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Ut mine Stromtid

Fritz Reuter: Ut mine Stromtid - Kapitel 1
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleUt mine Stromtid
typenarrative
sendertorsten_schertel@talknet.de
created19990828
firstpub1862
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Fritz Reuter

Ut mine Stromtid.

Erster Theil.

Meinem lieben Lehrer und väterlichen Freunde,
dem Herrn
Conrektor Gesellius
zu Parchim,
in herzlicher Dankbarkeit gewidmet
Fritz Reuter

 

An mine leiwen Landslüd',
de Landlüd' in Meckelnborg un Pommern.

              Seiht, Wenn Ji Jug hewwt suer warden laten,
Un hewwt de Saat ok schön bestellt,
Un 't fehlt Jug grad' de Regen för de Saaten,
Denn is dat weggesmeten Geld.

Ja, Vadder, dat 's sihr argerlich!
Indessen doch.... denn helpt dat nich!

Un Wenn Ji Jug so 'n schönes brunes Fahlen
So in de Hand hewwt 'rinne fött,
Un 't will nich trecken, mag 't de Düwel halen!
Taumal wenn 't Spatt noch 'rute trett.

Ja, Vadder, dat 's sihr argerlich!
Indessen doch.... denn helpt dat nich!

So is dat just ok mit min Bäukerwesen:
Gew ick mi ok noch so vel Mäuh,
Un 't fehlt de Haeg', wenn Ji dat lesen,
Denn is de ganze Pott entwei;

Un, mine Herrn, dat 's argerlich!
Indessen doch.... denn helpt dat nich!

Un wenn nu just dit letzte von min Bäuker,
Wat ok bi lütten 'ran is fött,
Nich trecken wull, denn hal' dat ok der Deuker,
Denn bün ick ok üm all min Pött.

Un, Herrn, dat wir doch argerlich,
Indessen doch.... denn helpt dat nich!

Un wenn von Jug nu Einer gor süll meinen,
Ick hadd em meint un sinen Stand,
Denn, mein ick, meint hei falsch; ick mein' hir Keinen,
Un sine Meinung is en Unverstand.

Ja, aewer 't wir doch argerlich,
Indessen doch.... denn helpt dat nich!

Nigen=Bramborg, den 7. November 1862.

Fritz Reuter.

Ja, ja! So was 't nich ümmer. – Wer up Stunn's mit ne witte Lin' tau Stadt führt un sin por Buddeln Schampagner drinkt, den sin Vader satt maeglicher Wis' bi Lüttjedünn, un sinen Lintaegel bünn Mudder mit en Strumpenband tausam. As de Schepel Weiten, grot Mat, virtwis up de Landstrat för sößteihn Gröschen an de Daglöhners tau Swinfauderss uthaekert, un 'ne ganze Fuhr Hawern tau Rostock gegen en Haut Zucker ümtuscht würd – ach! dunn was 't slimm in Land Meckelnborg.

Meckelnborg is en schön Land, 't is en rik Land, un vör Allen kann 't den Landmann woll gefallen; aewer dunntaumalen gung de Noth in den Lann' üm, un de Landrider kloppte an de Dören, dat hei Pacht halen wull, un wer s' noch gewen kunn, de gaww sin Letzt, un wer s' nich mihr gewen kunn, de würd afmeiert.

Aewer dorüm brukt Keiner tau glöwen, dat tau jennen Tiden uns' Landlüd' as de Swekspöhn in 'n Lann' 'rümmer wankt sünd, un dat Einer ehr dat Vateruns dörch de Backen hett lesen kunnt – ne! – 't wiren grad' so 'ne richtigen Kinner as up Stunn's, blot dat sei dunn annersüm reken müßten. – Nu heit dat: "Dat Pund Botter kost't teihn Gröschen, makt up en Centner so un so vel, un wenn ick so un so vel Centner verköp, denn kann ick mi allein ut luter Botter 'ne Glaskutsch un vir einkalürige Mähren anschaffen." – Dunn heit dat: "Wat, Mudder? de Botter kost't twei Gröschen? Dorför kaenen wi s' allein upeten. – Wat Mudder? – De Slachter will fiw Daler för dat Fettswin gewen? Snid em den Hals af, Mudder, smit em in uns' eigen Päk." – Un dorbi wiren de ollen Burßen ganz gesund, un wat de forschen Bük anbedrapen deiht, de sick hüt tau Dag' aewer den Damm wöltern, de wiren dunnmals, in de Twintigerjohren, ebenso begäng', as up Stunn's; blot mit Schauster= un Sniderreknungen stunn 't slichter, un wat bor Geld heiten ded, kregen de ollen Knawen irst tau weiten, wenn s' Pacht betahlen süllen.

Ja, 't is beter worden in de Welt, un wenn de Preisters ok dusendmal seggen, dat de Welt slichter ward, in de Welt ward 't aewer beter.

"Gu'n Morgen, Herr Amtmann Wilbrandt!" – "Gu'n Morgen, oll Fründ, kamen S' her, will'n beten frühstücken." – "Gu'n Morgen, Vader Hellwig!" – "Ach gahn S' mi von den Liw', ick bün verdreitlich." – "Na, wat is Sei?" – "Wat mi is? Vel is mi. Binah up dat Duwwelte hewwen Sei mi up de Pacht sett't, un dit Johr hett Zirzow dat Sinige dahn, un nu sitt ick dor mit twintig dusend Daler, un weit nich, wo ick s' unnerbringen sall. De Rostocker Bank nimmt kein Geld mihr an, un wat denn? Ne, Wilbrandt, de Welt is tau slicht!" – "Ja, sei is slicht," seggt de Herr Amtmann, un ick segg ok: "Ja, slicht is sei," un denk dorbi gor noch nich mal an dat vele Geld, wat ick in den negsten Termin unnerbringen sall. – "Ja," seggt Wilbrandt, "wer Deuwel dacht vördem an Hypotheken?" – "Nich wohr, Brauder?" seggt Vader Hellwig, "dor dacht kein Minsch an. – Süh mal, wenn ick mit min Gesicht nah den ollen Salomon in Stemhagen kamm un wull Geld hewwen, denn säd hei tau mi: Hellwigching, Sei hewwen en ihrlich Gesicht, Sei hewwen en Pockengesicht – schadt em nich – Geld saelen Sei doch hewwen. Un denn müßt ick bi em de Nacht bliwen un müßt bi em in eine Stuw' slapen un wil dat ick de slichte Gewohnheit an mi heww, mi in den Slap tau roken un mit 'ne frisch angebrennte Pip tau Bedd tau gahn, un hei 'ne grote Angst vör Füer hadd, rep hei ümmer von Tid tau Tid: Hellwigching, roken Sei noch? – Ja, 't was 'ne Schöne Tid!" – "Ja," seggt de Herr Amtmann, "un wat was 't för 'ne Lust, wenn wi so 'n lütten Posten Schulden afbetahlen kunnen! – Mine beste Tid is eigentlich mit mine letzten Schulden fläuten gahn. – Ja, 't was doch 'ne schöne Tid." – "Ne," segg ick, "de Tid was slicht. Ji hewwt Jug dörch de Tid dörchslagen, un dorför hürt Jug allen Ihr un Respekt; aewer Männigein hett 't nich kunnt, un 't was doch ok en braven Kirl." – Dunn kamm de Herr Gaudsbesitter, Herr XYZ, an den Disch un slog mit de ollen dicken Knaewel vör uns up, dat de Buddeln up den Disch danzen deden un säd: De sick dunn nich dörchfunnen hadden, dat wiren Lumpenhunn'. – "Wat?" säd de Amtmann. "Hewwen Sei hir wat tau reden?" – Un de oll Vader Hellwig stunn up un kek em mit sin oll ihrliches, isengrages Gesicht an: "Sie sünd ein Jüngling, Sie haben das schöne Gut von Ihre Herrn Eltern geerbt, was mit der Zeit vermacht ist, davon haben Sie keine Ahnung. – Sei weiten 't, oll Fründ," säd hei tau mi, "un nu vertellen S'." – "Ja," säd ick, "vertellen will ick 't."

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