Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > John Brinckman >

Uns Herrgott up Reisen / 1

John Brinckman: Uns Herrgott up Reisen / 1 - Kapitel 13
Quellenangabe
typenarrative
booktitleWerke II
authorJohn Brinckman
year1964
publisherHinstorff Verlag
addressRostock
titleUns Herrgott up Reisen / 1
pages95-242
created20060601
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Dat dürteihnst Kapitel

Wo den Schlesinger, den Westfälinger un dat Berliner Kind dat tauseggen ded baben up dat Rathus achter de Trallichen, wo wenig bußfarig sei sick dorbi hadden; wo dull sei de Wänn' angungen, un wo Twachtmann sei sick all drei de Reig nah noch heuretisch dorup ankek, an weck ehren geometrischen Punkt hei sülwen mœglichen Falls sin Tangenten anleggen müßt.

Na, dit was jo nu gaut. Ihre sei sick dorvör wohrten, seten min leiwen drei Handwarksgesellen, Pruder Punschlauer, de Westfälinger un dat Berliner Kind, in dat Vagelbunden-Burken mit de isern Trallichen un dat duwwelte Henkslott buten, baben achter den bœbelsten Gäbel von dat Rathus, un keken ierst de nackten Muern un dorup sick sülwst einanner an, so verblext as drei Brümmers in ne Buddel, wo de Proppen baben upstäken ward, un as Pürrickens, de von 'n Kes runner follen sünd. De Stadtdeiner Twachtmann bröcht sei nahst noch en Emmer vull Water rupper; man dat Brot verget hei, un seggen ded hei ok kein starbendes Wuurt mihre, as hei fuurt gung un achter sick tauschotten un dreiduwwelt tauschluten ded.

»O, du heiliges Nepumuckle!« hadd dunn de Pötter-Oltgesell, de tauierst wedder tau Pust kamen was, ut sick ruter stött.

»Kann mich dies aber jefallen!« hadd dat Berliner Kind seggt, und: »Soll das aber wieder einmal sein!« de Westfälinger hentausett't. »Wenn ich die Grittmannin freien du«, was de Pötter wedder anfungen, »eh freß ich ungeschlemmten Letten zum Feierabend bis an mein selig End!« »Und ich hang mir das Mensch, das Pluckhahnle, nich an meinen Hals for gor nicks in der Welt nich, und wann der Deixel das gesamte Frauengeziefer holt und ihr allein zurücklassen täte!« säd de Schlösser. »Und denn jönnst du mich des jewiß nicht mehr als jerne, Schlösser, wenn mich die olle Murrjahnen jefälligst jestohlen bleibt und der Deibel sie selbst nicht wiederfinnt, setzte er mich auch zehnmal seine eijene Jroßmutter ihre Brille uf!« säd dunn noch de Berliner. Un dorup stöken s' in de Wut all drei ehr Näsen baben dörch de Trallichen von dat Vagelbunden-Burken un schrigten, dat dat drei Straten wit tau hüren was: »Mer dun 's nit! Mer freien eure alten Kunkeln nit! Der Deibel soll uns all drei ohne Sattel nach 'n Blocksberg reiten, wann mer 's täten!«

Na, dit kunn nu jo so bliwen, un dit was jo sonn sauber Stück Arbeit von den Herrn Burmeister, dor kunn sick jo nich blot de Kummün un de drei Wittfrugens, dor kunn' sick jo noch Kinner un Kindskinner bet in dat sœbente Glied tau freun un de Herrn Burmeisters von Swaan un Krakow, von Marlow un Crivitz, un wo de leiwen lütten Hunn'löcker all noch heiten daun, en Exempel von Bispill an nähmen. »Up dat arbitrium judicis kümmt jo ümmer dat meist an!« hadd de Herr Burmeister seggt hatt, »mank de Rechtsfäll dor gifft dat kein Twäschenbräuder, un woll dem Lande, das eine prompte Justiz hat un wo de Magistrat nich ierst lang fackeln deit, man de Fingerhannschen fuurtst uttreckt un dat heit Isen denn ok recht en bäten fast anfött. Dor geiht nicks œwer de richtige Diagnos, säd oll Doktor Zipoll un hadd sin eigen oll Grotmudder noch Sittversaat wedder de Wörm gäwen, Sei weiten jo woll noch, Herr Ziktorivus, dunn hadd oll Doktor Zipoll noch läwt.«

De drei Gesellen dor baben in dat Burken de süllen dor jo noch den sülwstigen Dag ne Ahnung von kriegen, wat dat heiten ded un up sick hadd, wenn de Herr Burmeister mal eins de Fingerhannschen uttröck un dat heit Isen recht en bäten fast anfött. Nah gaut annerthalwen Stunn' stöken sei taum tweiten Mal de Näsen ut de Trallichen un schrigten noch eins so lut un bätsch: »Mer freien die verdammten alten Schachteln nit! Mer dun 's nit, und wann der Deibel auch ihre gesamte jetzige Nachkommenschaft zu sich nimmt und sie selbst wieder zu Jungfern macht!«

Dorœwer wiren sei jo nu döstig worden von de gläugnige Wut, de in sei glœsen ded, un so makten sei sick denn de Reig nah œwer dat Emmer her, denn Arger is ümmer noch sonn' tagen ollen Knacken Brot wäsen, de sick nich gaut drög dal sluken lett. Nahst würd dat nu jo Fierabend, un dunn sproken sei sick taum drüdden Mal gehürig ut dörch de Trallichen, verlöschten sick nochmals all drei an dat Emmer, so dat ok kein Druppen œwrig blew. Dunn hadd sick œwer nu jo ok de Hunger bi sei mellt, un dunn sachen sei sick nah dat Brot üm; man as Gott den Schaden dunn besach, was dor ok kein Kraum nich. Dat Brot hadd jo de Stadtdeiner woll rein vergäten. Na, dit was jo nu noch bäter! Fungen sei dunn œwer ierst an tau raupen un nahst an tau schrigen un tauletzt ballerten sei mit ehr söß Fusten an de eiken Dör von ehr Vagelburken, dat dat ganz oll Rathus knacken ded; man wen nich kamm, dat was min leiw Twachtmann, de was jo woll rein dof up beide Uhren.

»Heiliges Herrgottle von Güllentraum, is das aber a Sünd und a Schand!« hadd de Bunzlauer dunn giftig vör sick ruter stött. »Soll das aber wieder einmol sein!« hadd de Westfälinger raupen un dat Berliner Kind dormit taustimmt: »Wenn es mich nach meinem Willen jinge, denn brennte mich der janze mecklenburgsche Ochsenstall hier ab mit all seine Stadtbullen, den Börjermeister nicht zu verjessen, und würde mich nie nicht wieder ufjebaut!«

Na, dor mußt jo nu de Nacht œwer hengahn, dat hadd jo all nich hulpen; man wat wohr is, dat möt ok wohr bliwen: vör Däu un Dag' den annern Morgen, wen hadd dor woll anners kamen süllt as min leiw Twachtmann, un de kamm ok nich allein, de bröcht för sin drei Kunden jedwern 'n Gröschens-Roggenbrot, dat warm ut 'n Aben von den Bäcker sin Schüff kamm. Na, dor was jo nu Gerechtigkeit in, un uns drei Gesellen, de stört'ten ok up dat Brot los as de Bück up de Hawernkist, un würden dat nich ihre gewohr un frot, dat Twachtmann dat leddig Emmer mit sick fuurt nahmen, stillswigens achter sick tauschott't, dreiduwwelt afslaten un de Henkslött vörleggt hadd, as bet sei de Gröschensbröd bet up den letzten Happen verputzt hadden un sick dorup de Döst, un wat för 'n Döst, mellen ded. Un dorup würd sei de Tung so heit un so drög un so dick un so swor achter ehr Gagelfleisch, dat sei den Dag man einmal dörch de Trallichen ehr Näsen stäken un schrigen kunnen: »Mer dun 's nit, mer freien eure alten Ranunkeln von Wittfrugens nit, und wenn der Deibel uns 'n Heckdaler schenken will, mer dun 's nit!«

Dorup wiren sei jo nu as unklauk in dat Burken rümmer hüppt, un hadden sei den Dag vörhen an de afslaten Dör mit de Fusten œwer dat rückständige Brot bœkert, denn so ballerten sei dor nu ierst recht an un schrigten œwer Water, as stunn dat oll Rathus in Füer un as ob sei dor bi lebendigen Liw mit in verbrennen süllen. Man wen wedder nich kamm un dat Waterbringen verget, as hei dat Brotbringen vergäten hadd, dat was min leiw Twachtmann wäst.

Hadden dunn œwer de drei Gesellen in sick rinne un ut sick ruter flucht. Dunn gungen sei de Ogen mit eins vullstännig apen, wat dat up sick hadd, wenn de Herr Burmeister de Fingerhannschen uttrecken ded, un wo de Pön, »ümschichtig bi Water un Brot,« sick utleggen let; un dunn gungen sei ok fuurtstens mit sick tau Rat, wat sei nu dorbi tau daun hadden un wo sei sick dorvon am besten afhelpen un tau gliker Tit den Herrn Burmeister un de gesamte Kummün en Profund andaun kunnen, de sick tau den Ossen un den landrüchtigen Häkt passen süll as de Fust up dat Og un de Knüppel för den Hund. Un as nu so dat ein Wuurt ümmer dat anner gifft un sonn Winternacht üm de Adventen rümmer wat lang un kolt wäsen deit, so hadden sei jo naug Tit dortau hatt un dat ok koltbläudig naug mit sick œwerleggen kunnt. Gaut Rat kümmt jo ümmer œwer Nacht! Un as dat dunn wedder Dag würd un de Slüter ok mit dat Emmer vull Water, man dit Mal wedder ahn Brot, anstägen kamm, dunn so hadden sei ehren Anslag richtig farig, sett'ten em ok fuurtst int Wark un makten minen leiwen Twachtmann sonn fründlich Gesicht tau, dat de nu wedder de Ogen wit upret un sick so verwunnern ded, dat hei dat verget, sei von den Herrn Burmeister välmals tau grüßen un sei von den Herrn Burmeister fründlichst tau ersäuken, nich wedder sonn bannigen Marakel dor baben tau maken, süs sach de Herr Burmeister sick notgedrungen, so unnod as hei dat ok ded, sei all drei eins leviter tangieren tau laten, dat Recht hadd hei.

De Bunzlauer hadd dat jo nu glik minen leiwen Twachtmann an de gestrenge Amtsmien afseihn hatt, wat hei förn Brandbreif för sei bringen ded, let em dorüm ok gor nich ierst ant Wuurt un verklort em, wat sei nu all drei in sick gahn wiren, den gestrengen Herrn Burmeister wo ihre wo leiwer den Willen andaun wullen un sick vörweg för gnädige Straf ünnerdänigst un ganz gehursamlichst bedanken leten.

»Na, denn is 't man schön!« hadd dunn Twachtmann seggt, »dacht heff ick mi dat glik, dat dat so kamen würd. Spaßen deit uns Herr Burmeister nich. Wen hei ümschichtig taudiktiert hett un mi up de Kost gifft, de sall woll Hals gäwen un tau Krüz krupen lihren. Acht Dag' hett dat noch kein Pracher nich uthollen, so lang ick Slüter bin, so väl weit ick man. Un denn so mell ick juch bi den Herrn Burmeister, un denn ward ji woll so hentau elben vörlaten warden, un denn seiht ok man jo gaut en bäten nah jug Räd, un lat't juch kein Knäp bifallen, denn ick heff en teerten Knuppen an dat ünnelst Enn' von minen Reitstock, un dat hett mi noch kein Pracher nich vörsmäten, wat dat nich orig hentrecken deit, wenn dat sin möt, un nah min un den Herrn Burmeister sin Ansicht möt dat ümmer sin.«

Un dorbi sach min leiw Twachtmann, as en sihr verstännigen un dörch un dörch erfohrnen, ok mit den hochnotwendigen Amtsiwer för dat Woll von sin Kummün œwer de Maten begaften Slüter, sick nah de Reig de Puckels von den Berliner, den Westfälinger un Pruder Punschlauer an, as wüll hei sick vörweg en lütt bäten œwer sin Verfohren bi den Korporal-Prozeß instruieren, un ob dat bäter vördwars oder längs de Naht bi sei gahn mucht.

 << Kapitel 12  Kapitel 14 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.