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Van Zantens glückliche Zeit

Laurids Bruun: Van Zantens glückliche Zeit - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorLaurids Bruun
titleVan Zantens glückliche Zeit
publisherS. Fischer Verlag
printrun221. bis 230. Auflage
year1933
translatorJulia Koppel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071223
projectidc7f2c441
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Dreizehntes Kapitel

Winawas böse Augen

Während Ali im Frauenhaus war, lag ich eines Mittags und schlummerte im Schatten unseres Hauses.

Ich erwachte dadurch, daß etwas draußen vorm Bambuszaun raschelte. Als ich mich erhob, wurde es still. Dann raschelte es wieder etwas näher.

Ich eilte zur Pforte und öffnete sie.

Nichts war zu sehen; nachdem ich aber einen Augenblick verweilt hatte, kam Winawa längs des Zaunes daher.

Sie lächelte mir zu und kam dann näher mit dem langsamen, trägen Gang, der den eingeborenen Frauen eigen ist.

Sie stand eine Weile und sah mich mit ihrem seltsamen Blick, der im Takt mit ihrem Puls zu klopfen scheint, von der Seite an.

Als ich ihr zunickte, kam sie noch ein Stück näher und reichte mir die Hand.

Ihre Lippen bekamen einen bläulichen Schein, und ihre Augen wurden ganz durchsichtig – das ist ihre Art zu erröten – dann zeigte sie mir, was sie in der Hand hatte.

Es war ein Stück Kawawurzel.

»Soll ich für dich kauen?« fragte sie und schlug die Augen nieder, wie damals, als wir mit den anderen im Felde waren.

Sie reizt mich nicht mehr. Seitdem ich Ali in meinem Hause habe, reizt mich keine der anderen Mädchen mehr.

Ich habe Winawa in Verdacht, daß Alis Glück sie geblendet hat. Deshalb möchte sie sich von neuem mit mir einlassen. Toko ist übrigens sehr glücklich, sie auf seiner Matte zu haben; das würde er nicht sein, wenn sie sich wirklich nach mir sehnte. Aber sie ist trotz ihres Liebreizes eine neidische Natur.

Ich nahm die Kawawurzel und warf sie weit fort bis in den Kokoshain des Königs.

Winawas Mund schloß sich augenblicklich. Sie strammte die Lippen, so daß die feinen Falten sich glätteten. Dann ging sie in einem Bogen an mir vorbei, ohne mich aus den Augen zu lassen; und als sie ein Stück fort war, drehte sie sich um, sah mich mit einem giftigen Lächeln an und sagte: »Ich habe Purmea über dein Weib geübt, damit sie dir keine Kinder gebären soll.«

Dann schlug sie eine laute Lache auf und eilte so schnell sie konnte durchs Gehölz, ohne sich noch einmal umzuwenden.

Ihre Worte stachen mir ins Herz, wie sie beabsichtigt hatte, aber ich schlug sie mir schnell aus dem Sinn und ärgerte mich über meine eigene Dummheit.

Tags darauf kam Ali zurück.

Sie rief mir schon von weitem mit ihrer klaren, melodischen Stimme zu.

Ich eilte hinaus und konnte sie durch das Gehölz brechen hören, bevor ich sie noch sah.

Da war sie. Sie streckte mir ihre weitgeöffneten Arme entgegen, warf den Kopf zurück, so daß das Haar wie eine Wolke um sie stand und verzog den Mund von einem Ohr zum anderen.

»Du bist gut!« rief sie. Das ist ihr gewöhnlicher Zärtlichkeitsausbruch.

Ich lief ihr entgegen und hob sie in meinen Armen hoch. Sie preßte sich fest an mich, und es lachte und weinte tief drinnen in ihrer Kehle.

Dann stürmte sie durch Haus und Hof, um zu sehen, wie ich mir geholfen hätte. Ihr Mund stand keinen Augenblick still. Sie rief die Hühner, gab ihnen Tarokrumen und sagte, sie könne sehen, wie die Küchlein gewachsen seien.

Sie stellte sich hin, mit den Händen in den Seiten und lachte, daß es nur so schallte, als sie entdeckte, daß ich die gerösteten Taroknollen mit meiner Axt statt mit der Kokosschale geschabt hatte, die ich nicht finden konnte.

Sie runzelte mißbilligend die Brauen, weil ich einige abgenagte Knochen von dem Küchlein, das ich gerupft und geröstet, auf dem Blatte liegen gelassen hatte. Das sei unvorsichtig, das sei mein Mumut; sie wollte, daß ich die Knochen mit ihr zählen sollte, um zu sehen, ob noch alle da seien oder ob jemand welche entwendet hätte, um Zauberei darüber zu üben.

Bei diesen Worten wurde sie plötzlich ernst. Sie vergaß die Speiseborte, faßte mich am Arm und erzählte mir, daß sie auf dem Wege zum Frauenhaus Winawa begegnet sei, die von dort gekommen wäre.

Sie wären gerade vor der Eingangstür zusammengetroffen.

Ali schämte sich, daß sie noch ins Frauenhaus mußte, obgleich sie schon drei Monate verheiratet war. Sie wollte sich hinter einigen anderen, die gleichzeitig mit ihr kamen, vorbeidrücken. Winawa aber hatte sie schon gesehen.

»Sieh!« rief sie, »da ist das Weib der braunen Erde. Sie ist seit drei Neumonden verheiratet und kommt noch hierher. Was ist mit dir los? Hat die braune Erde dich schon einer anderen wegen satt oder hat jemand Purmea über deinen Leib geübt?«

Ali bezwang sich und ging an ihr vorbei, ohne zu antworten. Da rief Winawa: »Seht das verwelkte Blatt an, wie stolz sie ist. Ich bin es, die ihren Mumut gefunden hat, und jetzt ist sie so unfruchtbar wie ein Stein.«

Ali schrie und wollte sich auf sie stürzen. Winawa aber war schon über alle Berge, nur ihr schallendes Gelächter war noch zu hören.

Jetzt begriff ich, weshalb Winawa zu meiner Hütte gekommen war; ich war froh, daß ich mich nicht mit ihr eingelassen hatte.

Ich konnte es nicht übers Herz bringen, Ali von ihrem Besuch zu erzählen.

Ali ließ mir keine Ruh, bevor ich versprach, mit ihr zum Zauberer Kabua-Kenka zu gehen, der das Haus der GeisterSiehe S. 120. – Anmerkung des Herausgebers. hinter dem Kokoshain des Königs verwaltet.

Zeitig an einem Morgen zog sie den neuen Lendenrock an, den sie sich geflochten hatte, ging zwischen die Bäume und pflückte frische Blumen für Haar und Ohren und rieb sich Haar, Brust und Arme sorgsam mit Kokosöl ein.

Es ziemt sich nicht, ungeputzt zum Zauberer zu gehen. Die Geister der Vorfahren, mit denen er verkehrt und die aus seiner Hand essen, könnten Anstoß daran nehmen und ihre Mitwirkung versagen.

Ich bekam eine Extrafärbung, damit die Geister meine fremde Haut nicht entdeckten und vielleicht davon abgeschreckt würden. Man wußte nie, wie ihnen der Kopf stand.

Ali setzte mir auseinander, wenn wir etwas versäumten und der Zauber nicht wirkte, dann würden wir uns hinterher heftige Vorwürfe machen und müßten das Ganze wiederholen.

Der Zauberer ist teuer. Er wird im voraus bezahlt und ist ganz ohne Verbindlichkeit in bezug auf die Wirkung. Wenn diese ausbleibt, ist es natürlich die Schuld des Kunden. Vielleicht hat dieser, als er zum Zauberer ging, das rechte Bein zuerst angesetzt, statt des linken. Oder er hat die Opferwaren für die Speiseschalen der Geister zu knapp bemessen.

Es wurde kein Frühstück verabreicht. Damit die Zauberei ordentlich wirken kann, muß man am liebsten nüchtern sein. Ali wich mir nicht von der Seite, damit ich mir nicht hinterrücks einen Bissen stibitzen sollte; sie kennt meinen leichtsinnigen Aberglauben.

Es half nichts, daß ich ihr versicherte, daß ich eine ganze Nacht lang die Geister meines eigenen Stammes beschworen hätte. Sie war froh und dankbar dafür, aber sie meinte, da sie es sei, die das Kind gebären solle, müßten auch ihre Geister Anteil an der Beschwörung haben. Sonst bekäme ich vielleicht ein Kind, aber sie nicht. Besonders jetzt, da es gälte, Winawas Purmea zunichte zu machen.

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