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Van Zantens törichte Liebe

Laurids Bruun: Van Zantens törichte Liebe - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorLaurids Bruun
titleVan Zantens törichte Liebe
publisherAntäus-Verlag
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080328
projectid97b035b4
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Van Zanten erzählte mir, daß er bereits seit »dem kleinen Pech« einen geheimen Widerwillen gegen das Abenteuer Batavia zu empfinden begann. Vor der Reise mit der »Lydia« war er nie aus Amsterdam herausgekommen, hatte darum auch den Unterschied zwischen dem Leben in der Hauptstadt und der Provinz nicht gekannt, wo man unter dem Vorwand, die Kultur zu heben, die Hauptstadt gern übertrumpfte oder, richtiger gesagt, karikierte; sonst würde er bereits damals erkannt haben, daß Batavia ein Provinzloch schlimmster Sorte und die »Blüte der weißen Eroberer« nichts anderes als eine Bande Schmarotzer war. Bisweilen wurde ihm ganz schlecht bei der geschraubten Feierlichkeit, mit der sie sich als »Weiße« brüsteten. Die einzige Schuld der armen Farbigen war ja, daß sie auf einer Insel geboren waren, die die Natur viel reicher und strahlender ausgestattet hatte als das Heimatland der Weißen; und kaum hatten die Weißen durch die Fahrt der großen Entdecker von diesen Reichtümern erfahren, als sie das Land schleunigst in Besitz nahmen und die Farbigen verjagten.

Ob nicht manchem großen »Entdecker« während seiner Laufbahn vor den Folgen gebangt hat, bevor er das Ziel seiner Wünsche erreichte! Ob er nicht bisweilen von Angst überfallen worden und in Versuchung gekommen ist, die unsichtbaren Mächte, die dafür sorgen, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zu bitten, seinen Sieg zu verhindern, weil ihm ahnte, daß er der Menschheit Unglück bringen würde?

»Sehen Sie zum Beispiel den unsterblichen James Cook und seine Genossen«, ereiferte van Zanten sich eines Abends, »wie habe ich und viele der damaligen Jugend – nicht die Schlechtesten – für diesen Helden geschwärmt! Sie tragen zum Teil die Schuld daran, daß ich mein liebes, gemütliches Amsterdam verließ, um das große Abenteuer auf unbekannten Inseln in stillen Meeren zu suchen. Ja, ich sage es rein heraus: Hätte nicht der unschuldige Monsieur Lenoir mir die Erzählung von Kapitän Wilson und dem Schiffbruch der stolzen ›Antelope‹ in dem psychologischen Augenblick in die Hände gespielt, so säße ich vielleicht noch heute in meines seligen Vaters hochgeachtetem Instrumentenmachergeschäft. Hätten diese unternehmenden und treuherzigen Helden, die uns die Welt verdoppelten, geahnt, was den Spuren ihrer Siege folgen würde: Kampf um Gold, Silber, Diamanten, Gewürze, Zerstörung von Hab und Gut der Eingeborenen, gewaltsame Religionsbekehrung im Namen der Menschheit, hätten sie vorausgesehen, wie Schwärme von weißen Eroberern sich auf die neuentdeckten, unschuldigen Inseln stürzten und neue Lebensformen schufen, hätten sie die Brut von Woodfords und Konsorten vorausgeahnt, ich glaube, sie würden mit einem derben Seemannsfluch das Ruder gedreht, den stillen Meeren ihren Frieden und den Inseln ihren paradiesischen Zustand gelassen haben.«

Aus dieser Bemerkung geht hervor, daß, falls Pieter Adrian van Zanten gleich nach Woodfords erster »Belehrung« in seiner Erkenntnis so weit noch nicht gelangt war, das Problem sich doch bereits in seinem Bewußtsein zu regen begann. Vielleicht begann er schon damals darüber zu grübeln, ob das Schicksal, das ihn durch Mijnheers Dazwischenkunft brutal aus einem Kurs trieb, den er, von seiner Abenteuerlust gedrängt, einschlagen wollte, eine Niederlage bereitete oder ihn vor etwas Schlimmerem bewahrt hatte, das sein Blick nicht erkennen konnte.

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