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Van Zantens törichte Liebe

Laurids Bruun: Van Zantens törichte Liebe - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorLaurids Bruun
titleVan Zantens törichte Liebe
publisherAntäus-Verlag
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080328
projectid97b035b4
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Vorwort

Zum besseren Verständnis der beiden Schriftstücke von van Zantens Hand, die hier zum erstenmal der Öffentlichkeit unterbreitet werden, sowie zur Orientierung der dazwischenliegenden Begebenheiten, die die beiden Schriftstücke miteinander verbinden, und um schließlich auf die Bedeutung hinzuweisen, die das Ganze für die Beantwortung der Frage hat: »Wer war van Zanten?«, möchte ich folgendes vorausschicken:

Der erste Schriftsatz ist das Tagebuch, das Pieter Adrian in seinem Vaterhaus in Amsterdam führte, von seinem fünfzehnten bis zu seinem sechzehnten Jahre. Es beginnt damit, daß er dem Papier seine Gefühle und Gedanken anvertraut, als sein Vater nach einer Reihe von Witwerjahren ihm seine Haushälterin zur Stiefmutter geben will. Das Tagebuch berichtet, wie Pieter Adrian unter dem starken Einfluß eines Buches, das sein französischer Lehrer ihm geliehen hat und das von dem Schiff »Antelope« und dem Schiffbruch auf einer Insel im Stillen Ozean handelt, den Entschluß faßt, dem Beispiel des großen James Cook zu folgen, aus der Schule (hier aus der Instrumentenmacherlehre, die ihm droht) durchzubrennen und zur See zu gehen; und es endet damit, daß Pieter Adrian sich um Mitternacht an der verabredeten Stelle einfindet, um sich an Bord eines Seglers, der nach Indien fährt, zu schleichen.

Als zweiter Abschnitt folgt dann mein Bericht als Herausgeber. Er handelt davon, wie diese Flucht im letzten Augenblick verhindert wurde, von den darauffolgenden Ereignissen und der ernsten Krise, mit der sie endeten. Teils aus sehr kurzgefaßten, vereinzelten Notizen in van Zantens hinterlassenen Papieren, teils nach mündlichen Berichten, die van Zanten mir viele Jahre später, während unseres Beisammenseins in Bern und später in Paris,Siehe Vorwort zu »Van Zantens glückliche Zeit«. mitgeteilt hat, habe ich versucht, eine Darstellung dieser Erlebnisse bei seinem Onkel in Batavia in Romanform wiederzugeben.

Diesen Bericht habe ich dem zweiten Schriftstück aus van Zantens Feder vorausgeschickt, weil die Kenntnis von van Zantens Erlebnissen in Batavia und seiner Liebesenttäuschungen zum Verständnis dafür, wie dies zweite Schriftstück überhaupt entstanden ist, notwendig war.

Die Krise hatte damit geendet, daß van Zanten Batavia verlassen mußte, um eine Stellung als Leiter einer Filiale auf dem fernen, einsamen und ungesunden Tjelatjap an der Südküste von Java anzutreten. Dort, in aufgezwungener Einsamkeit, grübelte er beständig über das Erlebte. Es war die alte Geschichte von bitteren Erfahrungen, die das Gemüt so tief verwunden, daß sie alle jugendlichen Lebensbetrachtungen über den Haufen werfen. Er suchte nun in langen, viel zu langen Mußestunden dichterische Auslösung und verwirklichte dadurch zugleich einen alten Plan (siehe Tagebuch vom 17. Juli), der knappen, trocknen Erzählung von der »Antelope« und ihrem Schiffbruch Fleisch und Blut zu geben. Dieses frische Seemannsabenteuer hatte bestimmend auf seinen ersten, selbständigen Schritt im Leben eingewirkt, wie er es bereits als Knabe vorausgeahnt (siehe Tagebuch vom 25. Juli). So entstand das zweite Schriftstück von van Zantens Hand: »Madan Blanchards Abenteuer«, indem er durch die Dichtung das zu erlangen suchte, was das Leben ihm versagt hatte, als es ihn bei seiner ersten Ausfahrt aus dem Kurs drängte.

Im Laufe des Herbstes 1865 bis zum Frühjahr 1866 hatte er sich mit der Niederschrift dieses Abenteuers getröstet, bei der Nachricht von der Hochzeit seiner angebeteten Kusine im August 1866 aber brach die Wunde von neuem auf, und Seemannsabenteuer und Dichterträume genügten ihm nicht mehr. Er brach sein Werk mit einem kurzen »Zusatz« ab, worin es heißt: »Das Leben ist mir zu ernst geworden, um darüber zu fabeln, es will gelebt werden.«Siehe »Zusatz«

Der literarische Versuch »Madan Blanchards Abenteuer« blieb unvollendet, doch hat van Zanten auf der Rückseite des Bogens, auf dem der »Zusatz« steht, eine Bemerkung niedergeschrieben, die er »Entschluß« nennt, und woraus hervorgeht, daß er viele Jahre später die Absicht gehabt hat, für diesen seinen ersten literarischen Versuch einen Schluß zu schreiben und dann das Ganze zu veröffentlichen. Ich verweise auf den Abschnitt »Entschluß« mit Anmerkung des Herausgebers.

Schließlich enthält das vorliegende Buch noch eine »Nachschrift«, worin ich ausführe, wie obengenanntes Werk über die »Antelope« und ihren Schiffbruch mir zufällig kürzlich in die Hände gefallen ist, ferner folgt eine Angabe über Art und Inhalt dieses Werkes und ein kurzer Hinweis darauf, wie groß die Bedeutung war, die dieses Buch sowohl auf van Zantens Lebensschicksal als auch auf seine Dichtung gehabt hat.

Kopenhagen, im April 1930.

Laurids Bruun.


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