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Van Zantens glückliche Zeit

Laurids Bruun: Van Zantens glückliche Zeit - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorLaurids Bruun
titleVan Zantens glückliche Zeit
publisherS. Fischer Verlag
printrun221. bis 230. Auflage
year1933
translatorJulia Koppel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071223
projectidc7f2c441
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Erstes Kapitel

Beim König

Mein Wirt und ich waren mit unserem Kanu zum Riff hinüber gerudert, um nach den Fischnetzen zu sehen.

Da hörten wir jemand nach uns rufen und sahen einen alten, zitternden Kerl am Ufer stehen, der auf dem Korallenboden herumhüpfte, als hätte er Feuer unter den Fußsohlen.

Ich kannte ihn nicht. Tongu aber hatte kaum den Kopf gewandt, als er die Bambusstange auf den Boden warf und nach den Rudern griff.

»Wahuja!« sagte er und machte mir mit dem Kopf Zeichen zu, daß ich mich beeilen solle.

Ich ordnete das Netz, das von der Stange geglitten war.

»Das weiße Langohr!« sagte TonguTongu habe ich schon lange gekannt. Ich traf ihn zuerst auf Yap und war ihm behilflich, nach seiner Heimatinsel zurückzukehren. Von ihm habe ich die Sprache erlernt. und puffte mich ungeduldig mit dem Ruderschaft in den Rücken.

Da wußte ich Bescheid. »Das weiße Langohr« ist der erste Mann des Königs – Minister und Oberkämmerer und alles derartige unter einer Haut vereinigt. Den Spitznamen »das weiße Langohr« rufen die Jungens hinter ihm her, wenn er von Amts wegen unterwegs ist. Seine Ohren sind sicher zwölf Zentimeter lang und mit Haaren bewachsen, die ebenso weiß sind wie sein dichtes, krauses Haupthaar.

Wir wendeten das Boot und machten Wahuja Zeichen zu, der die Handflächen gegen seine zitternden Knie stemmte und nach uns ausspähte.

»Es ist der Abgabe wegen«, dachte ich. Denn ich hatte seit dem vorigen Monsumwechsel bei Tongu auf der Insel gewohnt und keine Abgabe bezahlt, weder an Fischen, Vögeln noch an Früchten. Wenn ich für Tongu fische und sein Pensionär bin, muß er eigentlich für uns beide Steuern bezahlen. Aber natürlich ging das auf die Dauer für einen so seltenen Mann, wie ich es auf der Insel bin, nicht an.

»Was will er von uns?«

»Der König!«

Mehr sagte Tongu nicht, aber er ruderte, was er nur konnte.

Der alte Wahuja begann wieder hin und her zu trippeln, als wir landeten.

Ich begrüßte ihn auf eingeborene Art und untertänig, was er gnädig aufnahm. Seine Hände zitterten und seine Kiefer bewegten sich unaufhörlich; seine kleinen, lebhaften Augen musterten mich stechend von Kopf bis zu Fuß, während er seine Amtsrede hielt.

»Die Augen des Königs sind groß,« begann er und schüttelte bedenklich seinen knochendürren Kopf, »sehr groß!«

Auf europäisch: Der König wundert sich sehr!

Dachte ich mir's doch.

Ich hütete mich wohl, ihn zu unterbrechen, und brachte alle Unschuld, die mir zu Gebote stand, in meinem offenen Gesicht und in meinen blauen Augen zum Ausdruck.

»Des Königs Herz ist im Begriff einzuschrumpfen!« fuhr er fort, durch meine Schuldlosigkeit gereizt.

Tongu schlug sich untertänigst auf die Schenkel und begann vorwurfsvoll mit dem Kopf zu wackeln.

Daß des König« Herz einschrumpft, bedeutet, daß seine Gnade flöten gegangen ist.

Ich schwieg noch immer.

»Der König wünscht, daß der reiche Geber sofort erscheint und seine Augen verbessert!«Nicht wiederzugeben auf europäisch. Der Ausdruck hängt mit dem Glauben der Eingeborenen zusammen, daß die Seele in den Augen wohnt.

»Der reiche Geber« ist ein verdammter Spitzname, den ich gleich bei meiner Ankunft wegen meiner Schießwaffen und meiner inhaltsreichen Schiffskiste bekommen habe. Ich weiß wohl, was es bedeutet, wenn er angewendet wird.

»Schön!« sagte ich.

Ich wollte der Sache gleich ein Ende machen. Wir standen hier auf dem steinharten, unebenen Korallenboden mitten in der Sonne. Es war schon nach zehn Uhr und fast kein Wind.

Ich ging voran zu Tongus Haus.

Tongu beugte ehrerbietig seine Knie, ließ den spindeldürren, wundfüßigen Alten aufsitzen und ritt ihn über den Korallenstrand, bis der lose Sand begann.

Als wir das Haus erreichten, wollte der Alte nicht mit hinter den Bambuszaun. Dazu war er zu vornehm und Tongu zu gering. Darum setzte mein Wirt ihn vorsichtig unter der Kokospalme nieder, wo er die Beine von sich streckte und sich gegen den Stamm lehnte.

Ich wollte ins Haus gehen, um ein Antrittsgeschenk auszusuchen.

»Ich bin ein alter, schwacher Mann!« jammerte der Minister hinter mir her und trocknete sich den Mund mit dem Rücken seiner zitternden Hand.

»Sitz ein Schläfchen!« bat Tongu einschmeichelnd.

»Ich bin ein alter, schwacher Mann!« krähte der Alte wieder und streckte seine schlimmen Zehen von sich, die ganz geschwollen und blauschwarz waren.

Jetzt begriff ich. Ich holte meinen Java-Rum, dessen Ruf offenbar bis zum Hofe gedrungen war, und schenkte ihm einen Schnaps ein.

Der Alte nahm den Schnaps, ließ ihn im Munde hin und her laufen und gurgelte sich den Hals damit, bevor er ihn herunterschluckte. Dann beleckte er das Glas sowohl von innen wie von außen und schielte nach der Flasche, die ich eiligst in meine Tasche steckte.

Während Tongu und ich über die Schiffskiste gebeugt standen, um etwas Passendes auszusuchen, wurde die niedrige Tür hinter uns plötzlich verdunkelt. Der Alte war uns dennoch nachgeschlichen.

»Ich bin ein armer Mann!« sagte er kläglich und streckte die Hand aus. Im selben Augenblick entdeckte er eine große, gesprenkelte Wanze in einer Bambusritze. Er ergriff sie mit zwei Fingern und aß sie, ohne seine Augen einen Augenblick von meiner Kiste zu verwenden.

Wahuja ist der reichste Mann auf der Insel. Man sagt, daß er sich einen reichen TabuSiehe Anmerkung [23] S. 98. – Anmerkung des Herausgebers. verdient, indem er die Gnade des Königs verwaltet.

Ich suchte einen Taschenbleistift mit einem silbernen Knopf hervor. Er biß darauf, roch daran und steckte ihn schließlich mit einem tiefen Seufzer ins Haar. Die Gabe war anscheinend zu gering, aber ich konnte seine Fratze nicht leiden.

Ich wählte ein rotes Seidentuch aus meiner Batavia-Zeit für die Königin und für den König ein altes Opernglas, das ich beim letzten Weihnachtsfest, das ich auf Java verlebte, von der Frau meines Chefs bekommen hatte.

Als wir zusammen über die Landstraße trabten, die vom Strande bis zum Königshause führt und mit flachen Steinen gepflastert ist, hingen Talaos Jungen, die damals noch nicht im GemeinschaftshauseSiehe hierüber 7. Kapitel u. a. – Anmerkung des Herausgebers. waren, über einen Bambuszaun.

»Weißes Langohr!« schrie der eine und duckte sich. Der Alte tat, als höre er nichts; Tongu aber warf einen Stein nach ihm und traf den Zaun, so daß er krachte und der weiße Staub aufwirbelte. Die Jungen aber lachten laut aus sicherem Versteck.

Als wir an der Biegung standen, die zum Hause des Königs führt, sahen wir eine Reihe neugieriger Frauenköpfe in der offenen Wand hinter der Veranda. Sie verschwanden, als sie sich entdeckt sahen.

Wir stiegen die Hühnertreppe hinauf und von Wahuja geführt krochen wir durch die niedrige Öffnung unter dem tiefhängenden Blätterdach.

Der König saß mitten im Raum auf einer gemusterten Pisangmatte. Das Zimmer hatte an der einen Seite die Verandaöffnung, Fensteröffnungen an zwei andern und eine Bambusscheidewand mit einer breiten Türöffnung an der vierten Seite, der Veranda gegenüber.

Hinter ihm saß die Königin auf einer Matte für sich allein.

Wahuja legte sich auf seine steifen Knie und flüsterte dem König etwas zu, das wir nicht verstehen konnten. Dann winkte er mich heran, während Tongu am Eingang stehen bleiben mußte.

Wahuja schlich zu seiner Matte zur Rechten der Königin. Längs der Bambuswand saß der Hof, das heißt die Männer mit ihren Speeren und Keulen. Die Damen – die übrigen Frauen des Königs – und die Kinder drängten sich neugierig murmelnd in der Türöffnung.

Der König ist ein ältlicher, fetter Mann mit einem Bauch, der blank und straff ist und ein gutes Stück über das dunkelrote tapa herabhängt. Er hat eine Brust wie ein Weib und dichtes graues Haar auch in den Armhöhlen. Um den Arm trägt er ein Band von kleinen blendendweißen Knochen, und das Haar ist vorn hochgekämmt und wird von Kämmen, die aus Schildpatt zu sein scheinen, gehalten.

Er erhob sich mit Beschwer und gab mir auf europäisch die Hand.

»Shanku Sar!« sagte er und zeigte seine weißen Zähne.

Das ist das einzige, was er auf englisch sagen kann. Er ist sehr stolz darauf und gebraucht es bei allen offiziellen Gelegenheiten.

Ich begrüßte ihn eingeboren und wünschte ihm, auf meinen flachen Händen liegend, ein langes Leben und Fruchtbarkeit für seine Frauen. Das gefiel ihm. Er gab mir durch einen Schubs zu verstehen, daß ich neben ihm hocken solle. Ich war also garnicht in Ungnade. Es war eine Lüge, daß das Herz des Königs im Begriff war einzuschrumpfen. Wahuja hatte übertrieben, um mich bange zu machen und einen Schnaps zu verdienen.

Der König hat große Augen, gierig und gleichzeitig melancholisch. Er fraß mich mit seinen Blicken, ebenso wie Wahuja es getan hatte.

Die Königin war vornehmer. Sie hatte rote Blumen im Haar und in beiden Ohren; zwei Ketten von Muschelperlen hingen ihr um den Hals, zu denen sie jeden Augenblick hinabschielte; auch um die Handgelenke trug sie Perlen. Sie war vom Hals bis über die Brust, die nicht viel größer, aber hängender war als die des Königs, mit schwarzen und grünen, parallel laufenden Zickzacklinien tätowiert.

Sie saß unbeweglich auf ihrer Matte, die offenen Handflächen von sich gestreckt, und starrte mich unter den schläfrigen Augenlidern unverwandt an. Wenn aber mein Blick den ihren traf, wandte sie den Kopf zur Seite und gab einen Laut von sich wie eine Katze, der man gegen das Fell streicht.

Es ging nach allen Regeln der Zeremonie zu. Der König suchte mir eigenhändig aus seinem ArmkorbAlle Eingeborenen haben einen Korb am Arm statt einer Tasche. Darin haben sie Betel und was sonst in eine Tasche gehört. die beste Betelnuß heraus, knackte selbst die weiße Schale auf, durchschnitt den Kern mit seiner Paradeaxt,Der König trägt als Zeichen seiner Würde über der linken Schulter eine kleine weiße Axt mit einem dünnen Holzgriff und einem Blatt aus der Schale der Riesenmuschel, eine Axt von derselben Sorte, wie alle Eingeborenen sie benutzen, nur kleiner und feiner. streute aus einem Kürbis mit feinen Löchern, wie aus einer Zuckerdose, gestoßenen Kalk darauf, suchte ein extra saftiges Pfefferbaumblatt hervor, worin er das Ganze einwickelte, und reichte mir den leckeren Bissen.

Es war eine absolut erstklassige Portion Kautabak, wie man sie auch auf Yap nicht besser bekommt, das wegen seines Betels berühmt ist. Dann machte er sich selbst eine Portion zurecht, worauf wir eine Weile unter feierlichem Schweigen kauten und im weitem Bogen auf den Bambusboden spuckten.

Wenn der König nicht so stramm aus den Armhöhlen gerochen hätte, wäre es ein recht angenehmer Besuch gewesen. Man sagt, daß er schwach ist. Die Sache aber ist die, daß er auf Grund seiner Stellung nicht genügend Bewegung bekommt, und das beeinträchtigt den Stoffwechsel.

Wir sprachen vom Wetter und vom Fischfang nach dem Monsumwechsel. Der König machte eine feine Andeutung, daß es ihm bekannt sei, daß Tongu die besten Fischnetze in der Gegend habe. Der Hof bekäme nur selten Fische. Die Abgaben beständen meistens in Früchten, Vögeln und hin und wieder Ferkeln. Ich versprach ihm einen ganzen Korb mit Fischen zu schicken und versicherte ihm, daß ich bis jetzt noch keine Abgabe gezahlt hätte, weil ich etwas sammeln wollte, was des Königs Augen recht groß machen und sein Herz erweitern könne.

Das gefiel ihm sehr. Er zeigte seine Zähne; und als seine melancholischen Augen sich jetzt auf meine Tasche hefteten, hinter der die Flasche und das Opernglas sich wölbten, ergriff ich die Gelegenheit, ihm meine Geschenke zu überreichen. Als der Hof der Flasche ansichtig wurde, grunzte und raschelte und murmelte es die ganze Wand entlang. Auch die Weiber und Kinder gaben ihrer Freude im Namen des Königs Ausdruck.

Er nahm sich gleich einen ordentlichen Schluck, bot mir die Flasche aus Höflichkeit, zog sie aber zurück, bevor ich noch Zeit gefunden hatte, abzulehnen.

Das Opernglas interessierte ihn nicht so sehr. Das war ja nur etwas fürs Auge.

Die Königin klatschte ihre Hände vor Freude über das Seidentuch gegen ihre fetten Beine. Ein einziges Mal. Dann war sie gleich wieder würdevoll. Sie probierte es erst um den Hals, darauf über der Brust, dann vorn über dem Rock, vom Gürtel abwärts, und schließlich um den Arm. Jedesmal wandte sie sich zu den Frauen im Hintergrunde um, die ihren Beifall so lebhaft zu erkennen gaben, daß der König sich umwenden und »Mund halten!« rufen mußte.

Da war ein süßes Ding, ein Mädel von ungefähr zwölf Jahren, gerade reif fürs Gemeinschaftshaus. Sie saß in der Tür und betrachtete meine Herrlichkeiten mit großen blanken Augen. Ich konnte es nicht lassen, ihr auf europäisch zuzunicken. Sie nickte wieder und lachte über ihr ganzes unschuldiges Gesicht. Aber da kam eine ältliche Madame – wahrscheinlich ihre Mutter – packte sie im Nacken, schubste sie zur Seite, setzte sich selbst an ihre Stelle und begann mir zuzunicken und ihre Zähne zu zeigen. Das war ein übler Tausch.

Der König erhob sich. Der Rum begann zu wirken. Er versetzte mir in höchster Gnade einen Fußtritt aufs Schienbein und lud mich zum Mittagessen ein.

Jetzt verschwanden alle, ausgenommen der Kronprinz – ein geschmeidiger Bursche von siebzehn Jahren, mit einem stolzen Nacken und unruhigen Augen – und dann Wahuja, der uns auf den Hacken folgte und mit seinen langen Ohren belauerte.

Der König zeigte mir seine Veranda und seine einzigartigen Kokospalmen. Einige davon waren höher als ein vierstöckiges Haus. Der Kronprinz bekam einen Wink, kletterte mit gestreckten Armen und Beinen am Stamm hinauf und warf einige frische Nüsse herab. Eins, zwei, drei war er wieder unten, schnitt das Dreieck heraus, und wir tranken aus derselben Nuß, der König und ich, – eine sehr große Ehre.

Dann kehrten wir in den Saal zurück und besahen die Kostbarkeiten. Da war eine verrostete Schiffskanone, die ich auf ihre Schwere hin prüfen mußte. An der Wand hing an einem Bastfaden eine Klystierspritze. Der König zeigte mir, wie sie spritzen konnte. Er strahlte eine Wanze damit von der Wand herunter. Mitten an der Wand hing ein koloriertes Madonnenbild, ein Öldruck aus einer Zeitschrift. Der König erzählte mir, daß es »Sha Quwin« (the Queen) sei – die große Königin der Weißen und ihr kleiner Sohn.

Das Mittagessen war ausgezeichnet.

Wir bekamen Brotfrucht mit Yams zusammengebacken; dann Palmenkohl von jungen Kokosschossen; er ist etwas grob, aber außerordentlich frisch und schmackhaft. Darauf gab es wilde Fruchttauben, die mit allen Eingeweiden geröstet waren. Dann bekamen wir Rücken von fliegenden Fischen mit Pisangmark zu Klößen geknetet. Fliegende Fische ähneln Makrelen, sind aber feiner im Geschmack.

Wir tranken reichlich ToddyToddy ist ein süßer Palmenwein, der durch Beschneidung junger Kokoskolben gewonnen wird. Der herausgeflossene Saft gärt eine Zeitlang; dann ist der Wein fertig. dazu, und der König führte sich hin und wieder einen Schluck Rum zu Gemüte.

Alles wurde nett und reinlich auf jungen, frischen Pisangblättern serviert. Man ißt viel besser mit den Fingern als mit Messer und Gabel, wenn man sich erst daran gewöhnt hat. Zum Dessert bekamen wir Taffa – eine dicke Grütze aus geschabtem Bananenfleisch und Kokossaft.

Während wir aßen, hatten sowohl der König wie ich ein Mädchen hinter uns mit einem Blattfächer, der unablässig in Bewegung war. Selbst als der König zwischen dem Vogel und dem Fisch zur Verandaöffnung mußte, um ein kleines Geschäft zu verrichten, folgte sie ihm mit dem Fächer.

Das Essen schmeckte uns großartig. Der König stieß einmal nach dem anderen mit großer Befriedigung auf. Schließlich wurde er so froh, daß er sich längelang ausstreckte und sagte, jetzt solle ich mir eine Gegengabe wählen, jeder Wunsch würde mir erfüllt werden.

Ich dachte gleich an die Kleine von vorhin. Wagte aber nicht es auszusprechen. Vielleicht war sie eines seiner Lieblingskinder.

Während ich noch saß und überlegte, kam der Hof zurück, um die Reste der Mahlzeit zu verzehren, die ihm zufallen.

Dazwischen war ein junger, breitschulteriger Bursche, der mir vorhin durch seine warmen, treuherzigen Hundeaugen aufgefallen war.

Ich fragte den König, ob er ihn mir überlassen wolle.

Er richtete sich halb auf seinem Ellenbogen auf und sah sich um. Dann winkte er den Mann heran.

Der Bursche sprang vor Freude in die Höhe und warf sich dann platt vor mir auf den Magen. Man glaubt gewiß, daß ich zu Hause in meiner Kiste Unmassen von Rum habe. Denn alle anderen schielten sauer und neidisch zu ihm hin.

Dann wollte der König schlafen; Wahuja kam herangeschlichen und bedeutete mir, daß ich verduften solle. Er flüsterte dem König etwas zu, der sich schleunigst wieder aufrichtete. Während ich ihn auf eingeborene Art grüßte und mich bedankte, glückte es ihm, wieder etwas Königswürde in seinen betrunkenen Zügen zum Ausdruck zu bringen, und er lallte in einem halb drohenden Ton, daß ich die Abgabe nicht vergessen solle.

Als ich hinaus kam, sah ich Tongu, der sich über die Kokosnüsse des Königs hergemacht hatte. Er war hungrig und schlechtgelaunt und knuffte meinen neuen Jäger in den Rücken, der mir folgte, so wie er ging und stand.

Er hieße Tokozikasa, sagte er. Das ist mir zu lang. Ich nenne ihn Toko.

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