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Uns Herrgott up Reisen / 1

John Brinckman: Uns Herrgott up Reisen / 1 - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
booktitleWerke II
authorJohn Brinckman
year1964
publisherHinstorff Verlag
addressRostock
titleUns Herrgott up Reisen / 1
pages95-242
created20060601
sendergerd.bouillon
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Dat twölfte Kapitel

Bruder Bunzlauer hett dat Wuurt von unsern Herrgott krägen un möt dat vertellen, wo dat all taugahn is. Dor warden ok Akten œwer anleggt. Wittfru Grüttmann un Konsorten contra Bunzlauer un Konsorten. De Herr Burmeister will de Kummün mit dat summorische Verfohren helpen, un wat de Stadtdeiner Twachtmann dorup för Order kreg.

»Ei du herzallerliebst Herrgottle von Güllentraum!« röp dunn Brauder Bunzlauer, »das muß wohr seind. Lustig seind mer. Immer fidel und ka Rand nich um 'n Hut! sogt der Westfälinger do. Schaun S', liebs Herrle, habe mer alle drei in Arbeit gestande in Dingskirchen da hinner, drei lange Wandertage von hier in dies verwetterte Land, ins Dings da hinner, wo die pudelnarrschen Leut rin wohne, so den Farren h'nuff gewunden habe mit a Strick um 'n Hals; hat 's Gras abweide gesullt, was is gewachsen oben aufs Stadtdor. Und as der Farr da das Aug verdreht und die Zung lang austreckt, haben s' in die Hand geklatscht und gerufe: Nein, aber schau, was der Ucks sich schon leckmündelt nach dem fetten Bissen da oben!«

»So, so!« säd de leiw Gott, »also dor hewwt ji in Arbeit stahn?«

»Ei freilich!« säd de Westfälinger, »soll das aber wohr sein!«

»Und wo sie mich den jroßen Hecht die Jlocke noch umjebunden und ihn druf wieder in den jroßen See jesetzt und losjelassen hätten«, säd dat Berliner Kind.

»Weit, weit«, säd de leiw Gott, »na, un nu, Bunzlauer?«

Na, un dunn vertellt jo nu de Pötter-Oltgesell den leiwen Herrgott, wat sei all drei vör Johr un Dag up de Wanderschaft tausamen drapen, Bräuderschaft mitenanner makt un ok tauhop wider wandert wiren! So wiren sei denn ok tauletzt nah Land Mäkelnborg rinner kamen, un dor hadd sick dat denn nu so drapen müßt, wat in de beseggte Stadt drei Wittfrugens sitten bläwen wiren, jedwerein mit ne Haud Gören, un de Wittfrugens hadden jo nu dat Geschäft mit en düchtigen Gesellen fuurtsetten wullt. Dat hadd sick jo nu prächtig paßt, wil dat en Pötter, en Klempner un en Schlösser hadd wäsen süllt. Lang besunnen hadden sei sick nich; trennen hadden sei sick nich girn wullt, wil dat sei so schön tau einanner passen deden, un so wiren s' ok all drei bi de drei Wittfrugens tautreckt, hadden de Kundschaft prompt un reell bedeint un so wedder Brot un Lust un Läwen in Hus un Warkstatt rinner bröcht. Immer fidel un ka Rand nich um 'n Hut! As dunn œwersten de Sommer kamen was, dunn hadden jo nu de drei Wittfrugens sick dat in den Kopp sett't, wat jedwerein von sei ehren eigen Gesellen frigen wull. Ierst hadden sei dat mit de Beredsamkeit krägen un dunn mit de Swigsamkeit un nahst mit sonne Lieblichkeit un tauletzt mit sonne Taudaunlichkeit, de drei Handwarksburßen hadden dat recht gaut markt, wat för Vöß in den Busch stöken. De drei Wittfrugens wiren sei ümmer mit Pannkauken un Eierbier tau Liw gahn; sei sülm hadden sick œwer dumm stellt, keinen Kummer in den Pannkauken kamen laten, man up den Lim tau gahn, dor hadden sei sick weislich för hött.

De drei Wittfrugens müßten dat jo woll up de Tit sett't hewwen, aflaten hadden sei nich, un as de Pannkauken un dat Eierbier nich hadd trecken wullt, dunn versöchten sei dat mit Häuhnersupp un Klümp un Kirschbrannwin, jedwesmal duwwelte Ratschonen. Dorœwer was de Harwst hengahn un de Winter kamen, un as dat dunn all nich hadd anslahn wullt, nich Stoppelgaus un nich Swartsuer, un as de drei Gesellen, de dor doch 'n bäten bedenklich bi würr, ehr Wanderbäukers to Rathus drögen von wägen dat Frömdmaken up Nijohr, dunn so wiren de drei Wittfrugens all drei rabiat worden un hadden sick achter ehren Herrn Burmeister stäken, de dunn grad von 'n Landdag trügg kamm.

De Herr Burmeister hadd dunn ok meint, as de Wittfrugens em ehren Fall vördrägen deden, un wat sei sick dat nu all kosten laten hadden ahn sichtbore Erfolgen: »I, dit was jo dat wenigst; dit wir jo noch schöner; dit will wi voll kriegen; dor bün ick juch gaut för; Wittfrugens sid ji. Man ümmer sacht Rat! Täuwt man noch en bäten, jug Recht möt juch warden. Ji fallt mi süs noch de Kummün tau Last. Dit geiht nich! Drei Wittfrugens un dörtig Kinner up einen Slag, dat kann de Armkaß nich lasten. 'n heit Isen is dat, dat will 'n bäten fast anfat't warden. Ji kœnt Gott jugen Schöpfer fautfällig danken, dat ick de Finger dor mank kriegen do, Kinner! Hm – hm – hm! – Wo was dat noch? Richtig, richtig! Dit geiht! Ick seih dor nu all 'n Lock in. Futtert mi man de entfamten Rackers recht düchtig, ümmer duwwelt Ratschon! Wo de Leiw nich in dat Hart rinner will, dor sall sei mi woll dörch de Mag kamen. In desen Fall is dat Kostborste grad dat Wollfeilste. Man ümmer duwwelt Ratschon, hürt ji? Dat is sihr verstännig von juch wäsen, dat ji dat von vörn rinner glik dan hewwt. Dat Krut is woll in ehren Kopp uplopen, Grüttmannsch, nich? Na, wi sünd jo nu in dat fett Vitteljohr rinne; Swin hewwt ji jo up 'n Kaben. Dit will wi woll kriegen! De drei Kierls sœlen mi för gaut an den Distel ranne, oder ick gah nie nich wedder tau Landdag un ät Sneppendreck bi Dörchläuchten sinen Kumßarius. Wi sünd nu in de Adventen rinne, kikt man in gaut acht Dag wedder bi mi vör, un denn kœnt ji dat man vörher bi den Stadtziktorivus en bäten tau Protokoll gäwen, wo väl duwwelte Ratschonen dat in 'n ganzen worden sünd, up ein Portschon mihr oder weniger kümmt dat nich an; man verstaht mi recht, versteiht sick ümmer, dat ji dorup fluchen kœnt, wenn de drei verfluchtigen Kierls sick up de Achterbein setten deden.«

De drei Wittfrugens leten jo nu natürlich ok fuurtst den annern Morgen ehr Fettswin afstäken un makten Wurst nich för de Frag, Grüttwurst un Blautwurst un Knackwurst; un dat de drei Gesellen vörut bi de Läwerwurst un Blautwurst ok ungenödigt duwwelt taulangten, dat versteiht sick von sülwst. Verfihrten sick de drei arm Gesellen œwer nich slicht, as den Maandag nah den tweiten Advent de Herr Burmeister sei all drei tau Termin vörladen let.

Man sei hadden de Ogen as Schündören upräten, as hei sei de Wanderbäuker wedder afföddern un sei fragen ded, wenn sei sick denn nu eigentlich mit de drei Wittfrugens tauhop gäwen wullen? För de Dispensatschon würd hei sorgen. Tit würd dat nahgrad, dücht em man so. Upnahmen as Börgers würden sei, dor säd hei gaut för. Un dat Meisterstück dat würd denn biher makt, dor würd denn 'n Og bi taudrückt; hei de Herr Burmeister was jo Amtspatron. Dat sei denn de Börgerbreiw kriegen un ok tau de Schüttengild un Dodenbeleiwung taulaten würden, dor würd hei ok för sorgen.

»Ei du heiliger Wenzel von Jauernick!« hadd dunn de Bunzlauer seggt hatt, »das darf halt nit sein, Herr Burmeister! Mer haben alle drei von uns schon a Schatzerl daheim.«

»De lat't ji lopen!« hadd de Burmeister dunn seggt.

»Aber mer seind all drei von die römsche Konfession!«

»Schad't em nich!« hadd de Burmeister dunn wedder meint, »denn so bruken de drei Wittfrugens juch nich ierst lang katholisch in jugen Kopp tau maken. Frigen möt ji de drei Wittfrugens so wie so; dor kamt ji nu einmal nich von af. Hewwt ji juch dat ein gefallen laten, denn will ick juch dat anner ok woll annähmlich maken. Ick stah hier för de Kummün. Schausters un Dischers un Sniders hewwen wi mihr as tau väl hier; man Pötters und Kunstschlössers un Klempners, dor heww wi uns ümmer man einen tau Tit von hollen, un dor de sick dat hewwen infallen laten, en bäten dot tau bliwen, un ehr Wittfrugens unversorgt sünd, so is dat min verdammte Schülligkeit als Burmeister, wat ick nah min bestes Weiten un Vermœgen einmal för de Kummün sülwst un fört anner för min Witwen un Waisen sorgen dau. Dat kann lang wohren, ihre en düchtigen Pötter, Schlösser un 'n Klempnergesell sick hier wedder bi uns seihn lett. Dor kann de Kummün nich ierst lang up täuwen, un dor lat ick mi nich up in. Sparrt juch man nich lang! Willt ji, segg ick, oder willt ji nich?«

Hadden dunn œwersten de drei Gesellen schrigt: »Mer wolle nit un mer wolle aber nit! Da müsse mer erscht selber mit dabei seind! Das wolle mer aber erscht doch mal seh'n! Geb S' die Wanderbücher da mal wieder heraußer, Herr Börgermeister! Mer wolle uns lieber gleich frömd mache.«

»Je, dat glöw ick, dat hadd ji woll mucht!« hadd dunn de Herr Burmeister wedder seggt, »nee, Kinnings! Alls wat recht is. De Wanderbäuker de krigt ji, so drad as ji de Schulden betahlen daut, de ji hier so lichtfarig makt hewwt. Nee, dat möt ji nich meinen. So sünd wi hier ok nich!«

»Schulden?« röp dunn dat Berliner Kind, »i, des bitt ich mir doch jefälligst ein bißchen zu jrüßen!«

»Schulden?« säd de Westfälinger, »soll das aber sein!«

»Schulde?« schreg de Bunzlauer, »soll do ein heiliges Donnerwetter drein schlage!«

»Je, ji hewwt juch orig en bäten in de Krid rinner räden«, säd dunn de Herr Burmeister, »dat sall wohr sin! Herr Ziktorivus, daun S' doch gefälligst mal en bäten de nigen Akten, de Sei vörläden Woch anleggt hewwen in Sachen Witwe Grüttmann und Konsorten hieselbst contra den Töpfergesellen Altmeier aus Bunzlau und Konsorten her. Hier heww wi dat all swart up witt. Hier is Grüttmannsch ehr lütt Nota, de hett de Bunzlauer tau betahlen. Dor is Plückhahnsch ehr för den Schlösser, richtig, un dit is, wat de Berliner sick oewer de Gebühr bi Fru Murrjahnen ranner fressen hett. Dat stimmt einzig. Jedwerein von juch hett dreiuntwintig Daler un sößteihn Schilling för Oewerkost blank tau trecken, de hei sörre ›Okuli, dann kommen sie‹, un dat ward grad den föfteihnsten März wäsen sin, mit Willen un Weiten tau sick nahmen un verputzt hett. Un Hei, Bunzlauer, hett noch sœben Daler un acht Schilling extra för Spickaal un Kœm, de von Wittfru Grüttmann för Em utleggt worden sünd. Dor sall œwer en Strich œwer makt warden un dat sall all in 'n Schottstein schräwen wäsen, wenn wi üns drei Wittfrugens süs Gerechtigkeit andaun. Je, wat segg wi nu?«

De drei Handwarksburßen hadden dunn tauierst den Herrn Burmeister un den Stadtsekretoriwussen un nahsten sick einanner sülwst dorup ankäken un dorbi so parplex utseihn, as ob ehr de Ap uphacken ded.

De Pöttergesell hadd sick jo nu tauierst von den Schreck fat't hatt, un dunn würd hei brandwild, haut mit de Fust vör den Herrn Burmeister up de Kanzellen un schreg: »Is das aber a bissel von Schweinerei hier zu Land! Is das ä Sünd un ä Schand! Der Deibel soll mir hole, wann ich bezahlen tu, derweil ich kein dreiundzwanzig Batzerl nit hob, und der Deibel soll mir noch dreiunddreißig mal hole, wann ich das alte Nickel, die Grittmannin, freien tun tät!«

Un de Westfälinger hadd schrigt: »Ei, soll das aber wohl sein! Ich schneiz mir jo eh mein Nasen in den Triersch Heiland sein Röckle, eh ich's Weibsbild von Fru Pluckhahnle an mein Leib ranner kommen laß.«

Un dat Berliner Kind dat säd: »I Jotte doch, Herr Bürgermeister! I, Jotte bewahre in Jnaden! Die Murrjahn kann mich warten, bis ihr die Petersillije anders wo raus wachsen dut; man wann die olle Pomeranze mir will, dann muß sie sich erst in 'n rennlichen Nejus verwandeln, wann ich ihr jenießen soll.«

»Besinnt juch, Kinner!« hadd dunn de Herr Burmeister wedder seggt, »lat't juch in Gauden raden un gaht noch hüt un desen Dag bi jug Meisterstück. Entweder ji frigt mi de Wittfrugens, oder ji betahlt, en annern Utweg is dor nich. Ick bün einmal Burmeister hier un fackel nich lang. Ick dau dat unnod, man daun dau ick dat. Man heff ick de Fingerhannschen ierst ut, denn so waßt dor ok kein Gras nich, un nu taum letzten Mal, willt ji, oder will ji nich?«

De drei Gesellen hadden sick jo nu in Gauden up nicks inlaten wullt un hadden wedder einmäudig un so lut schrigt, dat dat unnen up den Markt tau hüren wäsen was: »Mer wollen 's aberscht nit un mer dun 's auch nit. Da müsse mer erscht selber mit dabei sein, Herr Börgermeister.«

»Na, denn helpt dat nich!« hadd hei koltbläudig seggt, as de Pogg tau den Brümmer, den hei taufällig unner de Ierdbeeren dröp, »denn weit ick ok keinen annern Utweg för juch un de Wittfrugens, as dat ick juch dat wedder afhungern dau, wat ji juch mit Weiten un Willen wedder Gebühr un Herkamen up min drei armen Wittfrugens ehr Kosten ranne fräten hewwt. Herr Ziktorivus, klingeln S' gefälligst mal eins!«

Dunn klingelt de Ziktorivus ok, un dunn gung jo nu de Dör apen, un wen süll dor woll anners rinner kamen as de Stadtdeiner, de ok tau gliker Tit Slüter was.

»Twachtmann!« säd dunn de Herr Burmeister.

»Herr Burmeister?« säd dunn Twachtmann.

»Twachtmann, bring Hei mi doch mal fuurtstens de drei Kierls hier en bäten nah Nummer Säker baben rupper! De hewwen sick gegen uns Kummün versündigt! Wi willen dat mal mit sei taum Anfang bi Water un Brot versäuken up acht Dag', denk ick. Viellicht dat sei denn in sick gahn un uns gerecht warden.«

»Bi Water un Brot, Herr Burmeister?« frog Twachtmann.

»Versteiht sick, bi Water un Brot, Twachtmann!«

»Ümschichtig, Herr Burmeister?« frog de Slüter nochmal.

»Ümschichtig, Twachtmann! Dat sick dat versteiht.«

»'n Protokoll bruken wi dorüm jo woll nich ierst antauleggen, Herr Burmeister?« hadd de Ziktorivus dunn noch fragen wullt, œwer de Herr Burmeister hadd seggt: »O bewohre! Dit süll noch fählen! Dit is jo ne rendliche Polizeisak. Dit is man blot summorisches Verfohren, Herr Ziktorivus, un dor ward œwerall kein Fedderläsens mihr bi makt. Von Rechtswägen. Punktum!«

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