Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Edward Gibbon >

Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 41

Edward Gibbon: Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 41 - Kapitel 1
Quellenangabe
pfad/gibbon/verf4-41/verf4-41.xml
typetractate
authorEdward Gibbon
titleVerfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 41
publisherprojekt.gutenberg.de
year2013
firstpub2013
translatorCornelius Melville
correctorreuters@abc.de
senderCornelius Melville
created20130514
Schließen

Navigation:

Edward Gibbon

Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 41

 

© und Übersetzung:
Cornelius Melville

 

XLI

JULIANS EROBERUNGEN IM WESTEN – BELISAR, CHARAKTER UND ERSTE TATEN – UNTERWERFUNG DES VANDALENREICHES IN AFRIKA – SEIN TRIUMPH – GOTHENKRIEG – RÜCKEROBERUNG VON SIZILIEN, NEAPEL UND ROM – DIE GOTEN BELAGERN ROM – IHR RÜCKZUG, IHRE NIEDERLAGE – KAPITULATION VON RAVENNA – BELISARS RUHM – PRIVATE MISSHELLIGKEITEN UND UNGLÜCKSFÄLLE

JUSTINIAN BESCHLIESST FELDZUG GEGEN DIE VANDALEN 533

Als Justinian etwa fünfzig Jahre nach dem Untergang des Westreiches den Thron bestieg, hatten sich die Goten und Vandalen in Europa und Afrika fest und, so mochte es jedenfalls scheinen, rechtmäßig etabliert. Die Rechtstitel, die Roms Siege eingemeißelt hatten, wurden mit gleichem Recht durch das Schwert der Barbaren wieder entfernt, und diese gelungene Usurpation wurde achtbarer durch die Zeitläufte wie auch durch Verträge und Treueeide, die nun schon in der zweiten und dritten Generation hintereinander von den braven Untertanen wiederholt wurden. Erfahrung und christliche Religion hatten die unhaltbare Hoffnung zum Verstummen gebracht, dass es Rom, einer Stiftung der Götter, aufgegeben sei, für alle Ewigkeit die Herrschaft über die Welt auszuüben. Aber Roms hochfahrender Anspruch auf immerwährende und unveräußerliche Weltherrschaft, die seine Armeen schon längst nicht mehr durchsetzen konnten, wurde von ihren Politikern und Richtern weiterhin mit Nachdruck verfochten, welche Auffassung auch in ihren modernen Rechtsschulen neuerlich belebt und vertreten wurde. Nachdem nun Rom des Kaiserpurpurs ledig war, zogen die Herrscher von Konstantinopel dieses einzige und heilige Szepter der Monarchie an sich; verlangten als ihr rechtmäßiges Erbteil die Provinzen, welche die Konsuln der Republik erobert oder die Caesaren zu Eigen gehabt hatten; und gaben sich in ihrer Ohnmacht sogar den Anschein, ihre gläubigen Untertanen im Abendland von der angemaßten Herrschaft der Ketzer und Barbaren befreien zu müssen.

Die Ausführung dieses glanzvollen Vorhabens blieb nun für Justinian aufgespart. Während seiner ersten fünf Regierungsjahre führte er – durchaus widerwillig – einen ebenso kostenintensiven wie ergebnislosen Krieg gegen die Perser; bis endlich sein Stolz seinem Ehrgeiz nachgab und er zum Preis von vierhundertundfünfzigtausend Pfund Sterling die Segnungen eines unsicheren Waffenstillstandes erkaufte, welchem – in der Sprache der beiden Nationen – das Schmuck-Beiwort des ewigen Friedens angeheftet ward. Immerhin erlaubte es die Ruhe im Osten dem Kaiser, seine Kräfte gegen die Vandalen zu wenden; und die inneren Verhältnisse in Afrika lieferten den römischen Waffen einen schicklichen Vorwand und zugleich auch tatkräftige Unterstützung Der gesamte Verlauf des Vandalenkrieges wird von Prokopios in ebenmäßiger und eleganter Form erzählt (1,9-25 und 2,1-13); glücklich wäre mein Los, wenn ich immer auf den Spuren eines solchen Vorgängers wandeln könnte. Da ich das griechische Original vollständig und sehr genau gelesen habe, bin ich zu der Aussage befugt, dass man der lateinischen und französischen Fassung des Grotius bzw. Cousin nicht unbesehen glauben darf. Indessen, vielgerühmt ist der Präsident Cousin, und Hugo Grotius ist der führende Gelehrte eines ohnehin gelehrten Jahrhunderts..

ZUSTAND DER VANDALEN 523 – 530 – GELIMER 530 – 534

Nach dem Testament des Gründers war das Königreich Afrika in gerader Linie dem Hilderich zugefallen, dem ältesten des vandalischen Herrscherhauses. Eine sanfte Gemütsverfassung machte den Sohn eines Tyrannen und Enkel eines Eroberers geneigt, die Fingerzeige der Milde und der Friedfertigkeit zu beachten; und so war denn seine Thronbesteigung durch ein heilsames Edikt ausgezeichnet, welches zweihundert Bischöfe neuerlich in ihre Kirchen einsetzte und das freie Bekenntnis der athanasischen Glaubensformel zuließ Siehe Ruinart, Hist. Persecut. Vandal. 12, p. 589. Sein bestes Zeugnis stammt aus der Lebensbeschreibung des St. Fulgentius, verfasst von einem seiner Schüler, größtenteils in die Annalen des Baronius übernommen und in mehreren großen Sammlungen nachgedruckt. (Catalog. Bibliot. Bunavianae, Band 1, Teil 2, p. 1258.). Aber die Empfindung der Dankbarkeit der Katholiken für diese weit hinter ihren Erwartungen zurückbleibende Gunstbezeigung war unterkühlt und kurzlebig. Auch erwiesen sich Hilderichs Tugenden für die Ansprüche seiner Landsleute nachgerade als kränkend. Die arianische Geistlichkeit ließ immer mal wieder durchblicken, er habe den wahren Glauben verleugnet, und lauter noch murrten sie Krieger, er sei vom Mut seiner Vorfahren abgeartet. Seine Abgesandten sahen sich dem Verdacht einer schimpflichen Geheimverhandlung am byzantinischen Hofe ausgesetzt; und sein General, den man den Achilles Aufgrund welcher Vorzüge des Leibes oder der Seele? War er schnell, schön oder gar tapfer? – In welcher Sprache lasen die Vandalen Homer? Sprach er germanisch? – Die Lateiner besaßen vier Fassungen. (Fabric. Band 1, c.2,8, p. 297), doch trotz Senecas Lob (Consol. 26) scheinen sie erfolgreicher im Nachahmen als im Übersetzen Griechischer Dichtung gewesen zu sein. Aber vielleicht war der Name Achilles selbst unter illiteraten Barbaren berühmt und volkstümlich. der Vandalen nannte, verlor gar ein Gefecht gegen einen Haufen von nackten und unsortierten Mauren. Gelimer, dem sein Alter, seine Herkunft und sein Kriegsruhm einen unwiderlegbaren Anspruch auf den Thron verliehen hatte, reizte das öffentliche Missvergnügen weiter auf; er ergriff die Zügel der Regierung, von der Zustimmung der Nation getragen; und sein glückverlassenes Opfer fuhr ohne einen Schwerthieb vom Thron hinab in den Kerker, wo er, zusammen mit seinem treuergebenen Rat und seinem unpopulären Neffen, dem erwähnten General Achilles, unter strenger Bewachung gehalten ward.

Indessen, das Entgegenkommen, das Hilderich seinen katholischen Untertanen gegenüber beobachtet hatte, empfahl ihn nachdrücklich bei Justinian, welchem der nutzbringende Aspekt religiöser Toleranz – etwa zum Vorteile seiner eigenen Sekte – durchaus nicht entgangen war. Ihr gutes Einvernehmen war in der Zeit, da der Neffe Justins noch im privaten Stande lebte, durch gegenseitigen Austausch von Geschenken und Briefen gestiftet worden, und als Kaiser trat Justinian der Sache des Königtums und Freundschaft bei. In zwei aufeinander folgenden Gesandtschaften ermahnte er den Thronräuber zur Reue über seinem Hochverrat; abzustehen von jeder ferneren Gewalt, welche das Missfallen Gottes und der Römer zu erregen geeignet sei; und endlich die Gesetze der Blutsverwandtschaft und der Erbfolge zu ehren und einen schwachen Greis seine Tage in Frieden beschließen zu lassen, ob nun auf dem Thron von Karthago oder im Palast von Konstantinopel. Leidenschaft, vielleicht sogar Klugheit bestimmten Gelimer zur Zurückweisung dieser Ersuchen, welche ihm allerdings im Tone hochmütigen Befehlens oder sogar Drohens angetragen wurden. Und so rechtfertigte er seine Haltung in einer zu Byzanz nur selten gehörten Sprache, indem er das Recht eines freien Volkes reklamierte, die oberste Magistratsperson ihres Amtes zu entsetzen oder gar zu bestrafen, wenn sie in der Wahrnehmung ihrer königlichen Amtes fehlgegangen sei.

Nach diesen fruchtlosen Vermittlungsversuchen erging es dem gefangenen Monarchen noch übler, sein Neffe wurde geblendet, und der grausame Vandale, dem die eigene Stärke und die große Entfernung Mut eingeflößt hatten, höhnte über die ohnmächtigen Drohgesten und schleppenden Zurüstungen des orientalischen Kaisers. Justinian indessen beschloss, seinen Freund entweder zu befreien oder ihn zu rächen, Gelimer, seinen geraubten Besitz zu behaupten; und den eigentlichen Kampfhandlungen schickte man, ganz in Übereinstimmung mit den Bräuchen von Kulturnationen, die feierlichsten Bekundungen des aufrichtigsten Friedenswillens voran.

KRIEGSRAT ÜBER DEN AFRIKAFELDZUG

Die Nachricht von dem bevorstehenden afrikanischen Krieg war nur dem blasierten und gelangweilten Pöbel von Konstantinopel erfreulich, deren Armut sie von zusätzlichen Kriegssteuern und deren Feigheit sie üblicherweise vom Kriegsdienst befreite. Aber die nachdenklicheren unter den Bürgern, die die Zukunft nach den Ereignissen der Vergangenheit beurteilten, überschlugen im Kopfe die unmessbar schweren Verluste an Mannschaften und Geld, die das Reich durch den Feldzug des Basiliskus erlitten hatten. Die Truppen, die nach fünf strapaziösen Feldzügen von der persischen Grenzen abberufen wurden, fürchteten die See, das Klima und die Waffentechnik eines unbekannten Feindes. Die Finanzbeamten berechneten, soweit dies überhaupt möglich war, die Erfordernisse eines solchen afrikanischen Feldzuges; die Steuern, welche noch ersonnen und eingezogen werden mussten, diesen unfassbaren Erfordernissen zu genügen; und endlich das Risiko, mit ihrem eigenen Leben oder doch wenigstens mit ihren einträglichen Ämtern für den Ausfall eben dieser Summe geradestehen zu müssen. Von solcher Selbstsucht befeuert (denn wir mögen ihm keinen Eifer für des Volkes Bestes unterstellen) wagte es Johannes von Kappadokien, im vollbesetzten Kronrat den Entwürfen seines Herren zu widerraten.

Er bekannte, dass für einen so wichtigen Sieg kein Preis zu hoch sein könne; aber in einer nachdenklichen Rede stellte er dar, dass die Schwierigkeiten gewiss und der Ausgang ungewiss seien. »Du stehst im Begriffe,« sprach er, »Karthago zu belagern: zu Lande ist die Entfernung nicht kürzer als einhundertundvierzig Tagesreisen; zur See muss ein ganzes Jahr vergehen Ein Jahr – eine absurde Übertreibung! Die Eroberung Afrikas kann man auf den 14. September des Jahres 533 datieren. Sie wird von Justinian in der Vorrede zu den Institutionen gerühmt, welche am 21. November desselben Jahres erschienen. Hin- und Rückreise eingerechnet, passt diese Schätzung allenfalls auf unser Reich in Indien., bevor du auf sichere Zeitung von deiner Flotte rechen kannst. Sollten wir Afrika besiegen, so ist es nicht zu halten ohne die zusätzliche Eroberung Siziliens und Italiens. Ein Erfolg wird also neue Feldzüge notwendig machen; ein einziges Missgeschick hingegen wird die Barbaren in das Herz unseres erschöpften Reiches ziehen.« Das Gewicht dieser heilsamen Warnungen fühlte Justinian durchaus; der ungewohnte Freimut seines gehorsamsten Dieners ließ ihn stutzen; und vielleicht wäre das ganze Unternehmen abgeblasen worden, wenn nicht die Stimme, welche alle Zweifel einer weltlichen Vernunft zum Schweigen bringen kann, ihm seinen Mut neuerlich belebt hätte.

»Ich habe ein Gesicht gehabt,« so rief mit lauter Stimme ein ränkefreudiger oder fanatischer Bischof, »Es ist des Himmels Wille, o mein Kaiser, dass du dein heiliges Unternehmen zur Befreiung der afrikanischen Kirche nicht dahinfahren lassen sollst. Der Gott der Schlachten wird deiner Fahne voranziehen und deine Feinde zerstreuen, die zugleich die Feinde seines Sohnes sind.« Der Kaiser mochte sich versucht und seine Berater sich genötigt fühlen, dieser Offenbarung zu glauben, die sich zu so passender Zeit eingestellt hatte; handfestere Hoffnungen indessen schöpften sie der Empörung, welche Hilderichs oder Athanasius' Anhängerschaft an den Grenzen zur Monarchie der Vandalen erregt hatten. Pudentius, ein afrikanischer Untertan, hatte insgeheim schon zuvor seine getreue Gesinnung geäußert, und ein kleines Truppenkontingent hatte die Provinz Tripoli wieder unter den Gehorsam der Römer gebracht. Sardiniens Statthalterschaft war dem Godas, einem beherzten Barbaren anvertraut; er verweigerte die Steuerzahlung, kündigte dem Thronräuber den Gehorsam auf und empfing wohlwollend Justinians Gesandtschaft, die ihn als den Herren dieser Insel antraf, an der Spitze seiner Leibgarde und mit den Insignien königlicher Macht angetan. Die Streitkräfte der Vandalen schwächten sich unterdessen durch innere Zwietracht und Argwohn selber, während Roms Macht durch den Geist des Belisarius belebt wurden, eines jener Heldennamen, der jedem Volk zu allen Zeiten gegenwärtig ist.

BELISAR – CHARAKTER UND FRÜHE KARRIERE 529 – 532

Dieser Scipio Africanus des neuen Roms war unter den Bauern Thrakiens geboren Prokopios, Vandal. 1,11. Alemannus (Not. Ad Anecdota p. 5.), ein Italiener, kann mit leichter Hand die deutsche Eitelkeit eines Giphanius und Velserus zurückweisen, welche den Helden für sich reklamierten; aber eine Germania, Hauptstadt von Thrakien, kann ich in keiner zivilen oder kirchlichen Liste von Provinzen oder Städten aufstöbern., vielleicht auch groß geworden, und zwar ohne jene Begünstigungen, die die Tugenden der beiden Scipione geformt hatten: eine unverächtliche Herkunft, freisinnige Studien und der Wettstreit innerhalb eines freien Staates.

Das Schweigen eines sonst sehr mitteilsamen Geheimschreibers mag man als Beleg dafür heranziehen, dass Belisars Jugend keinen Stoff für Ruhmrede bot; er diente, gewisslich mit Tapferkeit und Auszeichnung, in Justinians persönlicher Leibwache; und da sein Patron zum Kaiser erhoben war, wurde aus der privaten Stellung ein militärisches Kommando. Nach einem kühnen Einbruch in Persarmenien, bei dem er sich den Ruhm noch mit einem Kollegen teilen musste und ein Feind sich ihm erfolgreich entgegenstellte, gelangte Belisar zu dem wichtigen Posten Dara, wo Prokopios, der getreue Gefährte und unermüdliche Sekretär seiner Taten zum ersten Male in seine Dienste trat Die ersten beiden Feldzüge gegen Persien werden von seinem Sekretär ebenfalls sehr schön und ausführlich erzählt (Persic 1,12-18).. Der Mirranes von Persien rückte mit vierzigtausend Elitesoldaten an, Daras Festung zu schleifen; auch benannte er den Tag und die Stunde, da die Bürger nach den Anstrengungen seines Sieges ein Bad zu seiner Erfrischung bereit stellen sollten. Hier nun begegnete er einem Gegner, dem er durch den neuen Titel eines Generals des Ostens gleichgestellt, an Kenntnissen der Kriegskunst weit über- und an Zahl und Zustand der Truppen weit unterlegen war; es waren 25.000 Mann römische und ausländische Truppen, erschlafft in der Manneszucht infolge erst jüngst erlittener, beschämender Niederlagen.

Da die durchgehend flache Ebene von Daras zu Kriegslist und Hinterhalt keine Handhabe bot, schützte Belisar seine Front durch einen tiefen Graben, der zunächst in rechtwinkliger und dann in parallelen Linien fortgeführt wurde, um die Flügel der Reiterei zu decken, die vorteilhaft genug aufgestellt war, die Flanken und den Rücken des Feindes zu beherrschen. Ihr rechtzeitiger und schneller Angriff in dem Moment, da das römische Zentrum wankte, entschied das Gefecht; die Unsterblichen flohen; die Infanterie warf ihre Schilde fort, und achttausend Gefallene deckten die Walstatt. Im nächsten Feldzug wurde Syrien von der Wüste her angegriffen, und Belisar eilte von Dara mit 20.000 Mann der Provinz zu Hilfe. Den ganzen Sommer über ärgerte er den Feind, indem er dessen Entwürfe durch geschickte Vorkehrungen vereitelte: er bedrängte sie auf ihren Rückzügen, besetzte in jeder Nacht ihre Lager des Vortages und hätte sicherlich einen unblutigen Sieg davon getragen, wenn er der Ungeduld seiner eigenen Truppen besser hätte widerstehen können. Ihr guter Mut erwies sich in der Stunde der Entscheidung als schwächlich; der rechten Flügel wurde von den christlichen Arabern durch feige oder verräterische Flucht preisgegebn, die Hunnen, ein Haufen von achthundert Veteranen, erlagen einer überlegenen Anzahl; den Isauriern wurde die Flucht gesperrt; nur die römische Infanterie stand auf dem linken Flügel, unerschüttert; denn Belisar selbst war vom Pferd gesprungen und zeigte ihnen, dass sie sich nur von unerschrockener Verzweiflung Rettung erhoffen konnten. Sie stellten sich mit dem Rücken zum Euphrat auf und kehrten sich dem Feind entgegen: ungezählte Pfeile prallten wirkungslos an der dichten und schiefen Schild-Mauer ab, den wiederholten Attacken der persischen Reiterei stand eine undurchdringliche Linie von Spießen entgegen, und nach stundenlangem Widerstand wurden die verbleibenden Truppen in der Dunkelheit der Nacht überlegt eingeschifft.

Der persische Befehlshaber aber zog sich in Unordnung und Schande zurück, um Rechenschaft abzulegen über das Leben so vieler für Nichts geopferter braver Krieger. Belisars Ruf hingegen geschah kein Eintrag durch eine Niederlage, in welcher er ganz allein seine Truppen vor den bösen Folgen ihres eigenen Ungestüms gerettet hatte; da der Frieden näher rückte, war er der Bewachung der östlichen Reichsgrenze überhoben, und durch sein Auftreten während der Krawalle in Konstantinopel hatte er jedwede Dankesschuld gegenüber dem Kaiser abgetragen. Als nun der Afrikafeldzug zum Gegenstand der öffentlichen Debatte und geheimer Erwägungen wurde, ließ jeder römische General mehr Furcht vor der heiklen Ehre eines Oberkommandos erkennen als dass es ihn danach verlangt hätte. Sobald aber Justinian ihm das Vorrecht des größeren Verdienstes zuerkannt hatte, ward infolge des einhelligen Beifalles für Belisars Wahl ihre Eifersucht neuerlich belebt. Die Atmosphäre am byzantinischen Kaiserhof kann dem Verdacht Vorschub leisten, dass unserem Held heimliche Unterstützung durch die Umtriebe seiner Frau, der ebenso schönen wie verschlagenen Antonia zuteil ward, welche je und je des Zutrauens der Kaiserin Theodora genoss oder ihren Hass auf sich versammelte.

Antonina war von geringer Geburt; sie entstammte einer Familie von Wagenlenkern, und ihre Keuschheit war befleckt mit übler Rede. Gleichwohl: sie herrschte lange und unangefochten über das Gemüt ihres berühmten Gatten; und wenn Antonina auch das der ehelichen Treue nachgesagte Verdienst nur gering achtete, so lebte sie mit Belisar in männlicher Freundschaft, dem sie unerschütterlich in allen Krisen und Beschwernissen seiner Militärlaufbahn beistand Zu Herkunft und Charakter von Antonina s. Anekdot 1 und Alemannus, Nota. p. 3..

AFRIKAFELDZUG WIRD VORBEREITET – 533

Die Vorbereitungen für den Afrikafeldzug waren des letzten Krieges zwischen Karthago und Rom nicht unwürdig. Den Kern der Truppen stellten die Leibwachen Belisars, welche, ganz in Übereinstimmung mit der misslichen Nachgiebigkeit jener Zeiten, sich durch einen besonderen Treueeid dem Dienst ihres Herren weihten. Ihre Körperkraft und – größe, auf die man besonderen Wert legte, die Qualität ihrer Pferde und ihrer Ausrüstung sowie die ununterbrochene Einübung aller Kriegmanöver setzte sie in die Lage, allemal das zu tun, was ihnen ihr Mut nur eingeben mochte; welcher Mut übrigens noch erhöht wurde durch den Rang, den sie in der Gesellschaft einnahmen und durch persönliches Bemühen um Gunst und Beförderung. Vierhundert der tapfersten Heruler marschierten unter der Fahne des treuen und umtriebigen Pharas; ihre unkontrollierbare Tapferkeit galt mehr als die submisse Bravheit der Griechen und Syrer; und derart wichtig schien die Verstärkung durch sechshundert Massageten oder Hunnen, dass man sie durch Lug und List dazu brachte, sich zu einer Seeunternehmung einzuschiffen. Fünftausend Pferde und zehntausend Mann Infanterie wurden in Konstantinopel eingeschifft, Afrika zu erobern; aber das zum größten Teil in Thrakien und Isaurien angeworbene Fußvolk stand an Nutzbarkeit und Renommee der Reiterei weit nach; und so war der skythische Bogen zu der Waffengattung geworden, auf die sich Roms Heere vorwiegend verlassen mussten.

In der lobenswerten Absicht, die Würde seines Hauptthemas zu bewahren, schützt Prokopios die Soldaten seiner Zeit gegen die nörgelnden Kritik, welche diesen Ehrennamen den schwerbewaffneten Kriegern der Frühzeit vorbehalten wollte und mit einer gewissen Bosheit anmerkt, dass der Name des Bogenschützen bei Homer nur in einem verächtlichen Kontext vorkomme Siehe Prokopios' Vorrede. Die Feinde des Bogens konnten sich auf Diomedes Tadel (Ilias, 1,395) und auf das permittere vulnera ventis (Wunden des Windes schleudern) des Lukan (8, 384) beziehen. Aber die Römer durften die Pfeile der Parther jedenfalls nicht verachten; und bei der Belagerung Troias töteten die Bogenschützen Pandarus, Paris und Teuker die hochfahrenden Krieger, die sie mit Schimpfierungen wie Weiber und Kinder verhöhnen wollten.. »Diese Verachtung mochten sich vielleicht die nackten Jünglinge verdienen, die auf dem Schlachtfeld vor Troia erschienen, hinter einem Grabstein oder dem Schild eines Freundes lauerten und die Sehne an die Brust zogen, einen schwachen und ohnmächtigen Pfeil abzuschießen. Aber unsere Bogenschützen sind zu Pferde,« so fährt der Historiker fort, »lenken sie mit wunderbarem Geschick, Kopf und Schulter finden hinter einem Schild oder Helm Deckung, eiserne Beinschienen schützen die Schenkel und ein Panzerhemd bewahrt ihren Körper. Rechts hängt ein Köcher, links ein Schwert, und im Nahkampf versteht ihre Hand auch die Lanze oder den Wurfspieß zu führen. Ihre Bogen aber sind stark und schwer; in jede Richtung können sie schießen, beim Angriff, beim Rückzug, in vorderster Linie oder in der Nachhut, an beiden Flanken; und da sie gelernt haben, die Sehne nicht an die Brust »...dass die Sehne der Brust annaht und das Eisen dem Bogen.« (Ilias 4,123). Wie gedrängt, wie richtig, wie schön das ganze Gemälde! Ich sehe den Schützen, ich höre das Schwirren der Sehne., sondern an das rechte Ohr zu ziehen, muss in der Tat die Rüstung fest geschmiedet sein, die der rasenden Gewalt ihres Pfeiles zu widerstehen vermag.«

Fünfhundert Transportschiffe, deren Besatzung zwanzigtausend Seeleute aus Ägypten, Cilicien und Ionien stellten, sammelten sich im Hafen von Konstantinopel. Die kleinsten dieser Schiffe wird man zu dreißig Tonnen rechnen, die größten zu fünfhundert, und eine zurückhaltende Überschlagsrechnung wird uns realistische einhunderttausend Der Text gesteht den größten Schiffen 50.000 medimni zu, was 3000 Tonnen entspricht, (da eine Medimmne 160 römische oder 120 englische Pfund wog). Ich habe eine vernünftigere Deutung angeboten unter der Voraussetzung, dass Prokops attischer Sprachschatz auch den gesetzlichen und üblichen modius in sich begreift, ein Sechstel der Medimne. (Hooper, Ancient Measures p. 152ff). Ein dem widersprechender und befremdlicher Fehler hat sich in eine Dinarchos-Rede eingeschmuggelt (contra Demosthenem, in: Reiske, Orator. Graecis, Band 4, Teil 2, p. 34): Durch Verminderung der Anzahl der Schiffe von 500 auf 50 und Übersetzen von ›medimnos‹ mit › minae‹ hat Cousin der ganzen imperialen Flotte großartige 5000 Tonnen zugebilligt! – Hat er denn niemals nachgerechnet? Tonnen annehmen lassen, um dreißigtausend Soldaten und Mariner, fünftausend Pferde, dazu hinreichend Wasser und Proviant für eine dreimonatige Schiffspassage an Bord zu nehmen. Die stolzen Galeeren, die in vergangenen Zeiten die Wellen des Mittelmeeres mit so vielen hundert Rudern durchrauschten, waren schon lange verschwunden; lediglich zweiundneunzig leichte Brigantinen, armiert gegen die Wurfwaffen der Feinde und gerudert von zweitausend der wackersten und kräftigsten Jünglinge Konstantinopels, bildeten für Justinians Flotte den Geleitschutz. Zweiundzwanzig Generäle werden namentlich genannt, die sich mehrheitlich in den nachfolgenden afrikanischen und italienischen Campagnen auszeichneten; der Oberbefehl zu Wasser und zu Lande indessen war ausschließlich Belisar übertragen, mit unbegrenzter Entscheidungsvollmacht so zu verfahren, als ob der Kaiser in Person zugegen wäre. Die Unterscheidung von Kriegs- und Seewesen ist die Folge und zugleich die Ursache der neuesten Fortschritte in der Wissenschaft der Seefahrt und des Seekrieges.

DIE FLOTTE LÄUFT AUS – JUNI 533

Im siebenten Regierungsjahr Justinians, etwa um Sommersonnenwende, wurde die gesamte Flotte von sechshundert Einheiten im kriegerischen Aufputz vor den Palastgärten in Linie aufgereiht. Der Patriarch gab seinen Segen, der Kaiser letzte Order, die Kriegsposaune der Oberkommandierenden das Signal zur Abfahrt, und jedwedes Herz forschte mit angstvoller Neugier, je nach nachdem, ob Angst oder Hoffnung vorwalteten, nach den Anzeichen eines glücklichen oder glücklosen Ausgangs. Zuerst ging man bei Perinthus oder Heraklea vor Anker, wo Belisar fünf Tage warten musste, um eine paar thrakische Schlachtrosse an Bord zu nehmen, ein militärisches Geschenk seines Souveräns. Von dort setzten sie dann die Fahrt mitten durch die Popontis fort; als sie jedoch durch die Meerenge des Hellespont segeln wollten, hielten widrige Winde sie vier Tage bei Abydos fest, wo der Feldherr eine merkwürdige Probe von Strenge und Festigkeit ablegte. Zwei Hunnen hatten im Zustand trunkener Streitlust einen ihrer Bordkameraden erschlagen und wurden augenblicklich dem ganzen Heer vorgezeigt und an einem hohen Galgen erhenkt. Ihre Landsleute murmelten gegen diesen Schimpf, den man der Würde ihres Volkes angetan hatte, mochten die Knechts-Gesetze des Reiches durchaus nicht anerkennen sondern pochten vielmehr auf Skythiens freies Vorrecht, das mit einer geringen Geldbuße die Folgen von trunkenen oder zornigen Ausbrüchen abzubüßen gestatte. Ihre Einwände waren fadenscheinig, ihr Gelärme lauthals, und auch die Römer waren diesem Beispiel von Unordnung und Straflosigkeit nicht entgegen. Indessen, der aufkommende Krawall wurde von des Oberkommandierenden Autorität und Beredsamkeit beigelegt: er erinnerte die Heeresversammlung an die Pflicht zur Gerechtigkeit, die Bedeutung der Kriegszucht und Disziplin, die Belohnung, die für Frömmigkeit und Tugend aufgehoben seien und an die unverzeihliche Schuld des Mordes, welche nach seinem Dafürhalten durch das Laster der Trunkenheit nur noch verschlimmert, und gewiss nicht entschuldigt werde Ich habe von einem griechischen Gesetzgeber gelesen, der sich bei Trunkenheitsdelikten für eine Verdoppelung der Strafe aussprach; es besteht jedoch Einigkeit, dass dies eher ein politisches als moralisches Gesetz war..

Bei der Fahrt vom Hellespont zum Peloponnes, die die Griechen nach der Belagerung von Troja übrigens in vier Tagen vollendeten Vielleicht sogar in drei Tagen, denn am ersten Abend gingen sie vor der benachbarten Insel Tenedos vor Anker; am zweiten segelten sie nach Lesbos und am dritten zum Vorgebirge von Euböa, um am vierten Argos zu erreichen (Homer, Odyssee, 17, 130-183. Wood, Essay on Homer, p. 40-48). Ein Pirat segelte vom Hellespont zu Spartas Seehafen in drei Tagen (Xenophon, Hellenika 2,1)., wurde der Kurs von Belisars Flotte von seiner Admirals-Galeere vorgegeben, welche tagsüber durch ihre rote Besegelung und nachts durch helle Fackeln an der Mastspitze auszumachen war. Es war die Aufgabe von Lotsen, während der Fahrt zwischen den Inseln und am Kap Malea und Taenarium vorbei die Marschordnung der zahlreichen Schiffe und die vorgegebenen Abstände wahren: solange der Wind günstig und mäßig blies, mühten sie sich nicht vergeblich, und bei Methone an der Küste von Messenien konnten die Truppen unversehrt ausgeschifft werden, um sich von den Strapazen der See für ein Weilchen zu erholen. Aber hier erlebten sie auch, wie Habgier hinter der Maske der Autorität, das Leben tausender braver Soldaten aufs Spiel setzen kann, die sich guten Mutes für den Dienst am Staat Gefahr auf sich genommen hatten.

Militärischer Praxis entsprechend wurden Brot oder Zwieback der römischen Armee zweimal gebacken, wobei man einen Gewichtsverlust von einem Viertel billigend in Kauf nahm. Um nun diesen erbärmlichen Gewinn zu vergrößern und dazu noch Holz zu sparen, hatte der Prätorianerpräfekt Johannes von Kappadokien angeordnet, den Teig nur oberflächlich neben jenen Feuern zu backen, mit denen man die Bäder von Konstantinopel wärmte; und als nun die Proviantsäcke geöffnet wurden, konnte nur noch eine teigige, verschimmelte Masse an das Heer ausgegeben werden. Diese ungesunde Kost rief zusammen mit der Sommerhitze eine Epidemie hervor, der fünfhundert Soldaten zum Opfer fielen. Die anderen wurden durch Belisars Umsicht wiederhergestellt, der frisches Brot in Methylene aufkaufte und ohne Scheu seinen berechtigten Zorn äußerte. Der Kaiser bekam davon zu hören, belobigte den Feldherren und bestrafte den Minister – nicht.

Von Methone aus steuerten die Lotsen entlang der peloponnesischen Westküste bis vor die Insel Zakynthos oder Zante, ehe sie die in ihren Augen fast schon tollkühne Einhundert-Meilen-Etappe durch das Ionische Meer begannen. Da nun die Flotte von einer Windstille überrascht wurde, gingen sechzehn Tage mit schleppender Fahrt dahin; und der Feldherr selbst hätte unerträgliche Durstesqualen erlitten, wenn nicht seine Frau Antonina in klugbedachter Vorsorge das Wasser in Glasflaschen verwahrt hätte, welche sie, unerreichbar für die Sonne, tief in Sand am Boden des Schiffes eingrub. Endlich jedoch gewährte der Hafen Caucana Caucana bei Camarina liegt wenigstens 50 Meilen von Syracus entfernt. (Cluver, Sicilia antiqua p. 191). an der Südküste von Sizilien sichere und gastliche Zuflucht. Die gotischen Militärs, die die Inseln im Namen von Theoderichs Tochter und Enkel verwalteten, gehorchten ihren unbedachten Anweisungen und empfingen Justinians Heer als Freunde und Bundesgenossen: Proviant wurde in Mengen geliefert, die Kavallerie beritten gemacht Prokop. Gotic. 1,3. Procopius, Gothic. 1,3. Tibi tollit hinnitum apta quadrigis equa, (...es erhebt dir ein Wiehern die Stute der Rennbahn), und zwar auf den sizilianischen Weiden des Grosphus (Horat. Carm. 2,16.) Acragas.... magnanimum quondam generator equorum, (Acragas...,einstmals Erzeuger herrlicher Pferde Virg. Aeneis 3,704.) Auch Thero's Pferde, deren Siege Pindar unsterblich gemacht hat, wurden in Sizilien gezüchtet., und schon bald kehrte Prokop aus Syrakus zurück mit zutreffenden Informationen über die Zustände bei den Vandalen und ihre Pläne. Seine Nachrichten trieben Belisar zur Eile, und der Wind unterstützte seine weisen Entwürfe. Schon versank Sizilien unter dem Horizont, die Flotte passierte Malta, bekam die Vorgebirge von Afrika in Sicht, segelte bei starkem Nord-Ost entlang der Küste und ging endlich nach einer fünftägigen Reise bei Kap Vada südlich von Karthago vor Anker Das Kap Vada des Prokopios (wo Justinian später eine Stadt gründen sollte, de Aedif. 6), ist das Vorgebirge Ammons bei Strabo, Brachodes des Ptolemäus und das Capauda unserer Gegenwart, eine lange und schmale Landzunge, die in die See ausläuft. (Shaw, Travels p.111)..

Wenn Gelimer Kenntnis vom Nahen des Feindes gehabt hätte, dann hätte er die Eroberung Sardiniens hinter den unmittelbar erforderlichen Schutz seiner Person und seines Königreiches zurückstellen müssen. Ein Detachement von fünftausend Kriegern und einhundertundzwanzig Galeeren hätte sich mit der restlichen Streitmacht der Vandalen vereinigt; und die Nachfahren Geiserichs hätten mit Leichtigkeit eine Flotte überfallen und vernichten können, welche lediglich aus überladenen und kampfuntüchtigen Transportschiffen sowie aus leichten und nur zu rascher Flucht tauglichen Brigantinen bestand. Belisar hatte insgeheim oft gebebt, wenn er seine Soldaten belauschte, wie sie sich auf der Überfahrt gegenseitig Mut machten, ungescheut ihre Besorgnisse einzugestehen: wenn sie nur erst an der Küste wären, dann wollten sie schon die Ehre ihrer Waffen bewähren; würde man sie aber auf See angreifen, dann – sie schämten sich nicht, es zuzugeben – würde ihr Mut nicht ausreichen, es zu gleicher Zeit mit dem Wind, den Wellen und den Barbaren aufzunehmen Ein Centurio des Marc Anton drückte, wenngleich in männlicher Tonlage, die gleiche Abneigung gegen das Meer und die Seeschlachten aus. (Plutarch, Antonius, p. 1730, Stephanus-Ausgabe).

Die Kenntnis dieser Stimmungslage veranlasste Belisar, sie bei der ersten Gelegenheit an der afrikanischen Küste an Land zu bringen; bei einem Kriegsrat verwarf er weislich den Vorschlag, mit Flotte und Heer im Hafen von Karthago einzulaufen. Also wurden, drei Monate nach dem Auslaufen aus Konstantinopel Mann und Ross, Waffen und Vorräte problemlos ausgeschifft; pro Schiff – sie waren im Halbkreis angeordnet – blieben fünf Mann als Wache zurück. Die übrigen Soldaten bezogen ein Lager direkt an der Küste, welches nach altem Brauch mit Wall und Graben umgeben war; und zugleich wurde der abergläubische Optimismus der Römer durch die Entdeckung einer Quelle mit frischem Wasser belebt. Am nächsten Morgen indes wurden einige unferne Gärten geplündert; nachdem Belisar die Übeltäter abgestraft hatte, nahm er den an sich unbedeutenden Vorfall, aber entscheidenden Zeitpunkt zum Anlass, um die Grundsätze von Gerechtigkeit, Mäßigung und echter Politik einzuschärfen:

»Da ich das Kommando erhielt, Afrika zu bezwingen, war ich,« so der General, »viel weniger auf die Zahl oder den Mut meiner Krieger angewiesen als vielmehr auf die freundliche Gesinnung der Eingeborenen und ihren unverwelklichen Hass gegen die Vandalen. Ihr seid die einzigen, die mich um diese Hoffnung betrügen könnt; wenn ihr nämlich fortfahrt, das zu rauben, was ihr gegen ein Geringes ebenso gut hättet kaufen können, dann werden solche Gewaltakte diese unversöhnlichen Feinde am Ende wieder aussöhnen und sie zu einem legitimen und heiligen Bund gegen die Eindringlinge zusammenschmieden.« Durch strenge disziplinarische Maßnahmen erhielten diese Ermahnungen den erforderlichen Nachdruck, deren heilsame Wirkung die Soldaten schon bald selber wahrnahmen und demgemäß rühmten. Anstatt ihre Häuser zu verlassen oder ihr Getreide zu verstecken, versorgten die Einwohner die Römer ausreichend und wohlfeil mit Vorräten; die Zivilbeamten der Provinz fuhren fort, im Auftrag und Namen Justinians ihren Amtshandlungen nachzugehen, und auch die Klerisei beförderte mit Nachdruck die Sache des katholischen Kaisers, ob nun aus Gewissensgründen oder Eigennutz.

Die Kleinstadt Sullecte Möglicherweise ist Sullecte das Turris Hannibalis, ein altes Gebäude etwa von der Größe des Londoner Towers. Der Marsch Belisars nach Leptis, Adrumetum usw. wird erläutert dargestellt durch den Feldzug Caesars (Hirtius, de Bello Africano mit Guichards Untersuchungen) und Shaw, Travels (p. 105-113) in demselben Land., eine Tagesreise vom Lager entfernt, hatte die Ehre, ihre Tore als erste zu öffnen und die alte Huldigung zu erneuern; die größeren Städte Leptis und Adrumetum eiferten diese Beispiel der Loyalität nach, sobald Belisar auf dem Plan erschien. Und dann rückte er ohne Widerstand bis Grasse vor, einem Palast der Vandalenkönige, etwa fünfzig Meilen von Karthago entfernt. Die ermüdeten Römer gönnten sich Erfrischung an Schattenlauben, kühlen Quellen und köstlichen Früchten. Und wenn nun Prokop diese Gärten vor allen rühmt, die er jemals im Osten oder Westen gesehen hatte, so mag man diesen Vorrang entweder der Ermüdung oder dem Geschmack des Geschichtsschreibers zuschreiben. Innerhalb von drei Generationen hatten Wohlstand und das milde Klima die harten Tugenden der Vandalen aufgeweicht und sie unvermerkt zum üppigsten Volk der Erde gemacht. In ihren Landhäusern und Gärten, die den persischen Namen Paradies Das Paradies, dessen Namen und Anlage von den Persern übernommen wurde, kann man sich mittels der königlichen Garten von Isphahan vergegenwärtigen. (Voyage d'Olearius, p. 774.) Ihre beste Darstellung findet man in griechischen Romanen (Longus, Pastoral. 4, p. 99-101; Achilles Tatius 1, p. 22-23. recht wohl verdienen, erfreuten sie sich einer erfrischenden und gediegenen Ruhe, und dann, nach dem täglichen Bad, gingen die Barbaren zu Tische, an eine mit deliziösen Land- und Meeresfrüchten üppig – und leckergedeckten Tafel. Ihre nach der Art der Meder lose wallenden Seidengewänder waren mit Silber durchwirkt; ihre tägliche Arbeit waren die Jagd und die Liebe, und ihre freien Stunden vertrieben sie sich mit Pantomime, Wagenrennen, Musik und Balletttänzen.

NIEDERLAGE DER VANDALEN IM ERSTEN TREFFEN

Während eines Marsches von zehn bis zwölf Tagen war Belisars Wachsamkeit beständig auf der Hut gegen seine unsichtbaren Feinde, die ihn jederzeit und überall plötzlich angreifen konnten. Ein verdienter Offizier, Johannes der Armenier, der Belisars Vertrauen besaß, führte die Vorhut aus dreihundert Berittenen; sechshundert Massageten deckten in einiger Entfernung die linke Flanke; und die ganze Flotte, die unter der Küste segelte, verlor nur selten die Armee aus den Augen, welche ihrerseits etwa zwölf Meilen täglich zurücklegte und gegen Abend in befestigten Lagern oder befreundeten Städten Quartier bezog.

Da sich die Römer unaufhaltsam Karthago näherten, erfüllte Gelimers Seele sich mit Furcht und Schrecken. Am liebsten wünschte er den Krieg solange in die Länge zu ziehen, bis sein Bruder und seine Veteranenarmee von Sardiniens Eroberung zurückgekehrt wären; verfluchte die planlose Politik seiner Altvordern, welche sämtliche Festungsanlagen in Afrika zerstört und ihn dadurch der bitteren Notwenigkeit überliefert hatten, unfern seiner Hauptstadt ein Treffen zu wagen. Der vandalische Eroberer war von ursprünglich fünfzigtausend – Weiber und Kinder nicht eingerechnet – auf einhundertundsechzig Krieger angewachsen: und eine solche Macht, beseelt von Tapferkeit und Eintracht, hätte die schwächelnden und erschöpften Römer bei deren erster Landung zermalmen können. Aber die Freunde des eingekerkerten Königs (Hilderich) neigten mehr dazu, Belisars Aufforderungen entgegen zu kommen als sich seinem Vormarsch in den Weg zu stellen. Und so mancher stolze Barbaren verbarg seine Abneigung gegen das Kriegführen unter dem Vorwand ihres Hasses gegen den Thronräuber. Dennoch stellte Gelimer mit Autorität und Versprechungen ein ansehnliches Heer auf die Beine, und sein Feldzugsplan war sichtlich mit militärischen Geschick entworfen.

Sein Bruder Ammatas erhielt Order, sämtliche Streitkräfte Karthagos zusammen zu ziehen und den römischen Vortrab in einer Entfernung von zehn Meiler vor Karthago anzugreifen; sein Neffe Gibamund sollte dann mit zweitausend die linke Seite angreifen, während der König in Person, der zunächst in der Stille folgte, die Nachhut dann angreifen würde, wenn ihr die Hilfe, ja selbst der Anblick der Flotte abgeschnitten sei. Aber Ammatus' Übereilung wurde ihm selbst und seinem Lande zum Verhängnis. Er hatte die Stunde des Angriffs vorverlegt, seine träge Begleitung hinter sich gelassen und war tödlich getroffen, nachdem er zuvor eigenhändig zwölf seiner kühnsten Gegner erlegt hatte. Seine Vandalen flohen nach Karthago, die zehn Meilen der Heerstraße waren mit Gefallenen bedeckt, und unfassbar schien es, dass diese Unmengen durch lediglich dreihundert Römer sollten niedergemacht worden sein. Gelimers Neffe ward in einem Geplänkel von den sechshundert Massageten besiegt: sie erreichten nicht ein Drittel seiner Kampfstärke; aber jeder Skythe wurde durch das Vorbild seines Häuptlings befeuert, welcher ruhmreich das Privileg seiner Familie ausübte, nämlich im gestreckten Galopp alleine vorauszusprengen und den ersten Pfeil abzuschießen.

Mittlerweile zog Gelimer, unkundig der Ereignisse und durch die gewundenen Hügelketten fehlgeleitet, aus Unachtsamkeit an der römischen Armee vorbei und gelangte endlich zum Schauplatz, da Ammatas gefallen war. Er bejammerte das Schicksal Karthagos und seines Bruders, griff dann mit gewaltigem Zorn die anrückenden Reiterschwadrone an und möchte den Sieg verfolgt, möglicherweise sogar für sich entschieden haben, wenn er nicht jene entscheidenden Augenblicke mit der frommen, aber nutzlosen Pflicht an dem Toten vergeudet hätte. Während sein Herz niedergedrückt war durch diesen bitteren Totendienst, vernahm er die Schlachtdrommeten Belisars, der Antonina und seine Infanterie im Lager zurückgelassen hatte mitsamt seiner Leibwache und der nun mit der verbliebenen Reiterei vorwärts stürmte, eine fliehenden Truppen erneut zu sammeln und das Glück des Tages wieder herzustellen. Feldherrenkünste konnten sich bei einem so ungeordneten Handgemenge nicht entwickeln; aber der König floh vor dem Helden, und die Vandalen, die nur an ihre maurischen Feinde gewöhnt waren, waren außerstande, den römischen Waffen und ihrer Kriegszucht zu widerstehen. Gelimer entfernte sich mit hastigen Schritten in die numidische Wüste zurück: aber schon bald zog er Trost aus der Nachricht, dass seine Geheimbefehle zur Hinrichtung Hilderichs und seiner gefangenen Freunde getreulich ausgeführt worden waren. Indessen: die Rache des Tyrannen war vor allem seinen Feinden dienlich. Die Ermordung eines gesetzmäßigen Herrschers erregte das Mitleid des Volkes; wäre er am Leben geblieben, so hätte dies die Römer in Verlegenheit gebracht; und Justinians Stellvertreter wäre durch ein Verbrechen, an dem er unschuldig war, der peinlichen Alternative überhoben, seine Ehre zu verwirken oder seine Eroberung aufzugeben.

EROBERUNG KARTHAGOS 15. SEPTEMBER 533

Sobald das Getümmel sich gelegt hatte, berichteten die verschiedenen Heeresabteilungen einander von den Ereignissen des Tages; Belisar aber schlug sein Lager auf dem Schauplatz seines Sieges auf, welchem der zehnte Meilenstein vor Karthago die lateinische Bezeichnung Decimus gegeben hatte. Aus vorausdenkendem Misstrauen gegen die Anschläge und Tücke der Vandalen marschierte er am nächsten Tage in Schlachtordnung, machte abends Halt vor den Toren Karthagos und genehmigte eine Nacht Ruhepause, um die Stadt nicht in Dunkelheit und Getümmel der Zügellosigkeit der Soldaten und die Soldaten nicht umgekehrt den Fallen und Nachstellungen der Stadt auszusetzen. Wie aber Belisars Besorgnisse die Frucht ruhigen und sachlichen Nachdenkens war, so überzeugte er sich bald davon, dass er ohne Gefahr dem friedlichen und freundlichen Erscheinungsbild der Stadt trauen konnte. Karthago glänzte von ungezählten Fackeln zum Zeichen der öffentlichen Freude; die Kette, die die Hafeneinfahrt sperrte, wurde entfernt; die Tore flogen auf, und das Volk begrüßte seine Befreier unter Dankes- und Segensrufen. Die Niederlage der Vandalen und die Freiheit Afrikas ward der Stadt am Vorabend des Festes St. Cyprian kundgetan, als die Kirchen schon festlich geschmückt waren zum Angedenken an einen Märtyrer, den dreihundert Jahre Aberglauben fast schon in den Rang einer Lokal-Gottheit erhoben hatten. Dessen Tempel hatten die Arianer im Bewusstsein des bevorstehenden Unterganges ihres Reiches den Katholiken überlassen, welche ihren Heiligen aus unbefugten Händen erretteten, ihre heiligen Übungen exekutierten und lautstark den Glauben des Athanasius und des Justinian bekannten.

Eine Stunde des Entsetzens hatte das Schicksal der Parteien vollständig umgekehrt: Die gnadeflehenden Vandalen, die bis vor kurzem noch den Genüssen des siegreichen Eroberers gefrönt hatten, suchten im Heiligtum der Kirche demütig um Zuflucht nach; während die Kaufleute des Orients aus den untersten Kerkern durch ihre bebenden Wärter freigelassen wurden, welche ihre Gefangenen um Schutz baten und ihnen durch einen Spalt in der Mauer die Segel der römischen Schiffe zeigten. Die Befehlshaber der Flotte waren nach ihrer Trennung vom Landheer mit langsamer und vorsichtiger Fahrt unter der Küste weitergesegelt, bis sie das hermäische Kap erreichten, wo sie auch die erste Nachricht von Belisars Sieg erhielten. Getreu ihren Anweisungen wären sie jetzt etwa zwanzig Meilen von Karthago vor Anker gegangen, wenn nicht erfahrene Seeleute die Gefahren des Meeresufers und die Anzeichen eines drohenden Sturmes vorgestellt hätten. Da sie jedoch unkundig waren der Umwälzungen, lehnten sie das tollkühne Unterfangen ab, die Schutzketten des Hafens zu sprengen; und der unferne Hafen und die Vorstadt von Mandracium hatten lediglich durch Plünderungen eines untergeordneten Offiziers zu leiden, der seinen Befehlshabern den Gehorsam verweigert hatte und entlaufen war.

Inzwischen steuerte die kaiserliche Flotte bei günstigem Wind durch die enge Einfahrt von Goletta und bezog in dem tiefen und geräumige See von Tunis Stellung Die Natur um Karthago, Meer, Land und Flüsse haben sich ebenso so stark verändert wie Menschenwerk. Die Landenge oder Isthmus ist jetzt ein Teil des Festlands. Der Hafen ist trocken gefallen, und die Lagune ist nichts anderes als Morast und einem Kanal von 6-7 Fuß Tiefe in der Mitte. Siehe D'Anville (Geographie Ancienne, Band 3, p. 82), Shaw (Travels, p. 77 – 84), Marmol (Description de l'Afrique, Band 2, p. 465) und Thuanus (58, 12, Band 3, p. 334.). Sobald Belisar von ihrer Ankunft erfahren hatte, gab er Order, den größten Teil des Schiffsvolkes ohne Verzug anzulanden, damit sie sich dem Triumph der Römer anschließen und deren scheinbare Zahl vergrößern konnten. Bevor er sie allerdings durch die Tore Karthagos einziehen ließ, ermahnte er sie in einer sowohl der Situation als auch seiner selbst würdigen Rede, nicht den Ruhm ihrer Waffen zu besudeln; und der Tatsache eingedenk zu sein, dass die Vandalen die Bedrücker, sie aber die Befreier der Afrikaner seien und diese mithin als die ergebenen und freiwilligen Untertanen ihres gemeinsamen Kaisers zu betrachten seien. Dann zogen die Römer in geschlossener Marschordnung durch die Straßen und waren für den Fall, dass sich ein Feind zeigen sollte, bereit zum Gefecht. Die strenge Ordnung, die ihr Feldherr bewahrte, vermittelte ihren Gemütern die Gehorsamspflicht; und in einer Zeit, in der der Missbrauch des Sieges nachgerade zum geheiligten Gewohnheitsrecht geworden war, legte der Geist eines einzigen Mannes die Lüste seines siegreichen Heeres an die Kandare.

Drohungen oder Klagetöne waren nicht vernehmbar, Karthagos Wirtschaft blieb ungestört, und während Afrika seinen Herrscher und die Regierung änderte, blieben Handel und Verkehr unverändert. Die gehörigen Wachen waren aufgestellt, und die Soldaten verfügten sich bescheiden in die Häuser, die ihnen zur Einquartierung zugewiesen waren. – Belisar selbst bezog den Palast; nahm Platz auf dem Thron Geiserichs; empfing und verteilte die Beute der Barbaren; sicherte den flehenden Vandalen das Leben zu und bemühte sich um die Behebung des Schadens, die die Vorstadt von Mandracium in der vorhergehenden Nacht erlitten hatte. Beim Abendessen bewirtete er die vornehmsten Offiziellen mit dem Aufwand und nach den Gepflogenheiten eines königlichen Banketts Nach dem Ort Delphi hieß in der griechischen wie in der lateinischen Sprache ein Dreifuß Delphicum, und eine simple Analogie dehnte diesen Namen auf den königlichen Speisesaal zu Rom, Karthago und Konstantinopels aus. (Prokopios, Vandal. 1,21. Ducange, Gloss, Graec. p. 277. Delphikon, ad Alexiad. p. 412.). Dem Sieger ward von den gefangenen Hofbeamten submiss aufgewartet, aber in jedem Augenblick der Feierlichkeit, da die vorurteilsfreien Zuschauer Belisars Glück und Verdienst zujubelten, sprühten seine neidischen Hofschranzen ihr Gift über jedes Wort und jede Geste, die geeignet schien, den königlichen Argwohn aufzuschrecken.

Ein Tag blieb diesen Prunkinszenierungen gewidmet, die man nicht als sinnlos preisgeben darf, wenn sie denn die populäre Ehrfurcht fesseln; aber Belisars tätiger Geist, der noch im Triumph und Sieg die Möglichkeiten einer nachfolgenden Niederlage für möglich halten konnte, hatte bereits beschlossen, dass die Herrschaft Roms in Afrika weder von den Zufälligkeiten eines Waffenganges noch von der Laune des Volkes abhängen durfte. Einzig Karthagos Festungsanlagen wurden nicht abgerissen, aber während einer fünfundneunzigjährigen Vandalenherrschaft waren sie infolge von Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit in Verfall geraten. Ein Eroberer, ausgestattet mit mehr Verstand, ließ Mauern und Gräben der Stadt in Eile wieder herstellen. Seine Freigebigkeit wirkte belebend auf die Arbeiter; Krieger, Seeleute und Städter wetteiferten geradezu, dieses nutzbringende Werk zu fördern; und Gelimer, der sich gescheut hatte, sich einer offenen Stadt anzuvertrauen, gewahrte mit Staunen und Bitterkeit die zunehmende Stärke einer unüberwindlichen Festung.

LETZTE NIEDERLAGE GELIMERS UND DER VANDALEN NOVEMBER 533

Dieser glückverlassene Herrscher war nun bemüht, nach dem Verlust seiner Hauptstadt die Trümmer seiner Armee zu sammeln, die nach der vorangegangenen Schlacht eher verstreut als vernicht waren; auch versammelten sich maurische Rotten in der Hoffnung auf leichte Beute unter seine Fahnen. Er hatte in den Feldern von Bulla, vier Tagesmärsche von Karthago entfernt, sein Lager bezogen; setzte der Hauptstadt zu, indem er sie von der Wasserversorgung durch ein Aquädukt abschnitt, setzte auf jeden Römer ein hohes Kopfgeld auf, gab sich den Anschein, Eigentum und Leben seiner afrikanischen Untertanen zu schützen und verhandelte insgeheim mit den arianischen Sektierern und den Hunnen. Unter solchen Umständen konnte die Eroberung Sardiniens seine eigene Lage nur noch verschlimmern; er bedachte in tiefster Betrübnis, dass er für dieses sinnlose Unternehmen fünftausend seiner besten Krieger dahingeopfert hatte, und mit Zorn und Scham las er die siegestrunkenen Briefe seines Bruders Zano, welcher mit übersprudelnder Zuversicht annahm, dass er, König Gelimer, nach der Art der Vorfahren die Keckheit der Römischen Eindringlinge bereits blutig gezüchtigt habe.

»Ach, mein Bruder,« so Gelimers Antwort, » der Himmel hat sich gegen unser glückloses Volk erklärt. Während du Sardinien erobert hast, haben wir Afrika verloren! Kaum, dass Belisar mit einer Handvoll Soldaten aufgetaucht war, da verließen auch schon Mut und Glück die Sache der Vandalen. Dein Neffe Gibamund und dein Bruder Ammatas wurde beide durch die Feigheit ihrer Untergebenen verraten und fanden beide den Tod. Unsere Pferde, unsere Schiffe, das ganze Afrika befindet sich in den Händen des Feindes. Trotz alledem ziehen die Vandalen eine schmachvolle Ruhe vor, selbst auf Kosten ihrer Frauen und Kinder, ihres Besitzes und ihrer Freiheit. Nichts ist uns geblieben als das Feld von Bulla und die Hoffnung auf deinen Heldenmut. Gib Sardinien preis; komme geflogen, uns zu helfen; stelle das Reich wieder her oder stirb an unserer Seite.«

Da er diesen Brief empfangen hatte, teilte Zano den vornehmsten Vandalen seinen Kummer mit; vor den Einwohnern hielt man diese Trauerkunde klüglich verborgen. Im Hafen von Cagliari schiffte sich die Truppen auf 120 Transportschiffen ein, gingen nach drei Tagen an den Grenzen zu Mauretanien vor Anker und strebten in Eilmärschen zu den königlichen Standarten im Feldlager zu Bulla. Traurig war das Wiedersehen, die Brüder umarmten sich, weinten stumm, keine Fragen zu der sardinischen Kampagne wurden gestellt, keine Nachforschungen zu der afrikanischen Katastrophe getan; sie sahen mit eigenen Augen den ganzen Umfang ihres Unglückes, und die Abwesenheit ihrer Frauen und Kinder lieferte den schlimmen Beweis, dass Tod oder Gefangenschaft ihr Los gewesen war.

Endlich aber wurde der zerrüttete Zustand der Vandalen durch die Aufforderungen ihres Königs, das Vorbild Zanos und die unmittelbare Gefahr für Reich und Religion wieder stabilisiert. Die vereinte Kriegsmacht des Volkes zog ins Gefecht und wuchs dabei unterwegs so rasch an, dass sie noch vor ihrer Ankunft in Tricameron etwa zwanzig Meilen vor Karthago sich – möglicherweise mit geringer Übertreibung – rühmen durften, dass ihre Zahl die geringe Zahl der Römer etwa um das Zehnfache übertreffe. Diese geringe Macht stand aber unter dem Kommando Belisars; und da er sich ihrer Überlegenheit bewusst war, konnte er den Barbaren sogar einen Überraschungsangriff zu ungewohnter Stunde erlauben. Die Römer standen im Augenblick unter Waffen; ein kleiner Bach deckte ihre Frontlinie; die Kavallerie bildete das erste Treffen, welches Belisar an der Spitze von fünfhundert Mann Leibwache unterstützte; die Infanterie stand in einiger Entfernung in zweiter Linie; und zugleich beobachtete der Feldherr mit Wachsamkeit und Misstrauen die abgesonderte Stellung und die schwankende Zuverlässigkeit der Massageten, welche ihre Hilfe insgeheim den Siegern aufsparten.

Der Historiker hat hier die Reden der Feldherren eingeschaltet Solche Reden sind allemal Ausdruck der zeitgenössischen Sinnesart, bisweilen auch der handelnden Personen. Ich habe den Sinn zusammengefasst und stereotype Worthülsen verworfen., und der Leser kann sie sich leicht ergänzen; durch die zu ihrer Lage am besten passenden Gründe schärften sie die Bedeutung des Sieges und die Bedeutungslosigkeit des eigenen Lebens ein. Zano und die Truppen des Sardinien-Feldzuges stand im Zentrum; und hätte die Masse der Vandalen ihrem Anführer nachgetan, so wäre der Thron Geiserichs nicht in den Staub gesunken. Sie warfen Speere und die anderen Distanzwaffen fort, zogen die Schwerter und erwarteten den Angriff: dreimal setzte die römische Reiterei über den Bach, dreimal wurde sie zurückgeschlagen, der Kampf mit Verbissenheit fortgesetzt, bis Zano fiel und Belisars Fahne wehte. Gelimer floh zurück in sein Lager; die Hunnen schlossen sich den Verfolgern an und die Sieger fledderten die Leichen der Gefallenen. Fünfzig Römer und achthundert Vandalen fand man auf dem Kampfplatz; so gering waren die Verluste eines Tages, an welchem immerhin eine Nation unterging und die Herrschaft über Afrikas an eine andere übertragen wurde.

Noch am Abend führte Belisar seine Infanterie zum Angriff auf das Lager, und Gelimers feige Flucht entlarvte die leere Prahlerei seiner letzten Botschaft, dass nämlich dem Besiegten der Tod ein Trost, das Leben eine Last und die Schande die einzige Ursache des Schreckens seien. Seine Flucht geschah in aller Heimlichkeit; doch sobald die Vandalen entdeckten, dass ihr König sie im Stich gelassen hatte, zerstreuten sie sich ängstlich-eilig in alle Richtungen, besorgt allein um ihre persönliche Sicherheit und gleichgültig gegen alles, was dem Menschen lieb und teuer ist. Die Römer gelangten ohne Widerstand ins Lager, und nur die Dunkelheit der Nacht und die allgemeine Konfusion verhüllten die wüste Szenerie. Jeder Barbar, der ihnen vor das Schwert geriet, wurde gnadenlos niedergemacht; ihre Witwen und Töchter als reiche Erben oder schöne Konkubinen von der Soldateska gepackt; selbst die Habgier war durch Gold- und Silberschätze, die angehäuften Früchte von Raub oder Sparsamkeit in langen Zeiträume des Wohlstandes und Friedens bis fast zum Überdruss gesättigt. In dieser rasenden Jagd vergaßen selbst Belisars Truppen ihre sonstige Zurückhaltung und Vorsicht. Von Gier und Raub nahezu betrunken durchsuchten sie in kleinen Haufen oder vereinzelt die umliegenden Felder, Wälder, Felsen oder Höhlen, ob sie nicht etwas Lohnendes verborgen halten mochten. Unter der Beute wankend, verließen sie ihre Reihen, und zogen ziellos auf der Heerstraße nach Karthago; und wäre es dem fliehenden Feind eingefallen, noch einmal zurückzukehren, dann so wären nur sehr wenige Sieger mit dem Leben davongekommen.

Im vollen Bewusstsein der Schande und der Gefahr verbrachte Belisar eine sorgenvolle Nacht auf dem Schlachtfeld; als der Morgen aufdämmerte, pflanzte er auf einem Hügel seine Standarte orderte seine Leibwache und Veteranen zurück und stellte im Lager nach und nach Ruhe und Gehorsam wieder her. Es war Belisar in gleicher Weise daran gelegen, die feindlichen Barbaren zu schlagen und die Geschlagenen am Leben zu erhalten. Die um Gnade flehenden Vandalen, die man nur in Kirchengebäuden antreffen konnte, wurden durch sein Intervenieren geschützt, entwaffnet und in besonderen Gewahrsam verbracht, so dass sie weder die öffentliche Ordnung stören noch zu Opfern der öffentlichen Rachegelüste werden konnten. Nachdem Belisar ein Detachement von Leichtbewaffneten abgeschickt hatte, das sich an Gelimers Fersen heften sollte, marschierte er mit der ganzen Armee in einem Zehn-Tage-Marsch nach Hippo Regius vor, welches nicht mehr im Besitze der Reliquien des Heiligen Augustinus war Die Reliquien von St. Augustin wurden von den afrikanischen Orten in ihren Verbannungsort aus Sardinien verbracht (um 500); im VIII Jahrhundert glaubte man, dass der Langobardenkönig Luitprand sie von Sardinien nach Pavia überführen ließ (721). Die Augustinermönche eben dieser Stadt fanden im Jahre 1695 ein Mauergewölbe, einen Marmorsarg, darin eine Silberkapsel, ein seidenes Leichentuch, Gebeine, Blut und vielleicht eine Inschrift von Agostino in gotischen Lettern. Vernunftgründe und Futterneid haben diese nützliche Entdeckung allerdings in Zweifel gezogen. (Baronius, Annal. A.D. 725, No. 2-9. Tillemont, Mem. Eccles. Band 13, p. 944. Montfaucon, Diarium Ital. p. 26-30.) Siehe Muratori, Antiq. Ital. Medii Aevi, Band 5, dissert. 58, p. 9, welcher vor dem endgültigen Spruch des Bischofs von Pavia und von Papst Benedikt XIII eine gesonderte Abhandlung vorgelegt hatte.. Die Jahreszeit und die gesicherte Nachricht, dass die Vandalen in das unzugängliche Gebiete der Mauren entflohen seien, veranlassten Belisar, die nutzlose Verfolgungsjagd einzustellen und in Karthago das Winterquartier zu beziehen. Von dort fertigte er seinen vornehmsten Unterbefehlshaber an den Kaiser ab, diesem zu vermelden, dass er binnen dreier Monate die Eroberung Afrikas glücklich vollendet habe.

BELISAR EROBERT AFRIKA 534

Belisar hatte wahr gesprochen. Die überlebenden Vandalen legten widerstandslos ihre Waffen nieder und gaben ihre Freiheit auf; die nähere Umgebung Karthago unterwarf sich ihm in seiner Anwesenheit, die entfernteren Provinzen ergaben sich schon bei der Nachricht seines Sieges. Tripolis wurde in seiner freiwilligen Lehns-Abhängigkeit bestätigt, Sardinien und Korsika ergaben sich einem Offizier, der ihnen nicht das Schwert, sondern das Haupt des tapferen Zeno vorwies, und die Inseln Mallorca, Menorca und Yvica schickten sich darein, nur noch als ein geringes Anhängsel des afrikanischen Königreiches zu existieren. Die Königsstadt Caesarea, das moderne Algier – wenn man es nicht allzu pedantisch mit der Erdkunde hält – lag dreißig Tagesfahrten westlich von Karthago; der Landweg wurde von den Mauren unsicher gemacht, aber die See stand offen, und die Meister des Meeres waren jetzt die Römer. Ein umtriebiger und umsichtiger Tribun segelte bis an die Meerenge, wo er Septem oder Ceuta »Die Einleitung zu den Staatswesen« ist ein Ausdruck Prokopios' (de Aedific. 6,7). Ceuta, vernichtet von den Portugiesen, erblühte unter der glücklichen Herrschaft der Araber durch Adel, Paläste, Ackerbau und Manufakturen. (l'Afrique de Marmai, Band 2, p.236) einnahm, welches sich gegenüber Gibraltar an der afrikanischen Küste erhebt; später wurde dieser abgelegene Ort von Justinian verschönert und befestigt, und tatsächlich scheint er den eitlen Ehrgeiz besessen zu haben, seinen Herrschaftsbereich bis zu den Säulen des Herkules auszudehnen. Er empfing die Zeitung des Sieges, als er im Begriffe stand, die Pandekten des Römischen Rechtes bekannt zu machen, uns so pries der fromme oder vielleicht auch nur eifersüchtige Kaiser öffentlich Gottes Güte und in aller Stille die Verdienste seines siegreichen Feldherren Siehe die zweite und dritte Vorrede zu den Digesten oder Pandekten, die am 16. Dezember 533 bekannt gemacht wurden. Auf die Titel Vandalicus und Africanus hatte Justinian oder eher wohl Belisar einen Rechtsanspruch. Gothicus war zu voreilig und Francicus falsch und kränkend für diese große Nation..

Ungeduldig, die weltliche und geistliche Alleinherrschaft der Vandalen zu tilgen, schritt er ohne Verzug zur vollständigen Etablierung der katholischen Kirche. Ihre Rechtsprechung, Reichtümer und Vorrechte – dies waren vermutlich die wichtigsten Inhalte der Religion der Bischöfe – wurden mit freigebiger Hand erneuert und noch ausgedehnt, der arianische Gottesdienst verboten und die donatistischen Glaubensversammlungen geächtet Die Originalurkunden bei Baronius (A.D. 535, Nr 21-51). Der Kaiser lobt seine eigene Milde gegenüber den Häretikern, cum sufficiat eis vivere (da er ihnen erlaubt zu leben); und die Synode von Karthago versagte durch die Stimmen von zweihundertsiebzehn Bischöfen dieser gerechten, frommen Vergeltung ihren Beifall nicht Dupin (Geograpphia Sacra Africana, p. 59 ad optat Milav.) rügt und bejammert diesen bischöflichen Niedergang. In den besseren Zeiten der Kirche hatte er sechshundertneunzig Bistümer gezählt, aber wie klein auch diese Diözesen gewesen sein mochten, es ist unwahrscheinlich, dass sie alle zur gleichen Zeit existierten.. Bei solcher Gelegenheit, so steht zu vermuten, dürften nur wenige orthodoxe Bischöfe ausgeblieben sein; aber ihre vergleichsweise recht geringe Zahl – bei früheren Synoden waren zwei- und sogar dreimal so viele Prälaten anwesend – gibt einen deutlichen Hinweis auf den Niedergang von Kirche und Staat.

Während also Justinian sich in der Rolle des Verteidigers des Glaubens gefiel, ging er zugleich mit der ehrgeizigen Hoffnung schwanger, sein siegreicher Feldherr werde schon bald die engen Grenzen seines Reiches bis zu jenem Umfange ausdehnen, den sie vor dem Vandalen- und Maureneinfall umschrieben hätten. Belisar erhielt Anweisung, in den passenden Posten Tripoli, Leptis, Cirta, Caesarea und Sardinien fünf duces oder Befehlshaber zu installieren und außerdem die Stärke von Haus- oder Grenztruppen (palatini) zu berechnen, die zur Verteidigung Afrikas hinreichend wären. Das Königreich der Vandalen war sogar der Anwesenheit eines Prätorianerpräfekten würdig, und vier Konsulare und drei Präsidenten wurden bestallt, um die seiner Zivilgerichtsbarkeit unterworfenen Provinzen zu verwalten. Die Anzahl der nachgeordneten Beamten, Schreiber, Boten oder Gehilfen wurde mit Genauigkeit bestimmt, dreihundertsechsundneunzig für den Präfekten selbst, fünfzig für jeden seiner Stellvertreter, und die strenge Festlegung ihrer Sporteln und Saläre war eher geeignet, das Recht wirksamer zu bekräftigen als seinem Missbrauch vorzubeugen.

Diese Obrigkeiten mochten bedrückend sein, aber untätig waren sie nicht, und knifflige Rechts- und Finanzprobleme wurden bis in die Unendlichkeit vorangetrieben unter dieser neuen Regierung, welche Freiheit und Gleichheit der römischen Republik erneut ins Leben zu rufen sich anheischig machte. Der Sieger war bedacht darauf, reichliche und pünktliche Abgaben von seinen afrikanischen Untertanen zu beziehen, weshalb er ihnen auch gestattete, bis zum dritten Grade der Verwandtschaft und sogar noch von der Seitenlinie Anspruch auf die Häuser und Immobilien zu erheben, welche die Vandalen ihnen rechtswidrig abgenommen hatten. Nach Belisars Abreise, der aufgrund einer hochrangigen Sondervollmacht gehandelt hatte, wurde keine ordnungsgemäße Vorsorge für einen Oberbefehlshaber für die Truppen getroffen; wohl aber das Amt des Prätorianerpräfekten einem Soldaten anvertraut; zivile und militärische Gewalt wurde nach Maßgabe Justinians in der Person eines Oberstatthalters vereinigt und dieser Stellvertreter des Kaisers in Afrika wie auch in Italien schon bald darauf durch den Titel eines Exarchen ausgezeichnet Justinians afrikanische Gesetzgebeung werden von seinem deutschen Biographen erläutert (Codex 1, tit. 27, Novell 36, 37, 131. Vita Justiniani, p. 349-377).

GELIMERS NOTLAGE UND GEFANGENSCHAFT – FRÜHJAHR 534

Indessen, die Eroberung Afrikas war unvollständig, solange sich nicht sein voriger Herrscher in den Händen der Römer befand, tot oder lebend. Gelimer, seiner Sache nicht eben sicher, hatte den Geheimbefehl gegeben, einen Teil seines Vermögens nach Spanien zu verbringen, wo er hoffte, am westgotischen Königshofe günstige Aufnahme zu finden. Indessen, die Pläne schlugen fehl, ob nun durch Verrat, Zufall oder die unablässigen Nachstellungen seines Feindes, der seine Flucht zur Küste abschnitt und den glückverlassenen Monarchen nebst einigen Getreuen in das unzugängliche Gebirge von Papua D'Anville (Band 3, p. 92 u d Tabulae imper. Rom. Occident) platziert den Papua-Berg unfern von Hippo Regius und der See; doch stimmt diese Lage durchaus nicht überein mit der langen Verfolgung jenseits von Hippo und den Worten des Prokopios »im Äußersten Numidien.« (2,4) inmitten von Numidien verjagte. Sofort setzte ihm Pharas nach, ein Befehlshaber, dessen Treue und Nüchternheit umso mehr Lob verdienten, je seltener diese Tugenden sich unter den Herulern, dem korruptesten aller Barbarenstämme entdecken ließen. Belisar hatte diesen wichtigen Auftrag seiner Aufmerksamkeit anvertraut, und nach einem kühnen Versuch, den Berg zu erstürmen – was einhundertundzehn Soldaten das Leben kostete – wartete Pharas während der winterlichen Einkesselung auf die Wirkung von Not und Hunger auf das Gemüt des Vandalenkönigs.

Vom süßester Verwöhnung und Lebensgenuss und unbeschränktem Zugriff auf Güter und Geld sah er sich nunmehr genötigt, an der Dürftigkeit der Mauren teilzuhaben, welche ihnen nur deshalb erträglich war, da sie Besseres nicht kannten Shaw (Travels p.220) stellt die Verhältnisse der Beduinen und Kabylen sehr eindringlich dar; letztere sind, ihrr Sprache nach zu urteilen, Überbleibsel der Mauren. Aber wie anders, wie zivilisiert sind diese modernen Wilden! Vorräte haben sie im Überfluss und Brot ist bei ihnen allgemein.. In ihren rohen Hütten aus Lehm und Flechtwerk, welche den Qualm ein- und das Licht ausschlossen, schliefen sie mit Weib, Kind und Vieh durcheinander auf der nackten Erde oder auf einem Schafsfell. Die Kleidung war verschmutzt und armselig, Brot und Wein waren ihnen unbekannt, und ihre Hafer- oder Gerstefladen, in heißer Asche halb ausgebacken, wurde von den hungrigen Wilden nahezu roh verzehrt. Unter dieser fremdartigen und ungewohnten Mühsal, warum auch immer er sie erleiden mochte, hätte Gelimers Gesundheit schweren Schaden nehmen müssen; aber seine gegenwärtiges Elend wurde noch zusätzlich verbittert durch die Erinnerung an seine frühere Größe, durch den täglich erlittenen Hochmut seiner Beschützer und endlich durch die begründete Sorge, die leichtfertigen und käuflichen Mauren möchten sich zum Verrat am Gastrecht versucht fühlen. Die Kenntnis dieser seiner Lage diktierte Pharas einen menschenfreundlichen und freundschaftlichen Brief in die Feder:

»So wie du selbst,« schrieb der Fürst der Heruler, »bin auch ich nur ein ungelehrter Barbar, aber meine Sprache ist die Sprache des gesunden Menschenverstandes und des redlichen Herzens. Warum willst du in deiner aussichtslosen Verstocktheit verharren? Warum willst du dich selbst, deine Familie, dein Volk zugrunde richten? Aus Liebe zur Freiheit und Abscheu vor Sklaverei? Ach, mein teuerster Gelimer, bist du denn nicht schon der armseligste Sklave, der Sklave der nichtswürdigen Maurenvolkes? Wäre es da nicht besser, zu Konstantinopel in Armut und Sklaverei dahinzuleben als der unumstrittene König des Papua-Gebirges zu sein? Glaubst du, es ist eine Schande, Justinian untertänig zu sein? Untertänig ist ihm Belisarius: er und ich selbst, deren Geburt der deinigen in nichts nachsteht, schämen uns nicht unserer Gehorsamspflicht gegenüber dem Römischen Kaiser. Großmütig wird er dir ein üppigen Erbteil an Ländereien zugestehen, ferner einen Platz im Senat und die Würde eines Patriziers. Dahin gehen seine gnadenreichen Pläne, und du magst dem Wort Belisars volles Vertrauen entgegenbringen. Solange der Himmel uns zu leiden aufgetragen hat, ist Geduld eine Tugend; wenn wir aber die mögliche Erlösung ablehnen, wird aus ihr nur noch Torheit.«

»Ich bin mir durchaus bewusst,« antwortete der König der Vandalen, wie wohlmeinend und vernunftgeleitet dein Rat ist. Aber ich kann mich unmöglich dazu überreden, zum Sklaven eines Feindes zu werden, der das Recht mit Füßen tritt und der meinen unauslöschlichen Hass verdient. Ihn habe ich niemals, weder durch Worte oder Taten gekränkt; doch er hat gegen mich einen sicheren Belisar gesandt, der mich kopfüber von meinem Thron in diesen tiefsten Abgrund des Elends gestürzt hat. Justinian ist ein Mensch; er ist ein Fürst; fürchtet er sich denn nicht auch vor einer ähnlichen Wende seines Schicksals? Ich kann nun nicht mehr schreiben; mein Kummer überwältigt mich. Sende mir, ich beschwöre dich, sende mir eine Leier Prokopios nennt es Leier; Harfe wäre vielleicht nationaler gewesen sein. Venantius Fortunatus unterscheidet die Musikinstrumente wie folgt: Romanusque lyra tibi plaudat, Barbarus harpa. (Der Römer soll dir Beifall mit der Leier und der Barbar mit der Harfe spenden.), einen Schwamm und einen Laib Brot!«

Von den Boten der Vandalen erfuhr Pharas den Grund für diese wunderliche Bitte. Schon seit langem hatte der König Afrikas kein Brot mehr gekostet, seine Augen waren entzündet infolge von Ermüdung oder unaufhörlichen Weinens; und nun wollte er in seinen dunklen Stunden die Geschichte seines Falles zur Lyra singen. Pharas fasste ein menschliches Rühren; so übersandte er ihm diese drei ungewöhnlichen Geschenke; aber gerade diese Menschlichkeit bestimmte ihn, seine Wachsamkeit zu verdoppeln, um seinen Gefangenen umso nachdrücklicher dazu zu bringen, diesen für die Römer so vorteilhaften und für sich selbst so heilsamen Entschluss zu fassen. Endlich gab Gelimers Starrsinn den Vernunftgründen und der Notwendigkeit nach; die feierliche Zusicherung seiner Unverletzlichkeit und einer ehrenhaften Behandlung wurden durch Belisars Abgesandte im Namen des Kaisers unterzeichnet, und der König der Vandalen stieg herab vom Berge. Die erste öffentliche Zusammenkunft fand in einer Vorstadt von Karthago statt; und als der königliche Gefangene seinen Überwinder anredete, brach er in lautes Gelächter aus. Die Menge mochte wohl glauben, der unendliche Kummer habe Gelimer seines Verstandes beraubt; aber dem nachdenkenden Beobachter flüsterte seine unzeitige Fröhlichkeit in dieser betrübten Lage die Erkenntnis ein, dass die leeren und kurzen Augenblicke menschlicher Macht nicht wert sind, auch nur einen ernsthaften Gedanken an sie zu verschwenden Herodot beschreibt artig die seltsamen Auswirkungen des Kummers auf ein anderes gekröntes Haupt, Psammetichus von Ägypten, der bei geringfügigen Unglücksfällen klagte und bei seinen größten Stillschweigen beobachtete (3,14). Belisar konnte bei der Unterredung zwischen Paulus Aemilius und Perseus seine Rolle einstudieren; aber es steht zu vermuten, dass er niemals Livius oder Plutarch gelesen hatte, und es ist gewiss, dass seine Großmut keines Lehrers bedurfte..

BELISARS RÜCKKEHR UND TRIUMPH

Ihre Verachtung wurde schon bald durch ein neues Beispiel einer allgemein bekannte Wahrheit gerechtfertigt: dass nämlich Schmeichelei an der Macht klebt und Neid an überlegenem Verdienst. Die Unterfeldherren der römischen Armee redeten sich ein, dass sie die Nebenbuhler eines Helden seien; ihre Geheimdepeschen behaupteten boshafterweise, das der Eroberer Afrikas, nun er stark sei durch Ansehen und Volkstümlichkeit, Pläne hecke, selbst den Thron der Vandalen zu besetzen. Justinian lieh diesen Stimmen ein allzu willfähriges Ohr; und sein Schweigen war die Folge seiner Eifersucht nicht seines Vertrauens. Die ehrenhafte Alternative, entweder in der Provinz zu bleiben oder in die Hauptstadt zurück zu kehren überließ er allerdings Belisars Beschluss und Befinden; aber aus abgefangenen Briefen und der Kenntnis von seines Kaiser Gemütsverfassung zog er klüglich den Schluss, dass er entweder seinen Kopf wagen und die Fahne der Empörung aufziehen oder die Pläne seiner Feinde durch seine Gegenwart und Unterwerfung zuschanden machen müsse. Mut und das Bewusstsein seiner Unschuld entschieden seine Wahl; seine Leibwache, die Gefangenen und die Schätze wurden sorgsam eingeschifft, und so glückhaft verlief die Reise, dass seine Ankunft in Konstantinopel jeder zuverlässigen Nachricht von seiner Abfahrt aus Karthago zuvorkam. Eine Treue, so ohne jeden Arg, zerstreute alle Besorgnis Justinians, die öffentlich ausgesprochene Dankbarkeit brachte jeden Neid zum Schweigen und – entflammte ihn erneut; dann erhielt der dritte Africanus die Ehre eines Triumphzuges, welches Schauspiel Konstantins Stadt noch nie gesehen hatte und welche das alte Rom seit der Regierungszeit des Tiberius nur den unter glücklichen Auspizien geführten Waffen der Caesaren vorbehalten war Nachdem der Imperatortitel seine ursprüngliche Bedeutung verloren hatte, und die römischen Auspices durch das Christentum verdrängt worden waren (s. la Bleterie, Memoires de l'Academie, Band 21, p. 302-332) konnte ein Triumph mit weniger Inkonsequenz immerhin einer Feldherrn, der Untertan war, zugestanden werden..

Von Belisars Palast bewegte sich der Zug durch die Hauptstraßen zum Hippodrom; und es schien, dass dieser denkwürdige Tag das von Geiserich begangene Unrecht sühnte und Roms Schande auslöschte. Der Reichtum der Völker, Beutestücke einer kriegerischen oder weibischen Pracht, reiche Rüstungen, goldene Throne, die Staatswagen der Vandalenkönigin, das massive Gold- und Silbergerät der königlichen Tafel, der Edelsteinglanz, edelgeformte Statuen und Vasen, der gewichtigere Goldschatz, das heilige jüdische Tempelgefäß, das man nach langer Irrfahrt in der christlichen Kirche zu Jerusalem niedergelegt hatte: alles dies ward zur Schau gestellt. Die edelsten Vandalen boten in langem Zug angewidert ihren hohen Wuchs und ihre männliche Miene dem öffentlichen Gaffen dar. Gelimer schritt langsam voran; er war angetan mit Purpur und bewahrte noch immer königliche Majestät; keine Träne floss aus seinen Augen, kein Seufzer war zu vernehmen. Aber sein Stolz oder seine Frömmigkeit schöpften doch einigen Trost aus den Worten Salomons Wenn denn der Prediger wirklich ein Werk Salomons ist und nicht – wie Priors Gedicht – eine fromme und moralisierende Zusammenstellung einer späteren Zeit, unter seinem Namen und über seine Reue. Letzteres ist die Meinung des gelehrten und freisinnigen Grotius (Opp. Theolog. Band 1, p. 258), und in der Tat umfassen der Prediger und die Sprüche Salomons einen größeren Umfang an Nachdenken und Erfahrung, als man es einem Juden oder König wohl zuschreiben möchte., die er beständig wiederholte: Eitelkeit! Eitelkeit! Alles ist eitel!

Anstelle nun einen Triumphwagen mit vier Pferden oder Elefanten zu besteigen, marschierte der Sieger an der Spitze seiner braven Waffengefährten; er war klug genug, eine für den Untertan zu große Ehre anzunehmen, und er war feinfühlig genug, das abzulehnen, was in der Vergangenheit von den erbärmlichsten Tyrannen beschmutzt worden war. Der Zug betrat das Hippodrom, wurde von Senat und Volk mit lautem Jubelruf begrüßt, und kam endlich vor dem Throne zum Stehen, auf dem Justinian und Theodora saßen, die Huldigung des gefangenen Königs und des siegreichen Helden entgegen zu nehmen. Beide verrichteten die übliche Anbetung, fielen nieder zur Erde und berührten ehrfurchtsvoll den Fußschemel eines Herrschers, der noch niemals ein Schwert gezogen hatte und einer Hure, die auf dem Theater getanzt hatte. Ein wenig sanfte Gewalt war vonnöten, um den halsstarrigen Sinn von Geiserichs Enkel zu biegen; und wenn Belisars Geist auch an Knechtschaft gewöhnt war, so muss er doch insgeheim empört gewesen sein. Unverzüglich ward er zum Konsul für das nächste Jahr ausgerufen, und der Tag seiner Investition war gleichsam eine zweiter Triumphzug. Sein curilischer Sessel wurde von gefangenen Vandalen auf den Schultern getragen, und Stücke aus der Kriegsbeute, goldene Becher und reichgezierte Gürtel wurden großzügig unter das Volk gestreut.

DAS ENDE GELIMERS UND DER VANDALEN

Jedoch, die schönste Belohnung fand Belisar in der getreulichen Erfüllung der Versprechungen, für deren Einlösungen er dem König der Vandalen seine Ehre verpfändet hatte. Zwar, religiöse Skrupel verboten es dem Arianer Gelimer nachdrücklich, die Senatoren- oder Patrizierwürde anzunehmen: aber der Kaiser stellte ihm ein weitläufiges Anwesen in der Provinz Galatien zur Verfügung, auf welches sich der abgesetzte Monarch mit seiner Familie und seinen Freunden zurück zog, seine Tage in Frieden, Überfluss und möglicherweise sogar in Zufriedenheit zu verbringen In Marmontels ›Bélisaire‹ begegnen sich der Monarch und der Eroberer von Afrika, speisen und reden miteinander, ohne sich dabei zu erkennen. Es ist gewiss ein Schnitzer dieses Romanes, dass nicht nur der Held, sondern auch alle, mit denen er so nachdrücklich bekannt war, ihre Augen oder ihr Gedächtnis verloren haben müssen.. Die Töchter Hilderichs wurden mit jener respektvollen Fürsorge behandelt, die ihrem Alter und ihrem Unglück zukam; Justinian und Theodora rechneten es sich zur Ehre an, die weibliche Nachkommenschaft des großen Theoderich zu erziehen und zu bereichern. Die tapfersten der vandalischen Jugend wurde auf fünf Reiterschwadrone verteilt, welche nach ihrem Wohltäter benannt waren und die später im Perserkrieg den Ruhm ihrer Ahnen bewährten.

Aber diese wenigen Ausnahmen – Anerkennung der hohen Geburt oder der Tapferkeit – können nicht das Schicksal eines Volkes erklären, deren Zahl vor einem kurzen und unblutigen Krieg sechshunderttausend Köpfe betrug. Nachdem ihr König und die Edlen in die Verbannung gegangen waren, mochte die willenlose Masse sich ihre Sicherheit erkaufen, indem sie ihrer Religion, ihrer Sprache und ihrem Volkscharakter abschwor; und ihre herabgesunkenen Nachfahren können sich dann mit den afrikanischen Untertanen vermischt haben. Aber selbst in unseren Zeiten, inmitten der Maurenstämme hat ein aufmerksamer Reisender die helle Haut und die langen Flachshaare einer nördlichen Rasse angetroffen Shaw, Travels, p. 56. Da aber schon Prokopios (2,13) von einem Volk im Atlasgebirge redet, das sich durch helle Haut und blonde Haare auszeichne, so kann diese Erscheinung, die sich auch in den peruanischen Anden findet, (Buffon, Band 3, p. 504) ebenso gut der großen Höhe und der Lufttemperatur zugeschrieben werden.; und schon in früheren Zeiten glaubte man, dass gerade die kühnsten Vandalen vor der Macht, ja sogar aus dem Gesichtskreis der Römer geflohen seien, um ihre einsame Freiheit an der Atlantikküste genießen zu können Der Geograph von Ravenna (3,11, p. 129-131, Paris 1688) beschreibt die Mauritania Gaditana (gegenüber Cadiz), ubi gens Vandalorum, a Belisaro devicta in Africa, fugit et numquam comparuit. (Wohin das Volk der Vandalen, in Afrika von Belisar besiegt, geflohen, aber niemals in Erscheinung getreten war.).

Afrika war ihr Land gewesen, nun wurde es ihr Gefängnis; die Hoffnung, ja sogar den Wunsch nach einer Rückkehr an die Wälder nahe der Elbe zu ihren von weniger Unternehmungslust beseelten Stammesgenossen mussten sie aufgeben. Für Feiglinge war es unmöglich, die Hindernisse zu überwinden, welche unbekannte Meere oder feindliche Barbaren vor ihnen aufgetürmt haben mochten; Tapferen war es unmöglich, ihre Blöße und ihre Niederlage vor den Augen ihrer Landsleute zu enthüllen, die verlorenen Königreiche zu benennen und einen Anteil an dem kümmerlichen Erbe einzufordern, auf das sie in besseren Zeiten einmütig verzichtet hatten Eine einzige Stimme hatte widersprochen, und Geiserich entließ die germanischen Vandalen ohne eine offizielle Antwort; doch die afrikanischen Vandalen verlachten seine Umsicht und gaben sich den Anschein, die Armut ihrer Wälder zu verachten. (Prokopios, Vand. 1,22).

In der Gegend zwischen Elbe und Oder werden mehrere volkreiche Ortschaften der Lausitz von Vandalen bewohnt; sie pflegen bis heute ihre Sprache, ihre Sitten und bewahren die Reinheit ihres Geblütes, ertragen mit einiger Ungeduld das Joch Preußens und dienen in geheimer und freiwilliger Treue dem Nachkommen ihres alten Königs, der sich in Status und Auftreten in nichts von dem geringsten seiner Untertanen unterscheidet Aus dem Munde des Großen Kurfürsten (1687) beschreibt Tollius das heimliche Königtum und den renitenten Geist der brandenburgischen Vandalen, die fünf- bis sechstausend Krieger und einige Kanonen stellen konnten, usw. (Itineraria Hungaria, p. 42 bei Dubos, Hist. de la Monarchie Francoise, Band 1, p. 182f) Die Aufrichtigkeit nicht des Kurfürsten, sondern von Tollius kann mit Recht in Zweifel gezogen werden.. Der Name dieses Volkes und sein unglückliches Schicksal könnten einen Hinweis liefern auf die gemeinsame Abkunft mit Afrikas Eroberern, aber ihre slavonische Mundart weist sie deutlich als die letzten Nachkommen der neueren Kolonien aus, welche auf die alten Vandalen folgten, die schon zu Prokops Zeiten zerstreut oder untergegangen waren Prokop tappt völlig im Dunkeln (»weder eine Erinnerung noch ein Name hat sich bis zu mir gerettet«.) Unter der Regierung Dagoberts (630) grenzten die slavonischen Stämme der Sorben und Veneder an Thürigen. (Maskow, Gesch. dert Germanen, 15, 3-5).

DIE MAUREN – IHRE SITTEN, IHR UNTERGANG

Wäre Belisar versucht gewesen, in seiner Treue schwankend zu werden, so würde er vielleicht sogar dem Kaiser die unerlässliche Pflicht vorgestellt haben, Afrika von einem Feinde, furchtbarer noch als die Vandalen, zu erretten. – Der Ursprung der Mauren liegt im Dunkeln: die Buchstabenschrift war ihnen unbekannt Sallust dient uns die Mauren als ein Überbleibsel der Armee des Herkules an. (de Bello Jug. 21), und Prokopios (Vand 2,10) als die Nachkommen der Kanaanäer, die vor dem Räuber Josua geflohen waren. Auch führt er zwei Säulen mit einer phönizischen Inschrift an. Die Säulen will ich glauben, die Inschrift bezweifle und den Stammbaum verwerfe ich.. Ihre Grenzen sind nicht genau anzugeben, ein unbegrenztes Land stand den libyschen Schafhirten offen; Jahreszeiten und Weideland bestimmten ihre Wege; und ihre rohen Hütten und kunstlos gefertigten Gerätschaften wurden mit der gleichen Mühelosigkeit mitgeführt wie die Waffen, die Familien und die Schafs-, Rinder- und Kamelherden Vergil (Georgica 3,339) und Pomponius Mela (1,8) beschreiben das halbnomadische Leben der afrikanischen Hirten, das denen der Araber und Tartaren recht ähnlich ist. Und Shaw ist der beste Kommentator des Dichters und des Geographen.. Als Rom auf der Höhe seiner Macht war, beobachteten sie respektvollen Abstand zu Karthago und zur Küste; unter der schwachen Herrschaft der Vandalen brachen sie in die numidischen Städte ein, besetzten die Küste zwischen Tanger und Caesarea und schlugen ungestraft ihre Lager in den fruchtbaren Weiden der Provinz Byzakium auf. Erst Belisars furchtbare Stärke und seine geschickte Verhandlungsführung sicherte die Neutralität der maurischen Fürsten, deren Selbstgefälligkeit danach strebte, die Insignien ihrer königlichen Würde in Kaiser's Namen zu empfangen. Diese Insignien waren üblicherweise ein Szepter, eine Krone oder Mütze, ein weißer Umhang, eine figurengeschmückte Tunika und Pantoffeln, alles mit Gold und Silber ausgeziert; auch waren diese Edelmetalle in Form von Münzen unverächtlich. (Prokop, Vand. 1,25) Belisars rascher Vormarsch erstaunte sie, und sie bebten bei der Annäherung des Siegers. Aber seine bevorstehende Abfahrt milderte schon bald die Sorgen dieses wilden und abergläubischen Volkes; ihre Vielweiberei ermöglichte es ihnen sogar, die Sicherheit ihrer als Geiseln ausgelieferten Kinder zu vernachlässigen; und da der römische Feldherr im Hafen von Karthago die Segel setzen ließ, hörte er das Geschrei und sah fast die Flammen der verheerten Provinz.

Dennoch blieb er bei seinem Entschluss, ließ nur einen kleinen Teil der Wache zurück, die schwachen Garnisonen zu stärken und vertraute den Befehl über Afrika dem Eunuchen Salomo Zur Kriegsführung und Verwaltung Salomos sehe man Prokop (Vand. 2, 10-13; 19f.). Er wurde zurückbeordert und erneut eingesetzt; sein letzter Sieg datiert aus dem 13. Regierungsjahr Justinians (539) Ein Zufall hatte in seiner Kindheit zu einem Verschnittenen gemacht (1,11) Die anderen römischen Feldherren waren Bartträger. an, der sich in der Tat als ein würdiger Stellvertreter Belisars erwies. Beim ersten Einmarsch wurden allerdings zwei Abteilungen und zwei bewährte Befehlshaber überfallen und niedergemacht; Salomon aber zog in Eile seine Truppen zusammen, marschierte von Karthago in das Landesinnere und rieb in zwei Schlachten sechzigtausend Barbaren auf. Die Mauren hingen ganz von ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit ab, von ihrer Behändigkeit und dem uneinnehmbaren Gebirge, auch soll der Anblick und der Geruch ihrer Kamele unter der römischen Pferden einige Verwirrung gestiftet haben Diese natürliche Antipathie von Pferden gegen die Kamele wird von den Alten mehrfach bestätigt (Xenophon, Cyropaid. 6, p. 438; 7, 483, 492. Polyaen, Stratagem. 7,6; Plinius, Nat. Hist. 8,26; Aelian, de nat. Annal. 3,7) . Aber die tägliche Erfahrung widerlegt sie, und die besten Kenner, die Orientalen, lachen nur darüber. (Voyage de Olearius, p. 553). Sobald sie aber den Befehl zum Absitzen erhalten hatten, verlachten sie dieses verächtliche Hindernis: sobald aber die Marschsäulen hügelaufwärts rückten, brachten die blinkenden Waffen und die regelmäßigen Schwenks die nackten und ungeordneten Haufen zum Stutzen; und wieder erfüllten sich die drohenden Prophezeiungen ihrer Wahrsagerinnen, dass die Mauren von einem Bartlosen sollten besiegt werden.

Der Eunuch rückte siegreich dreizehn Tagesetappen von Karthago vor, um den Berg Aurasius Prokopios ist der erste, der das Gebirge Aurasius beschreibt. (Vand. 2,13; de Aedific. 6,7). Vgl. Marmol (2, p. 430), Shaw, (p. 56-59) und Leo, der Afrikaner (dell Africa, Teil 5, in: Ramusio Band 1, fol. 77). einzukesseln, welcher die Festung und zugleich der Garten Numidiens ist. Diese Hügelkette, ein Ausläufer des Atlasgebirges, enthält in einem Umkreis von 120 Meilen eine seltene Mannigfaltigkeit von Böden und Klimaten; die Täler und Hochebenen sind reich an üppigen Weiden, nie versiegenden Flüssen und Früchten, köstlich an Geschmack und erstaunlich an Größe. Diese liebliche Einsamkeit schmückt sich mit den Ruinen von Lambesa, einer römischen Stadt, die vormals Garnison für eine Legion war und vierzigtausend Bewohner zählte. Der ionische Äskulaptempel ist von den Hütten der Mauren umstellt, und in der Mitte des Amphitheaters grast im Schatten korinthischer Säulen das Vieh. Ein schroffer, senkrecht abfallender Felsen erhebt sich über die waagerechte Ebene des Gebirges, wo die Fürsten Afrikas ihre Weiber und anderen Schätze verwahren. Ein bekanntes arabisches Sprichwort sagt, ein Mann, der es wagt, die rauen Klippen und kriegerischen Eingeborenen des Aurasius anzugreifen, könne ebenso gut Feuer fressen.

Zweimal wagte der Verschnittene Salomon dieses kühne Unternehmen; vom ersten kehrte er mit mancherlei Blessuren zurück; beim zweiten Male erschöpften sich fast seine Vorräte und seine Geduld; und er hätte sich wohl auch dieses Mal zurückgezogen, wenn er nicht der drängenden Tapferkeit seiner Truppe nachgegeben hätte, welche zum großen Erstaunen der Mauren den Berg, das feindliche Lager und die Spitze des Geminischen Berges tollkühn erklommen. Danach wurde eine Festung angelegt, mit der die Eroberung gesichert und bei den Barbaren die Erinnerung an ihre Niederlage wach gehalten wurde. Und da Salomon seinen Marsch nach Westen fortsetzte, wurde das mauretanische Sitifi, die längst verlorene Provinz, dem römischen Reich neuerlich einverleibt. – Der maurische Krieg dauerte nach Belisars Abreise noch einige Jahre fort, aber die Lorbeeren, die er einem getreuen Unterfeldherren überließ, kann man mit Recht auch seinen Triumphen zurechnen.

NEUTRALITÄT DER WESTGOTEN

Die Erfahrungen aus früheren Fehlern können zuweilen das fortschreitende Alter von Individuen bessern, sind aber untauglich für aufeinander folgende Menschengeschlechter. Die Völker der Alten, unbesorgt um die Sicherheit des jeweils anderen, wurden von den Römern einzeln besiegt und in die Bande der Sklaverei geschlagen. Dese schmerzlichen Lektionen hätten die Barbaren des Westens veranlassen können, sich rechtzeitig und mit einem gemeinsam geplanten Waffenbündnis Justinians ungebremsten Expansionsgelüsten entgegen zu stellen. Aber der Fehler wurde wiederholt, dieselben Folgen durchlitten, und die Goten Spaniens und nicht minder Italiens sahen mit Gleichmut, vielleicht sogar heimlicher Freude den jähen Untergang der Vandalen zu, von der eigenen Gefahr nichts ahnend. Nach dem Erlöschen des königlichen Hauses bestieg Theudes, ein tapferer und mächtiger Häuptling den spanischen Königthron welchen er schon früher in Theoderichs und seines unmündigen Enkels Namen verwaltet hatte. Unter seinem Kommando belagerten die Westgoten die afrikanische Küstenfestung Ceuta. Als sie aber einen Sonntag in Frieden und Anbetung zubrachten, wurde die fromme Zuversicht ihres Lagers durch einen städtischen Ausfall aufgeschreckt; und selbst der König entkam nur mit genauer Not und Gefahr den Händen seines frevlerischen Feindes Isidor, Chron p. 722, ed Groth. Mariana, Hist. Hispan. 5,8, p. 173. Nach Isidor fand die Belagerung von Ceusa jedoch 548 statt, in welchem Jahre auch Theudes starb. Auch wurde der Platz nicht von den Vandalen verteidigt, sondern von der Römern.. Doch seine Rache- und Schamgefühle wurden schon bald durch das Eintreffen einer Bittgesandtschaft Gelimers ruhiggestellt, welcher in seiner Not die Hilfe des spanischen Monarchen erflehte. Doch anstelle diese kindischen Gelüste der Großmut und einer höheren Vernunft zu opfern, hielt Theudes die Gesandten solange hin, bis geheime Nachricht über den Fall Karthagos bei ihm einliefen, und entließ sie mit dem dunklen und verächtlichen Ratschlag, in ihrer Heimat genaue Erkundigungen über den Zustand der Vandalen einzuziehen Prokopios, Vand. 1,24..

EROBERUNGEN DER RÖMER IN SPANIEN 550 – 620

Die lange Dauer des italienischen Krieges verzögerte die Bestrafung der Westgoten, und König Theudes schloss die Augen, noch bevor er die Folgen seiner fehlgeleiteten Politik spüren konnte. Nach seinem Tode wurde über das Szepter Spaniens in einem Bürgerkrieg entschieden. Der schwächere Kandidat suchte die Hilfe Justinians und unterzeichnete aus Machtbegier einen Bündnisvertrag, welcher die Unabhängigkeit und das Wohlergehen des Landes zutiefst verletzte. Mehrere Städte am Mittelmeer und am Atlantik wurden der römischen Armee überlassen, welche sich hinterher weigerten, diese Pfänder für Sicherheit oder für Bezahlung wieder herauszugeben. Und da sie laufend durch Zufuhr aus Afrika verstärkt wurden, blieben sie in ihren uneinnehmbaren Stellungen zu dem unheilvollen Zweck, die politischen oder religiösen Faktionsbildungen der Barbaren voranzutreiben. Siebzig Jahre mussten vergehen, bevor dieser schmerzhafte Dorn aus dem Schoße der Monarchie entfernt werden konnte, und solange die Kaiser irgendeinen Anteil an diesen fernen und sinnlosen Besitzungen hatten, mochten sie sich in ihrer Eitelkeit weismachen, dass Spanien noch immer in der Liste ihrer Provinzen und die Nachfolger Alarichs in der ihrer abhängigen Vasallen geführt wurden Siehe die Originalchronik des Isidor und das 5. und 6. Buch von Marianas spanischer Geschichte. Die Römer wurden schließlich durch den Westgotenkönig Suintila vertrieben (621-626), nachdem sie sich zur katholischen Kirche bekannt hatten..

BELISAR BEDROHT DIE OSTGOTEN IN ITALIEN – 534

Der Irrtum der Ostgoten, die Italien beherrschten, war nicht so leicht zu entschuldigen wie der ihrer Brüder in Spanien, und die Strafe erfolgte prompt und gnadenlos. Wegen einer persönlichen, privaten Rache setzten sie ihren gefährlichsten Feind in die Lage, ihren nützlichsten Verbündeten zu vernichten. Eine Schwester von Theoderich dem Großen war mit dem afrikanischen König Thrasimund Zur Hochzeit und dem weiteren Schicksal der Amalafrieda siehe Prokop, (Vandal. 1, 8f.) und bei Cassiodor (Var. 9,1) die Vorwürfe ihres königlichen Bruders. Vgl. auch die Chronik des Victor Tunnensis. die Ehe eingegangen: bei dieser Gelegenheit hatte man die Festung Lilybäum Lilybaeum war von den Karthagern (Ol. 95,4) erbaut worden; im ersten Punischen Krieg wurde sie, fast uneinnehmbar und mit einem vorzüglichen Hafen ausgestattet, zu einem wichtigen Kriegsobjekt für beide Völker. auf Sizilien den Vandalen abgetreten, und die Prinzessin Amalafrida wurde von einem kriegerischen Gefolge von tausend Edlen und fünftausend Kriegern geleitet, deren Tapferkeit sich auf den Feldzügen gegen die Mauren bewährt hatte. Sie selbst schätzten ihre Verdienste möglicherweise zu hoch und die der Vandalen zu gering ein; mit Neid blickten sie auf das Land und mit Verachtung auf die Vandalen. Ihrer wirklichen oder auch nur erdichteten Verschwörung kam ein Gemetzel zuvor: die Goten wurden schier erdrückt, Amalafrida wurde eingekerkert und starb bald darauf unter geheimnisvoll-verdächtigen Umständen. Es wurde sogar die beredte Feder des Cassiodor bemüht, um den Hof der Vandalen jedweder Verletzung gesellschaftlicher oder völkerrechtlicher Pflichten zu zeihen. Die Rache, mit der er im Auftrage seines Königs drohte, konnte man indessen ungestraft verlachen, solange die Goten keine Flotte hatten.

In ohnmächtigem Schmerz und Zorn begrüßten sie freudig die Annäherung der Römer, versorgten Belisars Flotte in Siziliens Häfen und wurden schon bald durch die überraschende Nachricht, dass nämlich ihre Rache über das Maß ihrer Hoffnungen, ja sogar ihrer Wünsche sich erfüllt habe, höchlich erfreut oder in Besorgnis versetzt. Ihrer Freundschaft hatte der Kaiser das Königreich Afrika zu verdanken, und so mochten die Goten mit gutem Grund annehmen, dass sie einen Besitzanspruch auf einen nackten Felsen hätten, der erst vor kurzer Zeit als Hochzeitsgeschenk von Sizilien abgetrennt worden war. Sie wurden jedoch schnell durch Belisars hochmütigen Bescheid abgefertigt, wodurch spät und nutzlos ihre Reue hervorgerufen wurde. »Stadt und Vorgebirge Lilybäum,« so Belisar, »waren das Eigentum der Vandalen, und mit dem Recht der Sieger beanspruche ich sie jetzt für uns. Eure Unterwürfigkeit kann die Gnade des Kaisers verdienen, eure Widersetzlichkeit wird sein Missfallen hervorrufen und muss einen Krieg herbeiführen, der notwendig mit eurem Untergang enden muss. Wenn ihr uns zwingt, die Waffen zu ergreifen, werden wir jedenfalls nicht um den Besitz einer einzigen Stadt kämpfen, sondern um alle die Provinzen, die ihr unrechtmäßig ihrem wahren Besitzer vorenthaltet.« Eine Volk mit zweihunderttausend waffenfähigen Kriegern hätten zu diesem leeren Gefuchtel Justinians und seines Oberfeldherren allenfalls gelächelt, aber in Italien herrschte der Geist der Zwietracht und Abneigung, und sauer war den Goten insonders das Beschämende einer weiblichen Regierung Vergleiche hierzu die unterschiedlichen Abschnitte bei Prokopios (Vandal. 2,5 und Got. 1,3).

REGIERUNG UND TOD VON AMALASUNTHA, DER KÖNIGIN VON ITALIEN 522 – 534

In die Abstammung der Amalasuntha, der Königin von Italien Zu Regirung und Charakter der Amalasuntha siehe Prokopios 1,2-4 und die Anekdota 16 nebst den Anmerkungen von Alemannus), Cassiodor (Var. 8ff.) und Jordanes (De rebus Get. 59 und de Succes. Regnorum in Muratori, Band 1, p. 241), waren die zwei angesehensten Barbaren-Familien Italiens involviert. Ihre Mutter, eine Schwester Chlodwigs, stammte aus dem Hause der langhaarigen Merowinger-Könige Die Hochzeit des Theoerich mit Audefleda, Chlodwigs Schwester, muss man in das Jahr 595 verlegen, bald nach der Eroberung Italiens (Buat, Hist. des Peuples, Band 9, p 213) Die Hochzeit von Eutharich mit Amalasuntha fand 515 statt (Cassiodor, in Chron. P. 453)., und das königliche Geschlecht der Amaler war in der elften Generation umstrahlt vom Glanze ihres Vaters, des großen Theoderich, dessen Verdienste auch eine plebejische Herkunft veredelt hätten. Das Geschlecht schloss seine Tochter vom Thron der Goten aus, aber die aufmerksame Zuneigung zu seiner Familie und seinem Volk machte schon bald den letzten Erben des königlichen Hauses ausfindig, dessen Vorfahren sich nach Spanien geflüchtet hatten, und so wurde der freudig überraschte Eutharich unvermittelt in den Rang eines Konsuls und Fürsten erhoben. Indessen, nur kurz erfreute er sich der Liebreize von Amalasuntha und der Hoffnung auf die Thronfolge; nach dem Tode ihres Gatten und ihres Vaters blieb die Witwe Vormund ihres Sohnes Athalarich und Verweserin des italienischen Königreiches. In ihrem achtundzwanzigsten Jahre waren ihre Geistesgaben und ihre Persönlichkeit zu voller Reife gediehen. Ihre Schönheit, die selbst nach Theodoras Dafürhalten der Eroberung durch einen Kaiser Argumente geliefert hätte, war durch männliches Denken, Handeln und Willensstärke ausgezeichnet. Erziehung und Kultur hatten ihre Talente geformt; ihre philosophischen Studien waren kein gekehrter Müßiggang; und obgleich sie sich in der lateinischen, griechischen und gotischen Sprache mit je und je gleicher Eleganz auszudrücken verstand, beobachtete Theoderichs Tochter in Ratsversammlungen stets ein klug kalkuliertes und undurchdringliches Stillschweigen.

Durch getreuliches Nachleben der väterlichen Tugenden ließ sie das Glück seines Regimentes wieder aufleben; indes sie zugleich die Fehler seiner sich neigenden Jahre mit frommer Genauigkeit abzutragen und dunkle Flecken zu entfernen bemüht war. Die Kinder des Boëthius und Symmachus setzte sie wieder in ihr väterliches Erbteil ein, ihre stark entwickelte Sanftmut gab niemals zu, dass ihren römischen Untertanen irgendwelche Geld- oder Leibesstrafen auferlegt wurden; und erhabenen Sinnes verachtete sie den Lärm ihrer gotischen Untertanen, welche auch nach fast vierzig Jahren nicht aufhörten, die Bewohner Italiens als ihre Feinde und Sklaven zu betrachten. Ihre besonnenen Maßregeln wurden durch Cassiodors Weisheit vorgegeben und durch seine Beredsamkeit gerühmt; sie suchte und fand die Freundschaft des Kaisers, und auch Europas Königreiche respektierten im Frieden wie im Kriege die Majestät des gotischen Thrones.

Aber Italiens und der Königin künftiges Glück hing entschieden von der Erziehung ihres Sohnes ab, welchem es qua Geburt vorbestimmt war, die unterschiedlichen und eigentlich unvereinbaren Aufgaben des Häuptlings eines Barbarenlagers und die des ersten Dieners einer Kulturnation zu übernehmen. Von seinem zehnten Lebensjahr an wurde Athalerich Zum Zeitpunkt des Todes von Theoderich wird sein Enkel Athalarich von Prokop als achtjähriger Knabe beschrieben. Cassiodor fügt mit guten Gründen noch zwei Jahre hinzu »infantulum adhuc vix decennem.« (...den Knaben, damals knapp zehn Jahre alt...) sorgsam in allen Künsten und Wissenschaften ausgebildet, die für einen römischen Fürsten nützlich oder wenigstens ehrenhaft sein konnten; und außerdem waren drei ehrwürdige Goten ausgesucht, dem Jungkönig die Grundbegriffe von Ehre und Tugend in die Seele zu senken. Aber ein Schüler, der die Wohltaten der Erziehung nicht begreift, muss ihr Joch verabscheuen. Und so kränkte die erzieherische Sorgfalt der Königin, welche die Liebe bekümmert und streng gemacht hatte, den unlenksamen Sinn ihres Sohnes und ihrer Untertanen.

Als bei einem prunkvollen Fest die Goten sich im Palast von Ravenna versammelt fanden, entschlüpfte der königliche Knabe aus den Gemächern seiner Mutter und führte unter Tränen des beleidigten Stolzes und des Zornes bittere Klage über einen Schlag, den seine Mutter ihm wegen seines bockigen Ungehorsams zu versetzen provoziert worden war. Unwillen empfanden daraufhin die Barbaren ob des Schimpfes, der ihrem König geschehen, ziehen die Reichsverweserin der Verschwörung gegen Leben und Krone und verlangten gebieterisch, dass Theoderichs Enkel von der weichlichen Zucht der Pedanten und Weiber erlöst und wie ein braver Gote in der Gesellschaft von Gleichen und in der gloriosen Ahnungslosigkeit der Altvordern aufgebracht werde. Amalasuntha sah sich genötigt, diesem Gegröle, das sich darüber hinaus auch noch als die Stimme des Volkes gegen sie gebärdete, ihre Vernunft und Herzenswünsche zu opfern. Man überließ den König Italiens also dem Wein, den Weibern und rustikalen Belustigungen, und die gedankenlose Verachtung des undankbaren Jungen verriet die heillosen Pläne seiner Günstlinge und ihrer Feinde. Zu Hause von Gegnern umstellt, trat sie in Geheimverhandlungen mit Kaiser Justinian ein, erhielt die Zusicherung freundschaftlicher Aufnahme und hatte wirklich zu Dyracchium im Epirus einen Schatz von vierzigtausend Pfund Gold hinterlegt. Es hätte sich glückhaft auf ihren Nachruhm und ihre Sicherheit ausgewirkt, wenn sie sich in aller Stille von den barbarischen Faktionskriegen zu dem friedlichen Glanz des Hofes zu Konstantinopel zurückgezogen hätte.

Aber Amalasunthas Herz glühte vor Rachsucht und Ehrgeiz; und während ihre Schiffe noch im Hafen vor Anker lagen, wartete sie auf den Ausgang eines Verbrechens, dessen Gelingen ihr Zorn als einen Akt der Gerechtigkeit entschuldigte oder begrüßte. Drei ihrer gefährlichsten Gegner waren einzeln unter dem Vorwand eines wichtigen Kommandos und Auftrages an die Grenzen Italiens abgefertigt worden: sie wurden von Amalasunthas privaten Emissären ermordet, und das vergossene Blut dieser Edlen machte die Königin-Mutter zur unumschränkten Herrscherin am Hof zu Ravenna, lenkte aber auch den gerechten Volkszorn auf sie. Sie hatte die Irrungen ihres Sohnes beklagt, bald musste sie seinen unwiderruflichen Verlust beweinen, und der Tod Athanerichs, der in seinem sechzehnten Jahr wegen seiner vorzeitigen Unmäßigkeit gestorben war, ließ sie zurück, ohne jede feste Stütze und ohne irgendeine rechtliche Handhabe. Anstelle sich nun aber den Gesetzen ihres Landes zu unterwerfen, in dem die unumstößliche Maxime galt, dass die Thronfolge niemals von der Lanze auf die Spindel übergehen könne, verfiel die Tochter Theoderichs auf den undurchführbaren Plan, den Königstitel mit einem ihrer Vettern zu teilen und in ihrer Hand die oberste Macht vorzubehalten.

IHRE VERBANNUNG UND IHR TOD 30. APRIL 535

Dieser nahm den Vorschlag mit tiefer Ehrfurcht und erheuchelter Dankbarkeit an; der allzeit beredte Cassiodor kündete dem Senat und dem Kaiser, dass Amalasuntha und Theodatus Italiens Thron bestiegen hätten. Seine Geburt (seine Mutter war die Schwester Theoderichs) mochte als ein unvollkommener Rechtstitel angesehen werden; aber die Wahl Amalasunthas war hauptsächlich auf ihn gefallen, weil sie seine Habgier und seinen Kleinmut verachtete, die ihn auch die Zuneigung der Italiener und den Respekt der Barbaren gekostet hatte. Theodatus aber wurde durch die Verachtung, die er sich doch ehrlich verdient hatte, verbittert: ihr Gerechtigkeitssinn hatte die Unterdrückung, die er gegen seine toskanischen Nachbarn übte, getadelt und abgestellt. Die vornehmsten Goten jedoch, vereint mit ihm durch gemeinsame Schuld und Rachegelüste, verschworen sich, seine untätige und furchtsame Wesensart zu befeuern. Die Glückwunschschreiben waren noch nicht abgeschickt, als die Königin von Italien auch schon auf einer kleinen Insel im Bolsena-See Der See wurde nach zwei etrurischen Nachbarstädten Vulsiensis (heutiges Bolsena) oder Tarquiniensis genannt. Er ist von weißen Felsen umschlossen und reich an Fisch und Wassergeflügel. Plinius d.J. (2,96) rühmt zwei bewaldete, schwimmende Inseln: ist's eine Fabel: wie naiv sind doch die Alten; ist's eine Tatsache: wie unachtsam die Jetztzeit! Aber natürlich kann die Insel seit Plinius durch neuen und langsamen Zuwachs befestigt worden sein. gefangen gesetzt und nach kurzer Gefangenschaft erwürgt wurde, und zwar mit stillschweigender Einwilligung oder auf ausdrücklichen Befehl des neuen Königs, welcher dadurch seine unruhigen Untertanen Königsblut zu vergießen lehrte.

BELISAR BEKRIEGT UND UNTERWIRFT SIZILIEN 31. DEZEMBER 536

Justinian sah die Zwietracht unter den Goten mit Lust; auch nützte und verbarg seine freundschaftliche Vermittlung zugleich seinen eigenen, machtgeleiteten Eroberungsplänen. Seine Gesandten verlangten in öffentlichen Auftritten die Feste Lilybaeum, die Auslieferung von zehn barbarischen Deserteuren und eine angemessene Entschädigung für die Plünderung eines Dorfes nahe der illyrischen Grenze; insgeheim aber verhandelten sie mit Theodatus über eine illegale Übergabe der Toskana und beredeten Amalasuntha, sich aus Gefahr und Intrige zu befreien, indem sie das Königreich Italien aus freien Stücken übergab. Widerstrebend unterzeichnete die gefangene Regentin ein gefälschtes und unterwürfiges Schreiben; aber zu Konstantinopel enthüllten die Bekenntnisse der abgesandten römischen Senatoren ihre verzweifelte Lage; und so verwandte sich Justinian durch die Stimme eines neuen Botschafters nachdrücklich für ihr Leben und ihre Freiheit. Indessen: die geheimen Anweisungen, die derselbe Gesandte erhalten hatte, waren darauf angelegt, Theodoras gnadenlose Eifersucht zu bedienen, welche die intellektuelle Überlegenheit und die Schönheit dieser Rivalin zu fürchten hatte. So beförderte er durch listenreiche und mehrdeutige Hinweise die Durchführung eines Verbrechens, welches ausschließlich den Römern nützlich sein konnte Inzwischen jedoch diskreditiert Prokopios seine eigene Glaubwürdigkeit (Anec. 16) durch das Eingeständnis, in seiner öffentlichen Geschichte von der Wahrheit abgewichen zu sein. Siehe die Briefe der Königin Gundelina an die Kaiserin Theodora (Var 10, 20ff.) und das verdächtige Wort ›de illa persona‹ (über jene (w.) Person) nebst dem ausführlichen Kommentar des Buat. (Band 10, p- 177-185); nahm die Nachricht ihres Todes mit Schmerz und Empörung zur Kenntnis und verkündete im Namen seines Herren ewigen Krieg gegen den Mörder.

In Italien ebenso gut wie in Afrika schien die Schuld des Thronräubers Justinians Angriff zu rechtfertigen; doch die Streitkräfte, die er rekrutieren ließ, wären zur Unterwerfung eines mächtigen Königreiches unzureichend gewesen, wenn nicht der Namen, der Mut und die Maßnahmen eines Helden ihre dürftige Zahl gleichsam vervielfältigt hätten. Eine Gardeelite zu Pferde, bewaffnet mit Lanze und Schild, geleitete Belisar; die eigentliche Reiterei bestand aus 200 Hunnen, 300 Mauren und 4000 Verbündeten ( confoederati), wozu noch 3000 Mann isaurische Infanterie kamen. Er nahm den gleichen Kurs wie bei seinem früheren Feldzug, ließ vor Catanea auf Sizilien ankern, um zunächst die Stärke der Insel zu erkunden und dann zu entscheiden, ob er die Eroberung wagen oder seine Fahrt nach Afrika in Frieden fortsetzen solle. Er fand das Land fruchtbar und die Bevölkerung freundlich gesinnt. Des Niederganges der Landwirtschaft ungeachtet versorgte Sizilien nach wie vor Roms Getreidespeicher. Die Bauern waren von dem Druck militärischer Einquartierungen huldvoll befreit, und die Goten, die die Verteidigung der Insel ihren Bewohnern anvertrauten, hatten immer wieder Grund zur Klage, dass ihr Vertrauen mit verräterischem Undank vergegolten werde. Anstatt die Hilfe des italienischen Königs anzurufen und auf seine Hilfe zu warten, liehen sie der ersten Aufforderung zur Unterwerfung ihr Gehör, und so wurde diese Provinz, die allererste Beute der punischen Kriege, nach langer Trennung wieder mit dem römischen Reiche vereint Zur Eroberung Siziliens siehe die Schilderung bei Prokopios und vergleiche Totilas Klage (Goth. 1,5; 3,16). Di gotische Königin hatte diese undankbare Insel erst kurz zuvor unterstützt. (Var. 9, 10f)..

Die gotische Besatzung Palermos probte allein den Widerstand und wurde nach kurzer Belagerung durch eine eigenartige Kriegslist bezwungen. Belisar ließ die Schiffe in den entlegensten Teil der Hafenbucht verholen; dann zog man Boote mühsam mit Tauwerk und Flaschenzügen am Hauptmast empor und besetzte sie mit Bogenschützen, die von dieser hohen Warte aus naturgemäß die Wälle der Stadt beherrschten. Nach diesem leichten und dennoch erfolgreichen Feldzug zog der Eroberer an der Spitze seiner siegreichen Haufen im Triumph in Syrakus ein und streute Goldmünzen unter das Volk genau an dem Tage, der das Jahr seines Konsulates so ruhmreich beendete. Den Winter verbrachte er im alten Königspalast, inmitten der Ruinen einer griechischen Kolonie, welche einstmals einen Umfang von 22 Meilen aufgewiesen hatte Die alte Größe und Prachtentfaltung von Syrakus' fünf Quartieren hat Cicero geschildert (in Verrem, actio 2, Buch 4,52, 53), Strabo (6, p. 415) und d'Orville (Sicula, Band 2, p. 175-202) Die von Augustus wiedererbaute Neustadt verengte sich nach der Insel zu.; im Frühjahr jedoch, zur Zeit des Osterfestes, wurden seine weiteren Pläne durch eine gefährliche Erhebung der afrikanischen Truppen durchkreuzt. Karthago wurde durch Belisars Gegenwart gerettet, welcher mit eintausend Mann Garde gelandet war. Zweitausend Krieger von unbestimmter Treue kehrten zu der Fahne ihres früheren Befehlshabers zurück, und er zog in eiligen Tagesmärschen fünfzig Meilen, um einem Feind zu begegnen, den er zu bemitleiden und zu verachten vorgab. Achttausend Empörer bebten bei seinem Herannahen. Schon beim ersten Zusammenstoß wurden sie durch die Geschicklichkeit ihres Herren in die Flucht geschlagen; und dieser billige Sieg hätte den Frieden in Afrika wieder hergestellt, wäre der Eroberer nicht eilends nach Sizilien zurückberufen worden, um einen Aufruhr zu dämpfen, der in seiner Abwesenheit in seinem Lager ausgebrochen war Prokopios (Vandal. 2,14f.) berichtet von Belisars Rückkehr nach Sizilien so unmissverständlich, dass ich mich über die seltsame Fehldeutung und die Vorhaltungen eines Gelehrten (Oeuvres de la Mothe le Vayer, Band 8, p. 162f.) wundern muss.. Unordnung und Ungehorsam waren in jener Zeit die allgemeine Krankheit, allein Belisars Geist wohnten die Fähigkeit des Befehlens und die Tugend des Gehorchens inne.

REGIERUNG UND UNFÄHIGKEIT DES ITALIENISCHEN GOTENKÖNIGS THEODATUS 534 – 536

Obgleich Theodatus einem Heldengeschlecht entstammte, war er mit der Kriegskunst unvertraut sowie ihren Gefahren abhold. Obwohl er die Schriften von Plato und Cicero studiert hatte, war die Philosophie ein untaugliches Mittel, um seine Seele wenigstens von den niedersten Lastern zu reinigen, der Habgier und der Furcht. Das Szepter hatte er durch Mord und Undank erkauft; schon bei der ersten Drohung eines Feindes entwürdigte er seine eigene Majestät und die seines Volkes, die schon jetzt ihren erbärmlichen Herrscher verachtete. Durch das jüngste Beispiel, Gelimer, aufgeschreckt, sah er sich schon seine Ketten durch Konstantinopels Straßen schleifen. Und das Entsetzen, das ihm der Gedanke an Belisar einflößte, wurde zusätzlich durch die Eloquenz von Peter, des byzantinischen Abgesandten, gemehrt; dieser ebenso dreiste wie durchtriebene Anwalt brachte ihn dazu, einen Vertrag zu unterzeichnen, der zu schimpflich war, um die Grundlage eines dauerhaften Friedens werden zu können. Dieses aber ward ausbedungen: bei Jubelrufen des römischen Volkes sollte der Name des Kaisers stets vor dem des Gotenkönigs erschallen; und wann immer eine Erz- oder Marmorstatue des Theodatus errichtet würde, solle das göttliche Bild des Justinian ihm zur Rechten aufgestellt sein. Statt senatorische Ehren zu verleihen, war es dem König von Italien aufgegeben, um sie nachzusuchen; und die Einwilligung des Kaisers war unabdingbar, bevor der König eine Todesstrafe oder Konfiskation gegen einen Priester oder Senator exekutieren durfte. Den Besitz von Sizilien trat der schwache Monarch auch noch ab, bot als Pfand seiner Abhängigkeit jährlich eine dreihundert Pfund schwere Krone von Gold und versprach auf Verlangen seines Souveräns dreitausend Mann gotische Hilfstruppen zum Dienst am Reiche abzustellen.

Hochzufrieden mit diesen außerordentlichen Zugeständnissen beeilte Justinians glücklicher Geschäftsträger sich, die Heimreise nach Konstantinopel anzutreten. Doch kaum hatte er die albanische Villa Das alte Alba wurde in der Frühzei Roms zerstört. An derselben Stelle, allenfalls in der Nachbarschaft entstanden nachinander: 1: Die Villa des Pompejus; 2: Ein Lager für eine Prätorianerkohorte; 3 Die heutige Bischofsstadt Albanum oder Albano (Prokopios, Goth 2,4; Kluver, Ital Antiq. Band 2, p. 914). erreicht, wurde er auch schon von dem angstbebenden Theodatus zurückgerufen. Das Gespräch, das sich nun zwischen König und Gesandtem entwickelte, verdient, in seiner ursprünglichen Einfalt angeführt zu werden: »Meinst du, der Kaiser wird diesen Vertrag genehmigen?« – » Vielleicht.« – »Wenn er sich weigert, was wird dann die Folge sein?« – » Krieg!« – »Wird ein solcher Krieg gerecht sein und vernünftig?« – » Ganz gewiss. Jedermann muss im Einklang mit seiner Wesensart handeln.« – »Was ist deine Meinung?« – » Du bist Philosoph; Justinian ist der Kaiser der Römer. Es stände einem Schüler Platos übel an, im Kampf um seine persönlichen Interessen das Blut von Tausenden zu vergießen. Der Nachfolger von Augustus aber muss seine Rechte behaupten und er muss durch Waffen seine alten Reichsprovinzen wieder gewinnen.« Diese Schlussfolgerung war nun nicht eben überzeugend, aber sie reichte hin, um den zermürbten Theodatus zu noch mehr beunruhigen und nieder zu halten; und so legte er bald sein letztes Angebot vor, für den armseligen Gegenwert von achtundvierzigtausend Pfund Sterling das Königreich der Goten und Italiener abzutreten und den Rest seiner Tage den unschuldigen Freuden des Landbaus und der Philosophie zu widmen.

Beide Verträge wurden nun den Händen des Gesandten anvertraut auf die fragile Bürgschaft eines Eides, dass er nämlich den letzteren nicht vorzeigen wolle, bevor nicht der erste definitiv verworfen sei. – Der Ausgang war nicht schwer zu erraten. Justinian verlangte die Abdankung des Gotenkönigs und nahm sie anschließend an. Sein unermüdlicher Abgesandter kehrte erneut von Konstantinopel nach Ravenna zurück, mit weitesten Vollmachten versehen; und mit einer wunderschönen Epistel, welche die Weisheit und den Seelenadel des königlichen Philosophen rühmte, ihm eine Apanage zusicherte und solcherlei Ehren, wie sie einem katholischen Untertanen nur immer zuteil werden konnten; und welche die abschließende Vertragsunterzeichnung bis auf die Anwesenheit und das Einverständnis Belisars verschob. Aber während der ungewissen Wartezeit waren zwei römische Feldherren in die Provinz Dalmatien einmarschiert und waren von den Goten besiegt und getötet worden. Aus blinder und erbärmlicher Verzweiflung raffte sich Theodatus jäh auf zu einem haltlosen und verhängnisvollem Übermute Ein Sibyllinischer Spruch war auch zur Hand: Africa capta mundus cum nato peribit: (Ist Afrika erobert, wird die Welt mitsamt dem Sohn vergehen). Ein Ausspruch von einer unglücksverheißenden Mehrdeutigkeit (Gotic 1,7), welcher in unbekannten Schrifttypen von Opsopaeus, einem Herausgeber von Orakelsprüchen, veröffentlicht worden ist. Pater Maltret hat einen Kommentar versprochen, aber alle seine Verheißungen blieben fruchtlos und eitel. und traute sich sogar, dem Botschafter mit Verachtung und Drohungen zu begegnen, da dieser sich auf die Zusage berief, die Huldigung seiner Untertanen nachdrücklich einforderte und kühn die Unverletzlichkeit seiner Gesandtenwürde behauptete. Belisars Herannahen machte diese halluzinierte Keckheit zu Staub, und da der erste Feldzug Prokopios beginnt in seiner Zeitrechnung ähnlich wie Thukydides, die Jahre Justinians und des Gotenkrieges mit dem Frühjahr; seine Zählung fäll mit dem 1.April 535 (nicht 536) nach den Annalen des Baronius zusammen. (Pagi Crit. Band 2, p.555), dem auch Muratori und die Herausgeber des Sigonius folgen. Aber bisweilen haben wir Probleme, die Daten Prokops mit seinen eigenen und mit Marcellinus' Chronik zu harmonisieren. mit der Unterwerfung Siziliens vorüberging, so verlegte Prokopios den Einfall in Italien in das zweit Jahr des Gotenkrieges Den Ablauf des Gotenkrieges bis zur Gefangenname von König Vitiges gibt Prokopios (1,5-29; 2,1-30; 3,1.) Mit Sigonius' Hilfe (Opp. Band 1, de Imp. Occid., 17f.) und der von Muratori habe ich einige wenige Tatsachen aufgetrieben..

BELISAR BRICHT IN ITALIEN EIN – NEAPEL WIRD BESIEGT 537

Nachdem Belisar in Palermo und Syrakus hinreichend mit Garnisonen belegt hatte, schiffte er seine Truppen in Messina ein und landete mit ihnen ungehindert an der gegenüber liegenden Küste bei Rhegium. Ein Gotenfürst – verheiratet mit einer Tochter des Theodatus – hatte hier mit einem Heer Station bezogen, ihm den Zugang nach Italien zu verwehren; aber er zog es bedenkenlos vor, dem Vorbild seines Souveräns zu folgen, der ja auch ohne Skrupel seine Pflichten gegen sich selbst und seinen Staat vergessen hatte. Der perfide Ebermor lief also mit seinen Gefolgsleuten in das römische Lager und ward entlassen, sich am Hof zu Konstantinopel an Sklavenehren zu ergötzen Jorndanes, de Rebus Geticis, 60, p. 702, edit. Grot., und Band 1, p. 221. Muratori, de Success. Regn. p. 241.. Von Rhegium bis Neapel rückten Flotte und Heer Belisars unter beständigem Sichtkontakt fast dreihundert Meilen entlang der Küste vorwärts. Die Einwohner von Bruttium, Lukanien und Apulien, welche die Goten und ihre Religion von Herzen verabscheuten, verfielen auf die speziöse Ausrede, dass ihre verfallenen Mauern für eine Verteidigung leider zu hinfällig seien: gerne bezahlten da die Soldaten einen angemessenen Preis für reichliche Lebensmittelzufuhr; und einzig aus Neugier unterbrachen der Handwerker oder der brave Landmann ihr friedliches Tagwerk.

Neapel, herangewachsen zu einer mächtigen und volkreichen Großstadt, hatte die Gepflogenheiten und die Sprache einer griechischen Kolonie noch lange und treulich beibehalten Nero (sagt Tacitus Ann. 15,33) Neapolim quasi Graecam urbem delegit. (Nero hatte Neapel als eine griechische Stadt gewählt.) Einhundertundfünfzig Jahre später unter Septimius Severus rühmt Philostratus (Icon. 1, p. 763, edit. Olear.) den Hellenismus der Neapolitaner.; und auch Vergil hatte durch seine Wahl diesen lieblichen Ort geadelt, welcher den Freund ruhiger Studien aus Roms Lärm, Gestank und geschäftlichem Unmaß herbeilockte Die Dichter Roms, Vergil, Horaz, Sicilius Italicus und Statius rühmen Neapels Otium (Cluver. Ital. Ant. 4, p. 1149, 1150). Statius unternimmt in einer hübschen Epistel (Sylv. 3, p. 94-98, ed. Markland) den schwierigen Versuch, seine Frau aus Roms Vergnügungen in diesen stillen Ruhesitz zu locken.. Sobald der Platz zu Lande und zu Wasser eingeschlossen war, gewährte Belisar des Abgesandten des Volkes Audienz, welche ihm dahingehend berieten, auf eine seiner Waffen so unwürdige Eroberung zu verzichten, vielmehr dem Gotenkönig im Felde zu begegnen und nach dem Siege als der Herrscher Roms den Huldigungseid der abhängigen Städte entgegen zu nehmen. »Ich bin, wenn ich mit meinen Feinden unterhandle,« erwiderte der Römische Feldherr hohnlächelnd, »eher darauf eingestellt, Ratschläge zu geben als zu empfangen. Indessen halte ich in der einen Hand unvermeidlichen Untergang, in der anderen aber Frieden und Freiheit, so, wie Sizilien sie derzeit genießt.«

Die Ungeduld über den Verzug machte ihn konzessionsbereit und großzügig, und er verbürgte sich mit seiner Ehre für die Einlösung seiner Zugeständnisse: Neapel jedoch war in zwei Faktionen geteilt, und der griechisch-demokratischen hatten ihre Redner eingeheizt, indem sie ihnen mit viel Witz und wenig Wahrheit dartaten, das die Goten ihren Abfall übel aufnehmen würden und dass Belisar selbst ihre Loyalität und Tapferkeit wertschätzen müsse. Jedoch waren diese Beratschlagungen nicht völlig frei von Zwang: die Stadt wurde von achthundert Barbaren beherrscht, deren Frauen und Kinder in Ravenna als Garant für Wohlverhalten festgehalten wurden; und selbst die zahlreichen und wohlhabenden Juden widersetzten sich mit verzweifelten Anstrengungen Justinians Willkürgesetzen. In späteren Zeiten betrug der Umfang von Neapel Diese Messung ließ Roger I nach der Eroberung Neapels (1189) vornehmen, das er zur Hauptstadt seines neuen Reiches machte (Giannone, Istoria civile Band 2, p. 169). Diese Stadt, die dritte in der europäischen Christenheit, hat heute wenigstens 12 Meilen im Umfang (Jul. Caesar Cappaccii, Hist. Neapol. 1, p. 47), und enthält mehr Einwohner (350.000) in einem vorgebenen Raum als irgend ein anderer Ort in der bekannten Welt. nur 2363 Schritte Keine geometrischen, sondern die bürgerlichen Schritte von 22 französischen Zoll (D'Anville, Mesures Itineraires p. 7,8); die 2363 sind noch nicht eine englische Meile.: die Festungsanlagen wurden durch senkrechte Abhänge oder die offene See geschützt.; hätte man die Wasserleitungen unterbrochen, dann hätte man aus Brunnen oder Quellen schöpfen können; und die Lebensmittelvorräte hätten hingereicht, die Geduld der Belagerer zu ermatten. Nach zwanzig Tagen jedenfalls war die von Belisar nahezu aufgezehrt, und er begann sich mit der Schimpfierung abzufinden, dass er die Belagerung wohl aufheben müsse, um noch vor Wintereinbruch gegen Rom und den Gotenkönig vorzurücken.

Aber die kühne Neugierde eines Isauriers überhob ihn dieser Sorgen; er hatte den trockengelegten Kanal eines Aquäduktes ausgespäht und meldete insgeheim, dass man einen Tunnel durchbrechen und so eine Anzahl bewaffneter Krieger in das Stadtinnere einlassen könne. Als das Werk in aller Stille vollendet war, hätte der menschenfreundliche Feldherr sein Vorhaben durch eine letzte – fruchtlosen – Warnung vor einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr fast verraten. Doch so stiegen im Dunkel der Nacht vierhundert Römer in das Aquädukt, kletterten mittels eines an einem Ölbaum verknoteten Seiles in das Haus oder den Garten einer einsam lebenden alten Frau, gaben das Trompetensignal, überrumpelten die Torwachen, verschafften ihren Gefährten den Zugang, welche nun allerorten die Mauern überwanden und die Stadttore aufbrachen. Jedes Verbrechen, welches in Zivilgesellschaften mit schweren Strafen bedroht ist, wurde hier als Kriegsrecht ausgeübt; besonders die Hunnen waren ragten hervor durch Grausamkeit und Kirchenplünderung, und einzig Belisar erschien in den Straßen und Kirchen Neapels, um den Kalamitäten zu steuern, die er hatte kommen sehen.

»Gold und Silber«, so schrie er immer wieder, »sind die Belohnungen, die euch für eure Tapferkeit zustehen. Aber schont die Einwohner, es sind Christen, sie flehen um Gnade, sie sind ab jetzt eure Mituntertanen. Gebt die Kinder ihren Eltern zurück und die Frauen ihren Männern und zeigt ihnen durch eure Großmut, was für Freunde sie durch ihre Sturheit verloren haben.« Tatsächlich wurde die Stadt durch die edle Gesinnung und die Autorität ihres Eroberers gerettet Papst Silverius rügte Belisar wegen dieses Blutvergießens. Dieser besiedelte Neapel neu und legte Kolonien mit afrikanischen Gefangenen in Sizilien, Kalabrien und Apulien an. (Hist. Misc.16, in: Muratori, Band 1, p. 106f.), und als die Neapolitaner in ihre Häuser zurückkehrten, fanden sie ein wenig Trost durch die Freude an ihren verborgenen Schätzen. Die Garnisonsbesatzung aus Barbaren trat in kaiserliche Dienste; Apulien und Kalabrien, die endlich von der verhassten Anwesenheit der Goten befreit war, erkannte seine Oberherrschaft an, und die Hauer des kalydonischen Ebers, die man immer noch in Benevent beschauen kann, hat Belisars Historiker mit Genauigkeit beschrieben Beneventum wurde von Diomedes, dem Neffen von Meleager erbaut. (Cluv. Band 2, p. 1195f). Die Kalydonische Jagd ist die Darstellung des Lebens von Wilden (Ovid, Metamorph. 8). Dreißig oder vierzig Helden verbündeten sich zur Jagd auf einen Eber. Die Tiere (nicht der Eber) stritten mit der Frau um den Kopf..

WITIGES KÖNIG VON ITALIEN 536 – 540

Die getreuen Krieger und Bürger Neapels hatte Hilfe von einem Herrscher erwartet, welcher indessen bei ihrem Untergang tatenlos und fast schon gleichgültig zuschaute. Theodatus brachte sich in Person innerhalb der Ringmauern Roms in Sicherheit, während seine Reiter auf der Via Appia vierzig Meilen vorrückten und in den Pontischen Sümpfen kampierten, welche durch einen 19 Meilen langen Kanal erst kürzlich entwässert und in ein vorzügliches Weideland umgewandelt worden waren Das Decennovium wird von Cluverius (Band 2, p. 1007) befremdlicherweise mit dem Fluss Ufens verwechselt. Es war in der Tat ein 19 Meilen langer Kanal vom Forum apii bis Terracina, auf dem Horaz in der Nacht einschiffte. Das von Lukan, Cassius Dio und Cassiodor erwähnte Decennovium ist nacheinander zerstört, neu hergestellt und dann wieder zerstört worden. (d'Anville, Analyse de I'Italie, p. 185ff). Aber die Hauptstreitmacht der Goten war auf Dalmatien, Venetia und Gallien verteilt; und ihr jämmerlicher König war verstört wegen des fatalen Ausgangs einer Wahrsagung, die scheinbar den Untergang des Reiches verkündete Ein Jude bediente seine Verachtung und seinen Hass gegen alle Christen, indem er drei Rudel Schweine zu je zehn Tieren einsperrte und sie mit den Namen Goten, Griechen und Römer belegte. Die ersten fand man alle tot, vom zweiten alle lebend, und vom dritten die Hälfte tot und die übrigen ohne Borsten. Keine unpassende Metapher für den Vorgang.. Noch die elendsten Sklaven haben sich zum Richter über die Schuld und Unfähigkeit ihres glücklosen Oberherren aufgeworfen. Unnachsichtig aber wurde in dem Lager freier und unbeschäftigter Barbaren, die sich ihrer Vorrechte und ihres Einflusses durchaus bewusst waren, über Theodatus' Fähigkeiten geurteilt: man erklärte ihn für unwürdig seines Volkes, seines Stammes, seines Thrones, und ihr Feldherr Witiges, der im Illyrischen Krieg Proben von Tapferkeit abgelegt hatte, wurde mit einhelligem Beifallsgejohle auf die Schilde seiner Waffenbrüder erhoben. Schon beim ersten Gerücht davon entfloh der abgesetzte Monarch der Rechtsprechung seines Landes; aber eine Rache mit privatem Hintergrund verfolgte ihn. Ein Gote, den er in einer Liebesangelegenheit gekränkt hatte, holte ihn auf der Via Flaminia ein und, seines unmännlichen Geschreies ungeachtet, schlachtete er (so der Historiker) den am Boden liegenden wie ein Opfertier am Altar.

Die Wahl des Volkes liefert den besten und reinlichsten Rechtstitel für eine Herrschaft, aber so mächtig ist das Vorurteil aller Zeiten, dass Witiges auf die Rückkehr nach Ravenna drängte, um sich dort, mit der sich sträubenden Hand der Tochter von Amalasuntha, so etwas wie einen Anschein von Erbrecht zu ergattern. Sogleich wurde eine beratende Volksversammlung abgehalten, und der neue Monarch söhnte den stürmischen Sinn der Barbaren mit einer eigentlich schmachvollen Maßregel aus, wodurch aber die Fehlgriffe seines Vorgängers im Nachhinein den Anschein von Weisheit erhielten. Die Goten stimmten zu, sich vor dem siegreich vorrückenden Feind zurückzuziehen; erst im nächsten Frühjahr mit den Maßnahmen eines Angriffskrieges zu beginnen; ihre zerstreuten Kräfte zu versammeln; ihre fernen Besitztümer aufzugeben; und selbst Rom der Treue seiner Bewohner anzuvertrauen. Leuderis, ein alter Krieger, wurde mit viertausend Kriegern in Rom zurückgelassen; eine schwache Garnison, welche den Eifer der Römer hätte beleben können, wenn sie gleichwohl außerstande war, sich ihren Wünschen zu widersetzen. Aber für einen kurzen Augenblick flammte in ihnen tatsächlich nationale oder religiöse Begeisterung auf. Im Zorn riefen sie aus, der apostolische Thron solle nicht länger durch den Sieg oder die Duldung des Arianismus entheiligt, die Gräber der Caesaren sollten nicht weiter durch die Wilden aus dem Norden mit Füßen getreten werden; und ohne zu bedenken, dass Italien zu einer kaiserlichen Provinz Konstantinopels herabsinken würde, bejubelten sie in taumelnder Torheit die Wiederherstellung des Römischen Kaisertums als Beginn eines neuen Zeitalters der Freiheit und des Wohlstands.

BELISAR ZIEHT IN ROM EIN – 10. DEZEMBER 536

Päpstliche und kirchliche, senatorische und populare Abgeordnete luden Justinians Feldherren ein, ihre freiwillige und spontane Huldigung zu empfangen und in die Stadt einzuziehen, deren Tore ihm auffliegen sollten. Sobald Belisar Neapel und Cumae, seine jüngsten Eroberungen, befestigt hatte, rückte er an den Ufern des Vulturnus zwanzig Meilen vor, sinnierte über Capuas gefallener Größe und machte dort Halt, wo sich die Latinische und Appische Heerstraße trennten. Nach unausgesetzter Nutzung von über 900 Jahren hatte sich das Werk des Zensors Appius in ursprünglicher Schönheit erhalten, und nicht ein Sprung war in den breiten, geglätteten Pflastersteinen zu entdecken, aus welchen diese stabile, wenngleich schmale Heerstraße so fest gefügt war Bergier (Hist. des Grands Chemins des Romains, Band 1, p. 221-228, 440-444) untersucht Technik und Materialien, während D'Anville (Analyse d'Italie, p. 200 – 123) den geographischen Verlauf beschreibt.. Belisar zog allerdings den Latinischen Weg vor, welcher in einiger Entfernung von Meer und Sumpf sich über 120 Meilen am Fuß des Gebirges hinzog. Seine Feinde waren verschwunden; als er zum Asinarischen Tor Einzug hielt, zog die gotische Garnison ohne Behinderung auf die Via Flaminia, und Rom war nach sechzigjähriger Knechtschaft vom Joch der Barbaren befreit. Allein Leuderis weigerte sich, aus Missmut oder Stolz, mit den Flüchtlingen zu gehen, und so ward denn der Gotenhäuptling, selbst eine Siegestrophäe, mit den Schlüsseln Roms vor den Thron Justinians entsandt Das Jahr von Roms erster Wiedereroberung ist nach (536) gewiss, eher jedoch nach der Reihe der Ereignisse als nach dem verderbten oder eingeschobenen Text des Prokopios. Der Monat (Dezember) wird von Evagrius (4,19) bekräftigt, und den Tag (den 10.) kann man aus dem unbedeutenden Zeugnis des Nikephoros Callistus (17, 13) schließen. Diese genaue Chronologie danken wir dem Fleiß und der Einsicht des Pagi. (Band 2, p. 559f.).

ROM VON DEN GOTEN BELAGERT – MÄRZ 537

Die ersten Tage, die zufällig mit den alten Saturnalien zusammenfielen, waren gegenseitigen Glückwünschen und öffentlichen Freudenkundgebungen gewidmet; sie Katholiken schickten sich ihrerseits an, ohne religiöse Nebenbuhler das bevorstehende Fest der Geburt Christi zu begehen. Im vertraulichen Umgang mit dem Helden erneuerten sich für die Römer die Begriffe von den Tugenden, welche die Überlieferung ihren Vorfahren zuschrieb; sie empfanden Freude an der offenkundigen Hochachtung, die Belisar dem Nachfolger Petri erwies und wie er durch strenge Disziplin noch im Kriege die Segnungen von Ruhe und Recht sicherstellte. Sie bejubelten den raschen Siegeslauf seiner Waffen, welche die umliegenden Gebiete bis Narni, Perugia und Spoleto überrannten, aber wie bebten sie alle, der Senat, die Klerisei, das kriegsentwöhnte Volk, als sie davon hörten, dass er beschlossen habe und schon bald genötigt sein werde, eine Belagerung der Stadt durch die Macht des gotischen Königs zu bestehen.

Witiges' Entwürfe wurden während des Winters mit aller gebotenen Sorgfalt und allem Nachdruck umgesetzt. Aus ihren ländlichen Wohnsitzen, aus ihren fernen Garnisonen sammelten sie sich die Goten zu Ravenna, ihr Land zu verteidigen; so groß waren sie an Zahl, dass nach Abtrennung einer Armee zur Befreiung Dalmatiens immer noch einhundertundfünfzigtausend kriegstaugliche Männer unter dem Königsbanner aufzogen. Je nach Dienstgrad oder Verdienst verteilte der Gotenkönig Waffen und Pferde, üppige Geschenke und generöse Versprechen. Sie rückten längs der Via Flaminia vor, schenkten sich die sinnlose Belagerung von Perugia und Spoleto, verneigten sich vor Narni, dem uneinnehmbaren Felsennest und langte endlich am Fuße der Milvischen Brücke an, zwei Meilen von Rom entfernt.

Der Engpass war durch einen Turm gesichert worden, und Belisar hatte den Wert der zwanzig Tage wohl kalkuliert, die durch Bau einer anderen Brücke hätten verloren gehen müssen. Doch die Fassungslosigkeit der Turmbesatzung, die entweder floh oder überlief, machte seine Erwartungen zunichte und brachte ihn selbst in unmittelbare Lebensgefahr. An der Spitze von eintausend Berittenen machte der Römische Feldherr einen Ausfall, um das Gelände für eine vorteilhafte Aufstellung zu erkunden und das Lager der Barbaren zu rekognoszieren; da er sie aber noch jenseits des Tibers wähnte, wurde er plötzlich von ihren zahlreichen Schwadronen umstellt und angegriffen.

Italiens Schicksal hing von seinem Leben ab, und die Überläufer wiesen noch auf sein auffälliges Pferd, einen Rotfuchs mit weißer Blässe Ein Pferd von rötlicher oder fuchsbrauner Farbe nannten die Griechen Phalion, die Barbaren Balan und die Römer Spadix; Vergil sagt honesti spadices (brave Füchse), Georg. 3,81. Spadix oder Baion bezeichnet einen angebrochenen Palmzweig, dessen NamePhoinix »rot« bedeutet (Aulus Gellius 2,26)., den er an diesen denkwürdige Tage ritt. »Zielt auf den Rotfuchs,« ging das allgemeine Geschrei. Jeder Bogen war gegen den unseligen Punkt gespannt, jeder Speer gegen ihn gerichtet, und der Befehl wurde tausendfach wiederholt und befolgt auch von denen, die überhaupt nicht wussten, worum es eigentlich ging. Kühnere Barbaren besannen sich auf den ehrenhafteren Lanzen- und Schwertkampf, und das Lob eines Feindes hat den Schlachtentod des Fahnenträgers Visandus Ich deute Bandalarios nicht als Eigennamen, sondern als eine Dienststellung, Fahnenträger, von bandum (vexillum, Standarte, Fahne) ein von den Griechen und Römern entlehnten barbarischen Wort. (Paul Diacon.1,20, p. 760. Grot. Nomina Gethica, p. 575. Ducange, Gloss. Latin. Band 1, p. 539, 540.) verherrlicht, welcher in vorderster Reihe ausharrte, bis er, aus dreizehn Wunden blutend, vielleicht sogar durchbohrt durch Belisars eigene Hand, hinsank. Der römische Feldherr war stark, schnell und gewandt; nach allen Seiten führte er gewaltige und tödliche Schläge: seine treue Garde eiferte ihm nach und schützte ihn zugleich; nach einem Verlust von tausend Mann flohen die Goten vor seiner Heldenstärke. Heftig wurden sie in ihr Lager zurückgedrängt; und die Römer, durch die schiere Überzahl erdrückt, flohen, zunächst langsam und dann überstürzt vor die Stadttore zurück: die Stadttore blieben ihnen, den Flüchtenden, verschlossen, und das Entsetzen der Öffentlichkeit wuchs, als die Nachricht umging, dass Belisar gefallen sei. In der Tat, sein Aussehen war entstellt durch Staub, Schweiß und Blut, seine Stimme war heiser, seine Kraft nahezu erschöpft; aber sein unbezwinglicher Mut blieb ungebeugt; er teilte sich seinen verzagenden Waffengefährten mit, und ihre letzte, verzweifelte Attacke wurde von den fliehenden Barbaren empfunden, als ob eine neues, vollzähliges und ausgeruhtes Heer aus der Stadt hervorgebrochen wäre.

Nun wurde das Flaminische Tor einem wirklichen Triumphzug geöffnet; aber erst als Belisar jeden Posten inspiziert und für die öffentliche Sicherheit gesorgt hatte, konnten ihn seine Frau und seine Gefährten dazu bewegen, sich durch Schlaf und Speise gehörig zu restaurieren. Im fortgeschrittenen Alter der Kriegskunst ist ein General selten genötigt oder überhaupt in der Lage, seine individuelle soldatische Tapferkeit zu entfalten; und so mag man das Beispiel Belisars den seltenen Beispielen von Heinrich IV, Pyrrhus oder Alexander beifügen.

BELISARS MASSNAHMEN ZUR VERTEIDIGUNG ROMS

Nach dieser ersten und erfolglosen Erprobung ihrer Feinde ging die ganze gotische Armee über den Tiber und begann mit der Belagerung der Stadt, welche bis zum ihrem Abzug etwa ein Jahr dauerte. Was immer auch die Phantasie sich ausdenken mag, der genaue Maßstab des Geographen grenzt Roms Umfang auf zwölf Meilen und 345 Schritte ein Herr d'Anville hat in den Memoirs de l'Academie 1756, (Band 30 p. 198 – 236) einen kleinen, aber wesentlich genaueren Plan von Rom gegeben, als er ihn für Rollin, Geschichte 1738 entworfen hatte. Erfahrung hat seine Kenntnis gemehrt., und außerdem benutzte er anstelle von Rossi, Topographie die neue und tadellose Karte von Nolli. Die alte Messung von Plinius muss von 13 auf 8 Meilen verkürzt werden. Leichter ist's, einen Text zu verfälschen als einen Hügel oder ein Gebäude zu entfernen.; und von Aurelians Triumph bis auf die friedvolle und ruhmlose Regierung der modernen Päpste hinab ist dieser Umfang, den Vatikan ausgenommen, immer gleich geblieben. In seinen großen Tagen war Rom innerhalb seiner Ringmauern überfüllt mit Wohnungen und Bewohnern; und die volksstarken Vorstädte längs der Heerstraßen schossen auf ebenso vielen Strahlen aus einem gemeinsamen Zentrum hervor. Widrige Zeitläufte hatten diese äußerliche Zier entfernt, und selbst die Sieben Hügel lagen zu einem großen Teil verödet und nackt.

In seinen gegenwärtigen Lage konnte Rom durchaus noch dreißigtausend Mann im wehrfähigen Alter ins Feld schicken Für das Jahr 1709 bestimmte Labat (Voyages en Italie, Band 3, p. 218) 138.568 christliche Seelen und 8.000 bis 10.000 Juden – ohne Seelen? 1763 waren es mehr als 160.000); und seiner schwach entwickelten Disziplin und geringen Erfahrung zum Trotz war der größte Teil, gestählt durch die Entbehrungen der Armut, durchaus imstande, seine Religion und sein Land mit den Waffen zu verteidigen. Belisars Umsicht verbot es ihm, eine derart wichtige Hilfsquelle zu ignorieren. Die Belastungen seiner eigenen Soldaten wurden durch den Eifer und das Engagement des Volkes gemindert, welches wachte, während jene schliefen, und arbeitete, während jene ruhten: er willigte in die freiwilligen Dienstleistungen der tapfersten und mittellosesten Römischen Jugend ein; und die städtischen Bürgerwehren vertraten zuweilen unbesetzte Posten, wenn die regulären Soldaten zu dringenderen Obliegenheiten abkommandiert worden waren.

Aber das meiste Zutrauen schenkte er seinen Veteranen aus dem Persien- und Afrikafeldzug, und obwohl diese brave Truppe mittlerweile auf fünftausend Mann zusammen geschrumpft war, nahm er es auf sich, mit diesem verlorenen Haufen einen Kreis von zwölf Meilen Umfang gegen eine Armee von 150.000 Barbaren zu verteidigen. In den Stadtmauern von Rom, die Belisar neu bauen oder ausbessern ließ, kann man die Werkstoffe der frühen Baukunst ausmachen Nardini (Roma Antica, 1,8. p. 31) unterschied scharfsichtig die tumultarie opere di Belisaro; und endlich war die gesamte Wallanlage vollendet mit Ausnahme einer kleinen, heute noch vorhandenen Lücke zwischen Pincianischem und Flaminischen Tor, welche der Aberglauben der Goten und Römer der wirkmächtigen Obhut des Apostels Petrus anheim stellte Der Spalt sowie die Absenkung im oberen Teil der Mauer, die Prokopios bemerkte (Goth. 1,13) hat sich bis heute erhalten . (Donat. Roma Vetus, 1,17, p. 53f.).

Die Bollwerke oder Bastionen waren im spitzen Winkeln zueinander angelegt, ein breiter und tiefer Graben schützte den Mauerfuß, und die Bogenschützen auf den Brüstungen wurden in ihrem Tun durch zweierlei Kriegsmaschinerie unterstützt, die Balista, eine gewaltige Armbrust, welche kurze, aber schwere Pfeile abschoss und den Onager oder Wildesel, welcher mit Hilfe eines eigenen Mechanismus Steine und Kugeln von gewaltiger Größe katapultierte Lipsius (Opp. Band 3, Poliorcet 3) kannte die klare und einleuchtende Stelle von Prokopios nicht (Goth. 1,21). Die Maschine wurde ›Wilder Esel‹ genannt, ein calcitrando. (Henricus Stephanus, Thesaurus Linguae Graecae, Band 2, p. 1340, 1341 und Band 3, p. 877). Ich habe ein ingeniös konstruiertes Modell gesehen, welches der Genral Melville konzipiert und gebaut hat und welches die Kunstfertigkeit des Altertums nachmacht oder sogar noch übertrifft.. Über den Tiber wurde eine Kette gespannt, die Schwibbögen der Aquädukte wurden unpassierbar gemacht, und das Grabmal des Hadrian wurde – zum ersten Male – in eine Zitadelle umgewandelt Die Beschreibung dieses Mausoleums bei Prokopios (1,25) ist die älteste und beste überhaupt. Auf der großen Romkarte von Nolli sind die Seitenlängen 260 Fuß.. Dieses ehrwürdige Gebäude, welches die Überreste der Antonine barg, war ein kreisrunder Turm auf einer quadratischen Basis, gedeckt mit weißem Marmor aus Paros und geschmückt mit Götter- und Heldenstatuen; der Kunstliebhaber muss aufstöhnen, wenn er liest, dass die Werke eines Praxiteles oder Lysippos von ihren luftigen Gesimsen heruntergerissen und den Belagerern auf die Köpfe geschleudert wurden Die Stärke des Praxiteles waren die Faune, der zu Athen war sein Meisterstück. Rom besitzt derzeit mehr als dreißig von ihnen. Als die Gräber der Engelsburg unter Urban III gereinigt wurden, fanden die Arbeiter den schlafenden Faun des Barberinipalastes; es sind allerdings ein Bein, ein Schenkel und der rechte Arm von dieser schönen Skulptur abgebrochen.. Jedem seiner Unterfeldherren wies Belisar den Schutz eines Tores zu mit der klugen und unbedingten Maßgabe, auf ihrem zu verharren und die Sicherheit Roms ihrem Oberbefehlshaber zu überlassen, was immer auch sonst vorfallen möge. Der furchtbaren Masse der Goten war es nicht gegeben, die Stadt und ihr weiteres Umfeld einzuschließen, und so wurden von den vierzehn Toren nur die sieben von der Palästrinischen bis zur Flaminischen Heerstraße belagert. Vitiges verteilte seine Truppen auf sechs Lager, jedes mit Wall und Graben gesichert. Am Tuskischen Ufer des Tiber war auf dem Feld oder Circus des Vatikan ein siebentes Lager angelegt mit dem wichtigen Auftrag, von dort aus die Milvische Brücke und den Fluss zu beherrschen; aber nur mit Ehrfurcht näherten sie sich der benachbarten Peterskirche, sodass ein christlicher Feind während der Belagerung die Türschwelle zu den heiligen Aposteln verschonte.

Sooft in den früheren Zeiten römischer Größe der Senat eine Eroberung im Ausland beschloss, erklärte der Konsul die Feindseligkeiten für eröffnet, indem er mit allerlei festlichem Aufwand die Tore des Janustempels entriegelte Prokopios hat die beste Beschreibung des Janustempels geliefert, einer Nationalgottheit Latiums (Heyne, Exkurs 5 zu Äneis 7). Es war ursprünglich ein Tor in der ehemaligen Stadt des Romulus und Remus (Nardini, p. 13, 256, 329) Vergil hat den alten gottesdienstlichen Ritus als Dichter und Forscher beschrieben.. Der Bürgerkrieg machte derlei zeremoniellen Aufwand überflüssig, welcher infolge der Einführung einer neuen Religion allmählich eingestellt wurde. Doch noch stand der erzene Janustempel auf dem Forum; er war nur so groß, um die Statue des Gottes eben zu umschließen, eine fünf Ellen hohe menschenähnliche Figur mit zwei Gesichtern, gen Morgen und Abend gerichtet. Die Doppeltüren waren gleichermaßen aus Bronze; und der vergebliche Versuch, sie auf ihren eingerosteten Angeln zu bewegen, enthüllte das skandalöse Geheimnis, dass einige Römer immer noch dem Glauben ihrer Väter anhingen.

ANGRIFF DER GOTEN ZURÜCKGESCHLAGEN

Achtzehn Tage investierten die Belagerer, um alle die Hilfsmittel herbeizuschaffen, die das Altertum sich für Angriffszwecke ersonnen hatte. Faschinen wurden vorbereitet, die Gräben zu füllen, Sturmleitern, um die Mauern zu ersteigen. Die größten Bäume des Waldes lieferten Balken zu vier Mauerbrechern: ihre Köpfe waren mit Eisen beschlagen, sie hingen an Seilen und wurden von fünfzig Mann mühsam genug dirigiert. Hochragende Holztürme wurden auf Rädern oder Rollen bewegt und bildeten in Höhe der Mauerkrone eine geräumige Plattform. Am Morgen des neunzehnten Tages begann der Hauptangriff vom Pränestinischen bis zum Flaminischen Tor; in sieben Marschsäulen rückten die Goten mit ihrer Kriegsmaschinerie zum Sturm heran; und die Römer, die auf den Wällen aufgereiht standen, lauschten mit Bangigkeit und Misstrauen auf ihres Feldherrn fröhliche Aufmunterungen. Sobald der Feind am Graben angekommen war, schoss Belisar mit solcher Gewalt und Genauigkeit den ersten Pfeil, dass der vorderste Anführer der Barbaren durchbohrt wurde. Beifalls- und Siegesgeschrei tönte entlang der Mauer. Einen zweiten Pfeil drückte er ab, mit gleichem Erfolg und unter gleichem Jubelgeschrei. Daraufhin befahl er, die Bogenschützen sollten auf die vorgespannten Ochsen zielen; in einem Augenblick waren sie mit tödlichen Wunden bedeckt, die Türme, die sie gezogen hatten, blieben nutz- und bewegungslos stecken, und in einem Augenblick waren so des Königs aufwendige Pläne zunichte geworden.

Nach diesem ersten Scheitern setzte Witiges den Sturm auf das Salarianische Tor fort oder gab sich den Anschein, um so die Aufmerksamkeit des Gegners abzulenken oder irre zu machen, währenddessen seine Hauptmacht das Pränestinische und die Engelsburg mit Ernst angriffen, drei Meilen voneinander entfernt. In der Nähe des erstgenannten war die Doppelmauer des Vivariums Das Vivarium war ein in die neue Mauer eingeschlossener Verschlag für Wildtiere (Prokopios, Goth. 1,23). Die Stelle ist noch sichtbar bei Nardini, 4,2, p.159f und auf dem großen Stadtplan Roms von Nolli. zu niedrig oder hinfällig; die Befestigungen des letzteren nur schwach besetzt; Hoffnung auf Sieg und Beute beflügelte die Tatkraft der Goten; und hätte nur ein einziger Posten nachgegeben, wären die Römer und Rom unrettbar verloren gewesen. Dieser hochgefährliche Tag war zugleich der ruhmreichste in Belisars Leben. Inmitten von Getümmel und Schrecken schwebte ihm immer sein Angriffs- und Verteidigungsplan vor Augen; er beobachtete das wechselhafte Geschehen in jedem Augenblick, wog jeden nur denkbaren Vorteil, ging immer zum Ort der unmittelbaren Gefahr und teilte in klaren und ruhigen Befehlen seine Absicht mit. Der Kampf wurde vom Morgen bis zum Abend in großer Verbissenheit geführt, die Goten endlich an allen Stellen zurückgedrängt, und jeder Römer konnte sich rühmen, dreißig Barbaren getötet zu haben, hätte die Leistung eines einzigen Mannes das krasse Missverhältnis nicht ausgeglichen.

Dreißigtausend Goten kamen bei diesem blutigen Gemetzel ums Leben, wie ihre Anführer selbst eingestanden, und die Zahl der Verwundeten kam der der Toten gleich. Als sie dichtgedrängt und ungeordnet zum Angriff vorrückten, flog kein Wurfspieß wirkungslos; als sie indessen auf dem Rückzug waren, schloss sich der städtische Mob der Verfolgung an und schlugen die fliehenden Feinden ungestraft in den Rücken. Belisar ordnete unverzüglich einen Ausfall durch die Tore an; und während seine Krieger noch seinen Namen und Sieg besangen, gingen die feindlichen Kriegsgeräte in Flammen auf. So groß waren die Verluste und die Fassungslosigkeit der Goten, das von diesem Tage an die Belagerung Roms zu einer ereignislosen und langwierigen Blockade verkam. Aber unablässig wurden sie von dem römischen Feldherren drangsaliert, wodurch in zahlreichen Kleingefechten über fünftausend ihrer tapfersten Krieger umkamen. Ihre Kavallerie war im Umgang mit dem Bogen ungeübt, ihre Schützen kämpften zu Fuß; und so war ihre aufgesplitterte Streitmacht außerstande, es mit ihren Gegner aufzunehmen, deren Lanzen und Bogen im Nah- wie im Fernkampf gleich verheerend war. Belisars hoch entwickelte Kampftaktik nutzte jede günstige Gelegenheit, und da er das Gelände und den Zeitpunkt bestimmte, da er den Befehl zum Angriff gab oder zum Rückzug blasen lies Über die römische Trompete und ihre unterschiedlichen Töne belehre man sich bei Lipsius (Opp. Band 3, Buch 4, Dialog. 10, p. 125-129). Prokopios hatte eine Methode entwickelt und Belisar hatte sie übernommen, um das Angriffssignal durch die bronzene Reitertrompete und den Rückzugsbefehl durch die lederne oder hölzerne Infanterietrompete zuverlässig zu unterscheiden (Geth. 2,23), so kehrten seine Schwadrone selten erfolglos zurück.

Diese kleinen Einzelsiege ließen die Ungeduld wachsen unter dem Volke und den Kriegern, welche allmählich begannen, die Beschwernisse der Belagerung zu fühlen und die Risiken einer großen Entscheidungsschlacht gering zu schätzen. Jedweder Plebejer hielt sich mittlerweile für einen Helden, und die Linieninfanterie, die seit dem Niedergang der Heeresdisziplin aus der Schlachtenlinie ausgeschlossen war, verlangte nach den alten Ehrenstellungen der römischen Legionen zurück. Belisar lobte zwar die Kampfbereitschaft seiner Truppen, tadelte zugleich aber ihre Selbstgefälligkeit, gab ihrem Gelärme nach und bereitete die Gegenmittel zu der Niederlage, die einzukalkulieren er alleine den Mut besaß. Im Vatikanischen Viertel behielten die Römer die Oberhand; und hätte man die unwiederbringlichen Momente nicht mit dem Plündern des Lagers vertan, dann hätten sie die Milvische Brücke besetzen und die Nachhut der Goten von hinten angreifen können. Auf der gegenüberliegenden Tiberseite rückte Belisar vom Pincianischen und Salarianischen Tor heran. Aber auf dieser weitläufigen Ebene war seine Truppe – viertausend Mann etwa – hoffnungslos verloren; sie wurden eingekreist und überwältigt durch neue und unverbrauchte Reserven, welche die aufgelösten Reihen der Barbaren laufend ergänzten. Die tapferen Anführer der Infanterie hatten keine Erfahrung, einen Vorteil auszubeuten; sie fielen; der hastige Rückzug wurde von ihrem umsichtigen General gedeckt, und die Sieger bebten vor dem bedrohlichen Anblick des waffenstarrenden Walls zurück. Trotz der Niederlage blieb Belisars Reputation unangetastet; und die leere Selbstüberschätzung der Goten war seinen Pläne ebenso dienlich wie die Reue und wiedergewonnene Besonnenheit der Römer.

DIE NOTLAGE DER STADT

Von dem Augenblick an, als Belisar sich auf eine Belagerung eingelassen hatte, galt seine ganze Sorge der Vermeidung einer Hungersnot, die hier fürchterlicher sein musste als alle Waffen der Goten. Ein gewaltiger Getreidevorrat wurde aus Sizilien eingeführt; die Ernten von Kampanien und der Toskana wurden für die Verwendung in der Hauptstadt unter Zwang eingeholt; und das Recht am Privateigentum musste hier vor den stärkeren Forderungen des Gemeinwohls zurücktreten. Es war unschwer vorherzusehen, dass der Feind die Aquädukte sperren würde; die Betriebsunfähigkeit der Wassermühlen war die erste Misslichkeit, der man durch die Anlage von großen Schiffen mit eingebauten Mühlsteinen abhalf, die im Fluss vertäut lagen. Zwar wurde der Fluss bald durch Baumstämme verstopft, bald durch Leichen vergiftet; doch waren die Maßnahmen des römischen Feldherren so wirksam, dass der Fluss nach wie vor die Mühlen antrieb und die Einwohner mit frischem Wasser versorgte: die entfernteren Stadtquartiere wurden durch Hausbrunnen versorgt und auf öffentliche Bäder konnte im Falle einer Belagerung die Bevölkerung gegebenenfalles auch verzichten.

Ein großer Teil Roms vom Pränestinischen Tor bis zur Paulskirche wurde von den Goten nie bedrängt; ihre Patrouillen wurde durch die Aufmerksamkeit der Mauren beständig abgefangen: die Schifffahrt auf dem Tiber und die Benutzung der Via Appia und Latina blieben unbehelligt und ermöglichten die Einfuhr von Getreide und Rindern und Ausreise und Rückzug für Einwohner, die in Kampanien oder Sizilien ihre Zuflucht nehmen wollten. Da Belisar darauf bedacht war, sich von einer großen Menge nutzloser Esser zu befreien, ergingen Befehle zur unverzüglichen Abreise von Frauen, Kindern und Sklaven; forderte er die Soldaten auf, ihre männlichen und weiblichen Bediensteten zu entlassen und traf die Anordnung, nur die Hälfte der Rationen in Lebensmitteln, der Rest aber in Bargeld auszugeben. Diese Umsicht wurde gerechtfertigt, als durch die Besetzung zweier wichtiger Posten in der Nähe Roms die allgemeine Bedrängnis noch größer wurde. Durch den Verlust des Hafens – heute wird er die Stadt Porto genannt – wurde ihm der Landstrich rechts des Tibers genommen und die beste Kommunikation mit der See abgeschnitten, und mit Kummer und Zorn bedachte er, dass dreihundert Mann, hätte er denn auf eine so kleine Gruppe verzichten können, dessen unüberwindliche Befestigung hätten halten können.

Sieben Meilen von Rom entfernt, zwischen Via Appia und Via Latina umschlossen zwei einander zweifach durchkreuzende Hauptaquädukte mit ihren massiven und hohen Wölbungen einen befestigten Raum Pokopios (Goth. 2,3) hat den Namen dieser Wasserleitungen nicht erwähnt; außerdem kann eine solche doppelte Unterkreuzung in einer so großen Entfernung von Rom aus den Schriften des Frontius, Fabretti und Eschinard (de Aquis et de Agro Romano) und auch nicht auf Lametis und Cingolanis lokalen Karten zuverlässig bestimmt werden. Sieben oder acht Meilen vor der Stadt (50 Stadien) an der Straße nach Albano, zwischen der Via Appia und Via Latina erkenne ich die Überreste eines Aquäduktes (vermutlich des Septimianischen) und eine Reihe (630 Schritt) von Bögen von 25 Fuß Höhe., wo Witiges für siebentausend Goten ein Lager anlegte, um die Zufuhr von Sizilien und Kampanien abzuschneiden. Roms Speicher hatten sich unmerklich erschöpft, die nähere Umgebung war durch Schwert und Feuer verheert; kleine Vorratsmengen, die man auf schnellen Streifzügen auftreiben konnte, waren der Lohn für Verwegenheit oder das Vorkaufsrecht des Reichtums; Pferden fehlte es nie an Futter, den Kriegern nie an Brot; aber das Volk hatte in den letzten Monaten der Belagerung unter knapper oder ungesunder Nahrung Sie machten Bratwürst aus Maultierfleisch; sind die Tiere an einer Seuche gestorben, ist dies sicher ungesund; ansonsten werden etwa die berühmten Bologneser Würste, so sagt man, aus Eselsfleisch gemacht. (Voyages de Labat, tom. ii. p. 218. und ansteckenden Krankheiten zu leiden gehabt. Dieses sah Belisar voller Mitleid; doch er hatte auch die Abnahme ihrer Treue und die Zunahme ihres Missvergnügens vorausgesehen und beobachtet. Die augenblickliche Notlage hatte die Römer aus ihren süßen Träumen von Größe und Freiheit gerissen und ihnen die demütigende Einsicht beschert, dass es für ihr wahres Glück von entschieden nachgeordneter Bedeutung sei, ob der Name ihres Herrschers der gotischen oder lateinischen Sprache zuzurechnen sei. Justinians Feldherr hörte sich ihre berechtigten Klagen an, verwarf aber verächtlich jedweden Gedanken an Flucht oder Kapitulation; dämpfte ihr ungeduldiges Schreien nach einer Entscheidungsschlacht; lenkte sie ab mit der Erwartung auf einen baldigen Entsatz; und schützte sich und die Stadt gegen die Einflüsse von Mutlosigkeit und Verrat. Zweimal im Monat wechselte er die Posten der Befehlshaber, denen die Bewachung der Tore anvertraut war; unterschiedliche Vorsichtsmaßregeln wie Patrouillen, Losungsworte, Lichter und Musik wurden wiederholt angewandt, um zu kontrollieren, was auf den Wällen vor sich ging; jenseits der Gräben standen Vorposten, und die treue Wachsamkeit von Hunden ersetzte die weniger zuverlässige von Menschen. Ein Brief wurde abgefangen, in welchem dem Gotenkönig zugesichert wurde, dass das an die Laterankirche stoßende Asinarische Tor seinen Truppen heimlich offen stehen würde.

Verschieden Senatoren, die des Hochverrats verdächtig oder sogar überführt waren, wurden in die Verbannung geschickt und ferner der Papst Sylverius in das Hauptquartier im Pincianischen Palast von dem Repräsentanten seines obersten Herren einbestellt Der Name des Palastes, der Hügel und das benachbarte Tor gehen allesamt auf den Senator Pincius zurück. Einige jüngere Tempel- und Kirchenspuren im Garten der Minims der Trinita del Monte sind mittlerweile eingeebnet (Nardini, 4,7 p. 196. Eschinard, p. 209, 210, der alte Plan von Buffalino und der große Plan von Nolli.) Belisar hatte seinen Posten zwischen dem Pincianischen und dem Salarianischen Tor gezogen (Prok. Got. 1,15). Die Kleriker, welche ihrem Bischof folgten, wurden im ersten oder zweiten Vorzimmer zurückgehalten Die Erwähnung des primum et secundum velum sollte man meinen, dass Belisar selbst während einer Belagerung als der Repräsentant des Kaisers das stolze Byzantinische Hofzeremoniell beibehielt. und er alleine wurde vor Belisar gelassen. Der Eroberer von Karthago und Rom saß bescheiden zu Füßen von Antonina, welche auf einem prächtigen Ruhedivan ausgebreitet lag: der Feldherr beobachtete Stillschweigen, doch aus dem Munde seiner gebieterischen Gemahlin dröhnten Vorwürfe und Verdächtigungen. Angeklagt von honorigen Zeugen und überführt durch seine eigene Unterschrift, wurde der Nachfolger Petri seines päpstlichen Schmuckes entkleidet, in ein gewöhnliche Mönchshabit gesteckt und ohne Verzug zu einem fernen Exil im Osten eingeschifft. Auf Geheiß des Kaisers schritt der Klerus von Rom zu einer neun Bischofswahl und erkieste nach gehöriger Anrufung des Heiligen Geistes den Diakon Vigilius, der sich den Thron Petri durch ein Schmiergeld von zweihundert Pfund Gold gekauft hatte. Der Gewinn und folgerichtig auch die Schuld an diesem Ämterkauf wurde Belisar untergeschoben: doch der Held befolgte nur die Anweisungen seines Weibes; Antonina bediente die Leidenschaften der Kaiserin Theodora, und diese setzte ihre Schätze ein in der leeren Hoffnung, einen Papst zu erhalten, der dem Chalcedonischen Konzil gegenüber feindlich oder doch wenigsten gleichgültig gesinnt wäre Von diesem kirchenfrevlerischen Vorgang berichtet Prokopios nur trocken und unterkühlt. Die Berichte des Liberatus (Breviar. 22) und das Anstasius (Vita Pont. P. 39) sind sachlich, aber dennoch leidenschaftlich. Auch lausche man den Verwünschugen des Kardinals Baronius (A.D. 536, Nr. 123 und A.D. 538, Nr 4-20) portentum, facinus omni execratione dignum. (...haltlose Erfindung, Übeltat, aller Flüche würdig)..

ROMS BEFREIUNG

Der Brief Belisars an seinen Kaiser kündete seinen Sieg, seine Gefahr, seine Entschlossenheit: »Entsprechend deinem Befehl sind wir in das Gebiet der Goten eingedrungen und Sizilien, Kampanien und die Stadt Rom sind deiner Botmäßigkeit unterworfen; indessen: der Verlust dieser Eroberungen wird uns mehr Schande bereiten, als ihr Erwerb uns Ruhm gebracht hat. Bislang haben wir uns erfolgreich gegen die Scharen der Barbaren behaupten können, aber irgendwann werden sie wegen ihrer schieren Masse die Oberhand behalten. Sieg ist ein Schicksalsgeschenk, aber von diesem Geschenk hängt die Reputation eines Generals ab. Gestatte mir eine freimütige Sprache: willst du, dass wir leben, so schicke uns Nahrung; willst du, das wir überleben, dann schicke uns Waffen, Pferde, Männer. Die Römer haben uns als Freude und Befreier empfangen: aber in unserer gegenwärtigen Notlage werden sie entweder von ihrem eigenen Zutrauen verraten oder wir von ihrer Verrat und ihrem Hass. Was nun mich selbst betrifft: mein Leben ist deinem Dienst gewidmet; so überlege du nun selbst, ob mein Tod in dieser Situation den Ruhm und Glanz deiner Regentschaft mehren wird.«

Vielleicht wäre diese Regierung in gleicher Weise glücklich gewesen, wenn der friedliebende Beherrscher des Ostens sich der Eroberung Afrikas und Italiens entschlagen hätte; jedoch, Justinian gierte nach Ruhm; er machte also ein paar Anstrengungen – sie waren matt und verhalten – um seinen siegreichen General zu unterstützen. Martin und Valerian führten ihm eine Verstärkung von eintausendsechshundert Sklaven und Hunnen zu; da sie sich während des Winters in griechischen Häfen ausgeruht hatten, wurden Menschen und Pferde durch die Beschwerlichkeiten der Seereis nicht allzu sehr beansprucht, und schon im ersten Ausfall gegen die Belagerer bewährten sie ihre Tapferkeit. Etwa um die Sommersonnenwende landete Euthalius zu Terracina mit einer gewaltigen Summe Geldes zur Besoldung der Truppen. Er rückte vorsichtig auf der Via Appia vor und zog mit seinem Gefolge durch das Capenische Tor Aurelian verlegte das alte Tor von Capena an das heutige St. Sebastianstor oder ganz nahe dabei. Dieser Fleck ist achtbar durch den Egerischen Hain, Numa's Andenken, durch die Gräber und Triumphbogen der Scipionen, der Meteller u.a.m. in Rom ein, während gleichzeitig Belisar auf der anderen Seite durch ein scharfes und siegreiches Scharmützel die Aufmerksamkeit der Goten ablenkte. Diese Hilfe zur richtigen Zeit, die Belisar geschickt für sich ausbeutete, belebte den Soldaten und dem Volk den Mut oder doch wenigstens die Hoffnung

Der Historiker Prokopios erhielt den wichtigen Auftrag, die Truppen und die Vorräte zu sammeln, die Kampanien noch beisteuern konnte oder Konstantinopel gesandt hatte, und diesem Geheimsekretär Belisars schloss sich schon bald Antonina in Person an Der von Prokopios verwandte Ausdruck ist gehässig (Got. 2,4), aber er redet ja auch von einer Frau., welche sich beherzt durch die feindlichen Posten geschlängelt hatte und schon bald mit der aus dem Osten eingetroffenen Verstärkung zurückkehrte, ihrem Gatten und der belagerten Stadt zu beizustehen. In der Bucht von Neapel und später dann vor Ostia ging eine Flotte mit dreitausend Isauriern vor Anker. Über zweitausend Pferde, zum Teil aus Thrakien, wurden bei Tarent ausgeschifft, und nach der Vereinigung mit fünfhundert Kriegern aus Kampanien und einem Zug von Lastkarren mit Wein und Mehl zogen sie auf der Via Appia von Capua in die Nähe von Rom. Die Streitkräfte, die zu Lande und zu Wasser ankamen, schlossen sich an der Tibermündung zusammen. Antonina berief einen Kriegsrat ein, man beschloss, mit Rudern und Segeln die Strömung des Flusses zu überwinden, und die Goten trugen Bedenken, durch irgendwelche unfreundlichen Akte die Verhandlungen zu stören, auf die sich der fintenreiche Belisar eingelassen hatte. Arglos glaubten sie nur einen Vortrab zu jener Armee oder Flotte zu sehen, welche inzwischen das Ionische Meer und die Ebene von Kampanien bevölkerten, und dieser Irrtum wurde noch durch die hochfahrende Sprache des römischen Feldherren befördert, als er den Gesandten des Witiges Audienz gewährte.

Nach einer trügerischen Verteidigungsrede zu Gunsten seiner Sache erklärten sie, dass um des Friedens willen sie sich darein finden könnten, auf den Besitz der Insel Sizilien zu verzichten. »Es ist der Kaiser nicht minder großherzig,« erwiderte sein Stellvertreter mit Hohn »zum Ersatz für dieses Geschenk, das ihr weiterhin gar nicht verweigern könnt, überlässt er euch ebenfalls eine alte Reichsprovinz: er tritt den Goten die Herrschaft über Britannien ab.« Mit gleicher Festigkeit und gleicher Verachtung lehnte Belisar das Anerbieten einer Tributzahlung zurück, erlaubte den Goten jedoch, ihr Schicksal aus dem Munde Justinians höchstselbst zu vernehmen, willigte mit gespieltem Widerstreben in einen dreimonatigen Waffenstillstand ein, vom Wintersolstitium bis zu den Frühjahrsäquinoktien. Klugheit vermochte weder den Schwüren der Barbaren noch dem Stellen von Geiseln zu vertrauen, aber das überlegene Selbstbewusstsein des Römers tat sich kund durch die Art, wie er seine Truppen verteilte.

Sobald Furcht oder Hunger die Goten bestimmte, Alba, Porto und Centumvelli aufzugeben, wurden diese Plätze sogleich von den Römern eingenommen; die Garnisonen von Narni, Spoleto und Perugia wurden verstärkt, und dann sahen die sieben Lager der Goten sich allmählich mit den Widrigkeiten einer Belagerung konfrontiert. Die Gebete und die Pilgerfahrt von Datius, Bischofs von Mailand, trugen Früchte: er erhielt tausend Thrakier und Isaurier, um die Empörung Liguriens gegen seinen arianischen Tyrannen zu fördern. Um diese Zeit wurde auch Johann der Blutdürstige Anastasius (p. 40) hat diesen Beinamen Sanguinarius beibehalten, welches einen Tiger schmücken würde., der Neffe des Vitalian, mit zweitausend ausgesuchten Reitern zunächst nach Alba an den Fucinischen See und dann an die Grenze von Picenum an der Adria abgesandt. »In dieser Provinz,« sagte Belisar, »halten die Goten ihre Familien und andere Schätze verwahrt, ohne Schutz und ohne eine Ahnung von der Gefahr: sie werden ohne Zweifel den Waffenstillstand brechen, also lasst sie eure Gegenwart fühlen, bevor sie von euren Bewegungen auch nur gehört haben.. Verschont aber die Italiener; lasst keinen befestigten Platz in Feindeshand; und hebt die Beute auf zu gemeinsamer und gleicher Verteilung. Es wäre unbillig,« fügte er mit einem Lachen hinzu, »dass unsere Brüder den Honig plündern und genießen, während wir uns mit der Ausrottung der Drohnen abmühen.«

BELAGERUNG ROMS AUFGEHOBEN – MÄRZ 538

Die gesamte Nation der Goten war zu einem Großangriff zusammengezogen, aber während der folgenden Belagerung Roms nahezu vollständig aufgerieben worden. Wenn man einsichtigen Beobachtern glauben darf, hatten sie in den häufigen und blutigen Kämpfen vor Roms Mauern wenigsten ein Drittel ihrer gewaltigen Streitmacht eingebüßt. Der üble Ruf und die ungesunden Eigenschaften der Sommerluft mag man als Ursachen für den Rückgang des Ackerbaus und der Bevölkerung annehmen, und die schlimmen Folgen von Hunger und Pestilenz verstärkten sich noch durch ihre Zügellosigkeit und die feindliche Stimmung ringsum. Während Witiges also gegen sein Schicksal ankämpfte und sich zwischen Schande und Tod nicht entscheiden konnten, beschleunigten heimische Unruhen seine Abzug. Zitternd hatten Boten dem Gotenkönig vermeldet, dass Johann der Blutdürstende die Kriegsverheerungen vom Apennin bis zur Adria ausbreitete, dass die reiche Beute und ungezählte Gefangene von Picenum in die Feste Rimini verbracht worden seien und dass dieser fürchterliche Anführer seinen Oheim geschlagen, seine Hauptstadt angegriffen und endlich noch durch heimliche Billets die Treue seiner Gattin, der herrischen Tochter der Amalasuntha, missleitet habe.

Bevor er jedoch endgültig abzog, unternahm Witiges eine letzte Anstrengung, die Stadt mit Sturm zu nehmen oder zu überrumpeln. In einem der Aquädukte ward ein Geheimgang ausgespäht; zwei Bürger des Vatikans wurden durch Bestechung dazu gebracht, die Wachen des Aurelianischen Tores trunken zu machen. Dann bereiteten sie einen Angriff auf die Mauern jenseits des Tiber vor, an einer Stelle, an der keine Türme standen, und mit Fackeln und Sturmleitern rückten die Barbaren zur Erstürmung des Pincianischen Tores vor. Aber jeder Versuch ward von der unerschrockenen Wachsamkeit von Belisars Veteranen vereitelt, die auch in den gefährlichsten Augenblicken die abwesenden Kameraden nicht vermissten. Die Goten jedoch, in gleicher Weise ledig aller Hoffnungen und Nahrungsmittel, drangen mit Geschrei auf den Abzug, ehe der Waffenstillstand ablaufe und die römische Reiterei sich neuerlich vereinigen könne. Ein Jahr und neun Monate nach Beginn der Belagerung verbrannte eine bis vor kurzem noch so starke und siegreiche Armee ihre Zelte und zog unter vielem Lärm über die Milvische Brücke. Indessen, ungestraft zogen sie nicht ab: zusammengedrängt und gequetscht wurden ihre Scharen infolge ihrer eigenen Furcht und der nachsetzenden Römer kopfüber in den Tiber gestürzt; und der römische Feldherr, der ihnen vom Pincianischen Tor nachgesetzt war, brachte ihnen auf ihrem Rückzug schwere und schmachvolle Verluste bei.

Der schleppende lange Zug eines siechen und mutlosen Haufens zog sich mühsam auf der Via Appia hin. Zuweilen sahen sich die Barbaren genötigt, die Heerstraße zu verlassen, um den feindlichen Truppen auszuweichen, welche die Straßen nach Rimini und Ravenna verteidigen sollten. Und doch war selbst dieses fliehende Heer noch so mächtig, dass Witiges zehntausend Mann zur Verteidigung jener Städte, die ihm besonders wichtig waren, erübrigen und ferner seinem Neffen Uraias mit einer angemessenen Streitmacht zur Züchtigung des renitenten Mailand versehen konnte. An der Spitze des eigentlichen Heeres belagerte er Rimini, das nur dreiunddreißig Meilen von der Hauptstadt der Goten entfernt war. Ein seichter Graben und eine schwache Mauer wurden durch die Geschicklichkeit und Tapferkeit von Johannes dem Blutdürstigen gehalten, der die Gefahren und Beschwernisse noch des geringsten seiner Krieger teilte und auf einem weniger exponierten Schauplatz den kriegerischen Tugenden seines großen Befehlshabers nacheiferte. Türme und Mauerbrecher der Barbaren wurden unbrauchbar gemacht;, ihre Angriffe zurückgeschlagen und die langwierige Einkesselung, die die Besatzung an die äußerste Hungersnot gebracht hatte, gab den Römern die Zeit, ihre Truppen zusammen zu ziehen und marschieren zu lassen.

Ein Geschwader, das zuvor Ankona überrumpelt hatte, segelte entlang der Adriaküste der belagerten Stadt zu Hilfe. Narses, der Eunuch, landete in Picenum mit zweitausend Herulern und fünftausend der besten Truppen des Ostens. Der Apennin wurde bezwungen; zehntausend Veteranen, die Belisar in Person anführte, zogen um den Fuß des Gebirges, und ein ganz neues Heer, dessen Lager von zahllosen Feuern leuchtete, schien auf der Via Flaminia vorzurücken.Von Staunen und Verzweiflung überwältigt, gaben die Goten die Belagerung von Rimini auf und verließen ihr Zelte, ihre Fahnen, ihre Anführer; und Witiges, der das Beispiel für die Flucht gab oder ihm auch nur folgte, machte nicht eher Halt, als bis er hinter Ravennas Sümpfen und Mauern Schutz gefunden hatte.

DER NEID DER RÖMISCHEN FELDHERREN – 538

Nunmehr beschränkte sich das Königreich der Goten auf eben diese Mauern und einige auf sich selbst gestellte, isolierte Festungen. Die italienischen Provinzen hatten sich auf die Seite des Kaisers geschlagen, und seine Armee, die allmählich auf zwanzigtausend Mann angewachsen war, hätte diese schnelle und einfach Eroberung hinter sich bringen können, wenn nicht Zwietracht unter den römischen Generälen ihre unwiderstehliche Macht geschwächt hätte. Noch vor dem Ende der Belagerung befleckte eine ebenso unklare wie unbesonnene Bluttat Belisars makellosen Ruf. Presidius, ein loyaler Italiener, wurde auf der Flucht von Ravenna nach Rom von Konstantin, dem Kriegstatthalter von Spoleto, gröblich angehalten und ausgerechnet in einer Kirche zweier Dolche beraubt, die üppig mit Gold und Edelsteinen ausgelegt waren. Sobald nun die allgemeine Gefahr vorüber war, führte Presidius Klage wegen Raub und Unbill; die Klage fand Gehör, der Befehl zur Rückgabe indessen nicht. Stolz und Habgier des Täters ließen es nicht zu. Aufgebracht durch diese Verzögerung griff Presidius Belisars Pferd kühn in die Zügel, als dieser über den Marktplatz ritt und verlangte mit gehöriger Zivilcourage für jedermann die Segnungen der römischen Gesetze. Nun war Belisar bei seiner Ehre gepackt; er berief einen Kriegsrat ein; forderte von dem ihm untergeordneten Befehlshaber Gehorsam; und wurde durch eine freche Antwort derart aufgebracht, dass er nach der Wache rief. Konstantin, der ihr Eintreten als sein Todesurteil deutete, zog sein Schwert und stürzte sich auf den Feldherren, der aber seinem Hieb geschickt auswich und zugleich von seinen Freunden geschützt wurde; während man den verzweifelten Mörder entwaffnete und nach nebenan schleppte, wo er von den Leibwachen auf Belisars Befehl hingerichtet oder genauer: ermordet wurde Diese Geschichte wird von Prokop in seiner öffentlichen Geschichte (Got. 2,8) aufrichtig und ausgewogen erzählt; in der Geheimgeschichte (Anek. 7) gehässig oder freimütig. Aber sein Fortsetzer Marcellinus (in Chron.) wirft über den Tod des Konstantin den Anschein des vorsätzlichen Mordes. Er hatte in Rom und Spoleto gute Dienste geleistet (Prokop, Got. 1,7 und 1,14), aber Alemannus verwechselt ihn mit einem Constantius comes stabuli..

Durch diese unvermittelte Gewalttat geriet die Schuld des Constantin in den Hintergrund. Die Verzweiflung und der Tod dieses braven Offiziers wurden insgeheim Antoninas Rachegelüsten angedichtet, und jeder seiner Mitfeldherren bebte im Bewusstsein ähnlicher eigener Räubereien vor einem vergleichbaren Schicksal. Die Furcht vor diesem gemeinsamen Feind minderte die Wirkung ihres Neides und ihrer Unzufriedenheit, aber im Vertrauen auf den nahen Sieg stachelten sie einen mächtigen Nebenbuhler auf, sich dem Eroberer Roms und Afrikas in den Weg zu stellen. Vom häuslichen Palastdienst und der Verwaltung des Privatvermögens wurde Narses, der Eunuch, unvermittelt an die Spitze der Armee erhoben; und sein Heldengeist, der später dem des Belisars durchaus gleichkam, diente zunächst nur dazu, die militärischen Operationen des Gotenkrieges zu stören. Seinen durchdachten Ratschlägen schrieben die Häupter der Partei der Missvergnügten den Entsatz der Stadt Rimini zu, welche Narses drängten, nunmehr ein selbständiges und gesondertes Kommando zu übernehmen. Justinians Schreiben hatte ihn allerdings zum Gehorsam gegenüber dem Oberbefehlshaber vergattert; aber die heikle Bestimmung, »soweit dem öffentlichen Dienst zuträglich« hielt dem verständigen Günstling, der erst kürzlich aus dem geheiligten und vertrautem Umgang mit seiner Majestät entlassen worden war, einigen Interpretationsspielraum offen. In der Ausübung dieses unbestimmten Rechtes bezog Narses permanent eine von Belisar abweichende Meinung, Und nachdem er widerstrebend der Belagerung der Stadt Urbino beigestimmt hatte, verließ er seinen Kollegen zu nächtlicher Stunde und entfernte sich, die aemilianische Provinz zu gewinnen.

Die grimmgemuten, kriegsfreudigen Heruler waren dem Narses persönlich ergeben Sie verweigerten nach seiner Abreise den Dienst, verkauften en Goten ihre Gefangenen und ihr Vieh und schworen, niemals gegen sie zu kämpfen. Prokopios (Got 2,14-15) schiebt einen lesenswerten Exkurs über Sitten und Abenteuer dieses nomadisierenden Volkes ein, von denen schließlich ein Teil nach Thule und Skandinavien auswanderte.; zehntausend Römer und Verbündete wurden überredet, unter seine Fahne zu treten; jedweder Unzufriedene ergriff die günstige Gelegenheit, sich für seine wirklichen oder geträumten Leiden zu rächen; und die verbleibenden Truppen Belisars wurden auf die Garnisonen zwischen Sizilien und Adria verteilt. Seine Erfahrung und Zähigkeit überwand jedoch jedes Hindernis: Urbino ward genommen, die Belagerung von Faesulae, Orvieto und Auximum aufgenommen und mit Nachdruck fortgesetzt; und endlich ward Narses, der verschnittene Kammerknecht, zu häuslichem Dienst in den Palast zurückberufen. Die durch Mäßigung veredelte Autorität des römischen Feldherren, dem selbst seine Feinde ihre Anerkennung nicht verweigern konnten, legte jeden Zwist bei, und dämpfte jeden Widerstand; und Belisar schärfte die heilsame Lehre ein, dass die Streitkräfte des Staates ein Ganzes bilden und durch einen Willen beseelt sein sollten. Aber solange die Zwietracht andauerte, konnten die Goten wieder Atem schöpfen; eine wichtige Jahreszeit war vertan, Mailand lag verwüstet und Italiens Nordprovinzen waren von einer Überschwemmung durch die Franken heimgesucht worden.

FRANKENEINBRUCH IN ITALIEN 538, 539

Als Justinian mit den Plänen zur Eroberung Italiens umging, schickte er auch Gesandte an den Hof der Franken, und beschwor sie, bei dem gemeinsamen Band aus Freundschaft und Religion, dem heiligen Unternehmen gegen die ketzerischen Arianer beizutreten. Die Bedürfnisse der Goten waren dringlicher und also wandten sie, wenn auch vergeblich, eine nachdrücklichere Art der Überredung an, nämlich durch Landabtretungen oder Geldgeschenke die Allianz oder wenigstens die Neutralität dieser perfiden und leichtsinnigen Nation zu kaufen Dieser Vorwurf der Treulosigkeit gegen die ganze Nation (Prokop, 2,25) ist dem Ohr des La Mothe le Bayer eine Beleidigung (Band 8, p. 163-165); er kritisiert den griechischen Historiker als ob er ihn nie gelesen hätte.. Aber kaum hatten Belisars Waffen und die Empörung der Italiener den Königsthron der Goten ins Schwanken gebracht, als auch schon Theodebert von Austrasien, der mächtigste und kriegerischste Merowingerkönig sich bereit fand, ihrer Not durch eine indirekte und zeitnahe Hilfe entgegenzuwirken. Ohne die Einwilligung ihres Oberherren abzuwarten, stiegen zehtausend seiner neuen Untertanen, die Burgunder, von den Alpen nieder und vereinigten sich mit den Truppen, die Witiges gesandt hatte, das aufständische Mailand zu züchtigen. Nach einer verbissenen Belagerung wurde endlich Liguriens Hauptstadt durch Aushungerung bezwungen, konnte aber keine andere Kapitulation erlangen als den freien Abzug der römischen Garnison. Datius, der rechtgläubige Bischof, der seine Mitbürger zu Empörung Baronius spart für diesen Verrat nicht mit Beifall und rechtfertigt die katholischen Bischöfe » – qui, ne sub heretico principe degant omnem lapidem movent – « (...welche, um nicht unter einem häretischen Herrscher zu leben, alles mögliche Unternehmen) – ein nützlicher Hinweis. Muratori ist da etwas vernünftiger (Annali d'Italia Band 5, p. 54), bringt das Vergehen des Meineids ins Spiel und tadelt Datius' Unvernunft! und Untergang getrieben hatte, enteilte an den byzantinischen Hof zu neuem Luxus und neuen Ehren Im Kampf gegen Teufel war St. Datius erfolgreicher; er reist mit goßem Gefolge und führte zu Korinth ein großes Haus (Baronius, A.D. 538, Nr. 89; A.D.539, Nr. 20). Aber der Klerus, vermutlich der arianische, wurde am Fuße seiner eigenen Altäre von den Verteidigern des katholischen Glaubens hingeschlachtet. 300.000 Männer, so wird berichtet, kamen ums Leben Vergleiche Prokopios, Geth. 2,7 und 21). Aber eine solche Bevölkerung ist nicht glaubhaft. Und die zweite oder dritte Stadt Italiens möge nicht erröten, wenn wir hier nur ein Zehntel des gegenwärtigen Textes annehmen. Mailand und Genua blühten in weniger als dreißig Jahren wieder auf. (Paulus Diac. De Gestis Langobard. 2, 38); Frauen und andere wertvolle Beute bleib den Burgundern vorbehalten, und die Häuser, wenigstens aber die Ringmauern von Mailand wurden dem Erdboden gleichgemacht. Die Goten wurden in ihren letzten Augenblicken durch die Zerstörung einer Stadt gerächt, die an Größe und Wohlstand, an Schönheit der Gebäude und Zahl der Einwohner nur noch Rom nachstand, und alleine Belisar hatte Mitleid mit dem Schicksal seiner verlassenen und verratenen Freunde.

Durch diesen ersten Erfolg erhoben, brach Theodebert im folgenden Jahr mit einem Heer von hunderttausend Barbaren in Italiens Ebenen ein Neben dem wohl zu römischen Prokopios siehe auch die Chroniken von Marius und Marcellinus, Jordanes (in Success. Regn. in Muratori, Band 1,p. 241) und Gregor von Tours (3,32 in Band 2 der Historians of France) Gregor vermutet eine Niederlage des Belisar, der bei Amoin von den Franken geschlagen wurde. (de Gestis Franc. 2, 23, in Band 3, p. 59.). Der König und einige Erlesene seines Gefolges gönnten sich ein Pferd und waren bewaffnet mit Lanzen; die Infanterie, ohne Bogen, ohne Speer, begnügten sich mit einem Schild, einem Schwert und einer zweischneidigen Streitaxt, die in ihren Händen zu einer tödlichen und unfehlbaren Waffe wurde. Da die Franken marschierten, bebte Italien; und beide, der Gotenkönig und der römische General, gleich unkundig ihrer ferneren Entwürfe, und bemühten sich, zwischen Furcht und Hoffnung schwankend, um die Freundschaft dieser gefährlichen Bundesgenossen.

Solange er den Übergang über den Po und die Brücke bei Pavia nicht erfolgreich abgeschlossen hatte, verhehlte Chlodwigs Enkel seine wahren Absichten, gab sie aber schließlich preis, als er fast gleichzeitig die feindlichen Lager der Goten und Römer stürmen ließ. Anstatt nun ihre Waffen zu vereinigen, flohen beide mit vergleichbarer Hast; und die fruchtbaren, wenngleich verödeten Provinzen Ligurien und Aemilia waren einer freilaufenden Rotte von Barbaren ausgeliefert, welche durch keinen Gedanken an Eroberung oder spätere Besiedlung gemäßigt wurden. Unter den Städten, die sie zugrunde richteten, wird Genua, damals noch nicht mit Marmor ausgeschmückt, besonders hervorgehoben; und die Ermordung von Abertausenden scheint, da es sich dabei um regulären Kriegsbrauch handelte, weniger Abscheu erregt zu haben als einige abgöttische Frauen- und Kinderopfer, welche straflos im Lager des allerchristlichsten Königs dargebracht wurden.

Wäre es nicht eine trübselige Wahrheit, dass die ersten und grausamsten Leiden zuverlässig immer die Schuldlosen und Schwachen treffen, so möchte die Geschichte wohl über das Elend der Eroberer jubeln, welchen inmitten ihres Reichtums Wein und Brot fehlte, die genötigt waren, Wasser aus dem Po zu trinken und Fleisch von erkranktem Vieh zu essen: ein Drittel ihrer Armee raffte die Ruhr dahin; und das wütende Geschrei seiner Untertanen, welche mit Ungeduld auf den Rückmarsch über die Alpen drängten, machte Theodebert geneigt, Belisars milden Mahnungen achtungsvoll sein Gehör zu leihen. Das Andenken an diesen elenden und zugleich mörderischen Krieg wurde auf gallischen Münzen verewigt; und Justinian, der sein Schwert nicht einmal berührt hatte, nahm den Titel »Eroberer der Franken« an. Diese kaiserliche Selbstgefälligkeit hatte für den Merowingerkönig denn doch etwas Beleidigendes; er heuchelte Mitleiden mit den gesunkenen Goten, und seinem hintersinnigen Anerbieten zu einer Bundesvereinigung verlieh er Nachdruck durch die Ankündigung, wo nicht Drohung, er werde an der Spitze von fünfhunderttausend Mann aus den Alpen niederwärts steigen. Seine Eroberungspläne waren ausufernd und vielleicht nur schiere Phantasterei. Austrasiens König drohte damit, Justinian zu züchtigen und bis vor die Tore Konstantinopels zu ziehen Agathias, 1, p. 14f. Hätte er auch die Gepiden oder die pannonischen Langobarden besiegen oder abspenstig machen können, so wäre er, so die Überzeugung des griechischen Historikers, unfehlbar in Thrakien untergegangen.: ein wildes Hornvieh Ich will mich jetzt nicht in ein Labyrinth von Gattungen und Namen verlieren. Auerochse, Ur, Bison, Bubalus, Bonasus, Büffel &c. (Buffon, Hist. Nat., Band 11 und Suppl, Band 3 und 6); aber es steht fest, dass im 6. Jhdt. eine große und wilde Spezies eines Rindes in den Vogesen von Lothringen und in den belgischen Ardennen lebte. überrannte und tötete ihn Der König zielte mit dem Speer – der Auerochse rannte einen Baum auf seinen Kopf – desselbigen Tages verschied der König. Dies die Erzählung des Agathias. Aber die Originalhistoriker Frankreichs (Band 2, p. 202,403, 558 und 667) schieben seinen Tod einem Fieber zu., als er in den germanischen oder belgischen Wäldern das Waidwerk ausübte.

BELAGERUNG VON RAVENNA

Sobald sich Belisar seiner inneren und äußeren Feinde entledigt hatte, sammelte er ernstlich alle Kräfte, Italien endgültig zu erobern. Während der Belagerung von Osimo wurde er fast von einem Pfeil getroffen, wenn nicht einer seiner Leibwächter den tödlichen Schuss abgefangen hätte, der nun allerdings durch dieses Werk der Treue den Gebrauch einer Hand eingebüßt hätte. Die viertausend Goten von Osimo behaupteten zusammen mit denen von Faesulae und der Cottischen Alpen als die Letzten ihre Unabhängigkeit, und ihr tapferer Widerstand der die Geduld des Belagerers fast erschöpft hätte, verdiente sich durchaus seine Hochachtung. Seine politische Klugheit verweigerte ihnen das freie Geleit, welches sie verlangten, um zu ihren Brüdern in Ravenna zu stoßen; aber immerhin retteten sie im Rahmen der ehrenhaften Kapitulation die Hälfte ihres Besitzes und die freie Wahl, sich entweder friedlich auf ihre Landgüter zurück zu ziehen oder in die kaiserliche Armee einzutreten, um im Perserkrieg zu dienen. Die Massen, die immer noch unter Witiges' Panier standen, übertrafen die römischen Truppen zahlenmäßig bei weitem; aber weder Bitten noch Drohungen, noch die äußersten Gefahren seiner verbliebenen Anhänger waren geeignet, den Gotenkönig zum Abzug aus Ravennas Festung zu veranlassen. In der Tat, diese Festung blieb allen Angriffen, listenreichen wie gewaltsamen, unbezwingbar; und als Belisar die Hauptstadt einschloss, erkannte er schon bald, dass nur der Hunger den halsstarrigen Sinn der Barbaren würde beugen können. Die See, das Land und die Kanäle des Po ließ der römische General scharf überwachen, und seine Moralvorstellungen dehnten das Kriegsrecht bis hin zur Vergiftung der Gewässer Während der Belagerung von Auximum versuchte er zuerst ein altes Aquädukt zu zerstören und warf dann nacheinander in den Strom: 1-Leichen; 2-giftige Kräutetr; 3-gebrantten Kalk, welcher, wie Prokop 2,27 sagt, von den Alten Titanos und den Neuern Asbestos genannt wird. Beide Worte werden jedoch von Galen, Dioskorides und Lukian in gleicher Bedeutung gebraucht. (Henr. Stephanus, Thesaurus Linguae Graecae, 3, p. 748. und heimlicher Brandstiftung an den Kornspeichern Die Goten verdächtigten Mathasuintha der Mittäterschaft bei dem Unglück, welches durch Blitzschlag verursacht war. der belagerten Stadt Nach strenger Logik scheint die Beschränkung der Kriegrechte unsinnig und widersprüchlich. Grotius verliert sich in einer sinnlosen Unterscheidung zwischen ius naturae und ius gentium, zwischen Gift und Pest. In der einen Wagschale hat er die Stellen bei Homer (Odyssee 1,259 &c) und Florus (2,20, No 7 ult); und in der anderen die Beispiele Solon (Pausanias, 10, 37) und Belisar. Siehe sein großes Werk De Iure Belli et Pacis, 2,4, s.15-17). Doch kann ich mir den Segen und die Wirksamkeit einer – stillschweigenden oder ausdrücklichen – Übereinkunft vorstellen, sich bestimmter gegenseitiger Feindlicher Hndlungen zu enthalten. Siehe auch den Amphiktyonischen Eid bei Aeschines, de Falsa Legatione..

Während also Belisar die Blockade Ravennas weiter betrieb, überraschte ihn die Ankunft zweier Gesandter aus Konstantinopel mit einem Friedensvertrag, welchen Justinian törichterweise unterzeichnet hatte, ohne den Urheber dieses Sieges einer Anfrage für wert zu halten. Durch diese schandbare und ungeklärte Übereinkunft wurden Italien und die gotischen Schätze geteilt, und die Provinzen jenseits des Po zusammen mit dem Königstitel dem Erben Theoderichs überlassen. Die Gesandten drangen auf den raschen Vollzug ihrer heilsamen Mission, der eingeschlossene Witiges nahm das unerwartete Anerbieten einer Königskrone mit Entzücken an; für die Goten hatte gegenwärtig die Ehre weniger Gewicht als der nackte Hunger und der Lebensmittelmangel; und die römischen Offiziere, die gegen die Fortsetzung des Krieges zu murmeln begannen, bekannten sich zu einer bedingungslosen Unterwerfung unter die Anordnungen des Kaisers. Hätte Belisar bloß den Soldatenmut besessen, so wäre ihm der Lorbeer durch furcht- und neidgelenkten Ratschläge entwunden worden; in diesem Augenblick jedoch beschloss er mit großer staatsmännischer Gesinnung, die Gefahr und das Verdienst eines edlen Ungehorsams auf sich zu nehmen.

Jeder seiner Unterbefehlshaber gab schriftlich zu Protokoll, dass die Belagerung Ravennas unmöglich und hoffnungslos sei; hierauf verwarf allein der Feldherr den Teilungsvertrag und erklärte seinen Entschluss, Witiges in Ketten zu Justinians Füßen zu führen. Die Goten entfernten sich, bestürzt und verzagt; diese entscheidende Wendung beraubte sie der einzigen Unterschrift, der sie vertrauen konnten und erfüllte sie mit der gerechtfertigten Sorge, dass ein scharfblickender Feind ihre klägliche Lage in ganzem Umfange durchschaut habe. Sie verglichen Belisars Ruhm und Glück mit der misslichen Lage ihres glückverlassenen Königs; und diese Vergleichung führte zu einem außerordentlichen Projekt, dem Witiges mit scheinbarer Fassung beizutreten genötigt wurde. Teilung würde die Stärke der Nation und Auswanderung ihre Ehre mindern; aber sie boten ihre Waffen an, ihre Schätze und die Festungsanlage von Ravenna, wenn Belisar auf die Autorität eines obersten Gebieters verzichten, die Wahl der Goten gutheißen und, wie er es verdiene, das Königreich Italien annehmen wollte.

Selbst, wenn der falsche Glanz eines Diadems die Anhänglichkeit eines getreuen Untertanen hätte wankend machen können, so mussten seine Lebensklugheit die Unzuverlässigkeit der Barbaren vorhersehen und sein vernunftgeleiteter Ehrgeiz für die sichere und ehrenvolle Stellung eines römischen Feldherren votieren. Selbst die Nachsicht und gespielte Genugtuung, mit denen er auf die Einladung zum Verrat einging, hätten eine böswillige Interpretation zugelassen. Aber der Feldherr Justinians war sich seiner eigenen Rechtschaffenheit deutlich bewusst; er begab sich auf einen dunklen und krummen Pfad, der zur freiwilligen Unterwerfung der Goten führen konnte; und seine geschickte Politik überzeugte sie, dass er ihren Wünschen entgegenkommen wolle, ohne sich durch Eid oder Versprechung zur Erfüllung eines Vertrages zu verpflichten, den er verabscheute.

Der Tag zur Übergabe Ravennas ward von den gotischen Gesandten festgelegt; eine mit Proviant beladene Flotte, ein hochwillkommener Gast, segelte in den hintersten Winkel des Hafens ein; die Tore wurden dem vermeintlichen König Italien geöffnet, und Belisar zog, ohne einem Feinde zu begegnen, im Triumph durch die Straßen der uneinnehmbaren Stadt Ravenne wurde nicht 540, sondern Ende 539 eingenommen; Pagi (Band 2, p. 569) wird von Muratori berichtigt (Annali d'Italia, Band 5, p. 62), welcher anhand einer Originalurkunde aus Papyrus beweist (Antiquit. Italiae Medii AeviBand 2, Dissert.32, p. 999 – 1007 und Maffei, Istoria Diplomat. p. 155-160), dass vor dem 3. Januar 540 Friede und freier Verkehr zwischen Ravenna und Faenze wiederhergestellt waren.. Die Römer staunten nur über diesen ihren Erfolg; die Masse der hochgewachsenen und leibstarken Barbaren wurde durch das Bild ihrer eigenen Langmut irritiert, und die mannesstarken Weiber spuckten ihren Männern und Söhnen ins Gesicht und überschütteten sie mit den bittersten Vorwürfen, dass sie ihre Heimat und ihre Freiheit an diese Zwerge aus dem Süden preisgegeben hätten, lachhaft in ihrer Anzahl und dürftig von Statur. Ehe sich nun die Goten von ihrer Überraschung erholt hatten und auf die Erfüllung ihrer anfechtbaren Forderungen dringen konnten, etablierte der Sieger seine Macht in Ravenna, ohne späte Reue oder Empörung fürchten zu müssen.

Witiges, der möglicherweise Fluchtpläne geheckt hatte, wurde in seinem Palast in allen Ehren unter Wache gestellt Er wurde von Johannes dem Blutdürstigen ergriffen, aber ein Eid oder Sakrament bürgte für seines Lebens Sicherheit in der Basilica Iulii (Hist. Miscel. 17, in Muratori, Band 1, p. 107) Anastasius (Vita Pontif. P. 40) gibt eine schwerverständliche, aber wohl zutreffende Auskunft. Maskov (Geschichte d. Germ. 12,21) zitiert Montfaucon wegen eines als Weihe-Geschenk dargebrachten Schildes, der die Gefangenschaft des Witiges symbolisiert und der sich heite in Sammlung des Signore Landi in Rom befindet.; die Blüte der Gotischen Jugend wurde zum Dienst des Kaisers auserlesen; das übrige Volk wurde in ihre friedlichen Siedlungsgebiete in den südlichen Provinzen entlassen, und eine Kolonie Italiener war eingeladen, die entvölkerte Stadt mit neuem Leben zu erfüllen. Die Unterwerfung der Hauptstadt wurde von den anderen Städten und Siedlungen Italiens nachgemacht, selbst von denen, die die Römer nicht unterworfen, ja, nicht einmal aufgesucht hatten; und auch die unabhängigen Goten, die immer noch zu Pavia und Verona unter Waffen standen verlangten nur noch danach, Belisars Untertanen zu werden. Seine unwandelbare Treue indessen weigerte sich, ihren Treueeid anders als in seiner Eigenschaft als der Stellvertreter Justinians entgegenzunehmen, und er fühlte sich noch nicht einmal gekränkt, als ihm die gotischen Abgesandten vorwarfen, er wolle wohl lieber ein Sklave als ein König sein.

BELISARS RÜCKKEHR UND RUHM – 540

Nach Belisars zweitem Sieg begann der Neid wieder zu tuscheln, und Justinian lauschte, und der Held ward zurückbeordert. »Der restliche Gotenkrieg war auf seine Anwesenheit nicht weiter angewiesen; ein gnadenreicher Monarch verlangt darnach, seine Verdienste zu belohnen und sich seiner Weisheit zu bedienen; denn nur er allein wäre vermögend, das Morgenland vor den ungezählten Horden Persiens zu schützen.« Belisar entging der Argwohn nicht, ließ aber die Ausflucht gelten, schiffte sich zu Ravenna ein mitsamt der Trophäen und der Beute und bewies durch seinen prompten Gehorsam, dass diese unvermittelte Abberufung vom Regierungsamt zu Italien ebenso unberechtigt war wie sie unklug sein mochte. Der Kaiser nun empfing Witiges und seine edle Gattin mit ausgesuchter Artigkeit, und da Witiges endlich der athanasischen Glaubensrichtung beitrat, verlieh man ihm nebst einem reichlichen Erbteil Landes in Asien den Rang eines Senators und Patricius Witiges verbrachte zwei Jahre zu Konstantinopel, und »imperatoris in affectu convictus (oder coniunctus) rebus excessit humanis.« (mit dem Kaiser in Zuneigung verbunden, überragte er die normalen menschlichen Verhältnisse). Seine Witwe Mathasuenta, Gemahlin und Mutter der beiden Patrizier Germanus, vereinte das Blut der Anicier und Amaler in ihren Adern. (Jordanes 60, p. 221 bei Muratori, Band 1).. Jeder Zuschauer bestaunte ohne Risiko die Kraft und des Körperbau der Jungbarbaren; sie ihrerseits sanken vor der Erhabenheit des Thrones in den Staub und gelobten, ihr Blut im Dienste seiner Majestät zu vergießen. Die Schätze der gotischen Könige hinterlegte Justinian im Palast zu Byzanz. Zuweilen wurde es den Kriechern aus dem Senat gestattet, sich an ihrem Anblick zu weiden; vor den Augen der Öffentlichkeit blieb er eifersüchtig verschlossen, und der Eroberer Italiens leistete ohne Murmeln, vielleicht sogar ohne Seufzen Verzicht auf einen zweiten Triumphzug.

In der Tat hatte sein Ruhm einen solchen pompösen Prachtaufwand nicht mehr nötig, und das müde und hohle Lob des Hofes konnte selbst noch in diesem Zeitalter der Knechte durch die Ehrfurcht und Dankbarkeit des Vaterlandes ergänzt werden. Sooft er sich nun auf den Straßen und öffentlichen Plätzen Konstantinopels blicken ließ, erregte er die Aufmerksamkeit des Volkes und stellte sie zufrieden. Sein hoher Wuchs und die erhabene Miene entsprach den populären Begriffen von einem Helden. Noch der Geringste seiner Mitbürger fühlte sich durch sein gütiges und joviales Auftreten erhöht, und die kriegerische Encourage, die ihm auf dem Fuße folgte, gestattete zu seiner Person freieren Zugang als am Tage einer Schlacht. Siebentausend Berittene, die an Schönheit und Tapferkeit ihresgleichen suchten, wurden im Privatdienste des Generals auf dessen Kosten unterhalten Prok. Goth 3,1. Aimoin, ein französischer Mönch aus dem 11. Jhd., welcher einige authentische Nachrichten über Belisar erhalten und verbogen hat, erwähnt in seinem Namen 12.000 piuri oder Sklaven, »quos propriis alimus stipendiis« (welche wir auf eigene Kosten ernähren) neben 13000 Soldaten (Historiens de France Band 3, de Gestis Fran., 2,6, p- 48). Ihre Kühnheit hatte sie bereits Einzelkämpfen oder in vorderster Linie bewährt; und beide Gruppen gestanden, dass während der Belagerung Roms die Leibwachen Belisars ganz allein die Feinde zu Paaren getrieben hätten. Ihre Zahl wurde beständig durch die Tapfersten und treuesten aus den Reihen der Feinde vergrößert; und die Kriegsgefangenen, die das größte Glück gehabt hatten, die Vandalen, die Mauren und die Goten, wetteiferten an Anhänglichkeit geradezu mit seine bewährten Haustruppen.

Durch diese Vereinigung von Freigebigkeit und Gerechtigkeit gewann er die Wertschätzung der Soldaten, ohne die des Volkes zu verlieren. Die Kranken und Verwundeten wurden mit Arzneien und Geld unterstützt und wirksamer noch durch das lindernde Lächeln und die Besuche des Befehlshabers. Der Verlust einer Waffe oder eines Pferdes wurde augenblicklich ersetzt, und jede Tat der Tapferkeit ward ausgezeichnet durch das wertvolle Geschenk eines Arm- oder Halsreifes, deren Wert noch gesteigert wurde durch das persönliche Lob Belisars. Den Landwirten wurde er lieb und teuer infolge des Friedens und der Wohltandes, die sich überall einstellten, wo seine Fahne wehte. Der Durchzug einer römischen Armee wurde dem Land nicht wie sonst zum Verhängnis, sondern bereicherte es, denn so streng war die Disziplin ihres Lagers, dass kein Apfel vom Baum gepflückt und kein Pfad in ein Kornfeld getrampelt werden durfte.

Belisar selbst war keusch und nüchtern. Niemand konnte sich rühmen, ihn inmitten der Ungebundenheit kriegerischer Wechselfälle jemals betrunken gesehen zu haben. Die lieblichsten weiblichen Gefangenen des Vandalen- oder Gotenstammes wurden ihm dargeboten, sie zu umschlingen; er aber wandte seine Blicke ab von ihren Reizen, und niemals stand der Gatte der Antonina im Verdacht, die Regeln ehelicher Treue missachtet zu haben. Der Augenzeuge und Erzähler seiner Kriegstaten hat angemerkt, dass Belisar mitten im Krieg kühn war ohne Überstürzung, vorsichtig ohne Furcht und schnell oder langsam ganz nach den Erfordernissen des Augenblicks, dass er in der heikelsten Lage immer noch von echter oder auch nur scheinbarer Hoffnung beseelt, im höchsten Glück jedoch bescheiden und demütig war; in diesen Tugenden übertraf er sogar noch die Altmeister der Kriegskunst. Zu Wasser und zu Lande folgte der Sieg seinen Waffen; er unterwarf Afrika, Italien und die benachbarten Inseln; führte die Nachfolger eines Geiserich oder Theoderich gefangen fort; überschwemmte Konstantinopel mit der Beute aus ihren Palästen und eroberte innerhalb von sechs Jahren die Hälfte aller Provinzen der westlichen Reichshälfte zurück. An Ruhm und Verdienst, an Reichtum und Einfluss hatte er keinen Nebenbuhler und blieb der erste römische Untertan. Die Stimme der Missgunst konnte seine bedrohliche Größe nur vermehren; und der Kaiser durfte sich zu seinem Scharfblick selbst gratulieren, mit dem Belisars Genie entdeckt und gefördert hatte.

DIE GEHEIMGESCHICHTE SEINER FRAU ANTONINA

Es war römisches Brauchtum, dass während eines Triumphzuges hinter dem Wagen ein Sklave herging, den Sieger an den Unbestand des Glückes und die Hinfälligkeit der menschlichen Natur zu erinnern. Prokopios hat, jedenfalls in seiner Anekdota dieses undankbare Sklavenamt übernommen. Der edelmütige Leser mag diese Schmähschrift fortwerfen, aber die Glaubwürdigkeit der Fakten wird ihm dennoch immer im Gedächtnis bleiben, und widerstrebend wird er bekennen, dass der Ruhm und selbst noch die Tugenden Belisars durch die Lüsternheit und Grausamkeit besudelt wurden, und dass der Held einen Ekelnamen verdiente, welcher der Feder eines auf Anstand bedachten Historikers nicht entfahren darf. Die Mutter der Antonina Der Fleiß des Alemannus konnte den vier ersten – und noch lesenswertesten – Kapiteln der Anekdota (Geheimgeschichte) nur wenig hinzufügen Von diesen seltsamen Geschichten mag ein Teil wahr sein, weil er wahrscheinlich ist, und ein Teil, weil unwahrscheinlich ist. Prokopios muss die Erstgenannten gewusst haben und konnte sich die Letzteren schwerlich ausdenken. war eine Theaterhure, und sowohl ihr Großvater wie ihr Vater übten zu Thessaloniki bzw. Konstantinopel das nicht eben ehrbare, aber wenigstens recht einträgliche Gewerbe von Wagenlenkern aus. Auf den verschiedenen Stationen ihrer Doppelkarrieren wurde sie die Begleiterin, Feindin, Dienerin und Vertraute der Kaiserin Theodora; diese unzüchtigen und ehrgeizigen Frauenzimmer waren durch die Ähnlichkeit ihrer Vergnügungen einander ähnlich, durch die Schandbarkeit ihrer Laster einander abgeneigt und endlich durch Schuld miteinander geeint. Vor ihrer Ehe mit Belisar hatte Antonina bereits einen Mann und zahlreiche Liebhaber gehabt.

IHR LIEBHABER THEODOSIUS

Photius, ihr Sohn aus erster Ehe, war in dem Alter, dass er sich bei der Belagerung der von Neapel auszeichnen konnte; und erst, da ihre Jahre und Schönheit Prokop (Anek. 4) deutet an, dass Antonina 60 J. alt war, als Belisar aus Italien zurückkehrte. Eine bemühte, aber höflichere Deutung, welche dies auf den Zeitpunkt der Abfassung (559) bezieht, passt besser zu Photius mannbarem Alter (5536) (Got. 1,10) zur Neige gingen, frönte sie einer skandalösen Beziehung zu einem thrakischen Jüngling. Dieser Theodosius war in der Eunomianischen Ketzerei aufgezogen: die afrikanische Reise wurde durch die Taufe und den Glück verheißenden Namen des Soldaten geheiligt, der als erster an Bord eines Schiffes ging; und der Neubekehrte wurde in die Familie seiner geistlichen Eltern Vergleiche den Vandalenkrieg (1,12) mit den Anekdota 1 und Alemannius (p. 2ff). Diese Art der Kindesannahme durch Taufe wurde von Leo, dem Philosophen erneuert., Belisar und Antonina, aufgenommen. Noch vor der Ankunft an der Küste Afrika war diese heilige Beziehung zu einer sinnlichen Liebe abgeartet, und da Antonina schon bald die Grenzen des Anstandes und der Vorsicht überschritten hatte, ahnte einzig der römische Feldherr nichts von seiner Schande. Während des Aufenthalts in Karthago überraschte er die beiden Liebhaber in einem unterirdischen Gemach, alleine, in Hitze und nahezu nackt. Zorn blitzte aus seinen Augen. »Mit der Hilfe dieses jungen Mannes,« sagte Antonina, und sie errötete nicht dabei, »verberge ich diese unsere kostbarste Habe vor Justinians Argwohn.« Der Jüngling legte seine Kleidung wieder an, und der Gatte beschloss, seinen eigenen Sinnen nicht zu trauen.

Aus dieser erquicklichen und vielleicht sogar freiwilligen Illusion ward Belisar in Syrakus durch die Magd Macedonia gerissen; diese diensteifrige Zuträgerin berief sich, nachdem sie zuvor einen Eid für ihre Sicherheit eingefordert hatte, auf zwei Kammerdiener, welche, so wie sie selbst, oftmals Zeuge von Antoninas ehelicher Untreue gewesen waren. Nur eine überstürzte Flucht nach Asien rettete Theodosius vor der Rache des erzürnten Ehemannes, welcher bereits einem aus der Leibwache den Befehl zu seiner Hinrichtung gegeben hatte; aber Antoninas Tränen im Verein mit ihren Verführungskünsten überzeugten den blindgläubigen Helden von ihrer Unschuld, ja, er erniedrigte sich sogar soweit gegen sein gegebenes Wort und seinen Eid, dass er die unbedachten Freunde verriet, welche die Keuschheit seiner Frau zu bezweifeln oder anzuklagen sich erkühnt hatten. Es ist aber die Rache eines schuldigen Weibes blutig und unversöhnlich: die unglückselige Macedonia und ihre beiden Zeugen wurden von den Dienern ihrer Grausamkeit heimlich verhaftet, die Zungen wurden ihnen herausgeschnitten, ihre Körper in kleine Stücke zerhackt und in die offene See vor Syrakus geworfen. Eine rasch hingeworfene, aber lebenskluge Bemerkung Constantins: »Ich hätte eher die Ehebrecherin als den Jüngling bestraft,« brannte sich tief in Antoninas Gedächtnis ein, und als nach zwei Jahren die Verzweiflung diesen Offizier gegen seinen Feldherren waffnete, wurde seine Hinrichtung durch ihr mordgieriges Anraten entschieden und beschleunigt.

Selbst Photius erhielt von seiner Mutter für seine Entrüstung keinen Pardon; die Verbannung ihres Sohnes bereitete zugleich die Rückberufung ihres Liebhabers vor, und Theodosius zeigte sich geneigt, die peinliche und dringliche Einladung des Eroberers von Italien anzunehmen. In der unumschränkten Leitung seines Hauswesens und in den wichtigen, den Krieg und den Frieden betreffenden Aufträgen Im November 537 verhaftete Photius den Papst (Liberat. Brev. c. 22. Pagi, Band 2, p. 562); Gegen Ende 539 schickte Belisar Theodosius in einer wichtigen und einträglichen Angelegenheit nach Ravenna (Goth. 2, 18) erwarb der Günstling ein Vermögen von vierhunderttausend Pfund Sterling. Nach ihrer Rückkehr nach Konstantinopel blieb Antoninas Leidenschaft unvermindert und heiß. Indessen: Furcht, Frömmigkeit und vermutlich auch Überdruss brachten Theodosius auf andere Gedanken. Zum einen fürchtete er den nimmer rastenden Hauptstadt-Klatsch, dann auch die zudringlichen Zärtlichkeiten von Belisars Gattin, und so entzog er sich ihren Umhalsungen, zog sich zurück nach Ephesos, schor sein Haupthaar und suchte in der Heiligkeit eines monastischen Daseins Zuflucht. Die Verzweiflung der neuen Ariadne hätte sich noch nicht einmal durch den Tod ihres echten Gatten entschuldigen lassen. Sie wehklagte, zerraufte die Haare und erfüllte den Palast mit ihrem Heulen: »sie habe den teuersten der Freunde verloren, den zärtlichsten, getreusten, eifrigsten.« Aber ihr heißes Flehen, verstärkt noch durch Belisars Bitten, war unvermögend, den heiligen Mönch aus seiner Einsamkeit zu Ephesos hervorzulocken. Erst, als der Feldherr zum Feldzug gegen Persien rüstete, ließ sich Theodosius bewegen, nach Konstantinopel zurückzukehren; und tatsächlich war die knappe Frist bis zu Antoninas Abreise ungescheut der Liebe und der Brunft gewidmet.

RACHSUCHT BELISARS UND IHRES SOHNES PHOTIUS

Ein Philosoph darf die Schwächen der Weibsnatur bemitleiden und verzeihen, wenn er persönlich nicht involviert ist; aber verächtlich ist der Mann, der seine eigene Schande in jener seiner Gattin fühlt und dennoch erträgt. Ihrem Sohn widmete Antonina ihren bittersten Hass; und im Lager jenseits des Tigris war der wackere Photius Theophanes (Chronograhie, p. 204) nennt ihn Photis, Stiefsohn von Belisar; und die Historia miscella und Anastasius schreiben es ihm ab. denn auch ihren geheimen Nachstellungen ausgesetzt. Wütend über das Unrecht, das ihm geschah, und über die Entehrung seines Blutes, brachte er seinerseits die Stimme der Natur in sich zum Schweigen, und enthüllte Belisar die Schändlichkeit eines Weibes, das alle Pflichten einer Mutter und Gattin vergessen hatte. Aus der Überraschung und Empörung des römischen Generals lässt sich leicht schließen, dass seine frühere Ahnungslosigkeit echt gewesen sein muss: er umfasste die Knie des Sohnes der Antonina, beschwor ihn, nicht seiner Geburt eingedenk zu sein sondern seiner Pflichten, und beide bekräftigten am Altar ihren Racheschwur.

Die Herrschaft der Antonina hatte wegen ihrer Abwesenheit an Einfluss verloren; und als sie dann mit ihrem Gemahl bei dessen Rückkehr von der persischen Grenze zusammentraf, ließ Belisar in einer ersten und kurzlebigen Gefühlsaufwallung Antonina verhaften und bedrohte ihr Leben. Photius war eher entschlossen zu strafen als zu verzeihen: er stürmte nach Ephesus, erpresste von einem vertrauten Eunuchen seiner Mutter das umfassende Bekenntnis ihrer Schuld, verhaftete Theodosius mitsamt seiner Schätze in der Johannis-Kirche und verbarg seinen Gefangenen, dessen Hinrichtung nur aufgeschoben war, in einer sicheren und abgelegenen Festung Ciliciens.

Ein so dreister Frevel gegen die öffentliche Gerechtigkeit durfte nicht straflos hingehen; und so ergriff die Kaiserin selbst Partei für Antonina, hatte letztere sich doch neuerliche Verdienste erworben, als es darum gegangen war, einen Präfekten in Ungnade zu stürzen und einen Papst zu exilieren und dann zu ermorden. Am Ende des Feldzugs wurde Belisar zurückberufen; er fügte sich, wie gewohnt, dem kaiserlichen Befehl. Für Empörung war sein Gemüt nicht vorbereitet; sein Gehorsam stand im Einklang mit den Wünschen seines Herzens, selbst wenn dies den Geboten der Ehre zuwiderlief. Und als er sein Weib umarmte, – dies auf Anordnung und vermutlich auch in Gegenwart der Kaiserin – war auch der zärtliche Gatte gestimmt zu verzeihen oder Verzeihung zu erlangen. Theodora hatte in ihrer Güte ihrer Gesellschafterin eine ganz besondere Gunst aufgespart. »Ich habe,« sagte sie, »meine liebste Patrizierin, eine Perle von unschätzbarem Wert gefunden; keines Sterblichen Auge hat sie je geschaut; doch sind der Anblick und der Besitz dieser Kostbarkeit meiner Freundin bestimmt.« Sobald nun Antoninas Neugier und Ungeduld genügend angefacht waren, flogen die Türen des Schlafgemachs auf, und sie erblickte ihren Liebhaber, den die umtriebigen Eunuchen in seinem Geheimgefängnis ausgespäht hatten. Ihr sprachloses Staunen brach schließlich in heftige Freuden- und Dankesrufe aus; sie nannte Theodora ihre Königin, Wohltäterin, Retterin. Der Mönch von Ephesos wurde nun im Palast üppig und mit gebotener Ehrfurcht beköstigt, anstatt aber nun den ihm versprochenen Oberbefehl über die römische Armee zu übernehmen, verschied Theodosius bei den ersten Anstrengungen einer verliebten Zusammenkunft.

Antoninas Trauer konnte nur auf eine Weise gelindert werden: indem ihr Sohn litt. Ein Jüngling von konsularischem Range und kränkelnder Konstitution wurde wie ein Verbrecher oder Sklave ohne Gerichtsverfahren gezüchtigt: und so standhaft war Photios in seiner Seele, dass er die Foltern und die Geißelung aushielt, ohne die Treue zu brechen, die er Belisar geschworen hatte. Nach dieser ergebnislosen Grausamkeit wurde Antoninas Sohn, während seine Mutter sich mit der Kaiserin amüsierte, in einem unterirdischen Verlies begraben, wo es keine Unterschiede zwischen Tag und Nacht mehr gibt. Zweimal entkam er in die ehrwürdigsten Freistätten Konstantinopels, die Sophien- und Marienkirche; aber Folterknechte waren für die Stimme des Mitleids ebenso taub wie für die der Religion; und also ward der wehrlose Jüngling zweimal unter dem Klagegeschrei von Volk und Klerus vom Altar in den Kerker verschleppt. Der dritte Versuch indessen war erfolgreicher. Nach drei Jahren wies ihm der Prophet Zacharias oder irgendein Sterblicher die Wege zur Flucht; er düpierte die Späher und Wachen der Kaiserin, gelangte bis zum Heiligen Grabe zu Jerusalem und wurde ein Mönch; und nach dem Tode Justinians wurde der Abt in Dienst genommen, um die Kirchen Ägyptens zu einen und zu ordnen. Antoninas Sohn erlitt alle Qualen, die ein Feind nur zufügen kann; Antoninas geduldiger Ehemann tat sich den viel schlimmeren Tort an, sein Wort zu brechen und seinen Freund zu verraten.

BELISARS UNGNADE UND UNTERWERFUNG

Im nächsten Feldzug wurde Belisar neuerlich gegen die Perser losgeschickt; er rettete den Osten des Reiches, aber er tat Theodora und womöglich auch noch dem Kaiser einen Schimpf an. Justinian war erkrankt, wodurch das Gerücht von seinem Ableben genährt wurde; und der römische General führte in der Voraussetzung dieses Ereignisses die freie Sprache eines Bürgers und Kriegers im Munde. Sein Mitfeldherr Buzes, der ganz ähnlich dachte, verlor nacheinander, da die Kaiserin ihm nachstellte, seinen Rang, seine Freiheit, seine Gesundheit: Belisars Ungnade ward abgemildert durch die Würde seiner Stellung

und durch die Dazwischenkunft seiner Frau, die wohl seine Demütigung wünschen mochte, aber sicher nicht darnach verlangte, den Genossen ihrer Größe zu vernichten. Selbst seine Rückberufung wurde noch versüßt durch die Zusicherung, dass die niederliegenden Verhältnisse in Italien nur durch die Anwesenheit seines Bezwingers geordnet werden könnten.

Kaum war er indessen zurückgekehrt, hilf- und wehrlos, als auch schon eine feindliche Kommission in den Osten aufbrach, sein Vermögen zu entwenden und seine Taten zu kriminalisieren. Die Veteranen und Wachen, die seinem privaten Banner unterstanden, wurden wurde unter die diversen Armeebefehlshaber aufgeteilt, und selbst die Verschnittenen entblödeten sich nicht, um die Verteilung seiner Hausmacht zu knobeln. Als er mit einem kleinen und kümmerlichen Restgefolge durch die Straßen Konstantinopels zog, erregte seine erloschene Glorie das Staunen und Mitleiden des Volkes. Justinian und Theodora empfingen ihn mit kaltem Undank; der elende Pöbel mit Hohn und Verachtung; und am Abend zog er sich in seinen Palast zurück, wanken Schrittes. Eine Unpässlichkeit, simuliert oder echt, hatte Antonina in ihr Zimmer gefesselt, und mit verächtlichem Schweigen wandelte sie im anliegenden Portico, während Belisar sich auf sein Bett warf und mit Betrübnis und Angst auf den Tod wartete, dem er vor den Mauern Roms sooft getrotzt hatte. Lange nach Sonnenuntergang wurde ein Bote der Kaiserin angemeldet: mit angstvoller Neugier öffnete er den Brief, der sein weiteres Schicksal enthielt: »Es kann dir nicht unbekannt sein, wie sehr du meine höchste Ungnade verdient hast. Aber ich bin gegen die Verdienste der Antonina nicht unerkenntlich. Ihren Verdiensten und ihrer Vermittlung habe ich dein Leben zurückgegeben, auch gestatte ich dir einen Teil deiner Schätze zu behalten, die billig dem Staate anheim gefallen sind. Gib deine Dankbarkeit nicht in Worten zu erkennen, sondern, wann immer möglich, in deinem zukünftigen Aufführungen.«

Es ist mir unmöglich, die »ausgelassene Freude« zu glauben oder gar zu beschreiben, womit der Held, wie überliefert ist, dieses infame Pardon aufnahm. Er warf sich vor seiner Frau auf die Erde, küsste seiner Retterin die Füße, und versprach pflichtschuldigst, als Antoninas dankbarer und submissester Sklave zu leben und zu sterben. Eine Buße von 120.000 Pfund Sterling wurde von Belisars Vermögen einbehalten; und mit dem Amte eines comes oder kaiserlichen Oberstallmeisters ausgestattet übernahm er die Führung des italienischen Krieges. Bei seiner Abreise aus Konstantinopel waren seine Freunde und selbst noch die Öffentlichkeit überzeugt, dass er nach wiedererlangter Freiheit unverzüglich jede weitere Verstellung aufgeben würde und das sein Weib, die Kaiserin Theodora und selbst noch der Kaiser Justinian dem berechtigten Rachefeldzug des tugendhaften Helden zum Opfer fallen würden. Ihre Erwartungen wurden allesamt getäuscht; und die unerschöpfliche Langmut und Gefolgschaftstreue Belisars scheint deshalb über oder unter allem zu liegen, was menschenmöglich ist Der Fortsetzer der Chronik des Marcellinus entwirft in wenigen ausgesuchten Worten den Hauptinhalt der Anekdota: Belisarius de Oriente evocatus, in offensam periculumque incurrens grave, et invidiae subiacens rursus remittitur in Italiam. (Belisar aus dem Oste abberufen, gerät in Ungnade und schwere Gefahr, und wird, ein Opfer des Neides, erneut nach Italien geschickt, (p. 54.).








TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.