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Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 39

Edward Gibbon: Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 39 - Kapitel 1
Quellenangabe
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typetractate
authorEdward Gibbon
titleVerfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 39
publisherprojekt.gutenberg.de
year2013
firstpub2013
translatorCornelius Melville
correctorreuters@abc.de
senderCornelius Melville
created20130312
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Edward Gibbon

Verfall und Untergang des Römischen Reiches - 5. Band - Kapitel 39

 

© und Übersetzung:
Cornelius Melville

 

XXXIX

ZENO UND ANASTASIUS, KAISER DES OSTENS · GEBURT, JUGEND UND ERSTE SIEGE VON THEODERICH, DEM OSTGOTEN · EROBERUNG ITALIENS · DAS KÖNIGREICH DER GOTEN IN ITALIEN · USTAND DES WESTENS · MILITÄR- UND ZIVILVERWALTUNG · BOETHIUS · TOD DES SYMMACHUS · REUE UND TOD THEODERICHS

 

Nach dem Untergang des römischen Reiches im Westen folgten bis zum Beginn der rühmlich bekannten Herrschaft des Justinian die fünfzig ereignislosen und schlecht dokumentierten Regierungsjahre des Zeno, Anastasius und Justin, die einander auf den Thron von Konstantinopel ablösten. Zur gleichen Zeit erholte sich Italien und erblühte neuerlich unter der Herrschaft eines Gotenkönigs, der eine Bildsäule unter den Besten und Tapfersten der alten Römer verdient hätte.

THEODERICH A.D. 476 – 527

Theoderich der Ostgote, der vierzehnte in gerader Abstammung aus der königlichen Dynastie der Amaler Jordanes (De rebus Geticis, c 13 und 14) hat die Herkunft Theoderichs bis zu Gapt, einen der Anses oder Halbgötter aus der Zeit des Domitian zurückverfolgt. Cassiodorus, welcher als erster das Königsgeschlecht der Amaler rühmlich nennt (Variae 8,5; 9,25; 10,2; 11,1), zählt Theoderichs Enkel als den siebzehnten seines Geschlechtes. Peringskjöld (der schwedische Kommentator des Cochlaeus, Vita Theodorici, p. 271, Stockholm 1699) ist bemüht, diese Genealogie mit Legenden und Überlieferungen seines eigenen Landes in Verbindung zu bringen., wurde zwei Jahre nach dem Tod Attilas in der Nähe von Vienna Um genauer zu sein: am Ufer des Sees Pelso (Neusiedlersee) in der Nähe von Carnutum, fast an demselben Ort, wo Marcus Aurelius seine Meditationen verfasst hatte. Jordanes, 52. Severin, Pannonia illustrata, p. 22. Cellarius, Geographia Antiqua, Band 1, p. 350) geboren. Ein jüngst errungener Sieg hatte die Freiheit der Ostgoten wieder hergestellt; und die drei Brüder Walamir, Theodimir und Widimir, die das Kriegervolk gemeinsam regierten, hatten sich an getrennten Orten in der darniederliegenden, aber fruchtbaren Provinz Pannoniens angesiedelt. Die Hunnen gingen zwar gegen ihre aufsässigen Untertanen vor, aber ihr vorschneller Angriff wurde durch die Krieger Walamirs zurückgeworfen, und die Zeitung seines Sieges erreichte den fernen Bruder in seinem Lager in genau dem glücklichen Augenblick, da seine Lieblingskonkubine eines Sohnes und Erben genas. In seinem achten Lebensjahr opferte sein Vater Theoderich widerstrebend der Staatsraison, als das Unterpfand eines Bündnisses, welches Leo, Kaiser des Ostens, gegen eine jährliche Zahlung von dreihundert Pfund Gold einzugehen bereit gewesen war. Die königliche Geisel erhielt in Konstantinopel eine sorgfältige und herzensgütige Erziehung. Sein Körper ward für alle Anforderungen des Krieges ausgebildet, sein Geist durch Toleranz geweitet; er ging bei den besten Lehrern in die Schule; gleichwohl verachtete und vernachlässigte er die griechische Kultur und blieb selbst in den Anfangsgründen der Kulturtechniken so unbedarft, dass eine grobe Schablone verfertigt werden musste, auf dass die Unterschrift des illiteraten Königs von Italien Gestalt annehme Die vier ersten Buchstaben (ΘΕΟΔ) seines Namens wurden in ein Goldblech eingestanzt, und wenn es auf das Papier gedrückt wurde, konnte der König einen Stift durch die Ritzen ziehen. (Anonym. Valesiani ad calcem Ammiani Marcellini p. 722.) Diese durch das Zeugnis des Prokopios oder doch wenigstens der zeitgenössischen Goten erwiesene Tatsache (Gothica 1,2) hat bedeutend mehr Aussagekraft als die nebulösen Lobgesänge eines Ennodius (Sirmond Opera, Band 1, p. 1596) oder Theophanes (Chronographica p. 112.).

Sobald er achtzehn Jahre alt war, stand er wieder den Ostgoten zu Diensten, welche der Kaiser durch Freigebigkeit und Zutrauen auf seine Seite ziehen wollte. Walamir war im Kampf gefallen; der jüngste der Brüder, Widimir, war mit einer Armee von Barbaren nach Italien abgezogen, und so anerkannte das Volk einhellig den Vater Theoderichs als König. Seine kampfesfreudigen Untertanen bewunderten die Größe und Stärke ihres jungen Fürsten »Statura est quae resignet proceritate regnantem, (Die Körpergröße gibt den Herrscher zu erkennen).Ennodius, p. 1614. Der Bischof von Pavia (ich meine den Geistlichen, der gerne Bischof sein wollte) fährt danach fort, Gesichtsfarbe, Augen, Hände etc. seines Königs zu rühmen.; und schon bald überzeugte er sie davon, dass er seinen Vorfahren an Mut in nichts nachstand. An der Spitze von sechstausend Freiwilligen verließ er das Lager auf der Suche nach Abenteuern, zog entlang der Donau bis nach Singidunum oder Belgrad und kehrte schon bald zu seinem Vater zurück, mit Beute reich beladen, welche er dem von ihm besiegten und erschlagenen sarmatischen König abgenommen hatte. Derlei Triumphe waren indessen nur zur Mehrung seines Ruhmes tauglich, denn schon bald fehlte es den unbesiegbaren Ostgoten an Nahrung und Kleidung. So beschlossen sie den einstimmig, ihr Lager in Pannonien aufzugeben und unverzagt in die wärmere und ergiebigere Nachbarschaft von Byzanz zu ziehen, wo sich bereits viele verbündete gotische Verbände aufhielten, wohlgelitten und wohlversorgt. Nachdem sie mit Hilfe einiger feindseliger Akte demonstriert hatten, dass sie gefährlich oder doch wenigsten beschwerlich werden konnten, verkauften die Ostgoten zu einem sehr guten Preis Versöhnung und Treue und wurden mit der Verteidigung der unteren Donau betraut, letzteres unter dem Kommando Theoderichs, welcher nach dem Tode seines Vaters den Thron der Amaler bestieg Die Situation der Ostgoten und die ersten Regierungsjahre des Theoderich kann man bei Jordanes (52-56) und Malchus (Excertpa lagationum p. 78-80) finden, welcher ihn irrtümlich zum Sohn Walamirs macht..

ZENO REGIERT A.D. 474 – 491

Ein Held von königlichem Geblüte muss den armseligen Isaurier verachtet haben, welcher den Purpur Roms trug, ohne dazu Talent zu besitzen, Neigung zu verspüren oder wenigstens aus hohem Hause zu sein oder sonstige Vorzüge aufzuweisen. Nach dem Aussterben der theodosianischen Linie mochten die Charaktere des Marcian und Leo ihre Wahl durch Pulcheria und den Senat im gewissen Umfang gerechtfertigt haben, aber der letztere dieser beiden Herrscher festigte und besudelte zugleich seine Herrschaft durch die heimtückische Ermordung von Aspar und seinen Söhnen, welche ihr Dankes- und Gehorsamsschuld zu nachdrücklich eingefordert hatten. Das Erbe Leos und die Herrschaft über den Osten wurden anstandslos auf seinen unmündigen Enkel übertragen, den Sohn seiner Tochter Ariadne; und ihr isaurischer Gatte, der beglückte Trascalisseus, tauschte seinen misstönigen Namen gegen das griechische Zeno. Nach dem Tode des älteren Leo näherte er sich mit nahezu unnatürlicher Ehrfurcht dem Thron seines Sohnes, empfing demütig die zweite Stelle im Staate als ein Geschenk und erregte schon bald öffentlichen Argwohn infolge des plötzlichen und vorzeitigen Todes seines jungen Mitregenten, dessen Anwesenheit dem Ziel seines eigenen Ehrgeizes nicht länger förderlich war. Aber im Palast von Konstantinopel herrschten Weiberregiment und dominierten Leidenschaften; und Verina, die Witwe Leos, die seinen Herrschaftsanspruch für sich reklamierte, verfügte die Amtsenthebung gegen den unwürdigen und undankbaren Sklaven, der doch ihr ganz allein das Szepter des Ostens zu danken hatte Theophanes p. 111 fügt hier eine Abschrift ihrer heiligen Briefe an die Provinzen bei. Solche Ansprüche einer Frau hätten sogar die Sklaven der ersten Caesaren in Erstaunen versetzt..

Sobald Zeno dies vernommen hatte, entfloh er voll Hastigkeit in das Gebirge von Isaurien, und ihr Bruder Basiliscus, der sich bereits auf dem Afrikafeldzug mit Schande bedeckt hatte Band III, p. 477-480, wurde durch die Sklavenseelen des Senates einstimmig zum Herrscher ausgerufen. Indessen, die Regierungszeit des Thronräubers war nur kurz und ungeordnet. Zunächst beging Basiliskus die Dummheit, den Liebhaber seiner Schwester zu ermorden; dann war er so kühn, den Liebhaber seiner eigenen Frau zu kränken, den eitlen und impertinenten Harmatius, der sich inmitten des asiatischen Luxus' die Kleidung, das Auftreten und den Namen von Achilles aneignete Suidas, Band 1, p. 332, 333, ed. Kuster. Die Verschwörung der Unzufriedenen rief Zeno aus dem Exil zurück; die Armee, die Hauptstadt und Basiliscus wurden verraten; und seine ganze Familie wurde zu einer langen Leidenszeit mit Hunger und Kälte verdammt, da der unmenschliche Sieger zu feige war, Mut anzuerkennen oder seinen Feinden zu vergeben. Nur Verinas stolzer Sinn war zu Unterwerfung oder Umkehr nicht bereit. Sie reizte insgeheim einen in Gunst stehenden General zur Feindschaft, nahm sich seiner an, sobald er in Ungnade gefallen war, installierte neue Herrscher in Syrien und Ägypten, stellte eine Armee von siebzigtausend Mann auf die Beine und blieb bis zu ihrem letzten Atemzug eine Rebellin, was, den Gebräuchen der Zeit entsprechend, christliche Einsiedler und heidnische Zauberer längst vorausgesagt hatten. Während also der Osten vor Verinas Zorn bebte, zeichnete sich ihre Tochter Ariadne durch die weiblichen Tugenden der Barmherzigkeit und Treue aus. Sie folgte ihrem Gatten ins Exil, und nach seiner Rückkehr flehte sie um Milde für ihre Mutter. Beim Tode von Zeno gab Ariadne, die Tochter, Mutter und Witwe eines Herrschers ihre Hand und den Kaisertitel dem Anastasius, einem betagtem Palastdiener, welche nach seiner Ernennung noch siebenundzwanzig Jahre lebte und dessen Charakter hinreichend durch die Zurufe des Volkes gekennzeichnet wird: »Herrsche so, wie du bisher gelebt hast.« Die zeitgenössischen Geschichtswerke des Malchus und Candidus sind uns verloren; aber einige Auszüge oder Fragmente hat Photios gerettet (78 und 79), ferner Constantin Porphyrogenitus (Erxcerpta legationum p. 78-97) und diverse Artikel der Suidas. Die Chroniken des Marcellinus (Imago Historiae) sind gleichsam Urkunden für die Regierung des Zeno und Anastasius; und an dieser Stelle muss ich wohl zu letzten Male eingestehen, wie sehr ich den großen und zuverlässigen Sammlungen des Tillemont verpflichtet bin (Histoire des empereurs, Band 6, p. 472-652).

ANASTASIUS A.D. 491 – 518

Zu welchen Handlungen Furcht oder Zuneigung den Menschen bestimmen, Zeno überschüttete den König der Ostgoten damit überreichlich: dem Rang eines Patricius und Konsuls, dem Kommando über die Palastgarde, einem Reiterstandbild, einem Gold- und Silberschatz im Werte von vielen tausend Pfund, dem Namen Sohn und dem Versprechen einer reichen und achtbaren Ehefrau. Solange Theoderich zum Dienst bereit war, vertrat er mutig und zuverlässig die Sache seines Wohltäters: sein Eilmarsch trug viel zur Wiedereinsetzung Zenos bei; und während des zweiten Aufstandes verfolgten und bedrängten die Walamiren, wie sie genannt wurden, die asiatischen Rebellen, bis den kaiserlichen Truppen schließlich ein leichter Sieg zufiel, » In ipsis congressionis tuae foribus cessit invasor, cum profugo per te sceptra redderentur de salute dubitanti.« (Unmittelbar an der Schwelle zum Kampf mit dir zog sich der Angreifer zurück, während der Flüchtling, der bereits an seiner Rettung verzweifelte, von dir sein Szepter zurück erhielt.) Ennodius lässt anschließend (p.1596, 1597, Band 1, Sirmond) seinen Helden nach Äthiopien (mit einem fliegenden Drachen?) gelangen, jenseits des Wendekreises des Krebses. Die Zeugnisse des Walesianischen Fragmentes (p.717), Liberatus (Brev. Eutych. c. 25, p. 118) und Theophanes (p.112) sind denn doch nüchterner und rationaler..

Aber unversehens wurde aus dem getreuen Diener ein fürchterlicher Feind, der die Furie des Krieges von Konstantinopel bis zur Adria entfesselte; viele blühende Städte wurden zu Asche, und der Landbau Thrakiens kam infolge der Willkür und Grausamkeit der Goten fast zum Erliegen, da sie den gefangenen Bauern die rechte, die Pflughand abhackten Diese grausame Praxis wird vor allem den triarianischen Goten nachgesagt, die allem Anschein nach sonst weniger barbarisch waren als die Walamiren; der Sohn des Theodimir indessen wird der Zerstörung vieler römischen Städte angeklagt (Malchus, Excerptiones legationum, p. 95).. Bei solchen Gelegenheiten erwarb sich Theoderich den lauten und scheinbar berechtigten Vorwurf der Illoyalität, Undankbarkeit und unersättlicher Habgier, welche allenfalls durch die bittere Notwendigkeit seiner augenblicklichen Zwangslage entschuldbar seien. Er regierte nicht als Alleinherrscher, sondern als erster Diener über ein blutrünstiges Volk, dessen Geist noch nicht durch Sklaverei gebrochen war und das auf tatsächliches oder eingebildetes Unrecht sehr heftig reagierte. Ihre Armut war immerwährend; denn selbst die großzügigsten Geldgeschenke gingen binnen kurzem in verschwenderischem Luxus auf, und unter ihren Händen wurde noch der fruchtbarsten Landstrich zur Ödnis; die fleißigen Provinzialen verachteten und beneideten sie in Einem; und wenn ihnen die Vorräte ausgingen, verfielen die Ostgoten auf Raub und Krieg, ihre bewährten und vertrauten Mittel. Es war der Wunsch Theoderichs gewesen (so jedenfalls seine öffentliche Bekunden), ein friedliches und zurückgezogenes Leben im Gehorsam an der Grenze zu Skythien zu führen, bis ihn der Hof von Byzanz durch blendende und trügliche Versprechungen angestiftete, ein verbündetes Gotenvolk anzugreifen, welches einst Partei für Basiliscus ergriffen hatte. Er brach von seinem Lager in Mösien aufgrund der festen Zusicherung, dass er vor dem Erreichen von Hadrianopel auf einen mächtigen Zug mit Proviant, achttausend Reitern und dreißigtausend Infanteriesoldaten treffen werde, während die Legionen Asiens in Heraclea Lager beziehen würden, um von dort aus seine Aktionen zu unterstützen.

Gegenseitiges Misstrauen vereitelte diese Maßnahmen. Als der Sohn Theodemirs in Thrakien einmarschierte, fand er nur Wüste ringsum, und seine gotischen Krieger wurde mit ihrem schweren Tross von Pferden, Maultieren und Karren im felsigen und abgründigen Mont Sondis von ihren Führern im Stich gelassen und zugleich von Theoderich, dem Sohn des Triarius, beständig angegriffen. Von einer benachbarten Höhe hielt sein fintereicher Gegner eine Brandrede gegen das Lager der Walamiren und schmähten ihren Führer mit den Ekelnamen Kind, Irrer und elender Verräter, Feind seines eigenen Blutes und seines Volkes.

»Weißt du denn immer noch nicht«, schrie der Sohn des Triarius, »dass es die ewige Politik der Römer ist, die Goten sich gegenseitig umbringen zu lassen? Ist dir nicht klar, dass der Sieger in diesem widernatürlichen Kampfe ihrer Rache ausgesetzt ist, und zwar ganz zu Recht? Wo sind jene Krieger geblieben, meine Landsleute ebenso gut wie deine, deren Witwen nun jammern, dass ihr Leben hingegeben wurde für deinen unüberlegten Ehrgeiz? Wo ist der Wohlstand geblieben, den deine Soldaten besaßen, als sie geködert wurden, ihre Heimat zu verlassen und zu deinen Fahnen zu eilen? Jeder von ihnen besaß damals drei oder vier Pferde; nun laufen sie dir durch Trakiens Wüste zu Fuß nach wie Sklaven; jene Männer, die hofften, Gold mit Scheffeln zu messen, jene braven Männer, die so frei und so edel sind wie du selbst.« Diese Rede, die so genau auf die Stimmungslage der Goten passte, erzeugte Lärm und Missvergnügen; und der Sohn Theodemirs, der befürchten müsste, allein gelassen zu werden, sah sich genötigt, seinen Brüdern zu folgen und dem Vorbild der römischen Perfidie nachzueifern. Jordanes(c. 56 und 57) lässt sich über die Dienste Theoderichs aus, gesteht die Belohnungen ein, die er erhalten hatte, verschweigt aber seine Empörung, von der uns Malchus (Excerptiones Legationum p. 78–97) so viele bemerkenswerte Einzelheiten zugetragen hat. Marcellinus, ein Hausbeamter Justinians, unter dessen viertem Consulat er seine Chronik abfasste, (Scaliger, Thesaurus Temporum P. 2, p. 34-57), lässt seine Vorurteile und seinen Ingrimm erkennen: »in Graeciam debacchantem ...Zenonis munificentia pene pacatus...beneficiis nunquam satiatus, &c.« (in das lärmende Griechenland...durch Zenos Freigebigkeit fast beruhigt...durch Wohltaten niemals zufrieden gestellt)

THEODERICH BEGINNT DIE EROBERUNG ITALIENS A.D. 489

Zu jedem Zeitpunkt seiner Laufbahn waren Klugheit und Standhaftigkeit Theoderichs gleich stark ausgeprägt, ob er nun Konstantinopel an der Spitze konföderierter Goten angriff oder sich mit einigen Getreuen in die Berge oder an die Küste des Epirus zurückzog. Schließlich zerstörte der Unfalltod seines Sohnes Triarius Als er im eigenen Lager unterwegs war, warf ihn sein scheuendes Pferd gegen die Spitze eines Speeres, welcher an einem Zelt hing oder an einem Wagen angebracht war. (Marcellinus, in Chron. Evagrius 3, 25) das Gleichgewicht, das aufrecht zu erhalten die Römer so ängstlich bemüht waren; das Volk erkannte einstimmig die Vorherrschaft der Amaler an, und Byzanz unterschrieb einen schandbaren Knebelvertrag Malchus, p. 91 und Evagrius (3,35).. Der Senat hatte bereits zu verstehen gegeben, dass die Notwendigkeit bestehe, nur eine Abteilung unter den Goten zum Verbündeten zu suchen, da sich der Staat außerstande sei, ihre vereinten Streitmächte zu versorgen; Subsidien in Höhe von zweitausend Pfund Gold wurden zusammen mit einer üppigen Bezahlung für dreißigtausend Mann ihrer geringsten Teilstreitmacht verlangt Malchus, p. 85. Bei einem einzigen Einsatz, der durch die Tüchtigkeit und Disziplin von Sabinian entschieden wurde, hatte Theoderich 5000 Man verloren.; und die Isaurier, welche nicht das Reich, sondern nur den Kaiser schützten, erfreuten sich außer ihrer Lizenz zum Plündern noch einer jährlichen Pension von fünftausend Pfund. Dem scharfsinnigen Theoderich entging es nicht, dass er den Römern verhasst und den Barbaren verdächtig war; er vernahm durchaus das Murren darüber, dass seine Untertanen in ihren Hütten unnennbarer Beschwernis ausgesetzt waren, während ihr König sich im Luxus Griechenlands wälzte; und so kam er der schmerzlichen Alternative zuvor, den Goten entweder als Zenos Kämpfern zu begegnen oder sie als Zenos Feind gegen ihn ins Feld zu führen. Er stellte sich an die Spitze eines Unternehmens, das besser zu seinem Mut und seinem Ehrgeiz passte und schrieb dem Kaiser mit folgenden Worten:

»Obschon Dein Diener im Überflusse lebt dank Deiner Großherzigkeit, lausche dennoch gnädig den Wünschen meines Herzens! Italien, Dein rechtmäßiges Erbe und Rom selbst, Haupt und Herrin der Welt, taumeln unter dem Übermut und der Bedrückung durch Odoaker, den Söldling. Erteile mir Weisung, mit meiner Armee wider den Tyrannen zu ziehen. Falle ich, so bist du eines teuren und heiklen Verbündeten ledig; sollte ich aber mit Gottes Erlaubnis obsiegen, dann werde ich kraft deines Namens und zur Mehrung Deines Ruhmes dem Senat gebieten sowie dem Teil des Volkes, den meine siegreichen Waffen aus der Sklaverei befreit haben.«

Dieser Vorschlag Theoderichs fand die Zustimmung des byzantinischen Hofes, falls er ihn nicht sogar eingegeben hatte. Der Auftrag wurde jedoch mit kluger Berechnung in unbestimmten Ausdrücken erteilt, und ebenso blieb offen, ob der Eroberer Italiens als General, Gefolgsmann oder Verbündeter des Ostkaisers die Regierungsgeschäfte übernehmen sollte Jordanes (57) hat Cassiodorus' großes Geschichtswerk gekürzt. Man lese, vergleiche und harmonisiere Prokopios (Bellum Gothicum 1,1), das Valesianische Fragment (p. 718), Theophanes (p. 113) und Marcellinus (in Chron.).

ALLGEMEINE KRIEGSBEGEISTERUNG – SEIN MARSCH

Die große Reputation des Heerführers und die Bedeutung des anstehenden Krieges erzeugten eine allgemeine Begeisterung; die Walamiren wurden verstärkt durch die Goten, welche bereits in kaiserlichen Diensten standen oder das Land ringsum besiedelten; und jeder Barbar von kühnem Mut, der schon einmal von Italiens Reichtum und Schönheit gehört hatte, war begierig, sich auch unter den größten Gefahren in den Besitz von solchen zauberhaften Objekten zu bringen. Diese Unternehmung Theoderichs muss deshalb als Auswanderungszug eines ganzen Volkes angesehen werden; die Weiber und Kinder der Goten, ihre betagten Eltern und die wertvollsten Stücke ihrer Habe wurden wohlbehütet mitgenommen; und eine Vorstellung von der Unmasse an Gepäck mag man gewinnen durch die zweitausend Wagen, die bei einem einzigen Gefecht während des Krieges im Epirus verloren gingen.

Für ihre Ernährung waren die Goten angewiesen auf den Vorrat an Korn, das ihre Weiber in Handmühlen zermahlten; auf Milch und Fleisch von den mitziehenden Herden; auf gelegentliche Jagdbeute und auf Geldzuwendungen von denen, die ihnen die Passage zu verwehren oder freundschaftlichen Hilfsangebote zu verwehren unklug genug waren. Ungeachtet dieser Vorsichtsmaßnahmen waren sie dauernd der Gefahr und der Not des Hungers ausgesetzt auf ihrem Marsch von siebenhundert Meilen, den sie darüber hinaus im tiefsten Winter begonnen hatten. Seit dem Niedergang Roms gab es in Pannonien und Dakien keine lieblichen Städte, blühenden Felder und bequemen Heerstraßen mehr: die Herrschaft der Barbarei hatte sich zurückgemeldet, und die Stämme der Bulgaren, Gepiden und Sarmaten, die die leere Provinz besetzt hatten, sahen sich durch eigenes Befinden oder Odoakers Flehen veranlasst, dem Marsch des Feindes sich entgegen zu stellen. In vielen blutigen, uns aber sonst unbekannten Gefechten siegte Theoderich; bis er dann endlich, jedes Hindernis mit Geschick und Mut überwindend, von den Julischen Alpen herabstieg und sein unbesiegtes Banner an der Grenze zu Italien emporzog heoderichs Marsch wird von Ennodius erzählt und erläutert (p. 1598-1602), sobald man seine bombastische Rede in die gemeinverständliche überträgt..

DREI NIEDERLAGEN ODOAKERS – 28.AUGUST UND 27. SEPTEMBER 489 UND IM AUGUST 490

Odoaker, ein Gegner würdig seiner Klinge, hatte bereits die strategisch günstige Stellung am Sontius in der Nähe der Ruinen von Aquileia bezogen, an der Spitze einer mächtigen Heeresmacht, deren ehrsinnige Stammeskönige »Tot reges...« (So viele Könige...), Ennodius, p. 1602. Wir müssen uns an dieser Stelle vergegenwärtigen, wie sehr der Königstitel durch inflationären Gebrauch entwertet worden war und dass sich in den Söldnertruppen Italiens die Absplitterungen vieler Stämme und Völker befanden. zu Subordination und taktischen Rückzügen wenig Neigung verspürten. Kaum hatte Theoderich seiner erschöpften Kavallerie eine Ruhe- und Stärkungspause vergönnt, als er auch schon die Festungen des Feindes angreifen ließ; hier erwiesen sich die Ostgote begieriger zum Angriff als die Söldnertruppen zur Verteidigung Italiens; und die erste Siegesbeute war der Besitz der Provinz Venetien bis vor die Mauern von Verona. In der Nähe dieser Stadt an den Steilufern der reißenden Etsch stellte sich ihm eine neue Armee entgegen, an Zahl größer und an Mut durchaus vergleichbar: der Kampf wurde verbissener geführt, aber das Ergebnis war eindeutiger; Odoaker floh nach Ravenna, Theoderich marschierte vor Mailand auf, und die besiegten Truppen grüßten ihrem Überwinder mit geräuschvollen Treue- und Gefolgschaftszurufen. Aber ihr Mangel an Zuverlässigkeit oder Treue brachte ihn kurz darauf in akute Lebensgefahr; sein Vortrab wurde zusammen mit einigen gotischen comes, welche voreilig einem Deserteur vertraut hatten, bei Faenza durch dessen zweifachen Verrat in die Falle gelockt und aufgerieben; Odoaker behauptete erneut das Feld, und die Eindringlinge, die nun in ihrem Feldlager bei Pavia hart bedrängt wurden, sahen sich neuerlich genötigt, bei den stammesverwandten Westgoten Galliens um Hilfe zu bitten. Im Verlaufe dieser Geschichte wird noch der größte Appetit auf die Darstellung kriegerischer Wechselfälle überreichlich gesättigt werden; auch darf ich keine Klage darüber führen, dass unsere unzuverlässigen und spärlichen Quellen keine genauere Beschreibung von Italiens Not bereithalten noch von der heftigen Auseinandersetzung, aus der schließlich das Talent, die Erfahrung und die Entschlossenheit des Gotenkönigs als Sieger hervorgingen. Unmittelbar vor der Schlacht bei Verona besuchte er seine Mutter Siehe Ennodius, p. 1603, 1604. Da der Redner in Gegenwart des Königs nur dessen Mutter erwähnt und gepriesen haben dürfte, können wir annehmen, dass die Großherzigkeit Theoderichs durch die ordinären Vorwürfe einer Beischläferin und eines Bastards nicht erschüttert wurde. und seine Schwester in ihrem Zelt und bat sie, dass sie ihm an einem Tage wie diesem, dem wichtigsten seines bisherigen Lebens, das von ihrer eigenen Hand gewebte Gewand anlegten; »Unser Ruhm,« sprach er, »bedingt sich gegenseitig und ist untrennbar. Dich kennt die Welt als die Mutter Theoderichs; und mir obliegt es zu zeigen, dass ich tatsächlich von den Helden abstamme, die ich als meine Vorfahren beanspruche.« Das Weib – oder die Konkubine – Theodemirs war von jenem Geist der germanischen Matronen durchdrungen, welcher die Ehre ihrer Söhne weit höher veranschlagten als ihre eigene Sicherheit; und so wird berichtet, wie sie sich Theoderich, der von einem Strom Flüchtender mitgerissen wurde, am Lagereingang kühn entgegenstellte und ihn durch uneigennützigen Tadel den feindlichen Schwertern neuerlich entgegenschickte Diese Anekdote erzählt der jüngere, aber respektable Sigonius (Opera Band 1, p. 580. De Occident. Impl. 15): seine Worte sind merkwürdig genug: »Wolltest du etwa zurückweichen ( recedere)?« Sie zeigte und entfaltete beinahe den Original rezess. (veraltet für: ›Schriftliche Vereinbarung‹. Unübersetzbares Wortspiel, A.d.Ü)..

ODOAKERS KAPITULATION UND ENDE – 5. MÄRZ 493

Von den Alpen bis in das südlichste Kalabrien herrschte Theoderich mit dem Recht des Siegers; die Gesandten der Vandalen traten Sizilien als das legitime Anhängsel seines Königreiches an ihn ab; und Senat und Volk von Rom sahen in ihm den Befreier der Stadt, da er dem feindlichen Thronräuber die Tür gewiesen hatte Hist. Miscell. 15, eine Römische Geschichte von Janus bis zum IX Jh., ein Auszug aus Eutropius, Paulus Diaconus, und Theophanes, die Muratori nach einem ms. der Bibliotheca Ambrosiana herausgegeben hat. (Scriptores Rerum Italicarum, Band 1, p.100.). Nur Ravenna, durch Natur und Kunst gleichermaßen geschützt, widersetzte sich fast drei Jahre lang einer Belagerung; und mit kühnen Ausfällen trugen Odoakers Krieger Tod und Verderben in Theoderichs Lager. Endlich jedoch, genötigt durch Mangel an Vorräten und an Hilfe verzweifelnd, widersetzte sich der glückverlassene König dem Murren seiner Untertanen und dem Protestgeschrei seiner Soldaten nicht länger. Der Bischof von Ravenna handelte einen Friedensvertrag aus; die Ostgoten wurden in die Stadt gelassen; und die feindlichen Könige verabredeten unter feierlichen Eiden, sich die Herrschaft über Italien einvernehmlich und gleichberechtigt zu teilen. Das Ergebnis einer solchen Verabredung ist leicht vorherzusehen. Nachdem man ein paar Tage lang Freundschaft und Frieden inszeniert hatte, wurde Odoaker während eines feierlichen Banketts von der Hand oder doch wenigstens auf Geheiß seines Gegners erstochen. Vorher waren bereits geheime und entscheidende Befehle erlassen worden; die unzuverlässigen, raubgierigen Söldner wurden widerstandslos und in einer Stunde ermordet; die Königsherrschaft Theoderichs wurde von der Goten proklamiert und der Kaiser des Ostens trat dem bei, ungern, verspätet und in verwaschenen Worten.

Eine Verschwörung wurde nach altem Herkommen dem niedergeworfenen Tyrannen angehängt; aber seine Unschuld und die Schuld des Siegers Prokopios (Gothicum 1,1) bewährt sich hier als überparteilicher Skeptiker. Cassiodorus (in Chron.) und Ennodius (p. 1604) sind loyal und leichtgläubig, und das Zeugnis des Valesianischen Fragmentes (p.718) mag ihre Überzeugung rechtfertigen. Marcellinus spuckt das Gift eines griechischen Untertanen: »periuriis illectus, interfectusque est« (durch Meineid verführt und getötet). Marcellinus, in Chron. sind hinreichend erwiesen durch die vorteilhaften Bestimmungen des Friedensvertrages, zu denen sich die Macht niemals redlichbereit gefunden und gegen die Machtlosigkeit niemals so rasch verstoßen hätte. Machtansprüche und die Furcht vor Zwietracht mögen als bessere Schutzrede angeführt und dann ein milderes Urteil über ein Verbrechen gefällt werden, welches notwendig war, um das Glück Italiens zu erneuern. Der Verursacher dieses Glückes wurde noch zu Lebzeiten von geistlichen und weltlichen Rednern auf dreiste Weise mit Lob überhäuft Die hochtönende und knechtsinnige Rede des Ennodius wurde 507 oder 508 zu Ravenna oder Mailand gehalten (Sirmond, Band 1, p. 615) . Zwei oder drei Jahre später erhielt der Verfasser zur Belohnung den Bischofsitz von Pavia, den er bis zu seinem Tode 521 innehatte. (Dupin, Biblioteca Ecclesiastica Band 5, p. 11-14. Siehe Saxii Onomasticon, Band 2, p. 12.); die Geschichtsschreibung jedoch – in jenen Zeiten lag sie verstummt und unbedeutend darnieder – hält keine Darstellung der Ereignisse bereit, die den Ruhm der Taten Theoderichs erhöht oder seine Tugenden umdunkelt hätte Unsere besten Quellen sind verstreute Hinweise bei Prokopios und im Valesianischen Fragment, welches Sirmond entdeckt und als Anhang zu Ammianus Marcellinus veröffentlicht hat. Der Autor ist unbekannt und sein Stil barbarisch; aber bei Darstellung der verschiedenen Einzelheiten zeigt er die Detailkenntnisse, wenn auch nicht die Anteilnahme eines Zeitgenossen. Der Präsident Montesquieu hat den Entwurf zu einer Geschichte des Theoderich vorgelegt, was – aus einiger Entfernung – einen dankbaren und reichhaltigen Gegenstand abgibt.. Dann ist noch in einer Briefsammlung, die Cassiodor im Namen des Königs verfasst hat, die Summe seines Ruhmes gezogen; dieser auf uns gekommenen Quelle wird mehr Glauben geschenkt als ihr zukommt Die beste Ausgabe der Variarum libri XII ist die von Joh. Garretius ; aber sie benötigte und bekam einen solch bedeutenden Herausgeber wie den Marquis Scipio Maffei, welcher sie in Verona zu veröffentlichen beabsichtigte. Die Barbara Eleganza (wie Tiraboschi sie sehr geistreich nennt) ist niemals auf Anhieb verständlich und nur selten deutlich formuliert.. Sie führen uns die Form und weniger den Inhalt seiner Regentschaft vor Augen; und wir würden ganz vergeblich die reinen und unverfälschten Gefühle des Barbaren inmitten der philosophischen Bekundungen und Gelehrsamkeiten suchen, zwischen den Wünschen römischer Senatoren und ihren vorrangigen Amtspflichten und den gemurmelten Bekundungen, die an allen Höfen und zu allen Gelegenheiten die Sprache ministerieller Beflissenheit bilden. Das Ansehen Theoderichs wird belegt durch den spürbaren Frieden und den Wohlstand, der während seiner fast dreiunddreißigjährigen Regentschaft herrschte, die hohe Wertschätzung, die seine Zeitgenossen von ihm hatten und das Gedächtnis an seine Weisheit und seinen Mut, seine Gerechtigkeit und seine Humanität, die sich den Goten und Italienern nachhaltig eingeprägt haben.

THEODERICH KÖNIG 5. MÄRZ 493 – 20. AUGUST 526 – AUFTEILUNG DES LANDES

Die Verteilung des italienischen Landes, vom dem Theoderich fast ein Drittel seinen eigenen Kriegern zuteilte, wird mit achtbaren Gründen als das einzige persönliche Unrecht gegen ihn angeführt. Aber selbst diese Maßnahme lässt sich rechtfertigen durch Odoakers Vorbild, durch das Recht der Sieger, die eigentlichen Interessen der Italiener und die heilige Pflicht, für ein ganzes Volk zu sorgen, welches ihm im Glauben an seine Versprechen in ein fernes Land gefolgt war Prokopios, Gothic, 1,1. Variarum 2 Maffei (Verona Illustrata, P. i. p. 228). Maffei übertreibt die Untaten der Goten, denen er, ein italienischer Adliger, seinen herzlichsten Hass widmet; der plebeiische Muratori duckt sich unter ihrem Joch.. Unter der Regentschaft Theoderichs und Italiens gesegnetem Klima vermehrten sich die Goten auf die Furcht einflößende Menge von zweihunderttausend Mann Prokopios, Gothic, 3, 4,21. Ennodius (p. 1612f) beschreibt die Kriegskünste und die wachsende Volksmenge der Goten., während man die Zahl ihrer Familien durch schlichtes Addieren von Weibern und Kindern bestimmen mag. Ihr Eindringen auf fremden Boden, von dem damals schon ein Teil herrenlos gewesen sein dürfte, wurde mit der freundlichen, aber unzutreffenden Bezeichnung der Gastfreundschaft beschönigt; diese ungeladenen Gäste verteilten sich regellos über Italien, wobei der Größe des jedem Barbaren zugeteilten Landes dessen Geburt und Bedeutung entsprach, der Zahl seiner Klienten und dem Besitz an Sklaven und Vieh, mit der er es bearbeiten konnte. Diese Unterscheidung von Adel und Volk war durchaus gängig Als Theoderich seine Schwester mit dem Vandalenkönig verheiratete, segelte sie mit fünftausend gotischen Kriegern von Adel ab, von denen jeder fünf bewaffnete Gefolgsleute bei sich hatte (Prokopios, Vandal. 1,8). Der gotische Adel muss groß an Mut und Zahl gewesen sein.; aber das Land jedes Freigeborenen war steuerfrei und er selbst hatte das unschätzbare Privileg, nur den Gesetzen seines Landes unterworfen zu sein Siehe hierzu die Anerkennung der gotischen Freiheit. (Varia. 5,30). Mode und Bequemlichkeit bestimmten die Eroberer schon bald, die artige Kleidung der Eingeborenen anzulegen, behielten ihre Muttersprache aber weiterhin bei; und ihre Verachtung der Lateinschulen fand höchste Billigung durch Theoderich, der ihre und wohl auch seine eigenen Vorurteile bediente, indem er zu bedenken gab, dass ein Knabe, der vor der Zuchtrute gebebt habe, nimmermehr imstande sein werde, ein Schwert auch nur anzuschauen Prokopios, Goth. 1,2. Die römischen Knaben lernten ihrerseits die Sprache (Varia 8,21) der Goten. Deren allgemeine Unwissenheit wird auch nicht durch solche Ausnahmen widerlegt wie Amalasuntha, ein Frau, welche ohne Anfechtungen studieren konnte, oder Theodatus, dessen Gelehrsamkeit ihm die Empörung und Verachtung seiner Landsleute einbrachte.. Zuweilen mochte die schiere Not die verarmten Römer bestimmen, zu den gewaltsamen Mitteln zu greifen, die die reichen und luxusverwöhnten Barbaren inzwischen aufgegeben hatten Die folgende Bemerkung Theoderichs war auf Erfahrung gegründet: »Romanus miser imitatur Gothum; et utilis ( dives) Gothus imitatur Romanum.« (Ein armer Römer eifert den Goten nach, ein reicher Gote den Römern). Siehe die Fragmente und Anmerkungen des Valesius, p. 719; aber diese wechselseitige Beeinflussung wurde nicht durch die Politik eines Monarchen gefördert, der vielmehr die Trennung der Italiener von den Goten vorantrieb; indem er den Ersteren die Künste des Friedens und den Letzteren den Kriegsdienst vorbehielt.

Um diese Pläne erfolgreich umzusetzen, war er darum bemüht, seine gewerbefleißigen Untertanen Sicherheit zu geben und seine Männer, die für die Verteidigung des Landes vorgesehen waren, an die Kandare zu nehmen, ohne sie gleichzeitig zu verweichlichen. Ihr Land und ihre Pfründe erhielten sie als eine Art militärischen Sold; und beim Klang der Kriegstrompeten zeigten sie sich vorbereitet, unter der Führung ihres regionalen Generals ins Feld zu ziehen; so war ganz Italien eingeteilt nach den Gesichtspunkten eines kunstgerecht geführten Feldlagers. Der Dienst im Palast oder an den Grenzen erfolgte durch Einberufung oder nach dem Rotationsprinzip; und jede zusätzliche Belastung wurde durch Soldanhebung oder gelegentliche Schenkungen abgegolten. Theoderich hatte seine wackeren Gefährten davon überzeugen können, dass die Eroberung eines Weltreiches mit den gleichen Künsten zu geschehen habe wie seine Verteidigung. So waren sie nach seinem Vorbild bestrebt, nicht nur in der Handhabung der Waffen ihrer Siege, des Schwertes und der Lanze, Großes zu leisten, sondern auch der Fernwaffen, die zu vernachlässigen sie allzu große Neigung zeigten; und eine anschauliche Vorstellung vom Kriegsgeschehen boten die täglichen Übungen und jährlichen Musterungen der Kavallerie. Mit freundlichem Nachdruck wurden Bescheidenheit, Gehorsam und Mäßigung eingefordert; auch erhielten die Goten Anweisung, die Menschen zu schonen, die Gesetze zu achten, sich die Verhältnisse einer Zivilgesellschaft begreiflich zu machen und sich ihrer barbarischen Vorrechte auf Zweikämpfe zum Zwecke der Wahrheitsfindung und auf private Rachefeldzüge zu entschlagen Dieser Überblick über die militärischen Einrichtungen der Goten in Italien ist den Briefen des Cassiodor entnommen (Var. 1, 24, 40; 3, 3, 24, 48; 4, 13, 14; 5, 26, 27; 8, 3, 4, 25.), der gelehrte Mascov erläutert sie (Geschichte der Germanen, 4, 40 – 44, Anmerkung 14..

THEODERICHS AUSSENPOLITIK

Der Sieg Theoderichs hatte die Fremdvölker im Westen des Reiches in Alarmstimmung versetzt. Sobald aber erkennbar war, dass er, froh seines Sieges, nur noch nach Frieden wünschte, wurde aus dem Schrecken die Anerkennung, und sie unterwarfen sich seiner machtvollen Vermittlung, die gleichermaßen eingesetzt werden konnte, ihre eigenen Streitereien beizulegen und ihre Gebräuche zu glätten Beispiele für die Klarheit und Unmittelbarkeit seiner Verhandlungsführung findet man bei Ennodius (p. 1607) und Cassiodorus (Varia 3, 1 – 4; 4,13; 5, 43f), welcher die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Freundschaft, Rat und Vorwurf darstellt.. Die Abgesandten, die aus den entlegensten Städten Europas in Ravenna versammelt waren, bewunderten seine Weisheit, sein prunkvolles Äußeres Sogar das seiner Tafel (Var. 6, 9) und seines Palastes (7,5). Das Staunen der Fremden ist noch das sinnvollste Motiv für diese sinnlosen Ausgaben und außerdem die Mehrung des Diensteifers der Beamten, denen diese Provinzen anvertraut waren. und sein gewinnendes Wesen; und, wenn er zuweilen Sklaven oder Waffen, weiße Pferde oder exotische Tiere zum Geschenk nahm, so führte doch ein Gegeneschenk in Form einer Sonnen- oder Wasseruhr oder eines Musikers selbst gallischen Herrschern die Überlegenheit der italienischen Kunstfertigkeit und höheren Kultur vor Augen. Durch persönliche Beziehungen Man beachte die privaten und staatlichen Bande zwischen dem Gotenkönig und den Herrschern der Burgunder (Var. 45f.), der Franken (2,40), der Thüringer (4,1) und der Vandalen (5,1). Jeder dieser Briefe bietet uns wissenswerte Einzelheiten über Gebräuche und Politik der Barbaren. – ein Weib, zwei Töchter, eine Schwester und eine Nichte – waren Theoderich und seine Familie mit den Königen der Franken, Burgunder, Westgoten, Vandalen und Thüringer verbunden; und trugen dadurch bei, die Harmonie oder doch wenigstens die Machtbalance zwischen den großen Staaten des Westens zu festigen Sein politisches System kann man bei Cassiodor (Var,4,1; 9,1), Jordanes (58) und in dem Valesianischen Fragment (p.720, 721) studieren. Frieden, ehrenhafter Frieden war das unveränderliche Ziel Theoderichs..

Es hält schwer, in den Urwäldern Germaniens und Polens den Wanderungen der Heruler zu folgen, eines grimmigen Barbarenvolkes, welche den Gebrauch von Panzerung verachtete und welche ihre Witwen und bejahrten Eltern dazu verurteilte, den Tod ihrer Männer oder das Nachlassen ihrer Kräfte nicht zu überleben Der neugierige Leser möge die Heruli des Prokopios (Goth. 2,14) studieren, der geduldige Leser versenke sich in die dunklen Forschungen des Herrn de Buat (Histoire de Peuples Anciens, Band 9, p. 348-396).. Der König dieser wilden Krieger suchte die Freundschaft Theoderichs und erhielt den Titel eines Königsohnes nach den barbarischen Ritualen der militärischen Adoption Variarum, 4,2. Geist und äußere Form dieser martialischen Einrichtung hat Cassiodor notiert; aber er scheint eigentlich nur die Denkungsart des Gotenkönigs in römische Eloquenz übersetzt zu haben.. Die Esten von der Ostseeküste legten ihre Opfergabe an einheimischen Bernstein Cassiodor, der Tacitus zu den Esten, diesen schriftlosen Barbaren der Ostsee, konsultiert (Var. 5,2), beschreibt den Bernstein, für den ihre Küsten seit jeher berühmt waren, als das Harz eines Baumes, den die Sonne getrocknet und das Wasser gereinigt und fort getragen hätten. Wenn der Chemiker diese einzigartige Substanz zerlegt, liefert sie ein Pflanzenöl und eine Mineralsäure. zu Füßen eines Königs, dessen Ruhm sie derart beeindruckt hatte, dass sie sich einer langen und gefährlichen Reise von fünfzehnhundert Meilen unterfingen. Mit dem Lande Scanzia oder Thule wird von Jordanes (3) und Prokopios (Goth. 2,15) beschrieben. Weder der Grieche noch der Goten kennen das Land aus eigener Anschauung; beide hatten sie aber in ihrem Exil zu Ravenna oder Konstantinopel mit den Eingeborenen Umgangs gepflegt., aus dem die Goten nach eigenem Anspruch stammten, unterhielt er eine lebhafte und freundschaftliche Korrespondenz; die Italiener gingen in den wertvollen Zobelpelzen apherinas pelles. In den Zeiten von Jordanes lebten sie in Suethans, dem eigentlichem Schweden; aber diese hübsche Tierart ist allmählich nach Ostsibirien abgedrängt worden. Siehe Buffon, (Histoire Naturelle, Band 13, p. 309–313, Quartausgabe); Pennant, (System of Quadrupeds, Band 1, p. 322–328;) Gmelin, (Histoire géneral des Voyages, Band 18, 257, 258;) und Levesque, (Histoire de Russie, Band 5, p. 165, 166, 514, 515.) der Schweden; und einer ihrer Könige fand nach freiwilliger oder erzwungener Abdankung eine gastfreundliche Zufluchtstätte am Hof zu Ravenna. Er hatte über eines der dreizehn großen Stämme geherrscht, die einen kleinen Teil Skandinaviens kultiviert hatten, welcher großen Insel oder Halbinsel man den nebulösen Namen Weise Thule beigelegt hat. Diese Region des Nordens wurde bis zum achtundsechzigsten Breitengrad bewohnt oder erforscht, dort, wo die Eingeborenen zur Zeit der Sommer- und Wintersonnenwende vierzig Tage lang Helligkeit oder Finsternis durchleben In dem System von Herrn Bailly (Lettres sur les Sciences et sur l'Atlantide, tom. i. p. 249–256, tom. ii. p. 114–139), sind der Phönix der Edda und die jährliche Wiederkehr von Adonis und Osiris die Allegorien für das Verschwinden und die Wiederkehr der Sonne in den Regionen des hohen Nordens. Dieser erfindungsreiche Autor ist ein würdiger Schüler des großen Buffon; und noch für die kälteste Vernunft ist es nicht ganz leicht, sich dem Zauber dieser Vorstellungen zu entziehen.. Die lange Nacht ihrer Abwesenheit, die Nacht des Todes, war die bittere Zeit der Not und Sorge, bis endlich die Späher, die auf die Bergesspitzen entsandt worden waren, die ersten Strahlen der rückkehrenden Sonne ausriefen und der Ebene unter ihnen das Fest ihrer Wiederauferstehung kündeten »Dies ist für Thules Bewohner das bedeutendste Fest,« sagt Prokopios. Gegenwärtig obwaltet unter den Samojeden Grönlands und Lapplands allerdings ein grober Manichäismus – freundlich gesprochen. (Hist. des Voyages, Band 18, p. 508, 509; Band 19, p. 105, 106, 527, 528;). Aber folgt man Grotius (de Rebus Belgicis, 4, p. 338, Folioausgabe,) »Samojutae coelum atque astra adorant, numina haud aliis iniquiora,« (...beten die Samojeden den Himmel und die Sterne an, welche Gottheiten auch nicht minderwertiger sind als die anderen), ein Ausspruch, dessen ein Tacitus sich nicht geschämt haben würde..

SEINE VERTEIDIGUNGSKRIEGE

Das Leben Theoderichs bietet das seltene und verdienstliche Beispiel eines Barbaren, der in der Blüte seiner Jahre und auf der Höhe seiner Laufbahn das Schwert in die Scheide schob. Eine Regentschaft von dreiunddreißig Jahren war den Pflichten einer Zivilverwaltung gewidmet, und die Feindseligkeiten, in welche er sich gelegentlich verwickelt sah, waren rasch beigelegt durch das Eingreifen seiner Generäle, die Disziplin seiner Truppen, die Waffen seiner Verbündeten und bisweilen sogar nur durch den Schrecken, den alleine sein Name verbreitete. Er unterwarf seiner strengen und korrekthen Regierung die unergiebigen Landstriche von Rhaetia, Noricum, Dalmatien und Pannonien von der Donauquelle und dem Gebier der Baiern Siehe die Histoire des Peuples Anciens, Band 9, p. 255–273, 396–501. Der Count de Buat war an den Höfen Bayerns Minister mit französischer Abstammung: eine unvoreingenommene Neugierde bestimmte ihn, sich in die Antiquitäten des Landes zu versenken, und diese Neugierde brachte schließlich zwölf respektable Bände hervor. bis zu dem lieblichen Königreich, welches die Gepiden auf den Trümmern von Sirmium errichtet hatten. Seine Klugheit mochte sich weigern, den Schutz Italiens solchen schwächlichen und unruhigen Nachbarn anzuvertrauen; sein Gerechtigkeitssinn mochte das von ihnen unterdrückte Land beanspruchen, ob nun als einen Teil seines Königreichen oder als Erbe seiner Väter.

Die Größe eines Dieners, den man treulos nannte, da er erfolgreich war, erregte den neidischen Argwohn des Kaisers Anastasius; und so wurde an der Grenze zu Dakien ein Krieg vom Zaune gebrochen, da der König der Goten einem Nachfahren Attilas im Bewusstsein der Unbeständigkeit menschlicher Entwürfe Schutz zugesichert hatte. Der General Sabinianus, glänzend durch eigene und väterliche Großtaten, marschierte an der Spitze von zehntausend Römern; Proviant und Bewaffnung, die eine große Anzahl von Lastkarren beanspruchten, wurden den wildesten Bulgarenstämmen anvertraut. Aber auf den Feldern von Margus wurden die Mächte des Ostens von den unterlegenen Kräften der Goten und Hunnen besiegt; die Blüte, die Hoffnung der römischen Armee lag vernichtet; und dennoch: so zurückhaltend war der Geist in Theoderichs Truppen, dass sie, da das Signal zur Plünderung nicht gegeben worden war, in den Zelten ihrer Feinde die reichste Beute unberührt liegen ließen Siehe die Taten der Goten an der Donau und in Illyrien bei: Jorndanes, (58); Ennodius, (p. 1607-1610;) Marcellinus (in Chron. p. 44, 47, 48;) und Cassiodorus, (in Chron. und Varia. 3, 29 und 50; 4, 13; 7, 4 und 24; 8, 9-11, 21; 9, 8f.).

SEINE SEERÜSTUNG A.D.509

Aufgebracht durch diese Schmach, entsandte der Hof von Byzanz zweihundert Schiffe mit achttausend Mann, die Küsten Apuliens und Kalabriens zu plündern; sie überfielen das alte Tarent, legten Handel und Landwirtschaft eines friedlichen Landstriches lahm und segelten zurück zum Hellespont, froh ihres Piratensieges über ein Volk, das sie nach wie vor als ihre römischen Brüder zu betrachten sich nicht entblödeten An dieser Stelle kann ich es mir nicht versagen, die freisinnige und klassische Stelle des comes Marcellinus einzuschalten: »...Romanus comes domesticorum, et Rusticus comes scholariorum cum centum armatis navibus, totidemque dromonibus, octo millia militum armatorum secum ferentibus, ad devastanda Italiae littora processerunt, et usque ad Tarentum antiquissimam civitatem aggressi sunt; remensoque mari inhonestam victoriam quam piratico ausu Romani ex Romanis rapuerunt, Anastasio Caesari reportarunt,« (...Romanus, der comes der einheimischen und Rusticus, der comes der Gardetruppen waren in Begleitung von einhundert bewaffneten Kriegsschiffen und ebenso vielen Schnellseglern aufgebrochen, die italienische Küste heimzusuchen und waren dabei bis an das uralte Tarent vorgedrungen; nach der Rückkehr erstatteten sie Anastasios Caesar Bericht von dem unehrenhaften Sieg, den sie mit ihrer Piratenfahrt als Römer über die Römer errungen hatten.«) in Chronico p. 48; siehe auch Cassiodor, Variae 1,16; 2, 38.. Möglicherweise beschleunigte Theoderich mit seinen Gegenmaßnahmen ihren Rückzug; Italien war gedeckt durch eine Flotte von eintausend kleineren Man lese hierzu die königlichen Befehle und Instruktionen (Var., 4,15; 5, 16-20). Diese Kampfboote dürften noch kleiner gewesen sein als die tausend Schiffe Agamemnons vor Troia. Schiffen, die Theoderich in unglaublicher Schnelligkeit herstellen ließ; und die Frucht seines bestimmten Auftretens war ein ehrenhafter und dauerhafter Frieden. Er stabilisierte auf der Höhe seiner Macht die Machtbalance im Westen, bis schließlich Chlodwigs Ehrgeiz sie schließlich umstieß; und obwohl er außerstande war, seinem unbedachten und unglücklichen Verwandten, dem König der Westgoten, entscheidend zu helfen, rettete er doch die überlebenden Mitglieder seiner Familie und seines Volkes und dämpfte die Franken mitten auf ihrer Siegesbahn. Es verlangt mich nicht danach, diese Darstellung militärische Ereignisse noch weiter auszudehnen Vol. 3, p. 581-585., zumal sie die uninteressantesten Ereignisse von Theoderichs Herrschaft sind; so will ich denn nur kurz erwähnen, dass die Alamannen geschützt Ennodius p. 1610 und Cassiodorus (Var. 2,41), der im Namen des Königs spricht, berichten von diesem heilsamen Schutz, der den Alamannen gewährt wurde. und ein Überfall der Burgunder mit Nachdruck gezüchtigt wurden und dass die Eroberung von Arles und Marseilles den freien Verkehr zu den Westgoten ermöglichte, die in ihm zugleich den Beschützer ihres Volkes und den Vormund von Alarichs unmündigem Nachfahren und seinem Enkel verehrten. Unter derart günstigen Vorbedingungen stellte der König Italiens die prätorianische Präfektur Galliens wieder her, beendete verschiedene Missbräuche der spanischen Zivilverwaltung und nahm die jährlichen Tribute und Ergebenheitserklärungen des Militärgouverneurs entgegen, welcher klug genug war, sich dem Palast von Ravenna nicht anzuvertrauen Die gotische Geschichte in Gallien und Spanien wird einigermaßen unübersichtlich von Cassiodorus (Variae 3, 32, 38, 41, 43, 44; 5,39), Jordanes (58) und Prokopios (Goth. 1,12) erzählt. Die langen und widersprüchlichen Darstellungen des Abbé Dubos und des Count de Buat über die Kriege der Burgunder mag ich nicht hören oder in Einklang bringen.. Der Herrschaftsbereich der Goten erstreckte sich von Sizilien bis zur Donau, von Belgrad bis zum Atlantik; und die Griechen selbst haben anerkannt, dass Theoderich über den schönsten Teil der westlichen Reichshälfte herrschte Theophanes, p.113..

ZIVILVERWALTUNG NACH RÖMISCHEM RECHT

Geeint hätten Römer und Goten auf Jahrhunderte Italiens wankes Glück festigen können, und die erste der Nationen, eine erneuerte Gemeinschaft mit freien Untertanen und aufgeklärten Soldaten hätte sich allmählich nach dem Vorbild der Tugenden des jeweils anderen Volksteiles herausgebildet. Aber das edle Verdienst, eine solche Umwälzung auszulösen oder wenigstens ihr voranzugehen, war der Regentschaft Theoderichs nicht gegönnt; sich als Gesetzgeber zu betätigen fehlte ihm die Neigung oder die Gelegenheit Prokopios versichert (Goth. 2,6), dass weder Theoderich noch die nachfolgenden italienischen Könige Gesetze verkündet hätten. Damit kann er nur gemeint haben »In gotischer Sprache.« Ein lateinisches Edikt mit 154 Artikeln von Theoderich ist nämlich auf uns gekommen.; und während er den Goten den Genuss ihrer grobgekörnten Freiheitsrechte zugestand, kopierte er sklavisch die Einrichtungen und selbst noch die Missbräuche des politischen Systems, welches Konstantin und seine Nachfolger entworfen hatten. Mit zärtelnder Hochachtung vor Roms verlöschenden Selbstüberschätzung lehnte der Barbar Namen, Purpur und Diadem der Kaiser ab; aber unter dem Titel eines Erbkönigs beanspruchte er die ganze Fülle der kaiserlichen Gerechtsame Das Bildnis Theoderichs ist auf seinen Münzen geprägt; seine bescheidenen Nachfolger waren's zufrieden, ihren eigenen Name am Kopfe des regierenden Kaisers anzufügen. (Muratori, Antiquitates Italiae Medii Aevi, Band 2. dissert. 27, p. 577–579. Giannone, Istoria Civile di Napoli Band 1. p. 166.). Seine Ergebenheitsadressen an den Hof zu Byzanz waren respektvoll und unbestimmt; mit aufwendigem Pomp feierte er die Eintracht zwischen den beiden Staaten, bezeichnete seine Regentschaft als das vollkommene Abbild eines einigen und ungeteilten Reiches und beanspruchte gegenüber den übrigen Königen dieselbe Vorrangstellung, die er in aller Bescheidenheit der Person und der Stellung des Anastasius einräumte. Die Verbundenheit zwischen den beiden Reichen wurde alljährlich durch die einstimmige Wahl zweier Konsuln bekräftigt; es scheint jedoch, dass der von Theoderich bestimmte italienische Kandidat einer formellen Anerkennung durch den Herrscher Konstantinopels bedurfte Die Allianz zwischen dem Kaiser und dem König Italiens wird von Cassiodor (Var, 2, 1-3; 6,1) und Prokopios (Goth, 2,6; 3,21.) dargestellt, welche die Freundschaft zwischen Anastasius und Theoderich abfeiern; aber der bilderreiche Stil dieser Artigkeiten wurde in Ravenna und Konstantinopel höchst unterschiedlich aufgefasst..

Der Palast der Goten zu Ravenna war ein getreues Abbild des Hofes von Theodosius oder Valentinian. Der Prätorianerpräfekt, der römische Stadtpräfekt, der Quästor, der magister officium mit dem Staatsschatz und dem ererbten Vermögen, von deren Aufgaben uns Cassiodors Beredsamkeit ein starkfarbiges Bild entworfen hat, fungierten nach wie vor als Beamtete des Staates. Die nachgeordneten Aufgaben der Rechtspflege und Staatseinkünfte waren an sieben Konsulare, drei Korrektoren und fünf Präsidenten delegiert, welche die fünfzehn Regionen Italiens nach den Maßgaben der römischen Rechtsprinzipien verwalteten Den siebzehn Provinzen der Notitiae hat der Diakon Paul Warnefrid (De Reb. Longobard. 2,14–22) als 18. den Apennin hinzugefügt (Muratori, Script. Rerum Italicarum, Band 1, p. 431–443.). Von diesen waren jedoch Sardinien und Korsika im Besitz er Vandalen, und die beiden rhätischen Provinzen sowie die cottischen Alpen scheinen unter einer Militärregierung gestanden zu haben. Das Gebiet mit den vier Provinzen, die heute das Königreich Neapel bilden, wird von Giannone (Band 1, p. 172, 178) mit patriotischem Eifer dargestellt.. Die Vorherrschaft der Eroberer wurde gleichsam auf dem Rechtswege gemildert und abgefedert; die Zivilverwaltung mit ihren Ehrenstellungen und Vergütungen blieb den Italienern vorbehalten; das Volk behielt seine Kleidungsgewohnheiten und seine Sprache bei, seine individuellen Freiheiten und zwei Drittel seines Landbesitzes. Augustus war darum bemüht gewesen, die Einführung der Monarchie vor den Römern zu verhehlen; Theoderichs Politik setzte sich das Ziel, die Regentschaft eines Barbaren zu verschleiern Siehe hierzu die Geschichte der Goten von Prokopios (1,12; 2,6), Cassiodors Briefe (an vielen Stellen, aber insbesondere die Bücher 5 und 6, welche Bestallungs-Formeln oder Patente von Staatsämtern enthalten.) und die Historia civile von Giannone (Band 1, Buch 2 und 3). Die gotischen comes jedoch, die er in jeder italienischen Stadt unterbringt, werden von Maffei (Verona illustrata, Teil 1, 8.Buch, p.227) niedergemacht; denn die comes von Syracus und Neapel (Variae 6, 22f.) waren spezielle und nur zeitweilig eingesetzte Kommissare..

Wenn seine Untertanen in manchen Momenten aus diesem lieblichen Traum von der römisch gearteten Herrschaft aufgeweckt wurden, erhielten sie doch einigen Trost in der Wesensart eines gotischen Regenten, der seine eigenen Interessen von denen des Volkes zu unterscheiden Scharfblick und beide gleichzeitig zu verfolgen Entschlossenheit genug besaß. Theoderich schätzte die Tugenden, die ihm zu Gebote standen und zugleich die Talente, die ihm abgingen. Liberius wurde in den Rang eines Reichspräfekten befördert in Anerkennung seiner unerschütterten Treue für die glückverlassene Sache Odoakers. Zwei Minister Theoderichs, Cassiodor und Boëthius, haben seine Herrschaftszeit mit ihrem Genius und dem Licht ihrer Gelehrsamkeit erhellt Zwei Italiener mit dem Namen Cassiodor, Vater (Variae 1, 24 und 40) und Sohn (9, 24f.), bekleideten nacheinander Ämter in der Administration des Theoderich. Der Sohn wurde im Jahre 479 geboren: seine Briefe aus der Zeit, als er Quästor, magister officium oder Reichspräfekt war, stammen aus den Jahren 509 bis 539; danach lebte er noch etwa dreißig Jahre als Mönch. (Tiraboschi, Storia della Letteratura Italiana, Band 3, p. 7–24. Fabricius, Bibliot. Lat. Med. Aevi, Band 1, p. 357, 358, edit. Mansi.). Cassiodor, der entweder bedachtsamer war als sein Kollege oder auch nur glücklicher, behielt seinen guten Leumund, ohne sich die königliche Gunst zu verscherzen; und nachdem er dreißig Jahre lang von den Ehren dieser Welt gekostet hatte, wurde ihm die Gnade zuteil, die gleiche Zeitspanne in der stillen und gelehrten Einsamkeit des Klosters Squillaciums zuzubringen.

ROMS WOHLSTAND – THEODERICHS BESUCH

Es war dem gotischen König aufgegeben, als der Schutzherr der Republik die Beziehungen zu Senat und Volk zu pflegen Über seine schonende Rücksichtnahme gegenüber dem Senat siehe Cochlaeus, (Vita Theod. 8, p. 72–80.). Dem Adel Roms schmeichelten ehrachtbare Epitheta und hochoffiziöse Respektsbekundungen, die ihren Vorfahren deutlich besser angestanden hätten. Das Volk genoss ohne Sorge oder Gefährdung der drei Segnungen einer Hauptstadt, der Ordnung, des Überflusses und der Massenunterhaltung. Sogar in dem Ausmaß der öffentlichen Zuwendungen findet sich ein sichtbares Zeichen des Bevölkerungsrückgangs Nicht mehr als 120 000 modii oder 4 000 Quarter. (Anonym. Valesian. p. 721, und Var. 1,35; 6,18; 11, 5, 39.). Aber Apulien, Kalabrien und Sizilien lieferten ohne Unterlass ihren Beitrag an Korn in die Speicherhäuser Roms; die Städter erhielten ihren kostenlosen Anteil an Brot und Fleisch; und jedes Amt ward für ehrbar erachtet, wenn es denn nur der Mehrung ihres Glücks und ihres Wohlstandes dienlich war. Die öffentlichen Spiele, an denen selbst ein Botschafter aus Griechenland keinen Anstoß hätte nehmen können, waren nur noch ein matter Abglanz ihrer einstigen Größe unter den Caesaren, doch waren das Musiktheater, die Leibesübungen und die Pantomime nicht völlig in Vergessenheit geraten; die Wildtiere Afrikas forderten im Amphitheater noch immer den Mut und die Geschicklichkeit der Jäger heraus; und leutselig förderte oder wehrte der Gote die grünen und blauen Zirkusfaktionen, deren Gegnerschaft den Zirkus schon oft genug mit Radau und auch mit Blut erfüllt hatte Seine Bemühungen um den Zirkus, das Amphitheater und das Theater können in den Briefen Cassiodors an vielen Stellen nachgelesen werden (Var. 1,20,27,30-32; 3,51; 4,51, illustriert in der 14. Anmerkung von Mosou's Geschichte), der sich dem Gegenstand mit prunkender, aber vertretbarer Gelehrsamkeit gewidmet hat..

Im siebzehnten Jahr seiner friedensreichen Herrschaft (500) besuchte Theoderich die alte Hauptstadt der Welt. Senat und Volk nahten in würdiger Prozession, den zweiten Traian, den neuen Valentinian zu begrüßen; und er selbst erwies sich dieser Charakterisierung als würdig Anonym. Vales. p. 721. Marius Aventicensis, Chron. Gemessen an der Summe seiner politischen und persönlichen Verdienste steht der gotische Eroberer so weit über Valentinian wie unter Traian., indem er auch für die Zukunft eine gerechte und weise Herrschaft zuzusichern sich bereit fand, welche dazugehörige Rede in der Öffentlichkeit zu halten und in Erz zu gießen er keine Bedenken trug. Diese würdevolle Zeremonie war eine der letzten Strahlen von Roms untergehender Größe; und ein Heiliger, der diese pompöse Szene betrachtete, mochte sich in frommer Einbildungskraft ausmalen, dass nur der himmlische Glanz des neuen Jerusalem diesen Glanz übertreffen könne Vita Fulgentii in Baronius, Annales. Ecclesiasticae, A.D. 500, No. 10.. Während seines sechsmonatigen Aufenthaltes erregten der Ruhm, die Persönlichkeit und das Auftreten des Gotenkönigs die Bewunderung der Römer, und er selbst betrachtete mit einer Mischung aus Bewunderung und Neugier die Denkmäler ihrer einstigen Größe. Er betrat wie ein Sieger das Kapitol und bekannt unumwunden, dass er jeden Tag mit erneutem Staunen das Trajansforum und seine himmelstürmende Säule betrachte. Das Theater des Pompeius schien ihm noch im Verfall wie ein gewaltiger künstlicher Berg mit künstlichen Höhlen, künstlichem Glanz und durch Menschenfleiß geschmückt; und überschlagsweise berechnete er, dass zur Errichtung von Titus gigantischem Amphitheater ein ganzer Fluss von Gold leer geschöpft worden sein müsse Cassiodor beschreibt in seiner üblichen pompösen Sprache das Forum des Traian (Var, 7,6), das Theater des Marcellus (4,51) und das Amphitheater des Titus (5,42); seine Beschreibung lohnt die eingehende Lektüre. Nach der Umrechnung auf heutige Preise hat der Abbé Bartholomäus die Kosten für die Ziegel des Mauerwerks des Colosseums und dessen Erbauung zwanzig Millionen französische Livres bestimmt (Memoires de l'Academie des InscriptionsBand 28, p. 585f.). Welcher Bruchteil dieses ungeheuren Bauwerkes!. Aus vierzehn Aquädukten ergoss sich Wasser in reichem und zugleich reinlichem Strom in jedes Stadtquartier; einer von diesen, der Claudianische Wasserlauf, welcher in dreißig Meilen Entfernung in den Sabiner Bergen entsprang, wurde über ein sanftes, aber beständiges Gefälle aus soliden Gewölbebögen geführt, bis er schließlich auf dem Gipfel des Aventin endigte.

Die für die Zwecke der Abwasserbeseitigung erbauten langen und voluminösen unterirdischen Gewölbe versehen selbst zwölf Jahrhunderte später einwandfrei ihren Dienst und wurden noch vor allen sichtbaren oberirdischen Wundern Roms genannt Über Aquädukte und Kloaken siehe Strabo, (5, p. 360;) Plinius, (Hist. Natur. 36,24; Cassiodorus, Var. 3,30f. 6,6;) Prokopios, (Goth. 1,19;) und Nardini, (Roma Antica, p. 514–522.)Wie derlei Bauwerke von einem römischen König ausgeführt werden konnten, ist immer noch ungeklärt.. Die Gotenkönige, die man ganz zu Unrecht der Zerstörung der Altertümer geziehen hat, waren im Gegenteil ängstlich um die Erhaltung der Monumente der Nation besorgt, die sie zuvor besiegt hatten Über die Sorgfalt, die die Goten auf die öffentlichen Gebäude und Statuen verwandten siehe Cassiodorus (Variae 1,21 und 25; 2,34; 4,30; 7,6, 13 und 5) und das Valesianische Fragment, (p. 721.). Königliche Edikte ergingen, um dem Missbrauch, der Vernachlässigung oder Verwüstung durch die Bürger selbst vorzubeugen; für die Instandhaltung der Mauern und der öffentlichen Gebäude wurde ein Architekt abgestellt und die jährliche Summe von zweihundert Pfund Gold, zwanzigtausend Dachziegel sowie die Zolleinnahmen aus dem Portus Lucrinus bereitgehalten. Ähnliche Sorgen widmete man den Metall- oder Marmorstatuen von Menschen und Tieren. Der lebendige Geist der Pferde, die dem Quirinal seinen heutigen Namen gegeben haben, wurde von den Barbaren beifällig aufgenommen Variae 7,15. Diese Pferde vom Monte Cavallo wurden aus Alexandria zu den konstantinischen Bädern verbracht (Nardini, p.188). Der Abbé Dubos tadelt diese Skulpturen (Reflexions sur la Poesie et sur la Peinture, Band 1, section 39), Winckelmann hingegen bewundert sie (Histoire de l'Art, Band 2, p. 159.); die Bronze-Elephanten an der Via Sacra wurden mit aller Sorgfalt restauriert (Variae 10,10). Vermutlich waren sie Bestandteil irgendeines Triumphwagens. (Cuper de Elephantis, 2,10.); die berühmte Färse von Myron verwirrte das Vieh, als es durch die Friedensforum getrieben wurde Prokopios (Got. 4,21) erzählt eine törichte Fabel von Myrons Kuh, welche in dreißig griechischen Epigrammen mit gekünsteltem Witz gefeiert wird. (Anthologia Graeca 4, p. 302–306; Ausonius, Epigram. 13-68).; ein Beamter wurde eigens mit dem Schutze dieser Kunstwerke beauftragt, die Theoderich als die schönsten Schmuckstücke seines Königreiches ästimierte.

ITALIEN IN BLÜTE

Nach dem Vorbild früherer Herrscher gab Theoderich der Residenzstand Ravenna den Vorzug, wo er sich der Pflege seines Gemüsegartens widmete Siehe das Epigramm des Ennodius (2,3, p. 1893, 1894) auf diesen Garten und den königlichen Gärtner.. Sooft der Frieden seines Reiches durch die Barbaren bedroht wurde (eine erfolgreiche Invasion gab es niemals), zog er mit seinem Hof nach Verona Seine Vorliebe für diese Stadt wird belegt durch das Epitheton »Verona tua« und durch die Sage des Helden mit dem Barbaren-Namen »Dietrich von Bern« (Peringsciold und Cochloeum, p. 240,). Maffei zeichnet in mit Kenntnis und Behagen im Lande seiner Geburt (9, p. 230-236). an die Nordgrenze, und das Bild seines Palastes, das noch heute auf Münzen betrachtet werden kann, ist eine der ältesten und wirklichkeitsgetreuesten Darstellungen gotischer Architektur. Diese beiden Hauptstädte wurden, wie auch Pavia, Spoleto, Neapel und die übrigen Städte Italiens, unter seiner Herrschaft mit nützlichen oder prunkvollen Bauwerken wie etwa Kirchen, Aquädukten, Bädern, Porticos und Palästen bereichert Maffei (Verona illustrat Teil 1, p.231f., 308ff.) legt die gotische Architektur wie auch den Niedergang der Sprache nicht den Barbaren zur Last, sondern den Italienern selbst. Man vergleiche seine Bemerkungen mit denen von Tiraboschi (Band 3, p. 61).. Aber sichtbarer noch belegten Emsigkeit und Luxus sowie das rasche Emporblühen und der ungescheute Genuss des allgemeinen Wohlstandes das Glück der Untertanen. Noch immer zog sich der römische Senator in der Winterszeit aus dem kühlen Tibur oder Präneste in die warme Sonne und zu den heilkräftigen Quellen Baiaes zurück; und ihre Villen, welche sich auf befestigten Molen in der Bucht von Neapel erhoben, beherrschten die verschiedenen Ansichten auf den Himmel, die Erde, das Wasser. An der Ostküste der Adria entstand im lieblichen und fruchtbaren Istrien ein neues Campanien, welches von Ravenna nach einer bequemen Fahrt von einhundert Seemeilen zu erreichen war. Die üppigen landwirtschaftlichen Produkte Lucaniens und der Nachbarprovinzen wurden an der Marcilischen Quelle ausgetauscht, auf einem jener stark besuchten jährlichen Märkte, die dem Handel, der Trunksucht und dem Aberglauben zugeeignet sind.

In der Einsamkeit von Como, die einst Plinius' milden Genius beflügelt hatte, spiegelten sich im Wasser eines sechzig Meilen langen Beckens die Landsitze am Ufer des larischen Sees; und auf sanft ansteigenden Hügeln wurde dreifach Frucht gepflanzt, Oliven, Wein und Esskastanien Die Landhäuser, das Klima und die Landschaft von Baiae (Var. 9,6; siehe Cluver Italia Antiq. 4,2, p. 1119ff) Istria, (Var. 12,22 und 26) und Como, (Var. 11,14; vergleiche auch die zwei Landhäuser des Plinius 9,7) werden in Cassiodors Briefen recht artig geschildert.. So blühte im Schatten des Friedens die Landwirtschaft neuerlich empor, und die Zahl der Landwirte mehrte sich mit den ausgelösten Gefangenen »In Liguria numerosa agricolarum progenies« (...in Ligurien zahlreiche Bauerngeschlechter). Ennodius, p. 1678, 1679, 1680. St. Epiphanius von Pavia löste durch Gebete oder Freikaufung 6000 Gefangene aus der Hand der Burgunder von Lyon und Savoyen. Solcherlei Taten sind unter den Wundern die schönsten.. Die Erzminen von Dalmatien und die Goldmine von Bruttium wurden mit viel Umsicht ausgebeutet, und die pontinischen Sümpfe – und die von Spoleto – wurden trocken gelegt und durch Privatunternehmer bewirtschaftet, deren künftiger Ertrag von der Fortdauer des allgemeinen Wohlstandes abhing Die politische Ökonomie Theoderichs (siehe Anonym. Vales. p. 721, und Cassiodorus, in Chron.) möge man nach folgenden Gesichtspunkten studieren: Eisenminen (Variae 3,23); Goldmine (9,3); pontinische Sümpfe (2,32f.); Spoleto (2,21); Getreide (1,34; 10,27f.; 11,11f.); Handel (6,7; 7,9 und 23); Markt von St Cyprian in Lucanien (8,33); Wohlstand (12,4); die Staatspost (1,29; 2,31; 4,47; 5,5; 6,6; 7,33); die Via Flaminia (12,18).. Wann immer die Zeiten weniger karger wurden, bewiesen zweischneidige Maßnahmen wie etwa das Anlegen von Getreidehäusern, Preisfestlegungen und Exportverbote zumindest den guten Willen staatlicher Organe; aber der Ertrag, den ein fruchtbarer Boden dem fleißigen Landmann gewährte, war derart üppig, dass eine Gallone Wein in Italien bisweilen weniger als drei Farthings kostete und ein Quarter Weizen fünf Schilling sixpence »LX modii tritici in solidum ipsius tempore fuerunt, et vinum XXX amphoras in solidum« (60 Modii Weizen gab es zu dessen Zeit für ein Goldstück und ebensoviel für 30 Amphoren Wein) Fragmentum Vales. Getreide wurde vor den Lagerhäusern gegen ein Goldstück für fünfzehn bis fünfundzwanzig modii abgegeben, und dies war immer noch ein maßvoller Preis.. Ein Land, das so reich war an Tauschgütern, musste schon bald Kaufleute aus aller Welt anlocken, deren einträgliche Kauffahrten unter dem Schutz von Theoderichs liberalem Geist standen. Der freie Reiseverkehr zwischen den Provinzen wurde belebt und ausgebaut; die Stadttore standen Tag und Nacht offen; und die Redensart, dass man unbesorgt einen Beutel mit Gold auf freiem Felde liegen lassen könne, war Ausdruck des allgemeinen Sicherheitsgefühles der Einwohner Siehe die Lebensbeschreibung des St. Caesarius in Baronius, A.D. 508, No. 12-14). Der König zeigte ihn mit 300 Goldsolidi sowie einen Diskus aus Silber von sechzig Pfund Gewicht..

DER ARIANER THEODERICH TOLERIERT DIE KATHOLIKEN

Unterschiedliche Auffassungen in Fragen der Religion sind für die Harmonie zwischen Herrscher und Volk immer gefährlich und zuweilen auch verhängnisvoll; der gotische Eroberer war im arianischen Bekenntnis erzogen worden, während Italien mit Entschiedenheit dem nikäischen Glaubensbekenntnis anhing. Aber Theoderichs Überzeugung war frei von Fanatismus, und so bekannte er sich in frommer Schlichtheit zu der Ketzerei seiner Väter und zeigte sich an den Spitzfindigkeiten theologischer Metaphysik desinteressiert. Es reichte ihm, wenn seine arianischen Sektierereien geduldet wurden und begnügte sich mit der Rolle als Wächter der ungestörten Religionsausübung; auch mag seine öffentlich vorgetragene Reverenz für einen Aberglauben, den er im Grunde verachtete, die für einen Staatsmann oder Philosophen sehr heilsame Gleichgültigkeit in Glaubensfragen gefördert haben. Die Katholiken unter seiner Herrschaft anerkannten, möglicherweise widerwillig, den Frieden ihrer Kirche; ihre Kleriker waren je nach Rang oder Verdienst im Palast Theoderichs willkommen; durchaus schätzte er die lebende Heiligkeit des Caesarius Ennodius in Vita St. Epiphanii, in Sirmond, Opera, Band 1, p. 1672–1690. Theoderich ließ diesem Bischof, den er in Kriegs- und Friedenszeiten als Ratgeber benötigte, einige wichtige Vergünstigungen zukommen. und Epiphanius, der rechtgläubigen Bischöfe von Arles und Pavia; auch brachte er ein bescheidenes Opfer auf dem Grabe von St. Peter dar »Devotissimus ac si Catholicus« (Äußerst devot, gleich als wenn Katholik) Anonymus Valesianus, p. 720. Seine Gaben waren allerdings nur zwei Silberleuchter (cerostrata) von siebzig Pfund Silber, deutlich weniger als das Gold und die Edelsteine aus Konstantinopel und Franken. (Anastasius in Vit. Pont. in Hormisda, p. 34)., ohne allzu eindringlich nach dem apostolischen Glaubensbekenntnis zu fragen. Die Goten seines Vertrauens und selbst seine Mutter durften am Glauben des Athanasius festhalten oder zu ihm konvertieren, und aus seiner langen Regierungszeit ist auch nicht ein Fall eines italienischen Katholiken bekannt geworden, welcher aus freien Stücken oder genötigt den Glauben des Eroberers angenommen hätte Wir wollen an dieser Stelle den Bericht von der Hinrichtung eines Diakons – er war zum Arianismus übergetreten – als ein müßiges Märchen zurückweisen (Theodorus Lector No. 17). Warum trägt Theoderich das Cognomen Afer (»Afrikanisch«)? Von Vafer ?(»Verschmitzt«?) Valesian ad loc.) Eine billige Konjektur..

Das Volk und selbst die Barbaren fühlten sich durch den Pomp und die strenge Ordnung der Gottesdienste emporgehoben; den Magistraten war es auferlegt, die Unversehrtheit der Kleriker und des Kirchebesitzes zu bewahren; die Bischöfe hielten ihre Synoden ab, die Metropoliten sprachen Recht, und die Gerechtsame der heiligen Freistätten wurden durch den Geist des römischen Rechtes bekräftigt oder auch modifiziert. Unter dem Schutz der Kirche erwarb Theoderich auch die höchste Stellung in ihr; ja, seine tatkräftige Administration erneuerte oder erweiterte sogar einige der Vorrechte, die die schwächelnden Kaiser des Westens vor ihm hatten ruhen lassen. Ihm war die Würde und Bedeutung des römischen Bischofs nicht unbekannt, der seit neuestem den Ehrennamen eines PAPSTES trug. Da mochten Frieden oder Unruhe in Italien von dem Charakter eines einflussreichen und populären Bischofs abhängen, der eine so weitreichende Machtbefugnis über Himmel und Erden beanspruchte; von dem eine zahlenstarke Synode festgestellt hatte, dass er frei von Sünde sei und außerhalb aller irdischen Urteile stehe Ennodius, p. 1621, 1622, 1636, 1638. Sein libell (Schmähschrift) wurde von einer römischen Synode genehmigt (synodengemäß). (Baronius, A.D. 503, No. 6, Franciscus Pagi in Breviar. Pont. Rom. Band 1, p. 242.). Als Symmachus und Laurentius auf den Kirchenversammlungen um den Thron Petri stritten, erschienen sie vor dem Tribunal des arianischen Herrschers, und dieser bekräftigte die Wahl des würdigsten und folgsamsten Kandidaten. Gegen Ende seines Lebens kam er in einem Augenblick des Machthungers der Wahl der Römer zuvor und ernannte in seinem Palast zu Ravenna einen eigenen Papst. Die Gefahr und die schlimmen Folgen eines Schismas hielt man unter Kontrolle, und das letzte Senatsdekret war darauf gerichtet, die skandalöse Käuflichkeit päpstlicher Wahlen nach Möglichkeit abzustellen Siehe Cassiodorus, (Var. 8,15; 9,15f.); Anastasius (in Symmacho, p. 31,) und die 18. Fußnote von Moskou. Baronius, Pagi und die Mehrheit der katholischen Gottesgelahrten anerkennen diese gotische Anmaßung, wenn auch nur mit ärgerlichem Murmeln..

DIE MÄNGEL VON THEODERICHS REGIMENT

Ich habe mich mit Vergnügen über Italiens beglückende Zustände ausgelassen; es wäre aber vorschnell, wenn wir jetzt das goldene Zeitalter der Poeten imaginierten, ein Menschengeschlecht ohne Fehl und Elend, das sich unter der Ägide des gotischen Eroberers entwickelt hätte. Zuweilen verdunkelten Wolken den blauen Himmel; Theoderichs Weitblick war wohl zuweilen getrübt, seine Macht bestritten und seine sich neigenden Jahre waren besudelt vom Hass des Volkes und adligem Blut. Im ersten Überschwang seines Sieges war er versucht gewesen, alle Parteigänger Odoakers ihrer bürgerlichen und sogar ihrer Naturrechte zu berauben Er sprach ihnen die licentia testandi ab; und ganz Italien trauerte – lamentabili iustitio. Ich würde ja gerne glauben, dass diese Strafen gegen eidbrüchige Verbündete verhängt wurden; aber das Zeugnis des Ennodius (p. 1675-1678) hat hier mehr Gewicht, denn er lebte und starb unter Theoderich.; ein Steuer, der zur Unzeit nach Beendigung eines Krieges erhob, hätte durchaus die aufblühende Landwirtschaft Liguriens ersticken können; das Vorkaufsrecht an Getreide, mit dem man der Bevölkerung Erleichterung schaffen wollte, hat die Notlage Kampaniens sicherlich verschärft. Die heiklen Vorhaben vermochten Epiphanius und Boethius, die sich für die Sache des Volkes einsetzten, mit ihrer Beredsamkeit zu verhindern Ennodius, Vita Epiphan. p. 1589, 1690. Boethius de Consolatione Philosphiae, 1,pros.; 4, p. 45, 46, 47. Man respektiere die Leidenschaft des Heiligen und des Senators, aber man wäge sie auch genau; und man bekräftige oder mildere ihre Klagen mittels der Andeutungen Cassiodors. (2,8; 4,36; 8,5.); und wenn auch das königliche Ohr für die Wahrheit offen war, so fanden durchaus nicht immer ein Heiliger oder ein Philosoph sein Gehör; die Vorrechte, die Rang, Amt oder Gunst verliehen, wurden allzu oft von römischem Arg oder gotischer Gewalt missbraucht; die Habgier des königlichen Neffen wurde zu ersten Male ruchbar, nachdem er sich das Gut seiner toskanischen Nachbarn zunächst durch Erpressung angeeignet und anschließend zurückgegeben hatte.

Zweihunderttausend Barbaren, die selbst ihrem Gebieter furchtbar waren, siedelten im Herzen Italiens; nur widerstrebend machten sie sich die Forderungen des Friedens und der Disziplin zu eigen; das Durcheinander auf ihren Feldzügen waren stets spürbar und konnte bisweilen beigelegt werden; wenn es jedoch riskant war, mit Bestrafungen vorzugehen, war es angemessen, bei Ausbrüchen ihres eingeborenen Ungestüms fortzusehen. Als Theoderichs Großmut zwei Drittel des ligurischen Tributes zurück schickte, erläuterte er die Schwierigkeit seiner Situation und beklagte die schwere, wenngleich unvermeidbare Last, die er seinen Untertanen zum Zwecke ihrem eigenen Verteidigung aufzuerlegen genötigt sei Immanium expensarum pondus...pro ipsorum salute..; (...die Belastung infolge von gewaltigen Ausgaben...zu ihrem eigenen Wohl...) Aber das sind nichts als Redensarten.. Diese undankbaren Untertanen konnten sich niemals von Herzen mit der Herkunft, der Religion und selbst den Tugenden ihrer gotischen Besieger anfreunden; vergangene Kalamitäten waren vergessen, und das Gespür für erlittenes Unrecht wurde unter den gegenwärtigen glücklichen Umständen nur noch empfindlicher.

ER WIRD ZU VERFOLGUNGEN VERANLASST

Selbst die religiöse Toleranz, die in die christliche Welt eingeführt zu haben Theoderich sich rühmen durfte, war dem rechtgläubigen Eifer der Italiener ein Greul und Ärgernis. Die Ketzerei der Goten nahmen sie hin, da sie bewaffnet war; dafür richtete sich ihr frommer Hass gefahrlos gegen die reichen und schutzlosen Juden, welche in Neapel, Rom, Ravenna, Mailand und Genua ihre Niederlassungen hatten, von den Gesetzen geschützt und dem Handel zum Nutzen Die Juden waren bei Neapel, (Prokopios, Goth. 1,8,) Genua, (Var. 2,28; 4,33,) Mailand, (5, 37) Rom, (4,43.) ansässig. Siehe gleichermaßen Basnage, Histoire des Juifs, Band 8, p. 254.. Der Mob von Rom und Ravenna griff sie tätlich an, plünderte ihr Eigentum und steckte ihre Synagogen in Brand, aufgehetzt durch die blödsinnigsten und abwegigsten Beschuldigungen. Eine Regierung, die über derlei Freveltaten zur Tagesordnung übergegangen wäre, hätte sie selbst verdient. Unverzüglich wurde eine Untersuchung in die Wege geleitet; und da sich die Urheber des Pogroms in der Menge verkrochen hatten, musste die ganze Gemeinschaft für den Schaden aufkommen; und die hartnäckigsten Eiferer, die ihren Beitrag verweigerten, wurden von Henkershand durch die Straßen geprügelt.

Dieser schlichte Akt der Gerechtigkeit erhitzten neuerlich den Zorn der Katholiken, die dem Glaubensmut und der Beharrlichkeit dieser heiligen Bekenner ihren Beifall nicht versagten; von dreihundert Kanzeln wurde die Verfolgung der Kirche beweint; und wenn die Kirche des heiligen Stephan zu Verona tatsächlich auf Geheiß von Theoderich zerstört wurde, so dürften auf diesem heiligen Theaterboden zuvor einige dem Namen und dem Ruf Theoderichs abgünstige Wunder inszeniert worden sein. Am Ende seines ruhmreichen Lebens musste der König Italiens entdecken, dass er den Hass derjenigen entfacht hatte, um deren Wohlergehen er so bemüht gewesen war; und so verdunkelten Zorn, Eifersucht und die Bitterkeit einer unerwiderten Liebe sein Gemüt. Und also fand sich der gotische Eroberer bereit, die kriegsuntüchtigen Einwohner Italiens abzurüsten, verbot jede Form von Angriffswaffen und gestattete lediglich ein kleines Messer für den häuslichen Gebrauch. Der Befreier Roms wurde beschuldigt, sich mit den nichtswürdigsten Zuträgern gegen das Leben der Senatoren zu verschwören, die er im Verdacht hatte, eine heimliche und verräterische Korrespondenz mit dem Hof zu Byzanz zu unterhalten »Rex avidus communis exitii«, (ein König, der nach dem allgemeinen Verderben (des Senates) verlangte). Boethius, 1, p. 59 »rex colum Romanis tendebat« (der König streckte den Römern ein Körperteil hin). Anonym. Vales. p. 723. Dies sind harte Worte; sie sprechen die Leidenschaften des italienischen Volkes und – so meine Befürchtung – auch die des Königs aus..

Nach dem Tode des Anastasius wurde einem schwachen alten Mann das Diadem aufgestülpt; die eigentliche Regierungsgewalt war in den Händen seines Neffen Justinian, der bereits Pläne zur Ausrottung der Ketzerei und Eroberung Italiens und Afrikas heckte. Ein streng gehaltenes Gesetz, welches Konstantinopel erließ und darauf angelegt war, die Arianer durch Furcht vor Strafe in den Schafspferch des wahren Glaubens zurück zu scheuchen, erweckte Theoderichs berechtigte Verstimmung, da er für seine bedrängten Glaubensbrüder im Osten die gleiche Toleranz erwartete, derer sich in seinem Reich die Katholiken so lange erfreut hatten. Auf sein strenges Geheiß schiffte sich der römische Pontifex zusammen mit vier Senatoren von Rang zu einer Gesandtschaft ein, deren Gelingen oder Misserfolg er gleichermaßen fürchtete. Die unerhörte Verehrung, die dem ersten Papst entgegenschlug, der Konstantinopel besuchte, wurde von seinem missgünstigen Herrscher wie ein Verbrechen geahndet; die vorgeschobene oder auch entschiedene Weigerung des byzantinischen Hofes mochte wohl zu einer ausgedehnteren Rache Anlass geben; und so wurde in Italien eine Anordnung vorbereitet, die katholischen Gottesdienste ab einem bestimmten Termin zu untersagen. So war der toleranteste aller Herrscher durch die Bigotterie seiner Untertanen und Feinde bis an die Grenze zur Verfolgung gedrängt worden; und das Leben Theoderichs war in der Tat zu lang, denn er lebte, um in Boëthius und Symmachus die Tugend selbst dem Henker zu überliefern Ich habe versucht, eine an der Vernunft orientierte Erzählung aus den dunklen, widersprüchlichen und dürftigen Andeutungen zu gewinnen, die in dem Valesianischen Fragment (p. 722-724), bei Theophanes (p.145), Anastasius (in Johanne, p. 35) und in der Historia Miscella (p.103, ed. Muratori) verstreut sind. Sanfter Druck und die Paraphrasierung ihrer Worte achte ich nicht für Gewalt. Befrage gleichfalls Muratori (Annali d'Italia, Band 4, p. 471-478) und Annalen und Breviarium der beiden Pagi, Onkel und Neffe. (Band 1, 259-263)..

BOËTHIUS

Der Senator Boëthius Le Clerce hat eine kritische und philosophische Lebensbeschreibung von Anicius Manlius Severinus Boëthius gegeben (Bibliot. Choisie, Band 16, p. 168–275); sowohl Tiraboschi (Band 3) wie auch Fabricius (Bibl. Latina) können mit Nutzen studiert werden. Er wurde etwa 470 geboren, und sein Tod fällt vorzeitig in das Jahr 524. ist der letzte Römer, den Cato oder Cicero als einen der Ihren akzeptiert hätten. Als wohlhabendes Waisenkind erbte er Besitz und Vermögen der Familie der Anicier, von welchem Namen die Könige und Herrscher der Zeit sich angezogen fühlten; der Vorname Manlius war ein Hinweis auf eine echte oder auch nur fingierte Abstammung von einem Consul- und Dictatorengeschlecht, die die Gallier vom Kapitol verjagten und ihre Söhne dem Staatsinteressen aufopferten. In Boëthius' Jugendjahren war das Studium der römischen Literatur noch nicht völlig eingeschlafen; so besitzen wir einen Vergil Zum Alter und Wert der mss (jetzt in der Mediceischen Bibliothek Florenz) sehe man die Cenotaphia Pisana (p. 430-447) von Cardinal Noris., der von der Hand eines Konsuls korrigiert worden ist; und die Lehrer der Grammatik, Rhetorik und Jurisprudenz blieben, alimentiert von der Großzügigkeit der Goten, in Amt und Würden. Aber die Lektüre dieser lateinischen Autoren befriedigte diesen brennend Neugierigen auf die Dauer nicht. Und so sagt man, dass Boëthius achtzehn mühevolle Jahre in den Schulen von Athen Über die Studien von Boëthius zu Athen wissen wir nichts Genaues (Baronius, A.D. 510, No. 3, aus einem untergeschobenem Traktat ›De Disciplina Scholarum‹), doch achtzehn Jahre sind zweifellos zu hoch gegriffen; der Aufenthalt in Athen ist jedoch durch viel innere Evidenz erwiesen (Brucker, Hist. Crit. Philosoph. Band 3, p. 524–527) sowie durch eine Formulierung – wenngleich sie unbestimmt und mehrdeutig ist) seines Freundes Cassiodor, Variae 1,45: »longe positas Athenas introisti.« (lange hast du das ferne Athen betreten). zugebracht habe, wo sich Proclus und seine Schüler mit ehrgeiziger und gelehrter Gründlichkeit seiner annahmen. Die Intelligenz und Frömmigkeit ihres römischen Schülers wurde durch Magie und Mysterien glücklicherweise nicht eingetrübt, welche in den Hainen der Akademie zwischendurch ihr Unwesen trieben; aber er nahm viel von dem Geist seiner lebenden und toten Meister auf und eignete sich viel von ihren Methoden an, welche den streng logischen Sinn des Aristoteles mit Platos tiefgründigen Kontemplationen zu verbinden suchten.

Nach seiner Rückkehr nach Rom und seiner Eheschließung mit der Tochter seines Freundes, des Patriziers Symmachus fuhr Boëthius mit diesen Studien inmitten eines Palastes von Elfenbein und Marmor fort »Bibliothecae comptos ebore ac vitro parietes« (Bibliothekswände, ausgeschmückt mit Elfenbein und Glas). (Consol. Phil.1, pros; 5, p.74.) Die Briefe von Ennodius (6,6; 7,13; 8,31, 37 und 40) und Cassiodor (Var. 1,39; 4,6; 9,21) enthalten viele Belege für seine hohe Reputation, derer er sich zu Lebzeiten erfreute. Es stimmt außerdem, dass der Bischof von Pavia von ihm ein altes Haus in Mailand kaufen wollte und dass anstelle von Geld Dankeslob angeboten und angenommen wurde.. Die Kirche zeigte sich beglückt durch seine grundgelehrte Verteidigung der Orthodoxie gegen arianische, eutychische und nestorianische Anfechtungen. Seinen lateinischen Lesern zu Gefallen unterrichtete er sie in den Grundlagen der griechischen Sprache und Kultur: Die Geometrie Euklids, die Musiktheorie des Pythagoras, die Arithmetik des Nikomachos, die Mechanik des Archimedes, die Astronomie des Ptolemaios, die Theologie Platos und die Logik des Aristoteles mit dem Kommentar des Porphyrios: dies alles übersetzte und erläuterte dieser unermüdliche Schriftsteller aus dem römischen Senat. Und ihn allein hielt man für befähigt, die Wunder der Handwerkskunst angemessen zu beschreiben, eine Sonnenuhr, eine Wasseruhr oder ein Modell, in dem die Bewegungen der Planeten dargestellt wurden. Von der Höhe dieser abstrusen Spekulationen stieg Boëthius herab oder, um dichter bei der Wahrheit zu bleiben: er stieg empor in die Gefilde privater und gesellschaftlicher Verpflichtungen: die Armen beschenkte er großzügig; und seine Beredsamkeit, die Schmeichler mit der Kunst des Demosthenes oder Cicero vergleichen mochte, stellte er ausschließlich in den Dienst der Unschuld und der Menschlichkeit.

Dieses verdienstliche Tun entging dem Auge des Herrschers nicht; Boëthius erhielt den Ehrentitel eines Konsuls und patricius, und nützlicher noch konnte er sein Talent bewähren in den wichtigen Ämtern eines magister officium. Ungeachtet der gleichberechtigten Ansprüche des Westens und Ostens wurden seine beiden jugendlichen Söhne in demselben Jahr zu Konsuln ernannt Pagi, Muratori & al. stimmen darin überein, das Boëthius im Jahre 510 Konsul war, seine beiden Söhne im Jahre 522, und 487 möglicherweise sein Vater. Das Verlangen, das letztgenannte Konsulat unserem Philosophen zuzuschreiben, hat die Chronologie von Boëthius' Leben gründlich durcheinander gebracht. In seinen Ehrenstellen, Freundschaften, Kindern preist er seine Glückseligkeit – seine frühere Glückseligkeit. (p. 109-110).. An dem denkwürdigen Tage ihrer Ernennung schritten sie feierlich von ihrem Palast zum Forum, eingerahmt vom Beifall des Senates und des Volkes. Der stolze Vater, der eigentliche Konsul Roms, hielt eine Rede zum Ruhme seines königlichen Wohltäters und verteilte während der Zirkusspiele großzügige Spenden. Mit Ruhm und Reichtümern wohl versehen, glücklich in seinen privaten und öffentlichen Verbindungen, hochgebildet und seiner Tugenden durchaus bewusst hätte man Boëthius glücklich nennen können, wenn man dieses heikle Epitheton einem Menschen denn vor der letzten Stunden seines Lebens anheften darf.

HOCHVERRATSKLAGE

Ein Philosoph, der mit seinem Besitz großzügig und mit seiner Zeit knauserig verfährt, ist für die normalen Verlockungen wie etwa Karriere oder Durst nach Gold unempfänglich. Und auch die Versicherung des Boëthius verdient unseren Glauben, dass er nur widerstrebend dem göttlichen Plato gefolgt sei, der alle tugendreichen Bürger auffordert, den Staat vor der Übernahme durch die Dummheit und das Laster zu bewahren. Zum Zeugen für die Lauterkeit seines öffentlichen Auftretens ruft er Vorbilder aus der Geschichte seines Landes auf. Mit seiner Autorität hatte er verschiedentlich hochfahrende und korrupte Beamte im Dienste des Königs vor den Kopf gestoßen, und seine Beredsamkeit hatte Paulianus aus den Fängen der Hofhunde befreit. Er hatte immer Mitleid empfunden mit der Notlage der Provinzialen und ihr abzuhelfen gesucht, wenn staatlich genehmigter Raub sie in Armut getrieben hatte; und Boëthius alleine besaß den Mut, sich der Tyrannei der Barbaren entgegenzustellen, die ihr Sieg vermessen, ihre Habgier besinnungslos und, so seine Klage, die Folgenlosigkeit ihres Handelns übermütig gemacht hatten.

Bei solchen Gelegenheiten nahm er weder Rücksicht auf Gefahren noch war er, wie es scheint, für Vernunfterwägungen zugänglich; und am Beispiel von Cato dem Älteren können wir sehen, dass ein reiner und unbeugsamer Charakter auch am leichtesten Gefahr läuft, sich durch Vorurteile fehlleiten und durch Begeisterung hinreißen zu lassen und persönliche Feindschaften für öffentliche Angelegenheiten zu halten. Vielleicht hat der Schüler Platos die Hinfälligkeit unserer Natur und die Unvollkommenheit der Gesellschaft übertrieben; und die gotische Königsherrschaft noch in ihrer mildesten Form, sogar die Pflicht zur Treue und Dankbarkeit mussten dem freien Geist eines römischen Patrioten unerträglich scheinen. Aber in direktem Verhältnis zur Befindlichkeit des Publikums sank auch der Stern des Boëthius; ein unwürdiger Kollege ward ihm vorgesetzt, den Einfluss des magister officium zu stören und zu überwachen. So überkam ihn in Theoderichs letzten Jahren das empörende Gefühl, dass er die Stellung eines Sklaven innehatte; da sein Herr indessen nur Macht über sein Leben hatte, trotzte er, waffen- und dennoch furchtlos dem Zorn des Barbaren, dem man erfolgreich eingeflüstert hatte, dass die Sicherheit des Senates und seine eigene sich gegenseitig ausschlössen. Der Senator Albinus wurde angeklagt und galt bereits aufgrund der Vermutung, dass er sich die Freiheit Roms gewünscht habe, für überführt.

»Wenn denn Albinus ein Verbrecher ist«, rief der Redner »dann sind der Senat und ich desselben Verbrechen schuldig. Wenn wir aber unschuldig sind, dann hat Albinus dasselbe Recht auf den Schutz durch dieses Gesetz.« Diese Gesetze hätten sicherlich diesen bloßen, fruchtlosen Wunsch nach einer unerreichbaren Rechtssicherheit nicht bestraft; aber sie hätten sicherlich weniger Nachsicht gegenüber Boëthius' übereiltem Eingeständnis gezeigt, dass, hätte er von einer Verschwörung etwas gewusst, der Tyrann davon niemals erfahren hätte »Si ego scissem tu nescisses.« (Wenn ich es gewusst hätte, hättest du es nicht gewusst.) Boethius greift hier (1, pros.4, p.53) auf die Antwort des Julius Canus zurück, dessen philosophisches Sterben Seneca beschrieben hat (De Tranquillitate Animi, c.14).. Der Verteidiger des Albinus wurde schon bald ebenso wie sein Klient verdächtigt und geriet selbst in Gefahr; ihre Unterschrift (die sie beide als Fälschung zurückwiesen) befand sich unter einer Adresse, in welcher der Kaiser von Byzanz aufgefordert wurde, Italien von den Goten zu befreien; und drei Zeugen von großem Rang und geringem Ansehen bestätigten die verräterischen Entwürfe des römischen Patricius Die Charakterskizzen dieser beiden Verleumder, Basilius (Variae 210f.; 4,22) und Opilio (5,41; 8,16) finden sich bei Cassiodorus, und sie fallen ebenso ungünstig aus wie das Bild von Decoratus (5,31), dem elenden Kollegen des Boëthius (3,pros.4, p.193).. Doch kann man seine Unschuld voraussetzen, da Theoderich ihn der Möglichkeiten einer regelgerechten Verteidigung beraubte und in Pavia ins Gefängnis sperrte, während der Senat aus der sicheren Entfernung von fünfhundert Meilen den Schuldspruch – Konfiskation und Todesurteil – gegen das berühmteste seiner Mitglieder fällte. Auf Anordnung der Barbaren wurde der Arkanwissenschaft der Philosophie das Stigma des Frevels und der Magie angehängt Eine gründliche Untersuchung wurde wegen des Verbrechens der Zauberei eingeleitet (Var. 4,22f.; 9,18) und man glaubte allgemein, dass viele Geisterbeschwörer entkommen seien, indem sie ihre Kerkermeister umnachtet hätten: ich würde für umnachtet allerdings die Lesart volltrunken vorziehen.. Eine alleruntertänigste Adresse an den Senat wurde von den zitternden Mitgliedern eben dieses Senates als kriminell verworfen; und mit dieser Undankbarkeit verdienten sie sich redlich die Prophezeiung des Boëthius, dass nach ihm keiner mehr desselben Verbrechens möchte schuldig befunden werden Boëthius hatte seine eigene Apologie (p.53) verfasst, die vielleicht noch interessanter war als seine Consolatio. Wir müssen uns zufrieden geben mit einer allgemeinen Beschreibung seiner Verdienste, Prinzipien und Verfolgung (1, pros. 4, p. 42–62,) und sie mit den kurzen, aber bedeutungsvollen Worten aus dem Valesianischen Fragment (p.723) vergleichen. Ein anonymer Autor (Sinner, Catalog. Mss. Bibliot. Bern. Band 1, p. 287) bürdet ihm ungescheut einen ehrenhaften und patriotischen Landesverrat auf..

DIE LETZTEN TAGE – TOD DES SYMMACHUS A.D. 525

Während Boëthius zu Pavia in Banden lag und jeden Moment seiner Verurteilung oder des Henkers gewärtig sein musste, verfasste er im Kerker die Schrift » Trost der Philosophie«; eine goldene Schrift, nicht unwürdig der Mußestunden eines Plato oder Tullius Cicero, welcher aber infolge der barbarischen Zeitläufte und der schlimmen Lage ihres Verfassers unsterbliches Verdienst zukommt. Der himmlischen Führung, die er zu Rom und Athen so lange gesucht hatte, gefiel es nunmehr, die Finsternis seines Verlieses zu erleuchten, seinen Mut zu heben und Balsam in seine Wunden zu träufeln. Sie lehrte ihn, seine lang andauernden Glücksumstände und sein jetziges Elend gegeneinander zu setzen und aus der Unbeständigkeit des Glückes neue Hoffnung zu schöpfen. Vernunftgründe hätten ihn einst über die unsichere Natur ihrer Gaben belehrt; Erfahrung hatte ihn ihren wahren Nutzen schätzen gelehrt; er hatte ohne schuldig zu werden ihrer genossen; und so mochte er sich ihrer leichthin entschlagen und im Stillen der ohnmächtigen Bösartigkeit seiner Feinde spotten, die ihm sein Glück belassen mussten, da sie ihm sein Tugend nicht rauben konnten.

So stieg Boëthius von der Erde zum Himmel auf der Suche nach dem HÖCHSTEN GUT; erforschte das Labyrinth aus Zufall und Notwendigkeit, von Vorwissen und freiem Willen, von Zeit und Ewigkeit; und versuchte nach Kräften, zwischen den Vollkommenheits-Attributen der Gottheit und den sichtlichen Mängeln ihrer moralischen und physischen Herrschaft zu vermitteln. Derlei Tröstungs-Topoi, die so handgreiflich, unbestimmt oder abwegig sind, sind zugleich ungeeignet, der Gefühlswelt des Menschen Zügel anzulegen. Immerhin kann das Bewusstsein des erlittenen Unglücks durch Arbeit zerstreut werden; und der Weise, der sich in ein und demselben Werk so kunstvoll die Sprache der Dichtung, Philosophie und Beredsamkeit zunutze zu machen verstand, muss die unerschütterliche Ruhe bereits besessen haben, nach der er jetzt zu suchen vorgab. Die Ungewissheit, von allen Übeln das schlimmste, wurde schließlich durch die Handlanger des Todes beendet, die Theoderichs unmenschlichen Auftrag erfüllten, ja, noch über ihn hinausgingen. Ein fester Strick wurde ihm um den Kopf gewunden und angezogen, bis ihm die Augen aus den Höhlen traten; und man mag so etwas wie Mitleid darin sehen, dass er solange mit Keulen geschlagen wurde, bis der Tod eintrat Er wurde im Agro Calentiano (Calvenzano, zwischen Marignano und Pavia, Anonym. Vales. P. 723) auf Befehl von Eusebius hingerichtet, seines Amtes der comes von Ticinus oder Pavia. Die Stätte seiner Hinrichtung ist ein Baptisterium, welche Bezeichnung und Gebäude besonders für Kathedralen geläufig sind. Die Tradition spricht sie der Kirche von Pavia zu. Der Gefängnisturm des Boëthius stand bis 1584, und den Laufgraben gibt es bis heute. (Tiraboschi, Band 3, p. 47f.).

Aber sein Genius überlebte, um einige Strahlen des Wissens über die finstersten Epochen der lateinischen Welt zu werfen; die Schriften des Philosophen wurden von einem der bedeutendsten Könige Englands übersetzt Siehe die Biographia Britannica, Alfred, Band 1, p. 80. Noch ehrbarer wäre das Werk, wenn es unter Alfreds gelehrter Aufsicht von seinen in- und ausländischen Gelehrten ausgearbeitet ward. Über Boethius Ansehen im MA siehe Brucker, (Hist. Crit. Philosoph. Band 3, p. 565, 566).; und Otho, als Kaiser der dritte Träger dieses Namens, ließ die Gebeine dieses katholischen Heiligen in eine angemessenere Stätte umbetten, dem seine arianischen Verfolger zum Status eines Heiligen und Wundertäters verholfen hatten Die Grabinschrift stammt von dem Lehrer Othos III, dem gelehrten Papst Silvester II, welchen die Dummheit der Zeit zusammen mit Boëthius zum Zauberer machte. Der katholische Märtyrer hatte seinen Kopf ein beträchtliches Stück Weges fort getragen; zu einer ähnlichen Geschichte bemerkte eine Dame meiner Bekanntschaft: »La distance n'y fait rien; il n'y a que lo remier pas qui coute.« (Die Entfernung besagt nichts; es ist der erste Schritt, der zählt.). Ein wenig Trost mag Boëthius in seinen letzten Stunden daraus geschöpft haben, dass seine Söhne, seine Frau und sein Schwiegervater, der ehrbare Symmachus, sich in Sicherheit befanden. Aber Symmachus' Kummer war taktlos und vielleicht sogar unehrenhaft: er hatte Kummer vorgespielt und wollte wohl gar den Tod eines zu Unrecht getöteten Freundes rächen. Er wurde in Ketten von Rom nach Ravenna verbracht; und Theoderichs Argwohn konnte nur durch das Blut eines unschuldigen und betagten Senators zerstreut werden Boëthius rühmt die Tugenden seines Schwiegervaters (1,pros. 4, p. 59; 2,pros. 4, p. 118). Prokopios (Goth 1,1), das Valesianische Fragment (p.724) und die Historia Miscella (15, p. 105) rühmen einhellig Unschuld und Heiligkeit von Symmachus; und folgt man der Legende, dann ist seine Ermordung ebenso schuldbeladen wie die Einkerkerung eines Papstes..

THEODERICHS ENDE 30. AUGUST 526

Menschliche Gesittung verlangt nach Berichten, welche von der Gerichtsbarkeit des Gewissens und der Reue von Königen künden; und die Philosophie weiß davon, dass die grässlichsten Gesichte Eingebungen einer verwirrten Phantasie und eines schwächelnden Körpers sind. Nach einem sieg- und ruhmreichen Leben nahte sich Theoderich der Grube, mit Schuld und Schande beladen: sein Gemüt war durch diesen Gegensatz zur Vergangenheit bedrückt und zu Recht durch die ungewissen Schrecknisse der Zukunft beunruhigt. Eines Abends, so wird berichtet, als ein großer Fisch auf die königliche Tafel getragen wurde In Cassiodors phantasievoller Darstellung sind die verschieden gestalteten Fluss- und Meeresfische ein Nachweis für die Größe des Reiches, wurden doch auf Theoderichs Tafel (Variae 12,14) solche aus dem Rhein, der Donau und von Sizilien serviert. Der gewaltige Steinbutt Domitians (Juvenal, Saturae 3,39)wurde an der Küste der Adria gefangen., rief er unvermittelt aus, dass er in dem Kopf des Fisches die zornige Miene des Symmachus erkenne, mit Augen, die Rache und Zorn blitzten und einem Maul, mit langen und scharfen Zähnen bewaffnet und begierig, ihn zu verschlingen. Der König zog sich unverzüglich in seine Kammer zurück und erzählte seine Arzt Elpidius, als er vor Kälte zitternd unter einem Berg von Decken lag, in gebrochenem Murmeln die bittere Reue, die er für die Ermordung des Symmachus und Boëthius empfinde Prokopios (Got 1,1) schweigt sich leider darüber aus, ob er diese seltsame Anekdote aus dem Munde des königlichen Doktors erfahren habe oder ob es sich um den üblichen Hofklatsch handelte.. Seine Krankheit verschlimmerte sich und nach einer dreitägigen Ruhr starb er im Palast von Ravenna im dreiunddreißigsten – oder, wenn wir von Beginn der Invasion Italiens zählen – in seinem siebenunddreißigsten Regierungsjahr.

Im Bewusstsein seines nahenden Endes teilte er seine Schätze und Länder unter seine beiden Enkel auf und bestimmte die Rhone als gemeinsame Grenze Prokopios, Goth. 1,1f.; 1,12f. Die Teilung wurde noch von Theoderich verfügt, auch wenn sie erst nach seinem Tode durchgeführt wurde. »Regni hereditatem superstes reliquit« (Er hinterließ die Erbschaft des Reiches). (Isidor. Chron. p. 721, ed. Grotius.). Amalarich bestieg erneut den Thron von Spanien. Athalarich erhielt Italien und alle Eroberungen der Ostgoten; zwar war er noch nicht einmal zehn Jahre alt, aber in ihm verehrte man den letzten männlichen Amaler-Spross, welcher aus der kurzlebigen Ehe seiner Mutter Amalasuntha mit einem Flüchtling königlichen Geblütes stammte Berimund, der Dritte aus der Dynastie des Ostgotenkönigs Hermanrich, hatte sich nach Spanien zurückgezogen, wo er einige Zeit lebte und dann in Vergessenheit starb (Jordanes, 33, p. 202). Über die Entdeckung, die Hochzeit und den Tod seines Enkels Eutharich siehe Jordanes 58, p. 220. Seine Spiele hatten ihn in Rom populär gemacht, aber Eutharich war »asper in religione« (In Religionsfragen unnachgiebig.) Anonym.Vales. p. 723.). In Anwesenheit des sterbenden Monarchen bekannten die gotischen Stammeshäuptlinge und die Magistrate Italiens ihre Treue zu dem jungen Prinzen und seiner Mutter, die sein gesetzlicher Vormund war; und vernahmen gemeinsam in jenem ernsten Augenblick seinen letzen, heilbringenden Rat, die Gesetze nicht zu brechen, den Senat und das römische Volk zu achten und dem König gegenüber freundschaftlich ergeben zu bleiben Theoderichs Ratschläge und die Bekenntnisse seines Nachfolgers sieht man bei Prokopios Got. 1,1f., Jordanes, (59, p. 220, 221,) und Cassiodorus, (Var. 8,1–7.) Diese Briefe sind der Höhepunkt seiner amtlichen Eloquenz.. Das Grabmal Theoderichs ließ seine Tochter Amalasuntha an prominenter Stelle errichten, wo es die Stadt Ravenna, den Hafen und die unferne Küste beherrschte. Es war eine Kapelle mit kreisförmigen Grundriss und dreißig Fuß im Durchmesser, die von einer Kuppel aus einem einzigen Granitblock gedeckt ist: im Zentrum steht auf vier Säulen ein Porphyrsarkophag mit den Überresten des Gotenkönigs, welcher umgeben ist von Messingstatuen der zwölf Apostel Anonym. Vales. p. 724. Agnellus de Vitis. Pont. Raven. in Muratori Script. Rerum Ital. Band 2, Teil 1, p. 67. Alberti Descrittione d' Italia, p. 311. Nach einigen vorangegangenen Bußleistungen hätte seine Seele sich wohl unter die Wohltäter der Menschheit gemischt, wenn nicht ein italienischer Eremit zum Zeugen der Höllenfahrt des Theoderich geworden wäre Diese Fabel wird von Gregor I erzählt (Dialoge 4,36) und von Baronius (A.D. 526, No. 28;) für gut befunden; und beide, Papst und Kardinal, sind würdige Doctores, die eine solche Meinung in die Welt setzen dürfen., dessen Seele, so sein Bericht, von den Vollstreckern der göttlichen Rache in den Vulkan von Lipari gestürzt wurde, einen der Feuerschlünde des Reiches der Finsternis Theoderich selbst, oder doch wohl eher Cassiodor, hatte in elegischen Versen Vesuv und Lipari besungen. (Cluver. Sicilia, p. 406–410) und Vesuvius, (v 50.).








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