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Vater Goriot

Honoré de Balzac: Vater Goriot - Kapitel 5
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typefiction
authorHonoré de Balzac
titleVater Goriot
publisherPaul List Verlag Leipzig
translatorFranz Hessel
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Gegen Ende der ersten Woche des Monats Dezember erhielt Rastignac zwei Briefe, einen von seiner Mutter, einen anderen von seiner ältesten Schwester. Die ihm so vertrauten Schriftzüge ließen sein Herz vor Freude stärker schlagen und machten ihn gleichzeitig vor Furcht erbeben. Die beiden harmlosen Umschläge bedeuteten Leben oder Tod für seine Hoffnungen. Wenn er mit Schrecken an die Armut seiner Familie dachte, so kannte er doch zu gut ihre Vorliebe für ihn: Er mußte fürchten, ihnen die letzten Blutstropfen ausgepreßt zu haben. Der Brief seiner Mutter lautete folgendermaßen:

»Mein liebes Kind! Hiermit sende ich Dir das, worum Du mich gebeten hast. Benutze das Geld gut. Ich könnte ein zweites Mal, selbst um Dir das Leben zu retten, eine so beträchtliche Summe nicht auftreiben, ohne daß Dein Vater davon erfährt, und das würde den Frieden unseres Familienlebens stören. Um weiteres Geld zu erhalten, müßten wir Hypotheken auf unsere Besitzung aufnehmen.

Es ist mir unmöglich, Deine Pläne zu beurteilen, da ich sie nicht kenne; aber warum fürchtest Du denn, sie mir anzuvertrauen? Zu einer solchen Erklärung bedarf es keiner Bände: Mütter verstehen ein bloßes Wort, und dieses Wort hätte mir Angst und Ungewißheit erspart. Ich kann Dir nicht verhehlen, daß mich Dein Brief schmerzlich berührt hat. Mein lieber Sohn, was hat Dich gezwungen, mir ein solches Entsetzen zu bereiten? Du hast beim Schreiben Deines Briefes gewiß recht leiden müssen, denn auch ich habe gelitten, als ich ihn las.

Welche Laufbahn willst Du einschlagen? Willst Du Dein Leben und Dein Glück daran hängen, etwas zu scheinen, was Du nicht bist, in einer Gesellschaft verkehren, die Dich zu großen Geldausgaben zwingt und Dir die Zeit für Deine Studien raubt? Mein lieber Eugen, glaube Deiner Mutter: Die krummen Wege führen zu nichts Großem. Geduld und Resignation müssen die Tugenden eines jungen Mannes in Deiner Lage sein. Ich grolle Dir nicht, ich möchte unserer Gabe keine bittere Zutat beimischen. Meine Worte sind die einer ebenso vertrauenden wie sorgenden Mutter. Wie Du Dir Deiner Verpflichtungen bewußt bist, so weiß ich, wie rein Dein Herz, wie gut Deine Vorsätze sind. Daher kann ich Dir ohne Furcht sagen: Geh Deinen Weg, mein liebstes Kind! Ich zittere, weil ich Mutter bin; aber jeder Deiner Schritte wird von meinen Wünschen und Segnungen begleitet sein. Sei auf der Hut, liebes Kind! Du mußt klug sein wie ein Mann; das Schicksal von fünf Menschen, die Dir teuer sind, lastet auf Dir. Ja, unsere ganze Zukunft beruht auf Dir, wie Dein Glück das unsrige ist. Wir alle beten zu Gott, er möge Dich in Deinen Unternehmungen unterstützen.

Deine Tante Marcillac hat bei der ganzen Angelegenheit ihre große Güte bewiesen. Sie verstand sogar das, was Du mir über deine Handschuhe schriebst. Sie habe eine Schwäche für den Ältesten, meinte sie launig. Liebe sie sehr! Ich kann Dir erst sagen, was sie für Dich getan hat, wenn Du Erfolg gehabt hast; das Geld würde Dir sonst auf der Seele brennen. Ihr wißt nicht, Kinder, was es heißt, Erinnerungsstücke opfern! Aber was opfert man für Euch nicht? Deine Tante sendet Dir durch mich einen Kuß auf die Stirn: Sie möchte Dir damit die Kraft geben, recht bald glücklich sein zu können. Sie hätte Dir selbst geschrieben, die Gute, wenn sie nicht Gicht in den Fingern hätte!

Deinem Vater geht es gut. Die Ernte von 1819 übertrifft unsere Erwartungen. Lebe wohl, liebes Kind. Von Deinen Schwestern schreibe ich nichts. Laura schreibt selbst, ich lasse ihr das Vergnügen, über die kleinen Ereignisse in der Familie zu plaudern. Gebe der Himmel, daß Du Erfolg hast! Ja, habe Erfolg, der Schmerz, den ich erduldet habe, war zu groß, als daß ich ihn ein zweites Mal ertragen könnte. Ich habe erkannt, was es heißt, arm zu sein, wenn man sich reich wünscht, um seinen Kindern zu geben. Lebe wohl! Laß uns nicht ohne Nachricht, und nimm hier den Kuß Deiner Mutter entgegen!«

Als Eugen den Brief zu Ende gelesen hatte, weinte er bitterlich. Er mußte an Vater Goriot denken, der sein Silber zusammendrehte, um die Wechsel seiner Tochter zu bezahlen.

Deine Mutter hat es ebenso mit ihren Schmuckstücken gemacht! sagte er sich. Deine Tante hat sicher manche Träne vergossen, als sie ihre Erbstücke verkaufte. Mit welchem Recht schmähst du Anastasie? Du tust für dich selbst, für deine Zukunft dasselbe, was sie für ihren Geliebten getan hat! Wer von uns beiden, sie oder du, ist besser?

Der Student fühlte eine unerträgliche Glut sein Herz verzehren. Er wollte auf die große Welt verzichten, er wollte das Geld zurückweisen. Er empfand die edlen heimlichen Gewissensbisse, die man bei der Beurteilung seines Mitmenschen so selten in Betracht zieht und um derentwillen die Engel des Himmels dem Verbrecher verzeihen, den die Richter dieser Erde verurteilt haben. Rastignac öffnete den Brief seiner Schwester, dessen unschuldige, anmutige Wendungen ihm das Herz wieder erfrischten:

»Dein Brief ist gerade zur richtigen Zeit gekommen, lieber Bruder! Agathe und ich, wir wollten unsere Ersparnisse auf so mannigfache Art anlegen, daß wir schließlich nicht mehr wußten, zu welchem Kauf wir uns entschließen sollten. Du hast den Frieden wiederhergestellt. Du hast es gemacht, wie der Diener des Königs von Spanien, der die Uhren seines Herrn umwarf, so daß sie nachher alle übereins gingen. Wir wären wirklich am Zanken darüber, welcher unserer Wünsche den Vorzug verdiene, und wir ahnten nichts, mein guter Eugen, von einer Verwendung des Geldes, die alle unsere Wünsche in sich barg. Agathe hat einen wahren Freudensprung getan. Wir waren beide den ganzen Tag über wie toll, ›in solchem Ausmaß‹ (Stil stammt von der Tante), daß die Mutter streng sagte: ›Aber was habt ihr denn nur, ihr Mädchen?‹ Hätten wir richtige Schelte bekommen, so wären wir, glaube ich, noch vergnügter gewesen. Eine Frau fühlt sich doch so recht wohl, wenn sie für den, den sie liebt, leiden kann! Ich allein blieb nachdenklich und bekümmert bei unserer Freude. Ich gebe sicher einmal eine schlechte Hausfrau ab, ich bin zu verschwenderisch. Ich hatte mir zwei Gürtel gekauft und eine hübsche Nadel, um Schnürlöcher in mein Mieder zu bohren, allerhand Tand, so daß ich weniger Geld hatte als unsere dicke Agathe, die so sparsam ist und ihre Talerstücke wie eine Elster aufspeichert. Sie hatte 200 Francs. Ich, mein armer Junge, hatte nur 150 Francs. Ich bin tüchtig gestraft worden, ich möchte meine Gürtel in den Brunnen werfen, es wird mir immer peinlich sein, sie zu tragen. Ich habe sie Dir gestohlen. Agathe war entzückend. Sie sagte: Schicken wir die 350 Francs gemeinsam ab! Aber ich mußte Dir doch erzählen, wie die Dinge sich zugetragen haben.

Weißt Du, wie wir es gemacht haben, um Deinem Gebot zu gehorchen? Wir haben unser glorreiches Geld genommen und sind damit spazierengegangen. Als wir die Hauptstraße erreicht hatten, sind wir bis Ruffec gelaufen, wo wir ganz einfach das Geld Herrn Grimbert, der das Büro der Messageries Royales hat, gegeben haben. Wir fühlten uns leicht wie zwei Schwalben, als wir zurückkehrten. ›Ist es das Glück, das uns so leicht macht?‹ fragte Agathe. Wir haben uns tausend Dinge gesagt, die ich Dir nicht wiederholen werde, Herr Pariser, es war darin zu viel von Ihnen die Rede. Ach, mein lieber Bruder, wir haben dich wirklich lieb, um es kurz zu sagen.

Ob wir schweigen werden? Nach der Ansicht unserer Tante sind zwei Possentreiber wie wir zu allem fähig – also auch zum Schweigen. Die Mutter hat mit der Tante eine geheimnisvolle Reise nach Angoulême unternommen; beide haben über die hohen politischen Ziele dieser Reise nichts verlauten lassen. Vorher gab es lange Konferenzen, von denen wir ebenso wie der Herr Baron ausgeschlossen waren. Große Pläne beschäftigten die Gemüter im Staate Rastignac. Die blumengeschmückte Mousselinrobe, die die Infantinnen für Ihre Majestät die Königin sticken, geht in strengster Heimlichkeit der Vollendung entgegen. Es fehlen nur noch zwei Breiten. Es ist beschlossen worden, nach Verteuil zu keine Mauer zu errichten, sondern nur eine Hecke zu ziehen. Das bringt zwar eine Einbuße an Obst für die kleinen Leute mit sich, aber die Fremden erhalten dadurch eine schönere Aussicht. Wenn der Thronfolger Bedarf an Taschentüchern hat, so sei ihm kundgetan, daß die Königinwitwe de Marcillac bei der Durchsuchung ihrer Schatzkisten und Koffer, gemeinhin ›Pompeji‹ und ›Herkulanum‹ genannt, ein Stück sehr schönen holländischen Batistes entdeckt hat. Die Prinzessinnen Agathe und Laura stellen ihren Zwirn, ihre Nadeln und ihre leider immer etwas geröteten Hände zur Verfügung.

Die beiden jungen Prinzen Don Henri und Don Gabriel haben die unheilvolle Gewohnheit bewahrt, sich mit Traubenmus vollzupfropfen, ihre Schwestern zu ärgern, nicht zu lernen, Vogelnester auszunehmen, zu lärmen und den Gesetzen des Staates zuwider Weidenzweige zu Spazierstöcken abzuschneiden. Der päpstliche Nuntius, vulgo der Herr Pfarrer, bedroht sie mit der Exkommunikation, falls sie weiter den heiligen Kanon der Grammatik verachten, um sich den Kanonen aus Holunder zu widmen.

Lebe wohl, lieber Bruder! Niemals hat ein Brief soviel Wünsche für Dein Glück und soviel Genugtuung über die Erfüllung seiner Bitten enthalten. Du hast uns gewiß viel zu erzählen, wenn Du wieder nach hier kommst! Du mußt mir alles sagen, ich bin die Älteste. Die Tante hat uns zu verstehen gegeben, daß Du Erfolge in der Gesellschaft hättest.

Man spricht von einer Dame, und der Rest ist Schweigen. Für uns, versteht sich!

Wenn es Dir lieber ist, lassen wir die Taschentücher, und wir machen Dir Hemden aus dem Stoff. Schreib mir bald hierüber. Wenn Du bald gut genähte Hemden brauchst, so müssen wir uns sofort an die Arbeit machen. Wenn es in Paris Fassons gibt, die wir nicht kennen, so mußt Du ein Modell schicken, besonders für die Manschetten. Adieu! Ich küsse Dich auf die Stirn, auf die linke Schläfe, auf die Stelle, die mir ausschließlich gehört. Ich lasse die andere Seite für Agathe frei, die mir versprochen hat, nicht zu lesen, was ich geschrieben habe. Aber damit ich ganz sicher bin, bleibe ich in ihrer Nähe, während sie schreibt.

In Liebe Deine Schwester

Laura de Rastignac.«

Ja, ja, sagte sich Eugen, Geld um jeden Preis! Die größten Schätze können diese Aufopferung nicht wettmachen. Ich möchte ihnen alles Glück der Erde geben!

»Fünfzehnhundertfünfzig Francs!« sagte er nach einer Pause. »Jedes Geldstück muß seine Arbeit leisten. Laura hat recht. Ich habe nur Hemden aus grobem Stoff. Für das Glück eines anderen wird ein junges Mädchen listig wie ein Dieb. Unschuldig für sich und vorsorgend für mich, ist sie wie ein Engel des Himmels, der die Sünden der Erde verzeiht, ohne sie zu kennen.«

Die Welt gehörte ihm! Schon war sein Schneider herbeizitiert, geprüft und erobert worden. Rastignac hatte, als er Herrn de Trailles erblickte, verstanden, welchen Einfluß die Schneider auf das Leben eines jungen Mannes ausüben. Leider gibt es zwischen folgenden beiden Extremen keine mittlere Linie: Ein Schneider ist entweder ein Todfeind oder ein durch hohe Rechnungen erworbener wahrer Freund. Eugen hatte in seinem Schneider einen Mann gefunden, der seinen Beruf als wahrer Vater auffaßte, der sich selbst als den Bindestrich zwischen der Gegenwart und der Zukunft eines jungen Mannes betrachtete. Der dankbare Rastignac hat denn auch durch eines der Worte, die ihn später berühmt machten, das Glück dieses Mannes begründet:

»Ich kenne von ihm«, sagte er, »zwei Paar Beinkleider, deren jedes eine Heirat von 20 000 Livres Rente zuwege gebracht hat.«

Fünfzehnhundert Francs und Anzüge nach Belieben! In diesem Augenblick gab es für den armen Sohn des Südens kein Zweifeln mehr, und als er zum Frühstück hinunterging, lag in seinen Zügen jener undefinierbare Ausdruck, den jedem jungen Mann der Besitz einer gewissen Summe Geldes verleiht. In dem Augenblick, in dem das Geld in die Tasche eines Studenten gleitet, sieht er vor den Augen seiner Phantasie eine Säule, auf die er sich stützt. Er schreitet ruhig, er fühlt einen festen Standpunkt, sein Blick geht geradeaus, und seine Bewegungen sind sicher geworden. Gestern, noch verschüchtert und furchtsam, hätte er Schläge eingesteckt; heute würde er dem Premierminister Prügel anbieten. In ihm gehen die seltsamsten Erscheinungen, vor sich: Er will alles und kann alles, er begehrt bald das eine, bald das andere, er ist lustig, edelmütig, mitteilsam. Der Vogel, der eben noch ohne Schwingen war, hat die Spannkraft seiner Flügel entdeckt. Der Student ohne Geld schnappt nach einem Stückchen Vergnügen wie ein Hund, der unter tausend Gefahren einen Knochen stiehlt, um in aller Hast das Mark auszusaugen. Aber der junge Mann, der einige verirrte Goldstücke in seiner Westentasche klappern läßt, schlürft seine Vergnügungen, er teilt sie sorgfältig ein. Er ist im siebenten Himmel, er weiß nicht mehr, was das Wort »Elend« bedeutet. Ganz Paris gehört ihm. O Jugend, der alles leuchtet, glitzert und glänzt! Jugend mit deiner fröhlichen Kraft, die niemand nützt, weder Mann noch Frau! Jugend mit deinen Schulden, durch deren Schrecken das Vergnügen zehnmal vergrößert wird! Wer nicht auf dem linken Seine-Ufer zwischen der Rue St-Jacques und der Rue St-Pères gelebt hat, der kennt das Leben nicht.

»Ach, wenn die Pariserinnen wüßten!« sagte sich Rastignac, als er die Birnen zu zwei Centimes das Stück herunterwürgte. »Sie würden sicher alle hierher kommen, um die Liebe zu suchen.«

In diesem Augenblick erschien ein Briefträger der Messageries Royales im Speisesaal, nachdem er an dem Gittertor geklingelt hatte. Er fragte nach Herrn Eugen de Rastignac, dem er zwei Säckchen übergab und das Postbuch zum Quittieren hinhielt. Rastignac wurde von dem durchdringenden Blick, den ihm Vautrin zuwarf, wie von einem Peitschenhieb getroffen.

»Na, jetzt können Sie wenigstens Ihre Fecht- und Schießstunde bezahlen«, sagte er.

»Die Galeonen sind eingetroffen«, sagte Madame Vauquer beim Anblick der Geldsäckchen. Fräulein Michonneau allein fürchtete, ihre Blicke auf das Geld zu richten, da sie sonst ihre Begierde zu deutlich gezeigt hätte.

»Sie haben eine gute Mutter«, sagte Madame Couture, und Poiret wiederholte: »Der Herr hat eine gute Mutter.«

»Ja, ja, die Mama hat sich tüchtig zur Ader gelassen«, sagte Vautrin, »Sie können jetzt also Ihre Torheiten treiben, in die große Gesellschaft gehen, nach Mitgiften angeln und mit Gräfinnen tanzen, die Pfirsichblüten im Haar tragen. Aber glauben Sie mir, junger Mann, lernen Sie vor allem schießen!«

Vautrin machte die Gebärde des Mannes, der seinen Widersacher aufs Korn nimmt. Rastignac wollte dem Briefträger ein Trinkgeld geben, fand aber kein Geld in seiner Tasche. Vautrin wühlte darauf in der seinen herum und warf dem Briefträger ein Francstück zu.

»Sie haben bei mir Kredit«, sagte er zu dem Studenten.

Rastignac war gezwungen, sich zu bedanken, obwohl ihm der Mann seit dem Wortwechsel am Tage, als er von Madame de Beauséant zurückgekehrt war, unerträglich geworden war. Während der inzwischen vergangenen Woche hatten Eugen und Vautrin sich gegenseitig kaum beachtet. Der Student fragte sich vergeblich nach dem Warum? Ohne Zweifel bewegen sich die Gedanken im direkten Verhältnis zu der Kraft fort, mit der sie empfangen worden sind, und sie schlagen dort auf, wohin das Gehirn sie sendet, nach einem mathematischen Gesetz, das der Parabel der Artilleriegeschosse vergleichbar ist. Die Wirkungen sind verschieden. Es gibt zarte Naturen, in welche die fremden Ideen eindringen und bei denen sie Unheil anrichten, es gibt aber auch widerstandsfähigere mit eisernen Schädeln, an denen der Wille der anderen abprallt wie Kugeln von einer Mauer. Endlich gibt es auch schlaffe und schlammige Wesen, in denen die Ideen des anderen wirkungslos sterben wie die Granaten in der weichen Erde einer Festungsredoute. Rastignac gehörte zu den Naturen, die wie mit Pulver geladen sind und die beim geringsten Anprall zerspringen. Er war zu jung und zu lebendig, um dem Einfluß fremder Gedanken nicht zugänglich zu sein, dieser unbewußten Ansteckung der Gefühle, die uns durch so viele seltsame Erscheinungsformen überrascht. Seine moralische Sehkraft war ebenso entwickelt wie die seiner Luchsaugen. Jeder dieser beiden Sinne, diese mysteriöse Reichweite, dieses geschmeidige Hin und Zurück, das uns bei höher veranlagten Menschen so entzückt, bei den geschickten Kämpfern, die jede schwache Stelle ihres gepanzerten Feindes auszunutzen verstehen. Seit einem Monat hatten sich übrigens bei Eugen ebensoviel Vorzüge wie Fehler entwickelt. Die Fehler hatten die Gesellschaft und die Befriedigung seiner immer wachsenden Wünsche ans Tageslicht gebracht. Unter seinen Vorzügen stach vor allem die südliche Lebendigkeit hervor, die ihn geradewegs auf Schwierigkeiten losgehen ließ und die es einem Menschen, der südlich der Loire geboren ist, unmöglich macht, lange in irgendeiner Ungewißheit zu schweben. Für die Menschen des Nordens ist dies ein Fehler, für sie gilt diese Eigenschaft, mag sie auch das Glück Murats begründet haben, doch als die Ursache seines Todes: Man muß daraus schließen, daß ein Südländer, der die Verschmitztheit des Nordens mit der Kühnheit des französischen Südens zu verbinden weiß, sich ergänzt und, wie Bernadotte, König von Schweden nicht nur wird, sondern es auch bleibt. Rastignac konnte nicht lange unter dem Feuer der Batterien Vautrins bleiben, ohne sich zu vergewissern, ob dieser Mensch sein Freund oder Feind sei. Immer mehr schien es ihm, als ob diese seltsame Persönlichkeit in seine Leidenschaften eindringe und in seinem Herzen lese, während bei Vautrin hingegen alles so verschlossen blieb, daß man an die unergründliche Tiefe einer Sphinx denken mußte, die alles weiß, alles sieht und nichts sagt. Eugen, der seine Taschen gefüllt sah, empörte sich endlich gegen dieser Druck.

»Tun Sie mir den Gefallen, noch ein wenig auf mich zu warten«, sagte er zu Vautrin, der sich erhob, nachdem er seinen Kaffee geschlürft hatte.

»Weshalb?« erwiderte er, indem er seinen breitkrempigen Hut aufsetzte und seinen eisenbeschlagenen Spazierstock nahm, den er wie ein Mann, der sich auch vor vier Räubern nicht fürchtet, ständig in der Luft herumzuwirbeln pflegte.

»Ich will Ihr Geld zurückgeben«, sagte Rastignac, der einen der Säcke geöffnet und für Madame Vauquer 140 Francs aufgezählt hatte. »Wer schnell zahlt, zahlt doppelt«, sagte er zu der Witwe. »Wir sind also quitt bis Silvester. Wechseln Sie mir bitte noch dieses Fünffrancstück!«

»Ihnen will er auch schnell zahlen«, sagte Poiret mit einem Blick auf Vautrin.

»Hier ist Ihr Franc«, sagte Rastignac und reichte der Sphinx in der Perücke das Geldstück.

»Haben Sie Angst, mir etwas zu schulden?« rief Vautrin, der einen Seherblick in die Psyche des jungen Mannes tat. Seine Worte begleitete er mit dem zynischen Lachen, das Eugen schon hundertmal zur Empörung gebracht hatte.

»Nun . . . ja«, erwiderte der Student, der die beiden Geldsäcke in der Hand hielt und auf sein Zimmer gehen wollte. Vautrin entfernte sich durch die Salontür, und der Student wollte den Speisesaal durch die andere Tür verlassen, die zum Treppenflur führte.

»Wissen Sie, Herr Marquis de Rastignacorama, daß das, was Sie da sagen, nicht eben höflich ist«, sagte Vautrin, der die schon geöffnete Salontür wieder zuschlug und auf den ihn kühl anblickenden Studenten zuging. Rastignac ließ Vautrin durch die Treppentür vorgehen und schloß sie hinter sich. Sie befanden sich jetzt beide in dem Vorraum, der den Speisesaal von der Küche trennte und von dem aus eine Tür mit einem großen vergitterten Fenster auf den Hof führte. Hier sagte der Student in Gegenwart Sylvias, die aus der Küche kam: »Herr Vautrin, ich bin kein Marquis, und ich heiße nicht Rastignacorama.«

»Sie werden sich schlagen«, sagte Fräulein Michonneau gleichgültig.

»Sie schlagen sich«, wiederholte Poiret.

»Aber sie werden doch nicht!« meinte Madame Vauquer, die ihre Silberstücke streichelte.

»Sie sind in der Lindenallee«, rief Victorine, die sich erhoben hatte, um in den Garten zu schauen. »Der arme junge Mann hat aber doch vollkommen recht.«

»Gehen wir nach oben, mein armes Kind«, meinte Madame Couture, »diese Dinge gehen uns nichts an.«

Als Madame Couture und Fräulein Victorine aufstanden, trafen sie in der Tür auf die dicke Sylvia, die ihnen den Weg versperrte.

»Was ist denn los?« sagte sie. »Herr Vautrin hat zu Herrn Eugen gesagt, wir müssen uns aussprechen, dann hat er ihn beim Arm genommen, und jetzt laufen sie zwischen den Artischocken herum.«

In diesem Augenblick trat Vautrin ins Zimmer.

»Mama Vauquer«, sagte er lächelnd, »erschrecken Sie über nichts, ich will nur meine Pistole unter den Linden probieren.«

»Oh, mein Herr«, rief Victorine, die Hände ringend, »warum wollen Sie Eugen töten?«

Vautrin trat zwei Schritte zurück und sah Victorine an.

»Sieh mal an, das ist ja etwas ganz Neues«, rief er spöttisch, so daß das junge Mädchen errötete. »Er ist sehr nett, nicht wahr, der junge Mann?« fuhr er fort, »Sie bringen mich da auf eine Idee. Ich werde euer beider Glück machen, mein schönes Kind.«

Madame Couture hatte ihr Mündel beim Arm gefaßt und zog sie mit sich fort, indem sie ihr ins Ohr flüsterte:

»Aber Victorine, du benimmst dich heute morgen unbegreiflich.«

»Ich dulde nicht, daß man bei mir Pistolen schießt«, sagte Madame Vauquer. »Sie werden die ganze Nachbarschaft erschrecken und uns sofort die Polizei ins Haus hetzen.«

»Nur Ruhe, Madame Vauquer«, erwiderte Vautrin, »dann werden wir eben zum Schießstand gehen und nach der Scheibe schießen!«

Damit ging er wieder zu Rastignac hinaus, den er vertraulich unterhakte.

»Auch wenn ich Ihnen beweisen könnte, daß ich auf 35 Schritt fünfmal hintereinander das Pik As treffe«, sagte er zu ihm, »so würde Ihnen das Ihren Mut wohl nicht rauben. Sie machen mir den Eindruck eines Hitzkopfes, und Sie sind wahrscheinlich imstande, sich wie ein Idiot totschießen zu lassen.«

»Sie weichen aus«, sagte Eugen.

»Regen Sie mich nicht auf«, erwiderte Vautrin. »Es ist heute morgen nicht kalt. Kommen Sie, wir wollen uns dort ein wenig niederlassen«, sagte er, auf die grün gestrichenen Stühle zeigend. »Dort kann uns niemand hören. Ich habe mit Ihnen zu reden. Sie sind ein guter Junge, dem ich nichts übelnehme. Ich habe Sie gern, so wahr ich Tromp . . . (Donnerwetter!), so wahr ich Vautrin heiße. Weshalb ich Sie gern habe, das will ich Ihnen sagen. Aber vorerst – ich kenne Sie, als wenn ich Ihr Alter wäre, und ich werde es Ihnen beweisen. Stellen Sie Ihre Geldsäcke dorthin«, fuhr er fort, auf den runden Tisch zeigend.

Rastignac legte das Geld auf den Tisch und setzte sich, ganz von der Neugierde gefangen, die der plötzliche Wechsel im Benehmen dieses Mannes bei ihm aufs äußerste gesteigert hatte: Zuerst hatte er gesprochen, als ob er ihn töten wollte, jetzt gab er sich plötzlich als sein Beschützer.

»Sie möchten sicher gern wissen, wer ich bin, was ich früher gemacht habe und was ich heute treibe«, fuhr Vautrin fort. »Sie sind gar zu neugierig, mein Junge. Also, nur Ruhe! Sie werden jetzt allerhand zu hören bekommen. Ich habe manches Unglück durchgemacht. Hören Sie mich erst an, später können Sie mir antworten. Mein Vorleben läßt sich in drei Worten erzählen. Wer ich bin? Vautrin. Was ich treibe? Was mir beliebt. Damit Schluß. Wollen Sie etwas über meinen Charakter wissen? Ich bin gut zu denen, die mir Gutes tun oder deren Wesen mir gefällt. Denen ist alles erlaubt, sie können mir Fußtritte ans Schienbein geben, ohne daß ich sage: Nimm dich in acht! Aber, verflucht noch einmal! Ich bin böse wie der Teufel zu denen, die mir nachstellen, und zu denen, die mir nicht liegen. Es ist gut, wenn Sie sich folgendes merken: Ich mache mir nicht so viel daraus, einen Menschen umzubringen«, sagte er, indem er ausspuckte. »Nur bemühe ich mich, ihn sauber zu erledigen, wenn es unbedingt nötig ist. Man könnte mich einen Künstler nennen. Ja, so wie Sie mich hier sehen, habe ich die Memoiren von Benvenuto Cellini gelesen, und noch dazu auf italienisch! Von diesem prächtigen Kerl habe ich gelernt, daß man die Vorsehung kopieren muß, die uns tötet, wie es ihr paßt, und daß man das Schöne lieben muß, wo man es findet. Übrigens, das ist kein schlechtes Spiel, allein gegen alle zu stehen und dabei Glück zu haben! Ich habe lange über die soziale Unordnung, so wie wir sie heute erleben, nachgedacht. Mein Junge, das Duell ist ein Spiel für Kinder, eine Dummheit. Wenn von zwei Menschen einer verschwinden muß, so wäre es dumm, sich auf den Zufall zu verlassen. Das Duell? Kopf oder Schrift, das ist die ganze Sache! Ich treffe fünfmal hintereinander das Pik As, eine Kugel auf der anderen, und das auf 35 Schritt! Wenn man solch ein kleines Talent sein eigen nennt, so kann man wohl sicher sein, seinen Mann niederzuknallen. Nun ja, ich habe einmal auf 20 Schritt auf einen Menschen geschossen, ohne zu treffen! Dabei hatte der Bursche nie in seinem Leben eine Pistole in der Hand gehabt. Da, sehen Sie!« Der seltsame Mensch knöpfte seine Weste auf und entblößte seine Brust, die zottig war wie ein Bärenfell, bedeckt mit einer roten Mähne, die Entsetzen und Ekel erregte. »Dieser Gelbschnabel hat mir das Fell verbrannt«, fügte er hinzu und legte Rastignacs Finger auf eine Narbe in der Brust. »Aber damals war ich noch ein Kind, ich war in Ihrem Alter, einundzwanzig. Ich glaubte noch an etwas, an Frauenliebe, an den ganzen Unsinn, mit dem Sie sich jetzt abgeben wollen. Wir hätten uns beinahe geschlagen, nicht wahr? Sie hätten mich töten können. Stellen Sie sich vor, ich läge unter dem Rasen – wo wären Sie? Sie müßten fliehen, nach der Schweiz, das Geld des Papas aufessen, der selbst nichts hat. Und nun werde ich, Vautrin, Ihnen die Lage erklären, in der Sie sich befinden, aber ich werde es mit der Überlegenheit eines Mannes tun, der die Dinge hienieden genügend geprüft und eingesehen hat, daß man nur zwischen zwei Wegen zu wählen hat: zwischen stumpfem Gehorsam und der Revolte. Ich kenne keinen Gehorsam, verstehen Sie das? Wissen Sie, was Sie brauchen auf dem Weg, den Sie gehen? Eine Million, und zwar schnell. Sonst können wir eines Tages, Köpfchen voran, in die Seine hopsen, nur um herauszukriegen, ob es ein höchstes Wesen gibt. Diese Million – ich werde sie Ihnen verschaffen.«

Er unterbrach sich und blickte Eugen forschend an.

»Aha, jetzt zeigen Sie dem guten Papa Vautrin schon eine freundlichere Miene. Wenn Sie solche Worte hören, so sind Sie wie das Mädchen, dem man sagt: Auf heute abend, und das sich dann fein macht. So wie ein Kätzchen, das sich die Milch abschleckt. So ist es recht! Also los mit uns beiden. Folgendermaßen steht es um Sie, junger Mann! Wir haben da unten den Papa, die Mama, die Großtante, zwei Schwestern (18 und 17 Jahre), zwei Brüder (15 und 10 Jahre): Dies ist die Stärke der Besatzung. Die Tante erzieht Ihre Schwestern. Der Pfarrer bringt Ihren beiden Brüdern Latein bei. Die Familie ißt mehr Kastanienbrei als Weißbrot, der Papa schont seine Hosen, Mama leistet sich kaum eine Robe für Winter und Sommer, und die Schwestern sehen zu, wie sie durchkommen. Ich kenne das, ich habe im Süden gelebt. So liegen die Dinge bei Ihnen, wenn man für Sie 1200 Francs aufbringt und wenn die Klitsche nur 3000 Francs abwirft. Wir haben eine Köchin und einen Diener, man muß das Dekorum wahren, Papa ist Baron. Wir selbst aber sind ehrgeizig und müssen zu Fuß laufen, wir wollen reich werden und haben keinen Sou, wir essen den Fraß der Madame Vauquer, und wir lieben die schönen Diners des Faubourg St-Germain, wir schlafen auf einem Strohsack, und wir wünschen uns ein Palais. Ich tadele Ihre Wünsche keineswegs, Ehrgeiz zu haben, mein Herzchen, ist nicht aller Welt gegeben. Fragen Sie die Frauen, welche Männer sie lieben: die Ehrgeizigen. Die Ehrgeizigen haben kräftigere Lenden, ihr Blut ist eisenhaltiger, ihr Herz schlägt heißer als das anderer Menschen. Und die Frau fühlt sich so glücklich und schön in ihren starken Stunden, daß sie die starken Männer bevorzugt, mag sie auch Gefahr laufen, zerbrochen zu werden. Ich nehme das Inventar Ihrer Wünsche auf, um Ihnen die entscheidende Frage zu stellen. Diese Frage ist folgende: Wir haben einen Wolfshunger, unsere Zähne sind scharf, wie machen wir es, unseren Fleischtopf zu füllen? Da ist zunächst der Codex Juris zu verdauen. Das ist nicht amüsant, und man lernt nichts Rechtes dabei, aber es muß sein. Sei es. Wir werden Advokat, um später Präsident eines Schwurgerichts zu sein, um arme Teufel ins Bagno zu schicken – die mit ihrem T.F. als Kennzeichen auf der Schulter mehr wert sind als wir – und so den Reichen zu beweisen, daß sie ruhig schlafen können. Das ist nicht sehr reizvoll, und es dauert recht lange. Zuerst muß man sich zwei Jahre in Paris herumdrücken, man muß sich die Leckerbissen, auf die wir so versessen sind, ansehen, ohne daran zu rühren. Es ermüdet, immer ohne Befriedigung zu begehren. Wenn Sie bläßlich wären und kalt wie eine Schnecke, so wäre nichts zu befürchten. So aber haben wir das fiebernde Blut des Löwen in den Adern und einen Appetit, daß wir zwanzig Torheiten am Tage begehen könnten. Sie werden also unter dieser Qual erliegen, der schlimmsten, die man in der Hölle des lieben Gottes kennt.

Nehmen wir aber mal an, daß Sie vernünftig sind, daß Sie Milch trinken und Elegien schreiben, so müssen Sie, anständig wie Sie sind, nach vielem Ärger und Entbehrungen, die einen Hund rasend machen könnten, zunächst Substitut irgendeines üblen Burschen werden, in irgendeinem Nest, wo Ihnen die Regierung 1000 Francs im Jahr hinwirft, wie man einem Metzgerhund seine Suppe vorsetzt. Macht Jagd auf Diebe, plädiert für die Reichen und läßt brave Kerle guillotinieren. Gesegnete Mahlzeit! Wenn Sie keine Protektion haben, so werden Sie an Ihrem Provinztribunal verfaulen. Wenn Sie 30 Jahre alt sind, sind Sie Richter mit 1200 Francs im Jahr, falls Sie Ihre Robe noch nicht auf den Kehrichthaufen geworfen haben. Wenn Sie die Vierzig erreichen, heiraten Sie die Tochter irgendeines Müllers mit 6000 Francs Rente. Danke schön! Haben Sie Protektion, so sind Sie mit 30 Jahren Staatsanwalt, haben 3000 Francs Gehalt und heiraten die Tochter eines Bürgermeisters. Wenn Sie ein paar kleine politische Gemeinheiten begehen, z. B. auf einem Aktenstück ›Villèle‹ statt ›Manuel‹ lesen (das reimt sich, und so kann sich das Gewissen beruhigen), so sind sie mit 40 Jahren Generalstaatsanwalt und können Deputierter werden. Bedenken Sie, mein lieber Junge, daß unser Gewissen dabei manchen Stoß bekommen hat, daß wir 20 Jahre voll Qualen und heimlicher Not auszuhalten haben, daß die Schwestern alte Jungfern geworden sind. Zudem habe ich die Ehre zu bemerken, daß es nur 20 Generalstaatsanwälte in Frankreich gibt und daß 20 000 Bewerber da sind. Und darunter sind Kerle, die ihre Familie verkaufen würden, wenn sie dadurch eine Stufe höher kommen könnten.

Wenn dieser Beruf Ihnen also nicht paßt, sehen wir uns nach etwas anderem um! Wünscht der Herr Baron von Rastignac vielleicht Advokat zu werden? Auch nicht schlecht. Da muß man 10 Jahre vegetieren, 1000 Francs im Monat ausgeben, eine Bibliothek und ein Arbeitskabinett haben, in Gesellschaften gehen, vor einem Sachwalter dienern, um Klienten zu bekommen, den ganzen Justizpalast mit der Zunge ablecken. Wenn dieser Beruf zu etwas führte, würde ich nicht nein sagen. Aber suchen Sie mir in Paris fünf Advokaten, die mit 50 Jahren mehr als 50 000 Francs verdienen! Bah, ehe ich mich so tief erniedrigte, würde ich lieber Seeräuber werden. Übrigens, wo soll man auch das Geld hernehmen? All das ist nicht gerade lustig. Da wäre vielleicht die Mitgift einer reichen Frau. Wollen Sie heiraten? Sie binden sich einen Stein ans Bein. Und dann, wenn Sie eine Geldheirat eingehen, wo bleiben unsere Gefühle für Ehre und Anstand? Dann können Sie ebensogut heute mit Ihrer Revolte gegen die Konventionen der Menschheit beginnen. Aber das alles wäre noch nichts: einer Frau zu Füßen kriechen, der Schwiegermutter die Schuhe zu lecken, sich zu erniedrigen, daß die Schweine den Ekel kriegen, puah! Wenn Sie bei alledem wenigstens Ihr Glück fänden! Aber Sie sind mit einer Frau, die Sie aus solchen Gründen geheiratet haben, unglücklich wie ein Pflasterstein. Besser noch, man schlägt sich mit Männern herum, als mit seiner Frau auf dem Kriegsfuß zu stehen!

Da stehen Sie also am Scheidewege des Lebens, junger Mann, wählen Sie! Aber Sie haben schon gewählt! Sie sind zu unserem Cousin Beauséant gegangen, und Sie haben den Luxus gewittert. Sie sind zu Madame de Restaud gegangen, der Tochter des Vaters Goriot, und Sie haben die Pariserin gewittert. Als Sie an diesem Tage zurückkehrten, stand ein Wort auf Ihrer Stirn geschrieben, das ich lesen konnte: Erfolg um jeden Preis! Bravo! sagte ich mir, das ist ein Bursche, der mir gefällt. Sie brauchten Geld. Woher nehmen? Sie haben Ihre Schwestern zur Ader gelassen. Alle Brüder nehmen mehr oder weniger ihre Schwestern hoch. So haben Sie schließlich Ihre 1500 Francs losgeeist. Gott weiß wie! Dabei gibt es in Ihrer Heimat mehr Kastanien als Fünffrancstücke, und Ihre Gelder werden fortflitzen wie die Soldaten, wenn es ans Plündern geht. Und nachher, was werden Sie machen? Sie werden arbeiten? Die Arbeit, wie Sie sie heute verstehen, das schafft auf die alten Tage höchstens ein Appartement bei Madame Vauquer für Burschen vom Schlage Poiret.

Schnell reich zu werden ist das Problem, das in diesem Augenblick fünftausend junge Menschen lösen wollen, die sich alle in Ihrer Lage befinden. Sie sind nur einer von diesen Tausenden. Danach ermessen Sie, was für Anstrengungen Sie zu machen haben und wie erbittert der Kampf ist! Ihr müßt euch einer den anderen wie Spinnen in einem Topf auffressen, da es nicht 5000 gute Stellungen gibt. Wissen Sie, wie man hier seinen Weg macht? Durch glänzendes Genie oder durch geschickte Korruption. Man muß auf diese Masse Menschen losplatzen wie eine Kanonenkugel oder sich unter sie einschleichen wie die Pest. Anständigkeit führt zu nichts. Man beugt sich vor der Macht des Genies, man haßt es, man sucht es zu verleumden, weil es nimmt, ohne zu teilen. Man gibt nach, wenn es sich durchsetzt, mit einem Wort: Man betet es auf den Knien an, wenn man es nicht im Schmutz begraben konnte. Die Korruption ist obenauf, das Talent ist selten. So ist die Korruption die Waffe der allzu zahlreichen Mittelmäßigkeit, und Sie werden ihr überall begegnen. Sie werden Frauen sehen, deren Männer nur 6000 Francs für Kind und Kegel haben und die doch mehr als 10 000 Francs für ihre Toilette ausgeben. Sie werden Angestellte mit 1200 Francs sehen, die sich Landgüter kaufen. Sie werden es erleben, wie sich Frauen prostituieren, um im Wagen des Sohnes eines Pairs von Frankreich zu fahren. Sie haben gesehen, wie Vater Goriot, der arme Dummkopf, einen von seiner Tochter unterschriebenen Wechsel bezahlen muß, während ihr Gatte 50 000 Livres Rente hat. Wetten wir, daß Sie nicht zwei Schritte in Paris machen können, ohne auf höllische Schliche zu stoßen. Ich setze mein Leben gegen diesen Salatkopf dort, daß Sie bei der ersten Frau, die Ihnen gefällt, in ein solches Wespennest geraten werden, und wenn sie noch so reich, jung und schön ist. Alle stehen sie irgendwie mit den Gesetzen in Konflikt und leben mit ihren Gatten in Streit. Ich würde kein Ende finden, wenn ich Ihnen die Schleichwege schildern wollte, die sie für ihre Geliebten, für ihren Putz, für ihre Kinder, für den Haushalt oder ihre Eitelkeit betreten, selten aus Tugend, dessen seien Sie sicher. Deswegen ist auch ein anständiger Mensch allgemein verhaßt. Aber was glauben Sie denn, was ein anständiger Mensch ist? In Paris ist der anständig, der schweigt und nicht mittun will. Ich spreche natürlich nicht von den armen Heloten, die überall ohne Dank die große Arbeit tun und die ich die Brüderschaft der Schlappschwänze des lieben Gottes nenne. Da findet man sicherlich die Tugend in der ganzen Blüte ihrer Dummheit, aber auch das Elend. Ich sehe schon das Gesicht, das diese braven Kerle machen, falls unser Herrgott sich den schlechten Scherz erlauben sollte, beim Jüngsten Gericht durch Abwesenheit zu glänzen. Wenn Sie also schnell zu Vermögen kommen wollen, so müssen Sie entweder schon reich sein oder es scheinen. Wenn man reich werden will, kann man nur große Coups machen, andernfalls läppert man so weiter, und dann . . . Ihr Diener! Wenn sich in den hundert Berufen, die in Frage kommen, zehn Männer finden, die schnell Erfolg gehabt haben, so nennt das Publikum sie Diebe. Ziehen Sie also Ihre Schlüsse! Da haben Sie das Leben, wie es wirklich ist. Schön ist's in dieser Küche nicht, da riecht's nach allerlei, und man macht sich die Hände schmutzig, wenn man was Gutes brutzeln will. Man muß nur sehen, daß man nach außen immer sauber erscheint: Das ist die ganze Moral unserer Zeit.

Wenn ich so zu Ihnen von der Welt spreche, so habe ich wohl das Recht dazu, ich kenne sie. Glauben Sie, daß ich sie tadele? Fällt mir nicht ein. Sie ist immer so gewesen, die Moralisten werden sie nicht ändern. Der Mensch ist nun einmal ein unvollkommenes Wesen. Manchmal heuchelt er mehr oder weniger, und die Dummen sagen dann, daß er Moral oder keine Moral habe. Ich will auch nicht nur die Reichen anklagen und das Volk verteidigen: Der Mensch ist stets derselbe oben, unten oder in der Mitte. Unter jeder Million von Exemplaren dieser Gattung finden sich stets zehn Burschen, die sich über alles hinwegsetzen, selbst über die Gesetze. Zu diesen gehöre ich. Sie aber, wenn Sie ein Mensch von Format sind, gehen Sie geradezu mit erhobenem Kopf Ihren Weg. Aber Sie werden gegen den Neid, die Verleumdung, die Mittelmäßigkeit, kurz gegen die ganze Welt kämpfen müssen. Napoleon begann unter einem Kriegsminister, der sich Aubry nannte und der ihn beinahe in die Kolonien geschickt hätte. Prüfen Sie sich selbst! Sehen Sie, ob Sie jeden Morgen mit stärkerem Willen erwachen, als Sie am Abend besaßen. In diesem Falle möchte ich Ihnen einen Vorschlag machen, den kein Mensch ablehnen würde. Hören Sie gut zu.

Sehen Sie, ich habe eine Idee. Mein Plan ist, ein patriarchalisches Leben auf einer großen Besitzung von, sagen wir, 100 000 Morgen im Süden der Vereinigten Staaten zu führen. Ich will Plantagenbesitzer werden, mir Sklaven halten, einige Milliönchen mit dem Verkauf meines Tabaks, meines Holzes und meiner Ochsen verdienen. Ich will als Souverän leben, nach meinen eigenen Wünschen, ein Leben führen, wie man es hier, wo man in diesen Steinlöchern steckt, nicht begreift. Ich bin in meiner Art ein großer Dichter. Nur schreibe ich meine Gedichte nicht: Es sind Handlungen und Gefühle. Ich besitze zur Zeit 50 000 Francs, damit kann ich mir kaum 40 Neger kaufen. Ich brauche 200 000 Francs, weil ich 200 Neger haben will, weil ich als wahrer Patriarch leben will. Die Neger, sehen Sie, sind wie neugeborene Kinder, mit denen man macht, was man will, ohne daß irgendein neugieriger Staatsanwalt von einem Rechenschaft fordert. Mit diesem schwarzen Kapital werde ich in zehn Jahren über drei bis vier Millionen verfügen: ›Wer bist du?‹ Ich bin einfach Herr über vier Millionen, Bürger der Vereinigten Staaten. Ich bin dann 50 Jahre alt, noch nicht verbraucht, und ich werde mich auf meine Art amüsieren.

Also in zwei Worten: Wenn ich Ihnen eine Mitgift von einer Million verschaffe, geben Sie mir dann 200 000 Francs. 20 Prozent Vermittlergebühr, was, ist das zuviel? Ihre kleine Frau wird Sie sicher recht liebhaben. Sind Sie erst verheiratet, so werden Sie plötzlich unruhig und grüblerisch und lassen 14 Tage lang den Kopf hängen. Eines Nachts werden Sie zu Ihrer Frau nach allerhand zärtlichen Mätzchen zwischen zwei Küssen 200 000 Francs Schulden beichten und stöhnen: Mein Lieb! Diese Posse wird alle Tage von jungen Leuten aus erster Familie gespielt. Eine junge Frau verweigert dem, der ihr Herz erobert hat, niemals ihre Börse. Glauben Sie, daß Sie dabei verlieren? Nein. Sie werden schon ein Mittel finden, um Ihre 200 000 Francs bei einem Geschäft wieder zu verdienen. Mit Ihrem Geld und Ihrem Verstand können Sie so viel Geld zusammenraffen, wie Sie nur wollen. Ergo, Sie haben in sechs Monaten Ihr Glück, das einer lieben Frau und das des Papas Vautrin gemacht, ganz ungerechnet Ihre Familie, die sich im Winter, wenn sie kein Holz hat, durch die Finger bläst. Erstaunen Sie nicht über das, was ich Ihnen vorschlage, noch über das, was ich von Ihnen verlange. Unter 60 guten Partien in Paris findet man siebenundvierzig, die unter ähnlichen Bedingungen zustande kommen. Die Notarkammer hat Herren . . .«

»Was soll ich tun?« unterbrach Rastignac hastig.

»Fast nichts«, antwortete Vautrin, dem eine leichte, unwillkürliche Gebärde der Freude entschlüpfte, der stummen Geste des Anglers vergleichbar, der die Beute am Köder spürt. »Hören Sie mir gut zu! Das Herz eines unglücklichen jungen Mädchens sucht sich mit Liebe vollzusaugen wie ein Schwamm, der ausgetrocknet war. Machen Sie einer jungen Person den Hof, die heute einsam, arm und verlassen ist und die nicht ahnt, welch ein Reichtum ihr bevorsteht! Verdammt, das heißt alle Trümpfe in der Hand haben, das heißt Lotterie spielen, wenn man die Nummer des großen Loses kennt, das nenne ich einen todsicheren Börsencoup. Das wird eine Ehe, die eine feste Grundlage hat. Wenn das junge Mädchen die Millionen erst hat, dann wirft es sie Ihnen zu Füßen, als wenn es Kieselsteine wären. ›Nimm, mein Geliebter! Nimm, Adolphe! Nimm, Alfred! Nimm, Eugen!‹ wird sie sagen, wenn Adolphe, Alfred oder Eugen klug genug gewesen ist, sich für sie zu opfern. Was ich unter ›opfern‹ verstehe? Einen alten Anzug verkaufen, um mit ihr im ›Cadran bleu‹ Pilzpasteten zu essen und von dort ins ›Ambigu-comique‹ zu gehen; seine Uhr zu versetzen, um ihr einen Schal zu kaufen. Ich will gar nicht von dem Liebesschnickschnack und dem sonstigen dummen Zeug reden, an dem die Frauen so hängen, z. B. ein paar Tropfen Wasser auf das Briefpapier sprengen, um Tränen zu markieren, wenn man fern von ihr ist: Sie sehen mir so aus, als ob Sie sich auf diesen Liebesjargon schon verstehen.

Paris, sehen Sie, gleicht einem Urwald Amerikas, in dem sich zwanzig verschiedene wilde Volksstämme herumtreiben, die Illinois, die Huronen und andere, die von dem Ertrag ihrer Jagd auf die Gesellschaft leben. Sie aber sind ein Millionenjäger. Dazu brauchen Sie Fallen, Leimruten, Lockpfeifen. Es gibt verschiedene Arten zu jagen. Die einen jagen nach der Mitgift, andere nach einem Bankrott. Die einen angeln nach Überzeugungen, die anderen verkaufen die Dummen, die sie gefunden haben, mit Haut und Haar. Wer mit wohlgefüllter Jagdtasche zurückkehrt, wird geehrt, gefeiert und von der guten Gesellschaft empfangen. Wir müssen mit dieser gastlichen Stätte hier gerecht verfahren. Sie sind hier in einer der gefälligsten Städte, die es auf der Welt gibt. Wenn die stolzen Aristokratinnen aller Hauptstädte Europas sich weigern, einen Millionär von üblem Ruf bei sich aufzunehmen, so öffnet Paris ihm die Arme, läuft zu seinen Festen, diniert an seinem Tisch und stößt auf seine Schande an.«

»Aber wo wollen Sie das junge Mädchen finden«, fragte Eugen.

»Sie gehört schon Ihnen. Sie steht vor Ihnen.«

»Etwa Fräulein Victorine?«

»Stimmt!«

»Aber wie ist das möglich?«

»Sie liebt Sie bereits, Ihre kleine Baronin de Rastignac.«

»Sie besitzt doch keinen Sou«, erwiderte Eugen erstaunt.

»Ah! Da sind wir also beim Thema. Noch zwei Worte«, fuhr Vautrin fort, »und alles klärt sich auf. Vater Taillefer ist ein alter Schurke, der während der Revolution einen seiner Freunde ermordet haben soll. Er ist ein Kerl, der zu den Brüdern mit selbständigen Ansichten gehört. Er ist Bankier, der Hauptteilhaber des Hauses Frédéric Taillefer et Comp. Er hat einen einzigen Sohn, dem er zum Schaden Victorines sein ganzes Vermögen hinterlassen will. Solche Ungerechtigkeiten liebe ich nun einmal nicht. Ich bin wie Don Quichote, ich verteidige stets den Schwachen gegen den Stärkeren. Wenn es der Wille Gottes wäre, den jungen Taillefer zu sich zu rufen, so würde der Alte Victorine wieder aufnehmen. Er braucht irgendeinen Erben – ein dummes, aber durchaus natürliches Gefühl –, und er wird keine Kinder mehr haben, ich weiß es. Victorine ist umgänglich und sanft, sie wird ihren Vater bald eingewickelt haben, und er wird wie ein Kreisel, nur von seinem Vatergefühl getrieben, nach ihren Wünschen tanzen. Victorine wird von Ihrer Liebe zu tief beeindruckt sein, als daß sie Sie vergessen könnte. Sie werden sie heiraten. Ich selbst spiele dabei die Rolle der Vorsehung, ich werde den Willen des lieben Gottes ersetzen. Ich habe einen Freund, für den ich früher einmal viel getan habe, einen ehemaligen Oberst der Loirearmee, der jetzt in der königlichen Garde dient. Er hört auf meine Ratschläge und ist Ultraroyalist geworden: Er gehört nicht zu den Dummköpfen, die an ihren Anschauungen festhalten. Wenn ich Ihnen noch einen Rat geben soll, mein Engel: Klammern Sie sich nicht an Ihre Ansichten und Ihre Worte. Verkaufen Sie sie, wenn man es von Ihnen wünscht. Ein Mann, der sich rühmt, niemals seine Meinung zu ändern, ist wie jemand, der immer nur geradeaus gehen will, ein Dummkopf, der an die Unfehlbarkeit glaubt. Es gibt keine Grundsätze, es gibt nur Ereignisse: Es gibt keine Gesetze, es gibt nur Zustände. Der höher veranlagte Mensch bedient sich der Ereignisse und Zustände, um sie zu lenken. Wenn es Grundsätze und feste Gesetze gäbe, so würden die Völker sie nicht wechseln, wie wir unser Hemd wechseln. Man ist nicht verpflichtet, weiser zu sein als eine ganze Nation. Der Mann, der Frankreich die schlechtesten Dienste geleistet hat, wird wie ein Fetisch verehrt, weil er stets ein braver Republikaner war. Man kann ihn höchstens ins Museum stellen, unter die alten Maschinen mit einem Etikett daran ›La Fayette‹ zur Kennzeichnung. Während der Fürst, nach dem jeder mit Steinen wirft, der die Menschheit so sehr verachtet, daß er ihr so viel Schwüre ins Gesicht spuckt, wie sie nur wünscht, die Aufteilung Frankreichs auf dem Wiener Kongreß verhindert hat: Man schuldet ihm Kränze, und statt dessen bewirft man ihn mit Kot. Oh! ich kenne den Lauf der Welt, ich weiß manche Geheimnisse! Aber Schluß damit. Auch meine Meinung wird an dem Tag unerschütterlich sein, an dem ich drei Leute über die Anwendung eines Prinzips einig sehe; aber ich werde lange warten können. Man findet vor Gericht nicht drei Richter, die über denselben Gesetzesartikel einig wären. Um auf meinen Mann zurückzukommen: Er würde Jesus Christus noch einmal kreuzigen, wenn ich es von ihm forderte. Auf ein bloßes Wort des Papa Vautrin wird er mit diesem Burschen Händel suchen, der seiner armen Schwester nicht einmal fünf Francs gibt und . . .«

Hier erhob sich Vautrin, ging in Fechterstellung und nahm die Haltung eines Fechtmeisters an, der einen Ausfall macht.

»Erledigt!« fügte er dann hinzu.

»Abscheulich«, rief Eugen. »Scherzen Sie, Herr Vautrin?«

»La, la, la, nur ruhig Blut!« erwiderte er. »Seien Sie doch kein Kind. Aber meinetwegen können Sie auch, wenn es Ihnen Spaß macht, wütend werden und aufbrausen. Sagen Sie ruhig, daß ich ein Nichtswürdiger, ein Verbrecher, ein Schuft, ein Bandit bin, aber nennen Sie mich nicht Betrüger und Spion! Nur los, heraus damit! Ich verzeihe Ihnen, es ist so natürlich in Ihrem Alter! So bin ich auch einmal gewesen. Aber denken Sie einmal nach! Sie werden eines Tages noch etwas Schlimmeres machen. Sie werden mit einer hübschen Frau kokettieren und dann von ihr Geld annehmen. Sie haben sogar schon daran gedacht! Denn wie sollen Sie Erfolg haben, wenn Sie nicht Ihre Liebe eskomptieren? Die Tugend, mein lieber Student, ist nicht teilbar: Sie ist da oder sie ist nicht da. Man spricht nur davon, wir sollten für unsere Sünden Buße tun. Ein hübsches System, durch einen Akt der Zerknirschung ein Verbrechen loszuwerden! Eine Frau verführen, um eine gewisse Stufe der sozialen Rangordnung zu erreichen, Zwietracht in eine Familie säen, alle diese Gemeinheiten, die hinter dem Ofenschirm begangen werden, aus persönlichen Interessen oder nur zum Vergnügen, glauben Sie, daß das Akte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe sind? Warum wird ein Dandy nur zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, der einem Mädchen in einer Nacht die Hälfte ihres Vermögens stiehlt, warum wirft man den armen Teufel ins Bagno, der unter erschwerenden Umständen einbricht, um 1000 Francs zu stehlen? Da haben Sie Ihre Gesetze. Nicht einen Paragraphen gibt es, der nicht zum Unsinn führt. Der Herr mit honigsüßen Worten und honigfarbenen Handschuhen begeht einen Mord, bei dem man kein Blut vergießt, sondern es freiwillig hergibt; der Mörder öffnet eine Tür mit einem Dietrich, zwei nächtliche Ereignisse! Zwischen dem, was ich Ihnen vorschlage, und dem, was Sie eines Tages tun werden, macht nur das Blutvergießen einen Unterschied. Sie glauben noch an etwas Festes in der Welt? Verachten Sie lieber die Menschen, und sehen Sie, durch welche Lücken des Gesetzes man schlüpfen kann! Das Geheimnis der großen Vermögen, deren Entstehung unbekannt ist, ist irgendein Verbrechen, das man vergessen hat, weil es geschickt begangen wurde.«

»Schweigen Sie, Herr! Ich will nichts mehr hören, Sie machen mich sonst an mir selber zweifeln. In diesem Augenblick ist mein Gefühl alles, was ich weiß!«

»Wie es Ihnen beliebt, mein Junge! Ich habe Sie für stärker gehalten«, erwiderte Vautrin, »ich werde Ihnen nichts mehr sagen. Aber noch ein letztes Wort!«

Er sah den Studenten fest an: »Sie sind in mein Geheimnis eingeweiht«, sagte er.

»Ein junger Mann, der Sie zurückweist, wird zu vergessen wissen«, war die Antwort.

»Das haben Sie gut gesagt, das gefällt mir. Ein anderer, sehen Sie, wäre weniger gewissenhaft. Denken Sie an das, was ich für Sie tun will. Ich gebe Ihnen 14 Tage Frist: Sie haben die Wahl!«

Welch ein Mensch, wie aus Eisen, sagte sich Rastignac, als er Vautrin mit seinem Spazierstock unter dem Arm ruhig fortgehen sah. »Er hat mir unverhüllt dasselbe gesagt, was Madame de Beauséant mir in anderer Form verkündet hat. Mit ehernen Krallen hat er mir das Herz zerrissen. Weswegen will ich zu Madame de Nücingen gehen? Er hat meine Motive erraten, sobald ich sie gefaßt hatte. Mit einem Wort: Dieser Verbrecher hat mir mehr über die Tugend erzählt als alle Menschen und Bücher. Wenn die Tugend keine Zugeständnisse kennt, so habe ich also meine Schwestern bestohlen?« sagte er, indem er die Geldsäcke auf den Tisch warf.

Er setzte sich und blieb lange in tiefes Nachdenken versunken. Der Tugend treu bleiben, welch erhabenes Martyrium! Alle Welt glaubt an die Tugend, aber wer ist tugendhaft? Die Völker machen aus der Freiheit ihr Idol, aber wo auf der Welt gibt es ein freies Volk? Meine Jugend ist noch wie blauer wolkenloser Himmel: Wenn man groß und reich werden will, heißt das nicht lügen, sich ducken, kriechen, seine Gesinnung ändern, schmeicheln und heucheln? Muß man sich nicht zum Diener derer machen, die gelogen und gedienert haben? Bevor man ihr Genosse wird, muß man sie bedienen. Nein! Ich will anständig und ehrlich arbeiten, Tag und Nacht, ich will mein Glück nur meiner Arbeit verdanken. Es wird sehr langsam gehen, aber jeden Abend werde ich mich ohne Gewissensbisse zur Ruhe legen können. Was gibt es Schöneres, als einmal sein Leben zu betrachten und es rein wie eine weiße Lilie zu finden? Ich und das Leben, wir sind wie ein Bräutigam und seine Braut. Aber – Vautrin hat mir gezeigt, wie es nach zehn Jahren Ehe aussieht. Zum Teufel! Mein Kopf wird wirr. Ich will an nichts denken, das Herz ist doch der beste Führer!

Eugen wurde durch die Stimme der dicken Sylvia aus seiner Träumerei geweckt; sie meldete ihm den Schneider. Er konnte sich so vor ihm mit zwei Geldsäcken in der Hand präsentieren, und das kam ihm nicht ungelegen. Nachdem er seine Abendanzüge anprobiert hatte, zog er seinen neuen Straßenanzug an, der ihn vollständig verwandelte.

»Ich kann es jetzt ruhig mit Herrn de Trailles aufnehmen«, sagte er sich. »Endlich sehe ich aus wie ein Edelmann.«

»Sie haben mich gefragt, mein Herr, ob mir die Häuser bekannt seien, in denen Madame de Nücingen verkehrt?« sagte Vater Goriot, der bei Eugen eintrat.

»Jawohl.«

»Nun, sie geht nächsten Montag zum Ball des Marschall Carigliano. Wenn auch Sie an dem Ball teilnehmen, so können Sie mir sagen, ob meine Töchter sich gut amüsiert haben, wie sie angezogen waren – alles, was sich ereignet hat.«

»Wie haben Sie denn das erfahren, mein guter Vater Goriot?« sagte Eugen, der ihn am Kamin Platz nehmen ließ.

»Ihre Kammerzofe hat es mir gesagt. Ich erfahre alles, was sie machen, von Therese und Konstanza«, erwiderte er vergnügt.

Der Greis glich einem reichlich jungen Liebhaber, der noch über eine List glücklich ist, durch die er mit der Geliebten in Verbindung kommt, ohne daß sie etwas ahnt.

»Sie werden sie also sehen!« sagte er naiv mit einem Anflug wehmütigen Neides.

»Ich weiß noch nicht«, erwiderte Eugen. »Ich werde zu Madame de Beauséant gehen und sie fragen, ob sie mich der Marschallin vorstellen kann.«

Eugen empfand eine innere Freude, sich in seiner neuen Kleidung der Vicomtesse zeigen zu können. Das, was die Moralisten die Abgründe des menschlichen Herzens nennen, sind einzig und allein die trügerischen Gedanken, die unwillkürlichen Regungen der Eigenliebe. Diese plötzlichen Peripetien des Gefühls, der Gegenstand so zahlloser Deklamationen, sind Berechnungen, die man zugunsten seiner Genüsse anstellt. Rastignac, der sich gut gekleidet sah, mit guten Handschuhen und Stiefeln, vergaß seine tugendhaften Entschließungen. Die Jugend wagt es nicht, in den Spiegel des Gewissens zu sehen, wenn sie auf den Weg des Unrechts abbiegt, während das reife Alter sich schon kennt: Darin liegt der ganze Unterschied dieser beiden Phasen des menschlichen Lebens.

Seit einigen Tagen waren die beiden Nachbarn, Eugen und der Vater Goriot, gute Freunde geworden. Dieses heimliche Band hatte die gleichen psychologischen Grundlagen wie der Gegensatz zwischen Vautrin und dem Studenten. Der kühne Philosoph, der sich einmal mit den Wirkungen unserer Gefühle in der physischen Welt beschäftigen wird, dürfte manche Beweise ihres Vorhandenseins in den Beziehungen zwischen Mensch und Tier feststellen. Ein Hund weiß eher, ob ein Unbekannter ihn liebt oder nicht, als der Psychologe einen Charakter deuten kann. Die Anziehungskraft der Atome, diese fast sprichwörtliche Bezeichnung, die heute jeder gebraucht, bleibt eine Tatsache, die aller philosophischen Tüfteleien spottet. Hier handelt es sich nun aber nicht darum, die Abfälle primitivster Begriffe zusammenzuflicken. Man fühlt, ob man geliebt wird. Das Gefühl drückt sich in tausenderlei Formen aus und ist nicht an räumliche Schranken gebunden. Ein Brief ist ein Stück Seele, er ist ein so getreues Echo des gesprochenen Wortes, daß zarte Gemüter ihn zu dem reichsten Schatz der Liebe rechnen. Vater Goriot, dem sein unbewußtes Gefühl gewissermaßen den erhöhten Instinkt des Hundes verlieh, hatte die Teilnahme, die bewundernde Güte, die jugendliche Sympathie gewittert, die ihm das Herz des Studenten entgegenbrachte. Aber diese im Entstehen begriffene Verbindung hatte noch zu keiner Vertraulichkeit geführt. Wenn Eugen die Madame de Nücingen kennenzulernen wünschte, so rechnete er nicht auf den Greis, um bei ihr eingeführt zu werden; doch hoffte er, daß ihm eine Indiskretion dienlich sein könnte. Vater Goriot hatte mit ihm über seine Töchter bisher nur im Anschluß an die Äußerungen gesprochen, die Rastignac sich am Tage seines Besuches erlaubt hatte.

»Mein lieber Herr«, hatte er am folgenden Tage zu ihm gesagt, »wie können Sie glauben, daß Madame de Restaud Ihnen böse war, als Sie meinen Namen aussprachen? Meine beiden Töchter lieben mich sehr. Ich bin ein glücklicher Vater. Nur haben sich meine beiden Schwiegersöhne schlecht gegen mich benommen. Ich wollte die beiden mir so teuren Wesen nicht unter meinem Zerwürfnis mit ihren Gatten leiden lassen, und deshalb ziehe ich es vor, sie heimlich zu sehen. Auf diese Weise habe ich tausend Freuden, die andere Väter, welche ihre Töchter sehen, wann sie wollen, nicht verstehen können. Ich kann meine Töchter nicht immer sehen, begreifen Sie? Da gehe ich dann bei schönem Wetter in die Champs-Élysées, wenn ich von den Kammerzofen erfahren habe, daß meine Töchter ausfahren. Ich erwarte sie am Wege, das Herz pocht mir, wenn die Wagen herannahen, ich bewundere sie in ihren Toiletten, sie werfen mir im Vorbeifahren ein Lächeln zu, und das vergoldet mir ringsum die Welt, als sei ein schöner Sonnenstrahl auf sie gefallen. Ich warte dann, bis sie zurückkommen. Ich sehe sie noch einmal! Die frische Luft hat ihnen wohlgetan, sie sehen ganz rosig aus. Ich höre, wie man neben mir sagt: ›Das ist aber eine hübsche Frau!‹ Und das erfreut mein Herz. Ist es nicht mein Fleisch und Blut? Ich liebe die Pferde vor ihren Wagen, und ich möchte das Hündchen sein, das sie auf ihrem Schoß halten. Ich lebe von ihrer Freude. Jeder hat seine Art zu lieben, die meine tut doch niemandem weh, weshalb beschäftigt sich die Welt mit mir? Ich bin glücklich auf meine Art. Verstößt es gegen die Gesetze, daß ich meine Töchter des Abends sehe, wenn sie ihr Haus verlassen, um sich zum Balle zu begeben? Welch ein Kummer für mich, wenn ich zu spät komme und wenn man mir sagt: ›Madame ist bereits fort.‹ Einmal habe ich bis 3 Uhr morgens auf Nasie gewartet, die ich zwei Tage lang nicht gesehen hatte. Ich wäre vor Freude beinahe umgekommen! Ich bitte Sie, wenn Sie über mich sprechen, sagen Sie doch immer, wie gut meine Töchter zu mir sind! Sie wollen mich mit allen Arten von Geschenken überhäufen, aber ich will es nicht und sage ihnen: ›Aber behaltet doch euer Geld! Was soll ich damit machen? Ich brauche nichts.‹ Und wirklich, mein lieber Herr, was bin ich denn? Ein bloßer Kadaver, meine Seele ist nur dort, wo meine Töchter sind. Sobald Sie Madame de Nücingen gesehen haben, müssen Sie mir sagen, welche von den beiden Ihnen besser gefällt«, sagte der Alte, der einen Augenblick geschwiegen hatte, da er sah, daß Eugen sich zum Ausgehen rüstete. Eugen machte einen Spaziergang in den Tuilerien, um die Stunde abzuwarten, zu der er sich bei Madame de Beauséant melden lassen konnte.

Dieser Spaziergang wurde dem Studenten verhängnisvoll. Einige Frauen bemerkten ihn. Er war so schön, so jung, so geschmackvoll und elegant gekleidet! Als er sah, daß er das Objekt einer fast bewundernden Aufmerksamkeit war, dachte er nicht mehr an seine von ihm ausgeplünderten Schwestern und an seine Tante, nicht mehr an seine tugendhaften Widerstände! Über seinem Haupt schwebte der Dämon, den man so leicht mit einem Engel verwechselt, der Satan mit den schillernden Flügeln, der Rubine sät, der goldene Pfeile auf die Paläste schleudert, der die Frauen in Purpur hüllt und der die Throne, so einfach oft ihr Ursprung auch ist, mit törichtem Glanz umgibt. Er hatte den Gott der prahlenden Eitelkeit gehört, dessen Schellengeklingel uns so oft das Symbol der Macht zu sein scheint. Die Worte Vautrins, so zynisch sie auch waren, hatten sich in sein Herz eingegraben, wie sich dem Gedächtnis eines jungen Mädchens das gemeine Profil einer alten Kupplerin eingegraben hat, die ihm zuflüsterte: »Gold und Liebe, soviel Sie wollen!« Rastignac flanierte eine Weile müßig umher und meldete sich dann um fünf Uhr bei Madame de Beauséant. Hier erhielt er einen jener furchtbaren Schläge, gegen die junge Herzen so gar nicht gewappnet sind. Bisher hatte er die Vicomtesse stets voll höflicher Freundlichkeit gefunden, von jener honigsüßen Grazie, zu der die aristokratische Erziehung führt und die erst dann vollkommen ist, wenn sie aus dem Herzen kommt.

Als er eintrat, war Madame de Beauséant sehr kurz angebunden und sagte kalt: »Herr von Rastignac, es ist mir unmöglich, Sie zu empfangen, wenigstens in diesem Augenblick nicht! Ich bin beschäftigt . . .«

Für den, der beobachten konnte, und Rastignac hatte es schnell gelernt, sprachen diese Worte, die Geste, der Blick und der Tonfall von der Geschichte des Charakters und der Gewohnheiten der Kaste, der Madame de Beauséant angehörte. Rastignac fühlte die eiserne Hand unter dem Samthandschuh, die Eigenliebe, den Egoismus unter den glatten Manieren, das Holz unter dem Firnis. Er mußte das »Ich, der König!« hören, das nicht nur an den Glanz der Höhe gebunden ist, sondern das auch der einfachste Edelmann oft vernehmen läßt. Eugen hatte zu sehr auf die Worte der Vicomtesse gebaut, und er glaubte zu stark an den Edelmut des weiblichen Herzens. Wie alle Unglücklichen, hatte er gutgläubig den schönen Pakt unterzeichnet, der den Wohltäter an den Verpflichteten binden soll und dessen erster Artikel eine vollständige Gleichheit zwischen zwei großen Herzen dekretiert. Echte Wohltätigkeit, die zwei Wesen zu einem einzigen vereinigt, ist eine himmlische Leidenschaft, ebenso unverstanden und selten wie wirkliche Liebe. Rastignac wollte unter allen Umständen am Ball der Herzogin von Carigliano teilnehmen, und er ließ daher den Sturm über sich ergehen.

»Madame«, sagte er mit bewegter Stimme, »wenn es sich nicht um etwas Wichtiges handelte, hätte ich nicht gewagt, Sie zu belästigen. Seien Sie so liebenswürdig, mich später zu empfangen, ich werde warten.«

»Nun gut, dinieren Sie mit mir«, sagte sie, selbst ein wenig verwirrt über ihre harten Worte, denn im Grunde war diese Frau ebenso gut wie groß.

Obwohl Eugen durch diese plötzliche Sinnesänderung angenehm berührt war, sagte er sich beim Fortgehen:

Krieche, ertrage alles! Wie müssen erst die anderen sein, wenn die beste aller Frauen in einem Moment alle ihre Versprechen der Freundschaft ausstreicht und dich wie einen alten Schuh in die Ecke wirft. Also jeder für sich? Aber schließlich ist ihr Haus kein offener Laden, und ich habe den Fehler, daß ich sie nötig habe. Man muß sich, wie Vautrin sagt, zur Kanonenkugel machen.

Die bitteren Betrachtungen des Studenten wurden, bald durch die angenehme Aussicht auf das Diner bei der Vicomtesse zerstreut. So hatten sich, fast wie ein Verhängnis, die bedeutungslosesten Ereignisse verschworen, um ihn in eine Karriere zu treiben, in der er, nach den Bemerkungen der schrecklichen Sphinx des Hauses Vauquer, töten mußte, um nicht getötet zu werden, täuschen, wenn er nicht der Betrogene sein wollte. Er mußte an der Grenzschranke sein Gewissen und sein Herz lassen, eine Maske anlegen, ohne Erbarmen mit den Menschen spielen und, wie in Sparta, das Glück stehlen, ohne gefaßt zu werden, wenn er den Siegeskranz erringen wollte.

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