dem trüben Morgen- und Abenddunst steht in strahlendem Glanz seine Mittagssonne; der Arcadius des Palastes wurde zum Caesar des Feldlagers, und Heraklius' und Roms Ehre wurde durch die Taten und Siege von sechs kühnen Feldzügen wieder hergestellt. Es wäre die Pflicht der byzantinischen Historiker gewesen, die Ursachen für die Phase seines Dämmerns und die seines Handelns mitzuteilen. Wir können bei einem so großen zeitlichen Abstand nur ahnen, dass er mit mehr persönlichem Mute als mit politischer Weitsicht ausgestattet war; dass er durch die Reize und vielleicht auch die Verführungskünste seiner Nichte Martina gefesselt wurde, mit der er nach Eudoxias Tod eine inzestuösen Ehe schloss Nikephoros (p. 10, 11), der diese Heirat ›athesmos‹ (ruchlos) nennt, ist erleichtert bemerken zu können, dass von den beiden Söhnen, den Früchten dieser Blutschande, die Vorsehung den ersten mit einem steifen Hals gezeichnet habe, während der zweite taub war.; und dass er sich dem verächtlichen Hinweis seiner Räte nicht verschloss, dass es ein Reichsprinzip sei, einen Kaiser niemals den Gefahren eines Feldzuges auszusetzen Georg von Pisidia (Acroas. i. 112--125, p. 5), welcher diese Meinung aufstellt, sieht bei den kaiserlichen Ratgebern keinerlei hinterhältigen Absichten. Ob er wohl auch die stolze und schnöde Warnung des Crispus entschuldigt haben würde?. Vielleicht erweckte ihn die letzte unverschämte Forderung des persischen Eroberers; aber von dem Augenblick an, da Heraklius den Geist eines Helden in sich trug, konnte Rom nur noch auf die Wechselfälle des Glücks hoffen, welche Chosroes stolze Stellung bedrohen und nur jenen günstig sein mochten, welche die unterste Stufe der Demütigung erreicht hatten Georg von Pisidia (Acroas. i. 51ff. p. 4). Die Orientalen gefällt es auch, diesen seltsamen Wechsel zu bemerken, und ich erinnere mich an eine Geschichte von Chosroes Parviz, die viel Ähnlichkeit mit dem Ring des Polykrates von Samos aufzeigt..

Die Sicherstellung der Kriegskosten war die erste Sorge des Kaisers, dem gestattet worden war, zur Beschaffung des Tributes die östlichen Provinzen in Anspruch zu nehmen. Aber die Einkünfte flossen nicht mehr in den herkömmlichen Kanälen; die Kreditwürdigkeit eines Herrschers geht mit dem Verlust seiner Macht dahin; so zeigte Heraklius zum ersten Male Mut, als er es wagte, den heiligen Reichtum der Kirche zu borgen, allerdings verbunden mit dem feierlichen Gelübde, alles das mit Wucherzinsen zurückzuzahlen, was immer im Dienste der Religion und des Reiches aufzuwenden nötig gewesen sei. Der Klerus selbst scheint Mitleiden mit der öffentlichen Not empfunden zu haben, und der kluge Patriarch von Alexandria, der keinen Präzedenzfall für Kirchenraub schaffen wollte, unterstützte seinen Monarchen durch die wundersame oder rechtzeitige Entdeckung eines geheimen Schatzes Baronius erzählt mit feierlichem Ernst die Entdeckung oder vielmehr Umwandlung von Fässern nicht voller Honig, sondern voller Gold (Annal. Eccles. A.D. 620, No. 3f.). Aber die Darlehensnahme war ein Willkürakt, da Soldaten ihn eintrieben, welche die Order hatten, dem Patriarchen von Alexandria nicht mehr als einhundert Pfund Gold zu belassen. Nikephoros (p.11) spricht zweihundert Jahre später mit Abneigung von dieser Steuer, welche die Kirche von Konstantinopel wohl immer noch fühlen mochte..

Von den Soldaten, welche sich mit Phokas verschworen hatten, fanden sich nur noch zwei, welche die Stürme der Zeit und der Barbaren überlebt hatten Theophylactos Simocatta 8,12. Dieser Umstand darf uns nicht überraschen. Die Musterrolle eines Regimentes ist selbst in Friedenszeiten in weniger als 20 -- 25 Jahren erneuert.; den Verlust selbst dieser aufsässigen Veteranen konnten die neuen Aushebungen des Heraklius nur unvollkommen ausgleichen, und das Kirchengold vereinigte so in ein und demselben Lager die Namen, Waffen und Sprachen des Morgen- und des Abendlandes. Er wäre schon mit der Neutralität der Awaren zufrieden gewesen; und seine freundliche Aufforderung, der Chagan möge nicht als der Feind, sondern als der Wächter des Reiches handeln, erhielt durch eine überzeugende Schenkung von 200.000 Goldstücken Nachdruck. Zwei Tage nach dem heiligen Osterfest vertauschte der Kaiser seinen Purpur gegen dem schlichten Aufzug eines Büßers und Kriegers Er tauschte seine purpurnen Halbstiefel gegen schwarze und färbte diese rot mit Blut. Georg von Pisidia (Acroas. iii. 118, 121, 122). Siehe die Anmerkungen von Foggini, p. 35. und gab das Signal zum Aufbruch. Heraklius empfahl seine Kinder der Treue des Volkes; bürgerliche und militärische Gewalt ward in die honorigsten Hände gelegt, und der Patriarch sowie der Senat erhielten Vollmacht, nach jeweiligem Gutbefinden die Stadt zu retten oder zu übergeben, wenn sie denn in seiner Abwesenheit durch überlegene Feindesmacht zum Äußersten gebracht werden sollten.

 

1. PERSERFELDZUG DES HERAKLIUS 622

Die unfernen Höhen von Chalkedon waren mit Zelten und Waffen überdeckt: doch wären die neuen von Heraklius angeworbenen Truppen rasch zum Angriff geführt worden, so wäre der Sieg der Perser vor den Mauern Konstantinopels zugleich der letzte Tag des römischen Reiches gewesen. Genauso unklug wäre es gewesen, in die Provinzen Kleinasiens vorzurücken und es so ihrer unzählbaren Kavallerie zu ermöglichen, beständig die Zufuhr abzuschneiden und der ermatteten und aufgelösten Nachhut zuzusetzen. Aber die Griechen waren nach wie die Meister zur See; eine Flotte von Galeeren, Transport und Proviantschiffen versammelte sich im Hafen; die Barbaren waren bereit, an Bord zu gehen; ein gleichmäßiger Wind blies sie durch den Hellespont, die West- und Südküste Kleinasiens lag zu ihrer Linken; der Mut ihres Chefs bewährte sich zum ersten Male während eines Sturmes, und selbst die Eunuchen seines Gefolges wurden durch sein Vorbild zu Standhaftigkeit und Arbeitseifer gespornt.

Seine Truppen gingen an den Grenzen von Syrien und Cilicien, im Golf von Skanderum an Land, dort, wo sich die Küste unvermittelt nach Süden wendet Georg von Pisidia, (Acroas. ii. 10, p. 8) hat diesen wichtigen Punkt der syrischen und cilicischen Pforte bestimmt. Xenophon, der sie tausend Jahre zuvor passierte, hat sie anschaulich beschrieben. Ein schmaler Pass von drei Stadien Länge zwischen steilen, hohen Felsen und dem Mittelmeer war zu beiden Enden durch starke Pforten gesperrt, die zu Lande unüberwindbar, doch zur See zugänglich waren (Anabasis, 1, p. 35,36 mit Hutchinson's Geographical Dissertation, p. vi). Die Pforten waren 35 Parasangen von Tarsus entfernt (Anabasis 1, p. 33, 34) und 8 bis 10 von Antiochia. Man vergleiche auch Itinerar. Wesseling, p. 580, 581. Schultens, Index Geograph. ad calcem Vit. Saladin. p. 9. Voyage en Turquie et en Perse, par M. Otter, Bd. i. p. 78, 79.; und in der Wahl dieses wichtigen Postens legte er eine Probe von Scharfblick ab Heraklius konnte an einen Freund in Ciceros bescheidener Sprache schreiben: »Castra habuimus ea ipsa quae contra Darium habuerat apud Issum Alexander, imperator haud paulo melior quam aut tu aut ego.« (Wir haben ein Lager genau, wie es Alexander bei Issos gegen Dareios hatte, ein Feldherr, der ja wesentlich bedeutender als du oder ich ist. Ad Atticum, 5,20). Issus, zu Xenophons Zeiten reich und blühend, wurde durch Alexandrias Blüte zu Grunde gerichtet, die auf der anderen Seite der Bucht lagen.. Von allen Seiten konnte dort die zerstreuten Besatzungen der Seestädte und Berge in Eile und ohne Risiko zu den kaiserlichen Fahnen stoßen. Die natürlichen Befestigungen von Cilicien schützen, ja, verbargen das Lager des Heraklius, welches bei Issos auf demselben Boden aufgeschlagen war, auf dem Alexander die Scharen des Darius besiegt hatte. Der Winkel, den der Kaiser besetzt hielt, schnitt tief in einen riesigen Halbkreis der asiatischen, armenischen und syrischen Provinzen ein; und gegen welchen Punkt dieses Umkreises er auch immer seinen Angriff führen würde, es war für ihn leicht, seine eigenen Bewegungen zu verheimlichen und denen des Feindes zuvor zu kommen.

Im Lager von Issos stellte der römische Feldherr den Schlendrian unter den Veteranen ab und instruierte die Neugeworbenen in der Ausübung kriegerischer Tugenden. Indem er das wundertätige Christusbild vor ihnen entfaltete, stachelte er sie an, die Entweihung der von den Feueranbetern geschändeten heiligen Altäre zu rächen; indem er sie mit den vertraulichen Namen Brüder und Söhne anredete, beklagte er die öffentlichen und privaten Unbilden des Staates. Die Untertanen eines Monarchen mochten sich überzeugt halten, für die Sache der Freiheit zu kämpfen, und ein ähnliches Feuer sprang auf die fremden Söldnertruppen über, für die Persiens und Roms Interesse in gleichem Maße belanglos waren. Heraklius übte mit dem Geschick eines Centurio die Lehren der Taktik ein, und die Soldaten wurden unaufhörlich im Gebrauch ihrer Waffen und in den Wendungen und Bewegungen des Feldes geübt. Die Reiterei und die Infanterie, schwer oder leicht bewaffnet, waren in zwei Hälften geteilt; in der Mitte standen die Trompeter, und deren Signale dirigierten durch ihre Signale den Marsch, den Angriff, den Rückzug, die Verfolgung, die gerade oder schiefe Schlachtordnung, die tiefe oder breite Phalanx, um im Scheinkampf die Bewegungen des tatsächlichen Krieges nachzubilden. Welche Mühen der Kaiser seinen Truppen auch abverlangte, er trug sie mit gleicher Strenge gegen sich selbst; ihre Arbeiten, ihre Kost, ihr Schlaf waren nach den immer gleichen Regeln der Heeresdisziplin zugemessen; auch lehrte man sie, ein unbedingtes Zutrauen in ihre eigene Tapferkeit und die Weisheit ihrer Anführer zu haben, ohne dabei den Feind gering zu schätzen.

Bald war Cilicien von den persischen Waffen eingekreist; doch zögerte ihre Reiterei, auf den Engpässen des Taurusgebirges vorzurücken, bis sie durch die Evolutionen des Heraklius übertölpelt wurden, der unvermerkt ihre Nachhut angriff, während er ihnen die Front in Schlachtordnung anzubieten schien. Durch eine Scheinbewegung, die Armenien bedrohte, verwickelte er die Perser gegen ihren Willen in ein allgemeines Gefecht. Sie ließen sich durch die künstliche Unordnung seines Lagers verführen; als es aber zum Kampf kam, war das Gelände, war der Sonnenstand, waren die Hoffnung der beiden Heere den Barbaren ungünstig; erfolgreich wandten die Römer dieselbe Taktik auf dem Schlachtfeld an Foggini vermutet, (Annotatt. P. 31), dass die Perser durch die »geschlungene Phalanx« Aelians (Tactica 48), eine verwickelte Spiralbewegung der Armee, getäuscht wurden. Er bemerkt, dass die militärischen Beschreibungen des Georg von Pisidia in der ‚Taktik« von Kaiser Leo nachgeschrieben sind., und der Ausgang des Tages belehrte die Welt, dass die Perser nicht unbesiegbar waren, und dass der Held ein Purpurträger war. Durch Sieg und Ruhm gestärkt, überstieg Heraklius beschwingt die Höhen des Taurusgebirges, zog durch die Ebene von Kappadokien und verlegte seine Truppen in die gesicherten und wohlbevorrateten Quartiere am Halys Georg von Pisidia, ein Augenzeuge (Acroas 2,122) beschrieb in drei Acroasen oder Gesängen den ersten Feldzug des Heraklius. Das Gedicht wurde jüngst (1777) in Rom veröffentlicht; aber ein derart ungenaues und pathetisches Jubellied ist weit entfernt, den heftigen Optimismus eines Pagi oder d'Anville zu rechtfertigen.. Er war weit von der gespreizten Geste entfernt, in Konstantinopel wegen eines halben Sieges einen Triumphzug abzuhalten; aber die rastlosen und raubsüchtigen Awaren machten die Anwesenheit eines Kaisers unabdingbar.

 

2. PERSERFELDZUG DES HERAKLIUS 623 -- 625

Seit den Zeiten Scipios oder Hannibals war keine kühnere Unternehmung gewagt worden als die, die Heraklius zur Rettung des Reiches durchführte Theophanes (p. 256) führt Heraklius rasch nach Armenien; Nikephoros (p.11) verwechselt beide Feldzüge, bestimmt aber die Provinz Lazika. Eutychios (Annal. Bd 2, p. 231) hat die 5000 Mann und den vermutlichen Posten Trapezunt angegeben.. Der Kaiser ermöglichte den Persern sogar, eine Zeitlang die Provinzen zu behelligen und ungestraft der Hauptstadt des Ostens beschwerlich zu fallen; währenddessen bahnte er sich einen gefährlichen Weg über das Schwarze Meer Von Konstantinopel nach Trapezunt bei günstigem Wind 4-5 Tage, von dort nach Erzerum 5; nach Eriwan 12; nach Tauris 10; mithin 32 Tage insgesamt. So die Reisebeschreibung des Tavernier (Voyages, Bd. i. p. 12--56), des vorzüglichen Kenners der Reisewege Asiens. Tournefort, der mit einem Pascha reiste, benötigte von Trapezunt nach Erzerum 10-12 Tage (Voyage du Levant, Bd. iii. lettre xviii); und Chardin (Voyages, Bd. i. p. 249--254) gibt die realistische Entfernung von 53 Parasangen, jede zu 5000 Schritt (Was für Schritte?) zwischen Eriwan und Tauris an., die Berge von Armenien, drang in das Herz Persiens vor Den Feldzug des Heraklius nach Persien wurde sehr schön erläutert von Herrn d'Anville, (Memoires de l'Academie des Inscriptions, Bd. xxviii. p. 559--573). Er entdeckt die Lage von Gandzaca, Thebarma, Dastagerd u.a. mit beachtlicher Sachkunde, aber die obskure Kampagne von 624 übergeht er mit Stillschweigen. und veranlasste den Rückruf der Heeresmacht des Großkönigs zur Verteidigung ihres blutenden Vaterlandes. Mit einer ausgesuchten Kriegerschar segelte Heraklius von Konstantinopel nach Trapezunt, sammelt dort die Streitkräfte ein, die den Winter über im Bezirk von Pontus verbracht hatten und rief seine Untertanen und Bundesgenossen zwischen Phasismündung und Kaspischem Meer auf, mit ihm, dem Nachfolger Konstantins unter der wahrhaften und siegreichen Fahne des Kreuzes zu marschieren.

Als die Legionen des Lucullus und Pompeius zum ersten Male den Euphrat überquerten, erröteten sie nachgerade ob des leichten Sieges über die Eingeborenen Armeniens. Aber lange Kriegserfahrung hatte inzwischen die Körper und Seelen dieses verweichlichten Volkes abgehärtet; ihr Eifer und ihr Mut bewährten sich im Dienste eines sinkenden Reiches, sie verabscheuten und fürchteten zugleich die Gewaltherrschaft des Thronräubers aus dem Hause Sassan, und die Erinnerung an durchlittene Verfolgungen hielt ihren frommen Hass gegen die Feinde Christi lebendig. Die Grenzen Armeniens, so wie es von Kaiser Mauritius abgetreten war, erstreckten sich bis an den Araxes; der Strom unterwarf sich der Schmach einer Brücke ...et pontem indignatus Araxes. (...und eine Brücke der empörte Araxes.Virgil, Aeneis, 8,728. Der Araxes ist rauschend, reißend, ungestüm und bei Schneeschmelze unpassierbar: die Strömung reißt noch die stärksten und massivsten Brücken fort, und Zeugen seines Unwillens sind die Trümmer so mancher Schwibbögen unweit der alten Stadt Zulfa. Voyages de Chardin, Bd. i. p. 252. und Heraklius zog auf den Spuren von Marcus Antonius bis vor die Stadt Tauris oder Gandzaca Chardin, Bd. i. p. 255--259. Wie auch die Orientalen, (D'Herbelot, Biblioth. Orient. p. 834) schreibt er die Gründung von Tauris oder Tebris der Zobeide zu, der Frau des berühmten Kalifen Harun al Raschids; sie scheint aber älter gewesen zu sein, und die Namen Gandzaca, Gazaca oder Gaza bezeichnen den königlichen Schatz. Die 550.000 Einwohner hat Chardin von 1.100.000 (allgemeine Schätzung) herabgesetzt., die alte und moderne Hauptstadt einer der medischen Provinzen. Chosroes persönlich war von einem entfernten Feldzug an den Spitze von 40.000 Mann herbeigeeilt, dem Vordringen des Römers Einhalt zu gebieten; aber beim Herannahen des Heraklius zog er sich zurück und schlug auch die hochherzige Alternative zwischen Schlacht oder Frieden aus.

Anstelle der halben Millionen Einwohner, welche man der Stadt unter der Regierung der Sophis angedichtet hat, besaß Tauris nur dreitausend Häuser; aber der Wert der königlichen Schätze vermehrte sich durch die Sage, sie seien die Beute des Krösus, die Cyrus von der Burg zu Sardes fortgeführt habe. -- Nur der Winter schob die raschen Eroberungen des Heraklius auf; Klugheit oder Aberglauben Er öffnete das Buch mit den Evangelien und deutete die erste zufällig aufgeschlagene Stelle auf den Namen oder die Lage von Albanien. (Theophanes, p. 258) bestimmten ihn zum Rückzug in die Provinz Albanien an der Küste des Kaspischen Meeres, und die Zelte waren vermutlich in den Ebenen von Mogan aufgeschlagen, dem bevorzugten Lagerplatz der orientalischen Herrscher Die Heide von Mogan zwischen Cyrus und Araxes ist 60 Parasangen lang und 20 breit (Olearius, p. 1023f), an Gewässern und fruchtbarer Weide reich (Hist. de Nadir Shah, übersetzt von Herrn Jones aus einem persischen ms., Teil ii. p. 2, 3). Man sehe die Feldlager des Timur (Hist. par Sherefeddin Ali, 5, 37 und 6,13), die Krönung des Nader Schah (Hist. Persanne, p. 3--13 und die englische Biographie von Herrn Jones, p. 64, 65).. Im Verlauf dieses siegreichen Vordringens gab er den Eifer und die Rachgelüste eines christlichen Kaisers zu erkennen: auf sein Geheiß löschten die Krieger die Feuer und zerstörten die Tempel der Magier; die Bildsäulen des Chosroes, auf die göttliche Ehren geltend gemacht wurden, überantwortete man dem Feuer; und die Trümmer von Thebarma oder Ormia Thebarma und Orma nahe dem See Spauta sind dieselbe Stadt, wie D'Anville, (Memoires de l'Academie, Bd. xxviii. p. 564, 565) nachgewiesen hat. Sie wird als Geburtsort des Zoroaster verehrt, wenn man den Persern folgt (Schultens, Index Geograph. P. 48); und diese Tradition wird bestätigt von Herrn Perron d'Anquetil, (Mem. de l'Acad. des Inscript. Bd.. xxxi. p. 375), mit einigen Textstellen aus seiner oder ihrer Zendavesta., in welchem Ort Zoroaster selbst geboren ward, sühnten in etwa für die dem heiligen Grabe angetanen Unbilden. Einen reineren Geist der Religion entfaltete er, da er 50.000 Gefangene entließ. Die Belohnung für Heraklius waren ihre Tränen und dankbaren Zurufe; doch hat diese weise Maßnahme, die den Ruf seiner Güte verbreitete, zugleich das Murren der Perser gegen die Arroganz und den Starrsinn ihres eigenen Königs gesteigert.

Inmitten des Glanzes des folgenden Feldzuges verlieren wir und die byzantinischen Historiker den Heraklius beinahe aus den Augen Ich kann das Salban, Tarantum, die Gebiete der Hunnen nicht finden, und (was schwerer wiegt) Herr d'Anville lässt sich nicht einmal zu ihrer Suche herbei, ob sie gleich von Theophanes, (p. 260-262) erwähnt werden. Eutychius, (Annal. Bd. ii. p. 231, 232), ein unzulänglicher Autor, nennt Asphahan; und Casbin ist höchstwahrscheinlich die Stadt Sapor. Isphahan liegt 24 Tage von Tauris entfernt und Casbin auf halbem Wege zwischen ihnen. (Voyages de Tavernier, Bd. i. p. 63--82).. Von den geräumigen und fruchtbaren Ebenen Albaniens scheint der Kaiser dem Verlauf der hyrkanischen Bergkette zu folgen, in die Provinz Medien oder Irak hinabzusteigen und seine siegreichen Waffen bis vor die Königsstädte Casbin und Isphahan zu tragen, denen sich bislang noch kein römischer Eroberer genähert hatte. Aufgeschreckt über die unmittelbare Gefahr für sein Königreich, hatte Chosroes bereits seine Armeen vom Nil und Bosporus abberufen, und drei furchtbare Heere umringten in fernen und feindlichen Landen das Lager des römischen Kaisers. Die Verbündeten aus Kolchis schickten sich bereits an, das Lager zu verlassen, und mit ihrem beredten Schweigen offenbarten die tapfersten Veteranen ihre Sorgen eher als dass sie dieselben verhehlt hätten. »Seid nicht entsetzt,« so der unerschrockenen Heraklius, »durch die Masse eurer Feinde. Mit der Hilfe des Himmels kann ein einziger Römer über tausend Barbaren obsiegen. Wenn wir aber unser Leben für die Rettung unserer Brüder aufopfern, so ist unser die Märtyrerkrone und unsterblicher Lohn wird uns durch Gott und die Nachwelt zuteil.«

Zu dieser beherzten Gesinnung passten die Heldentaten. Man schlug den dreifachen Angriff der Perser zurück, nutzte die Uneinigkeit ihrer Feldherren aus und durch eine gut abgestimmte Folge von Märschen, Rückzügen und glücklichen Gefechten jagte man die Perser schließlich aus dem Felde und in die befestigten Städte Assyriens und Mediens. In der strengen Winterszeit glaubte sich Sarbaraza innerhalb der Mauern von Salban sicher aufgehoben; er wurde indessen durch Heraklius' Aktivitäten überrascht, der seine Truppen aufgeteilt und in der Stille der Nacht einen anstrengenden Marsch ausgeführt hatte. Vergeblich war die Tapferkeit, mit der die Flachdächer der Häuser gegen die römischen Brandpfeile und Fackeln verteidigt wurden; die persischen Satrapen und die Großen des Landes nebst Frauen und Kindern und die Blüte ihrer kriegerischen Jugend wurden entweder niedergemacht oder gefangen gesetzt. Der General selbst entkam nur durch eine hastige Flucht, aber seine Rüstung aus eitel Gold fiel dem Sieger in die Hände, und die Krieger des Heraklius konnten sich an dem Reichtum und der Ruhe erfreuen, die sie sich auf derart heldenmütige Weise verdient hatten.

Mit einbrechendem Frühling zog der Kaiser in sieben Tage durchs bergige Kurdistan und überquerte ohne Widerstand den Tigris. Schwankend unter der Last der Beute und der Gefangenen machte die römische Armee Halt unter den Mauern von Amida, von wo Heraklius dem Senat zu Konstantinopel die Nachricht von seinem Wohlergehen und Kriegsglück schickte, was die Stadt bereits wegen des Abzugs der Belagerer vermutet hatte. Die Euphratbrücken hatten die Perser allesamt zerstört; kaum aber hatte der Kaiser eine Furt entdeckt, zogen sie sich in Eile zurück, die Ufer des Sarus 10 Parasangen von Tarsus entfernt ging das Heer von Kyros dem Jüngeren über den Sarus, der 3 Plethren breit war. Der Pyramus, ein Stadion breit, floss fünf Parasangen weiter nach Osten (Xen. An. 1, p. 33f). in Kilikien zu verteidigen. Dieser reißende Bergstrom war dreihundert Fuß breit, die Brücke durch starke Wehrtürme befestigt, die Ufer hielten die Bogenschützen der Barbaren besetzt. Nach einem blutigen Gefecht, das bis in den Abend dauerte, behielten die Römer endlich die Oberhand; und ein Perser von riesenhaftem Wuchs wurde vom Kaiser eigenhändig erschlagen und in den Sarus geworfen. Die Perser wurden zersprengt und verfolgt, Heraklius setzte seinen Marsch nach Sebaste in Kappadokien fort, und nach Ablauf von drei Jahren freute sich dieselbe Schwarzmeerküste seiner Rückkehr aus einem langen und endlich siegreichen Feldzuge Georg von Pisidia (Bell. Abaricum, 246--265, p. 49) rühmt zu Recht den ausharrenden Mut auf den drei Feldzügen gegen die Perser..

 

BEFREIUNG KONSTANTINOPELS VON PERSERN UND AWAREN -- 625

Statt nun an den Grenzen Kleinkriege zu führen, zielten die beiden Monarchen, die schließlich um die Vorherrschaft über den Osten stritten, ihre Entscheidungsschläge direkt nach dem Herzen des Gegners. Persiens Armeen waren nach zwanzig Jahren Kriegsführung aufgerieben, und außerdem waren viele Veteranen, die den Gefahren des Schwertes und des Klimas entgangen waren, immer noch an die Festungen von Ägypten oder Syrien gebunden. Doch mit seinen Rachegelüsten und seinem Ehrgeiz erschöpfte Chosroes sein Königreich und verteilte die neurekrutierten Untertanen, Ausländer und Sklaven auf drei gewaltige Heere Petavius (Annotationes ad Nicephorum, p. 62, 63, 64) kann fünf verschiedene Namen von persischen Generälen und ihren Taten nennen.. Die erste Armee, fünfzigtausend Mann stark und ausgezeichnet vor anderen durch den schmückenden Titel der Goldenen Speere, war beauftragt, gegen Heraklius zu marschieren; die zweite wurde so postiert, dass sie die Vereinigung seiner Truppen mit denen seinen Bruders Theodoros verhindern konnte, und die dritte endlich hatte Befehl, Konstantinopel zu belagern und die Unternehmung des Chagans zu fördern, mit denen der Perserkönig einen Bündnis- und Teilungsvertrag geschlossen hatte.

Sarbar, der Kommandeur der dritten Armee, rückte durch die Provinzen Asiens bis zu dem wohlbekannten Lager von Chalkedon und vertrieb sich dort die Zeit mit der Zerstörung von Sakral- und Profanbauten der asiatischen Vorstädte, während er mit Ungeduld auf das Eintreffen seiner skythischen Bundesgenossen am anderen Ufer des Bosporus wartete. Am 29. Juni überwanden dreißigtausend Barbaren, die Vorhut der Awaren, die Lange Mauer und trieben einen aufgelösten Haufen von Bauern, Bürgern und Soldaten vor sich her und in die Hauptstadt. Achtzigtausend Diese Zahl von acht Myriaden berechnet Georg von Pisidia (Bell. Avar. 219). Der Dichter zeigt klärlich (50-88), dass der alte Chagan noch bis in die Zeit von Heraklius lebte und dass sein Sohn und Erbe von einer ausländischen Mutter geboren war. Foggini (Annot. 57) hat diese Stelle jedoch anders gedeutet. seiner Erb-Untertanen und der zinspflichtigen Stämme der Gepiden, Russen, Bulgaren und Slawen zogen unter der Fahne des Chagan; ein Monat verging mit Märschen und Unterhandlungen, am 31. Juli aber war die Stadt von den Vorstädten Pera und Galata bis an die Blacherna und die sieben Türme vollständig eingeschlossen. Die Einwohner aber gewahrten mit Entsetzen die Feuersignale auf dem europäischen und asiatischen Ufer. Die Obrigkeiten von Konstantinopel bemühten sich inzwischen zum wiederholten Male, den Abzug des Chagans zu erkaufen: aber die Beauftragten wurde schnöde behandelt und abgewiesen; er ließ die Patrizier vor seinem Throne stehen, während die persischen Gesandten ihm in Seidenroben zur Seite saßen. »Ihr seht,« sprach der Barbar erhöhten Mutes, »die Beweise für meine herzliche Eintracht mit dem Großkönig; und sein Unterfeldherr ist gesonnen, mir eine auserlesene Truppe von 3.000 Kriegern in mein Lager zu schicken. Steht ab davon, euren Gebieter noch fernerhin durch ein unangemessenes Lösegeld zu versuchen; euer Reichtum und eure Stadt sind die einzigen Geschenke, die es wert sind, dass ich sie entgegennehme. Was nun euch persönlich angeht, so will ich euch erlauben, euch zu entfernen, ein jeder bekleidet mit einem Unterkleid und einem Hemd; und auf meine Fürsprache hin wird mein Freund Sarbar euch den Durchgang durch seine Linien nicht verweigern. Euer abwesender Herrscher, er mag jetzt schon ein Flüchtender sein, ein Gefangener gar, hat Konstantinopel seinem Schicksal überlassen; auch ihr werdet den Waffen der Perser oder Awaren nicht entgehen, ihr könntet euch denn aufschwingen zum Fluge wie die Vögel oder, den Fischen gleich, unter die Wellen tauchen Ein Vogel, ein Frosch, eine Maus und fünf Pfeile waren die Geschenke des Skythenkönigs an Darius (Herodot, 4,131f). Substituez une lettre à ces signes (sagt Rousseau, sehr geschmackssicher) plus elle sera menaçante moins elle effrayera; ce ne sera qu'une fanfaronnade dont Darius n'eût fait que rire, (Setzen Sie einen Brief an die Stelle dieser Zeichen: je drohender er sein wird, desto weniger wird er Angst machen; es wird nichts als Angeberei sein, worüber Darius nur gelacht hätte. Emile, Bd. iii. p. 146). Doch frage ich mich, ob der Senat und das Volk von Konstantinopel über diesen Brief des Chagan lachten.

An zehn aufeinander folgenden Tagen wurde die Stadt von den Awaren bestürmt, die in der Zwischenzeit in der Angriffskunst zugelernt hatten; um die Mauer zu durchbrechen oder zu untergraben, rückten sie unter einem undurchdringlichen Gewölbe aus Schilden an; ihre Kriegsmaschinen schossen ununterbrochen Steine und Pfeile ab, und zwölf hohe Holztürme brachten die Angreifer auf die Höhe der benachbarten Wälle. Doch waren Senat und Volk vom gleichen Geiste beseelt wie Heraklius; er hatte ein Corps von 12.000 Panzerreitern zu ihrer Entlastung abgeschickt, zur Verteidigung von Konstantinopel wurden Mechanik und Pyrotechnik mit höherer Kunstfertigkeit und überlegener Wirksamkeit eingesetzt, ihre Galeeren, Zwei- und Dreiruderer, beherrschten den Bosporus und verurteilten die Perser zu müßigem Zuschauen bei der Niederlage ihrer Verbündeten. Die Awaren wurden zurückgeschlagen, eine ganze Flotte mit slawischen Booten im Hafen vernichtet; die Vasallen des Chagans drohten zu entfliehen, seine Vorräte waren erschöpft, und er gab, nachdem seine Kriegmaschinerie auf seine Weisung verbrannt worden war, das Signal zu einem langsamen, furchtbaren Rückzug. Römisches Frömmeln schrieb diese denkwürdige Rettung der Jungfrau Maria zu; die Mutter Christi würde aber gewiss die unmenschliche Ermordung der persischen Gesandten verurteilt haben, welche Anspruch hatten auf humane Behandlung, selbst wenn sie nicht durch das Völkerrecht geschützt waren Das Chronikon Paschale (p. 392-397) bietet eine genaue und glaubhafte Beschreibung von der Belagerung und Befreiung von Konstantinopel. Theophanes (p.264) fügtnoch einige Begleitumstände hinzu, und ein --schwaches -- Licht schimmert durch den Rauch bei Georg von Pisidia, der ein Epos (de bello Avarico, p. 45 -- 54) verfasst hat zur Verewigung dieses denkwürdigen Begebnisses..

 

EROBERUNGEN UND BÜNDNISSE DES HERAKLIUS

Nach der Teilung seines Heeres zog sich Heraklius klugbedacht an den Phasis zurück, wo er einen Verteidigungskrieg gegen die 50.000 persischen Goldenen Speere durchstehen musste. Die Befreiung Konstantinopels nahm ihm seine Sorgen; zusätzlich noch festigten sich seine Hoffnungen durch einen Sieg seines Bruders Theodoros; und dem Feindesbündnis zwischen Chosroes und den Awaren stellte er die nützliche und ehrenhafte Allianz mit den Türken entgegen. Auf seine freundliche Einladung hin brachte die Horde der Chozaren Die Chozaren blühten im 7.-9. Jh. Griechen und Araber kannten sie, selbst die Chinesen unter dem Namen Kosa. De Guignes, Hist. des Huns, Bd. ii. Teil ii. p. 507--509. ihre Zelte von der Ebene an der Wolga in die Berge von Georgien; Heraklius empfing sie in der Nähr von Tiflis, wo der Khan und die Großen seiner Krone absaßen und -- wenn wir denn den Griechen glauben dürfen -- bäuchlings auf den Boden fielen, den Cäsarenpurpur anzubeten. Eine solche freiwillige Huldigung und eine so wichtige Allianz hatten Anspruch auf die freundlichste Anerkennung; der Kaiser nahm sein Diadem ab, setzte es dem türkischen Fürsten aufs Haupt, begrüßte ihn mit zärtlicher Umarmung und nannte ihn Sohn.

Nach einem üppigen Bankett beschenkte er Ziebel mit dem Silbergeschirr und dem Zierrat, dem Gold, den Edelsteinen und der Seide, die man bei der kaiserlichen Tafel benutzt hatte, und verteilte an seinen neuen Bundesgenossen eigenhändig prächtige Juwelen und Ohrringe. In einer Geheimunterredung zeigte er das Bildnis seiner Tochter Eudocia Epiphania oder Eudocia, die einzige Tochter des Heraklius und seiner ersten Frau Eudocia wurde in Konstantinopel geboren (7. Juli 611), getauft (15. August 611) und gekrönt in der Kapelle des Hl. Stephanus im Palast (4. Oktober 611). Zu der Zeit dieser Erzählung war sie etwa 15 Jahr alt. Eudocia wurde danach ihrem türkischen Gemahl zugesandt, aber die Nachricht von seinem Tode macht ihrer Reise ein vorzeitiges Ende und verhinderte den Vollzug der Ehe. (Ducange, Familiae Byzantin. p. 118).; ließ sich herbei, dem Barbaren mit dem Versprechen einer anmutigen und erlauchten Braut zu schmeicheln, erhandelte einen unverzüglichen Beistand von vierzigtausend Reitern und besprach einen massiven türkischen Ablenkungsangriff von Seiten des Oxus her Elmcain (Hist. Saracen. p. 13--16) nennt noch einige erwähnenswerte und wahrscheinliche Fakten: aber seine Zahlen sind wohl doch übertrieben; 300.000 Römer zu Edessa versammelt; 500.000 Perser zu Ninive getötet. Die Streichung einer Null reicht kaum hin, um seine Richtigkeit herzustellen.. Die Perser zogen sich ihrerseits in großer Eile zurück; im Heerlagerung von Edessa hielt Heraklius Musterung einer Armee von 70.000 Römern und Auswärtigen und verbrachte dann mehrere Monate mit der glücklichen Wiedereinnahme der Städte Syriens, Armeniens und Mesopotamiens, deren Befestigungswerke man noch nicht vollständig wieder hergestellt hatte.

Der wichtige Vorposten von Chalkedon wurde noch von Sabar behauptet; aber der Futterneid des Chosroes oder eine Hinterlist des Heraklius entfremdeten diesen mächtigen Satrapen schon bald dem Dienste an seinem König und seinem Land. Ein Bote wurde abgefangen mit einem echten oder fiktiven Befehl an den Kadarigan oder zweiten Befehlshaber, welcher angewiesen wurde, dem Thron ohne Verzug das Haupt eines schuldigen oder auch nur glücklosen Feldherrn abzuliefern. Diese Depeschen wurden an Sabar persönlich überbracht, und sobald er sein Todesurteil las, fügte er die Namen von vierhundert Offizieren ein, berief einen Kriegsrat und fragte den Kadarigan, ob er die Befehle ihres Tyrannen zu vollziehen bereit sei? Einmütig erklärten die Perser, dass Chosroes das Szepter verwirkt habe; mit der Regierung von Konstantinopel wurde ein Sondervertrag geschlossen, und wenn einige Rücksichten auf Politik oder Ehre den Sabar abhielten, zu Heraklius Fahne überzulaufen, so durfte der Kaiser sich dennoch versichert halten, dass er jetzt seine Sieges- und Friedenspläne ungestört verfolgen konnte.

 

3. PERSERFELDZUG DES HERAKLIUS 627

Beraubt seiner zuverlässigsten Stütze und im Zweifel an der Treue seiner Untertanen, war Chosroes auch noch in der Niederlage groß. Die Zahl fünfhunderttausend möge man als Metaphorik des Orients durchgehen lassen, mit der die Zahl der Menschen, Waffen, Pferde und Elefanten bezeichnet wurde, mit der Medien und Assyrien gegen den Einmarsch des Heraklius gesichert wurden. Aber die Römer zogen kühn vom Araxes zum Tigris; und Rhazates' zurückhaltende Klugheit begnügte sich damit, ihm in Eilmärschen durch ein verödetes Land zu folgen, bis er den unbedingten Befehl erhielt, das Schicksal Persiens auf eine einzige Schlacht zu setzen. Östlich des Tigris, am Ende der Brücke von Mosul, hatte ehedem das große Ninive gestanden Ctesias (apud Didor. Sicul. Bd. i. l. ii. p. 115, edit. Wesseling) gibt 480 Stadien (etwa 32 Meilen) für Ninives Umfang an; Jonas spricht von einer Drei-Tage-Reise: die 120.000 Personen, die nach den Angaben des Propheten außerstande sind, links und rechts auseinander zu halten, könnten für ca. 700.000 Einwohner jedweden Alters und Geschlechtes dieser alten Hauptstadt stehen (Goguet, Origines des Loix usw., Bd. iii. part i. p. 92, 93), welche um 600 v.Chr. aufhörte zu sein. Die westliche Vorstadt existiert noch und wird in der Frühzeit der arabischen Kalifen unter dem Namen Mosul erwähnt.: die Stadt selbst, sogar ihre Ruinen, sind seither schon längst verschwunden Niebuhr (Voyage en Arabie usw., Bd. ii. p. 286) ging über Ninive hinweg, ohne es zu bemerken. Er hielt irrtümlich die alte Backstein- oder Erdmauer für eine Hügelkette. Sie soll 100 Fuß hoch und mit 1500 Türmen von jeweils 200 Fuß Höhe besetzt gewesen sein.; und der leere Platz ließ genügend Raum für die Maßnahmen der beiden Heere. Aber diese Maßnahmen werden von den byzantinischen Historikern übergangen, vielmehr schreiben sie in der Art der epischen Dichter und Romanautoren den Sieg nicht der höheren Kriegskunst zu, sondern der individuellen Tapferkeit ihrer Lieblingshelden.

An diesem denkwürdigen Tage übertraf Heraklius auf seinem Streitross Phallas noch seine tapfersten Krieger. Seine Lippe wurde von einem Spieß durchbohrt, sein Pferd am Schenkel verletzt, dennoch trug es seinen Gebieter sicher und siegreich durch die dreifache Phalanx der Barbaren. In der Hitze des Gefechtes wurden drei wurden Befehlshaber nacheinander durch des Kaisers Schwert oder Lanze getötet; unter ihnen war auch Rhazates selbst; er starb einen Soldatentod, aber der Anblick seines Hauptes verbreitete Schmerz und Verzweiflung in den erschöpften persischen Reihen. Seine Rüstung aus gediegenem Gold, der Schild mit 120 Platten, das Schwert und das Wehrgehenk, Sattel und Panzer schmückten den Triumph des Heraklius, und wäre er nicht Christus und seiner Mutter treu geblieben, dann hätte Roms Held dem kapitolinischen Jupiter die vierte spolia opima opfern können Rex regia arma fero (sagt Romulus bei der ersten Einweihung).... bina postea (fährt Livius fort 1,10) inter tot bella, opima parta sunt spolia, adeo rara eius fortuna decoris. (Ich, der König, bringe diese Königswaffen...Nur zweimal wurden danach in so vielen Kriegen die Feldherrenrüstungen erbeutet; so selten war das Glück zu jenem Ruhm). Wenn Varro (apud Pomp. Festum, p. 306, edit. Dacier) seine Freigebigkeit rechtfertigen konnte, durch die er die opima spolia selbst einem gewöhnlichen Krieger zugestand, der einen feindlichen König erschlagen hatte, dann wäre jene Ehre häufiger und wohlfeiler gewesen..

In dieser Schlacht bei Ninive, die vom Sonnenaufgang bis zur elften Stunde mit Verbissenheit geführt wurde, nahmen die Römer den Persern 28 Fahnen, die zerbrochenen oder zerrissenen nicht mitgezählt; ihre große Armee lag in Stücken, und der Sieger, der seine eigenen Verluste verheimlichte, lagerte während der Naht im Felde. Sie waren sich einig, dass es diesmal leichter gewesen war, die Soldaten des Chosroes zu töten als in die Flucht zu schlagen; zwischen den Gefallenen, nicht weiter als zwei Bogenschüsse vom Feind, stand die persische Reiterei fast bis zur siebenten Nachtstunde. Gegen die achte kehrten sie zurück in ihr Lager, welches unberührt war, sammelten ihr Gepäck und zerstreuten sich in alle Richtungen, was aber eher auf dem Mangel an Befehlen beruhte als an fehlender Entschlossenheit.

Die Tatkraft, die Heraklius bei der Ausbeutung seines Sieges bewährte, war ebenfalls bewundernswürdig; nach einem Marsch von 48 Meilen in 24 Stunden besetzte der Vortrab die Brücken des großen und kleinen Zab. Und erstmalig standen die Städte und Paläste Assyriens den Römern offen. Durch eine geordnete Folge prachtvoller Szenen gelangten sie bis in die eigentliche Königsresidenz Dastagerd, und wenn auch ein beträchtlicher Teil des Schatzes zuvor beiseite geschafft oder ausgegeben worden war, so überstieg der vorhandene Reichtum gleichwohl ihre kühnsten Hoffnungen, ja sogar ihre Habgier. Was nicht ohne weiteres fortgeschafft werden konnte, wurde verbrannt; jetzt mochte Chosroes die Bitterkeit jener Wunden spüren, die er den Reichsprovinzen zuvor so häufig geschlagen hatte.

Das Rechtsgefühl würde dies sogar als Entschuldigung gelten lassen, wenn man diese Verwüstungen auf die Hervorbringungen des königlichen Luxus beschränkt hätte und wenn nicht Nationalhass, militärische Zügellosigkeit und religiöser Fanatismus mit gleicher Wut über die Wohnungen und Tempel der schuldlosen Einwohner hergefallen wären. Reinerer Glanz umstrahlte da die Waffen des Heraklius, als er 300 römische Standarten wiedererobert und zahlreiche Gefangene zu Edessa und Alexandria befreit hatte. Vom Palast zu Dastagerd setzte er seinen Marsch fort bis sieben Meilen diesseits von Modain oder Ktesiphon, bis er am Ufer des Arba Halt machte wegen des schwierigen Übergangs, der strengen Jahreszeit und möglicherweise auch wegen des Rufes, der diese als uneinnehmbar geltenden Hauptstadt umgab. Der Rückmarsch der Kaisers ist bezeichnet durch den modernen Namen Scherhzur: er überstieg glücklich das Zaragebirge noch vor dem Schneefall, der dann ununterbrochen vierunddreißig Tage lang anhielt, und die Bürger von Gandzaka oder Tauris mussten anschließend seine Krieger und ihre Pferde gastlich aufnehmen und bewirten Bei der Beschreibung dieses letzten Feldzuges des Heraklius sind die Einzeltatsachen, die Orte und die Datumsangaben von Theophanes (p. 265-271) derart genau und authentisch, dass er sich an die kaiserlichen Originalbriefe gehalten haben muss, von denen das Chronikon Paschale eine merkwürdige Probe aufbewahrt hat..

 

CHOSROES' FLUCHT -- 29. DEZEMBER 627

Als Chosroes Ehrgeiz sich damit zufrieden geben musste, wenigstens sein ererbtes Königreich zu retten, hätte ihn Ruhmsucht, ja selbst noch ein verbleibender Rest von Ehrgefühl gebieten sollen, sich mit seinem Feind im Felde zu messen. In der Schlacht von Ninive hätte sein Mut die Perser das Siegen lehren können oder er hätte in allen Ehren durch die Lanze des römischen Kaisers fallen können. Der Nachfahre des Cyrus zog es indessen vor, in sicherer Entfernung den Ausgang abzuwarten, die geschlagenen Reste zu sammeln und sich abgemessenen Schrittes zurückzuziehen vor des Heraklius Annäherung, bis dass er unter Seufzen die vordem so geliebte Wohnstätte Dastagerds erblickte. Freund und Feind hielten sich überzeugt, dass es seine Absicht sei, sich selbst unter den Trümmern der Stadt und des Palastes zu verbrennen. Und da sich beide in gleicher Weise seiner Flucht widersetzen mochten, entwischte der Monarch zusammen mit Sira und drei seiner Konkubinen neun Tage vor Ankunft der Römer durch ein Loch in der Mauer.

Der feierliche und prachtvolle Zug, mit dem er sich für gewöhnlich der niederliegenden Volksmenge zu zeigen pflegte, war zu einer fluchtartigen und heimlichen Durchreise geworden: am ersten Abend logierte er sogar in einer Bauernhütte, deren niedere Tür kaum den großen König einließ Bemerkenswert sind die Worte des Theophanes (p. 269): (»Chosroes ging, um im Haus eines elenden Bauern zu bleiben, dessen Tür kaum Raum gab und bei deren Anblick Heraklius in tiefes Staunen verfiel.«) Junge Herrscher, die eine Neigung zum Krieg verspüren, sollten diese Worte des Öfteren abschreiben und übersetzen.. Sein Aberglaube unterlag schließlich seiner Furcht: am dritten Tage betrat er freudevoll die Festungsanlagen von Ktesiphon; aber immer noch war er nicht frei von Bedenken, bis endlich der Tigris zwischen ihm und den nachsetzenden Römern war. Da aber seine Flucht ruchbar wurde, versetzte diese Nachricht Palast, Stadt und Lager von Dastagerd in Schrecken und Aufruhr. Die Satrapenwaren sich im Unklaren darüber, ob sie mehr von ihrem Herrscher oder von den Feinden zu befürchten hätten; und die Haremsweiber empfanden zugleich Vergnügen und Erstaunen beim Anblick einer Menschenmenge, bis der eifersüchtige Gemahl und Gebieter von 3.000 Weibern sie in ein weiter entferntes Schloss einsperrte.

Auf seinen Befehl hin bezog die Armee von Dastagerd ein neues Lager: die Frontlinie wurde durch den Arba und eine Reihe von zweihundert Elefanten gedeckt. Allmählich kamen auch die Truppen der entfernteren Provinzen an, und die niedersten Hausbediensteten des Königs und der Satrapen wurden zum letzten Gefecht um den Thron aufgeboten. Noch stand es in Chosroes Macht, einen angemessenen Frieden zu erhalten, und tatsächlich drangen die Boten des Heraklius in ihn, das Blut seiner Untertanen zu schonen und einem menschlich gesinnten Sieger die schmerzliche Notwendigkeit zu ersparen, Asiens schönste Provinzen mit Feuer und Schwert zu versehren. Aber der Stolz des Persers war noch nicht so tief gesunken wie die Sache seines Königtums; er schöpfte sogar für einen Augenblick Hoffnung aus dem Rückzug des Kaisers; mit ohnmächtiger Wut weinte er über den Ruinen seiner Assyrischen Paläste und überhörte dabei etwas zu lange das Murren seines Volkes, das immer lauter wurde und klagte, dass Leben und Vermögen dem Starrsinn eines alten Mannes aufgeopfert werde.

Dieser glückverlassenen alte Mann wurde selbst von fürchterlichen seelischen und körperlichen Qualen heimgesucht; und im Bewusstsein des herannahenden Lebensendes beschloss er, die Tiara dem Merdaza aufzusetzen, dem geliebtesten seiner Söhne. Indessen, der Wille des Chosroes war nicht längerhin respektiert, und Siroes hatte sich im stolzen Bewusstsein auf den Rang und die Verdienste seiner Mutter Sira mit den Übelmeinenden verschworen, das Recht der Erstgeburt an sich zu reißen und im vorweg für sich zu reklamieren Der Originalbericht von Sturz des Chosroes ist in dem Brief des Heraklius enthalten (Chron. Pasch.) sowie in der Geschichte des Theophanes (p. 271).. Zweiundzwanzig Satrapen -- sie selbst nannten sich Patrioten -- ließen sich durch Reichtum und Ehrenstellen verführen, welche die neue Regierung verhieß: der Armee versprach der Erbe Chosroes' Solderhöhung; den Christen freie Religionsausübung; den Gefangenen die Freilassung und ein Handgeld; den Volk sofortigen Frieden und Steuersenkungen. Siroes sollte sich mit den Abzeichen der Königswürde im Lager zeigen, so der Beschluss der Verschwörer, und sollte das Vorhaben misslingen, so war die Flucht an den Kaiserhof bereits in die Wege geleitet.

 

SEINE VERHAFTUNG, EINKERKERUNG UND SEIN TOD 15. FEBRUAR 628

Aber einhellig waren die Freudenrufe, die den neuen Monarchen begrüßten, Chosroes wurde auf der Flucht (aber wohin hätte er eigentlich fliehen sollen?) unfreundlich festgesetzt, achtzehn Söhne wurden vor seinen Augen ermordet und er selbst in einen Kerker geworfen, in welchem er nach fünf Tagen starb. Die Griechen und die modernen Perser beschreiben in allen Details, wie der unmenschliche Sohn, der seinen Vater zumindest in diesem Punkte übertraf, gefoltert, verhöhnt und zu Tode gehungert wurde: aber welche Zunge konnte denn zu der Zeit seines Todes die Geschichte eines Vatermordes erzählen? welches Auge bis in die Finsternis des Gefängnisturmes blicken? Folgt man dem Glauben und der Barmherzigkeit seiner christlichen Feinde, dann fiel er in einen noch tieferen Abgrund Beim ersten Gerücht von Chosroes Tod veröffentlichte Georg von Pisidia in Konstantinopel ohne Verzug eine Heracliade in zwei Gesängen (p. 97-105). Ein Priester und ein Dichter mögen ja in angemessener Weise über die Verdammnis eines Staatsfeindes frohlocken: (»in den Tartaros gestürzt« v.50); doch eine derart billige Rache ist eines Königs und Siegers unwürdig; und es schmerzt mich, so viel schwärzesten Aberglauben in den Briefen des Heraklius zu finden (...der Tyrann und Gottesfeind Chosroes stürzte in das Unterirdische...in die unauslöschlichen Feuer &c): bei ihm wird der Vatermord des Siroes zu einem Akt der Frömmigkeit und Gerechtigkeit.; und niemand kann leugnen, dass Tyrannen aller Zeiten und jeder Sekte die gerechtesten Ansprüche auf solcherart Höllenwohnung besitzen. Mit Chosroes Leben erlosch auch der Glanz das Hauses Sassan; sein pervertierter Sohn freute sich nur acht Monate der Früchte seiner Verbrechen; dann wurde innerhalb von vier Jahren der Königstitel an neun verschiedene Bewerber vergeben, welche mit Schwert und Dolch um die Trümmer einer erschöpften Monarchie haderten. Jede Provinz, jede Stadt Persiens wurde zur Bühne von Sezession, Zwietracht und Blutvergießen, bis endlich die Faktionen zum Schweigen gebracht und geeint wurden unter dem gemeinschaftlichem Joch der -- arabischen Kalifen Die beste orientalische Darstellung der letzten Sassaniden-Periode findet man bei Eutychius, (Annal. Bd. ii. p. 251--256), der allerdings den Vatermord des Siroes verschweigt, bei D'Herbelot (Bibliotheque Orientale, p. 789) und Assemanni, (Bibliothec. Oriental. Bd. iii. p. 415--420)..

 

FRIEDENSVERTRAG ZWISCHEN DEN REICHEN MÄRZ 628

Sobald die Berge wieder passierbar waren, erhielt der Kaiser die willkommene Kunde von der erfolgreichen Verschwörung, von Chosroes' Tod und der Erhebung seines ältesten Sohnes auf den persischen Thron. --Die Urheber der Verschwörung, begierig, ihre Verdienste am Hofe oder im Lager zu Tauris leuchten zu lassen, eilten den Boten des Sauris voraus, die die Briefe ihres Herren seinem Bruder, dem Kaiser der Römer überbringen sollten Der Brief des Siroes in dem Chronikon Paschale (p. 402) endet leider, bevor er zum Wesentlichen kommt. Der Vertragsabschluss wird in der Geschichte von Theophanes und Nikephoros geschildert.. In der Sprache der Thronräuber aller Zeiten und Länder macht er für seine Verbrechen die Gottheit verantwortlich, und ohne seine ebenbürtige Majestät herabzustufen erbietet er sich, den langen Hader zwischen den beiden Völkern durch einen Friedens- und Bündnisvertrag beizulegen, der dauerhafter als Eisen oder Stein sein soll. Die Friedensbedingungen waren schnell ausgehandelt und wurden getreulich vollzogen. Mit der Auslieferung der Standarten und Gefangenen, die in die Hände der Perser gefallen war, hielt sich Kaiser Heraklius an das Beispiel des Augustus: ihrer beider Sorge für die Würde der Nation wurde von den zeitgenössischen Dichtern gepriesen; aber den Niedergang des dichterischen Genius möge man durch einen Vergleich von Horaz und Georg von Pisidia ermessen; die Untertanen, die Glaubensbrüder und -- schwestern wurden von Verfolgung, Sklaverei und Verbannung erlöst; aber anstelle der römischen Legionsadler wurde auf intensives Drängen von Konstantins Nachfolger das wahre Holz des Kreuzes zurückgegeben. Der Sieger verspürte keine Neigung, sein schwächelndes Reich auch noch zu vergrößern; Chosroes Sohn gab ohne Bedauern die Eroberungen seines Vaters zurück; die Perser, die die Städte Syriens und Ägyptens räumten, wurden ehrenvoll bis an die Grenzen geleitet, und so brachte ein Krieg, der beide Monarchien bis in ihre Lebensadern geschädigt hatte, keinerlei Änderungen ihrer äußeren oder gegenseitigen Angelegenheiten zustande. Die Rückkehr des Heraklius von Tauris nach Konstantinopel war ein einziger Triumphzug; und nach den Großtaten von sechs Feldzügen genoss er friedlich den Sabbat seiner Mühen. Nach langem Warten zogen Senat, Geistlichkeit und Volk dem Helden entgegen, unter Tränen und Freudengeschrei, mit Ölzweigen und ungezählten Illuminationen: er zog auf einem von vier Elefanten gezogenem Wagen in die Hauptstadt ein, und sobald der Herrscher sich dem Getümmel der öffentlichen Freudenbekundungen entwunden hatte, schmeckte er reinere Freude in den Umarmungen seiner Mutter und seines Sohnes Der Refrain von Cornelleis Lied »Montrez Heraclius au peuple qui l'attend,« (»Zeigt den Heraklius dem wartenden Volk«) passt deutlich besser zu dem gegenwärtigen Vorgang. Man sehe seinen Triumph in Theophanes (p. 272f.) und Nikephoros (p.15f.). Das Leben der Mutter und die Zärtlichkeit des Sohnes werden von Georg von Pisidia bezeugt (Bell Abar. 255ff. p. 49). Die Sabbat-Metapher dieser byzantinischen Christen ist etwas profan..

Das folgende Jahr wurde durch einen Triumph ganz anderer Art ausgezeichnet, die Rückführung des Echten Kreuzes an das Heilige Grab. Heraklius unternahm in eigener Person die Pilgerfahrt nach Jerusalem; der Patriarch Siehe Baronius (Annal. Eccles. A.D. 628, No. 1-4), Eutychius (Annal. Bd. ii. p. 240--248) und Nicephorus, (Brev. p. 15). Die Siegel des Kastens wurden niemals erbrochen; und diese Erhaltung des Kreuzes wird -- nächst Gott -- der Frömmigkeit der Königin Sira zugeschrieben., allzeit bereit, bestätigte die Echtheit der Reliquie, und durch das jährliche Fest der Kreuzerhöhung wurde diese hochheilige Zeremonie verewigt. Bevor sich nun der Kaiser erkühnte, den geheiligten Boden zu betreten, erhielt er Weisung, den Zierrat und die Eitelkeit der Welt -- Purpur und Diadem -- abzutun: aber noch leichter war waren nach den Maßgaben seiner Geistlichkeit die Judenverfolgungen mit den Lehren des Evangeliums zu vereinbaren. Dann bestieg er neuerlich den Thron, um die Glückwünsche der Gesandten des Frankenreiches und Indiens entgegen zu nehmen; und nach einer verbreiteten Einschätzung waren Moses, Alexander und Herkules Georg von Pisidia (Acroas. iii. de Expedit. contra Persas, 415f. und Heracleid. Acroas. i. 65--138). Ich lasse die niederen Parallelen zu Daniel, Timotheus usw. unbeachtet; Chosroes und der Chagan werden --wie anders? -- mit Belsazar, Pharao und der Schlange verglichen. durch des Kaisers überlegenes Verdienst und Ruhm in den Schatten gestellt.

Aber der Befreier des Orients war recht eigentlich schwach und arm. Den größten Teil der persischen Beute hatte der Krieg verschlungen, hatten die Soldaten erhalten oder die Wellen des Schwarzen Meeres in einem Sturm begraben. Auf dem kaiserliche Gewissen lastete die Verbindlichkeit, die Klerisei wieder in den Besitz des Vermögens zu setzen, das er sich bei ihnen -- um sie zu verteidigen -- ausgeliehen hatte. Es war ein dauernder Fonds nötig, um diese unnachsichtigen Gläubiger zufrieden zu stellen; die Provinzen, durch Verwüstungen und die Raublust der Perser ohnehin verarmt, wurden zu einer zweiten Zahlung derselben Steuern genötigt; und die Rückstände eines schlichten Bürgers, des Schatzmeisters von Damaskus, wurden zu einer Geldbuße von 100.000 Goldstücken umgewandelt. Der Verlust von 200.000 Kriegern Suidas (in Excerpt. Hist. Byzant. p. 46) nennt diese Zahl. Aber entweder muss statt persischer Krieg isaurischer gelesen werden, oder diese Stelle bezieht sich nicht auf Kaiser Heraklius., die durch das Schwert umgekommen waren, war von nicht so verheerender Bedeutung wie der Verfall der Künste, des Ackerbaus und der Bevölkerung in diesem ewigen, mörderischen Krieg; und wenn sich auch unter der Fahne des Heraklius eine siegreiche Armee herausgebildet hatte, so scheinen die übernatürlichen Anstrengungen ihre Kräfte eher erschöpft als geübt zu haben.

Und während nun der Kaiser zu Konstantinopel oder Jerusalem seine Triumphe feierte, wurde an der Grenze zu Syrien eine kleine Stadt von den Sarazenen geplündert, die auch einige Truppen niedermachten, die zu ihrer Rettung herbeigeeilt waren, für sich genommen ein gewöhnlicher und historisch bedeutungsloser Vorfall, wenn er nicht zugleich das Vorspiel zu einer gewaltigen Umwälzung gewesen wäre. Diese Räuber waren nämlich die Apostel Mohammeds; ihre fanatische Tapferkeit war aus der Wüste hervorgebrochen; und in den letzten acht Jahren seiner Regierung verlor Heraklius an die Araber genau die Provinzen, die er zuvor von den Persern befreit hatte.








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