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Uns Herrgott up Reisen / 1

John Brinckman: Uns Herrgott up Reisen / 1 - Kapitel 22
Quellenangabe
typenarrative
booktitleWerke II
authorJohn Brinckman
year1964
publisherHinstorff Verlag
addressRostock
titleUns Herrgott up Reisen / 1
pages95-242
created20060601
sendergerd.bouillon
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Dat tweiuntwintigste Kapitel

Wen dunn dörch dat Dörp achter den leiwen Herrgott nah de Schün, wo de Weiten upmäten würd, antauriden kamm. Wat de tau den Entspekter, de Lüd un den leiwen Gott sülwen säd. Wen unsen Herrgott dor, as hei achter bi den Hakeltun rümme kem, anraupen ded, un wo de leiw Gott sick dat gefallen laten müßt, dat hei up französch 'n ollen Gnatzkopp benäumt würd.

Dunn kamm dor wat achter up den Damm dörch dat Dörp up den Eddelhoff tau in 'n Schritt ranne tau riden, un dat was de ein Rüder, de up den starkknakigen Ivenacker dor hinnen bi dat Hunengraff un de grote Forst hen achter Meister Lampen her wäst was, un dat müßt jo woll doch de Rittmeister sülwen wäsen, denn' de Eddelhoff tauhüren ded. De forsche oll Englänner, de dampt man orig so, so hadd em den Rittmeister sin Gewicht, de beiden teihnfäutschen Grabens un Meister Lamp sülben mitnahmen hatt; un de drei langhoorten Windhunn' de sleken so drus achter den Englänner her un leten de Tungen so lang ut 'n Hals hängen, as kamm Knisenack bi sei nah, as de Güstrowschen dunn noch säden.

Vör de apen Schündör von dat Timmer, wo de Weiten in upmäten würd un wo de leiw Gott en lütt bäten sitaf noch ümmer stahn bläwen was, höll de Rittmeister dunn still, un dunn röp hei: »Guten Morgen, Leute! Guten Morgen, Kiesow! Donnerwetter noch mal zu, Kiesow, war das aber wieder einmal ein Ritt! Hab ich den Jungs das mal wieder gezeigt, was Reiten mit Hindernissen besagen will. Der Hans, der Deuwelsjunge, nahm der aber auf dem Goldfuchs die beiden Gräben da hinten bei 's Vorholz, wie 'n Alter, sag' ich Ihnen. Die beiden großen Lümmels auf ihre Rappen konnten 's nich besser fertig kriegen, obschon sie bereits ein Jahr lang in die Potsdamer Manege reiten. Hören Sie, Kiesow, das hätten Sie mit ansehen sollen! Wie 's werden soll, wenn der Schwarzbraune hier mal 'n Pips dabei weg kriegt, das soll mich bloß verlangen. Hab in mein ganzes Leben man einen einzigen solchen Gaul gehabt! Der war auch nich tot zu kriegen, wissen Sie, Kiesow, und das war bei Roßbach im November Anno 57, als wir unter Seydlitzen die verfluchten Franzosen so lästerlich das Jackleder auskalaschten. Da hätten S' mit bei sein sollen, Kiesow! Donnerwetter noch mal zu, liefen die Kerls aber! Wer da kein richtiges Pferdefleisch unter sich hatte, behielt der aber das Nachsehn! Na, was ich sagen wollte, die drei Jungs sind zu Präpostens nach Hohen-Langhagen rüber geritten und sollen uns die ein bißchen zum zweiten Festtag invitieren. Wenn nun nur der Glawe da hinten 'n richtigen Bock richtig aufs Blatt trifft, dann findet sich das andere schon. Drei Hasen und ein Rehzimmer, das, denk ich, soll schon 'n Loch zustopfen nächsten Mittwoch Mittag, un wenn der dicke alte Propost auch noch dreimal so viel Raum in sein Felleisen hätte. Und denn noch eins, Leute! Schickt mir die Kinder präzise vier Uhr auf 'n Hof; ich bin doch recht, mehr als sechs sind das doch nicht, die mir Ostern konfirmiert werden, darin irr' ich mich doch nicht?«

»Nee, mihr sünd dat nich, gnädigst Herr Rittmeister! Oder sünd dat doch mihr, Hamann? Du hest dor jo woll ok einen mank?«

»Nee, mihr warden dat woll nich wäsen!« säd dunn de Dagläuhner Hamann. Un dunn kreg jo de Rittmeister, as de swartbrun Hingst anfüng unruhig tau warden un hell an tau brenschen fung, ok den leiwen Herrgott tau seihn, de dor afsit an den kröppten Widenbom stunn, un dunn sach de Rittmeister em niglich an mit sin blanken blagen Ogen, strek sick den langen grisen Snauzboort un säd tau em: »Na, wi sünd ok woll en bäten unnerwägs un up Besäuk ut bi uns Verwandtschaft hier herümmer von wägen dat hoge Fest, wat denn, Olling?«

»Ja!« säd dunn de leiw Gott, »ich bin ein wenig auf Besuch bei meinen Kindern!«

»Na, denn auch recht vergnügte Feiertage, Alterchen!« röp dunn noch de Rittmeister, smet den krœnschen Hingst mit en Schenkeldruck rümmer un red nah sinen Hoff rupper.

Je, dit kunn jo nu man den leiwen Gott gefallen, wat hei dor in dat Dörp un vör den Eddelhoff mit sin eigen Ogen seihn un mit sin eigen Uhren hürt hadd, Args was dor jo nich in wäsen, un tau sin eigen Ihr süll dat jo ok wäsen, un dat geföll em jo ok woll, denn hei säd, as hei nu wider gung up de Landstrat un achter bi dat Timmer rümmer, wo de Weiten in upmäten würd, halflut vör sick hen: »I süh doch, süh!«, grad so as ein, de dat mal bäter drapen hett, as hei sick dat vermauden wäst is; sleiht em dat ok nich vull so in, as dat hadd wäsen kunnt un as dat hadd gahn kunnt, hadd dat nah sinen eigen Willen gahn. »Soans is dat all recht gaut! Drei von min sœben Buern, de dor achter up de Butensläg in de Borwinen ehr Tit all tau min Recht sitten deden un de dor noch ünner Hans Albrechten sin Regiment will un woll up satten, de hadden ok Speckin un Hamann un Wulfleff heiten, de Benäumung is noch dor, man de Buerstäden, de Buerstäden, dat de ehr so gottlos unner de Fäut wegtrocken sünd!«

De leiw Gott de würd œwer wedder in sin Betrachtungen stürt. Hei gung dunn grad längs den hogen Hakeltun an den Goren achter dat oll Herrenhus lanker, dunn röp dor wat baben sinen Kopp em tau, un dat was sonne säute frische Kinnerstimm as en lütten Stieglitsch, un as de leiw Gott dunn up kek, dunn lacht em dor sonn lütten grallen Kruskopp an, un dat was ne lütt Diern, de dor up de Bänk von den Kikœwer baben achter den Hakeltun stunn un so schelmsch un unschüllig up em dal sach as sonn lütten Heister von sinen Telgen. Dat was jo woll den Rittmeister sin lütt Nestküken, sonn oll lütt säut Nestküking, de dor jo männigmal bi weck gaud Lüd as sonn unverhofften Sägen noch nahkamen daun, as Nikodemus midden in de Nacht, un wenn, wat dat Jüngst hett wäsen süll, all lang mit dat tweit Schichten dörch is.

»Alter Mann, bist du der Weihnachtsmann, alter Mann? Zeig mir mal, was du mir Schönes mitgebracht hast! Die Mama sagt, es ist gar zu schön, was du mir mitbringst. Schenk es mir lieber nur gleich! Die Mama sagt, ich soll warten, bis die Dorfkinder ihre Bescherung erhalten haben. Ach, und das währt noch so lange! Bitte, bitte, lieber alter Mann! Du siehst so freundlich aus; wenn du der Weihnachtsmann bist, da schenk es mir lieber jetzt gleich! Ich halt es wirklich so lange nicht aus, bis die Weihnachtslichter angesteckt werden.«

Un dunn nickt de leiw Gott dat lütt Frölen up den Kikœwer recht fründlich tau un schenkt ehr sonn lichten Blick, dat ehr lütt Kinnerhart dorvon warm blew, bet ungeköffte Leiw in ehr letzte Stunn' mit dusend Tranen dat Og ehr taudrücken ded, in dat de heilige Strahl follen was.

De leiw Gott hadd jo nu dat lütt Frölen sacht ok noch ein Wuurt dortau schenkt hatt; man dunn kamm dor up eins up den Kikœwer noch ein Frugenskopp taum Vörschin; sach de œwer untaufräden ut mit Gott un de Welt, hadd de œwer ne gäle Klür, ne spitze Näs, en spitzen Blick un ne spitze Tung', un dat müßt jo woll dat lütt Frölen ehre französch Guvernantsch wäsen, de dor mit ehr vör Disch tau noch 'n bäten an de Luft gahn süll. »Qui est ce que ce vieux grognon là, mademoiselle, à qui vous parlez? Fi donc, mademoiselle! Vous oubliez toujours, que noblesse oblige!« röp de oll pockennorig Guvernantsch dunn.

»Is dat œwer einmal eine dœmliche Utleggung von ein vernünftiges Wuurt!« säd dunn de leiw Gott un lacht still vör sick hen, as hei wider gung.

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