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Ut mine Stromtid

Fritz Reuter: Ut mine Stromtid - Kapitel 3
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleUt mine Stromtid
typenarrative
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firstpub1862
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Kapittel 2.

Ein Kind, kein Kind; twei Kinner, Spelkinner; drei Kinner vel Kinner. – Dat junge un dat olle Twäschenpor. – Wat sick de Herr Entspekter Braesig mit oll Größing ehre Huw' tau schaffen makt, un worüm oll Größing mit de Huw' de lütt Lowis' üm de Uhren slagen wull. Wo sick de beiden ollen Jesuwiters ehre Heimlichkeiten vertellen, un wat Fru Nüßlern ehren Korl=Brauder verkloren Ward.

So gegen acht Milen von den Urt, wo Hawermann sine Fru in de stille Gruft leggt hadd, lagg in Meckelnborg en Gaud unner Mittelgrött, dat hadd sin Swager, Jochen Nüßler, in Pacht. De Hof was slicht upbugt un en beten stark verfollen, un up em sach dat en beten sihr unnaschig ut: hir en lütten Meßhof un dor en lütten Meßhof, un 't Wagen= un Ackergeschirr stunn hir un dor un krus dörchenanner, as de Lüd' up en Johrmark, un de Meßwagen säd tau den Reis'wagen: Brauder, wo kümmst Du her? un de Hak föt de Egt üm un säd: Kumm, Dirn, will'n mal danzen. Aewer de Musik fehlte, denn 't was Allens still up den Hof, ganz still. Allens was bi dit schöne Weder 'rute nah de Wischen tau 'm Heu'n, un sülwst ut de lütten, ap'nen Finstern von dat lange, side, mit Stroh deckte Pächterhus kamm kein Lud, denn 't was Nahmiddag, un de Kaeksch was mit ehre Kaek prat un de Stubendirn mit 't Utfegen, un Beid' wiren mit nah de Wisch dal, un sülwst de Pächterfru, de süs doch en drist Wurt tau reden verstunn, let sick nich vernemen, denn ok sei was mit 'ne Hark von den Hof gahn; dat Heu müßt jo doch vör Dau in grote Höp tausam.

Aewer Lewen was doch in den Hus', wenn ok man en lüttes, stilles. In de Stuw' rechtsch von de Del', in de Wahnstuw', wo dat blag angestrekene Eckschapp stunn – de Schenk,

as't nennt würd – un dat Sopha mit swart Glanzlinnen, wat alle Sünnabend mit Stäwelwichs frisch upglänzt würd, un de eikene Drahkasten mit den gelen Beslag, seten twei lütte Dirnings von drei Johr mit runne Flaßköpp un runne, rode Backen un spelten in en Sandhümpel 'rümmer un makten Kes' mit Mudding ehren Fingerhaut, un füllten den fuchten Sand in en por lütte Schillingsvött un stülpten sei üm un lachten un freu'ten sick, wenn de Klump heil stahn blew.

Dat wiren Lining un Mining Nüßlers un segen liksterwelt ut mit ehre roden Backen un ehre gelen Hor, as en por lütte Druwappel, de an einen Twig wussen wiren; un datwiren sei ok, denn sei wiren en por lütte Twäschen, un wer nich wüßt, dat Lining nich Mining was, un Mining nich Lining, de würd all sin Dag' nich ut ehr klauk, denn up ehr Gesicht Stunn ehr Nam' nich schrewen, un wenn Mudding sei nich mit en bunten Band an den Arm teikent hadd, wiren grote Verwesslungen vörkamen; un Vadding, Jochen Nüßler, let sick dat ok hüt noch nich afstriden: Lining wir eigentlich Mining, un Mining Lining, sei wiren glik in ehren lütten Lewensanfang utschutert worden. Upstunn's hadd dat nu wider keine Noth, denn nu hadd Mudding Lining en blagen Band in de lütten Zwissen von Horflechten inleggt un Mining en roden; un wenn Einer blot en beten dorup regardiren wull, denn kunn hei dütlich seihn, dat Jochen Nüßler Unrecht hadd, denn Lining was 'ne halwe Stunn' öller as Mining; un obschonst de Unnerscheid man gering was, de Irstgeburt makte sick doch apenbor, un Lining meisterte all recht bedächtig an Mining 'rümmer; aewer sei tröst'te ehr lütt Swester ok, wenn sei in Led was.

Uter dit lütt unbedarwte Twäschenpor was noch en anner Twäschenpor in de Stuw', aewer en olles, erfohrnes, recht bedächtiges, dat kek von den Drahkasten 'runne up de lütten Kinner un schüddelte in den lisen Lufttog, de in de ap'nen Finster 'rinne kamm, ümmer mit den Kopp hen un her; dat was Großvadding sin Prük un Großmudding ehre Staatshuw', de up en por Huwenstöck parat stunnen, dat sei morgen, as an den Sünndag, ehren Swichel spelen wullen. – "Kik, Lining," säd Mining, "dor steiht Goßvadding sin Pük." – Sei kunn mit de 'R' noch nich taurecht kamen. – "Du seggst jo ümmer 'Pük', Du möst 'Pük' seggen," säd Lining – denn sei kunn ok noch nich mit de 'R' farig warden, aewer sei was doch de Öllst un müßt ehr lütt Swester doch en beten up den rechten Weg wisen.

Hirmit was dat lütte Twäschenpor upstahn un stunn vör den Drahkasten un kek dat olle Twäschenpor up de Huwenstöck an, un Mining, de noch sihr unbedachtsam was, langte nah den Prükenstock un halte sick Großvadding sine Prük herunne, stülpte sei sick, as sühst mi woll, up den Kopp un stellte sick vör den Speigel un makte dat Allens just so, as Großvadding ded, wenn 't Sünndag was. Nu hadd Lining Insichten bruken süllt, aewer Lining fung an tau lachen un let sick von de Lust ansticken un namm Großmudding ehre Fladdus' von den annern Stock un makte dat ok just so, as Großmudding ded, wenn 't Sünndag was, un nu lachte Mining, un nu lachten sei beid' un föten sick an un danzten Kringelkranz=Rofendanz, un leten sick denn wedder los un lachten wedder un foten sick wedder an un danzten wedder.

Aewer Mining was doch noch tau unbedachtsam; sei hadd ehren Schillingspott in de Hand behollen, un as sei so recht in de Lust was, let sei – klack! – den Pott an de Ird' fallen, un de Pott was intwei, un de Lust was ok intwei. – Nu fung denn Mining gor tau jämmerlich an tau rohren üm ehren Pott, un Lining rohrte ok as en lütten Roggenwulf mit; aewer as dit en Strämel wohrt hadd, fung Lining an tau trösten: "Lat man sin, Mining! De Rad'maker Sall'n wedder heil maken." – "Ja," weinte Mining stiller, "de Rad'maker sall 'n wedder heil maken;" un dormit gungen de beiden lütten Leddragers ut de Dör un vergeten ganz, dat sei Großvadding un Großmudding ehren Sünndagsheiligenschin üm den Kopp hadden.

Nu mag Männigein glöwen, Lining hadd mit den Rad'maker en daemlichen Vörslag makt; aewer wer mal en richtigen Rad'maker up den Lann' kennt hett, de möt weiten, dat so 'n Mann Allens kann. Wenn en Hamel slacht't warden sall, denn heit dat: Raupt mal den Rad'maker! Wenn 'ne Finsterrut intwei slahn is, denn möt de Rad'maker en Brett vörnageln, dat Wind un Weder nich ankamen kann; hett sick en ollen Staul den Bein verwrickt, denn is hei de Dokter; sall för en Höwt Veih en Plaster smert warden, is hei de Apteiker; kort, Allens möt hei wedder heil maken, un dorüm verföll Lining, as en verstännig Mäten, bi den Pott ok up den Rad'maker.

As de lütten Dirns up den Hof kemen, kamm in 't Dur en lütten Mann 'rinne mit en rödlich Gesicht un 'ne recht staatsche rode Näs', de hei wat in de Luft höll; up den Kopp hadd hei 'ne virtimpige Mütz, vör mit 'ne Troddel, aewer 'ne eigentliche Kalür hadd sei nich; up den Liw' hadd hei en grisen, linnen Kittel mit lange Slippen, un sine korten Beinings, de hellschen utwarts stunnen un so leten, as wiren sei in dat lange Babenliw verkihrt inschrawen worden, steken in 'ne korte, blagstripige Drellhos' un in lange Stäweln mit gele Stulpen. Hei was grad' nich vüllig; aewer mager was hei ok nich, un Einer kunn seihn, dat hei all anfung, sick en lütten Buk stahn tau laten.

De lütten Gören müßten em up ehren Weg begegnen, un as sei neg' naug wiren, dat de Herr Entspekter – denn so 'n Posten verwacht de Mann mit de lütten Bein' – ehren Uptog kund warden kunn, stunn hei still un tröck de gelen, buschigen Ogenbranen so hoch, dat sei ganz unner dat Schut von de timpig Mütz tau sitten kemen, as wiren dese Ogenfrangen dat Schönste in sin ganzes Gesicht un müßten vör allen Dingen bi so 'ne gefährliche Sak, as hei hir tau seihn kreg, irst in Sekerheit bröcht warden: "Gott Du bewohr uns!" rep hei, "wo seht Ihr aus? – Was macht Ihr for Mowemangs! – Wo? Ihr habt ja woll die beiden ollen Großherrn ihren ganzen Sünndagschen Zierrath auf den Kopp?" – De beiden lütten Dirns leten sick ganz gedüllig den Zierrath afnemen un wis'ten de Schören von den intweiigen Pott un säden, de Rad'maker süll em wedder heil maken. – "Wo?" säd de Herr Entspekter Braesig – denn so schrew hei sick – "wo kann so 'ne Dummheit in de Welt assistiren! – Lining, Du büst doch de Öllst, ich hätte Dir for verständiger taxirt; un, Mining, laß das Weinen man sin, Du büst mein lütt Päding, ich geb' Dich zum Sommermark einen neuen Pott. Abersten nu, Allong mit Euch! in die Stube." Un so drew hei de lütten Gören vör sick hen un folgte, in de ein' Hand de Prük, in de anner de Huw', achter her.

As hei in de Stuw' kamm un dor Keinen funn, säd hei tau sick: "Woll All nach's Heuen. – Je, ich sollt eigentlich auch nach mein Heu sehen; abersten das oll lütt Kropzeug hat die beiden Biester hier so zugericht't, daß sie in Ungelegenheiten kommen werden, wenn die beiden ollen Größings den Umstand zu sehen kriegen; ich muß die beiden Kreturen man en bitschen aufrepariren." Dormit treckte hei en lütten Taschenkamm herute – den hadd hei ümmer bi sick, wil dat hei ok all wat nauhorig was un de Hor ut den Nacken nah vörwarts kämmen müßt – un fung an de Prük tau bearbeiten. Dat gung ganz gaud; aewer nu kamm de Huw'. – "Daß Du die Nas' in's Gesicht behältst! Lining, wo hast Du ihr zugericht't! – 'Ne richtige Fassong ist ja gar keine Menschen=Möglichkeit mehr. – Na, ich muß mir mal besinnen, wo die Ollsch des Sünndag's Nahmiddag's aussehen thut. – Vom hat sie an jeder Seite en gadlichen Druw von seidene Locken, un da klappt das Vordertheil von der ollen Fladdus' so 'n Zollner drei 'rüber; also muß das Biest mehr auf's Vordertheil gesetzt werden. Oben hat sie nichts von besondere Anstalten, da grimmelt ihr kahler Kopf immer durch; aber an's Hintertheil, da hat sie ümmer en Dutt, den stoppt sie sich ümmer mit en Flusch Heid' ut, un das hat das Gör ganz verrungenirt, das muß besser ausgebult werden," un dormit stek hei sin Fust in de Huw' un wid'te den Dutt bet ut. Aewer achter in den Dutt was 'ne Sner, un as hei sin Sak recht gaud maken wull, ret de Band in de Sner, un de ganze Dutt schot ut. – "So nu rohr!" rep hei, un sine Ogenbranen gungen wedder hoch in Enn'. – "Wo? Dies ist ja doch ganz nichtswürdig verfestigt – mit en Twirnsfaden! Und zusammenknüppen läßt sich das auch nich. – Gott sall mi bewohren! Was laß ich mir in Haubengeschichten ein! – Abersten täuw! Dir wollen wir kriegen." Un somit hal't hei 'ne Hand vull Bandwarks ut de Tasch – dat möt jeder richtige Entspekter bi sick hewwen – un wirt dat utenanner. – "Sacksband is zu dick; aber dieser hier, der wird woll passen," un dormit fung hei an, en recht hartlichen Bindfaden dörch de Sner tau trecken. Dat Stück gung man langsam, un as hei dor knapp halw mit farig was, kloppte wen an de Dör. Hei smet sin Handgebird' up den neg'sten Staul, denn 't was em schanirlich, un rep: "Herein!"

De Dör gung up, un Hawermann kamm mit sin lütt Döchting up den Arm herinne. – Entspekter Braesig fohrt in de Höcht! "Daß Du!....." – die Nase in's Gesicht behältst, wull hei seggen; aewer wenn em wat Irnstliches bedrapen ded, denn föll hei leider ümmer in de plattdütsche Red' – "Korl Hawermann, wo kümmst Du her?" – "Gu'n Dag, Braesig," säd Hawermann un sett'te dat Kind dal. – "Korl Hawermann," rep Braesig noch einmal, "wo kümmst Du her?" – "Von en Flag, Braesig, wo ick nu nicks mihr tau säuken heww," säd sin Fründ. "Is min Swester nich tau Hus?" – "All in's Heu; aber woans soll ich Dir verstehen?" – "Dat dat mit mi vörbi is: vörgistern hewwen sei mi Allens up de Aukschon verköfft, un gistern morgen" – hir wenn'te hei sick nah 't Finster af – "gistern morgen heww ick min Fru begrawen." – "Wat? Wat? Ach, Du leiwer Gott!" rep de olle gaudmäudige Entspekter. "Din Fru? Dine lütte, gaude Fru?" – un de Thranen lepen em aewer sin rod' Gesicht – "Fründ, oll Fründ, segg, wo is dat so kamen?" – "Je, wo is 't kamen?" säd Hawermann un sett'te sick dal un vertellte sin Unglück ganz in 'n korten,

Wildeß wiren Lining un Mining an dat frömde Kind 'ranne gahn, un langsam un schu, ahn wat tau seggen, kemen sei ümmer en beten neger 'ran, bet Lining sick en Hart faten ded un den Ärmel von dat Kled befäuhlen würd, un Mining ehr de Schören von ehren Pott wisen ded: "Kik, min Pott is intwei." – De lütte Ankaemling aewer kek mit de groten Ogen frömd üm sick un fat'te tauletzt blot ehren Vadding in 't Og'.

"Ja," slot Hawermann sine korte Vertellung, "mi is 't slicht gahn, Braesig, un Du kriggst ok noch tweihunnert Daler von mi; aewer dräng' mi nich, wenn mi Gott dat Lewen lett, sallst Du sei ihrlich wedder hewwen." – "Korl Hawermann – Korl Hawermann," säd Braesig un wischte sick de Ogen un snow an sine staatsche Näs' herümme, "Du büst – Du büst en Schapskopp! – Ja," säd hei un stek trotzig sinen Snuwdauk in de Tasch un böhrte sine Näs' drister in Enn', "Du büst noch eben so 'n Schapskopp, as Du vördem wirst!" Un as wenn em inföll, dat sin oll Fründ up anner Gedanken bröcht warden müßt, kreg hei Lining un Mining bi den Wickel un sett'te sei beid' up Hawermann sine Knei: "Da, Ihr lütt Kropzeug, das 's Euer Unkel!" – Grad' as wiren Lining un Mining en Speltüg un Hawermann en lüttes Kind, wat dormit in sin Led tröst't warden möt; un hei sülwst kreg Hawermannen sine lütte Lowise up den Arm un danzte dormit in de Stuw' herüm, un dorbi lepen em de Thranen wedder piplings aewer de Backen, un tau 'm glücklichen Enn' sett'te hei dat lütte Dirning up en Staul un drop dorbi richtig den, up den hei sin halw farig Huwenwarks leggt hadd.

Mitdewil kemen denn ok de Huslüd' von 't Heuen taurügg, un buten was 'ne helle, lude Frugensstimm tau hüren, de de Dirns drew, dat sei sick spauden süllen: "Makt, makt, dat Ji mit Emmern un Dracht tau Rum' kam't, de Sünn geiht uns unner, un aewer Johr is de Rägel wat wid af, wi kaenen hüt am Enn' noch in 'n Düstern strippen möten. – Dirn, wo hest Dinen Bricken? Glik geihst hen un hal'st en! – Gaht man grelling tau, ick möt irst nah mine Lütten seihn." Un in de Stuw' kamm 'ne stattliche Fru von fiwuntwintig Johr, vull Lewen un Lust in Gesicht un Figur, de Backen roth von Gesundheit un Arbeit un Sommerdag, Hor un Ogen hell, un de Stirn witt, as Snei, so wid de Kiphaut de Sünn afhollen hadd. Up den irsten Blick kunn Einer Ähnlichkeit twischen ehr un Hawermannen herute finnen; aewer de Taeg' un Minen, de bi em nah binnen keken, keken bi ehr frisch in de Welt, un ehr ganz Wesen wis'te, dat sei ut Temprament eben so dähtig wirken müßt, as hei ut Ihr un Schülligkeit.

Ehren Brauder seihn un up em los fleigen, was Eins: "Korl, min Korl=Brauder, min anner Vadder!" rep sei un hung an sinen Hals'; aewer as sei em nauer in 't Og' faten ded, schow sei em von sick taurügg: "Di 's wat passirt, Di 's wat Slimms passirt! – Wat is 't?"

Aewer ihre hei Antwurt gewen kunn, kamm ehr Mann in de Dör, Jochen Nüßler, un gung up Hawermannen tau, gaww em de Hand un säd langsam, as de düre Tid: "Gu'n Dag, Swager; sett Di 'n beten dal." – "Lat em doch vertellen, wat em passirt is," rep sin Fru ungedüllig. – "Ja," Säd Jochen, "sett Di dal, un denn vertell. – Gu'n Dag ok, Braesig, sett Di ok dal, Braesig." Un dormit sett'te sick Jochen Nüßler, oder, as hei för gewöhnlich nennt würd, Jung'=Jochen, in 'ne Eck bi 'n Aben, de hei von sin Gaud noch Separat pacht't hadd. – Hei was en magern, langen Mann, höll sick aewer wat duknackt, un 't was, as wenn sine Glider ümmer allerhand Inwennungen maken deden, wenn hei sei tau ehre gewöhnliche Bestimmung bruken wull. Hei was woll so gegen de Virtigen; sin Gesicht was blaß un eben so langtaegsch as sin Sprak, un sin weikes, düsterblondes Hor hung vöm un hinnen glik lang aewer Stim un Rockkragen, un Moden mit Scheitel un Locken hadd 't seindag' nich mitmalt; Mudding hadd em von lütt up de Hor in 't Gesicht 'rinne kämmt, un so was 't blewen, un wenn 't en beten verwirt utsach, hadd Mudding seggt: "Schadt em nich, Jöching, de rug'sten Fahlen warden de glattsten Pird'." – Was dat nu, dat sin Ogen ümmer hadden dörch dat lange Hor dörchpliren müßt, oder lagg dat in sin Wesen, sin Blick hadd wat Schu's, as kunn hei seindag' nich recht wat in 't Og' faten un tau 'm Sluß kamen, un wenn hei mit de Hand ok rechtsch was, so was hei mit de Mund doch linksch. Dat kamm von 't Tobackroken; denn dat was dat einzigste Geschäft, wat hei mit Utdur bedrew, un wil dat hei de Pip ständig in de linke Eck höll, hadd sick de bet linksch nah unnenwarts gewen, un, von rechtsch anseihn, sach sin Mund ut, as wenn hei nich 'zipp' seggen künn, von linksch aewer, as wenn hei Kinner freten wull.

Nu satt hei dor in sine separate Abeneck un rokte ut sine separate Mundeck, un wildeß sine lewige Fru vör Truer un Mitled bi Hawermannen sine Würd' tau Kihr gung, as wull sei sick von Dagen dauhn, un ball ehren Brauder un ball sin lütt Döchting küßte un tröst'te, satt hei dor un kek an de Hauptperßonen vörbi von de Sid nah Braesigen, un mit den Tobacksrok kemen af un an en por afbraken Würd' linksch herute: "Ja, 't is All so, as 't is. – 'T is All so, as dat Ledder is. – Wat sall Einer dorbi dauhn?"

De Herr Entspekter Braesig was dat kunträre Gegendeil von Jung'=Jochen; denn eins lep hei in de Stuw 'rümmer, denn eins satt hei up en Staul, denn up 'ne Dischkant un arbeit'te mit sine lütten Bein' vör Upregung un Unrauh as en Linn'nwewer, un wenn Madam Nüßlern ehren Brauder küßte un strakte, denn küßte un strakte hei em ok, un wenn Madam Nüßlern dat lütte Kind up den Arm namm un doran herümmer eiete, denn namm hei 't ehr wedder af un drog 't in de Stuw 'rümmer un sett'te dat wedder up en Staul, aewer ümmer wedder grad' up Großmudding ehre Huw'.

"Leiwer Gott!" rep de Husfru endlich, "ick verget jo woll rein Allens? – Braesig, dor hadden Sei ok an denken kunnt. Ji hewwt jo woll noch nich Natt un Drög kregen!" un dormit lep sei an dat blage Eckschapp un hal'te schönes, wittes Landbrod un frische Botter herute, un lep nah buten un bröchte Mettwurst un Schinken un Kes' un en por Buddeln von dat starke Bir, wat för Großvadding separat bru't würd, un en Pott mit Melk for de Lütten; un as Allens sauber up en wittes Dischlaken stunn, treckte sei ehren Brauder 'ran an den Disch un namm den Staul mitsammt dat lütte Dirning un drog en ok 'ranne un sned Brod un schenkte in, un dat gung so fix mit Hand un Faut, un so fix mit Mund un Red', un dat gung so blink un blank mit Metz un Gabel, un so blink un blank mit Min' un Og', un so rein un witt mit Schört un Dischtüg, un so rein un witt ut gauden Harten!

"Ji krig't nahsten ok wat," säd sei tau ehre lütten Druwäppel un strek sei aewer de Flaßköpp, "irst kümmt lütt Swesting. – Braesig, setten S' sick doch. – Jochen, kumm doch ok 'ran." – "Ja, benn helpt dat nich," säd Jochen, ded en langen, letzten Tog ut sine Pip un schow den Staul mit sick sülben 'ranne. – "Korl," säd Braesig, "ich kann Dich diese Mettwust rekummandiren; was Deine Swester is, die Nüßlern, hat darin eine hellische Forsch, un ich habe unsere Ausgewerin schon ümmer gesagt, sie soll sich den Rezept geben lassen, denn das olle Frauenzimmer muddelt mich da ümmer allerlei unnatürliche Geschichten zusammen, die gar nich zusammenstimmen, kurzum es is keine Passung und tein Verhältniß darin, obschonst die Taudahten so gut sünd, als sie ein regelrecht mit Erbsen ausgemist'te Swein liwern kann." – "Mudding, schenk doch Braesigen in," säd Jochen. – "Ich danke, Madam Nüßlern; aber ich bitte mich meinen kleinen Kümmel aus. – Korl, sörre die Zeit, daß ich mit Dir und den Hallunken, den Pomuchelskopp, bei den ollen Knirkstädt in Kunditschon war, habe ich mir zu's Frühstück un zu's lütt Abendbrod einen kleinen Kümmel angewöhnt, und er bekommt mich ja, Gott Sei Dank! – Aber, Korl, wo konntest Du Dich mit diesem Hallunken von Pomuchelskopp inlassen? – Ich sagte Dir dunn schon: Der Bengel daugt nich; er is so 'n ollen Venynschen, er is en tückschen Hund, kurzum, er is ein Jesuwiter." – "Ach, Braesig," säd Hawermann, "will'n nich dorvon reden. 'T is maeglich, dat hei anners hadd an mi handeln kunnt; aewer 't was doch min Schuld, worüm gung ick up sinen Vörslag in. – Mi liggt jitzt wat anners in den Kopp: wenn ick man irst 'ne Städ' wedder hadd!" – "Natürlicherweise mußt Du 'ne Stelle wieder haben. – Mein gnedigster Herr Graf sucht freilich für dem Hauptgute einen düchtigen Entspekter, aber, Korl, nimm's mich nich übel, Du paßt Dich nich dahin. – Sühst Du, da mußt Du alle Morgen mit blankgewichs'te Stiewel un in en Kledrock zum Apport, un mußt mit ihm hochdeutsch reden, denn plattdeutsch hält er for Ungebildetheit; un denn hast Du all die Frauenzimmer auf dem Halse, denn die regieren alle mit. Un wenn Du auch mit Stieweln un Kledrock un Hochdeutsch zu Gang' kommst – denn Du konntest jo vordem, un büst nu woll man en bischen außer Übung – aber mit die Frauenzimmer wirst Du nich prat, die gnedigst Gräfin kuckt Dir in die Kuhställ un in die Sweinställ – kurzum es is 'ne Zucht as – na, wo soll ich sagen? – as in Sodom un Gomorrha." – "Herre Je," rep de Fru von 'n Hus', "dor föllt mi in, de Pümpelhäger Entspekter süll jo tau Jehanni afgahn; dat wir 'ne Städ' för Di, Körling." – "Madam Nüßlem hat ümmer Recht!" säd Braesig. – "Was der Herr Kammerrath auf Pümpelhagen is" – denn hei läd den Ton bi den Mann sinen Titel ümmer up 'rath', dat sick dat ümmer so anhüren ded, as wenn hei un de Kammerrath tausamen mal Krig'sdeinsten dahn, tau 'm wenigsten mit ein un den sülwigen Lepel ut de sülwige Schöttel eten hadden – was der Herr Kammerrath auf Pümpelhagen is, der hält seine Leute gut un gibt auch en guten Salehr, un is noch en Mann ganz nah de olle Welt. Un er kennt Dir ja auch von vordem, Korl. Das wäre die richtige Stelle für Dich, un morgen geh ich mit Dir 'rüber. – Was sagst Du dazu, Jung=Jochen?" – "Ja," säd Herr Nüßler, "'t is All so, as dat Ledder is." – "Leiwer Gott," rep de jung' Fru, un 'ne gewisse Ängstlichkeit flog ehr aewer dat hübsche Gesicht, "ick verget hüt jo woll Allens. – Wenn Großvadding un Großmudding dit tau weiten8 krigen, dat wi hir in Gesellschaft Vespebrod eten, un sei sünd nich dorbi, sei warden mi jo woll meindag' nich wedder gaud. – Kinnings, rückt en beten tausam! – Du haddst dor ok woll en beten an denken kunnt, Jochen." – "Ja, wat sall ick dorbi dauhn," säd Jochen, as sei all ut de Stuw 'rute was.

Dat wohrt ok nich lang', dunn latschten de beiden Ollen up ledderne Tüffel mit ehr in de Stuw' herinne. Up ehre beiden Gesichter lagg so 'ne lurige Spannung un so 'ne unbestimmte Upmarksamkeit, as de sihr Harthürigen sei annemen, un de gor tau licht in den Utdruck von Dummheit un Mißtrugen aewergeiht. – Mit Recht ward dat seggt, dat Ehlüd', de lang mit enanner lewt hewwen un ümmer dat sülwige dacht un sorgt un wirkt hewwen, tauletzt Ähnlichkeit mit enanner krigen, un wenn dat ok nich ümmer för den Snitt von de Gesichter gelt, so gelt dat doch för den Utdruck. All beid' segen sur ut, as Lüd', de sick meindag' keine Freud' un Vergnäugen günnt hadden, wenn 't wat kosten ded; all beid' Segen in ehre Kledung schawwig un muddlich ut, as müßten sei noch ümmer sporen un tau Rad' hollen, un as wenn 't Water Geld kosten ded. Keine Behaglichkeit in ollen Dagen, keine Freud' blitzte denn un wenn ut ehre Ogen, denn sei hadden ehr Lewen lang man eine Freud' hatt, dat was ehr Jöching un sin gaud Furtkamen; nu wiren sei utspannt, un de Langewil' lagg up ehren Wesen un up ehre einzigste Freud', denn ehr Jöching was man gor tau langwilig; aewer för sin Furtkamen sorgten un smorgten sei noch, dat was de letzte Zweck för ehr Lewensdag'! – De oll Mann was all en beten von de Kindheit anbraken; aewer de Ollsch hadd noch de ganze Gewalt aewer ehr Dauhn un Laten, un ehr Ogen fuscherten in alle Ecken 'rümmer, as en por Spitzbauwen, de de Gelegenheit utkundschaften.

Hawermann was upstahn un gaww de beiden Ollen de Hand, un sin Swester stunn dorbi un kek ehr ängstlich nah de Ogen, wat de woll tau den Besäuk säden. Den Grund von ehren Brauder sine Ankunft hadd sei ehr all vörlöpig seggt, un dorvon müggt dat woll kamen, dat de ollen Gesichter noch surer as för gewöhnlich utsegen; 't kunn aewer ok von dat rikliche Vesperbrod sin, wat sei uptafelt segen. – De Ollen sett'ten sick an den Disch. – De oll Fru kreg Hawermannen sin lütt Dirning in 't Og': "Is dat sin?" frog sei. – De jung' Fru nickte. – "Bliwwt dat hier?" frog sei wider. – De jung' Fru nickte wedder. – "So!" säd de Ollsch un treckte dat Wurt so lang, as wull sei dormit allen Schaden taudecken, den ehr Jöching dorvon hewwen künn. "Ja, 't sünd slimme Tiden," sett'te sei hentau, as müßt sei bi Tiden Vörpahl slagen, "un Einer hett naug tau dauhn, sülwst dörch de Welt tau kamen." – De oll Mann hadd wildeß ümmer de Birbuddel un Braesigen sin Glas ankeken: "Is dat von min Bir?" frog hei. "Ja," bröllte em Braesig in de Uhren, "un 't is schön Bir, was die Madam Nüßlern brau't hat, 'ne ordentliche Rekolljirung for en swacken Magen!" – "All tau riw'! All tau riw'!" brummte de Oll vör sick hen. – De Ollsch att; aewer kek ümmer aewer den Disch weg nah den Drahkasten 'raewer.

De jung' Fru, de de Ollsch ehre Anstalten ordentlich studirt hewwen müßt, kek ehr nah un würd tau 'm Schrecken gewohr, dat de Huw' von den Stänner was; mein Gott! Wo was de Huw' blewen? Sei hadd sei sülwst hüt morgen plett't un up den Stänner hängt. – "Wo 's min Huw' tau morgen?" frog de oll Fru tauletzt. – "Laten S' man sin, Mudding," rep de jung' Fru un bögte sick nah ehr 'ranne, "ick bring' sei Sei nahsten." – "Is sei all plett't?" – De jung' Fru nickte, un dacht jo woll, nu würd Größing sick taufreden gewen; aewer de Ollsch ehr Ogen flankirten düller in de Stuw' herümmer, as sei 't vör föftig Johr nah de jungen Mannslüd' dahn hadden. Den Herrn Entspekter Braesig föllen all sine Sünnen in, as de Red' up de Huw' kamm, un hei würd sick ok en por mal hastig ümkiken, wo dat Gewächs woll blewen wir, aewer 't wohrt nich lang', dunn schot aewer de oll Fru ehr Gesicht so 'n bitter=säutes, venynsches Grinen, un ehr let dat as en oltbacken Semmel, de in vergift'ten Zyrup stippt is, üm de Fleigen dormit tau vergewen. – "De sall s' nu woll noch bet pletten?" säd sei un wis'te up Hawermannen sine lütte Lowise. – "Herre Gott, wat is dit?" rep de jung' Fru un sprung up un sach denn ok glik en Enn' Huwenband unner dat Kind ehr lütt Kled herutekiken. Sei böhrte dat Kind in de Höcht un wull de oll Fladdus' an sick nemen; aewer de Ollsch was fixer. Hastig ret sei ehren verrungenirten Staat an sick, un as Sei den utschaten Dutt un Braesigen sinen halw infädelten Bindfaden tau seihn kreg, brök dat Gift bi ehr ut, un sei böhrte ehre Mütz in de Höcht: "Unnützes Gör!" rep sei un makte 'ne Bewegung, as wull sei dat Kind mit de Mütz üm de Uhren slagen.

Aewer Braesig föll ehr in den Arm un rep: "Was kann das Kind dafor?" un vör sick hen brummte hei: "Olle Drak!" Un achter Großmudding ehren Staul fung en grotes Weinen an, un Mining rohrte: "Nich wedder dauhn! Nich wedder dauhn!" un Lining rohrte mit: "Nich wedder dauhn! Nich wedder dauhn!" – "Leiwer Gott!" rep de jung' Fru, "dat hewwen de beiden Gören anstift't. – Mudding, dat hewwen uns' eigen dahn!" – Aewer de Ollsch hadd ehr Lewen lang ehren Vurthel tau gaud wohrtaunemen verstahn, dat sei ok in ehren ollen Dagen ut ehre Dowheit Prosit tau maken verstunn: wat sei nich hüren wull, hürte sei nich; un dit wull sei nich hüren. Sei rep un winkte ehren Mann: "Kumm!" – "Mudding, Mudding," bed de jung' Fru, "gewen S' mi de Huw', ick will sei wedder taurecht maken." – "Wer is up de Rägel?" frog de Ollsch un gung mit Oll=Jochen ut de Dör. – Jung'=Jochen makte sick sin Pip wedder an. – "Du leiwer Gott!" säd de jung' Fru, "Sei hett Recht, ick möt nah de Ragel. Na, Großmudding ward mi in de irsten vir Wochen nich wedder gaud." – "Murrjahn," säd Braesig, "war en alter Hund, un Murrjahn hat sich zuletzt auch geben müßt." – "Lat't man dat Rohren sin, Ji ollen lütten Wörm," säd de Mudder un drögte ehre lütten Dirns de Thranen af: "Ji kaent dor ok nich för, Ji sid noch tau dümming. Un nu wes't ok orig un spelt mit lütt Swesting; ick möt gahn. Jochen, seih en beten nah de Kinner," un dormit stülpte sei sick den Kiphaut up un gung nah de Melkenrägel.

"Swiegermudder," säd Braesig, "is Deuwelsunterfutter. Abersten Du, Jung'=Jochen," säd hei tau em, de dorsatt, as güng em de Mudder nich un de Fru nich wat an, "Du Solltst Dich was schämen, daß Du Deine Frau von de Ollsch so mißhandeln läßt." – "Je, wat sall ick as Saehn dorbi dauhn?" säd Jung'=Jochen. – "Hauen brauchst Du ihr grade nich," säd Bräsig, "weil das Deine von Gott angeborne Eltern sünd; aber 'ne kindliche Vermahnung kannst Du ihr ab un an machen, als gehorsamer Sohn, daß der Deuwel drein slagen sollt, wenn sie nich Fred' in 'n Haus' hielten. – Un Du, Korl Hawermann, zieh Dir so 'n kleinen Spermang nich zu Gemüth, denn Deine liebe Swester hat 'ne gute Natur un hat en fröhlich Herz; sie verwinn't das bald, un die ollen Zackermenters müssen sich zuletzt doch woll geben, denn sie können nich ohne ihr prästiren, denn die jung' Frau is das Ganze in dem Haus'. – Abersten" – hir treckte hei 'ne mächtige dreigehüsige Klock ut de Tasch, so 'n Ding, de sei 'ne Warmbirsklock näumen – "wahrhaftig, schon stark auf saeben! Ich muß machen, daß ich nach mein Gesinn' seh." – "Täuw," säd Hawermann, "ick kam en Enn'lang mit Di. – Adjüs so lang', Jochen." – "Adjüs ok, Swager," säd Jochen un blew in sin Eck besitten.

As sei nah buten kemen, säd Hawermann: "Aewer, Braesig, wo kunnst Du woll in Gegenwart von den Saehn so von de Ollen reden!" – "Das is er gewennt, Korl. – Kein Deuwel mag die beiden ollen Krübbensetters leiden, sie haben sich mit die ganze Nahwerschaft verfeindt, un was die Dienstboten sünd, die laufen ihr meilenweit aus dem Weg'." – "Du leiwer Gott," säd Hawermann, "min arm Swester! – Sei was so 'n fröhliches Kind, un nu in so 'n Hus' un mit so 'ne Nuss' von en Mann." – "Da hast Du Recht, Korl, er is 'ne olle Nuss', un Nüßler heißt er, aber Deiner Swester thut er nichts slimmes, un obschonst er en ollen Schapskopp un man düsig is, un nichts von Allertigkeit an sich hat, so is er doch nich so dumm, daß er nich einsieht, daß Deine Swester das Ganze regiert." – "De arme Dirn! Um minentwillen, üm mi nich tau Last tau liggen, as sei säd, üm uns' oll Mudder ehrentwegen, dat de doch noch bi Lew'stiden ein von ehr Kinner versorgt seg', hett sei den Mann namen." – "Ich weiß Allens, Korl, ich weiß es aus eigene Erfohrung. – Weißt Du woll noch? Es war in'n Rogg'aust, un Du sagtst zu nur: Zacharias, sagtst Du, Dich plagt jo woll der Leibhaftige, Du fährst Deinen Roggen jo woll noch naß ein, un ich sagte: Wo So? Den Sonntag haben wir schon Streichelbier gehabt, wo Deine Swester auch war, un denn soll ich bei so'n Wetter meinen Roggen nich einfahren? Un dunn sagte ich zu Dir, wenn ich mich mal veränderte, denn heurathete ich von alle meine drei Brauten keine andere als Deine Swester. – Dunn lachtst Du noch so gel'bunt un sagtst: sie wär noch zu jung. – Was hat die Jungigkeit damit zu thun? fragte ich. – Dunn sagtst Du noch: meine andern beiden Brauten hätten die Vorhand, un lachtst dabei in Ungläubigkeit von meiner Ernstlichkeit, un dunn trödelte sich die sach noch 'ne Zeitlang hin, indem daß mein gnedigst Herr Graf sein Wort nich hielt un keinen verheurath'ten Entspekter haben wollt. Un nahsten war's zu lat, da hätte Jung'=Jochen um ihr angehalten, un Deine olle Mutter hätte ihr zu stark zugered't. – Na, es hat nich sein sollen," säd de olle, ihrliche Burß un kek so langs de Näs' dal, "aber wenn ich ihr klein Kropzeug von Dirns so seh, un mir das denn so nachdenk, daß das eigentlich meine sein müßten, hör mal, Korl, denn wird mich so zu Muth, as wenn ich de Ollsch un Oll=Jochen un Jung'=Jochen in de grawe Grund 'rinne pedden müggt. – Aber for die ollen Jesuwiter is's en wahres Glück, daß Deine Swester in's Haus gekommen is mit ihren liebreichen Herzen un fröhlichen Temprament, denn wenn da 'ne andre 'ringekommen wär, denn hätt's schon lang Murd un Dodslag geben."

Sei wiren bi dese Reden ut dat Dörp kamen, un as sei üm den Hof=Goren swenkten, säd Hawermann: "Mein Gott, dor stahn jo woll de beiden Ollen baben up den Barg'?" – "Ja," lachte Braesig so recht gnittig vör sick hen, "da steht die olle Jasuwiter=Package wieder auf ihr heimliches Flag." – "Heimlich," frog Hawermann, "un denn baben up en Barg'?" – "Das is's jo eben, Korl. Das olle Wurmzeug trau't keinen Menschen un ihre eignen Kinner nich, un wenn sie sich was sagen wollen, wo ihre gewöhnlichen Mienen und Pantemienen nich ausreichen, denn gehn sie ümmer hier auf den spitzen Äuwer, dat sie um sich sehen können, ob sie auch Einer hören kann, un denn bröllen sie sich ihre Geheimnissen in die Ohren. – Ja, nu 's die ganze Kanalljerie wieder zusammen, die Ollsch hätte nu woll wieder en Draken=Ei gelegt, un das sitten sie nu zusammen aus." – "Sei hewwen 't jo gor tau hild und iwrig," säd Hawermann. "Kik mal, wo de oll Fru handtirt! Wat maegen sei hewwen?" – "Ich weiß 't recht gut, worüber sie judiciren un ruminiren; die Art höre ich schon auf hundert Schritt laufen, denn ich kenne ihr. – Un, Korl," sett'te hei nah en lütt Bedenken hentau un treckte de Ogenbranen hoch iu de Höcht, "'s is am besten, Du krigst Allens gleich zu wissen, daß Du Dich darnach haben kannst: Sie reden von Dir un das Kleine." – "Von mi un min lütt Dirn?" frog Hawermann verwunnert. – "Ja, Korl. – Sühst Du, wärst Du mit einen großen Beutel mit Geld angekommen, denn würden sie Dich mit aller Liebreichigkeit aufgenommen haben, denn Geld ist das Einzigste, vor das sie Respekt haben; aber in Deine augenblickliche Verlegenheit halten sie Dich un dat lütt Dirning nich besser, as for en paar Freifresser, die ihnen und ihren ollen Ossenpantüffel von Jöching das Brod aus die Mund nemen." – "Leiwer Gott," rep Hawermann, "worüm heww ick dat Kind nich bi de Rassows=Lüd' laten? – Wo sall ick nu mit dat Worm hen? – Weitst Du nich 'ne Utkunst? – Hir lat ick 't nich; hir kann ick 't min Swester wegen all nich laten." – "Aber natürlichemang auf die Neg' möchtest Du sie gerne haben. – Nu will ich Dir was sagen, Korl, diese Nacht mußt Du nu noch bei die Nüßlers=Leut bleiben; morgen gehen wir nach den Herrn Kammerrath auf Pümpelhagen: wird das was, denn sehn wir uns für dem Kinde hier in der Nahwerschaft 'rum, wird das nichts, denn fahren wir zu Stadt, un da muß sich denn 'ne Gelegenheit finnen, wenn nich anders, bei Kaufmann Kurzen. Un nu Adjüs, Korl! Nimm Dich die Sache nich zu sehr zu Herzen, 't ward Allens wedder beter, Korl." – Dormit gung hei.

"Ja, wenn sei All so wiren, as Du," säd Hawermann, as hei nah sin Swester=Hus taurügg gung, "denn kem' ick woll aewer den steidelen Barg. – Un 'raewer möt ick un will ick," sett'te hei mit en fasten Nahdruck hentau, un sin helle Maud, de von Arbeit un sin Gefäuhl för sine Schülligkeit upfött was, brök dörch de Trurigkeit, as de Sünn dörch Dauwolken, "min Swester sall kein Ungelegenheiten dörch mi hewwen, un för min Kind will ick allein Sorgen." – –

Den Abend, as de Melk upsih't was, gung Hawermann mit sin Swester den Gorenstig entlang un sei red'te von sine un hei von ehre Lag'. – "Ih, Körling," säd sei, "aewer mi gram' Di nich. Ick bün dat nu all gewennt. – Ja, 't is wohr, de ollen Lüd' sünd gor tau eigen un snurrig: aewer wenn sei ok Wochen lang mit mi mulen, ick heww 't in de irsten Stunn'n all wedder vergeten, un Jochen möt ick dat nahseggen, hei leggt mi nicks in den Weg, un hett mi noch kein hart Wurt seggt. Wenn hei man en beten ümsichtiger un mihr tau Hand wir! Aewer dat is nich in em tau krigen. Du leiwer Gott, ick heww mit de Huswirthschaft naug tau dauhn, un wenn ick mi ok woll üm de Butenwirthschaft kümmern wull, en Fruenszimmer versteiht dor doch nicks von, un dor is mi denn nu Braesig 'ne wohre Stütt, denn de kickt alle Ogenblick mal aewer de Feldscheid' un up den Hof un in 't Hus, un bringt Jochen denn af un an en beten up den Draww." – "Na, geiht denn de Wirthschaft in 'n Ganzen gaud un kamt Ji dörch mit de Sak?" frog de Brauder. – "As sei gahn Süll, geiht sei nich. Dortau will wi tau vel Sporen, un de Ollen liden nich, dat wi wat an 't Inventor wennen, un dat wi en beten annersüm wirthschaften. – Ut kam wi jo, un de Pacht is noch ümmer richtig betahlt; aewer nu sünd doch Jochen sin beiden öllern Swestem, de Kopmann Kurzen un de Rektern Balderjan – na, sei hewwen dunn 'ne lütte Utstür kregen – de liggen nu de Ollen un uns ümmer in de Uhren, dat sei ehr Arwdeil hewwen willen. De Rekter hadd dat grad' nich nödig, aewer hei is so 'n ollen Näw'kigen; Kurz kann aewer sin Geld bruken, denn hei is en Kopmann un will doch en gröter Geschäft maken. Nu willen aewer de beiden Ollen Jochen binah dat Ganze tauwennen, un von dat, wat sei för sick sülwen taurügg behollen hewwen, kaenen sei sick nich trennen, un de Ollsch, de hett so 'n ollen fatalen Spruch, den bed't sei ehr ümmer vör, wenn sei mit so 'n Anliggen kamen:

Wer seinen Kindern giebt das Brod
Und leidet endlich selber Noth,
Den Schlag' man mit der Keule todt.

Aewer 't is Unrecht, grot Unrecht, un Segen kann dor nich bi sin, denn ein Kind is so gaud, as 't anner; un dat heww ick de Ollen in 'n Anfang ok grad'tau seggt. – Oh, wat würd dat för en Halloh! Sei hadden 't verdeint, un ob ick wat taubröcht hadd? Up de Knei süll ick ehr un Gott danken, dat sei Jochen tau 'n Mann maken wullen. – Aewer ick heww Jochen doch dortau kregen, dat hei Kurzen tau 'm wenigsten so nah un nah gegen föfteihnhunnert Daler gewen hett. De Ollsch hett 't woll markt un hett dor ok all ümmer up spitzt; aewer den richtigen Grund weit sei doch nich, denn, wil dat Jochen en beten tau ümständlich is, un hei ok mit 't Reken nich recht bewandt is, heww ick de Kass', un dor lat ick Großmudding abslut nich 'rinne kiken. – Ne, Großmudding, so dumm bün ick nich! Wenn ick en eigen Husstand heww, will ick ok min eigen Kass' hewwen. Un dat is de Hauptarger von de ollen Lüd', dat sei nich mihr aewer Jochen as Vörmund spelen kaenen; aewer Jochen is gegen de virtig 'ranne, un wenn hei sick nich sülwst regiren will, denn will ick em regiren, denn ick bün sin Fru un bün de Neg'ste dortau, as uns' Fru Pasturin tau seggen pleggt. – Nu segg, Korl, heww ick Recht oder heww ick Unrecht?" – "Du hest Recht, Dürten," säd Hawermann. Dormit säden sei sick 'Gu'n Nacht' un gungen tau Bedd'.

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