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Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 45

Edward Gibbon: Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 45 - Kapitel 1
Quellenangabe
typetractate
authorEdward Gibbon
titleVerfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 45
publisherprojekt.gutenberg.de
year2013
firstpub2013
translatorCornelius Melville
correctorreuters@abc.de
senderCornelius Melville
created20131029
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Edward Gibbon

Verfall und Untergang des Römischen Reiches – 5. Band – Kapitel 45

 

© und Übersetzung:
Cornelius Melville

 

XLV

REGIERUNG JUSTINUS' DES JÜNGEREN – DIE GESANDTSCHAFT DER AWAREN – IHRE NIEDERLASSUNG AN DER DONAU – LANGOBARDEN EROBERN ITALIEN – ADOPTION UND REGIERUNG DES TIBERIUS – DES MAURITIUS – ZUSTAND ITALIENS UNTER DEN LANGOBARDEN UND DEN EXARCHEN – VON RAVENNA – NOTLAGE ROMS – PAPSTTUM UND CHARAKTER VON GREGOR DEM ERSTEN

 

JUSTINIANS TOD 14. NOVEMBER 565

In den letzten Jahren seiner Regierung widmete sich Justinians frömmelndes und schwaches Gemüt himmlischen Betrachtungen und vernachlässigte darüber die Geschäfte der Welt. Seine Untertanen wurden der langen Dauer seines Lebens und seiner Regierung nachgerade müde: doch jeder, der nachdenken wollte, sorgte sich vor dem Augeblick seines Todes, konnte er doch die Hauptstadt in Tumult und das Reich in einen Bürgerkrieg stürzen. Sieben Neffen Die Familie von Justin und Justinian sehe man in den Familiae Byzantine von Ducange, p. 89–101. Die ergebenen Rechtskundigen Ludewig (in Vit. Justinian. p. 131) und Heineccius (Hist. Juris. Roman. p. 374) haben seither die Genealogie ihrer Lieblingsherrscher dargestellt. des kinderlosen Monarchen, die Söhne oder Enkel seines Bruders und seiner Schwester waren im Glanz des fürstlichen Standes aufgebracht worden; sie waren den Provinzen und Armeen in hohen Befehlshaberstellungen vorgeführt worden; man kannte ihre Charaktere, ihre Anhänger waren mit brennendem Eifer für sie tätig, und da der Argwohn des Alters die Ernennung eines Nachfolgers beständig vor sich herschob, durften sie sich mit gleicher Berechtigung Hoffnungen auf die Erbschaft ihres Onkels machen. Nach einer Regierungszeit von achtunddreißig Jahren entschlief er im Palast; und in diesem entscheidenden Moment packten die Freunde des Justinus, des Sohnes der Vigilantia, die Gelegenheit beim Schopf In die Geschichte von Justins Erhöhung habe ich die 800 Verse der ersten beiden Bücher des Chrosippus (de Laudibus Justini Appendix Hist. Byzant. p. 401–416 Rom 1777) eingefügt, übersetzt in schlichte und gedrängte Prosa.: zu mitternächtlicher Stunde wurden seine Hausbediensteten von einer ungestümen Schar geweckt, welche gegen seine Tür donnerte und Einlass erhielt, nachdem man sich zu erkennen gegeben hatte als des Senates vornehmste Mitglieder.

Diese hochwillkommenen Abgeordneten brachten die schicksalsschwangere und geheime Kunde von des Herrschers Ableben; berichteten, oder vielmehr: erfanden des Dahingegangenen Wahl seines geliebten und verdienstvollsten Neffen Justinus und beschworen diesen, der Unordnung der Volksmassen vorzubeugen, wenn diese bei Tagesanbruch erführen, dass sie nunmehr ohne Herrscher seien. Nachdem Justinus sein Gesicht mit den Falten der Überraschung, der Betroffenheit und der angemessenen Bescheidenheit versehen hatte, unterwarf er sich auf Anraten seiner Frau Sophia der Autorität des Senates. Er wurde in stiller Eile zum Palast geführt; die Wachen begrüßten ihren neuen Regenten; und gewissenhaft wurden die kriegerischen und religiösen Inthronisations-Zeremonien vollzogen. Dazu wurden ihm von der Hand der dazu bestallten Beamten die kaiserlichen Insignien angetan, die roten Halbstiefel, die weiße Tunika und die Purpurrobe. Ein glücklicher Soldat, den er umgehend zum Tribunen beförderte, umzirkte ihm den Nacken mit einem militärischen Halsband, vier starke Jünglinge hoben ihn auf einem Schilde empor; fest und emporgereckt stand er, die Huldigungen seiner Untertanen zu empfangen; und der Patriarch heiligte ihre Wahl durch einen Segensspruch, wobei er zugleich dem orthodoxen Herrscher das Diadem auf das Haupt tat.

REGIERUNG JUSTINUS' II, DES JÜNGEREN 15. NOVEMBER 565 – DEZEMBER 574

Mittlerweile hatte sich das Hippodrom mit ungemessenen Scharen Volks angefüllt, doch nicht eher ließ sich der Kaiser auf seinem Throne sehen, bevor nicht die Stimmen der grünen und blauen Zirkusparteien sich zu einem Treue-Jauchzen vereint hatten. In den Reden, die Justinus dann an Senat und Volk richtete, versprach er die Übel abzustellen, die den Glanz der letzten Jahre seines Vorgängers eingetrübt hatten, breitete die Maximen einer gerechten und wohltätigen Regierung aus und erklärte, er wolle an den folgenden Kalenden des Januar Es ist befremdlich, wie Pagi (Critica. in Annal. Baron. Bd. ii. p 639) sich durch irgendwelche Chroniken hat bestimmen lassen, dem klaren und entschiedenen Text des Corippus (vicina dona, l. ii. 354, vicina dies, l. iv. 1) zu widersprechen und das Konsulat bis zum Januar 567 hinauszuschieben. durch seine Person den Namen und die freisinnige Herrschaft eines römischen Konsuls neuerlich aufleben lassen. Die unverzügliche Tilgung der Schulden seines Onkels gab die Gewähr für seine guten Absichten und seinen Großmut: ein Zug von Trägern, die mit Beuteln voller Gold beladen waren, nahmen in der Mitte des Hippodroms Aufstellung, und die hoffnungslosen Gläubiger Justinians nahmen diese freiwillige Zahlung als Geschenk entgegen. Vor Ablauf von drei Jahren hatte die Kaiserin Sophia seinem Beispiel nachgeeifert, es sogar übertroffen, denn sie befreite viele Bedürftige vom Druck der Schulden und des Wuchers: fürwahr eine wohltätige Handlungsweise, die begründete Ansprüche auf Dankbarkeit hat, da sie das schlimmste Elend mildert, durch die aber auch die Güte des Herrschers am stärksten gefährdet ist, weil die Forderungen der Verschwender und Betrüger sie hintergehen können Theophan. Chronograph. p. 205. Immer, wenn Cedrenus oder Zonaras nur abschreiben, lohnt es nicht, ihr Zeugnis anzuführen..

DIE GESANDTSCHAFT DER AWAREN 566

Am siebenten Tage seiner Regierung gewährte Justinus den Gesandten der Awaren eine Audienz, und der Szenerie war eigens dazu hergerichtet und ausgeschmückt, den Barbaren Staunen, Ehrfurcht und Schrecken einzuflößen. Vom Palasttor entlang der geräumigen Höfe und der langen Porticos, standen in glänzenden Reihen Leibwachen, versehen mit hochragenden Federbüschen und vergoldeten Buckelschilden und erfüllt mit mehr Entschlossenheit, als sie sie auf einem Schlachtfeld gezeigt haben würden. Die Offiziellen, welche die Macht der Herrschers exekutierten oder seiner Person nahe waren, trugen ihre reichsten Prachtgewänder und standen je und je aufgereiht gemäß ihrer bürgerlichen oder militärischen Rangordnung. Da der Schleier vom Heiligtum fortgezogen ward, erblickten die Gesandten den Herrscher des Orients auf seinem Throne unter einem gewölbten Prachthimmel oder Dom sitzend, der von vier Säulen getragen und von einer goldenen Victoria gekrönt wurde. In ihrer ersten Überraschung schlossen sie sich der servilen Anbetung des byzantinischen Hofes an, sobald sie sich aber von Boden erhoben hatten, gab der Chef der Gesandtschaft, Targetius, den stolzen Freiheitssinn eines Barbaren zu erkennen.

Er rühmte durch den Mund eines Dolmetschers die Größe des Chagans, dessen milder Sinn es den Königreichen des Südens gestatte zu sein, dessen siegreiche Untertanen die gefrorenen Flüsse Skythiens überquert hätten und nun in unermesslich vielen Zelten die Donauufer bedeckten. Der dahingegangene Herrscher habe durch reichliche jährliche Geschenke die Freundschaft zu einem nicht undankbaren Monarchen gepflegt, und die Feinde Roms hätten die Verbündeten der Awaren geachtet. Die gleiche Besonnenheit werde auch Justinians Neffen bestimmen, sich seines Onkels Freigebigkeit zum Beispiel zu nehmen und von einem unbesiegbaren Volke, das am Kriege seine Freude habe und sich in ihm auszeichne, die Segnungen des Friedens zu erkaufen.

Die kaiserliche Antwort wurde in dem gleichen Tone trotzigen Stolzes erteilt, denn die Quellen seines Vertrauens waren der Gott der Christenheit, Roms vergangene Größe und die jüngsten Triumphe Justinians. »Das Reich,« sprach er, »hat Männer und Pferde und Waffen genug, seine Grenzen zu verteidigen und die Barbaren zu züchtigen. Ihr bietet Hilfe und ihr droht mit Krieg: wir verachten beides, eure Hilfe, eure Feindschaft. Die Sieger über die Awaren flehen um unser Bündnis; sollen wir da ihre Flüchtlinge und Verbannten fürchten Corippus, 3,390. Diese Aussage zielt dem Sinne nach ohne Zweifel auf die Türkei, die Sieger über die Awaren; aber das Wort scultor hat keine erkennbare Bedeutung, und die einzige ms des Corippus, nach der die erste Ausgabe gedruckt wurde, (1581, bei Plantin) ist uns verloren. Foggini, der letzte Herausgeber aus Rom hat die denkbare Emendation soldan eingefügt: doch die Beweise von Ducange, (Joinville, Dissert. xvi. p. 238–240) für den frühen Gebrauch dieses Titels bei den Türken und Persern sind schwach und überzeugen nicht. Und so muss ich mich der Autorität des D'Herbelot, (Bibliotheque Orient. p. 825) beugen, der dieses Wort aus dem Arabischen und Chaldäischen herleitet und das Datum auf das beginnende XI Jh. verlegt, als der Kalif von Bagdad diesen Titel dem Mahmud gab, dem Fürsten von Gaza und Bezwinger Indiens.? Die Güte unseres Onkels galt eurem Elend und eurem demütigen Flehen. Von uns werdet ihr eine wichtigere Wohltat erhalten: die Kenntnis eurer eigenen Schwäche. Hebt euch hinfort von unserem Angesichte; das Leben von Gesandten ist unverletzlich, und wenn ihr zurückkehrt, unsere Verzeihung zu erflehen, werdet ihr möglicherweise von unserem Wohlwollen kosten Zu dieser aussagekräftigen Rede vergleiche man die Verse des Corippus (3,251-401) mit der Prosa Menanders (Excerpt. Legation. p 102, 103). Die Unterschiede zeigen, dass sie nicht voneinander abschrieben, die Ähnlichkeiten, dass sie eine identische Quelle benutzt haben.

Der Bericht der Gesandten versetzte den Chagan wegen der scheinbaren Standhaftigkeit des römischen Kaisers in einige Sorge, da er dessen Charakter und Hilfsquellen nicht kannte. Anstatt seine Drohungen gegen das Ostreich zu erfüllen, rückte er gegen die armen und wilden Länder Germaniens vor, die unter der Herrschaft der Franken standen. Nach zwei Schlachten mit ungewissem Ausgang willigte er in den Rückzug, und der austrasische König linderte durch eine sofortige Lieferung von Korn und Schlachtvieh die Not seines Lagers Hinsichtlich des austrasischen Krieges siehe Menander (Excerpt. Legat. p. 110), Gregor von Tours (Hist. Franc. 4,29) und Paul Diakonus (de Gest. Langobard. 2,10).. Diese Serie von Nackenschlägen kühlte die Hitze der Awaren, und ihre Größe hätte sich in der samartischen Wüste verloren, wenn nicht das Bündnis mit Alboin, dem König der Langobarden, ihren Waffen ein neues Ziel und ihrem erschöpften Kriegsglück eine neue Heimstatt gegeben hätte.

ALBOIN KÖNIG DER LANGOBARDEN – SEINE TAPFERKEIT, LIEBE UND RACHE

Während Alboin noch unter seines Vaters Banner diente, stieß er in einer Schlacht auf seinen Nebenbuhler, den Prinzen der Gepiden und durchbohrte ihn mit der Lanze. Die Langobarden, die an solchen frühen Kriegstaten ihre Lust hatten, baten seinen Vater mit einstimmiger Freudenbezeigung, der heldenhafte Jugendliche, der mit ihnen die Gefahren des Schlachtfeldes geteilt hatte, möge auch an dem Siegesmahl teilhaben. »Ihr seid der weisen Sitten unserer Altvordern nicht uneingedenk.« so der unerschütterte Audoin, »Wie groß auch immer sein Verdienst sein möge, ein Prinz kann nicht vorher mit seinem Vater an einer Tafel sitzen, als bis er seine Waffen aus einer fremden und königlichen Hand empfangen hat.« Alboin beugte sich ehrfürchtig den Einrichtungen seines Volke, wählte sich vierzig Gefährten und suchte kühngemut den Hof des Gepidenkönigs Turisund auf, der gemäß den Gesetzen der Gastfreundschaft den Mörder seines Sohnes begrüßte und bewirtete. Als Alboin während des Bankettes den Sitz des Jünglings einnahm, den er getötet hatte, erwachte in Turisunds Seele Wehmut. »Wie teuer ist mir dieser Platz! Und wie verhasst dieser Mensch!« Dies waren die Worte, die dem Vater mit einem schmerzlichen Seufzer entfuhren.

Sein Schmerz reizte die patriotischen Zorngefühle der Gepiden, und sein überlebender Sohn Kunimund wurde durch Wein oder Bruderliebe zur Rache gestachelt. »Die Langobarden,« sprach der grobe Barbar, »gleichen an Gestalt und Geruch den Stuten unserer sarmatischen Ebenen.« Diese Schmähworte waren eine grobgekörnte Anspielung auf die weißen Bänder, mit denen ihre Schenkel umwickelt waren. »Füge noch eine weitere Ähnlichkeit hinzu,« warf da ein kecker Langobarde ein, »ihr habt selbst gefühlt, wie stark sie auskeilen können. Besucht doch einmal die Ebene von Asfeld und suche dort nach den Gebeinen deines Bruders. Sie befinden sich unter denen der widerlichsten Tiere.« Die Gepiden, ein Volk von Kriegern, sprangen von ihren Sitzen auf, und der furchtlose Alboin sowie seine vierzig Gesellen griffen nach ihren Schwertern. Der Tumult legte sich aber bald, Turisund war dazwischen getreten. So rettete er sein Ehre und seinem Gast das Leben; und entließ gemäß den strengen Ritualen der Investitur den Fremden mit den blutigen Waffen seines Sohnes, dem Geschenk eines weinenden Vaters. Alboin kehrte zurück im Triumph; und die Langobarden, die seine unvergleichliche Furchtlosigkeit priesen, waren genötigt, die Großherzigkeit eines Feindes zu rühmen Paul Warnefrid, Diakon zu Friaul, de Ges. Langobard. 1, 23 und 24. Seine Schilderung nationaler Gebräuche sind zwar nur grobe Skizzen, aber doch lebendiger als die von Beda oder des Gregor von Tours..

Während dieses ungewöhnlichen Besuches hatte er wohl auch die Tochter Kunimunds gesehen, der kurz darauf den Thron der Gepiden besteigen sollte. Ihr Name war Rosamunde, welcher Name weibliche Schönheit ausdrückt und der auch in unserer Historie und in der Romantik für Liebeserzählungen hergehalten hat. Der König der Langobarden (Alboins Vater lebte inzwischen nicht mehr) war der Enkeltochter des Chlodwig anverlobt; aber das Treuegebot und politische Rücksichten wichen schon bald vor der Hoffnung zurück, die schöne Rosamunde zu besitzen und ihre Familie und ihr Volk zu kränken. Vergeblich versuchte er es mit Überredungskünsten, doch schon bald erreichte der ungeduldige Liebhaber das Ziel seiner Wünsche durch Gewalt und List. Die Folge war ein Krieg, den er vorhergesehen und sogar gewünscht hatte, doch konnten die Langobarden den wütenden Attacken der Gepiden nicht lange widerstehen, zumal diese von der römischen Armee unterstützt wurden. Und da der Heiratsantrag nach wie vor mit Verachtung zurückgewiesen wurde, sah sich Alboin genötigt, seine Beute dahinfahren zu lassen und einen Teil der Schande zu übernehmen, die er dem Hause Kunimunds zugedacht hatte Diese Geschichte wird von einem Betrüger erzählt (Theophylact. Simocat. 6,10); aber er besaß Kunstfertigkeit genug, seine Geschichte mit bekannten und öffentlichen Tatsachen zu fundieren..

LANGOBARDEN UND AWAREN VERNICHTEN DAS VOLK DER GEPIDEN – 566

Wenn eine öffentliche Auseinandersetzung durch eine private Fehde vergiftet wird, dann wird ein Schlag, der weder tödlich noch entscheidend ist, allenfalls eine kurze Waffenruhe bewirken, der dem unterlegenen Gegner ermöglicht, seine Waffen zu neuem Streite zu schärfen. Alboins Stärke hatte nicht hingereicht, seine Liebe, seinen Ehrgeiz und seine Rache zu befriedigen: er ließ sich herbei, die machtvolle Hilfe des Chagans anzuflehen, und die Gründe, die er vorbrachte, werfen ein bezeichnendes Licht auf die politischen Kunstgriffe der Barbaren. Zu seinem Angriff gegen die Gepiden hatte ihn der berechtigte Wunsch vermocht, ein Volk von der Erde zu tilgen, welches durch sein Bündnis mit den Römern zum gemeinsamen Feind der Nationen und zum persönlichen Feind des Chagans geworden war. Würden sich die Streitkräfte der Awaren und der Langobarden zu diesem glorreichen Streite vereinen, so wäre der Sieg gewiss und der Lohn unmessbar: Donau, Hebrus, Italien und Konstantinopel ständen ihren unbesiegten Waffen offen. Sollten sie aber zögern oder Anstand nehmen, römischer Tücke zuvorzukommen, so würde derselbe Hochmut, der die Awaren schon einmal gekränkt hatte, sie bis an das Ende der Welt verfolgen.

Der Chagan lauschte diesen einleuchtenden Gründen mit Herzenskälte und Verachtung: er hielt die Gesandten der Langobarden in seinem Lager zurück, zog die Verhandlungen in die Länge und schützte abwechselnd mangelnde Lust oder mangelnde Geschicklichkeit zu dieser hochwichtigen Unternehmung vor. Endlich aber nannte er ultimativ als Preis für sein Bündnis: dass die Langobarden ihm ein Zehntel ihres Viehbestandes sofort ausliefern sollten; dass Beute und Gefangene gleich geteilt werden sollten; dass aber das Land der Gepiden ausschließlich den Awaren zur neuen Heimstätte werden sollte. Alboin willigte in seinem Fanatismus sogar in diese harten Bedingungen ein; und da die Römer mit der Undankbarkeit und Treulosigkeit der Gepiden übel zufrieden waren, überließ Justinus dieses unbelehrbare Volk seinem Schicksal und begnügte sich mit der Rolle eines neutralen Zuschauers bei diesem ungleichen Kampf.

In seiner Not verfiel Kunimund auf gefährliche Gegenmaßnahmen. Er erfuhr, dass die Awaren seine Grenzen überschritten hätten: aber in der festen Überzeugung, dass er nach einer Niederlage der Langobarden auch diese Fremdlinge mit Leichtigkeit zurückwerfen könne, stürmte er voran, dem unversöhnlichen Feinde seines Volkes und seiner Familie zu begegnen. Doch die Tapferkeit der Gepiden konnte ihnen nichts als einen ehrenhaften Tod sichern. Die Kühnsten dieses Volkes fielen auf dem Schlachtfeld; der König der Langobarden betrachtete mit Genugtuung das Haupt Kunimunds und ließ aus seinem Schädel einen Becher formen, um den Hass des Siegers zu sättigen oder vielleicht auch nur, um der grässlichen Sitte seines Volkes zu entsprechen Bei Strabo, Plinius und Ammianus Marcellinus lesen wir, dass diese Praxis auch unter den Skythen verbreitet war (Muratori, Scriptores Rer. Italic. Bd. i. p. 424). Die Skalpe der Nordamerikaner sind ebenfalls Trophäen des Sieges. Kunimunds Schädel wurde über zweihundert Jahre von den Langobarden aufbewahrt, und Paulus selbst war einer von den Gästen, denen der Herzog Ratchis dieses Trinkgeschirr bei einem hohen Fest vorzeigte (2,28)..

Nach diesem Sieg konnte kein Hindernis mehr die Fortschritte der Verbündeten aufhalten, und getreulich erfüllten sie alle Punkte ihrer Abmachung Paulus Diaconus 1,27. Menander, in Excerpt Legat. p. 110, 111.. Die lieblichen Landschaften der Walachei, Moldawiens, Transsilvaniens und Ungarns jenseits der Donau wurden widerstandslos von einer neuen Kolonie der Skythen besetzt; und dieses dakische Reich der Chaganen bestand über zweihundertunddreißig Jahre mit Glanz. Das Volk der Gepiden ging in den siegreiche Stämmen auf, doch bei der Verteilung der Gefangenen waren die Sklaven der Awaren weniger glücklich als die Gefährten der Langobarden, die ihren tapferen Feind mit Edelmut aufnahmen, da deren Freiheitssinn sich mit kalter und berechneter Tyrannei entschieden nicht vertrug. Die eine Hälfte der Beute brachte mehr Reichtum in das Lager des Alboin, als ein Barbar aus dem Stand auch nur zählen konnte. Die holde Rosamunde wurde überredet oder auch genötigt, die Rechte ihres siegreichen Liebhabers anzuerkennen; und die Tochter Kunimunds schien denn auch jene Verbrechen zu verzeihen, zu denen ihre eigenen unwiderstehlichen Reize Anlass gegeben hatten.

ALBOIN BEGINNT MIT DER EROBERUNG ITALIENS

Mit der Zerstörung dieses mächtigen Königreiches war Alboins Ruhm begründet. Noch in den Zeiten von Karl dem Großen waren unter den Baiern, Sachsen und den übrigen Stämmen deutscher Zunge jene Lieder lebendig, welche die Tapferkeit, den Großmut und das Glück der Langobardenkönige rühmten Ut hactenus etiam tam apud Baioariorum gentem, quam et Saxonum, sed et alios eiusdem linguae homines... in eorum carminibus celebretur. (so dass er beim Volk der Baiern wie auch der Sachsen und auch bei anderen Menschen dieser Zunge...in ihren Liedern gefeiert wurde. Paulus 1,27. Er starb 799, (Muratori, in Praefat. Bd. i. p. 397). Diese germanischen Gesänge, von denen einige so alt sein mögen wie Tacitus (Germania 2), ließ Karl der Große sammeln und aufschreiben (und sein gottseliger Sohn Ludwig wieder vernichten, A.d.Ü.) Barbara et antiquissima carmina, quibus veterum regum actus et bella canebantur scripsit memoriaeque mandavit, (...die barbarischen und ältesten Lieder, in denen die Taten und Kriege der frühen Könige besungen wurden, ließ er aufzeichnen und bewahren. Eginard, in Vit. Carol. Magn. c. 29, p. 130, 131). Die Dichtungen, welche Goldast empfiehlt, scheinen neuere und erbärmliche Romanzen zu sein.. Doch war sein Ehrgeiz immer noch nicht zufrieden gestellt: der Besieger der Gepiden richtete seine Blicke von der Donau zu den reicheren Ufern des Po. Es waren noch keine fünfzehn Jahre vergangen, seit seine Untertanen, die Verbündeten des Narses, das liebliche Italien aufgesucht hatten. Die Berge, Flüsse und Heerstraßen waren ihnen noch in guter Erinnerung; die Nachrichten von ihren Siegen, vielleicht auch der Anblick ihrer Beute hatte in dem nachwachsenden Geschlecht die Flamme des Wetteifers und der Unternehmungslust entzündet. Ihre Hoffnungen wurden durch Alboins Mut und Beredsamkeit zusätzlich gespornt; und man berichtet, dass er ihre Sinne direkt ansprach, indem er bei einem königlichen Male die schönsten und erlesensten Früchte auftischte, die in diesem Garten der Welt aus freien Stücken wuchsen.

Kaum hatte er das Kriegsbanner emporgezogen, wurde die heimische Macht der Langobarden durch die abenteuerlustige Jugend Germaniens und Skythiens vervielfacht. Die starkwüchsige Bauernschaft von Noricum und Pannonien hatte sich neuerlich barbarische Gebräuche angeeignet, und die Namen der Gepiden, Bulgaren, Sarmaten und Baiern lassen sich in Italiens Provinzen zuverlässig nachweisen Die anderen Völker werden von Paulus aufgezählt (2,6,26). Muratori (Antichita Italiane, Bd. i. dissert. i. p. 4) hat drei Meilen von Modena entfernt das Dorf der Baiern entdeckt.. Zwanzigtausend Sachsen, die alten Verbündeten der Langobarden, nahmen mit Weib und Kind Alboins Einladung an. Ihre Tapferkeit trug bei zu seinem Sieg, aber bei der ungeheuren Masse seines Heeres wäre ihre An- oder Abwesenheit nicht ernstlich ins Gewicht gefallen.

Jeder Form der Religionsausübung durfte von ihren jeweiligen Bekennern frei aisgeübt werden. Der Langobardenkönig etwa war in der arianischen Ketzerei auferzogen worden; und doch durften die Katholiken bei ihren öffentlich abgehaltenen Gottesdiensten um seine Bekehrung beten, während die verstockteren Barbaren den Göttern ihrer Väter eine Ziege oder am Ende sogar einen Gefangenen opferten Gregor der Römer (Dialog. l. i. iii. c. 27, 28, apud Baron. Annal Eccles. A.D. 579, No. 10) mutmaßt, dass sie diese Ziege auch göttlich verehrten. Ich kenne allerdings nur eine einzige Religion, in welcher der Gott und das Opfer identisch sind.. Vereint waren die Langobarden und ihre Verbündeten durch gemeinsame Anhänglichkeit an einen Heerführer, der sich in allen Tugenden und Lastern eines wilden Helden hervortat; und Alboins vorausschauende Planung stellte ein ganzes Arsenal von Angriffs- und Verteidigungswaffen zum Gebrauch auf dem Feldzug bereit. Die bewegliche Habe der Langobarden folgte dem Marsch, und ihre Länder überließen sie getrost den Awaren auf das feierliche Versprechen hin, welches ohne ein Lächeln gegeben und angenommen wurde, dass diese freiwilligen Exilanten wieder in ihre früheren Besitztümer sollten eingesetzt werden, falls ihnen ihre italienischen Eroberungen fehlschlagen sollten.

TOD DES NARSES

Sie wären ihnen fehlgeschlagen, wenn Narses der Gegner der Langobarden gewesen wäre; jene bewährten Veteranen, die bei dem Sieg über die Goten seine Verbündeten waren, würden nur sehr ungern gegen eine Feind gekämpft haben, den sie fürchteten und zugleich achteten. Indessen: die Unfähigkeit des byzantinischen Hofes leistete der Sache der Barbaren gute Dienste, denn als der Kaiser ein einziges Mal auf die Klagen seiner Untertanen hörte, geschah dies zum Verderben Italiens. Narses Tugenden wurden durch seine Habsucht verdunkelt, und in seinen fünfzehn Jahren Provinzialregierung häuft er einen Gold- und Silberschatz an, der das bescheidene Maß eines Privatvermögens weit überstieg. Seine Regierung war unpopulär und lastend, und die Gesandten Roms äußerten sich in Hinsicht auf die allgemeine Unzufriedenheit in aller Freimut. Die Knechtschaft unter den Goten, so ließen sie sich vor Justinus' Thron ungescheut vernehmen, sei erträglicher gewesen als dieser Despotismus eines griechischen Eunuchen; und sollte dieser Tyrann nicht unverzüglich seines Amtes entsetzt werden, so würden sie in der Wahl ihres Herren ihr eigenes Wohlergehen in Anschlag bringen.

Diese Stimme der Missgunst und der Verleumdung – erst kürzlich hatte sie über Belisars Verdienste triumphiert – weckte die Sorge vor einem Umsturz. Ein neuer Exarch, Longinus, ward ernannt, den Eroberer Italiens zu ersetzen, und die niederen Motive seiner Abberufung verriet die Kaiserin Sophia durch die Hohnrede: »Narses soll den Männern das Kriegshandwerk überlassen, er selbst aber zu seinem angestammten Platz unter den Jungfrauen zurückkehren, allwo eine Spindel in seine Hände gegeben werden soll.« »Ich will ihr einen Faden spinnen, den sie nicht so bald entwirren wird!« soll die Antwort gewesen sein, welche Empörung und Selbstbewusstsein dem Helden abnötigten. Statt sich nun als Sklave und Schlachtopfer am Hof von Byzanz einzufinden, zog Narses sich nach Neapel zurück, von wo aus er (wenn man denn der Leichtgläubigkeit jener Zeiten überhaupt Gewicht beimessen darf) die Langobarden einlud, den Undank der Herrschers und seines Volkes zu züchtigen Die Anklage des Diakons gegen Narses (2,5) mag grundlos sein; aber die schwache Verteidigung des Kardinals (Baron. Annal. Eccles. A.D. 567, No. 8–12) wird von den besten Gelehrten zurückgewiesen–Pagi (Bd. ii. p. 639, 640), Muratori, (Annali d' Italia, Bd. v. p. 160–163) und die letzten Herausgeber, Horatius Blancus, (Script. Rerum Italic. Bd. i. p. 427, 428) und Philip Argelatus, (Sigon. Opera, Bd. ii. p. 11, 12). Der Narses, der bei Justinus' Krönung assistierte (Corippus 3,221) ist erkennbar eine andere Person..

Aber der Volkszorn ist ebenso leidenschaftlich wie unbeständig; und schon bald erinnerten sich die Römer an die Verdienste oder fürchteten die Rache ihres erfolgreichen Feldherren. Doch durch die Vermittlung des Papstes, der zu diesem Zweck eine Pilgerfahrt nach Rom unternahm, wurde ihre Reue gutgeheißen; Narses nahm ein sanfteres Aussehen und einen pflichtgemäßeren Sprachduktus an, und es gefiel ihm, seine Residenz im Capitol aufzuschlagen. Sein Tod Der Tod von Narses wird erwähnt von Paul (2,11), Anastas. in Vit. Johan. 3, p. 43. Agnellus, Liber Pontifical. Raven. in Script. Rer. Italicarum, Bd. 2, Teil i. p. 114, 124). Doch kann ich – anders als Agnellus – nicht glauben, dass Narses 95 Jahre alt war. Ist es denn undenkbar, dass er alle seine Großtaten schon im achtzigsten verrichtet hatte? kam zur Unzeit und zu früh, obwohl er bereit hoch an Jahren war, denn allein sein Genius hätte den letzten fatalen Irrtum seines Lebens wieder gutmachen können. Eine tatsächliche oder auch nur vermutete Verschwörung zerstritt die Italiener. Die Soldaten ärgerten sich an dem Schimpf, der ihrem Feldherren geschehen war und beweinten seinen Tod. Ihr neuer Exarch war ihnen unbekannt; und umgekehrt war Longinus der Zustand der Truppe und der Provinz unbekannt. Pestilenz und Hungersnot hatte im letzten Jahrzehnt in Italien gewütet, und diese Drangsale der Natur schrieb das zermürbte Volk der Schuld oder Unfähigkeit seiner Herrscher zu Die Pläne des Narses und der Lombarden für den Einfall in Italien befinden sich im letzten Kapitel des ersten und in den sieben ersten Kapiteln des zweiten Buches von Paulus Diakonus..

EIN GROSSTEIL ITALIENS WIRD VON DEN LANGOBARDEN EROBERT 5689-570

Welche Gründe Alboin auch gehabt haben mochte, sich so sicher zu fühlen, er erwartete weder eine römische Armee auf dem Schlachtfeld noch suchte er sie auf. Er überstieg die Julischen Alpen und blickte mit Verachtung und Sehnsucht zugleich auf die üppigen Ebenen nieder, denen sein späterer Sieg den immerwährenden Namen der Lombardei verleihen sollte. Ein getreuer Häuptling und ein auserlesenes Kontingent wurden im Forum Iulii (heute Friaul) zurückgelassen, die Gebirgspässe zu bewachen. Vor der Stärke der Festung Pavia hatten die Langobarden Respekt und erhörten auch die Bitten der Trevisaner: ihre langsamen und schwerfälligen Massen rückten vor, um den Palast und die Stadt Verona zu besetzen; und erst Mailand, das sich soeben aus der Asche erhob, wurde von Alboin eingeschlossen, fünf Monate nach seinem Abmarsch aus Pannonien. Entsetzen eilte seinem Zug voraus; überall fand er eine trübselige Einöde vor oder ließ eine solche hinter sich, kleinmütig nahmen die Italiener an, dass der Fremde unbesiegbar sei, ohne dass sie es je ernsthaft versucht hätten. In Scharen entflohen sie zu Gewässern, Felsen, Sümpfen, versteckten einige Überreste ihrer Habe und zögerten so den Augenblick hinaus, da ihre Knechtschaft beginnen würde. Paulinus, der Patriarch von Aquileia, rettete seine heiligen wie weltlichen Schätze auf die Insel Grado Welche aufgrund dieser Verlegung den Namen Neu-Aquileia erhielt (Chron. Ven. p.3). Der Patriarch von Grado wurde schon bald zum ersten Bürger der Republik (p.9ff.), aber der Sitz wurde erst 1450 nach Venedig verlegt. Er ist nun reich an Titeln und Ehren; aber der Genius der Kirche hat sich vor dem des Staates gebeugt, und die Regierung dieses katholischen Staates ist streng presbyterianisch. Thomassin, Discipline de l'Eglise, Bd. i. p. 156, 157, 161–165. Amelot de la Houssaye, Gouvernement de Venise, Bd. i. p. 256–261., und seine Nachfolger wurden aufgenommen von der noch jungen Republik Venedig, welche sich fortwährend an der öffentlichen Notlage bereicherte.

Honoratus, der den Stuhl des heiligen Ambrosius innehatte, hatte arglos genug das heimtückische Angebot einer Kapitulation angenommen; und dann nötigte Alboins Wortbruch den Erzbischof samt der Geistlichkeit und Mailands Edlen, sich jetzt hinter den weniger mächtigen Mauern Genuas eine Zuflucht zu suchen. Entlang der Seeküste wurde der Mut der Bewohner erhöht durch die Leichtigkeit der Zufuhr, die Hoffnung auf Errettung und die Möglichkeit zur Flucht; aber alles Binnenland Italiens, von den trentinischen Hügeln bis vor die Tore Ravennas und Roms, wurde ohne einzige Schlacht oder Belagerung zum bleibenden Eigentum der Langobarden. Die Unterwürfigkeit des Volkes lud den Barbaren geradezu ein, die Stellung eines rechtmäßigen Herrscher einzunehmen, und dem hilflosen Exarchen blieb es nur noch übrig, nämlich seinem Kaiser Justin den raschen und unwiderruflichen Verlust seiner Provinzen und Städte anzuzeigen Paulus hat eine Beschreibung des damaligen Italiens gemäß der damaligen Einteilung in 18 Provinzen gegeben (2,14-24). Die Dissertatio Chorographica de Italia Medii Aevi, von Pater Beretti, einem Benediktinermönch und Regius Professor zu Pavia wurde mit Nutzen zu Rate gezogen..

Eine einzige Stadt, welche die Goten vordem besonders sorgfältig befestigt hatten, widerstand den Angriffen der neuen Eindringlinge; und während Italien durch die fliegenden Detachements der Langobarden unterworfen wurde, saß das königliche Lager mehr als drei Jahre vor dem westlichen Tor von Ticinum oder Pavia fest. Der gleiche Mut, der einem zivilisierten Feind so etwas wie Anerkennung abnötigt, reizte die Wut eines Wilden auf; endlich hatte sich der ungeduldige Belagerer selbst durch einen grässlichen Eid gebunden, dass Jedermann ohne Unterschied des Alters, Geschlechtes oder der Würde in einem allumfassenden Gemetzel solle ausgetilgt werden. Nur die Hungersnot setzte ihn schließlich in den Stand, sein Blut-Gelübde zu erfüllen. Jedoch: als er durch das Tor in die Stadt einritt, strauchelte sein Pferd, stürzte und konnte nicht wieder auf die Beine gebracht werden. Mitleid oder Frömmigkeit vermochte einen seiner Gefährten, dieses Wunder für ein Zeichen himmlischen Zornes zu nehmen; der Sieger hielt inne und besann sich; er steckte sein Schwert in die Scheide, erholte sich friedlich in Theoderichs Palast und ließ die zitternde Menge durch einen Herold wissen, dass sie leben solle und gehorchen. In gehobener Stimmung wegen der Lage einer Stadt, die seinem Stolz infolge der schwierigen Belagerung noch lieber geworden war, verwarf Alboin die alte Glorie Mailands; und Pavia wiederum genoss für einige Jahrhunderte den Respekt als Hauptstadt des Königreichs Italien Zur Eroberung Italiens sehe man die Originaldokumente bei Paul, (2,7–10, 12, 14, 25, 26, 27), die bilderreiche Erzählung des Sigonius (Bd. 2, de Regno Italiae, l. i. p. 13–19) und die korrekte und kritische Übersicht Muratoris (Annali d' Italia, tom. v. p. 164–180)..

ROSAMUNDA TÖTET IHREN GATTEN ALBOIN 28. JULI 573

Die Regierung des Gründers war glanzvoll und von kurzer Dauer. Bevor Alboin seine Eroberungen ordnen konnte, kam er zu Fall, ein Opfer familiären Verrates und weiblicher Rache. In einem Palast zu Verona, der nicht für den Gebrauch durch Barbaren gebaut worden war, gab er seinen Waffengefährten ein Zechgelage; ein Rausch war die Belohnung für Tapferkeit, und der König selbst wurde durch Trinklust oder Eitelkeit dazu gebracht, sein übliches Maß der Völlerei zu übertreffen. Nachdem er manchen geräumigen Humpen mit Falerner oder rätischem Wein geleert hatte, rief er nach dem Schädel Kunimunds, dem edelsten und wertvollsten Schmuckstück auf seinem Schenktisch. Der Siegesbecher wurde vom Kreise der Langobardenhäuptlinge mit schaurigem Beifallsgeheule begrüßt. »Füllt ihn noch mal mit Wein,« rief der unmenschliche Eroberer, »füllt ihn bis zum Rande, dann bringt ihn der Königin und ermuntert sie in meinem Namen, sie möge sich an ihrem Vater freuen.« In einer Art Todeskampf von Schmerz und Wut hatte Rosamunda noch die Kraft zu sagen: »Der Wille meines Herren soll geschehen!« Und indem sie den Becher mit den Lippen berührte, sprach sie unhörbar eine Verwünschung aus, diese Schmach mit dem Blute Alboins abzuwaschen.

Man könnte für den Rachedurst der Tochter einiges Verständnis aufbringen, wenn sie nicht bereits ihre Pflichten als Gattin verletzt hätte. Unversöhnlich in ihrem Hass oder vielleicht auch nur schwankend in ihren Liebesgefühlen hatte sich die Königin von Italien von Throne herab in die Arme eines Untertanen geworfen, und Helmichis, des Königs Waffenträger, war der heimliche Diener ihrer Lust und nun auch ihrer Rache. Gegen den Mordvorschlag konnte er schwerlich noch Treuepflicht oder Dankbarkeit geltend machen; aber Helmichis bebte dennoch, wenn er die Gefahr und die Schuld bedachte, wenn er sich an die unvergleichliche Stärke und Kühnheit dieses Kriegers erinnerte, dem er sooft auf das Schlachtfeld begleitet hatte. Und so bestand er darauf und setzte endlich auch durch, dass einer von den tapfersten Kriegern der Langobarden zu dem Unternehmen hinzugezogen werden sollte; aber dem wackeren Peredeus konnte man nicht mehr abnötigen als das Versprechen, Stillschweigen zu bewahren.

Die Art der Verführung, deren Rosamunda sich nunmehr bediente, offenbart schamlose Gefühlsarmut gegenüber Ehre und Liebe. Eine ihrer Kammerfrauen wurde von Peredeus geliebt, und Rosamunda trat an ihre Stelle; sie erdachte einen Vorwand für Dunkelheit und Stillschweigen, bis sie endlich ihrem Gefährten sagen konnte, er habe der Königin der Langobarden beigewohnt, und jetzt könne nur sein oder Alboins Tod die Konsequenz aus diesem hochverräterischen Ehebruch sein. Vor diese Wahl gestellt, entschied er sich dafür, lieber Rosamundas Komplize als ihr Opfer zu werden Der In der klassischen Literatur bewanderte Leser wird sich an die Frau und die Ermordung des Kandaules erinnern, welche Herodot im ersten Buch so unterhaltend erzählt hat. Die Wahl des Gyges, »lieber selbst am Leben zu bleiben,« mag Peredeus zur Entschuldigung dienen; und diese milde Andeutung einer hässlichen Idee ist von den besten Autoren des Altertums nachgezeichnet worden (Graevius, ad Ciceron. Orat. pro Miloue c. 10)., deren unbeugsamer Sinn für Reue ebenso wenig zugänglich war wie für die Furcht. Sie wartete jetzt nur noch ab und fand schon bald den geeigneten Augenblick, da der König, vom Weine matt, sich nach reichlichem Mittagsmahl zum Schlummer niederlegte. Seine ungetreue Gemahlin war zärtlich um Ruhe und Gesundheit besorgt; die Palasttore wurden verschlossen, die Waffen fortgeschafft, die Dienerschaft entlassen, und nachdem Rosamunda ihn durch sanftes Kosen in den Schlaf gelullt hatte, entriegelte sie die Kammertür und drängte die widerstrebenden Verschwörer zur unverzüglichen Exekution. Beim ersten Geräusch sprang der Krieger vom Lager auf; das Schwert, das er ziehen wollte, hatte Rosamunda jedoch zuvor in der Scheide befestigt; und ein kleiner Schemel, seine einzige Waffe, konnte ihn nicht lange gegen die Speere der Mörder decken. Kunimunds Tochter aber lächelt zu seinem Fall. Sein Leichnam wurde unter der Palasttreppe begraben, und die dankbare Nachkommenschaft der Langobarden verehrte hier das Grab und das Andenken ihres siegreichen Anführers.

ROSAMUNDAS FLUCHT UND TOD

Rosamundas Ehrgeiz strebte danach, im Namen ihres Liebhabers die Herrschaft zu übernehmen; die Stadt von Verona und der Palast waren infolge ihrer Gewalttat eingeschüchtert; und eine treue Schar ihrer stammverwandten Gepiden zeigte sich bereit, die Rache ihrer Herrscherin gutzuheißen und ihren Wünschen nützlich zu sein. Aber auch die lombardischen Stammeshäuptlinge, die in den ersten Augenblicken des Schreckens und der Konfusion geflohen waren, fassten neuerlich Mut und sammelten ihre Streitkräfte; und anstatt sich ihrer Königin zu unterwerfen, schrie das Volk einmütig danach, dass Gerechtigkeit geschehe an der Gattin und Mörderin ihres Königs. Sie suchte indessen Zuflucht bei den Feinden ihres Landes; und so fand eine Verbrecherin, die den Abscheu der Menschheit verdient hatte, Aufnahme und Schutz infolge der selbstsüchtigen Politik des Exarchen. Zusammen mit ihrer Tochter, der Thronerbin der Lombardei, ihren beiden Liebhabern, einigen getreuen Gepiden und der Beute aus dem Palast von Verona fuhr sie die Etsch und den Po abwärts und gelangte auf einem griechischen Segler sicher in den Hafen von Ravenna.

Mit Lust betrachtete Longinus die Preziosen und die Reize der Witwe Alboins. Ihre jetzige Lage und ihre frühere Gebarung mochten die dreistesten Anträge rechtfertigen, und willig schenkte sie den Leidenschaften eines Ministers Gehör, der noch im Untergang des Reiches Königen gleichgestellt war. Der Tod eines eifersüchtigen Liebhabers war ein leichtes und gleichsam dankbares Opfer, das freudig dargebracht werden konnte: als Helmichis aus dem Bade stieg, empfing er aus der Hand der Herrin den tödlichen Trank. Der Geschmack der Flüssigkeit, seine rasche Wirkung und seine Vertrautheit mit Rosamundas Charakter gaben ihm die Überzeugung ein, dass er vergiftet sei; er setzte ihr den Dolch auf die Brust, zwang sie, den restlichen Becher zu leeren und verschied nach wenigen Minuten, getröstet immerhin durch das Bewusstsein, das sie ihn nicht überleben werde, um die Früchte ihrer Ruchlosigkeit zu genießen.

Alboins Tochter und Rosamunda sowie die wertvollsten Stücke aus der lombardischen Beute wurden nach Konstantinopel eingeschifft: die übermenschliche Kraft des Peredeus ergötze und entsetzte zugleich den kaiserlichen Hof: seine Blindheit und seine Rache gaben eine unvollständige Kopie von Simsons Abenteuern ab. – Die freien Stimmen des langobardischen Volkes bestimmten in einer Versammlung zu Pavia Clepho, einen ihrer vornehmsten Stammeshäuptlinge, zu Alboins Nachfolger. Nach Ablauf von nicht einmal achtzehn Monaten wurde der Thron durch eine neue Mordtat besudelt: Clepho wurde von der Hand eines Bediensteten erstochen; zehn Jahre lang, während der Minderjährigkeit seines Sohnes, blieb der Thron verwaist; und Italien selbst wurde durch eine herzogliche Aristokratie von dreißig Tyrannen geteilt und unterdrückt Siehe die Geschichte des Paulus, 2,28-30. Einige interessante Umstände habe ich dem Liber Pontificalis of Agnellus, in Script. Rer. Ital. Band. ii. p. 124 entlehnt. Von allen Chronologien ist die von Muratori am zuverlässigsten..

UNFÄHIGKEIT VON KAISER JUSTINUS

Da Justinians Neffe den Thron bestiegen hatte, verkündete er eine neue Ära des Glückes und Ruhmes. Indessen sind die Jahrbücher des zweiten Justinus Die Originalautoren zur Regierung Justinus' sind: Evagrius, Hist. Eccles. 5,1–12; Theophanes, in Chonograph. p. 204–210; Zonaras, Bd. ii. l. xiv. p. 70-72; Cedrenus, in Compend. p. 388–392. durch Schmach im Ausland und Elend im Inneren bezeichnet. Im Westen wurde das Reich heimgesucht durch den Verlust Italiens und die Verödung von Afrika, im Osten durch die Eroberungen der Perser. Rechtlosigkeit war vorherrschend, in der Hauptstadt wie in den Provinzen; die Reichen bebten um ihren Besitz, die Armen um ihre Sicherheit, die offizielle Obrigkeit wusste von nichts oder war korrupt; die gelegentlich eingesetzten Heilmittel waren, so scheint es, willkürlich oder gewalttätig, und die Klagen des Volkes ließen sich nicht länger durch die glanzvollen Namen eines Gesetzgebers oder Eroberers zum Schweigen gebracht werden.

Die Auffassung, welche den Kaiser für alle Drangsale der Zeit verantwortlicht macht, kann der Historiker als eine ernstzunehmende Wahrheit oder ein hilfreiches Vorurteil unterstützen. Und doch wird sich die nicht unbegründete Vermutung durchsetzen, dass Justinus' Gesinnung lauter und wohlwollend war und dass er sein Amt ohne Tadel ausgeübt hätte, wenn nicht eine Krankheit seine Seelenkräfte geschwächt und dem Kaiser den Gebrauch seiner Füße unmöglich gemacht hätte, sodass er im Palast eingekerkert war, unkundig der Klagen des Volkes und der Verfehlungen seiner Regierung. Die späte Einsicht in seine Ohnmacht bestimmte ihn, sich der Last der Krone zu begeben; und bei der Wahl eines geeigneten Nachfolgers ließ er Anzeichen von Einsicht und sogar von Hochherzigkeit erkennen. Der einzige Sohn von Sophia und Justinus starb im Kindesalter; ihre Tochter Arabia war die Frau von Baduarius Dispositorque novus sacrae Baduarius aulae, successor soceri mox factus Cura-palati.–Cerippus. (...und der neue Aufseher der heiligen Halle, Baduarius, wurde schon bald zum Nachfolger des Schwiegervaters als Oberaufseher des Palastes...). Baduarius wird zu den Abkömmlingen und Seitenverwandten des justinianischen Geschlechtes gerechnet. Eine Familie von edlen Venezianern (Casa Badoero) ließ Kirchen bauen und schenkte der Republik schon im IX Jh. Dogen. Lässt man diese Abstammung gelten, dann kann kein europäisches Königshaus einen so alten und edelachtbaren Stammbaum vorweisen. Ducange, Fam. Byzantin, p. 99 Amelot de la Houssaye, Gouvernement de Venise, Bd. ii. p. 555., des Oberaufsehers des Palastes und nachmaligen Oberkommandierenden der Streitkräfte Italiens, dessen vergebliches Bestreben darauf gerichtet war, die Rechte der Ehe durch die der Adoption zu verstärken.

Solange für Justinus die Herrschaft nur ein Objekt seiner Wünsche war, hatte er gewohnheitsmäßig seinen Brüdern und Vettern, den Nebenbuhlern seiner Hoffnungen, seine Scheelsucht und seine Hassgefühle gewidmet; auch konnte er nicht auf ihre Dankbarkeit rechnen, wenn sie den Purpur als eine Art Rückerstattung und nicht als ein Geschenk empfangen hätten. Von diesen Mitbewerbern war einer durch Verbannung und dann durch seinen Tod entfernt worden; den zweiten aber hatte der Kaiser mit derartig grausamer Schmach bedeckt, dass er von da an seine Rache fürchten oder seine Geduld verachten musste. Dieser häusliche Zwist veredelte sich daher zu dem generösen Entschluss, den Nachfolger nicht in der eigenen Familie zu suchen, sondern in der Republik; und die berechnende Sophia empfahl ihm den Tiberius Das Lob auf einen Herrscher vor seiner Inthronisation ist das reinste und gewichtigste; Corippus feierte Tiberius zu der Zeit von Justinus' Erhebung (1,212-222) Doch selbst ein Hauptmann der Leibwache kann die Schmeichelei eines afrikanischen Exilanten auf sich ziehen., den getreuen Kommandanten der Leibwache, dessen Tugenden und Glück dem Kaiser als die Frucht seiner klugen Wahl teuer sein mochten. Die Zeremonie seiner Erhebung in den Caesaren- oder Augustusrang wurde im Portico des Palastes in Anwesenheit des Patriarchen und des Senates vollzogen. Justinus sammelte die ihm noch verbliebenen Geistes- und Körperkräfte, aber der populäre Glauben, seine Rede sei ihm von der Gottheit eingegeben worden, verrät eine sehr niedrige Auffassung von den Menschen und von den Zeiten Euagrios (5,13) hat den Tadel gegen die Minister hinzugefügt. Er passte diese Rede der Feierlichkeit der Zeremonie an, als Tiberius zum Range eines Caesars erhoben wurde. Die lockere Ausdrucksweise des Theophanes u.a. und nicht der positive Irrtum hat sie bis zu seiner Investitur zum Augustus unmittelbar vor Justinus' Tod hinausgezögert..

»Du erblickst hier,« sprach der Kaiser, » die Insignien der höchsten Gewalt. Du stehst im Begriffe, sie nicht aus meiner, sondern aus der Hand Gottes zu empfangen. Halte sie in Ehren, und du selbst wirst Ehre davon haben. Achte die Kaiserin, deine Mutter: du bist nun ihr Sohn, zuvor warst du ihr Diener. Ergötze dich nicht am Blut, stehe ab von der Rache und vermeide solcherart Handlungen, durch die ich mir allgemeinen Hass zugezogen haben und halte dich mehr an die Erfahrungen als an das Beispiel deiner Vorgänger. Als Mensch habe ich gesündigt, und als ein Sünder bin ich bereits in diesem Leben streng gezüchtigt worden. Aber diese Diener (und hier wies er auf seine Minister) welche mein Zutrauen missbraucht und meine Leidenschaften angefacht haben, werden zusammen mit mir vor dem Richterstuhl Christi erscheinen. Ich habe mich durch den Glanz des Diadems blenden lassen; so sei du weise und maßvoll; gedenke, wer du warst, gedenke, wer du jetzt bist. Um dich herum siehst du deine Sklaven und deine Kinder; mit der Macht eines Vaters nimm auch seine Zärtlichkeit an. Liebe dein Volk wie dich selbst; pflege die Zuneigung und bewahre die Disziplin des Heeres; schütze das Vermögen der Reichen und hilf den Armen in ihrer Not Theophylactes Simocatta (3,11) erklärt, er wolle der Nachwelt die Rede des Justinus überliefern, so wie sie gehalten wurde, ohne den Versuch zu machen, die Mängel im sprachlichen Ausdruck und in der rhetorischen Anlage zu verbessern. Vermutlich wäre dieser selbstgefällige Sophist gar nicht imstande gewesen, solche Gedanken zu entwickeln.

Schweigend und in Tränen zollte die Versammlung dem Rat ihres Kaisers Beifall und fühlte mit seiner Reue; der Patriarch sprach die Gebete seiner Kirche; kniend empfing Tiberius das Diadem; und Justinus, der bei seiner Abdankung sich des Thrones am meisten würdig gezeigt hatte, begrüßte den neuen Monarchen mit folgenden Worten: »Wenn du es willst, so lebe ich; wenn du befiehlst, so sterbe ich; möge der Gott des Himmels und der Erde dir alles das eingeben, was ich unterlassen oder vergessen habe.« Die verbleibenden vier Lebensjahre verbrachte Justinus in stiller Zurückgezogenheit. Sein Gewissen wurde nicht mehr durch die Erinnerung an die Pflichten beunruhigt, die er niemals hatte erfüllen können, aber seine Wahl wurde durch die kindliche Ehrerbbietung und Dankbarkeit des Tiberius gerechtfertigt.

REGIERUNG DES TIBERIUS 28. SEPTEMBER 578 – 14. AUGUST 582

Von den Vorzügen des Tiberius Zum Charakter und zur Herrschaft des Tiberius siehe Evagrius, 5,13. Theophylactes 3,12ff. Theophanes, in Chron. p. 2 0–213. Zonaras, Bd. ii. l. xiv. p. 72. Cedrenus, p. 392. Paul Warnefrid, de Gestis Langob. 3,11f. Der Diaconus von Forum Iulii scheint einige interessante Tatsache gehabt zu haben. mochte wohl seine Schönheit (er war einer der hochragendsten und einnehmendsten aller Römer) ihn am ehesten der Gunst der Kaiserin empfehlen; und die Witwe des Justinus hielt sich ihrerseits überzeugt, sie werde ihre Stellung und ihren Einfluss unter der Herrschaft eines zweiten und jugendlicheren Gatten bewahren können. Wenn er indessen als ehrgeiziger Thronkandidat jemals in Versuchung gewesen sein mochte, Schmeichelrede und Verstellung zu üben, so stand es jetzt nicht länger in seiner Macht, ihre Erwartungen oder seine eigenen Versprechen zu erfüllen. Denn die Zirkusparteien verlangten -ein wenig zu stürmisch- nach dem Namen ihrer neuen Kaiserin: und so waren beide, Volk und Sophia, erstaunt über die Ernennung der Anastasia, der geheimnisvollen, aber rechtmäßigen Gattin des Tiberius. Alles, was die Enttäuschung der Sophia hätte abmildern können – kaiserliche Ehren, ein Pracht-Palast nebst zahlreicher Dienerschaft – gestand ihr der angenommene Sohn in kindlicher Pietät reichlich zu, wartete obendrein bei feierlichen Anlässen der Witwe seines Wohltäters auf und erholte sich sogar Rats bei ihr; doch ihr Ehrgeiz verachtete dieses leere Staatstheater mit der kaiserlichen Machtsymbolik, und wenn er sie gar ehrfurchtsvoll Mutter nannte, diente dies dazu, ihren Ingrimm noch mehr aufzustacheln anstatt ihn zu besänftigen. Während die Kaiserwitwe mit aufgesetztem Lächeln artige Hochachtungs- und Vertrauensbezeigungen entgegennahm und erwiderte, schloss sie ein geheimes Bündnis mit ihren vormaligen Gegnern; und Justinian, der Sohn des Germanicus, wurde das Werkzeug ihrer Rache.

Ungern nur ertrug das regierende Haus die Herrschaft eines Fremden; der Jüngling stand zu recht in der Gunst des Volkes; sein Name wurde nach dem Tode des Justinus von einer oppositionellen Partei ins Spiel gebracht; und die Unterwürfigkeit, mit der er sich selbst nebst einer Summe von sechzigtausend Pfund zur Verfügung stellte, konnte man als einen Beweis der Schuld oder doch wenigstens der Furcht ansehen. Justinian erhielt freien Pardon und das Kommando über die östliche Armee. Der Perserkönig floh vor seinen Waffen, und der Freudenjubel bei seinem Triumph machte ihn würdig, den Purpur zu tragen. Seine listenreiche Beschützerin hatte den Monat der Weinlese ausgesucht, während der der Monarch in ländlicher Einsamkeit sich die Freuden eines Untertanen gönnen durfte. Auf die erste Nachricht von ihren Plänen kehrte er zurück nach Konstantinopel, und durch seine Gegenwart und sein entschiedenes Auftreten wurde die Verschwörung unterdrückt.

Sophia wurden von dem Pomp und den Ehren, die sie missbräuchlich eingesetzt hatte, auf eine bescheidenere Daseinform herabgestuft: ihr Gefolge ward entlassen, ihre Briefe wurden abfangen und die Überwachung ihrer Person wurde einem zuverlässigen Offizier seiner Leibwache anvertraut. Justinians Verdienste indessen wurden von diesem vortrefflichen Herrscher nicht als zusätzliche Schuld ausgelegt: ein milder Verweis, und Verrat und Undank waren vergessen; allgemein wurde sogar geglaubt, der Kaiser plane eine doppelte Allianz mit seinem Thronrivalen. Die Stimme eines Engels (diese Fabel war in Umlauf) mochte dem Kaiser enthüllen, dass er stets über seine Feinde im Inneren obsiegen werde, doch Tiberius fand größeren Rückhalt in der Unschuld und Großmut seiner Seele.

DIE TUGENDEN DES TIBERIUS

Neben dem ominösen Namen Tiberius nahm er noch die populäre Bezeichnung Konstantin an und eiferte außerdem den reineren Tugenden der Antonine nach. Nachdem wir von den Verbrechen oder Torheiten so mancher römischer Herrscher berichten mussten, ist es nunmehr wohltuend, für einen Augenblick bei einem Charakter zu verweilen, bei dem Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Nüchternheit und Standhaftigkeit hervortreten; und einen Regenten zu betrachten, der sich umgänglich im Palast, fromm in der Kirche und siegreich – zumindest durch seine Feldherren – im Perserkrieg erzeigte. Die schönste Siegestrophäe war jedoch eine Unzahl von Kriegsgefangenen, die Tiberius versorgte, freikaufte und im menschenfreundlichen, christlichen Heldengeist in ihre Heimatländer entließ. Die Verdienste oder Notlagen seiner eigenen Untertanen hatten einen ernsteren Anspruch auf sein Wohlwollen, und da bemaß er seine Güte nicht nach ihren Erwartungen, sondern nach seiner eigenen Würde. Dieser Leitgedanke, der für den Verwalter des öffentlichen Reichtums allerdings sehr heikel ist, wurde durch ein Prinzip der Menschlichkeit und Gerechtigkeit im Gleichgewicht gehalten, das ihn lehrte, das den Tränen seiner Untertanen abgepresste Gold als die unreinste Legierung anzusehen.

Sooft sie durch die Drangsale des Krieges oder der Natur in Not geraten waren, eilte er, die Rückstände früherer Steuern zu entlassen oder die für die Zukunft ausgeschriebenen zurückzunehmen: mit Ernst verwarf er die knechtsinnigen Vorschläge seiner Minister, durch zehnfache Mehrbelastung Deckung herbeizuführen, und so erweckten die weisen und gerechten Steuergesetze des Tiberius in der Gegenwart Lob und Dankbarkeit und bei nachfolgenden Generationen Sehnsüchte. Konstantinopel war des Glaubens, der Kaiser habe einen Schatz gefunden: aber sein eigentlicher Schatz bestand in der Ausübung einer klugdosierten Sparsamkeit und in der Verachtung von überflüssigem Aufwand.

Die Römer des Ostens wären es zufrieden gewesen, wenn man ihnen das schönste Geschenk des Himmels, einen patriotischen Herrscher, als eine angemessene und dauerhafte Segnung hätte zusichern können. Aber schon vier Jahre nach dem Tode des Justinus erkrankte sein vortrefflicher Nachfolger auf den Tod, weshalb ihm nur eben so viel Zeit blieb, das Diadem gemäß dem Rechte, nach dem er es selbst besaß, dem würdigsten seiner Mitbürger zu übergeben. Er wählte Mauritius aus der Menge, eine Wahl, die wertvoller war als der Purpur selbst: der Patriarch und der Senat waren um das Bett des sterbenden Herrschers versammelt; er verschenkte die Hand seiner Tochter und das Reich, die Stimme des Quaestors verkündete feierlich seinen letzten Ratschlag. Tiberius sprach noch die Hoffnung aus, sein schönstes Mausoleum würden ihm die Tugenden seines Sohnes errichten. Die Trauer des Volkes balsamierte für alle Zeiten sein Andenken; doch selbst der aufrichtigste Kummer verflüchtigt sich schon bald in der Wirrnis einer neuen Regierung, und alle Blicke und alles Freudenjauchzen galten schon bald nur noch der neuen Sonne.

REGIERUNG DES MAURITIUS 13. AUGUST 582 – 27. NOVEMBER 602

Kaiser Mauritius stammte aus dem alten Rom her Deshalb ist es auch ziemlich merkwürdig, das Paulus ihn zum »ersten griechischen Kaiser« macht –primus ex Graecorum genere in Imperio constitutus (3,15). Seine direkten Vorgänger waren in der Tat in den lateinischen Provinzen Europas geboren, und die Lesart »in Graecorum imperio« würde den Ausdruck eher auf das Reich beziehen als auf den Herrscher.; seine Eltern aber lebten zu Arabissus in Kappadokien, und ein sehr seltenes Glück hatte beide am Leben erhalten, das Glück ihres kaiserlichen Sohnes zu sehen und zu teilen. Seine Jugend hatte er im Waffenhandwerk zugebracht: Tiberius beförderte ihn zum Oberbefehlshaber einer neuen Legion von zwölftausend Verbündeten, die ihm besonders wert war; im Perserkrieg zeichnete er sich durch besondere Tapferkeit und Umsicht aus; und er kehrte nach Konstantinopel zurück, um als gerechten Lohn die Erbschaft des Reiches anzutreten. Im reifen Alter von dreiundvierzig Jahren bestieg Mauritius den Thron, und mehr als zwanzig Jahre herrschte er über den Orient und – über sich selbst Zu Charakter und Regierung des Mauritius konsultiere man das 5. und 6. Buch des Evagrius, insonders 6,1; das 8. Buch der weitschweifigen und blumenreichen Geschichte des Theophylactes Simocatta; Theophanes, p. 213ff; Zonaras, Bd. ii. l. xiv. p. 73; Cedrenus, p. 394., indem er nach dem feinen Ausdruck des Evagrios aus seiner Seele die wilde Ochlokratie der Leidenschaften bannte und dafür die Aristokratie der Vernunft und Tugend etablierte.

Einiger Argwohn wird das Zeugnis dieses Untertanen verdunkeln, obgleich er beteuert, dass sein geheimes Lob niemals das Ohr seines Herrschers erreichen werde Evagrius schrieb seine Geschichte im 12. Regierungsjahr des Mauritius. Und er war mit soviel schlauer Berechnung vorlaut, dass der Kaiser von seiner günstigen Meinung erfuhr und sie belohnte.; auch scheinen einige Fehler den Charakter des Mauritius hinter die reineren Verdienste seines Vorgängers zu stellen. Sein kaltes und geschäftsmäßiges Auftreten konnte man seinem Stolz zuschreiben; seine Gerechtigkeit war nicht immer frei von Grausamkeit, seine Milde nicht immer frei von Willensschwäche; und seine strenge Sparsamkeit setzte ihn oft dem Vorwurf des Geizes aus. Aber die vernunftgemäßen Wünsche eines Alleinherrschers müssen immer auf das Wohl seiner Untertanen abzielen; Mauritius besaß genug Einsicht und Mut, um dieses Wohl zu befördern, und seine Verwaltung wurde durch diese Grundsätze und das Vorbild des Tiberius angeleitet. Griechische Ängstlichkeit hatte zwischen die Ämter eines Herrschers und eines Generals eine so dichte Trennwand gezogen, dass ein gewöhnlicher Krieger, der den Purpur verdient und dann erhalten hatte, selten oder nie an der Spitze seiner Truppen gesichtet wurde. Doch der Kaiser Mauritius erfreute sich sogar des Ruhmes, den persischen Herrscher wieder inthronisiert zu haben; seine Unterbefehlshaber führten einen unentschiedenen Krieg gegen die Donau-Awaren, und endlich warf er noch ein Auge des Mitleids, des wirkungslosen Mitleids allerdings, auf den erbärmlichen und glücklosen Zustand seiner italienischen Provinzen.

ITALIENISCHES ELEND

Aus Italien erreichten die Kaiser ununterbrochene Hilferufe und Nachrichten des Elends, die ihnen am Ende nur das demütigende Eingeständnis ihrer eigenen Ohnmacht abzwangen. Die dahinsiechende Würde Roms äußerte sich vor allem in der Rückhaltlosigkeit und dem Nachdruck der Klagen: » Wenn du außerstande bist,« so hieß es, »uns vom Schwert der Langobarden zu erlösen, so rette uns wenigstens vor der Hungersnot.« Tiberius verzieh diesen Vorwurf und half der Not ab: eine Zufuhr von Korn wurde aus Ägypten an den Tiber geschafft; und das Volk Roms schlug unter Anrufung nicht von Camillus, sondern von St. Peter die Barbaren von ihren Mauern zurück. Aber es war nur eine zufällige, keine regelmäßige Hilfe, die Gefahr blieb dauerhaft und drängend: Geistlichkeit und Senat sammelten die letzten Reste ihrer alten Reichtümer zusammen, die Summe von dreitausend Pfund Gold und sandten den Patrizier Pamphronius ab, ihre Klagen und ihre Geschenke am Fuß des Thrones zu Byzanz niederzulegen.

Die Aufmerksamkeit des Hofes indessen und die Kräfte des Orients waren durch den Persischen Krieg vollkommen in Anspruch genommen; doch Tiberius verwandte in seiner Korrektheit die übergebenen Hilfsgelder für die Verteidigung der Hauptstadt; und dann entließ er den Patrizier mit dem besten Rat, der ihm zu Gebote stand: entweder die Langobardenhäuptlinge zu bestechen oder die Hilfe des Frankenkönigs zu kaufen. Dieser dürftigen Hilfestellung ungeachtet wurde Italien weiterhin verheert, Rom erneut belagert und Classis, eine nur drei Meilen von Ravenna entfernte Hafen-Vorstadt, von den Truppen eines simplen Herzogs erobert und geplündert. Mauritius lieh dann einer zweiten Deputation von Priestern und Senatoren Gehör: der römische Pontifex machte in seinen Briefen die Pflichten und Drohmittel der Religion mit Nachdruck geltend; und sein Nuntius, der Diakon Gregorius, war gleichermaßen qualifiziert, die Mächte des Himmels und der Erde zu beschwören.

Der Kaiser seinerseits griff auf die bewährteren Mittel seiner Vorfahren zurück; einige Furcht einflößende Stammeshäuptlinge wurden beredet, mit den Römern die Bande der Freundschaft zu knüpfen, und einer von ihnen, ein getreuer Barbar, lebte und starb im Dienste des Exarchen: die Alpenpässe wurden den Franken überlassen; und der Papst ermutigte sie, ihre Eide und Bündnisverpflichtungen gegen die Ketzer bedenkenlos zu verletzen. Childebert, der Urenkel Chlodwigs, fand sich gegen eine Zahlung von 500.000 Goldstücken geneigt, in Italien einzufallen; da nun aber der König von Austrasien mit Behagen einige byzantinische Münzen von einem Pfund Gewicht betrachtet hatte, bedang er sich aus, es möge die Schenkung durch eine gehörige Beimengung dieser unverächtlichen Stücke seiner Annahme würdiger gemacht werden. Die Herzöge der Langobarden hatten durch häufige Überfälle ihre mächtigen gallischen Nachbarn gegen sich aufgebracht. Sobald sie eine berechtigte Wiedervergeltung zu befürchten hatten, erklärten sie ihren Verzicht auf ihre instabile und ungeordnete Selbständigkeit: die Vorteile einer königlichen Regierung, die Einigkeit, Stärke und Geheimhaltung wurden einhellig anerkannt, und Autharis, der Sohn von Klepho, hatte mittlerweile die Stärke und den Ruf eines Kriegers aufgebaut.

Unter dem Banner dieses neuen Königs konnten die Eroberer Italiens drei aufeinander folgende Einfälle abwehren, von denen einer von Childebert angeführt wurde, dem letzten aus dem Hause der Merowinger, der jemals die Alpen herabstieg. Der erste Feldzug scheiterte an der feindseligen Missgunst zwischen Franken und Alamannen. Beim zweiten wurden sie in einer blutigen Schlacht besiegt, mit mehr Schmach und mehr Verlusten, als sie sie jemals seit Gründung ihrer Monarchie erlitten hatten. Rachedurstig fielen sie mit vermehrter Stärke ein drittes Mal ein, und Autharis musste der Wut dieses reißenden Stromes weichen. So wurden die Truppen der Langobarden sowie ihre Schätze auf die befestigten Städte zwischen Alpen und Apennin verteilt. Ein Volk, gegen Gefahr weniger empfindsam als gegen Strapazen und Untätigkeit, murrte schon bald gegen die Dummheit ihrer zwanzig Heerführer; und die von Italiens Sonne hervorgerufenen heißen Dünste infizierten schon bald diese Körper, die, jenseits des Gebirges herangewachsen, bereits durch den Wechsel von Hunger und Überfluss mitgenommen waren.

Die Heeresmacht, die zur Eroberung des Landes nicht hinreichte, war zu seiner Verwüstung allemal stark genug, sodass die bebenden Einwohner mittlerweile keinen Unterschied zwischen ihren Feinden und ihren Befreiern feststellen konnten. Wäre in der Nähe von Mailand die Vereinigung der merowingischen und kaiserlichen Armee bewerkstelligt worden, hätten sie möglicherweise den Thron der Langobarden gekippt; aber die Franken warteten sechs Tage lang auf das Signal, ein in Flammen stehendes Dorf, während sich die Griechen sinnloserweise mit der Eroberung von Modena und Parma abarbeiteten, die ihnen nach dem Rückzug ihrer transalpinischen Verbündeten wieder entrissen worden waren. Der siegreiche Autharis beanspruchte nun die Herrschaft über ganz Italien. Am Fuße der rätischen Alpen überwand er den Widerstand und plünderte die Schätze einer einsamen Insel im Comer See. An der äußersten Spitze Kalabriens berührte er mit seinem Speer eine Säule am Gestade von Rhegium Die Columna Rhegina auf der schmalsten Stelle des Faro von Messina, hundert Stadien vom eigentlichen Rhegium, wird bei den antiken Geographen oftmals erwähnt. Cluver. Ital. Antiq. Bd. ii. p. 1295. Lucas Holsten. Annotat. ad Cluver. p. 301. Wesseling, Itinerar. p. 106 und ernannte diese alte Landmarke zur unverrückbaren Grenze seines Königreichs Die griechischen Autoren machen nur ein paar dürftige Andeutungen zu den italienischen Kriegen; (Menander in Excerpt. Legat. p. 124, 126. Theophylact, 3,4). Die Lateiner sind da zufrieden stellender, insbesondere Paul Warnefrid, (l iii. c. 13–34), der die älteren Darstellungen des Secundus und des Gregor von Tours gelesen hatte. Baronius bietet einige Briefe der Päpste an, und die Zeitangaben richten sich nach den genauen Maßstäben des Pagi und Muratori..

DAS EXARCHAT VON RAVENNA

Zweihundert Jahre lang war Italien zwischen dem Langobardenreich und dem Exarchat von Ravenna zu ungleichen Teilen zerspalten. Die Ämter und Geschäftsbereiche, die Konstantins Eifersucht getrennt hatte, wurden durch Justinians Indulgenz wieder vereinigt; und achtzehn aufeinander folgende Exarchen waren während des Niederganges des Reiches mit allen Überresten der bürgerlichen, militärischen und sogar kirchlichen Macht belehnt. Ihr unmittelbarer Gerichtsbezirk, hernach zum Patrimonium Petri umgewidmet, erstreckte sich über das heutige Ravenna, die Marschen von Ferrara und Commanchio Die päpstlichen Anwälte, Zacagni und Fontanini, durften zu Recht das Tal – oder den Sumpf – von Commachio als einen Teil des Exarchats beanspruchen. Aber ihr Ehrgeiz, auch noch Modena, Reggio, Parma und Placentia einzubeziehen, wurde durch eine geographisches Frage in Finsternis gehüllt. Selbst Muratori als der Diener des Hauses Este ist nicht frei von Parteilichkeit und Vorurteil., fünf Seestädte von Rimini bis Ancona und eine zweite inländischen Pentapolis zwischen Adriaküste und dem Apennin. Drei nachgeordnete Provinzen, Rom, Venedig und Neapel erkannten, obgleich von Ravenna durch feindliches Land getrennt, in Kriegs- und Friedenszeiten die Suprematie des Exarchen an.

Das Herzogtum Rom begriff anscheinend die toskanischen, sabinischen und latinischen Eroberungen aus den ersten vier Jahrhunderten der Stadt in sich, und die Grenzlinie kann eindeutig entlang der Küste gezogen werden und von Civita Vecchia nach Terracina und entlang des Tibers von Ameria und Rarni bis zum Hafen von Ostia. Die zahlreichen kleinen Inseln von Grado bis Chiozza bildeten die junge Republik Venedig; aber die leichter zugänglichen Städte des Festlands wurden von den Langobarden überwältigt, welche nun in ohnmächtiger Wut sahen, wie sich eine neue Hauptstadt sich aus den Wellen erhob. Der Machtbereich der Herzöge von Neapel waren umschrieben durch die Bucht und die benachbarten Inseln, durch das feindliche Gebiet von Capua und die römische Stadt Amalphi Siehe Brenckman, Dissert. Ima de Republica Amalphitana, p. 1–42, ad calcem Hist. Pandect. Florent., deren gewerbefleißige Bürger durch die Erfindung des Schiffskompasses das Antlitz der Erde enthüllt haben. Die drei Inseln Sardinien, Corsica und Sizilien hingen immer noch am Reich, und der Erwerb des jenseitigen Kalabrien verschob die Landgrenze des Autharis von der Küste bei Rhegium bis hinaus zur Landenge von Cosentia.

Auf Sardinien hatten die wilden Bergbewohner die Freiheit und die Religion ihrer Vorfahren beibehalten: aber die Siziliens Landwirte blieben an ihren reichen und wohlbestellten Boden gefesselt. Rom wurde von dem eisernen Szepter des Exarchen bedrückt, und ein Grieche, vielleicht sogar ein Eunuch, kränkte ungestraft die Ruinen des Kapitols. Aber schon bald erlangte Neapel das Vorrecht, sich seinen eigenen Herzog zu wählen Gregor. Magn. l. iii. epist. 23, 25.: Amalphis Unabhängigkeit war eine Frucht des Handels; und Venedigs freiwillige Anhänglichkeit wurde schließlich durch ein Bündnis unter Gleichen mit dem Ostreich veredelt. Auf einer Landkarte von Italien nimmt das Exarchat eine recht unbedeutende Fläche ein, aber es schloss einen hohen Anteil an Bevölkerung, Reichtum und Gewerbe ein. Die treuesten und tüchtigsten Untertanen waren dem Joch der Barbaren entkommen, und die Fahnen von Pavia und Verona, von Mailand und Padua wurden von Ravennas neuen Bewohnern in ihren jeweiligen Stadtquartieren aufgezogen.

Was von Italien übrig war, gehörte den Langobarden; und von Pavia, ihrem Königssitz, dehnte sich ihr Königreich nach Osten, Norden und Westen bis an die Grenzen zu den Avaren, der Baiern und der austrasischen und burgundischen Franken. In der Sprache der Geographie unserer Zeit wird es nunmehr bezeichnet durch die Terra Firma der Republik Venedig, Tirol, das Mailändische, Piemont, die Küste von Genua, Mantua, Parma und Modena, das Großherzogtum Toskana und einen beachtlichen Teil des Kirchenstaates von Perugia bis zur Adria. Die Herzöge und zuletzt die Fürsten von Benevent überlebten diese Monarchie und gaben den Namen der Langobarden weiter. Von Capua bis Tarent herrschten sie fast fünfhundert Jahre über den größten Teil des jetzigen Königreiches Italien Ich habe die Verhältnisse Italiens nach der vortrefflichen Abhandlung von Beretti dargestellt. Giannone (Istoria Civile, Bd. i. p. 374–387) hat sich bei der Geographie des Königreichs Neapel an Camillo Pellegrini orientiert. Nach dem Verlust des wahren Calabrien setzte griechische Eitelkeit an die Stelle der unedleren Benennung Bruttium, und diese Veränderung scheint bereits vor Karls des Großen Zeit (Eginhard p. 75) stattgefunden zu haben..

DIE LANGOBARDEN – SPRACHE UND GEBRÄUCHE

Beim Vergleich der Verhältnisse eines siegreichen mit dem des besiegten Volkes wird die Veränderung der Sprache die meisten Rückschlüsse zulassen. Nach diesem Maßstab würde sich zeigen, dass die Langobarden in Italien und die Westgoten in Spanien nicht so zahlreich waren wie die Franken oder Burgunder; und die Eroberer Galliens ihrerseits müssen den Angeln und Sachsen an Zahl nachstehen, welche die Idiome Britanniens beinahe mit der Wurzel ausgerottet haben. Das Italienisch der Gegenwart ist unmerklich durch die Mischung der verschiedenen Völker geformt worden; die Ungeschicklichkeit der Barbaren in der feinen Behandlung von Deklination und Konjugation nötigten sie zum Gebrauch von Artikeln und Hilfsverben; und viele neuartige Begriffe sind durch teutonische Benennungen ausgedrückt worden. Doch man wird finden, dass der Hauptvorrat an technischen und umgangssprachlichen Worten lateinischer Herkunft ist; Maffei (Verona Illustrata, part i. p. 310–321) und Muratori (Antichita Italiane, Bd. ii. Dissertazione xxxii. xxxiii. p. 71–365) haben das Heimatrecht des Italienischen geltend gemacht; Ersterer mit Enthusiasmus, der Zweite mit Gelassenheit, beide aber mit Gelehrsamkeit, Scharfsinn und Wahrheitsliebe. und wenn wir mit den veralteten, bäurischen und städtischen Dialekten besser vertraut wären, dann würden wir wohl auch die Herkunft von mancherlei Ausdrücken nachweisen können, welche der klassische römische Purismus verworfen hätte.

Ein starkes Kriegsheer bildet nur einen kleinen Teil des Volkes, und diese Macht der Langobarden wurde schon bald durch den Abzug von zwanzigtausend Sachsen geschwächt, welche ihre abhängige Stellung für Nichts achteten und nach vielen gefährlichen und wacker bestandenen Abenteuern in ihre Heimat zurückkehrten Paul, de Gest. Langob. 3,5 – 7.. Alboins Heerlager war beeindruckend groß, aber ein großes Lager kann bequem durch das Areal einer Stadt eingezirkt werden; und seine kriegerischen Einwohner können darüber hinaus auf die Oberfläche eines großen Landes nur dünn verteilt werden. Als Alboin von den Alpen niederstieg, belehnte er seinen Neffen, den ersten Herzog von Friaul, mit der Herrschaft über die Provinz und das Volk: aber der verständige Gigulf schlug dieses heikle Amt solange aus, bis ihm erlaubte wurde, aus den vornehmsten Familien Paul 2,9. Er nennt diese Familien oder Generationen mit dem teutonischen Namen Faras, wie er auch in den Gesetzen der Langobarden gebräuchlich ist. Der demütige Diakon war für den Adel seines eigenen Geschlechtes nicht unempfänglich; s. 4,39. der Langobarden eine immerwährende Kolonie von Kriegern und Untertanen zu rekrutieren. Beim Fortschreiten der Eroberung konnte man den Herzogen von Brescia oder Bergamo, von Pavia oder Turin, von Spoleto oder Benevento ein solches Zugeständnis nicht mehr machen; aber jeder von diesen und jeder ihrer Amtsbrüder ließen sich in den zugewiesenen Bezirken nieder, zusammen mit einer Anhängerschar, die sich im Krieg unter seine Standarte und im Frieden unter seine Gerichtsbarkeit begaben. Ihre Anhänglichkeit geschah aus freien Stücken und war ihnen eine Ehre; gaben sie die ihnen zugeteilten Geschenke und Lehen zurück, so durften sie mit ihren Familien in den Bereich eines anderen Herzogs auswandern; aber ihre Entfernung aus dem Königreich war mit der Todesstrafe bedroht, wie sonst nur die militärische Desertion Vgl. Nr. 3 und Nr. 177 von Rotharis Gesetzen..

Die Nachkommen der Eroberer schlugen bereits tiefere Wurzeln in den Boden, welchen zu verteidigen sie aus allen nur denkbaren Ehren- und Interessensgründen genötigt waren. Ein Langobarde war der geborene Krieger seines Königs und Herzogs; und die Volksversammlungen im Frieden entrollten die Paniere und führten die Namen von regelrechten Heeren. Sold und Belohnungen für diese Heere wurden aus den eroberten Provinzen abgezogen, und die Verteilung, die erst nach Alboins Tod geregelt wurde, trägt alle Spuren von Raub und Betrug an sich. Viele der reichsten Italiener wurden erschlagen oder verbannt, oder es wurde ihnen (unter dem Namen der Gastfreundschaft) als Tributzahlung auferlegt, den Langobarden ein Drittel der gesamten Ernte abzuliefern. In weniger als siebzig Jahren wurde jedoch dieses kunstreiche System durch ein einfacheres und stabileres Besitzrecht abgelöst Paul, 2,31f und 3,16. Rotharichs Gesetz, erlassen 643, enthält nicht den kleinsten Hinweis auf diese Zahlung eins Drittteils; aber sie haben einige bemerkenswerte Umstände über den Zustand Italiens und die Sitten der Langobarden überliefert.. Entweder wurde der römische Landbesitzer von seinem übermächtigen und rücksichtslosen Gast vertrieben, oder die jährliche Entrichtung des Drittteils wurde gegen einen angemessenen Anteil am Landeigentum eingetauscht.

Unter diesen fremden Herren wurde die Landwirtschaft, der Getreide-, Wein- und Ölbau mit abnehmender Geschicklichkeit und Emsigkeit von Sklaven und Einheimischen ausgeübt. Der Faulheit der Barbaren kamen da die Beschäftigungen des Hirtenlebens besser entgegen. Auf den fetten Wiesen Venetiens erweckten sie die Pferdezucht, für die diese Provinz vormals berühmt gewesen war Die Deckhengste des Dionysius von Syrakus und seine häufigen Olympiasiege hatten unter den Griechen den Ruf der der venezianischen Pferde verbreitet. Aber in der Zeit von Strabo (5, p. 325) kam die Pferdezucht zum Erliegen. Gisulf erhielt von seinem Onkel generosarum equarum greges (Herden edler Stuten, Paul. 2,9). Die Lombarden führten später caballi silvatici – Wildpferde ein. (Paul. 4,11)., zu neuem Leben, verbesserten sie gar; und mit Staunen sahen die Italiener ausländische Ochsen und Rinderrassen Tunc (A.D. 596) primum, bubali in Italiam delati Italiae populis miracula fuere, (Damals erregten zum ersten Male die nach Italien eingeführten Büffel unter Italiens Völkern großes Staunen, Paul Warnefrid, 4,11). Diese Büffel, die ursprünglich wohl in Afrika oder Indien beheimatet waren, sind in Europa mit Ausnahme Italiens unbekannt, wo sie zahlreich und nutzbringend sind. Die Alten kannten diese Tiere nicht, es sei denn, Aristoteles hätte sie als die wilden Ochsen von Arachosia beschrieben (Hist. Animal. 2,1, p. 58). Siehe Buffon Hist. Nat., Bd. 11 und Suppl., Bd. 6. Hist. Generale des Voyages, Bd. i. p. 7, 481, ii. 105, iii. 291, iv. 234, 461, v. 193, vi. 491, viii. 400, x. 666. Pennant, Quadrupedes, p. 24. Dictionnaire d'Hist. Naturelle, von Valmont de Bomare, Bd. ii. p. 74. Doch darf ich den Verdacht nicht verhehlen, dass Paulus einem populären Irrtum zufolge die Bezeichnung bubalus dem Auerochsen oder Wildrind der alten Germanen beigelegt haben mag.. Die Entvölkerung der Lombardei und die Ausbreitung der Wälder bot den Freuden der Jagd einen weiteren Spielraum Man konsultiere die 21. Abhandlung des Muratori.. Jene wunderbare Kunst, die Vögel des Himmels zu lehren, die Stimme ihres Herren zu erkennen und ihren Befehlen zu folgen, war der griechischen und römischen Erfindungsgabe unbekannt geblieben Ihre Unkenntnis verrät sich auch durch das Schweigen derjenigen, die von Berufs wegen mit der Jagd und der Naturgeschichte der Tiere befasst sind. Aristoteles, Hist. Animal. 9,36; Plinius Hist. Nat. 10,10, Aelian (de Natur. Animal. l. ii. c. 42,) und wohl auch Homer, (Odyss. 22,302-306) beschreiben mit Staunen ein stillschweigendes Übereinkommen und eine gemeinschaftliche Jagd von Habichten mit thrakischen Vogelfängern.. Skandinavien und Skythien bringen die gelehrigsten und kühnsten Falken hervor Insbesondere der Gerfalke oder gerfaut von der Größe eines kleinen Adlers. Dazu die lebensnahe Beschreibung von Buffon, Hist. Nat. Bd. 16, p. 239ff.: sie wurden von den immer zu Pferde und auf freiem Felde herumstreifenden Einwohnern gezähmt und abgerichtet. Dieser Lieblingszeitvertreib unserer Vorfahren wurde von den Barbaren in die römische Provinz eingeführt; und die Gesetze Italiens messen dem Schwert und dem Falken in den Händen eines edlen Langobarden durchaus die gleiche Würde und den gleichen Wert zu Script. Rerum Italicarum, Bd.1 pars ii. p. 129. Dies ist das 16. Gesetz von Ludwig dem Frommen. Sein Vater Karl der Großen hatte an seinem Hofe Falkner ebenso gut wie Jäger (Memoires sur l'ancienne Chevalerie, von M. de St. Palaye, Bd. iii. p. 175). Noch früher wurde, wie ich bemerken möchte, die Falknerei in den Gesetzen Rotharis erwähnt (Nr. 322), und in Gallien des 5. Jh. wird es zu den Talenten des Avitus gezählt..

IHRE TRACHT – AUTHARIS UND THEUDELINDA

So schnell wirkten Klima und Vorbild, dass bereits die Langobarden der vierten Generation die Bildnisse ihre Vorfahren nur noch mit Staunen und Schaudern betrachten konnten Die Grabinschrift des Droctulf (Paul 3,19) passt wohl auf viele seiner Landleute: Terribilis visu facies, sed corda benignus/Longaque robusto pectore barba fuit. (Das Gesicht schrecklich zu schauen, aber im Herzen gütig/ein langer Bart über der mächtigen Brust). Die Portraits der alten Langobarden kann man noch heute, zwölf Meilen von Mailand entfernt, im Palast von Monza betrachten, den die Königin Theudelinda (4,22f) erbauen oder restaaurieren ließ. S. Muratori, Bd. 1, Diss. 23, p.300. Ihre Köpfe waren nach hinten geschoren, aber zottige Locken hingen ihnen über Augen und Mund herab, und ein langer Bart stellte den Namen und die Besonderheit dieses Volkes dar. Ihre Kleidung bestand aus lockeren, weiten Gewändern aus Linnen nach der Weise der Angelsachsen und waren – zumindest nach ihrer eigenen Auffassung – durch eingeflochtene buntfarbige und breite Bänder schön ausgeschmückt. Beine und Füße waren mit langen Hosen und offenen Sandalen bekleidet, und selbst im tiefsten Frieden hatten sie immer ihr treues Schwert an die Seite gegürtet. Aber dieser eigenartige Aufzug und das wilde Aussehen verbargen oft eine sanfte und großherzige Anlage, und sobald die Wut der Schlacht verraucht war, wurden die Gefangenen und Untertanen nicht selten durch die Menschlichkeit des Siegers überrascht. Die Untugenden der Langobarden waren die Folge von Leidenschaft, der Unwissenheit und der Trunksucht; ihre Tugenden sind umso lobenswerter, als sie weder durch das Vorspielen gesellschaftlicher Anstandsnormen nur erkünstelt noch durch Gesetzeszwang oder Erziehung erzwungen wurden.

Wenn ich in der Lage wäre, das Privatleben der Eroberer Italiens angemessen zu schildern, dann müsste ich jetzt nicht besorgen, meinen Gegenstand aus dem Auge zu verlieren: ich werde nunmehr mit Vergnügen das Liebesabenteuer des Autharis erzählen, das den echten Geist des Rittertums und der Romantik atmet Die Geschichte von Autharis und Theudelinda wird erzählt von Paul (3,29f.), und einige Fragmente des bairischen Altertums spornten den unermüdlichen Eifer des Grafen de Buat auf (Hist. des Peuples de l'Europe, Bd. 11 p. 595–635, Bd. 12. p. 1-53).. Nach dem Verlust seiner Verlobten, einer Prinzessin aus dem Hause der Merowinger verlangte Autharis die Tochter des bairischen Königs zur Ehe, und Garribald nahm das Bündnis mit dem italienischen Monarchen an. Ungeduldig über den schleppenden Verlauf der Unterhandlungen, entschlüpfte der feurige Liebhaber seinem Palast und besuchte den Hof von Baiern im Gefolge seiner eigenen Gesandtschaft. Während der öffentlichen Audienz trat der unbekannte Fremdling an den Thron heran und tat Garribald kund zu wissen, dass der Gesandt allerdings im Auftrage des Staats handle, dass aber er der Freund des Auharis sei und dieser ihn den zarten Auftrag gegeben habe, einen getreuen Bericht von den Vorzügen seiner Braut zu liefern. Theudelinda ward herzu gerufen, sich dieser wichtigen Prüfung zu unterziehen: nach einer Pause schweigenden Entzückens begrüßte er sie als die Königin Italiens und bat sie demütig, dem Brauche seines Volkes gemäß dem ersten ihrer Untertanen einen Becher Weins kredenzen. Sie gehorchte der Weisung ihres Vaters: Autharich empfing den Becher, und da er ihn zurückgab, berührte er heimlich ihre Hand und fuhr sich mit seinem Finger über Gesicht und Lippen. Am Abend berichtete Theudelinda ihrer Amme von der dreisten Vertraulichkeit des Fremden und wurde erst durch die Versicherung beruhigt, dass sich eine derartige Keckheit nur zwischen König und Gemahlin ereignen könne, und dieser habe sich durch Schönheit und Mut ihrer Liebe würdig erwiesen.

Die Abgesandten wurden entlassen; kaum aber hatten sie die Grenze zu Italien erreicht, da reckte Autharis sich auf seinem Pferde empor und schleuderte mit unvergleichlicher Kraft und Geschicklichkeit seine Streitaxt gegen einen Baum. »Dies,« so sagte er zu den erstaunten Baiern, »sind die Hiebe der Langobardenkönige.« Beim Herannahen eines fränkischen Heeres flohen Garribald und seine Tochter zu den Besitzungen ihres Bundesgenossen, und im Palast von Verona ward die Ehe geschlossen. Nach einem Jahr löste der Tod des Autharis sie wieder auf. Doch Theudelindas Giannone (Istoria Civile de Napoli, Bd. i. p. 263) hat zu Recht die Ungehörigkeit des Boccaccio (Gio. 3, Nov.2) getadelt, der ohne Grund und Wahrheit und Scheingrund Theudelinde in die Arme eines Eseltreibers geworfen hat. Tugenden hatten sie dem Volk lieb gemacht, und so wurde ihr erlaubt, mit ihrer Hand auch das Szepter Italiens zu vergeben.

REGIERUNG UND GESETZGEBUNG

Aus dieser Tatsache wie auch aus anderen Ereignissen folgt zuverlässig Paul. 3,16. Zum Zustand des Königreiches Italien kann man Muratori und den ersten Band von Giannones Geschichtswerk zu Rate ziehen., dass die Langobarden die Freiheit besaßen, ihren Herrscher selbst zu wählen und zugleich genügend Klugheit, von dem häufigen Gebrauch dieses heiklen Vorrechtes Abstand zu nehmen. Die Staatseinkünfte waren die Erträge aus der Landwirtschaft und der Rechtspflege. Als die freien Herzöge übereinkamen, dass Autharis seines Vaters Thron besteigen solle, statteten sie ihn mit der Hälfte ihrer jeweiligen Domäne aus. Die stolzesten Edelleute strebten nach der Ehre, in der Nähe ihres Herrschers dienen zu dürfen: er seinerseits belohnte die Vasallentreue durch die widerrufliche Zahlung von Jahresgeldern und Benfizien; und die Unbilden des Krieges büßte er ab durch die Stiftung reicher Kirchen und Klöster. In Friedenszeiten oberster Richter, in Kriegszeiten oberster Heerführer, maßte er sich dennoch nie die Machtbefugnisse eines unumschränkten Gesetzgebers an. Italiens König berief die Volksversammlungen in den Palast oder wohl eher in das Feld von Pavia; die Mitglieder seines Kronrats waren Männer, durch hohe Geburt und Würde ausgezeichnet vor den Anderen; die Gültigkeit wie auch der Vollzug ihrer Beschlüsse indessen hing von der Zustimmung des getreuen Volkes, des glücklichen Heeres der Langobarden ab.

Achtzig Jahre nach der Eroberung Italiens wurden ihre überlieferten Rechtsbräuche in teutonischem Latein Die zuverlässigste Ausgabe der langobardischen Gesetze findet man bei den Scriptores Rerum Italicarum, Bd. i. Teil ii. p. 1–181, nach den ältesten Handschriften von Muratori zusammengestellt und erläutert. niedergeschrieben und durch Volk und Fürsten bestätigt; einige neue Regularien wurden aufgenommen, welche besser zu ihrer gegenwärtigen Lage passten; auch dem Beispiel des Rotharis eiferten die weisesten seiner Erbfolger nach, und so rühmte man denn die Gesetze der Langobarden als die, welche von allen Gesetzbüchern der Barbaren am wenigsten fehlerhaft seien Montesquieu, Esprit des Loix, l. xxviii. c. 1. Les loix des Bourguignons sont assez judicieuses; celles de Rotharis et des autres princes Lombards le sont encore plus (Die Gesetze der Burgunder sind schon hinreichend vernünftig, noch mehr aber die des Rotharis und der anderen Langobardenkönige.. Da sie sich infolge ihrer Tapferkeit im sicheren Besitz der Freiheit wähnten, waren diese grobschlächtigen und überhasteten Gesetzgeber außerstande, die Machtverteilung in einer Verfassung auszutarieren oder feinsinnige Debatten über die Staatsverwaltung zu führen. Verbrechen, die das Leben des Herrschers oder die Staatssicherheit bedrohten, galten für todeswürdig; aber ihr Hauptaufmerk widmeten sie dem Schutz der Person und seines Eigentums. Gemäß der befremdlichen Rechtslehre jener Zeit konnte eine Blutschuld durch eine Geldzahlung gesühnt werden; der hohe Preis von neunhundert Goldstücken lässt aber wenigstens eine angemessene Einschätzung des Wertes eines schlichten Bürgerlebens erkennen. Weniger grässliche Taten wie etwa eine Verletzung, ein Knochenbruch, ein Hieb, ein Schmähwort wurden mit trennscharfer, fast schon lächerlicher Pedanterie gewogen, und der kluge Gesetzgeber ermunterte noch zu dieser niederen Gewohnheit, mit Geld um Ehre und Rache zu markten.

Die Unwissenheit der Langobarden, sei es nun im Zustand des Heiden- oder Christentums, glaubte ganz fest an die Bosheit und das Unwesen der Zauberei: aber wenigstens die Richter des siebzehnten Jahrhunderts hätten sich von der Weisheit des Rhotaris belehren und beschämen lassen können, welcher diesen absurden Aberglauben verhöhnte und die unglückseligen Opfer vor der Grausamkeit des Volkes oder der Richter in Schutz nahm Siehe Leges Rotharis, No. 379, p. 47. Striga ist der übliche Name für ›Hexe‹, das Wort ist klassischen Ursprungs (Hor. epod. v. 20. Petron. c. 134); und nach den Worten des Petronius (quae striges comederunt nervos tuos? – Welche Hexen setzen gerade deinen Nerven zu?) könnte man meinen, dass dieser Aberglaube eher italienischer als barbarischer Herkunft ist.. Den gleichen Geist eines seiner Zeit und seinem Lande überlegenen Gesetzgebers kann man auch Luitprand nachrühmen, welcher den gottlosen und fest verwurzelten Unfug des Duells zwar noch duldet, aber doch verdammt Quia incerti sumus de iudicio Dei, et multos audivimus per pugnam sine justa causa suam causam perdere. Sed propter consuetudinem gentem nostram Langobardorum legem impiam vetare non possumus. (...da wir das Urteil Gottes nicht kennen, und da wir gehört haben, dass viele durch einen Zweikampf zu Unrecht ihre gerechte Sache verloren haben. Da es aber ein Herkommen ist, können wir unserem Volk dieses gottlose Gesetz nicht verbieten.) Siehe p. 74, No. 65, der Gesetze Luitprands, erlassen A.D. 724., wobei er anmerkt, dass nach seiner eigenen Erfahrung sehr oft die gerechte Sache der nackten Gewalt unterlegen war. Welches Verdienst man auch immer in den Gesetzen der Langobarden entdecken mag, sie sind das echte Produkt der Vernunft von Barbaren, da sie den italienischen Bischöfen niemals einen Sitz in ihren gesetzgebenden Versammlungen einräumten. Aber die Reihe ihrer Könige ist ausgezeichnet durch Tugenden und Begabung; in ihren ungeordneten Annalen finden sich auch schöne Perioden des Friedens, der Ordnung und des häuslichen Glückes; und Italien erfreute sich einer milderen und gerechteren Regierung als unter irgendeinem anderen Königreich, das auf den Ruinen des Weströmischen Reiches begründet worden war Man lese die Geschichte von Paul Warnfried, besonders 3,16. Baronius hält sein Lob zurück, weil es sonst den Schmähungen Gregors des Großen widersprochen hätte. Doch Muratori (Annali d' Italia, Bd. v. p. 217) deutet an, dass der Heilige die Fehler der Arianer und anderer Feinde könnte vergrößert haben..

NOTLAGE ROMS

Inmitten des langobardischen Waffengetümmels und dem griechischen Despotismus erkundigen wir uns neuerlich nach dem Schicksal Roms Die Abschnitte in den Homilien Gregors, in denen die elende Lage von Stadt und Land dargelegt wird, sind auch in die Annalen des Baronius übernommen worden (A.D. 590, No. 16, A.D. 595, No. 2, &c, &c)., das gegen Ende des VI Jhs die Stufe seiner tiefsten Erniedrigung erreicht hatte. Infolge der Verlegung des Kaisersitzes und des unaufhaltsamen Verlustes der Provinzen hatten sich die Quellen des privaten und staatlichen Wohlstands allmählich erschöpft; der hochragende Baum, in dessen Schatten die Völker der Erde einst geruht hatten, war nun entlaubt und ohne Zweige, und nur der tote Stamm war geblieben, um auf dem Boden zu verdorren. Vollzieher von Befehlen und Boten des Sieges trafen sich nicht mehr auf der Via Flaminia oder Via Appia; und die feindliche Annäherung der Langobarden durchlebte man oft und fürchtete sie fortwährend. Die Einwohner einer mächtigen und friedlichen Kapitale, welche unbesorgt in den Gartenlandschaften der Umgebung lustwandeln, können sich in ihrer Phantasie unmöglich die Not der Römer ausmalen. Sie öffnen oder schließen mit bebender Hand die Tore, erblicken von den Mauern ihr brennendes Haus und hören das Jammern ihrer Brüder, welche wie Hunde zusammengekoppelt sind und über Meer und Gebirge in eine ferne Sklaverei verschleppt werden.

Dieser ununterbrochene Alarmzustand musste die Vergnügungen auf dem Lande unmöglich machen und die Arbeiten zum Erliegen bringen, und also ward die Umgebung Roms zu einer schauerlichen Wildnis, in welcher das Land unfruchtbar, das Wasser verdorben und die Luft verpestet arenw. Neugier oder Ehrgeiz lockten niemanden mehr in diese Hauptstadt der Welt; wenn aber ein Fremder auf seiner Wanderung eher zufällig oder genötigt seine Schritte dorthin lenkte, so sah er mit Entsetzen eine leere, verödete Stadt und war wohl versucht zu fragen, wo der Senat sei und wo das Volk? In Zeiten kräftigen Dauerregens schwoll der Tiber und trat über die Ufer und rauschte mit unaufhaltsamer Wut in die Täler zwischen den sieben Hügeln. Stagnierte das Wasser, so entstand eine pestartige Seuche, so dass einst auf einer feierlichen Prozession, mit der die Gnade des Himmels erfleht werden sollte, innerhalb einer Stunde achtzig Menschen dahinstarben Von Überschwemmung und Seuche berichtet ein Diakon, den sein Bischof Gregor von Tours wegen einiger Reliquien nach Rom geschickt hatte. Der erfindungsreiche Bote würzt seine Erzählung durch einen Drachen und ein Gefolge von zahlreichen kleineren Schlangen (Greg. Turon. 10,1)..

Eine Gesellschaft, die zur Ehe ermuntert und in welcher Gewerbefleiß vorherrscht, sind die zufälligen Verluste von Epidemien oder Krieg schon bald ausgeglichen. Da aber der weitaus größere Teil der Römer zu Ehelosigkeit und hoffnungsloser Armut verurteilt war, nahm die Bevölkerung beständig und für jedermann erkennbar ab, und sinistre Schwärmer erwarteten denn auch das nahe Erlöschen der Menschheit Gregor von Rom (Dialog 2,15) erzählt von einer bemerkenswerten Prophezeiung des heiligen Benedikt: Roma a Gentilibus non exterminabitur sed tempestatibus, coruscis turbinibus ac terrae motu in semetipsa marcescet (Rom geht nicht an den Heiden zugrunde, sondern infolge von Unwetter, Blitzen, Wirbelstürmen und Erdbeben wird es vergehen). Solch eine Wahrsagung geht dann in die tatsächliche Geschichte ein und wird zum Beweis für die Tatsache, nach der sie ausgedacht wurde.. Die Zahl der Städter war gleichwohl immer noch zu groß, gemessen an den verfügbaren Lebensmitteln: die unzuverlässigen Nahrungslieferungen kamen aus Sizilien und Ägypten, und die häufige Wiederkehr von Hungersnöten verrät uns die Gleichgültigkeit des Kaisers gegenüber einer fernen Provinz.

In gleicher Weise waren Roms Gebäude dem Verfall und Verderben preisgegeben; die morsche Bausubstanz wurde durch Überschwemmungen, Stürme und Erdbeben leichthin niedergeworfen; und die Mönche, die noch die günstigsten Stellen bezogen hatten, freuten sich ihres billigen Triumphes über die Ruinen des Altertums Quia in uno se ore cum Jovis laudibus, Christi laudes non capiunt, et quam grave nefandumque sit episcopis canere quod nec laico religioso conveniat, ipse considera, (Ep. 9,4. Weil sie das Lob Christi zusammen in einem Munde mit dem Lob Jupiters nicht führen können, siehe selbst, wie gottlos es für Bischöfe ist, zu singen, was sich selbst für einem religiösen Laien nicht schickt). Die Schriften Gregors selbst beweisen seine Unschuld in jedweder Art von klassischem Geschmack und Literatur.. Allgemein wird geglaubt, Papst Gregor I habe sich an den Tempeln der Stadt vergriffen und die Statuen verstümmelt; dass die Palatinische Bibliothek auf Befehl der Barbaren zu Asche wurde; und dass die Geschichte des Livius das bevorzugte Ziel seines absurden und unheilvollen Fanatismus' gewesen sei. Die Schriften Gregors selbst enthüllen einen unversöhnlichen Hass gegen die Denkmäler des klassischen Genies, und strengstens tadelt er die irdische Gelehrsamkeit eines Bischofs, der Grammatik lehrte, lateinische Dichter studierte und mit derselben Stimme Jupiter und Christus pries. Aber die Beweise für seine Zerstörungswut sind zweifelhaft und stammen aus jüngerer Zeit: der Friedenstempel oder das Marcellustheater sind dem langsamen Wirken der Jahrhunderte erlegen; und eine offizielle Ächtung von Livius' oder Vergils Schriften hätten die Zahl der Abschriften in jenen Ländern vervielfacht, in denen sie keiner geistlichen Diktatur ausgesetzt waren »Pervenit ad nos quod sine verecundia memorare non possumus, fraternitatem tuam grammaticam quibusdam exponere. Quam rem ita moleste suscepimus, ac sumus vehementius aspernati, ut ea quae prius dicta fuerunt, in gemitum et tristitiam verteremus, quia in uno se ore cum Jovis laudibus Christi laudes non capiunt. Et quam grave nefandumque sit episcopis canere quod nec laico religioso conveniat, ipse considera.« (Ep. 9,4. Es ist etwas zu uns durchgedrungen, was wir nur mit Scham erwähnen können, nämlich dass du, lieber Bruder, mit einigen Leuten grammatische Texte bearbeitest. Darüber haben wir uns so geärgert und wir lehnen dies dermaßen heftig ab, dass wir alles, was zuvor gesagt wurde, in Seufzen und Wehklagen verwandelt haben, weil man eben nicht aus einem Mund zusammen mit dem Lob Jupiters auch das Lob Christi verkünden kann. Bedenke selbst, wie schwerwiegend und frevelhaft es für Bischöfe ist, etwas zu verkünden, was sogar ein religiöser Laie nicht darf.) Die Schriften Gregors selbst beweisen seine Unbedarftheit in jedweder Art von klassischem Geschmack und in der Literatur..

APOSTELGRÄBER UND RELIQUIEN

Ähnlich wie Theben, Babylon oder Karthago wäre auch Roms Name von der Erde getilgt, wenn die Stadt nicht von einem Lebensprinzip beseelt gewesen wäre, durch das sie wieder zu neuer Ehre und Herrschaft heranwuchs. Man hielt fest an einer schemenhaften Erzählung, dass nämlich zwei jüdische Lehrer, ein Zeltmacher und ein Fischer vordem im Zirkus von Nero seien hingerichtet worden; nach fünf Jahrhunderten wurden ihre echten oder auch nur angeblichen Reliquien als das Palladium des christlichen Roms angebetet. Aus Orient und Okzident strömten Pilger der heiligen Schwelle zu; jedoch, Wunder und unsichtbare Schrecknisse schirmten die Schreine der Apostel, und es geschah nicht ohne Furcht, dass der fromme Katholik sich dem Objekt seiner Verehrung nahte. Tödlich war's, die Körper der Heiligen zu berühren, gefährlich, sie auch nur zu betrachten; wer es wagte, und sei es aus den reinsten Beweggründen, die Ruhe des Heiligtums zu stören, wurden durch Gesichte heimgesucht oder mit jähem Tode bestraft. Das aberwitzige Verlangen einer Kaiserin, die Römer des heiligsten ihrer Schätze, des Hauptes des Apostels Paulus, zu berauben, ward mit dem tiefsten Abscheu zurückgewiesen; und der Papst versicherte, höchstwahrscheinlich sogar zu Recht, dass ein Stückchen Leinwand, das durch die Nachbarschaft zu seinem, des Apostels, Leichnam geheiligt worden sei, oder etwas Eisenfeilicht von seiner Kette, das zuweilen ohne Schwierigkeiten und bisweilen durchaus nicht zu bekommen war, eine gleichgroße Menge an Wunderkraft in sich berge regor, 3, Epist. 24. Aus den Briefen Gregors und dem 8. Band der Annalen des Baronius möge der fromme Leser die Partikel des heiligen Eisens zusammenlesen, welche in goldenen Schlüsseln oder Kreuzen eingefasst und in Britannien, Gallien, Spanien, Afrika, Konstantinopel und Ägypten verteilt wurden. Der päpstliche Schmied, der die Feile führte, muss sich auf die Wunder verstanden haben, welche zu bewirken oder zu verhindern in seiner Macht stand: ein Umstand, welcher Gregors Aberglauben mindert, wenn auch auf Kosten seiner Wahrheitsliebe.. Doch Einfluss und Tugend der ersten Apostel wohnten mit lebender Wirkmacht im Busen ihrer Nachfolger. Auf dem Stuhle Petri aber saß während der Regierungszeit des Mauritius der erste und zugleich bedeutendste Träger des Namens Gregor Neben den Briefen Gregors, die Dupin systematisch geordnet hat (Bibliotheque Eccles. Bd. 5, p. 103–126), besitzen wir drei Lebensbeschreibungen des Papstes: die ersten beiden stammen aus dem VIII und IX Jh., (de Triplici Vita St. Greg., Vorrede zum 4. Band der benediktinischen Ausgabe), von den Diakonen Paul (p. 1-19) und Johannes (p.19-188) und bieten zahlreiche, wenngleich unsichere Originalbelege; die dritte Biographie ist eine ausführliche und mühselig zusammengetragene Kompilation benediktinischer Herausgeber (p.199-305). Die Annalen des Baronius sind weitläufig, aber parteiisch. Seine papistischen Vorurteile werden durch Fleurys gesunden Menschenverstand abgemildert (Hist. Eccles. Bd. 8) und seine Chronologie durch Pagi und Muratori richtig gestellt..

GREGOR VON ROM: HERKUNFT UND FRÜHE LAUFBAHN

Sein Großvater Felix war selbst Papst gewesen, und da die Bischöfe damals bereits zum Zölibat verpflichtet waren, muss seine Frau noch vor seiner Weihe gestorben sein. Die Eltern Gregors, Sylvia und Gordian, gehörten zu den Achtbarsten im Senat und zu den Frömmsten der römischen Kirche; unter seinen weiblichen Verwandten fanden sich Heilige und Jungfrauen, und sein eigenes Bild samt dem seiner Eltern hatte sich fast dreihundert Jahre lang in einem Familienporträt Johannes der Diakon hat sie als ein Augenzeuge beschrieben (4,83f); seine Beschreibung wurde von Angelo Rocca, einem römischen Altertumsforscher, erläutert (St. Greg. Opera, Bd. iv. p. 312–326); er bemerkt, dass einige Mosaike mit Päpsten des VII Jhs. noch in den römischen Kirchen zu finden sind (p. 321-323). Dieselben Mauern, die Gregors Familie darstellen, sind nun mit dem Martyrium des hl. Andreas, dem edlen Wettstreit des Dominichino und Guido ausgeschmückt. erhalten, welches er dem Kloster des hl. Andreas dedizierte. Komposition und Farbgebung dieses Gemäldes legen ein respektables Zeugnis davon ab, dass im Italien des VI Jhs. die Malkunst gepflegt wurde; von ihrer Wissenschaft und ihrem Geschmack kann man indessen nur mit äußerster Geringschätzung denken, wenn die Briefe Gregors, seine Predigten und seine Dialoge als Werke eines Mannes zu gelten haben, der von keinem seiner Zeitgenossen an Gelehrsamkeit übertroffen wurde Disciplinis vero liberalibus, hoc est grammatica, rhetorica, dialectica ita a puero est institutus, ut quamvis eo tempore florerent adhuc Romae studia literarum, tamen nulli in urbe ipsa secundus putaretur. (In den freien Disziplinen, das sind Grammatik, Rhetorik und Dialektik, hat er von Kindheit an Unterricht empfangen, sodass – obwohl in dieser Zeit und immer noch in Rom die Studien blühten – er dennoch niemandem in der Stadt nachstand. Paul. Diacon. in Vit. St. Gregor. c. 2).. Geburt und Talent hatten ihm bereits zum Amt des Stadtpräfekten erhoben, dazu erwarb er das Verdienst, dem Pomp und den Nichtigkeiten dieser Welt entsagt zu haben. Sein weitläufiges Erbe wurde der Stiftung von sieben Klöstern Die Benediktiner (Vit. Greg. l. i. p. 205–208) sind bemüht, Gregors Klöster unter die Regeln ihres eigenen Ordens zu zwängen; da aber die Frage eingestandenermaßen noch nicht entschieden ist, folgt klärlich, dass dieser mächtige Orden im Unrecht ist. Siehe Butlers verdienstvolle Lives of the Saints, Bd. iii. p. 145; Einsicht und Gelehrsamkeit gehören zum Verfasser – Vorurteile zu seiner Berufsgruppe. gewidmet, von denen eines in Rom Monasterium Gregorianum in ejusdem Beati Gregorii aedibus ad clivum Scauri prope ecclesiam SS. Johannis et Pauli in honorem St. Andreae, (Das Kloster im Hause dieses seligen Gregor am Scaurierhügel unfern der Kirche Johannis et Pauli zu Ehren St. Andreas. Joh. in Vit. Greg. l. i. c. 6. Greg. l. vii. epist. 13.) Dieses Gebäude und Kloster lagen dem Caelianischen Hügel benachbart, dem Palatin gegenüber. Heute bewohnen sie die Camaldulenser. St. Gregorio triumphiert, und Andreas hat sich in eine kleine Kapelle zurückgezogen. Nardini, Roma Antica, 3,6. p. 100. Descrizzione di Roma, Bd. i. p. 442–446. und sechs in Sizilien lagen. Sein Wunsch war es, in diesem Leben unbekannt zu bleiben und erst im zukünftigen rühmlich bekannt zu sein. Doch wandelte seine Frömmigkeit – sie mochte durchaus aufrichtig sein – genau auf jenen Pfaden, die auch ein geschickter und ehrgeiziger Politiker eingeschlagen haben würde.

Gregors Begabung und der Glanz, der seinen Rückzug umstrahlte, machte ihn der Kirche lieb und wert; und unbedingter Gehorsam war den Mönchen seit je als erste Pflicht eingeschärft worden. Sobald er die Diakon-Würde erhalten hatte, schickte man ihn an den Hof von Byzanz, um als Nuntius oder Gesandter des Apostolischen Stuhles dortselbst zu residieren; und vorlaut nahm er, im Namen von St. Peter, den Tonfall unabhängiger Würde an, der selbst dem verdienstvollsten Laien des Reiches übel angestanden hätte. Er kehrte, mit einer nicht zu Unrecht stark vermehrten Reputation nach Rom zurück und wurde im Anschluss an eine kurze Einübung in mönchische Tugenden durch die einstimmige Wahl der Geistlichkeit, des Senates und des Volkes vom Kloster auf den Stuhl Petri getragen. Er als einziger widersetzte sich seiner Wahl oder gab es wenigstens vor; und sein demütiges Flehen, der Kaiser Mauritius möge diese Entscheidung der Römer nicht anerkennen, dient ausschließlich dazu, sein Ansehen beim Publikum und beim Kaiser zu erhöhen. Als das entscheidende Mandat ausgesprochen war, wurde Gregor von einigen befreundeten Kaufleuten, die er darum ersucht hatte, in einem Korb aus Rom herausgeschmuggelt; dann versteckte er sich bescheiden einige Tage in Wäldern und Gebirge, bis sein Zufluchtsort durch ein himmlisches Licht – so die Sage – entdeckt ward.

PONTIFIKAT GREGORS DES GROSSEN 8. FEBRUAR 590 – 12. MÄRZ 603

Das Pontifikat von Gregor dem Großen, welches 13 Jahre, 6 Monate und 10 Tage dauerte, bildet eines der erhebendsten Kapitel in der Kirchengeschichte. Seine Tugenden und selbst noch seine Fehler, jenes merkwürdige Gemenge aus Biederkeit und Raffinesse, aus Stolz und Demut, aus Verstand und Aberglauben passten aufs glücklichste in seine Zeit und zu seinem Charakter. In seinem Nebenbuhler, dem Patriarchen von Konstantinopel, verdammte er den antichristlichen Titel eines universellen Bischofs, welchen anderen zuzugestehen der Nachfolger Petri zu stolz und den selbst anzunehmen er zu schwach war; Gregors kirchliche Machtausübung beschränkte sich auf den dreifachen Charakter eines Bischofs von Rom, eines Primas von Italien und eines Apostels des Okzidents. Häufig bestieg er die Kanzel und entzündete durch seine kunstlose, aber ergreifende Beredsamkeit in seinen Zuhörern gleichgeartete Leidenschaften: er griff auf die Sprache der jüdischen Propheten zurück, legte sie aus und führte die Gemüter eines durch gegenwärtige Nöte dranglasierten Volkes den Hoffnungen und Schrecknisse von unsichtbaren Welten zu.

Seine Vorgaben und sein Beispiel bestimmten den Ablauf der römischen Liturgie Das Vaterunser besteht aus sechs Zeilen, der Scramentarius und Antiphonarius Gregors aus 880 Seiten Folio (Bd.3, p. 1-880); und doch ist dies nur ein kleiner Teil des Ordo Romanus, welchen Madillon erläutert und Fleury zusammengestrichen hat (Hist. Eccles. Bd. viii. p. 139–152)., die Einteilung der Pfarrbezirke, den Festkalender, die Ordnung von Prozessionen, den Dienst von Priestern und Diakonen und die priesterliche Amtstracht in ihrer Mannigfaltigkeit und ihrem Wechsel. Bis zu den letzten Tagen seines Lebens verrichtete er das Hochamt, welches länger als drei Stunden dauern mochte; der Gregorianische Gesang Ich erfahre aus Abbé Dobos (Reflexions sur la Poesie et la Peinture, Bd. iii. p. 174, 175), dass die Schlichtheit des Ambrosianischen Gesanges auf vier Tonarten (modes) beschränkt war, während die vollkommenere Harmonie des Gregorianischen Gesanges die acht Tonarten der alten Musik umfasste. Er bemerkte (p. 332), dass Kenner die Einleitung und viele Stellen des gregorianischen Officiums bewundern. hat die Vokal- und Instrumentalmusik des Theaters bewahrt und selbst die rautönigen Stimmen der Barbaren versuchten, die Melodie der römischen Schule nachzuahmen Johannes Diaconus (Vita. Greg. 2,7) drückt die frühe Verachtung der Italiener für transmontane Sangeskunst aus. In den Zeiten von Karl dem Großen ließen die Franken, wenngleich widerwillig, diesen Vorwurf gelten. Muratori, Diss. 25.. Erfahrung lehrte ihn, wie wirkmächtig solche feierlich-pompösen Aufführungen des Gottesdienstes sind, um Gram zu lindern, den Glauben zu stärken, die Unruhe zu mildern und die finsteren Schwärmereien des Volkes zu verscheuchen, dem er doch bereitwillig die Versuche verziehen hatte, Priesterherrschaft und Aberglauben zu befördern.

Die Bischöfe Italiens und der umliegenden Inseln anerkannten den römischen Bischof als ihren speziellen Metropoliten. Die Etablierung, die Zusammenlegung oder die Verlegung von Bischofssitzen wurde durch sein uneingeschränktes Gutdünken entschieden, und sein erfolgreiches Intervenieren in die geistlichen Provinzen Griechenlands, Spaniens und Galliens dienten späteren Päpsten zur Untermauerung ihrer hochgeschraubtenAnsprüche. Er fuhr dazwischen, um Missbräuchen durch Volkswahlen vorzubeugen; mit eifersüchtigem Bedacht bewahrte er Glaubensreinheit und Kirchenzucht; und endlich wachte der apostolische Hirte nimmer ermüdend über seine nachgeordneten Schäfer. Unter seinem Pontifikat kam es zur Aussöhnung der Arianer mit der Katholischen Kirche, und die Eroberung Großbritanniens wirft auf Caesars Namen weniger Glanz als auf Gregors. Anstelle von sechs Legionen entsandte er vierzig Mönche zu jenen fernen Inseln und beweinte die Herzlosigkeit seiner Pflichten, die es ihm unmöglich mache, die Gefahren dieses geistlichen Feldzuges mit ihnen zu teilen. Nach noch nicht einmal zwei Jahren konnte er dem Erzbischof von Alexandria vermelden, dass sie den König von Kent nebst zehntausend Angelsachsen getauft hätten, und dass die römischen Missionare gleich jenen der Urkirche einzig mit geistlichen und übernatürlichen Waffen ausgestattet gewesen seien.

Stets fand sich die Leichtgläubigkeit oder die Klugheit Gregors vorbereitet, die Wahrheit seiner Religion durch das Zeugnis von Geistern, Wundern und Auferstehungen Ein französischer Gelehrter (Petrus Gussanvillus, Opera, Bd. 2. p. 105–112) hat Gregors Recht auf den gesamten Unfug in den Dialogen bekräftigt. Dupin (Band 5, p 138) glaubt nicht, dass auch nur ein Mensch sich für der Wahrheit aller dieser Wunder verbürgen möchte, und ich für meine Person würde nur gar zu gerne wissen, wie viele davon er selbst für wahr hielt. zu erweisen. Die Nachwelt jedenfalls hat seinem Andenken denselben Tribut geleistet, den er großzügig seiner und allen vorangegangenen Generationen zugestand. Die päpstliche Autorität hat himmlische Ehren mit freigebiger Hand ausgeteilt, aber Gregor ist der letzte dieses Standes, den er in den Heiligenkalender einzuschreiben sich unterstanden hat.

SEINE WELTLICHE HERRSCHAFT

Die weltliche Macht erwuchs unmerklich aus den Nöten der Zeit: und die römischen Bischöfe, die Europa mit Blut durchtränkt hatten, sahen sich genötigt, sich nunmehr als die Diener der Mildtätigkeit und des Friedens zu wirken.

1 Die römische Kirche war, wie bereits angemerkt, mit riesigen Ländereien in Italien, Sizilien und weiter entlegenen Provinzen wohl versehen, und ihre Beauftragten, in der Regel Subdiakone, übten über ihre Lehnsleute und Bauern die Zivil- und selbst die Strafgerichtsbarkeit aus. Der Nachfolger Petri verwaltete seine Domänen im Geiste eines wachsamen, aber maßvollen Grundbesitzers Baronius mag sich durchaus nicht mit der Verwaltung dieser Patrimonien aufhalten, da er dann hätte verraten müssen, dass sie nicht aus Königreichen, sondern aus Landgütern bestanden. Die Französischen Autoren, die benediktinischen Herausgeber (Bd. 4, 3, p. 272f.) und Fleury (Bd. 8, p.29f) schrecken nicht davor zurück, diese niederen, aber nützlichen Details zu untersuchen, und Fleurys verweilt bei Gregors sozialen Tugenden.. Die Briefe Gregors sind voll mit nützlichen Lehren, etwa sich aus zweifelhaften und ärgerlichen Rechtshändeln herauszuhalten, Gewichte und Maße nicht zu fälschen, jede angemessene Frist zu gewähren und das Kopfgeld der leibeigenen Bauern herabzusetzen, welche sich das Recht zur Heirat durch eine willkürlich festgelegte Geldsumme erkaufen konnten Ich hege den starken Verdacht, dass diese auf die Heirat der Unedlen (villani) erhobene Geldbuße zur Entstehung des berüchtigten und oftmals nur fabulösen Rechts »der erste Nacht« beitrug. Mit der Einwilligung ihres Gatten konnte eine hübsche Braut die Bezahlung durch die Umarmungen eines Gutsbesitzersohnes auf andere Art entrichten, und diese gegenseitige Gunstbezeigung mochte eher ein Beispiel für eine lokale Tyrannei sein als für eine gesetzlich gebilligte..

Der Ertrag oder die Renten dieser Besitzungen wurden dann auf Risiko und Kosten des Papstes an die Tibermündung verschifft: im Gebrauche dieses Reichtums handelte er wie ein wahrhaft getreuer Sachwalter der Kirche und der Armen und setzte entsprechend ihren Bedürfnissen die unerschöpflichen Hilfsquellen der Enthaltsamkeit und Ordnung ein. Das voluminöse Hauptbuch seiner Einkünfte und seiner Ausgaben wurde dreihundert Jahre im Lateran als ein Muster christlichen Wirtschaftens aufbewahrt. An den vier großen Kirchenfesten entrichtete er an die Geistlichkeit, an seine Hausbediensteten, an die Klöster, Kirchen, Friedhöfe, Armenhäuser und Spitäler Roms und die restliche Diözese ihren vierteljährlichen Anteil. An jedem Monatsersten spendete er je nach Jahreszeit an die Armen eine festgelegte Ration an Korn, Wein, Käse, Gemüse, Öl, Fisch, frischen Mundvorräten, Kleidung und Geld, und beständig wurden seine Schätze in Anspruch genommen, um in seinem Namen die außerordentlichen Anforderungen der Armenpflege und des Verdienstes zu genügen.

Der drängenden Not von Kranken und Hilflosen, der Fremden und der Pilger half die Milde eines jeden Tages ab; und erst dann gönnte sich der Papst ein karges Mahl, wenn er zuvor an einige seiner Hilfe würdige Personen Schüsseln von seiner Tafel zugeschickt hatte. Das Elend der Zeit hatte den Adel und die Matronen Roms mittlerweile so weit gebracht, dass sie ohne Erröten die Wohltaten der Kirche annahmen: dreitausend Jungfrauen empfingen Kleidung und Nahrung aus der Hand ihres Wohltäters, und so mancher Bischof floh vor den Barbaren zu den gastfreundlichen Schwellen des Vatikans. Man durfte Gregor zu Recht den Vater seines Landes nennen; und von solcher Art war die äußerste Empfindlichkeit seines Gewissens, dass er sich wegen eines Bettlers, der in den Straßen Roms verstorben war, mehrere Tage lang jede priesterliche Amtshandlung untersagte.

2. Roms Notlage verwickelte den apostolischen Hirten in die Geschäfte des Friedens und der Kriege; und vermutlich war er sich selbst nicht sicher, ob Frömmigkeit oder Ehrgeiz in bestimmten, den Platz seines abwesenden Monarchen einzunehmen. Gregor erweckte den Kaiser aus einem langen Schlummer; stellte ihm die Schuld oder die Unfähigkeit seines Exarchen und dessen Unterbeamten dar; beschwerte sich, dass die Veteranen zur Verteidigung von Spoleto abgezogen seien; munterte die Italiener auf, ihre Städte und Altäre selbst zu schützen und ließ sich auf dem Höhepunkt einer Krise dazu herbei, die Tribunen selbst zu ernennen und die Manöver der Provinzialtruppen in Person zu leiten. Doch wurde der kriegerische Geist des Papstes durch Gewissensnöte gedämpft, die der Menschenliebe und Religion geschuldet waren. Die Auferlegung eines Tributes verurteilte er freimütig als eine hassenswerte und drückende Last, ob sie auch gleich im italienischen Kriege verwendet werden sollte, während er die fromme Feigheit solcher Krieger, die das Soldaten- gegen ein Mönchsleben eintauschen wollten, gegen die zornigen Kaiseredikte in Schutz nahm.

Wenn wir seinen eigenen Verlautbarungen glauben wollen, so wäre es für Gregor ein Leichtes gewesen, die Langobarden mit Hilfe ihrer inneren Uneinigkeit auszulöschen, ohne auch nur einen einzigen König, Herzog oder Grafen zu verschonen, der dieses geschlagene Volk vor der Rache ihrer Feinde hätte schützen können. Als christlicher Bischof zog er die heilsamen Ämter des Friedens vor; seine Vermittlung brachte den Kriegslärm zum Schweigen: aber er war viel zu genau bekannt mit den Ränken der Griechen und den Leidenschaften der Langobarden, um mit seinen heiligen Worten für die Einhaltungen des Waffenstillstandabkommens zu bürgen. In seiner Hoffnung auf einen allgemeinen und dauerhaften Frieden getäuscht, erkühnte er sich, sein Land ohne die Zustimmung des Kaiser oder des Exarchen zu retten. Über Rom schwebte das Schwert des Feindes, aber die sanfte Überredungskunst und rechtzeitige Geschenke wandten es noch einmal ab, wodurch er Ketzern und Barbaren Achtung einflößte. Am Hofe zu Byzanz wurden die Verdienste Gregors mit Beleidigungen und Vorwürfen aufgenommen. Aber in der Anhänglichkeit eines dankbaren Volkes fand er den schönsten Lohn eines Bürgers und den besten Rechtstitel für einen Herrscher Die weltliche Herrschaft Gregors I ist von Sigonius im ersten Buch von de Regno Italiae dargestellt, Siehe seine Werke, Bd. 2, p. 44-75..








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